Der Prophet Amos (8)
Kapitel 8

Henry Allen Ironside

© SoundWords, online seit: 17.05.2020, aktualisiert: 17.05.2020

Hunger nach dem Wort Gottes

Verse 1-3

Amos 8,1-3: 1 So ließ mich der Herr, HERR, sehen: Siehe, ein Korb mit reifem Obst. 2 Und er sprach: Was siehst du, Amos? Und ich sprach: Einen Korb mit reifem Obst. Und der HERR sprach zu mir: Das Ende ist über mein Volk Israel gekommen, ich werde fortan nicht mehr schonend an ihm vorübergehen. 3 Und die Gesänge des Palastes werden sich in Geheul verwandeln an jenem Tag, spricht der Herr, HERR. Leichen in Menge, an allen Orten hat er sie hingeworfen – still!

Die vierte Vision und ihre Anwendung finden wir in den ersten Versen. Man kann sehen, dass mit Ausnahme der letzten dieser Lehrbeispiele alle anderen einen solchen Charakter haben, dass ein junger Mann, der in einem ländlichen Gebiet aufgewachsen und mit dem landwirtschaftlichen Leben vertraut ist, sie leicht verstehen kann. Heuschrecken sind die gefürchtete Plage der orientalischen Landwirte. Oftmals wird sicher auch Amos geholfen haben, einen Busch- oder Waldbrand zu bekämpfen, der drohte, die Ernte zu zerstören. Auch die Verwendung eines Lotes war ihm vertraut, da fast ausschließlich Steinmauern sowohl für Wohnhäuser als auch für Begrenzungen landwirtschaftlicher Nutzflächen verwendet wurden. Und das Thema dieser vierten Vision würde ihm gleichermaßen vertraut sein.

Der Herr zeigte ihm einen Korb mit Sommerfrüchten, besser gesagt mit überreifer Frucht, die nicht mehr länger aufbewahrt werden konnte. Auf seine Frage „Amos, was siehst du?“ antwortet der Prophet: „Einen Korb mit Sommerfrüchten.“ Dann folgt die Erklärung dieses einfachen Symbols. Israel war wie eine faulende Frucht geworden. Das Ende war nahe herbei gekommen – die Zeit der Verwerfung. Die Gnade würde nicht länger denen entgegengestreckt werden, die sie wieder und wieder abgelehnt hatten. Die Gesänge im Tempel würden in klägliche Rufe der Angst und Verzweiflung verwandelt werden, und die Leichen derer, die Gottes Botschaft verachtet hatten, würden die Städte füllen und dann unter Schweigen hinausgeworfen werden.

Verse 4-10

Amos 8,4-10: 4 Hört dies, die ihr nach dem Armen und nach der Vernichtung der Sanftmütigen im Land schnaubt 5 und sprecht: Wann ist der Neumond vorüber, dass wir Getreide verkaufen, und der Sabbat, dass wir Korn hervorholen; um das Epha zu verkleinern und den Sekel zu vergrößern und die Waage des Betrugs zu fälschen; 6 um die Geringen für Geld und den Armen für ein Paar Schuhe zu kaufen, und damit wir den Abfall des Korns verkaufen? 7 Der HERR hat geschworen bei dem Stolz Jakobs: Wenn ich alle ihre Werke jemals vergessen werde! 8 Sollte das Land deswegen nicht erbeben und jeder, der darin wohnt, nicht trauern? Und es wird insgesamt emporsteigen wie der Nil und aufwogen und zurücksinken wie der Strom Ägyptens. 9 Und es wird geschehen an jenem Tag, spricht der Herr, HERR, da werde ich die Sonne untergehen lassen am Mittag und Finsternis über die Erde bringen am lichten Tag. 10 Und ich werde eure Feste in Trauer verwandeln und alle eure Gesänge in Klagelieder, und werde auf alle Lenden Sacktuch und auf jedes Haupt eine Glatze bringen; und ich werde es machen wie die Trauer um den einzigen Sohn, und das Ende davon wie einen bitteren Tag.

Neben dieser Bekanntgabe, dass das Ende gekommen war, finden wir auch eine ernste Zusammenfassung der Sünde des Volkes: Sie verschlangen die Bedürftigen in ihrer Gier und ließen die Armen des Landes straucheln so wie in den letzten Tagen, von denen es in Jakobus 5,1-6 heißt: „Ihr habt Schätze gesammelt in den [nicht: für die] letzten Tagen!“

Dieser Geist der Habgier machte die eingesetzten Feste und Sabbate zu einer Last. Äußerlich wurden sie eingehalten, aber innerlich sehnten sie das Ende dieser Tage herbei, damit sie wieder kaufen und verkaufen und noch mehr bekommen konnten. Deswegen schwor der Herr und sagte: „Wenn ich alle ihre Werke jemals vergessen werde!“ Sie waren alle vor seinem heiligen Auge. Sie waren alle in sein Buch geschrieben. Sie würden mit allem vor seinem Richterstuhl konfrontiert werden!

Sollte das Auge eines unerlösten Sünders auf dieser Seite weilen, dann lass mich dem Gesagten noch einmal ernstlich Nachdruck verleihen: Du magst deine eigenen Werke vergessen, so zahlreich mögen deine Sünden sein; aber Gott hat verkündet, dass Er sich immer daran erinnern wird. Und wenn Er sich an alles erinnert, dann wirst du für immer aus seiner Gegenwart verbannt werden. Aber allen, die mit sich selbst ins Gericht gehen, ihre Schuld eingestehen und dem vertrauen, der gestorben ist, um zu erretten, sagt Er: „Ihrer Sünden und Ungerechtigkeiten werde ich nie mehr gedenken“ (Jer 31,34; Heb 10,17). Wird deiner Sünden gedacht werden oder sind sie vergessen, lieber Leser?

Wegen der Sünde Israels würde das ganze Land erzittern. Wenn die Sonne am Mittag untergehen und es am helllichten Tag dunkel würde, sollte das Volk hinweggeschwemmt werden wie der überfließende Strom Ägyptens. Das ist ein poetisches Bild der völligen Verwüstung; das Ergebnis ihres habgierigen Egoismus, ihres herzlosen Fehlverhaltens dem Armen gegenüber und von Gottes Unmut über ihre Wege. Bitter würde die Trauer an jenem Tag sein, wenn zu spät Buße getan wird, um das drohende Unheil noch abzuwenden. Man wird wehklagen wie über den Verlust des einzigen Sohnes und das Ende wird „wie ein bitterer Tag“ sein.

Verse 11.12

Amos 8,11.12: 11 Siehe, Tage kommen, spricht der Herr, HERR, da werde ich einen Hunger in das Land senden, nicht einen Hunger nach Brot und nicht einen Durst nach Wasser, sondern die Worte des HERRN zu hören. 12 Und sie werden umherschweifen von Meer zu Meer und vom Norden bis zum Osten; sie werden umherlaufen, um das Wort des HERRN zu suchen, und werden es nicht finden.

Mehr noch: Eine Hungersnot würde über sie kommen, die den Bedürftigen verschlingen (vgl. Amos 8,4) und „den Armen für ein paar Schuhe kaufen“ (Amos 8,6). würde. Es würde kein Hunger nach Brot sein oder Durst nach Wasser, sondern Hunger, das Wort des Herrn zu hören, das sie abgelehnt hatten. Als ein verlassenes Volk werden sie von Meer zu Meer wandern, um überall nach dem einst verachteten Wort des Herrn zu suchen. Aber dann ist es zu spät. Sie „werden es nicht finden“.

Zweifellos fand diese Prophezeiung in gewissem Ausmaß seine Erfüllung, als Israel nach Assyrien verschleppt wurde. Aber eine noch umfangreichere Erfüllung erwartet sie in den Tagen des Antichristen. Nicht nur Israel und Juda allein werden durch die Hungersnot gehen. Die noch schuldigere gewordene Christenheit, die das Wort Gottes in so reichem Maß besaß, wird sich gänzlich von der Wahrheit weg- und den Fabeln zuwenden. Der Tag wird kommen, wenn der betrübte Geist Gottes die Erde verlässt und die Schrift der Wahrheit gleichsam von denen genommen wird, die sie so geringgeschätzt haben.

Verse 13.14

Amos 8,13.14: 13 An jenem Tag werden die schönen Jungfrauen und die Jünglinge vor Durst verschmachten – 14 die bei der Schuld Samarias schwören und sprechen: „So wahr dein Gott lebt, Dan!“, und: „So wahr der Weg nach Beerseba lebt!“ Und sie werden fallen und nicht mehr aufstehen.

Dann werden „die schönen Jungfrauen und die Jünglinge vor Durst verschmachten“, denn das Wasser des Lebens, das sie zurückgewiesen haben, wird ihnen entzogen werden. Sie werden verlassen und in Verzweiflung sterben und einer wirksamen Kraft des Irrwahns hingegeben werden, so dass sie der Lüge glauben. Alle, die der Wahrheit nicht glaubten, sondern Freude an der Ungerechtigkeit hatten, werden gerichtet werden. Die Hungersnot wird nicht etwa dazu führen, dass sie zu Gott umkehren, sondern im Gegenteil, sie werden weiterhin bei ihren Götzen schwören und wie in Elias Tagen finden, dass niemand hört und niemand achtgibt. So werden sie fallen, um niemals wieder aufzustehen.

Vorheriger Teil


Originaltitel: „Notes on the Prophecy of Amos“
aus Notes on the Minor Prophets, 1909

Übersetzung: Anne Brust


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