Das Evangelium des Paulus (6)
Satans Angriff auf das Evangelium der Herrlichkeit des Christus

Roy A. Huebner

© SoundWords, online seit: 14.02.2007, aktualisiert: 29.09.2019

Einer der besonderen Angriffspunkte Satans ist, „dass nicht ausstrahle der Lichtglanz des Evangeliums der Herrlichkeit des Christus, der das Bild Gottes ist“ (2Kor 4,4). Oh, welch eine Raffinesse zeigt Satan mit diesem Angriff! Warum greift er speziell diesen Punkt an? Es geht darum, dass er, wenn er diesen verdunkelt, dann den Lichtglanz verdunkelt. Die Herrlichkeit Christi ist das Maß der Verherrlichung Gottes und diesen Lichtglanz der Herrlichkeit Christi zu verdunkeln bedeutet, auch das andere zu verdunkeln. Damit wird dann auch dementsprechend das Ausmaß der Gnade Gottes verdunkelt, wie es in der Seele wahrgenommen wird, und schwächt alles so ab, dass es nur noch der Not des Menschen begegnet, so gesegnet dieses Begegnen seines Bedürfnisses an seinem Ort auch sein mag. Aber das Evangelium geht weit darüber hinaus, der Not des Menschen zu begegnen, und es ist das Ziel des Feindes, den Lichtglanz der guten Botschaft der Herrlichkeit Christi zu verhindern, damit er den Verlorenen nicht scheint. Wenn wir diese Dinge predigen, dann begegnen wir dem Feind gerade dort, wo der Kampf am schwierigsten ist. Er weiß sehr genau, warum er besonders diese Wahrheit angreift. Weißt du auch warum?

Jemand hat gesagt:

Zu allen Zeiten ist es die wohlbekannte Strategie des Feindes gewesen – wenn er nicht die Verkündigung der göttlichen Wahrheit verhindern kann –, einen bestimmten Teil der Wahrheit auf Kosten und zur Vernachlässigung eines weit höheren und gewichtigeren Teils der Wahrheit zu fördern. Damit kann er die Aufmerksamkeit der Gläubigen beschränken auf das, was an zweiter Stelle kommt – wie kostbar diese Dinge auch in sich selbst sein mögen –, um Wahrheiten, die von erster und tiefster Bedeutung sind, aus dem Blickfeld zu räumen oder mindestens im Hintergrund zu halten.

J.N. Darby hat zu Recht festgestellt:

Wenn man sich ausschließlich damit beschäftigt, wie dem Bedürfnis des Sünders begegnet wird – so wahr wie das auch ist und wie es Gottes Liebe offenbart, und das ist immer wertvoll für die Seele –, legt man doch eine verengte Grundlage für nachfolgendes Wachstum. (Letters of J.N. Darby, Bd. 3, S. 445)

„Erweckungspredigt“ und Evangeliumsverkündigung im Allgemeinen wird dadurch charakterisiert, dass sie gerade „dem Bedürfnis des Sünders begegnet … und … Gottes Liebe offenbart“. Die gute Botschaft wird dargestellt als ein „Notausgang aus der Hölle“ oder als etwas, was die „Lebenserfüllung“ bietet, statt vielmehr, dass Gott völlig verherrlicht worden ist. Unsere geliebten und wertgeschätzten Brüder einer vergangenen Generation sahen den Verfall im Charakter der Evangeliumsverkündigung (besonders im evangelikalen Christentum) und schrieben Warnungen darüber. Wir tun gut daran, solche Worte zu beachten wie:

Ich glaube, die Person des Herrn hat den Ehrenplatz verloren – wenigstens bei der Erweckungspredigt –, den sie haben sollte, und das führt dazu, dass die Predigt, obwohl sie zweifellos oft gesegnet ist, ernste Mängel zeigt. Errettung durch die Liebe Gottes zu den Sündern – sicherlich eine gesegnete Wahrheit – wird viel mehr gepredigt als Christus.

… „zum Himmel gehen“ – ein unschriftgemäßer Ausdruck – hat in den evangelikalen Gedanken das Kommen des Herrn und die Auferstehung ersetzt. (J.N. Darby in The Bible Treasury, Jg. 11, 1876–7, S. 93)

Damit mich niemand missversteht, möchte ich noch einmal klar sagen, dass ich nicht dafür plädiere, die Predigt von dem, was der Mensch braucht, von Gottes Heilmittel, von Buße usw. fallen zu lassen. Das Evangelium des Paulus schließt alle diese Dinge ein, aber es hört hier nicht auf. Das kommt in Folgendem gut zum Ausdruck:

Wer weiß, dass er für den Himmel gerettet ist, predigt Sicherheit. Wer weiß, dass Gottes Gnade seine Sünden vergeben hat, predigt Vergebung. Wer sich über den Frieden freut, predigt Frieden. Und wer weiß, dass Christus in seinem Herzen durch den Glauben wohnt – Christus, wie Er ist, Christus, die Hoffnung der Herrlichkeit –, predigt Sicherheit, Vergebung, Frieden, aber alles gefärbt durch seine persönliche Bekanntschaft mit Christus. Das Geringere schließt das Größere nicht ein, aber das Größere wohl das Geringere. (H.F. Witherby in Food for the Flock, Jg. 2, 1875, S. 100–101)

So wollen wir unsere Herzen ermuntern, dass wir lernen, Christus mehr wertzuschätzen! Wir wollen Ihn bitten, dass Er uns befähigt, seine Person bekannt zu machen, sein Werk, seine Herrlichkeit und Gottes Verherrlichung und Gnade. Wir wollen nichts tun, was in irgendeiner Weise verhindert, dass „der Lichtglanz des Evangeliums der Herrlichkeit des Christus“ ausstrahlt.

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Originaltitel: Paul’s Gospel: The Gospel of the Glory and Grace
Present Truth Publishers, 1972


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