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Leitverse: Matthäus 28,19-20
Mt 28,19-20: Geht nun hin und macht alle Nationen
zu Jüngern, und tauft sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des
Heiligen Geistes, und lehrt sie, alles zu bewahren, was ich euch geboten habe.
Und siehe, ich bin bei euch alle Tage bis zur Vollendung des Zeitalters.
Der Auftrag von Matthäus 28 wird oft falsch verstanden, sowohl in seiner
Bedeutung als auch in seiner Anwendung. Um den Auftrag von Matthias 28 zu
verstehen, müssen drei Fragen betrachtet werden:
- Auf welche Zeit bezieht sich der Auftrag?
- Auf wen bezieht er sich?
- Was wird der Inhalt der Predigt derer sein, die den Auftrag
ausführen?
Auf welche Zeit bezieht sich der Auftrag?
Ein wichtiger Teil des Auftrags ist die Verheißung Christi: „Siehe ich
bin bei euch alle Tage, bis zur Vollendung des Zeitalters.“ Der Ausdruck „Vollendung des Zeitalters“ ist ein charakteristischer Ausdruck, der
sich auf eine ganz spezielle Zeitperiode bezieht, die in Matthäus 13,39-43
definiert wird. Dort ist es die Zeit, während der die Engel ausgehen und aus
dem Reich Christi alle Ärgernisse heraussammeln und ebenso alle jene, die
Gesetzlosigkeit ausüben. Es ist klar, dass das keinen Bezug auf die
gegenwärtige Zeit der Gnade hat, sondern vielmehr auf eine Zeitperiode nach der
Entrückung, die die Phase der Aufrichtung des Tausendjährigen Reiches auf der
Erde vorbereitet. Die Zeitperiode, auf die sich der Auftrag von Matthäus 28
bezieht, folgt also eindeutig dem Tag der Gnade, wenn Gott sein Handeln mit dem
alten Volk als eine Nation wieder aufnimmt.
Während jener Zeit wird Gott Lehrer erwecken, die „viele zu
Gerechtigkeit weisen“ (Dan 12,3). Ihre Botschaft wird das Evangelium des
Reiches sein, das heißt die gute Botschaft, dass der König kommt, um sein Reich aufzurichten. Wie werden sie viele zur Gerechtigkeit weisen? Indem sie „sie lehren“ (alle Nationen) die Dinge, die Christus sie gelehrt
hatte, was die Grundsätze des Reiches und den Charakter jener, die dafür
passend sind, betrifft. Die Bergpredigt (Mt 5-7) wird eine besondere Anwendung
in jener Predigt haben. Das ist die Bedeutung der Worte in dem Auftrag in
Matthäus 28: „Und lehrt sie [alle Nationen], alles zu bewahren, was ich
euch geboten habe“ (Mt 28,20).
Es ist auch bedeutsam, zu beachten, dass diese Prediger zu allen Nationen ausgehen
werden (Mt 28,19; 24,14). Die Ergebnisse dieser Predigt werden von dem Herrn beim Gericht der Nationen (Mt
25,1.31-32) herangezogen werden, bei dem seine
Brüder, die Prediger des Evangeliums des Reiches, von allen Nationen
unterschieden werden.
Solche, denen der dispensationale Aspekt des Matthäusevangeliums bekannt
ist, werden erkennen, welch eine besondere Bedeutung solche Ausdrücke wie „alle Nationen“ und
„die Vollendung des Zeitalters“ in
diesem Evangelium haben.
Auf wen bezieht sich der Auftrag?
Zweifellos also bezieht sich der Auftrag von Matthäus 28 auf die
Zeitperiode, die der Entrückung folgt, und wird durch die Prediger ausgeführt,
die von Gott unter dem jüdischen Überrest erweckt werden. Ihr Taufen und
Lehren wird alle Nationen zu Jüngern machen und viele zur Gerechtigkeit weisen,
indem jene Dinge, die Christus seinen Jüngern hier auf der Erde geboten hatte,
gelehrt werden.
Wenn wir sehen, dass dieser Auftrag sich auf jüdische Prediger in einer
kommenden Periode bezieht, erklärt das eine interessante Sache. In Johannes
20,17 sagt der Herr zu Maria: „Rühre mich nicht an, denn ich bin noch
nicht aufgefahren zu meinem Vater; gehe aber hin zu meinen Brüdern und sprich
zu ihnen, ich fahre auf zu meinem Vater und eurem Vater und zu meinem Gott und
eurem Gott.“ Johannes sieht unseren Herrn als denjenigen, der von dem Vater
kam, um das Werk zu vollbringen, das Ihm gegeben worden war, und um danach
wieder zu dem Vater zurückzukehren. Währenddessen würde es eine Versammlung
geben, deren Vorbild wir in Johannes 20,19-29 finden. Maria wollte Ihn als den
auferstanden Messias in Verbindung mit Israel festhalten. Nein, sagt der Herr,
ich muss hinaufsteigen. Aber Matthäus, vom Geist inspiriert, zeigt Christus
vor allem als König und besonders in seiner Verbindung zu Israel. In Matthäus
28,9 werden die Frauen gesehen, wie sie Ihn festhalten, und sie werden nicht
daran gehindert. Die Lektion darin ist, dass sie Ihn als den auferstandenen
Messias in Verbindung mit Israel festhalten. Alle Macht ist Ihm gegeben, und Er
wird gesehen als einer, der dem Überrest Israels einen Auftrag gibt.
Solche, die behaupten, Matthäus 28 sei der „Marschbefehl der
Gemeinde“, haben den dispensationalen Charakter der Dinge im Matthäusevangelium nicht erkannt und darüber hinaus die Implikationen der
Aussage des Paulus „Ich bin nicht gesandt zu taufen“ (1Kor 1,17).
Wenn Matthäus 28 der Marschbefehl für die Kirche wäre, dann auch ganz klar
für Paulus. Es wäre eine ernste Vernachlässigung seines Marschbefehls
gewesen, wenn er gesagt hätte: „Ich bin nicht gesandt zu taufen“, während sein Marschbefehl tatsächlich den Befehl, zu taufen beinhaltet hätte! Es geht
nicht darum, dass Paulus nicht auch getauft hätte, denn wir wissen, dass er es
getan hat (1Kor 1,14). Der Punkt ist, dass Taufe (die einen Teil des Auftrags
vom Matthias 28 bildet) nicht sein direkter Auftrag war.
[Anm. d. Red.: Die Gedanken in o.a. Text sind vielleicht etwas pointiert
und für einige sowieso sehr neu, daher wollen wir noch einige Kommentare
anderer Ausleger zu diesem Thema anfügen, damit der Grundgedanke klarer wird.
Wenn es oben heißt: „Die Zeitperiode also, auf welche sich der Auftrag von
Matthäus 28 bezieht, ist deutlich eine, die dem Tag der Gnade folgt, wenn Gott sein
Handeln mit dem alten Volk als eine Nation wieder aufnimmt“, dann
hätten wir dieses Statement sicher etwas anders formuliert, denn wir denken
schon, dass es ein Auftrag war, der den Aposteln schon für ihre Zeit gegeben
war, wenn wir auch nicht in der Schrift lesen, dass sie ihn auch genauso wie
hier definiert ausgeführt hätten. Und wir glauben auch, dass dieser Auftrag
durch den Dienst des Apostels Paulus mit anderen Akzenten überlagert wurde.
Dennoch gibt es Grundsätze und Segnungen von bleibender Bedeutung in diesem
Auftrag. Dennoch denken wir auch, dass der Auftrag in der Form von Matthäus 28
seine uneingeschränkte Bedeutung erst nach der Entrückung der Gemeinde
bekommt.]
J.N. Darby schreibt dazu:
Diese Offenbarung der Gottheit und die Tatsache, dass
Christus Herr ist, bildet die Basis und das Wesen des Christentums selbst als
ein Bekenntnis, zusammen mit der subjektiven Wahrheit, dass das Fleisch — wie
schon völlig bewiesen ist — nichts nützt. In diese neue Sphäre muss ich
durch den Tod eintreten, eintreten in die Gemeinschaft mit Gott; und als
auferstanden werde ich Diener Christi, des Herrn. Daher haben wir in Epheser 4
einen Leib, einen Geist, eine Hoffnung unserer Berufung; einen Herrn, einen
Glauben, eine Taufe. Das Erste ist die volle himmlische und wesensmäßige
Sache in Verbindung mit Christus; das Zweite das Bekenntnis auf der Erde in
Verbindung mit der Herrschaft Christi. Daher wurde auch Paulus, der
Christus nur in der himmlischen Herrlichkeit gesehen hatte und dem der Dienst
und die Offenbarung der Gemeinde anvertraut war, nicht gesandt zu taufen; und
in Matthäus [28], wo der Auftrag, um den es jetzt geht, gegeben wurde, haben
wir die Himmelfahrt überhaupt nicht. Hier ist Jerusalem vorbei und
Christus ist verbunden mit dem Überrest in Galiläa, der um Ihn versammelt
ist, und sie sollten die Nationen zu Jüngern machen. Das verbindet sich nicht
direkt mit dem Tausendjährigen Reich, sondern mit dem Dienst des Evangeliums
des Reiches, der diesem vorausgeht, und es geht aus zu allen Nationen, bevor
das Ende kommt — das Ende des Zeitalters. Das Tausendjährige Reich wird dann
eingeführt durch die Wiederkunft des Herrn in Herrlichkeit vom Himmel. Der
Auftrag geht diesem voraus. Deswegen sagt Er in Matthäus: „Und siehe,
ich bin bei euch alle Tage bis zum Ende des Zeitalters“, das heißt des
Zeitalters, das dem Kommen des Messias in Herrlichkeit, um sein Königreich
öffentlich aufzurichten, vorausgeht. Daher kann ich nicht sehen, warum diese
Mission nicht weitergehen soll, wenn die Kirche entrückt ist. Sie hat nicht
direkt die Kirche im Blick, ebenso wenig wie die Taufe: Sie bekennt den Vater,
den Sohn und den Heiligen Geist und dass Christus Herr ist, solange Er noch
nicht vom Himmel offenbart ist. (J.N. Darby: Letters, Bd. 3, S. 332,
1861)
Die Mission der Apostel hat hier bei dem Gespräch in
Galiläa mit ihrem auferstanden Meister ihren Anfangspunkt. Es handelt sich um
einen Überrest, der schon mit Jesus verbunden ist. Es geht nicht darum, wie
in Lukas, dass ein Heiland da ist, der in den Himmel aufgefahren ist und der
vom Himmel aus mit Jerusalem beginnt, wie es dann auch stattfand. Hier geht es
darum, dass Jerusalem verlassen und überliefert ist in die Hand der Bösen
und der Nationen, während der Überrest Israels mit dem verworfenen Messias
verbunden ist, der jetzt auferstanden ist. Dann werden die, die so mit dem
verworfenen Herrn verbunden sind, ausgesandt, um alle Nationen zu Jüngern zu
machen, indem diese getauft würden auf den Namen des Vaters und des Sohnes und
des Heiligen Geistes. Diese Mission ist bis heute niemals erfüllt worden. Die
Mission an die Nationen wurde formell dem Paulus übertragen durch jene, die
Säulen unter den Aposteln waren (Gal 2), mit göttlicher Autorität von dem
verherrlichten Jesus und durch direkte Sendung des Heiligen Geistes (Apg
13,4; 26,16-18).
Es ist möglich, dass die anderen Apostel später noch ausgegangen sind; aber
die Geschichte, soweit sie uns im Wort berichtet wird, redet nicht davon, es
sei denn in einer sehr allgemeinen und vagen Ausdrucksweise in einem Vers am
Ende des Markusevangeliums. Die Apostel blieben während der Zeit der
Verfolgung, die nach dem Tod des Stephanus stattfand, in Jerusalem. Dann wurde
das Evangelium an die Nationen weitergetragen durch solche, die dorthin
zerstreut wurden, und später dem Paulus übertragen. Johannes wird in Patmos
gefunden, um als Letzter, der von allen übrig blieb, über die Gemeinde in
ihrem Verfall zu wachen. Die letzten Verse des Markusevangeliums sagen, dass
sie überall hingingen und dass der Herr mitwirkte, um das gepredigte Wort
durch die Zeichen, die sie tun durften, zu bekräftigen. Jedoch hier im
Matthäusevangelium wurde ihnen der Auftrag gegeben. Sie sollten auch die
getauften Nationen lehren, alles zu bewahren, was Jesus den Jüngern geboten
hatte, und Er selbst würde mit ihnen sein bis zum Ende des Zeitalters. Es
handelt sich nicht um den sogenannten christlichen Auftrag; diesen finden wir
eher in Johannes 20, Lukas 24, und Markus 16. (Bis zu Vers 6 von Markus 16
finden wir dieselbe Geschichte wie in Matthäus; in den letzten Versen {von
Markus 16} finden wir das, was wir am Ende von Lukas und in Johannes 20 lesen.
Die Reden in den Kapiteln 13 und 26 der Apostelgeschichte sind verbunden — wie
auch jene des Petrus — mit der Mission, die im Lukasevangelium erwähnt wird.
Im Evangelium des Matthäus wird nicht gesagt, dass sie ausgehen und die Juden
zu Jüngern machen sollten, denn der Überrest wird schon als getrennt von der
Nation und verbunden mit Christus betrachtet. Es ist eine Art Erweiterung des
Kapitels 10 desselben Evangeliums, wo ihnen verboten wird — wenigstens, was
ihre Mission zu diesem Zeitpunkt anging —, zu den Nationen zu gehen, selbst
nicht zu den Samaritern, sondern es wird ihnen gesagt, dass sie nur die
verlorenen Schafe des Hauses Israel suchen sollten. Hier wird ihnen eine
erweiterte Mission gegeben: Sie sollen gehen und die Nationen zu Jüngern
machen. Das geht davon aus, dass das Werk in der Mitte der Juden ein anderes
ist als das von Kapitel 10. In einer gewissen Weise erklärt nur Kapitel 24,
warum die Mission, um die es hier geht, sich ausschließlich an die Nationen
wendet. Die Mission vom Himmel für die Errettung der Seelen ist natürlich
an Juden genauso wie an die Nationen adressiert. Dieses Letztere finden
wir in der Apostelgeschichte erfüllt: Nur der Teil, der die Nationen
einschließt, wurde dem Paulus übertragen, wie wir gesehen haben. (Collected Writings.,
Bd. 30, S. 314ff.)
Dann wird das Urteil verkündet über die Verwerfung des
Geistes, die sie als Volk begangen hatten. Sie hatten das erneute Zeugnis in
der Kraft des Geistes Gottes, die in Stephanus sichtbar wurde, der „voll
des Heiligen Geistes“ war, abgelehnt. Und die jüdische Geschichte wurde
abgeschlossen mit dem, was die Kirche in den Himmel [in der Person des
Stephanus] einführte (tatsächlich ging es um den Zwischenzustand, in dem
sich der Geist des Gläubigen dort befindet). Das, was vom Geist erfüllt ist,
wird abgelehnt. Die Ablehnung dieses Zeugnisses geschieht in Jerusalem, dem
Zentrum des irdischen Systems Gottes. Sie steinigten Stephanus, der Gott
anrief und sprach: „Herr Jesus, nimm meinen Geist auf“, und der
dieselbe Fürsprache für das unglückliche Volk tat wie Jesus bei seiner
Verwerfung: „Herr, rechne ihnen diese Sünde nicht zu.“ Indem der
Geist so handelte, erkennt Er den Herrn Jesus an; genauso wie Jesus als Sohn sich
selbst — seinen Geist — bei seiner Verwerfung dem Vater übergeben hatte.
Es ist schon oft von solchen, die mit diesen Wahrheiten vertraut sind,
beobachtet worden, dass dies das irdische Gebäude und Zentrum der Gemeinde
abgebrochen hat [Anm. d. Red.: mit dem Zentrum ist Jerusalem gemeint]. Der
Auftrag in Matthäus, so wie schon bemerkt, wurde in seiner ursprünglichen
Form fallen gelassen; denn die Juden wiesen das Zeugnis des Geistes in Bezug
auf die Erhöhung Christi durch ihre Führer als Nation genauso ab, wie
sie den Sohn Gottes in seiner Erniedrigung, als Er unter ihnen als Messias
gewesen war, zurückgewiesen hatten. Deswegen hörte Jerusalem auf, das
Zentrum zu sein, von welchem die Kraft des Versammelns bis dahin ausfließen
sollte. (Collected Writings, Bd. 3, S. 119)
Was diese Mission anging, haben wir nur die allgemeine
Aussage des Markus, dass sie überall hingingen (Mk 16,20). In Vers 15 wird
ihnen gesagt, dass sie in die ganze Welt gehen sollen. In Matthäus 28 wird
ihnen in Galiläa gesagt, dass sie alle Nationen zu Jüngern machen sollten
— aber das ist eine andere Mission. Was den Abschnitt in Markus angeht, wird der
Leser bemerken, dass der infrage stehende Abschnitt von Vers 9 an mit
Jerusalem und der Himmelfahrt beginnt, so wie in Lukas; in Vers 7 wird ihnen
gesagt, dass sie nach Galiläa gehen sollten, wie in Matthäus. Das sind
unterschiedliche Missionen. Tatsache ist, dass, wo immer sie hingingen, die
Mission der Nationen (Gal 2) dem Paulus und dem Barnabas gegeben wurden, die
sich schon damit beschäftigt hatten. Insoweit wurde der Auftrag des Matthäus
fallen lassen. Bei Markus geht es um den Einzelnen und um eine Frage der
Errettung; bei Matthäus geht es darum nicht. [Der Auftrag in] Lukas wird
durch die Apostel ausgeführt, wie das auch die Reden in der Apostelgeschichte
zeigen, nur der Teil, der die Nationen betrifft, wurde dem Paulus gegeben (J. N.
Darby: Fußnote in der Synopsis — zu Joel 3 [in der deutschen Übersetzung
nicht übernommen]).
Das Zeugnis an die Nationen nahm in dem Dienst des Paulus
eine neue Form an. Dieser Dienst kann — nicht was die Errettung angeht,
sondern den Dienst an sich — schon eine besondere Verwaltung genannt werden
(Eph 3,2; Kol 1,25); die Einheit des Leibes Christi war darin die große
Grundlage der Berufung, die vom Himmel war, über die Juden hinaus. Sie
brachte alle auf eine Ebene, weil es nicht mehr Adonai war, der die Erde und
Zion beanspruchte, sondern [Christus], der die Heiligen, die dieses Zeugnis
annahmen, mit sich selbst verband, als derjenige, der vom Himmel aus sprach. Deswegen
wurde dieser Auftrag von Matthäus 28 aufgeschoben, was den Buchstaben angeht
(nicht was den Geist angeht in Bezug auf den Segen) (Notes
and Comments, Vol. 3, p. 52).
[Anm. d. Red.: Der folgende Auszug aus einer Betrachtung eines anderen
Schreibers zeigt besonders im letzten Abschnitt, was damit gemeint ist, dass wir
den Auftrag von Matthäus 28 dem Geist nach in Bezug auf seinen Segen auch heute
haben.]
So knüpfte der Herr als der Auferstandene von neuem die
Verbindung zu jenem Überrest, zu dem als bedeutendste Glieder die elf Jünger
zählten. Und wenn wir an dieser Stelle auch nicht erfahren, dass Er in den
Himmel aufgenommen wurde, beauftragt Er sie doch, als ob Er vom Himmel aus
spräche, denn Ihm war alle Gewalt gegeben im Himmel und auf der Erde. Noch
war die Zeit nicht gekommen, den christlichen Auftrag, nämlich ein Volk aus
den Nationen für seinen Namen zu sammeln, völlig zu enthüllen — deshalb
sind die Ausdrücke hier allgemeiner gehalten. Sie sollten gehen und Jünger
machen und sie taufen, und ein solcher Auftrag kann von dem gläubigen
Überrest Israels wieder aufgenommen werden, nachdem die Kirche entrückt
worden ist. Wie Israel auf Mose als den Führer getauft war, so soll der
Jünger auf den auferstandenen Christus getauft werden und sich dadurch seiner
Autorität unterstellen; die Taufe soll im Namen Gottes aufgrund seiner
völligen Offenbarung geschehen. Das Wort wird nicht in der Mehrzahl, sondern
in der Einzahl gebraucht — nicht Namen, sondern Name — denn da ist nur eine
Gottheit, obschon in den drei Personen offenbart.
Die letzten Worte sind: „Ich bin bei euch alle Tage bis zur Vollendung
des Zeitalters.“ Damit haben wir das Wörtchen „alle“ nicht
weniger als viermal in diesem letzten Abschnitt. Unser erhöhter Herr übt in
beiden Sphären alle Gewalt aus, so dass es nichts gibt, das Ihm nicht
unterworfen wäre. Wenn seinen Dienern etwas Widriges zustößt, geschieht es
unter seiner Zulassung. Alle Nationen sollen der Wirkungsbereich für ihren
Dienst sein, nicht etwa Israel allein, wie es bis jetzt der Fall war. Solche,
die aus den Nationen getauft werden, sollen belehrt werden, alle Gebote des
Herrn zu beachten, denn Knechte sollen sich durch Gehorsam auszeichnen und
auch wieder andere zum Gehorsam führen. Dann können sie alle Tage bis zum
Ende auf den Beistand und die geistliche Gegenwart ihres Meisters rechnen.
Mit diesem Auftrag endet das Evangelium. Wenn wir zur Apostelgeschichte
kommen und auch durch die Briefe weitergehen, finden wir, dass Entwicklungen
ans Licht kommen, die uns unseren heutigen Auftrag zur Verkündigung des
vollen Evangeliums vermitteln. Doch das Licht und der Nutzen der letzten Worte
des Herrn hier geht uns nicht verloren. Noch gehen wir hin zu allen Nationen,
um sie auf diesen Namen zu taufen. Noch haben wir das ganze Wort des Herrn zu
lehren. Noch ist Ihm alle Gewalt gegeben. Und noch ist Er bei uns alle Tage
bis zum Ende des Zeitalters, was auch immer geschehen mag (F. B. Hole,
aus: Betrachtung über das Matthäusevangelium).
Der Dienst in der Apostelgeschichte ist nicht die
Erfüllung dieses Auftrages [von Matthäus 28], sondern die Mission in Lukas. Die
Apostelgeschichte selber ist, wie bekannt, die Fortsetzung des Evangeliums von
Lukas. Auch der Dienst des Paulus, der durch eine besondere göttliche
Mission die Evangelisation der Nationen auf sich nahm, war nicht die Ausübung
dieses Auftrages. Er hatte vielmehr eine Mission von einem zum Himmel
aufgefahrenen und verherrlichten Heiland, und dieser Mission wurde noch der
Dienst der Gemeinde hinzugefügt. In seinen ersten Elementen verbindet
sich das viel mehr mit Lukas. Der Dienst, der hier [in Matthäus 28]
eingerichtet wird, steht für sich. Die Jünger werden nicht zu den Juden
gesandt, so wie wir das in Lukas finden, wo sie von einem zum Himmel
gefahrenen Heiland kommen und in Jerusalem anfangen sollten. Jerusalem ist
verworfen, und der Überrest, verbunden mit Christus (seine Brüder — und in
diesem Charakter anerkannt), wird zu den Nationen ausgesandt. Dieses wurde,
soweit die Schrift uns belehrt, niemals erfüllt. Der Lauf der Ereignisse,
oder anders ausgedrückt die Hand Gottes, führte es, dass die Jünger in
Jerusalem blieben. Eine neue Mission an die Nationen wird ausgesandt in
der Person des Paulus, und das steht in Verbindung mit der Aufrichtung der
Gemeinde auf der Erde. Die Erfüllung dieser Mission [von Matthäus 28] ist
also unterbrochen worden, aber es gibt die Verheißung, dass der Herr mit
denen sein will, die mit diesem Auftrag ausgehen bis zum Ende des Zeitalters. Und
ich zweifle auch nicht, dass das so sein wird. Dieses Zeugnis wird ausgehen zu
den Nationen, bevor der Herr kommt. „Die Brüder“ werden es
hinaustragen, um die Nationen zu warnen. Der Auftrag wurde damals
gegeben, aber er wurde noch nicht erfüllt. Er verbindet das Zeugnis mit dem
jüdischen Überrest, der von dem auferstandenen Herrn anerkannt wird, und mit
der Erde und mit seinen irdischen Anweisungen; und für die Gegenwart hat es
tatsächlich einem himmlischen Auftrag und der Gemeinde Gottes Platz gemacht.
(J. N. Darby: Collected Writings, Bd. 24, S. 217)
Dieses Evangelium wurde verbreitet bis zur Steinigung des
Stephanus, wo dann das Evangelium der Herrlichkeit durch Paulus eingeführt
wurde (G. Davison, aus: An Outline of the Gospel of Matthew).
Als solche, die Paulus nachfolgen und die durch einen
Geist in einen Leib getauft worden sind — durch den Heiligen Geist, der vom
Himmel herabgesandt wurde —, hat die Gemeinde keinen Auftrag zu taufen, wie
die Zwölf wohl den Auftrag in Matthäus 28 in Bezug auf die Nationen hatten.
Unsere Aufgabe ist es — als solche, die dem Herrn und seinem Volk dienen —,
zu
versuchen, die Christen in das Bewusstsein ihrer Stellung als Glieder Christi
inmitten eines großen getauften Hauses zu bringen …, aber als der Auftrag
in Matthäus 28 gegeben wurde, war der Herr gegenwärtig und die Taufe wird
gegründet auf die Auferstehung — nicht auf die Himmelfahrt. (F. G.
Patterson, aus einem unveröffentlichten Manuskript über die Taufe)
Denn die Taufe ist die Handlung des Täufers — nicht des
Täuflings. „Gehet nun und machet alle Nationen zu Jüngern, sie taufend“, usw., nicht:
„Gehet nun und werdet getauft.“ Dieser
Auftrag wurde durch den Herrn nur nach der Auferstehung gegeben, nicht nach
der Himmelfahrt — von wo Er den Heiligen Geist gesandt hat —, als das
verherrlichte Haupt des Leibes. Dieser Auftrag wurde dem Petrus und den
anderen auf der Erde gegeben, und das Haus wurde gebildet und diese Arbeit der
Zulassung [durch die Taufe] folgte, lange bevor Paulus bekehrt war. Nachdem er
bekehrt war, wurde er auch wie jeder andere in das Haus der Taufe zugelassen.
Dennoch sagt er ganz deutlich, dass „er nicht gesandt war zu taufen“. Er findet sie
[die Taufe] dort, und sie ist auch nicht
beiseitegesetzt durch den himmlischen Auftrag, den er in Folge bekam, und er
gebraucht sie zuzeiten, um einige zuzulassen (wie — „Krispus und Gajus
und das Haus des Stephanus“), indem er nicht mehr daraus machte, als
notwendig war, obwohl es nicht Teil seines Auftrags war.
Nun, das Mahl des Herrn ist „sooft ihr esst … verkündigt
ihr den Tod des Herrn, bis er kommt“. Anders als die Taufe wurde das Mahl
des Herrn dem Paulus durch Christus in der Herrlichkeit aufs Neue offenbart,
und es bekam durch ihn neue Merkmale, die zuvor unbekannt waren, als es zum
ersten Mal durch den Herrn eingerichtet wurde. Es wird, wenn es nach den
göttlichen Gedanken eingenommen wird, das Symbol der Einheit der Kirche
Gottes hier auf der Erde; überdies das große augenscheinliche Zentrum von
dem Zusammenkommen der Kirche Gottes auf der Erde. Dort wird in einer
besonderen Weise die Gegenwart des Herrn selbst „in der Mitte“ (Mt 28,20)
realisiert (F.G. Patterson: Paul’s Doctrine and other Papers,
S.
62).
Beachtet, dass der Auftrag lautete, „allen
Nationen“ zu predigen, so wie uns das durch Matthäus und Lukas berichtet
wird, und „der ganzen Welt“, wie wir in Markus finden. Das ist weit
und umfassend genug. Es ist der einzelne Diener, der Verantwortung trägt, den
Auftrag auszuführen. Der Herr sagt nicht direkt „gehe“ zu der
Gemeinde, weil die Gemeinde weder lehrt noch predigt — die Gemeinde wird
belehrt und ihr wird gepredigt. Es ist der Einzelne, um den es geht, weil
der Dienst die Ausübung der Gabe bedeutet, die dem Einzelnen durch Christus
gegeben wurde. Er teilt die Gabe aus und Er allein bestimmt ihre Benutzung. Er
hält die Sterne in seiner rechten Hand in Offenbarung 2,1, denn sie gehören
Ihm und Ihm allein. Das bedeutet also, dass der Besitzer irgendeiner Gabe dem
Herrn allein für ihre Ausübung verantwortlich ist (aus W.T. P.
Wolston:
The „Forty Days“ of Scripture, Sixteen Addresses).
Im Matthäusevangelium lautet der Auftrag folgendermaßen: „Geht nun hin und macht alle Nationen zu Jüngern, und tauft sie auf den
Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes, und lehrt sie alles
zu bewahren, was ich euch geboten habe.“ Dieser Auftrag war für die
Apostel, die vom Herrn bereits eingesetzt und mit Ihm als dem Diener der
Beschneidung (Röm 15,8) verbunden waren, genau umschrieben. Sie werden als
in Jerusalem seiend betrachtet, um von dort ausgehend alle Nationen zu
Jüngern zu machen und sie zu lehren, die Verordnungen und Gebote des Herrn zu
bewahren. Denn es ist der Zweck dieses Evangeliums, den Herrn in seinen
Beziehungen zu den Juden als die Hoffnung Israels darzustellen, zu dem hin die
Sammlung der Nationen erfolgen sollte. Demgemäß werden die Bekehrung der
Nationen und die Sammlung der ganzen Welt um Jerusalem als dem Mittelpunkt der
Anbetung vorausgesetzt. [Anm. der Red.: Es ist schon nicht von ungefähr, dass
dieser Auftrag in Galiläa, weit weg von Jerusalem, erteilt wird, weil es
eigentlich um einen Auftrag geht, der für eine Zeit gilt, in der Jerusalem
verworfen ist. Dennoch wollen wir den Aspekt nicht wegnehmen, dass es hier
noch darum geht, dass die Nationen von Israel aus — und dessen Zentrum ist im
Tausendjährigen Reich Jerusalem — gesegnet werden. Und zu genau diesem
Zustand wird auch die Predigt, die mit diesem Auftrag verbunden ist, nach der
Entrückung der Gemeinde führen.] Ein System wiederhergestellter,
gehorsamer und mit Israel gesegneter Nationen wird gesehen werden, und der
auferstandene Herr hat dieses vor Augen, wenn Er in Matthäus seinen Aposteln
diesen Auftrag erteilt. (Ich möchte bemerken, dass hier die Tür der Hoffnung
für Israel noch nicht völlig verschlossen war. Das Zeugnis des Heiligen
Geistes durch die Apostel über den auferstandenen Jesus war noch nicht
verworfen worden. Die Möglichkeit, dass dieses Zeugnis angenommen wurde,
konnte noch vorausgesetzt werden, und der Herr scheint dies im Matthäusevangelium anzunehmen.). (J. G.
Bellett: Betrachtung über das
Evangelium nach Johannes, S. 136)
Dann folgt der große Auftrag an die Jünger. — Es
handelt sich um den Auftrag des Reiches. In Lukas 24 finden wir den echt
christlichen Auftrag an die Jünger. Es wird eine Zeit kommen, wenn der
Auftrag, den wir bei Matthaus finden, von einem Überrest jüdischer Jünger
ausgeführt werden wird. Dieser Überrest ist hier durch die elf Jünger
repräsentiert. Es handelt sich um denselben Überrest wie in Matthaus 24. (A.C.
Gaebelein, aus: Kommentar zum Neuen Testament)
Den letzten Hinweis auf das zukünftige Predigen des
Überrestes an alle Völker finden wir in Kapitel 28 ab Vers 16. Man denkt
häufig, dass wir hier den Auftrag an die Versammlung haben, das Evangelium
der Gnade Gottes in Christus allen Völkern zu verkündigen, aber darum kann
es hier unmöglich gehen. Der Herr spricht hier zu den Jüngern, die stets
Vorbilder des Überrestes sind, und zwar auf dem Berg in Galiläa, dem Ort
der Verwerfung und Verachtung. Aus Galiläa stammten seine Jünger, verachtete
Juden aus einem verachteten Landstrich, die die Seite eines verworfenen
Messias gewählt hatten (und verworfen ist der Herr in diesem Evangelium in
der Tat). Und diese Szene findet auf dem Berg statt, der in Matthäus immer
in Verbindung mit dem Reich steht, wie wir bereits früher gesehen haben
(siehe 5,1; 15,29; 17,1).
Welcher Teil dieser Szene hat denn Bezug auf die Versammlung? Es ist
deutlich, dass wir die Versammlung hier nicht suchen dürfen, denn was
geschieht weiter?
Die Jünger sehen den Herrn und huldigen Ihm; Sie anerkennen Ihn als den
König. Und der Herr nimmt diesen Titel auch an, denn Er betont seine
königliche Würde: „Mir ist alle Gewalt [oder: Recht, Autorität]
gegeben im Himmel und auf Erden. Gehet nun hin.“ Achte auf das „nun“, das sich nämlich auf das Vorhergehende bezieht. Die Jünger
mussten ausgehen und Ihn als König der ganzen Erde predigen. In Matthäus
finden wir nicht die Himmelfahrt, sondern den Herrn auf der Erde als den
irdischen König; und wir finden den Überrest, der diesen irdischen König
predigt. Das ist nicht der Auftrag der Versammlung.
Sodann: „Gehet nun hin und machet alle Nationen zu
Jüngern.“ Das
ist bestimmt kein christlicher Auftrag! Es ist zwar wahr, dass zu Beginn der
Versammlung die Predigt der Zwölf tatsächlich den Charakter des Evangeliums
des Reiches hatte (siehe den Anfang der Apostelgeschichte), aber nachdem
Paulus das Geheimnis von der Versammlung als dem Leib Christi offenbart worden
war, der verbunden ist mit einem himmlischen, verherrlichten Haupt, bekam das
Evangelium einen anderen Charakter.
Das Evangelium in unserer Zeit besteht nicht darin, Völker zu Jüngern zu
machen, sondern die Jünger Christi aus den Völkern abzusondern zu einem
neuen, abgesonderten Volk. Gott hat die Nationen heimgesucht, „um aus
ihnen ein Volk zu nehmen für seinen Namen“ (Apg 15,14; siehe auch
Tit 2,14; 1Pet 2,9.10). Völker zu Jüngern zu machen ist dagegen ein
Gedanke, der vollkommen in den Rahmen des Reiches passt. Ja, im Friedensreich
werden die Völker als Völker gesegnet werden (siehe u.a. Jes 25,6-7;
42,6; 49,6-7; 56,7; 60,3; 62,2.10; Jer 3,17; 4,2; 33,9; Mich 4,14; 7,16-17;
Zeph 3,10.20; Sach 8,20.23; 14,16-19; vgl. Mt 25,31-46; Off 20,8). Wer in
der Endzeit von den Völkern zur Bekehrung kommt, wird weiter zu den Völkern
gehören — erst auf der neuen Erde wird es keine Völker mehr geben, sondern
nur „Menschen“ (Off 21,3); wer sich aber in unserer Zeit
bekehrt, gehört — genau genommen — nicht mehr zu den Völkern, sondern zu dem
Volk (vgl. die Unterscheidung in 1Kor 10,32).
Deshalb ist auch der Schluss von Matthäus 28 so wichtig: „Und so taufet
sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes.“
Wer sind diese „sie“? Um das zu verstehen, müssen wir wissen, dass
im Griechischen hier wörtlich steht: „zu-Jüngern-machet alle Nationen
[Völker], sie taufend“; das Hauptwort „Jünger“ kommt also
nicht darin vor, so dass „sie“ sich direkt auf Völker bezieht. Die
treuen Juden werden ausgehen, um die Völker zu „Jüngern zu machen“
und zu taufen, das heißt, sie werden versuchen, alle Völker auf die Ankunft
des Königs vorzubereiten, der über die ganze Erde Gewalt hat (V. 18) und der
über alle Völker regieren wird. Sie versuchen, die Völker zur Bekehrung zu
bringen, damit sie den Messias würdig empfangen, und sie taufen sie, nicht
nur, weil sie ihre Sünden bekannt haben, sondern vor allem im Blick auf die
baldige Ankunft des Messias. Christlich ist es, ein Volk aus den Völkern
abzusondern; jüdisch ist es, alle Völker zu Jüngern zu machen und sie zu
taufen (dass sich nicht alle Völker bekehren werden, ist eine andere
Sache, das ändert aber diesen Grundsatz nicht). Es ist eine Taufe, die mit
der Taufe des Johannes vergleichbar ist, mit dem großen Unterschied, dass
sich die Taufe des Johannes auf Israel beschränkte. Das Ziel ist aber
dasselbe: Menschen zur Bekehrung aufzurufen im Blick auf den kommenden König
und das Reich und sie als solche zu taufen, indem sie ihre Sünden bekennen
(3,1-12). Die Taufe geschieht übrigens immer im Blick auf das, was vor uns
liegt, nicht im Blick auf das, was hinter uns liegt. Diese Juden [Anm. der
Redaktion: Der Autor meint hier sicher statt „Juden“ „Gläubige
aus den Nationen“] werden getauft, nicht weil sie ihre Sünden bekennen,
sondern damit sie bereit sind, den Messias zu empfangen, indem sie ihre
Sünden bekennen. Als Christen werden wir nicht getauft, weil wir zum Glauben
gekommen sind, sondern damit wir in Neuheit des Lebens wandeln (Röm 6,4),
damit wir durch die Taufe unter die Autorität Christi kommen (Apg 2,38;
8,12; 19,5), damit wir Christus anziehen (Gal 3,27), damit wir errettet
werden, nämlich für die Erde (Mk 16,16; 1Pet 3,21; vgl. Apg 2,41.47)
usw. Genauso werden in der Zukunft viele getauft werden, damit sie bereit
sind, den Messias zu empfangen, und damit sie die Gebote des Messias bewahren
(Mt 28,20); das sind in Matthäus die Grundsätze des Reiches (Kap. 5-7).
Schließlich noch: Der Herr würde bei seinen Jüngern sein bis zur Vollendung
des Zeitalters. Auch hier können die Jünger nichts anderes sein als ein
Vorbild des zukünftigen Überrestes, denn sie selbst sind nicht bis zum Ende
dieser Haushaltung auf der Erde geblieben. Der Überrest darf jedoch auf die
Nähe Christi rechnen, bis die Haushaltung abgelaufen ist, das heißt, bis Er
persönlich wiederkommt und das Friedensreich errichtet (vgl. 10,22; 24,13).
Die Verheißung an die Versammlung hat einen völlig anderen Charakter: Wir
haben die Verheißung in Vers 20 nicht nötig, denn vor der Vollendung des
Zeitalters ist die Versammlung schon in den Himmel aufgenommen. Für uns
gilt: „Und also werden wir allezeit bei dem Herrn sein“ (1Thes 4,17).
Wir ersehen hieraus also, dass es in der Endzeit gläubige Juden geben wird,
die ausgehen, um zu verkündigen, dass der Messias und sein Königreich nahe
sind. Sie werden in allen Städten und Dörfern Israels predigen, aber damit
nicht zu Ende kommen. Andere werden über die ganze Welt ausgehen und überall
die Völker aufrufen, sich zu bekehren und seine Gebote zu halten. Viele
werden ihr Wort annehmen und auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des
Heiligen Geistes getauft werden. Diese Taufformel verdient unsere besondere
Aufmerksamkeit. Es ist nämlich auffallend, dass wir diese Taufformel nirgends
in der Apostelgeschichte finden; immer finden wir „auf“ (2,38; 8,16;
19,5) oder „in dem Namen des Herrn“ (10,48); und anderswo „auf
Christus“ (Röm 6,3; Gal 3,27) oder „auf seinen Tod“ (Röm
6,3). Die Taufe auf den dreieinigen Gott jedoch finden wir nur in Matthäus
28, und das hat eine ganz besondere Bedeutung, gerade für die Endzeit. Die
Jünger haben das verstanden und haben nicht den Auftrag von Matthäus 28
ausgeführt, sondern den von Lukas 24,47. Dort finden wir den christlichen
Auftrag. Dort wird der Herr als der verherrlichte Herr im Himmel (nach der
Himmelfahrt) vorgestellt, dort werden nicht die Gebote Christi allen Völkern
gepredigt, sondern „Buße und Vergebung der Sünden … allen Nationen,
anfangend von Jerusalem“. Das haben die Jünger getan; der Auftrag von
Matthäus 28 steht noch aus bis zur Endzeit. Dann wird der Herr den Überrest
als seine Brüder anerkennen (Vers 10; vgl. 25,40); dann werden sie nicht in
Jerusalem anfangen, das dann den Völkern übergeben ist (23,37-39; Lk
21,24), sondern ausgehen bis zu den Enden der Erde, um Gott als den Vater (in
dem Sinn von „Schöpfer“; 5Mo 32,6; Jes 64,8; Mal 2,10) zu
verkünden, um Jesus als den Messias, den Sohn Gottes (im Sinn von Ps 2,7;
Lk 1,35) zu predigen, und das alles in der Kraft des Heiligen Geistes (obwohl
dieser nicht in ihnen wohnt).“ (W. J. Ouweneel: Die Zukunft der Stadt des großen
Königs, S. 97)
[Anm. der Redaktion: Dennoch glauben wir nicht, dass sich die Taufformel auf
diese eingeschränkte Bedeutung beschränkt, die Taufe ist auch heute eine
Taufe auf den Gott, der vollkommen offenbart ist, der sich als Vater des Herrn
Jesus und als unser Vater offenbart hat, der sich offenbart hat im Sohn und
als Geist. Der Name des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes
kennzeichnet das Christentum. Anstatt einfach ein Überbleibsel einer älteren
Haushaltung, die verändert oder vielmehr beiseitegesetzt worden ist, zu
sein, sehen wir im Gegenteil die volle Offenbarung des Namens Gottes, wie er
erst jetzt, und nicht früher, bekannt gemacht worden ist. Dieser Name Gottes
konnte frühestens nach dem Tod und der Auferstehung Christi offenbart werden.
Die Begrenzung durch das Judentum, die während der Zeit des Lebens des Herrn
hier auf der Erde vor dem Kreuz galt, gab es nicht mehr. Jetzt dämmerte eine
neue Zeitepoche herauf.]
In Matthäus 28 dagegen nennt der Herr Jesus eine andere
Ordnung der Dinge:
- Gehet nun hin und
- machet alle Nationen zu Jüngern, und
- taufet sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und
des Heiligen Geistes, und
- lehret sie, alles zu bewahren, was ich euch geboten habe.
Die Reihenfolge, die wir hier beobachten, ist einfach:
Hingehen — Jünger machen.
Letzteres wiederum würde, wie wir gesehen haben, durch Taufen und Lehren
geschehen. Auch ist dieser Auftrag ausdrücklich auf alle Nationen
beschränkt, während der Herr in Markus 16 von der ganzen Welt und von der
ganzen Schöpfung sprach. Wir hören in Matthäus 28 auch nichts von „Buße tun“ oder
„glauben“ oder gar vom „Errettetwerden“.
Vielmehr sagt der Herr nur, sie sollten alle Nationen zu Jüngern machen,
indem sie tauften und lehrten.
Wir können aus diesen Merkmalen den Schluss ziehen, dass sich der
Taufauftrag in Matthäus 28 in seiner vollen Bedeutung auf ein Werk bezieht,
das nach dem Ende der Gnadenzeit vom jüdischen Überrest den Nationen
gegenüber ausgeführt werden wird. Es handelt sich offenbar um die
messianische Taufe vor und während des Tausendjährigen Friedensreiches
Christi auf der Erde. Sie wird von einer Belehrung begleitet sein, die das
zum Inhalt haben wird, was der Herr seinen Jüngern — vornehmlich in der
Bergpredigt (Mt 5-7) — geboten hatte: „Und lehret sie, alles zu
bewahren, was ich euch geboten habe“ (Mt 28,20).
Die christliche Taufe heute ist dagegen für Juden und Nationen
gleichermaßen. Und durch diese Taufe verlieren beide ihre bisherige
religiöse Stellung: Sie werden in den Tod Christi und damit in das
christliche Bekenntnis gebracht. Der Jude hört auf, ein Jude zu sein; der
Muslim hört auf, ein Muslim zu sein. (Ch. Briem, aus: Die christliche
Taufe)
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