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Leitvers: 1. Timotheus 2,1
1Tim 2,1: Ich ermahne nun vor allen Dingen, dass
Flehen, Gebete, Fürbitten, Danksagungen getan werden für alle Menschen.
Im ersten Artikel dieser Serie haben wir unter diesem Titel etwas über
Abraham, Mose und Hiob gesagt. Wir wollen nun ans Licht bringen, welchen Platz
die Fürbitte im Dienst von Samuel, Elia und Daniel eingenommen hat. Mögen
diese Vorbilder uns anspornen, diesen Teil unseres Dienstes nicht zu
vernachlässigen. Die Gefahr dazu ist groß, wenn allerlei Arbeit unsere Zeit
und Energie in Beschlag zu nehmen droht.
Wiewohl sein Vater gemäß seines Wohnortes ein Ephratiter genannt wird (1Sam
1,1), war er seiner Abstammung nach ein Levit, und demnach war Samuel es auch
(1Chr 6,16-18.33-38). Seine Mutter Hanna konnte also mit Recht ihr Gelübde
ablegen und den erbetenen Sohn für den Dienst in der Stiftshütte bestimmen.
Wir sehen daher auch, dass Samuel nicht nur als Richter auftritt, sondern
auch als Priester und Prophet, wobei er gleichzeitig ein Nasiräer war. Was er
in all den Eigenschaften für das Volk bedeutete, wird uns in der Schrift klar
gezeigt, bleibt hier jedoch zugunsten unseres Themas weitgehend unbehandelt. Als
seine Aufgabe als Richter für ihn allein zu viel Zeit und Kraft erforderte,
stellte er auch seine beiden Söhne als solche an. Vaterliebe scheint ihm
hierbei einen Streich gespielt zu haben, denn es scheint, dass diese Wahl nicht
glücklich gewesen ist (1Sam 8,1-3).
Im siebten Kapitel seines ersten Buches lesen wir, wie Samuel öffentlich als
Fürbitter für sein Volk auftrat. Bevor er dies in der Gegenwart des Volkes
tat, stellte er seine Bedingungen. Oft wird allzu leicht die Fürbitte anderer
in Anspruch genommen. Der Schreiber des Hebräerbriefes konnte dieser Bitte die
Begründung hinzufügen: „… denn wir sind überzeugt, dass wir ein gutes
Gewissen haben, da wir in allem ehrbar zu wandeln begehren“ (Heb 13,18).
Simon der Zauberer bat Petrus und Johannes, für ihn zu beten, damit ihm
nichts von dem überkommen würde, was sie ihm gesagt hatten. Das fand er
scheinbar leichter, als mit dem Bösen zu brechen, sich von der Bosheit zu
bekehren und selbst zu Gott zu beten. In diesen Umständen hat so eine Bitte
überhaupt keinen Wert. Wir lesen dann auch nicht, dass die Apostel darauf
eingegangen sind (Apg 8,18-24).
Diese Lektion musste auch das Volk lernen. Wir lesen, dass das ganze Haus
Israel dem Herrn mit ihren Klagen nachfolgte. Das ist allerdings etwas ganz
anderes, als nach der Ursache des Elends zu forschen, das Böse zu bekennen und
damit zu brechen. Das hatte Samuel als Erstes zum Vorschein gebracht und zu
ihren Gewissen geredet. Zum Glück folgte das Volk dem Aufruf und tat die
Götzen weg, um dem Herrn allein zu dienen. Als sie zusammenkommen, bekannten
sie öffentlich ihre Sünden. Da konnte Samuel von Herzen für sie zum Herrn
beten (1Sam 7,1-6). Als die aufrückenden Philister ihnen Angst einjagten, baten
sie Samuel erneut, für sie zu bitten. Dies tat Samuel, und der Herr antwortete
ihm und erhörte sein Gebet. Danach sehen wir, dass Samuel auch nicht vergaß,
dem Herrn für die Erhörung des Gebetes zu danken.
Kommt es nicht vor, dass wir den Herrn um Hilfe bitten — auch in unseren
Gebetstunden —, und wenn der Herr das Gebet erhört hat, wir vergessen, Ihm
dafür zu danken? „Rufe mich an am Tag der Bedrängnis: Ich will dich
erretten, und du wirst mich verherrlichen!“ (Ps 50,15). Das Erste tun wir von
selbst, aber das Letzte vergessen wir manchmal.
Mit dem Aufrichten des Steines Eben Ezer wollte Samuel ein bleibendes Zeugnis
davon geben, wie der Herr ihnen bis hierhin geholfen hatte.
Um ihr Verlangen zu begründen, einen König haben zu wollen wie die anderen
Völker, machten sie Samuel auf der Fehlverhalten seiner Söhne aufmerksam.
Wiewohl dies kränkend für Samuel war und die Bitte ihm missfiel, gab er dem
Volk keine Antwort, bevor er die Sache dem Herrn im Gebet vorgelegt hatte. Als
er um Gottes Gedanken wusste, machte er sie dem Volk bekannt und warnte sie
ernstlich. Leider folgenlos (1Sam 8,1-22). Erneut suchte Samuel seine Zuflucht
im Gebet und handelte gemäß des erhaltenen göttlichen Auftrags. Sein eigenes
Interesse und das seiner Söhne wurde diesem völlig untergeordnet. Diese
Uneigennützigkeit ist ein Kennzeichen eines echten Fürbitters, wie wir das
auch bei den anderen festgestellt haben.
Beim offiziellen Abschied, der in Kapitel 12 beschrieben wird, lesen wir
erneut, wie Samuel als Fürbitter für das Volk auftrat. Regen und Donner in der
Erntezeit wird wohl das Letzte gewesen sein, wonach das Volk verlangt hatte
(1Sam 12,17). Jedoch wogen die geistlichen Belange des Volkes bei Samuel sehr
viel schwerer als die materiellen. Setzen wir diese bei unseren Fürbitten auch
an den Anfang?
Das Ziel wurde erreicht. Das Volk kam zur Einsicht und Bekenntnis der Sünde.
Erneut bat das Volk Samuel, für sie zu bitten. Die Worte der
Ermutigung und Ermahnung, die er an sein geliebtes Volk richtete, klingen beim
Lesen bewegend in den Ohren. Wir hätten es verstanden, wenn er durch all die Verkennung entmutigt,
auch diesen Teil seines Dienstes aufgegeben hätte. Aber das tat er nicht. Im
Gegenteil. Er sagte: „Auch ich — fern sei es von mir, gegen den HERRN zu
sündigen und aufzuhören, für euch zu bitten“ (1Sam 12,23).
Was tun wir? Wie leicht bleiben wir den Gebetstunden fern. Wir haben dafür
allerlei Argumente:
Ich war zu müde, mir war das Erscheinen zu mühsam.
Ich hatte zu viel Arbeit und konnte wirklich keine Zeit dafür finden.
Wir bekamen abends Besuch, oder: Wir mussten irgendwo hin.
Ich sehe darin nicht so sehr die Notwendigkeit, die Zusammenkünfte am Sonntag
finde ich ausreichend.
Können wir alle diese Ausflüchte unter dem Stichwort unterbringen: unser
schwacher Zustand? Für Samuel bedeutete das Aufhören mit Beten, gegen den Herrn zu sündigen.
Wenn wir die Geschichte dieses Gottesmannes lesen, bekommen wir den Eindruck,
dass er mehr ein Mann der Tat als des Gebetes war. Ohne irgendwelche
vorhergehenden Besonderheiten erschien er plötzlich auf der Bildfläche, als er
das Gericht Gottes in Form einer schrecklichen Trockenheit verkündete (1Kö
17,1). Jakobus teilt uns jedoch mit, dass die Ankündigung im Auftrag Gottes
nach seinem vorhergehenden Gebet stattfand. Auch der Regen, der nach dieser
Periode kam, trat als Antwort auf sein Gebet ein (Jak 5,17.18). Von dem ersten
Gebet lesen wir im Alten Testament nichts; von dem zweiten auch nicht, obwohl
wir dies aus seiner besonderen Haltung ableiten können.
Wir könnten uns die Frage stellen, wie ein Mann, der sein Volk lieb hat,
dazu kommen kann, für so etwas Schreckliches zu bitten. Dafür kann es nur ein
Motiv geben: Er muss sehr unter dem schrecklichen Abfallen des Volkes von seinem
Gott und wegen ihres Götzendienstes gelitten haben. Sein brennendes Verlangen
war, dass das Volk zu der Erkenntnis kommen würde, dass nur der Herr ihr Gott
ist, und dass ihr Herz sich wieder Ihm zuneigt. Und genau wie Samuel begriff er,
dass dies nur auf dem Weg des Gerichts zustande kommen würde. Aus dem Brief des
Jakobus geht hervor, dass er um Trockenheit bat, ohne eine Zeit zu nennen. Als
er sah, dass das anvisierte Ziel erreicht war, bat er um Regen und zeigte sich
als Antwort auf dieses Gebet auf Gottes Befehl Ahab. Wenn wir den ganzen
Abschnitt in Jakobus lesen, sehen wir, dass es die Absicht ist, uns
wachzurütteln zum Gebet und zur Fürbitte. Dabei stellt er Elia, einen Menschen
von gleicher Natur wie wir als Vorbild hin.
Auch in der Geschichte der Witwe von Zarpath sehen wir, dass die Rückkehr
ihres kleinen Sohnes ins Leben aufgrund von Elias Gebet geschah (1Kö 17,17-22).
Gegen Ende seines Auftretens sehen wir Elia, wie er in tiefer Depression
wegläuft, um sein Leben zu retten. Da fragte ihn der Herr: „Was tust du hier,
Elia?“ Gott hatte ihn dort nicht hingesandt, und wir sehen, dass sein
geistlicher Zustand weit vom Ideal weg war. Leider hören wir in seiner Antwort
kein uneigennütziges Flehen für sein Volk, wie wir das bei Mose und Samuel
angetroffen haben. Im Gegenteil. Er wies auf seinen eigenen Eifer für Gott hin.
Was das Volk betraf, sprach er lediglich über ihre Untreue und über ihr
Vornehmen, ihn zu töten (1Kö 19,9-18). Das ist keine Fürbitte, sondern eine
Anklage. So nennt Paulus dies auch in seinem Brief an die Römer: „Wie er vor
Gott auftritt gegen Israel …“ (Röm 11,2). Damit trat er eigentlich in die
Fußstapfen des großen Feindes Gottes und seines Volkes, Satan, der der „Verkläger
der Brüder“ genannt wird. Dies wurde von Gott so ernst genommen, dass er
seinem Dienst ein Ende setzte. Er bekam den Auftrag, Elisa zum Propheten zu
salben „an seiner statt“.
So viel ich weiß, ist das das einzige Versagen eines alttestamentlichen
Dieners, an das im Neuen Testament erinnert wird. Die ernste Lektion für uns in
dieser Geschichte ist, zu bedenken, dass wir nicht gerufen sind, als Ankläger
aufzutreten, sondern Fürbitte zu tun.
Als er hörte, dass er und seine Freunde Gefahr liefen, getötet zu werden,
ermunterte er sie, zu Gott zu beten, das Geheimnis zu offenbaren. Diese
gemeinschaftliche Fürbitte wurde erhört und Daniel wurde die Offenbarung
geschenkt (Dan 2,16-19). Im neunten Kapitel finden wir etwas ganz anderes,
wodurch Daniel zur Fürbitte für sein Volk gebracht wurde. Dies geschah durch
das Lesen in der Prophetie Jeremias, in der die Verheißung vorkommt, dass das
Volk nach 70 Jahren aus dem Exil zurückkehren würde (Dan 9,2; Jer 29,10). Dies
brachte ihn dazu, sich im Gebet vor Gott niederzuwerfen und die Sünde des
Volkes zu bekennen, mit der er sich völlig einsmachte. Mit einem brennenden
Appell an Gottes Barmherzigkeit und an die Ehre seines Namens, die hier auf dem
Spiel stand, flehte er für die Wiederherstellung seines Volkes. Danach lesen
wir, wie der Engel Gabriel zu ihm kam und dass Daniel noch weitere Offenbarungen
in Bezug auf die Zukunft empfing (Dan 9,20-27).
Das andächtige Lesen der Schrift ist immer ein mächtiger Anreiz zum Gebet
und zur Fürbitte.
Übersetzung: Stephan Winterhoff
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