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Das Evangelium des Paulus (2) - R.A. Huebner
      

Kurzbiographie
R.A. Huebner

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Das Evangelium des Paulus (2)
Der Auftrag in Matthäus 28
R.A. Huebner
© SoundWords    Zugriffe: 6386    seit: 30.01.2007  
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Leitverse:
Matthäus 28,19-20

Mt 28,19-20: Geht nun hin und macht alle Nationen zu Jüngern, und tauft sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes, und lehrt sie, alles zu bewahren, was ich euch geboten habe. Und siehe, ich bin bei euch alle Tage bis zur Vollendung des Zeitalters.

Der Auftrag von Matthäus 28 wird oft falsch verstanden, sowohl in seiner Bedeutung als auch in seiner Anwendung. Um den Auftrag von Matthias 28 zu verstehen, müssen drei Fragen betrachtet werden:

  1. Auf welche Zeit bezieht sich der Auftrag?
  2. Auf wen bezieht er sich?
  3. Was wird der Inhalt der Predigt derer sein, die den Auftrag ausführen?

Auf welche Zeit bezieht sich der Auftrag?

Ein wichtiger Teil des Auftrags ist die Verheißung Christi: „Siehe ich bin bei euch alle Tage, bis zur Vollendung des Zeitalters.“ Der Ausdruck „Vollendung des Zeitalters“ ist ein charakteristischer Ausdruck, der sich auf eine ganz spezielle Zeitperiode bezieht, die in Matthäus 13,39-43 definiert wird. Dort ist es die Zeit, während der die Engel ausgehen und aus dem Reich Christi alle Ärgernisse heraussammeln und ebenso alle jene, die Gesetzlosigkeit ausüben. Es ist klar, dass das keinen Bezug auf die gegenwärtige Zeit der Gnade hat, sondern vielmehr auf eine Zeitperiode nach der Entrückung, die die Phase der Aufrichtung des Tausendjährigen Reiches auf der Erde vorbereitet. Die Zeitperiode, auf die sich der Auftrag von Matthäus 28 bezieht, folgt also eindeutig dem Tag der Gnade, wenn Gott sein Handeln mit dem alten Volk als eine Nation wieder aufnimmt.

Während jener Zeit wird Gott Lehrer erwecken, die „viele zu Gerechtigkeit weisen“ (Dan 12,3). Ihre Botschaft wird das Evangelium des Reiches sein, das heißt die gute Botschaft, dass der König kommt, um sein Reich aufzurichten. Wie werden sie viele zur Gerechtigkeit weisen? Indem sie „sie lehren“ (alle Nationen) die Dinge, die Christus sie gelehrt hatte, was die Grundsätze des Reiches und den Charakter jener, die dafür passend sind, betrifft. Die Bergpredigt (Mt 5-7) wird eine besondere Anwendung in jener Predigt haben. Das ist die Bedeutung der Worte in dem Auftrag in Matthäus 28: „Und lehrt sie [alle Nationen], alles zu bewahren, was ich euch geboten habe“ (Mt 28,20).

Es ist auch bedeutsam, zu beachten, dass diese Prediger zu allen Nationen ausgehen werden (Mt 28,19; 24,14). Die Ergebnisse dieser Predigt werden von dem Herrn beim Gericht der Nationen (Mt 25,1.31-32) herangezogen werden, bei dem seine Brüder, die Prediger des Evangeliums des Reiches, von allen Nationen unterschieden werden.

Solche, denen der dispensationale Aspekt des Matthäusevangeliums bekannt ist, werden erkennen, welch eine besondere Bedeutung solche Ausdrücke wie „alle Nationen“ und „die Vollendung des Zeitalters“ in diesem Evangelium haben.

Auf wen bezieht sich der Auftrag?

Zweifellos also bezieht sich der Auftrag von Matthäus 28 auf die Zeitperiode, die der Entrückung folgt, und wird durch die Prediger ausgeführt, die von Gott unter dem jüdischen Überrest erweckt werden. Ihr Taufen und Lehren wird alle Nationen zu Jüngern machen und viele zur Gerechtigkeit weisen, indem jene Dinge, die Christus seinen Jüngern hier auf der Erde geboten hatte, gelehrt werden.

Wenn wir sehen, dass dieser Auftrag sich auf jüdische Prediger in einer kommenden Periode bezieht, erklärt das eine interessante Sache. In Johannes 20,17 sagt der Herr zu Maria: „Rühre mich nicht an, denn ich bin noch nicht aufgefahren zu meinem Vater; gehe aber hin zu meinen Brüdern und sprich zu ihnen, ich fahre auf zu meinem Vater und eurem Vater und zu meinem Gott und eurem Gott.“ Johannes sieht unseren Herrn als denjenigen, der von dem Vater kam, um das Werk zu vollbringen, das Ihm gegeben worden war, und um danach wieder zu dem Vater zurückzukehren. Währenddessen würde es eine Versammlung geben, deren Vorbild wir in Johannes 20,19-29 finden. Maria wollte Ihn als den auferstanden Messias in Verbindung mit Israel festhalten. Nein, sagt der Herr, ich muss hinaufsteigen. Aber Matthäus, vom Geist inspiriert, zeigt Christus vor allem als König und besonders in seiner Verbindung zu Israel. In Matthäus 28,9 werden die Frauen gesehen, wie sie Ihn festhalten, und sie werden nicht daran gehindert. Die Lektion darin ist, dass sie Ihn als den auferstandenen Messias in Verbindung mit Israel festhalten. Alle Macht ist Ihm gegeben, und Er wird gesehen als einer, der dem Überrest Israels einen Auftrag gibt.

Solche, die behaupten, Matthäus 28 sei der „Marschbefehl der Gemeinde“, haben den dispensationalen Charakter der Dinge im Matthäusevangelium nicht erkannt und darüber hinaus die Implikationen der Aussage des Paulus „Ich bin nicht gesandt zu taufen“ (1Kor 1,17). Wenn Matthäus 28 der Marschbefehl für die Kirche wäre, dann auch ganz klar für Paulus. Es wäre eine ernste Vernachlässigung seines Marschbefehls gewesen, wenn er gesagt hätte: „Ich bin nicht gesandt zu taufen“, während sein Marschbefehl tatsächlich den Befehl, zu taufen beinhaltet hätte! Es geht nicht darum, dass Paulus nicht auch getauft hätte, denn wir wissen, dass er es getan hat (1Kor 1,14). Der Punkt ist, dass Taufe (die einen Teil des Auftrags vom Matthias 28 bildet) nicht sein direkter Auftrag war.

[Anm. d. Red.: Die Gedanken in o.a. Text sind vielleicht etwas pointiert und für einige sowieso sehr neu, daher wollen wir noch einige Kommentare anderer Ausleger zu diesem Thema anfügen, damit der Grundgedanke klarer wird. Wenn es oben heißt: „Die Zeitperiode also, auf welche sich der Auftrag von Matthäus 28 bezieht, ist deutlich eine, die dem Tag der Gnade folgt, wenn Gott sein Handeln mit dem alten Volk als eine Nation wieder aufnimmt“, dann hätten wir dieses Statement sicher etwas anders formuliert, denn wir denken schon, dass es ein Auftrag war, der den Aposteln schon für ihre Zeit gegeben war, wenn wir auch nicht in der Schrift lesen, dass sie ihn auch genauso wie hier definiert ausgeführt hätten. Und wir glauben auch, dass dieser Auftrag durch den Dienst des Apostels Paulus mit anderen Akzenten überlagert wurde. Dennoch gibt es Grundsätze und Segnungen von bleibender Bedeutung in diesem Auftrag. Dennoch denken wir auch, dass der Auftrag in der Form von Matthäus 28 seine uneingeschränkte Bedeutung erst nach der Entrückung der Gemeinde bekommt.]

J.N. Darby schreibt dazu:

Diese Offenbarung der Gottheit und die Tatsache, dass Christus Herr ist, bildet die Basis und das Wesen des Christentums selbst als ein Bekenntnis, zusammen mit der subjektiven Wahrheit, dass das Fleisch — wie schon völlig bewiesen ist — nichts nützt. In diese neue Sphäre muss ich durch den Tod eintreten, eintreten in die Gemeinschaft mit Gott; und als auferstanden werde ich Diener Christi, des Herrn. Daher haben wir in Epheser 4 einen Leib, einen Geist, eine Hoffnung unserer Berufung; einen Herrn, einen Glauben, eine Taufe. Das Erste ist die volle himmlische und wesensmäßige Sache in Verbindung mit Christus; das Zweite das Bekenntnis auf der Erde in Verbindung mit der Herrschaft Christi. Daher wurde auch Paulus, der Christus nur in der himmlischen Herrlichkeit gesehen hatte und dem der Dienst und die Offenbarung der Gemeinde anvertraut war, nicht gesandt zu taufen; und in Matthäus [28], wo der Auftrag, um den es jetzt geht, gegeben wurde, haben wir die Himmelfahrt überhaupt nicht. Hier ist Jerusalem vorbei und Christus ist verbunden mit dem Überrest in Galiläa, der um Ihn versammelt ist, und sie sollten die Nationen zu Jüngern machen. Das verbindet sich nicht direkt mit dem Tausendjährigen Reich, sondern mit dem Dienst des Evangeliums des Reiches, der diesem vorausgeht, und es geht aus zu allen Nationen, bevor das Ende kommt — das Ende des Zeitalters. Das Tausendjährige Reich wird dann eingeführt durch die Wiederkunft des Herrn in Herrlichkeit vom Himmel. Der Auftrag geht diesem voraus. Deswegen sagt Er in Matthäus: „Und siehe, ich bin bei euch alle Tage bis zum Ende des Zeitalters“, das heißt des Zeitalters, das dem Kommen des Messias in Herrlichkeit, um sein Königreich öffentlich aufzurichten, vorausgeht. Daher kann ich nicht sehen, warum diese Mission nicht weitergehen soll, wenn die Kirche entrückt ist. Sie hat nicht direkt die Kirche im Blick, ebenso wenig wie die Taufe: Sie bekennt den Vater, den Sohn und den Heiligen Geist und dass Christus Herr ist, solange Er noch nicht vom Himmel offenbart ist. (J.N. Darby: Letters, Bd. 3, S. 332, 1861)

Die Mission der Apostel hat hier bei dem Gespräch in Galiläa mit ihrem auferstanden Meister ihren Anfangspunkt. Es handelt sich um einen Überrest, der schon mit Jesus verbunden ist. Es geht nicht darum, wie in Lukas, dass ein Heiland da ist, der in den Himmel aufgefahren ist und der vom Himmel aus mit Jerusalem beginnt, wie es dann auch stattfand. Hier geht es darum, dass Jerusalem verlassen und überliefert ist in die Hand der Bösen und der Nationen, während der Überrest Israels mit dem verworfenen Messias verbunden ist, der jetzt auferstanden ist. Dann werden die, die so mit dem verworfenen Herrn verbunden sind, ausgesandt, um alle Nationen zu Jüngern zu machen, indem diese getauft würden auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Diese Mission ist bis heute niemals erfüllt worden. Die Mission an die Nationen wurde formell dem Paulus übertragen durch jene, die Säulen unter den Aposteln waren (Gal 2), mit göttlicher Autorität von dem verherrlichten Jesus und durch direkte Sendung des Heiligen Geistes (Apg 13,4; 26,16-18).

Es ist möglich, dass die anderen Apostel später noch ausgegangen sind; aber die Geschichte, soweit sie uns im Wort berichtet wird, redet nicht davon, es sei denn in einer sehr allgemeinen und vagen Ausdrucksweise in einem Vers am Ende des Markusevangeliums. Die Apostel blieben während der Zeit der Verfolgung, die nach dem Tod des Stephanus stattfand, in Jerusalem. Dann wurde das Evangelium an die Nationen weitergetragen durch solche, die dorthin zerstreut wurden, und später dem Paulus übertragen. Johannes wird in Patmos gefunden, um als Letzter, der von allen übrig blieb, über die Gemeinde in ihrem Verfall zu wachen. Die letzten Verse des Markusevangeliums sagen, dass sie überall hingingen und dass der Herr mitwirkte, um das gepredigte Wort durch die Zeichen, die sie tun durften, zu bekräftigen. Jedoch hier im Matthäusevangelium wurde ihnen der Auftrag gegeben. Sie sollten auch die getauften Nationen lehren, alles zu bewahren, was Jesus den Jüngern geboten hatte, und Er selbst würde mit ihnen sein bis zum Ende des Zeitalters. Es handelt sich nicht um den sogenannten christlichen Auftrag; diesen finden wir eher in Johannes 20, Lukas 24, und Markus 16. (Bis zu Vers 6 von Markus 16 finden wir dieselbe Geschichte wie in Matthäus; in den letzten Versen {von Markus 16} finden wir das, was wir am Ende von Lukas und in Johannes 20 lesen. Die Reden in den Kapiteln 13 und 26 der Apostelgeschichte sind verbunden — wie auch jene des Petrus — mit der Mission, die im Lukasevangelium erwähnt wird. Im Evangelium des Matthäus wird nicht gesagt, dass sie ausgehen und die Juden zu Jüngern machen sollten, denn der Überrest wird schon als getrennt von der Nation und verbunden mit Christus betrachtet. Es ist eine Art Erweiterung des Kapitels 10 desselben Evangeliums, wo ihnen verboten wird — wenigstens, was ihre Mission zu diesem Zeitpunkt anging —, zu den Nationen zu gehen, selbst nicht zu den Samaritern, sondern es wird ihnen gesagt, dass sie nur die verlorenen Schafe des Hauses Israel suchen sollten. Hier wird ihnen eine erweiterte Mission gegeben: Sie sollen gehen und die Nationen zu Jüngern machen. Das geht davon aus, dass das Werk in der Mitte der Juden ein anderes ist als das von Kapitel 10. In einer gewissen Weise erklärt nur Kapitel 24, warum die Mission, um die es hier geht, sich ausschließlich an die Nationen wendet. Die Mission vom Himmel für die Errettung der Seelen ist natürlich an Juden genauso wie an die Nationen adressiert. Dieses Letztere finden wir in der Apostelgeschichte erfüllt: Nur der Teil, der die Nationen einschließt, wurde dem Paulus übertragen, wie wir gesehen haben. (Collected Writings., Bd. 30, S. 314ff.)

Dann wird das Urteil verkündet über die Verwerfung des Geistes, die sie als Volk begangen hatten. Sie hatten das erneute Zeugnis in der Kraft des Geistes Gottes, die in Stephanus sichtbar wurde, der „voll des Heiligen Geistes“ war, abgelehnt. Und die jüdische Geschichte wurde abgeschlossen mit dem, was die Kirche in den Himmel [in der Person des Stephanus] einführte (tatsächlich ging es um den Zwischenzustand, in dem sich der Geist des Gläubigen dort befindet). Das, was vom Geist erfüllt ist, wird abgelehnt. Die Ablehnung dieses Zeugnisses geschieht in Jerusalem, dem Zentrum des irdischen Systems Gottes. Sie steinigten Stephanus, der Gott anrief und sprach: „Herr Jesus, nimm meinen Geist auf“, und der dieselbe Fürsprache für das unglückliche Volk tat wie Jesus bei seiner Verwerfung: „Herr, rechne ihnen diese Sünde nicht zu.“ Indem der Geist so handelte, erkennt Er den Herrn Jesus an; genauso wie Jesus als Sohn sich selbst — seinen Geist — bei seiner Verwerfung dem Vater übergeben hatte.

Es ist schon oft von solchen, die mit diesen Wahrheiten vertraut sind, beobachtet worden, dass dies das irdische Gebäude und Zentrum der Gemeinde abgebrochen hat [Anm. d. Red.: mit dem Zentrum ist Jerusalem gemeint]. Der Auftrag in Matthäus, so wie schon bemerkt, wurde in seiner ursprünglichen Form fallen gelassen; denn die Juden wiesen das Zeugnis des Geistes in Bezug auf die Erhöhung Christi durch ihre Führer als Nation genauso ab, wie sie den Sohn Gottes in seiner Erniedrigung, als Er unter ihnen als Messias gewesen war, zurückgewiesen hatten. Deswegen hörte Jerusalem auf, das Zentrum zu sein, von welchem die Kraft des Versammelns bis dahin ausfließen sollte. (Collected Writings, Bd. 3, S. 119)

Was diese Mission anging, haben wir nur die allgemeine Aussage des Markus, dass sie überall hingingen (Mk 16,20). In Vers 15 wird ihnen gesagt, dass sie in die ganze Welt gehen sollen. In Matthäus 28 wird ihnen in Galiläa gesagt, dass sie alle Nationen zu Jüngern machen sollten — aber das ist eine andere Mission. Was den Abschnitt in Markus angeht, wird der Leser bemerken, dass der infrage stehende Abschnitt von Vers 9 an mit Jerusalem und der Himmelfahrt beginnt, so wie in Lukas; in Vers 7 wird ihnen gesagt, dass sie nach Galiläa gehen sollten, wie in Matthäus. Das sind unterschiedliche Missionen. Tatsache ist, dass, wo immer sie hingingen, die Mission der Nationen (Gal 2) dem Paulus und dem Barnabas gegeben wurden, die sich schon damit beschäftigt hatten. Insoweit wurde der Auftrag des Matthäus fallen lassen. Bei Markus geht es um den Einzelnen und um eine Frage der Errettung; bei Matthäus geht es darum nicht. [Der Auftrag in] Lukas wird durch die Apostel ausgeführt, wie das auch die Reden in der Apostelgeschichte zeigen, nur der Teil, der die Nationen betrifft, wurde dem Paulus gegeben (J. N. Darby: Fußnote in der Synopsis — zu Joel 3 [in der deutschen Übersetzung nicht übernommen]).

Das Zeugnis an die Nationen nahm in dem Dienst des Paulus eine neue Form an. Dieser Dienst kann — nicht was die Errettung angeht, sondern den Dienst an sich — schon eine besondere Verwaltung genannt werden (Eph 3,2; Kol 1,25); die Einheit des Leibes Christi war darin die große Grundlage der Berufung, die vom Himmel war, über die Juden hinaus. Sie brachte alle auf eine Ebene, weil es nicht mehr Adonai war, der die Erde und Zion beanspruchte, sondern [Christus], der die Heiligen, die dieses Zeugnis annahmen, mit sich selbst verband, als derjenige, der vom Himmel aus sprach. Deswegen wurde dieser Auftrag von Matthäus 28 aufgeschoben, was den Buchstaben angeht (nicht was den Geist angeht in Bezug auf den Segen) (Notes and Comments, Vol. 3, p. 52).

[Anm. d. Red.: Der folgende Auszug aus einer Betrachtung eines anderen Schreibers zeigt besonders im letzten Abschnitt, was damit gemeint ist, dass wir den Auftrag von Matthäus 28 dem Geist nach in Bezug auf seinen Segen auch heute haben.]

So knüpfte der Herr als der Auferstandene von neuem die Verbindung zu jenem Überrest, zu dem als bedeutendste Glieder die elf Jünger zählten. Und wenn wir an dieser Stelle auch nicht erfahren, dass Er in den Himmel aufgenommen wurde, beauftragt Er sie doch, als ob Er vom Himmel aus spräche, denn Ihm war alle Gewalt gegeben im Himmel und auf der Erde. Noch war die Zeit nicht gekommen, den christlichen Auftrag, nämlich ein Volk aus den Nationen für seinen Namen zu sammeln, völlig zu enthüllen — deshalb sind die Ausdrücke hier allgemeiner gehalten. Sie sollten gehen und Jünger machen und sie taufen, und ein solcher Auftrag kann von dem gläubigen Überrest Israels wieder aufgenommen werden, nachdem die Kirche entrückt worden ist. Wie Israel auf Mose als den Führer getauft war, so soll der Jünger auf den auferstandenen Christus getauft werden und sich dadurch seiner Autorität unterstellen; die Taufe soll im Namen Gottes aufgrund seiner völligen Offenbarung geschehen. Das Wort wird nicht in der Mehrzahl, sondern in der Einzahl gebraucht — nicht Namen, sondern Name — denn da ist nur eine Gottheit, obschon in den drei Personen offenbart.

Die letzten Worte sind: „Ich bin bei euch alle Tage bis zur Vollendung des Zeitalters.“ Damit haben wir das Wörtchen „alle“ nicht weniger als viermal in diesem letzten Abschnitt. Unser erhöhter Herr übt in beiden Sphären alle Gewalt aus, so dass es nichts gibt, das Ihm nicht unterworfen wäre. Wenn seinen Dienern etwas Widriges zustößt, geschieht es unter seiner Zulassung. Alle Nationen sollen der Wirkungsbereich für ihren Dienst sein, nicht etwa Israel allein, wie es bis jetzt der Fall war. Solche, die aus den Nationen getauft werden, sollen belehrt werden, alle Gebote des Herrn zu beachten, denn Knechte sollen sich durch Gehorsam auszeichnen und auch wieder andere zum Gehorsam führen. Dann können sie alle Tage bis zum Ende auf den Beistand und die geistliche Gegenwart ihres Meisters rechnen.

Mit diesem Auftrag endet das Evangelium. Wenn wir zur Apostelgeschichte kommen und auch durch die Briefe weitergehen, finden wir, dass Entwicklungen ans Licht kommen, die uns unseren heutigen Auftrag zur Verkündigung des vollen Evangeliums vermitteln. Doch das Licht und der Nutzen der letzten Worte des Herrn hier geht uns nicht verloren. Noch gehen wir hin zu allen Nationen, um sie auf diesen Namen zu taufen. Noch haben wir das ganze Wort des Herrn zu lehren. Noch ist Ihm alle Gewalt gegeben. Und noch ist Er bei uns alle Tage bis zum Ende des Zeitalters, was auch immer geschehen mag (F. B. Hole, aus: Betrachtung über das Matthäusevangelium).

Der Dienst in der Apostelgeschichte ist nicht die Erfüllung dieses Auftrages [von Matthäus 28], sondern die Mission in Lukas. Die Apostelgeschichte selber ist, wie bekannt, die Fortsetzung des Evangeliums von Lukas. Auch der Dienst des Paulus, der durch eine besondere göttliche Mission die Evangelisation der Nationen auf sich nahm, war nicht die Ausübung dieses Auftrages. Er hatte vielmehr eine Mission von einem zum Himmel aufgefahrenen und verherrlichten Heiland, und dieser Mission wurde noch der Dienst der Gemeinde hinzugefügt. In seinen ersten Elementen verbindet sich das viel mehr mit Lukas. Der Dienst, der hier [in Matthäus 28] eingerichtet wird, steht für sich. Die Jünger werden nicht zu den Juden gesandt, so wie wir das in Lukas finden, wo sie von einem zum Himmel gefahrenen Heiland kommen und in Jerusalem anfangen sollten. Jerusalem ist verworfen, und der Überrest, verbunden mit Christus (seine Brüder — und in diesem Charakter anerkannt), wird zu den Nationen ausgesandt. Dieses wurde, soweit die Schrift uns belehrt, niemals erfüllt. Der Lauf der Ereignisse, oder anders ausgedrückt die Hand Gottes, führte es, dass die Jünger in Jerusalem blieben. Eine neue Mission an die Nationen wird ausgesandt in der Person des Paulus, und das steht in Verbindung mit der Aufrichtung der Gemeinde auf der Erde. Die Erfüllung dieser Mission [von Matthäus 28] ist also unterbrochen worden, aber es gibt die Verheißung, dass der Herr mit denen sein will, die mit diesem Auftrag ausgehen bis zum Ende des Zeitalters. Und ich zweifle auch nicht, dass das so sein wird. Dieses Zeugnis wird ausgehen zu den Nationen, bevor der Herr kommt. „Die Brüder“ werden es hinaustragen, um die Nationen zu warnen. Der Auftrag wurde damals gegeben, aber er wurde noch nicht erfüllt. Er verbindet das Zeugnis mit dem jüdischen Überrest, der von dem auferstandenen Herrn anerkannt wird, und mit der Erde und mit seinen irdischen Anweisungen; und für die Gegenwart hat es tatsächlich einem himmlischen Auftrag und der Gemeinde Gottes Platz gemacht. (J. N. Darby: Collected Writings, Bd. 24, S. 217)

Dieses Evangelium wurde verbreitet bis zur Steinigung des Stephanus, wo dann das Evangelium der Herrlichkeit durch Paulus eingeführt wurde (G. Davison, aus: An Outline of the Gospel of Matthew).

Als solche, die Paulus nachfolgen und die durch einen Geist in einen Leib getauft worden sind — durch den Heiligen Geist, der vom Himmel herabgesandt wurde —, hat die Gemeinde keinen Auftrag zu taufen, wie die Zwölf wohl den Auftrag in Matthäus 28 in Bezug auf die Nationen hatten. Unsere Aufgabe ist es — als solche, die dem Herrn und seinem Volk dienen —, zu versuchen, die Christen in das Bewusstsein ihrer Stellung als Glieder Christi inmitten eines großen getauften Hauses zu bringen …, aber als der Auftrag in Matthäus 28 gegeben wurde, war der Herr gegenwärtig und die Taufe wird gegründet auf die Auferstehung — nicht auf die Himmelfahrt. (F. G. Patterson, aus einem unveröffentlichten Manuskript über die Taufe)

Denn die Taufe ist die Handlung des Täufers — nicht des Täuflings. „Gehet nun und machet alle Nationen zu Jüngern, sie taufend“, usw., nicht: „Gehet nun und werdet getauft.“ Dieser Auftrag wurde durch den Herrn nur nach der Auferstehung gegeben, nicht nach der Himmelfahrt — von wo Er den Heiligen Geist gesandt hat —, als das verherrlichte Haupt des Leibes. Dieser Auftrag wurde dem Petrus und den anderen auf der Erde gegeben, und das Haus wurde gebildet und diese Arbeit der Zulassung [durch die Taufe] folgte, lange bevor Paulus bekehrt war. Nachdem er bekehrt war, wurde er auch wie jeder andere in das Haus der Taufe zugelassen. Dennoch sagt er ganz deutlich, dass „er nicht gesandt war zu taufen“. Er findet sie [die Taufe] dort, und sie ist auch nicht beiseitegesetzt durch den himmlischen Auftrag, den er in Folge bekam, und er gebraucht sie zuzeiten, um einige zuzulassen (wie — „Krispus und Gajus und das Haus des Stephanus“), indem er nicht mehr daraus machte, als notwendig war, obwohl es nicht Teil seines Auftrags war.

Nun, das Mahl des Herrn ist „sooft ihr esst … verkündigt ihr den Tod des Herrn, bis er kommt“. Anders als die Taufe wurde das Mahl des Herrn dem Paulus durch Christus in der Herrlichkeit aufs Neue offenbart, und es bekam durch ihn neue Merkmale, die zuvor unbekannt waren, als es zum ersten Mal durch den Herrn eingerichtet wurde. Es wird, wenn es nach den göttlichen Gedanken eingenommen wird, das Symbol der Einheit der Kirche Gottes hier auf der Erde; überdies das große augenscheinliche Zentrum von dem Zusammenkommen der Kirche Gottes auf der Erde. Dort wird in einer besonderen Weise die Gegenwart des Herrn selbst „in der Mitte“ (Mt 28,20) realisiert (F.G. Patterson: Pauls Doctrine and other Papers, S. 62).

Beachtet, dass der Auftrag lautete, „allen Nationen“ zu predigen, so wie uns das durch Matthäus und Lukas berichtet wird, und „der ganzen Welt“, wie wir in Markus finden. Das ist weit und umfassend genug. Es ist der einzelne Diener, der Verantwortung trägt, den Auftrag auszuführen. Der Herr sagt nicht direkt „gehe“ zu der Gemeinde, weil die Gemeinde weder lehrt noch predigt — die Gemeinde wird belehrt und ihr wird gepredigt. Es ist der Einzelne, um den es geht, weil der Dienst die Ausübung der Gabe bedeutet, die dem Einzelnen durch Christus gegeben wurde. Er teilt die Gabe aus und Er allein bestimmt ihre Benutzung. Er hält die Sterne in seiner rechten Hand in Offenbarung 2,1, denn sie gehören Ihm und Ihm allein. Das bedeutet also, dass der Besitzer irgendeiner Gabe dem Herrn allein für ihre Ausübung verantwortlich ist (aus W.T. P. Wolston: The „Forty Days“ of Scripture, Sixteen Addresses).

Im Matthäusevangelium lautet der Auftrag folgendermaßen: „Geht nun hin und macht alle Nationen zu Jüngern, und tauft sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes, und lehrt sie alles zu bewahren, was ich euch geboten habe.“ Dieser Auftrag war für die Apostel, die vom Herrn bereits eingesetzt und mit Ihm als dem Diener der Beschneidung (Röm 15,8) verbunden waren, genau umschrieben. Sie werden als in Jerusalem seiend betrachtet, um von dort ausgehend alle Nationen zu Jüngern zu machen und sie zu lehren, die Verordnungen und Gebote des Herrn zu bewahren. Denn es ist der Zweck dieses Evangeliums, den Herrn in seinen Beziehungen zu den Juden als die Hoffnung Israels darzustellen, zu dem hin die Sammlung der Nationen erfolgen sollte. Demgemäß werden die Bekehrung der Nationen und die Sammlung der ganzen Welt um Jerusalem als dem Mittelpunkt der Anbetung vorausgesetzt. [Anm. der Red.: Es ist schon nicht von ungefähr, dass dieser Auftrag in Galiläa, weit weg von Jerusalem, erteilt wird, weil es eigentlich um einen Auftrag geht, der für eine Zeit gilt, in der Jerusalem verworfen ist. Dennoch wollen wir den Aspekt nicht wegnehmen, dass es hier noch darum geht, dass die Nationen von Israel aus — und dessen Zentrum ist im Tausendjährigen Reich Jerusalem — gesegnet werden. Und zu genau diesem Zustand wird auch die Predigt, die mit diesem Auftrag verbunden ist, nach der Entrückung der Gemeinde führen.] Ein System wiederhergestellter, gehorsamer und mit Israel gesegneter Nationen wird gesehen werden, und der auferstandene Herr hat dieses vor Augen, wenn Er in Matthäus seinen Aposteln diesen Auftrag erteilt. (Ich möchte bemerken, dass hier die Tür der Hoffnung für Israel noch nicht völlig verschlossen war. Das Zeugnis des Heiligen Geistes durch die Apostel über den auferstandenen Jesus war noch nicht verworfen worden. Die Möglichkeit, dass dieses Zeugnis angenommen wurde, konnte noch vorausgesetzt werden, und der Herr scheint dies im Matthäusevangelium anzunehmen.). (J. G. Bellett: Betrachtung über das Evangelium nach Johannes, S. 136)

Dann folgt der große Auftrag an die Jünger. — Es handelt sich um den Auftrag des Reiches. In Lukas 24 finden wir den echt christlichen Auftrag an die Jünger. Es wird eine Zeit kommen, wenn der Auftrag, den wir bei Matthaus finden, von einem Überrest jüdischer Jünger ausgeführt werden wird. Dieser Überrest ist hier durch die elf Jünger repräsentiert. Es handelt sich um denselben Überrest wie in Matthaus 24. (A.C. Gaebelein, aus: Kommentar zum Neuen Testament)

Den letzten Hinweis auf das zukünftige Predigen des Überrestes an alle Völker finden wir in Kapitel 28 ab Vers 16. Man denkt häufig, dass wir hier den Auftrag an die Versammlung haben, das Evangelium der Gnade Gottes in Christus allen Völkern zu verkündigen, aber darum kann es hier unmöglich gehen. Der Herr spricht hier zu den Jüngern, die stets Vorbilder des Überrestes sind, und zwar auf dem Berg in Galiläa, dem Ort der Verwerfung und Verachtung. Aus Galiläa stammten seine Jünger, verachtete Juden aus einem verachteten Landstrich, die die Seite eines verworfenen Messias gewählt hatten (und verworfen ist der Herr in diesem Evangelium in der Tat). Und diese Szene findet auf dem Berg statt, der in Matthäus immer in Verbindung mit dem Reich steht, wie wir bereits früher gesehen haben (siehe 5,1; 15,29; 17,1).

Welcher Teil dieser Szene hat denn Bezug auf die Versammlung? Es ist deutlich, dass wir die Versammlung hier nicht suchen dürfen, denn was geschieht weiter?
Die Jünger sehen den Herrn und huldigen Ihm; Sie anerkennen Ihn als den König. Und der Herr nimmt diesen Titel auch an, denn Er betont seine königliche Würde: „Mir ist alle Gewalt [oder: Recht, Autorität] gegeben im Himmel und auf Erden. Gehet nun hin.“ Achte auf das „nun“, das sich nämlich auf das Vorhergehende bezieht. Die Jünger mussten ausgehen und Ihn als König der ganzen Erde predigen.
In Matthäus finden wir nicht die Himmelfahrt, sondern den Herrn auf der Erde als den irdischen König; und wir finden den Überrest, der diesen irdischen König predigt. Das ist nicht der Auftrag der Versammlung.

Sodann: „Gehet nun hin und machet alle Nationen zu Jüngern.“ Das ist bestimmt kein christlicher Auftrag! Es ist zwar wahr, dass zu Beginn der Versammlung die Predigt der Zwölf tatsächlich den Charakter des Evangeliums des Reiches hatte (siehe den Anfang der Apostelgeschichte), aber nachdem Paulus das Geheimnis von der Versammlung als dem Leib Christi offenbart worden war, der verbunden ist mit einem himmlischen, verherrlichten Haupt, bekam das Evangelium einen anderen Charakter.

Das Evangelium in unserer Zeit besteht nicht darin, Völker zu Jüngern zu machen, sondern die Jünger Christi aus den Völkern abzusondern zu einem neuen, abgesonderten Volk. Gott hat die Nationen heimgesucht, „um aus ihnen ein Volk zu nehmen für seinen Namen“ (Apg 15,14; siehe auch Tit 2,14; 1Pet 2,9.10). Völker zu Jüngern zu machen ist dagegen ein Gedanke, der vollkommen in den Rahmen des Reiches passt. Ja, im Friedensreich werden die Völker als Völker gesegnet werden (siehe u.a. Jes 25,6-7; 42,6; 49,6-7; 56,7; 60,3; 62,2.10; Jer 3,17; 4,2; 33,9; Mich 4,14; 7,16-17; Zeph 3,10.20; Sach 8,20.23; 14,16-19; vgl. Mt 25,31-46; Off 20,8). Wer in der Endzeit von den Völkern zur Bekehrung kommt, wird weiter zu den Völkern gehören — erst auf der neuen Erde wird es keine Völker mehr geben, sondern nur „Menschen“ (Off 21,3); wer sich aber in unserer Zeit bekehrt, gehört — genau genommen — nicht mehr zu den Völkern, sondern zu dem Volk (vgl. die Unterscheidung in 1Kor 10,32).

Deshalb ist auch der Schluss von Matthäus 28 so wichtig: „Und so taufet sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes.“ Wer sind diese „sie“? Um das zu verstehen, müssen wir wissen, dass im Griechischen hier wörtlich steht: „zu-Jüngern-machet alle Nationen [Völker], sie taufend“; das Hauptwort „Jünger“ kommt also nicht darin vor, so dass „sie“ sich direkt auf Völker bezieht. Die treuen Juden werden ausgehen, um die Völker zu „Jüngern zu machen“ und zu taufen, das heißt, sie werden versuchen, alle Völker auf die Ankunft des Königs vorzubereiten, der über die ganze Erde Gewalt hat (V. 18) und der über alle Völker regieren wird. Sie versuchen, die Völker zur Bekehrung zu bringen, damit sie den Messias würdig empfangen, und sie taufen sie, nicht nur, weil sie ihre Sünden bekannt haben, sondern vor allem im Blick auf die baldige Ankunft des Messias. Christlich ist es, ein Volk aus den Völkern abzusondern; jüdisch ist es, alle Völker zu Jüngern zu machen und sie zu taufen (dass sich nicht alle Völker bekehren werden, ist eine andere Sache, das ändert aber diesen Grundsatz nicht). Es ist eine Taufe, die mit der Taufe des Johannes vergleichbar ist, mit dem großen Unterschied, dass sich die Taufe des Johannes auf Israel beschränkte. Das Ziel ist aber dasselbe: Menschen zur Bekehrung aufzurufen im Blick auf den kommenden König und das Reich und sie als solche zu taufen, indem sie ihre Sünden bekennen (3,1-12). Die Taufe geschieht übrigens immer im Blick auf das, was vor uns liegt, nicht im Blick auf das, was hinter uns liegt. Diese Juden [Anm. der Redaktion: Der Autor meint hier sicher statt „Juden“ „Gläubige aus den Nationen“] werden getauft, nicht weil sie ihre Sünden bekennen, sondern damit sie bereit sind, den Messias zu empfangen, indem sie ihre Sünden bekennen. Als Christen werden wir nicht getauft, weil wir zum Glauben gekommen sind, sondern damit wir in Neuheit des Lebens wandeln (Röm 6,4), damit wir durch die Taufe unter die Autorität Christi kommen (Apg 2,38; 8,12; 19,5), damit wir Christus anziehen (Gal 3,27), damit wir errettet werden, nämlich für die Erde (Mk 16,16; 1Pet 3,21; vgl. Apg 2,41.47) usw. Genauso werden in der Zukunft viele getauft werden, damit sie bereit sind, den Messias zu empfangen, und damit sie die Gebote des Messias bewahren (Mt 28,20); das sind in Matthäus die Grundsätze des Reiches (Kap. 5-7).

Schließlich noch: Der Herr würde bei seinen Jüngern sein bis zur Vollendung des Zeitalters. Auch hier können die Jünger nichts anderes sein als ein Vorbild des zukünftigen Überrestes, denn sie selbst sind nicht bis zum Ende dieser Haushaltung auf der Erde geblieben. Der Überrest darf jedoch auf die Nähe Christi rechnen, bis die Haushaltung abgelaufen ist, das heißt, bis Er persönlich wiederkommt und das Friedensreich errichtet (vgl. 10,22; 24,13). Die Verheißung an die Versammlung hat einen völlig anderen Charakter: Wir haben die Verheißung in Vers 20 nicht nötig, denn vor der Vollendung des Zeitalters ist die Versammlung schon in den Himmel aufgenommen. Für uns gilt: „Und also werden wir allezeit bei dem Herrn sein“ (1Thes 4,17).

Wir ersehen hieraus also, dass es in der Endzeit gläubige Juden geben wird, die ausgehen, um zu verkündigen, dass der Messias und sein Königreich nahe sind. Sie werden in allen Städten und Dörfern Israels predigen, aber damit nicht zu Ende kommen. Andere werden über die ganze Welt ausgehen und überall die Völker aufrufen, sich zu bekehren und seine Gebote zu halten. Viele werden ihr Wort annehmen und auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes getauft werden. Diese Taufformel verdient unsere besondere Aufmerksamkeit. Es ist nämlich auffallend, dass wir diese Taufformel nirgends in der Apostelgeschichte finden; immer finden wir „auf“ (2,38; 8,16; 19,5) oder „in dem Namen des Herrn“ (10,48); und anderswo „auf Christus“ (Röm 6,3; Gal 3,27) oder „auf seinen Tod“ (Röm 6,3). Die Taufe auf den dreieinigen Gott jedoch finden wir nur in Matthäus 28, und das hat eine ganz besondere Bedeutung, gerade für die Endzeit. Die Jünger haben das verstanden und haben nicht den Auftrag von Matthäus 28 ausgeführt, sondern den von Lukas 24,47. Dort finden wir den christlichen Auftrag. Dort wird der Herr als der verherrlichte Herr im Himmel (nach der Himmelfahrt) vorgestellt, dort werden nicht die Gebote Christi allen Völkern gepredigt, sondern „Buße und Vergebung der Sünden … allen Nationen, anfangend von Jerusalem“. Das haben die Jünger getan; der Auftrag von Matthäus 28 steht noch aus bis zur Endzeit. Dann wird der Herr den Überrest als seine Brüder anerkennen (Vers 10; vgl. 25,40); dann werden sie nicht in Jerusalem anfangen, das dann den Völkern übergeben ist (23,37-39; Lk 21,24), sondern ausgehen bis zu den Enden der Erde, um Gott als den Vater (in dem Sinn von „Schöpfer“; 5Mo 32,6; Jes 64,8; Mal 2,10) zu verkünden, um Jesus als den Messias, den Sohn Gottes (im Sinn von Ps 2,7; Lk 1,35) zu predigen, und das alles in der Kraft des Heiligen Geistes (obwohl dieser nicht in ihnen wohnt).“ (W. J. Ouweneel: Die Zukunft der Stadt des großen Königs, S. 97)

[Anm. der Redaktion: Dennoch glauben wir nicht, dass sich die Taufformel auf diese eingeschränkte Bedeutung beschränkt, die Taufe ist auch heute eine Taufe auf den Gott, der vollkommen offenbart ist, der sich als Vater des Herrn Jesus und als unser Vater offenbart hat, der sich offenbart hat im Sohn und als Geist. Der Name des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes kennzeichnet das Christentum. Anstatt einfach ein Überbleibsel einer älteren Haushaltung, die verändert oder vielmehr beiseitegesetzt worden ist, zu sein, sehen wir im Gegenteil die volle Offenbarung des Namens Gottes, wie er erst jetzt, und nicht früher, bekannt gemacht worden ist. Dieser Name Gottes konnte frühestens nach dem Tod und der Auferstehung Christi offenbart werden. Die Begrenzung durch das Judentum, die während der Zeit des Lebens des Herrn hier auf der Erde vor dem Kreuz galt, gab es nicht mehr. Jetzt dämmerte eine neue Zeitepoche herauf.] 

In Matthäus 28 dagegen nennt der Herr Jesus eine andere Ordnung der Dinge:

  • Gehet nun hin und
  • machet alle Nationen zu Jüngern, und
  • taufet sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes, und
  • lehret sie, alles zu bewahren, was ich euch geboten habe.

Die Reihenfolge, die wir hier beobachten, ist einfach: Hingehen — Jünger machen.
Letzteres wiederum würde, wie wir gesehen haben, durch Taufen und Lehren geschehen. Auch ist dieser Auftrag ausdrücklich auf alle Nationen beschränkt, während der Herr in Markus 16 von der ganzen Welt und von der ganzen Schöpfung sprach. Wir hören in Matthäus 28 auch nichts von „Buße tun“ oder „glauben“ oder gar vom „Errettetwerden“. Vielmehr sagt der Herr nur, sie sollten alle Nationen zu Jüngern machen, indem sie tauften und lehrten.

Wir können aus diesen Merkmalen den Schluss ziehen, dass sich der Taufauftrag in Matthäus 28 in seiner vollen Bedeutung auf ein Werk bezieht, das nach dem Ende der Gnadenzeit vom jüdischen Überrest den Nationen gegenüber ausgeführt werden wird. Es handelt sich offenbar um die messianische Taufe vor und während des Tausendjährigen Friedensreiches Christi auf der Erde. Sie wird von einer Belehrung begleitet sein, die das zum Inhalt haben wird, was der Herr seinen Jüngern — vornehmlich in der Bergpredigt (Mt 5-7) — geboten hatte: „Und lehret sie, alles zu bewahren, was ich euch geboten habe“ (Mt 28,20).
Die christliche Taufe heute ist dagegen für Juden und Nationen gleichermaßen. Und durch diese Taufe verlieren beide ihre bisherige religiöse Stellung: Sie werden in den Tod Christi und damit in das christliche Bekenntnis gebracht. Der Jude hört auf, ein Jude zu sein; der Muslim hört auf, ein Muslim zu sein. (Ch. Briem, aus: Die christliche Taufe)

 

Letzte Aktualisierung am 17.3.2013
 

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