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Leitverse: Hebräer 3
Inhalt
Eine Warnung
Mose
Wenn ...
Ein Herz des Unglaubens
Ungehorsam
Zwei griechische Wörter
Israel in der Wüste
Wir müssen jetzt versuchen, den Inhalt der Kapitel 3 und 4 durchzugehen. Ich
darf noch einmal daran erinnern, was wir im Verlauf unserer Betrachtungen
beabsichtigen. Wir beabsichtigen nicht, Predigten zu halten; das wäre eine
schier endlose Aufgabe, da man fast aus jedem Vers eine nützliche Predigt
aufbauen könnte. Vielmehr versuchen wir, dem Gedankengang und dammit der Absicht
der vo Heiligen Geist inspirierten Worte zu folgen. Hätte jetzt der Heilige
Geist Sein Wort in fein säuberlich geschiedene Abschnitte und Unterabschnitte
unterteilt, wäre unsere Aufgabe vielleicht etwas einfacher zu lösen, einfacher
auch zu behalten. Aber Er hat es nicht so getan. Er hat Sein Wort so schreiben
lassen, wie wir es in unserer Bibel vor uns finden. Es ist daher unsere Aufgabe
und unsere Freude, in Ehrfurcht zu untersuchen, was Er geschrieben hat und
einander zu helfen, Sinn und Gedankengang zu folgen.
Diese Kapitel gehören zusammen, enthalten sie doch eine jener ernsten
Warnungen, für die dieser Brief berühmt ist. Sie enthalten gar die längste all
dieser Warnungen. Daher ist es umso wichtiger, dass wir ruhig und aufmerksam zu
verstehen suchen, welches die vom Heiligen Geist verwendeten Begriffe sind,
damit wir es nicht versäumen, vorliegenden Abschnitt in seinem ganzen Ernst auf
uns anzuwenden, andererseits aber auch davor bewahrt werden, ihn in die falsche
Richtung anzuwenden.
Ich möchte als erstes auf den Zusammenhang aufmerksam machen, in den diese
Warnung eingefügt ist: Unmittelbar, bevor sie anfängt, spricht der Heilige Geist
zu uns vom Hohenpriestertum des Herrn Jesus Christus. Und dann erinnert uns am
Schluss der Warnung der Heilige Geist erneut daran, dass wir einen großen
Hohenpriester haben, der Mitleid zu haben vermag mit unseren Schwachheiten (Kap.
4,14-16). Bei der Betrachtung vorliegender Warnung sollen wir also unseren
barmherzigen und treuen Hohenpriester nicht aus den Augen verlieren. Lasst uns
an Seiner Seite stehen und diese Worte aus Seinem Mund hören. Er wird uns sagen,
was wir tun und was wir lassen sollen. Und nachdem wir die Warnung gehört haben,
wollen wir uns durch eben diese Warnung erneut zu Ihm treiben lassen. So sehr
wir unsere Schwachheiten empfinden werden, wollen wir uns gerade wegen unserer
Schwachheiten auf Den werfen, der Mitleid zu haben vermag mit unseren
Schwachheiten und bereit ist, uns Barmherzigkeit und Gnade zur rechtzeitigen
Hilfe darzureichen.
Heb 3,1-5: Daher, heilige
Brüder, Genossen der himmlischen Berufung, betrachtet den Apostel und
Hohenpriester unseres Bekenntnisses, Jesum, der treu ist dem, der ihn bestellt
hat, wie es auch Moses war in seinem ganzen Hause. Denn dieser ist größerer
Herrlichkeit würdig geachtet worden als Moses, insofern größere Ehre als das
Haus der hat, der es bereitet hat. Denn jedes Haus wird von jemand bereitet; der
aber alles bereitet hat, ist Gott. Und Moses zwar war treu in seinem ganzen
Hause als Diener, zum Zeugnis von dem, was hernach geredet werden sollte;
Am Schluss der vorhergehenden Betrachtung beschäftigen wir uns mit dem Herrn
Jesus und mit Seiner Menschheit. Dabei stellten wir fest, dass Er unter anderem
deshalb Mensch wurde, um ein treuer und barmherziger Hoherpriester in den Sachen
mit Gott zu werden. In den einleitenden Versen dieses dritten Kapitels werden
wir aufgefordert, innezuhalten und uns zu besinnen. Bibelstudium erfordert immer
diese beiden Geisteshaltungen: Zum einen studieren wir sorgfältig, was da steht,
und zum andern nehmen wir uns Zeit, über das Gesagte nachzudenken. Wir haben
gemeinsam die Gottheit des Herrn Jesus, den göttlichen Verkündiger der
göttlichen Botschaft betrachtet. Dann haben wir Seine andere Seite betrachtet,
Seine Menschheit, die Ihn zu unserem himmlischen Hohenpriester werden lässt. "Daher,
heilige Brüder, Genossen der himmlischen Berufung, betrachtet den Apostel (den
göttlichen Boten, der Gottes endgültige Botschaft verkündete) und Hohenpriester
unseres Bekenntnisses" (der sich für uns, die wir diesen Apostel als Sohn
Gottes bekennen, verwendet;) (Kap. 3,1).
Wie sollen wir von Ihm denken? Betrachtet den, sagt der Schreiber, der treu
war, dem, der Ihn gesetzt hat, wie auch Mose treu war in seinem ganzen Hause.
Die Übersetzung ist ganz gut, aber es besteht kein Grund, warum man nicht
aussagekräftiger übersetzen sollte: "Betrachtet den, der treu ist." Ich denke,
dass es sogar korrekter wäre, den Satz so zu übersetzen: Betrachtet nicht nur
den, der einst treu war, als Er als Gottes Apostel die Botschaft Gottes
überbrachte und treu verkündigte, sondern betrachtet den, der noch immer als
unser Hoherpriester treu ist. Betrachtet den, der Seinem Gott, der Ihn in Seinem
Haus einsetzte, treu ist.
Wir fragen uns gewiss, warum der Heilige Geist an dieser Stelle den Hinweis
auf Mose eingefügt hat. Unsere Neugierde wird gestillt, wenn wir 4. Mose 12
aufschlagen.
Wir lesen 4. Mose 12,1-8: Und Miriam und Aaron redeten gegen
Mose wegen der kuschitischen Frau, die er genommen hatte; denn er hatte eine
kuschitische Frau genommen. Und sie sprachen: Hat der HERR nur mit Mose allein
geredet? Hat er nicht auch mit uns geredet? Und der HERR hörte es. Der Mann
Mose aber war sehr sanftmütig, mehr als alle Menschen, die auf dem Erdboden
waren. Das sprach der HERR plötzlich zu Mose und zu Aaron und zu Mirjam: Geht
hinaus, ihr drei, zum Zelt der Zusammenkunft!! Und die drei gingen hinaus. Und
der HERR kam in der Wolkensäule herab und stand am Eingang des Zeltes: und er
rief Aaron und Miriam, und die beiden traten hinaus. Und er sprach: Hört denn
meine Worte! Wenn ein Prophet unter euch ist, dem will ich , der HERR, mich in
einem Gesicht kundtun, in einem Traum will ich mit ihm reden. Nicht so mein
Knecht Mose. Er ist treu in meinem ganzen Haus; mit ihm rede ich von Mund zu
Mund, und deutlich und nicht in Rätseln, und das Bild des HERRN schaut er. Und
warum habt ihr euch nicht gefürchtet, gegen meinen Knecht, gegen Mose, zu
reden?
Wir stellen fest, dass diese Wendung: "Mose, der treu war in seinem Haus"
in einen Zusammenhang gehört, in dem sich Miriam und Aaron denen angeschlossen
hatten, die ständig gegen Mose murrten. Um einen Anlass, gegen Mose zu murren,
waren sie offensichtlich nie verlegen: ihr Essen und ihr Wasser und sogar seine
ganz privaten Angelegenheiten wie seine Ehe, nahmen sie zum Anlass, gegen den
zu murren, der damals der Anführer ihrer Errettung war. Das ging wieder einmal
entschieden zu weit, so dass Gott Aaron und Miriam zur Rechenschaft rief. Aber
während der ganzen Zeit leuchtet Moses sanftmütiges Wesen auf. Ich frage mich,
wie der Mann es schaffte, ruhig Blut zu wahren. Er hatte sein Leben für diese
Nation eingesetzt und dabei hätte er sich ebenso gut auf den üppigen Polstern
des ägyptischen Königspalastes räkeln können. Er hätte Kronprinz sein können,
und da stand er jetzt, umgeben von einem Volk von Sklaven, hölzernen Gesellen
ohne Manieren. Er gab sein Höchstes und Bestes für sie und erntete doch nichts
als ständiges Nörgeln und Murren von allen Seiten.
Was ließ diesen Mann so treu bleiben? Es war seine Treue Gott gegenüber, der
ihn über dieses Haus gesetzt hatte. Mose war gesetzt, dem Volk Gottes Anführer
ihrer Errettung zu sein. Allem Murren, allen Fehltritten und allen persönlichen
Angriffen zum Trotz blieb Mose der ihm von Gott gegebenen Aufgabe treu. "Betrachtet,
heilige Brüder", sagt der Schreiber, "Teilhaber der himmlischen Berufung
(denn unsere Berufung führt uns aus dieser Welt durch eine Wüste in die
himmlische Herrlichkeit), betrachtet während eurer Pilgerreise den Anführer
eurer Errettung. Wie oft haben wir gemurrt und geklagt; aber betrachtet den,
der trotz allem beständig und fortwährend treu ist; und wisst, Er wird den
ganzen Weg, bis wir zu Hause sind, der Treue bleiben."
Mose wurde es am Ende doch einmal zu viel, trotz all seiner Treue. Eines
Tages machten ihn die Israeliten durch ihre unerträgliche Torheit so wütend,
dass er sagte: "Hört, ihr Widerspenstigen ..." und Mose ging seiner Ungeduld
wegen des gelobten Landes verlustig. Das scheint uns Mose gegenüber recht hart;
jene Israeliten hätten eher noch größere Strafen verdient. Aber Gott hatte Mose
eingesetzt, um nach ihnen zu schauen, und wenn Mose das nicht in der
angemessenen Gemütsverfassung tun konnte, ohne die Geduld zu verlieren, dann
musste er beiseite gesetzt werden. Jetzt hat Gott für uns einen Anführer unserer
Errettung eingesetzt, und Er hat Ihm den Auftrag gegeben, uns den ganzen Weg
durch die Welt bis heim in die Herrlichkeit zu führen. Gott sei gelobt, wir
können Ihn in Seiner unfehlbaren Treue betrachten und dürfen wissen, dass Er nie
versagen, unseretwegen nie die Geduld verlieren, sondern Seine gottgegebene
Aufgabe bis zum herrlichen Ende ausführen wird. Er wird alle, die durch Ihn auf
ihrem Weg zu Gott sind, bis zum Äußersten retten.
Und dann fährt der Schreiber mit einem Vergleich zwischen den Herrlichkeiten
eines Mose und den Herrlichkeiten des Herrn Jesus Christus fort. Er sagt uns,
dass Mose nur ein Diener in der Stiftshütte vor alters war; Christus aber ist
Sohn, Sohn des Erbauers Selbst. Aber die Zeit erlaubt uns nicht, jenen
Einzelheiten nachzugehen.
Heb 3,6-14: Christus aber
als Sohn über sein Haus, dessen Haus wir sind, wenn wir anders die Freimütigkeit
und den Ruhm der Hoffnung bis zum Ende standhaft festhalten. Deshalb, wie der
Heilige Geist spricht: "Heute, wenn ihr seine Stimme höret, verhärtet eure
Herzen nicht, wie in der Erbitterung, an dem Tage der Versuchung in der Wüste,
wo eure Väter mich versuchten, indem sie mich prüften, und sie sahen doch meine
Werke vierzig Jahre. Deshalb zürnte ich diesem Geschlecht und sprach: Allezeit
gehen sie irre mit dem Herzen; aber sie haben meine Wege nicht erkannt. So
schwur ich in meinem Zorn: Wenn sie in meine Ruhe eingehen werden!" Sehet zu,
Brüder, dass nicht etwa in jemand von euch ein böses Herz des Unglaubens sei in
dem Abfallen vom lebendigen Gott, sondern ermuntert euch selbst jeden Tag,
solange es "heute" heißt, auf dass niemand von euch verhärtet werde durch Betrug
der Sünde. Denn wir sind Genossen des Christus geworden, wenn wir anders den
Anfang der Zuversicht bis zum Ende standhaft festhalten,
Jetzt folgt die Warnung. Die von Mose errichtete Stiftshütte war aus Holz,
Gold, Leinen gebaut; das Haus Christi hingegen besteht aus Menschen: "dessen
Haus wir sind, wenn..."- Hier stoßen wir in diesem Abschnitt erstmals auf
dieses ominöse "wenn". Lasst uns deshalb zunächst über die Zweifel nachdenken,
die der Schreiber in den vorliegenden zwei Kapiteln zum Ausdruck bringt. Wir
sind Sein Haus, wenn wir die Freimütigkeit und den Ruhm der Hoffnung bis zum
Ende standhaft festhalten. Oder wiederum in Vers 14: "Wir sind Genossen des
Christus geworden, wenn ... wenn wir den Anfang unserer Zuversicht bis zum Ende
standhaft festhalten."
Zwei starke Aussagen des Zweifels. Ich möchte unsere Aufmerksamkeit zuerst
auf die zweite der beiden richten. Das wird uns helfen, das Ganze zu verstehen.
Wir sind Genossen oder Teilhaber des Christus geworden ... wenn wir den Anfang
unserer Zuversicht bis zum Ende standhaft festhalten. Ich weiß nicht, ob euch
auffällt, dass dieser Satz ein wenig sonderbar ist. Er scheint geradezu
unlogisch zu sein. Wir sind geworden, schon geworden, nämlich Teilhaber Christi.
Das ist die schlichte Feststellung einer Tatsache. Aber dann folgt die Bedingung
"wenn wir bis zum Ende standhaft festhalten". Wie können wir ein
vergangenes Geschehen abhängig machen von einer zukünftigen Sache, die unsicher
ist? Wie können wir die Tatsache, dass wir Teilhaber Christi geworden sind, vom
Festhalten der Hoffnung in der Zukunft abhängig machen? Und doch sagt der Vers
genau das. Wir sind Teilhaber Christi geworden, also ein in der Vergangenheit
abgeschlossenes Geschehen, wenn wir den Anfang der Zuversicht bis zum Ende
standhaft festhalten. Dass klingt etwas sonderbar, bezeichnet aber absolut
treffend die ganze Situation der Empfänger dieses Briefes. Es ist so: Jeder
Gläubige ist ein Teilhaber Christi geworden. Aber wie kann man wissen, ob jemand
ein Gläubiger ist oder nicht? Das erkennst du daran, ob jemand den Anfang der
Zuversicht standhaft bis zum Ende festhält oder nicht.
In gleicher Weise wird nun gesagt, dass wir nicht nur in der Vergangenheit
Teilhaber Christi geworden sind, sondern dass wir auch jetzt das Haus Christi
sind, wenn ... wir die Freimütigkeit und den Ruhm der Hoffnung bis zum Ende
standhaft festhalten. Aber was geschieht, wenn jemand diese Zuversicht nicht bis
zum Ende standhaft bewahrt? Bedeutet das, dass er aufhört ein Christ zu sein,
oder dass er nie einer war? Wir brauchen nicht zu raten. Der Heilige Geist
bietet uns glücklicherweise ein perfektes Beispiel. Wir kommen also jetzt zum
Beispiel jener schrecklichen Erfahrung, einem Beispiel, das uns in den
historischen Büchern des Alten Testaments geschildert und später in Psalm 95
kommentiert wird: "Heute, wenn ihr seine Stimme höret, verhärtet eure Herzen
nicht, wie in der Erbitterung, an dem Tage der Versuchung in der Wüste, wo mich
eure Väter versuchten, indem sie mich prüften, und sie sahen doch meine Werke
vierzig Jahre. Deshalb zürnte ich diesem Geschlecht und sprach: Allezeit gehen
sie irre mit dem Herzen; aber sie haben meine Wege nicht erkannt. So schwur ich
in meinem Zorn: Sie werden nicht in meine Ruhe eingehen!"
Der Schreiber wendet sich an Hebräer, die bekannt haben, an den Herrn Jesus
Christus als Messias, Sohn Gottes und Retter zu glauben. Angesichts ihres
gegenwärtigen Benehmens sieht er sich gedrängt, an die Erfahrungen der Väter in
den Tagen des Alten Testaments zu erinnern. Ihr wisst alle, fährt er fort, dass
unsere Väter aus Ägypten erlöst wurden, unter dem Schutz des Blutes standen, auf
Mose getauft wurden in der Wolke und im Meer, dass sie also einen Anfang gemacht
hatten Richtung verheißenes Land der Ruhe, aber dass nur sehr wenige auch dort
ankamen. Sie erbitterten den HERRN dergestalt, dass Er ihnen in Seinem Zorn
schwur, sie würden nie in Seine Ruhe eingehen; und sie gingen auch nie in die
Ruhe ein. Weil nun solche Dinge in der Vergangenheit geschehen sind, müssen wir
auf der Hut sein, dass es sich nicht wiederholt.
"Was war denn schief gegangen?" fragst du.
Wenn wir uns nun fragen, was der Heilige Geist zu jenen Ereignissen zu sagen
hat, dann wollen wir beachten, dass Er Seine Warnung auf folgender einfacher
Grundlage formuliert: Das Ganze ist schon einmal passiert; es kann wieder
passieren. Ein Volk machte einen Anfang, legte ein Bekenntnis ab, wurde getauft,
und schien auf dem besten Weg ins Land der verheißenen Ruhe zu sein, aber kam
dort nie an. "Sehet zu Brüder, dass nicht etwa in jemand von euch ein böses
Herz des Unglaubens sei in dem Abfallen vom lebendigen Gott" (Kap. 3,12). Oder
Vers 13: "auf dass niemand von euch verhärtet werde durch Betrug der Sünde."
Oder Kapitel 4, Vers 1: "Fürchten wir uns nun, dass nicht etwa, da eine
Verheißung in seine Ruhe einzugehen, hinterlassen ist, jemand von euch scheine
zurückgeblieben zu sein."
Und schließlich Kapitel 4, Vers 11: "Lasst uns nun Fleiß anwenden, in jene
Ruhe einzugehen, auf dass nicht jemand nach dem selben Beispiel des Ungehorsams
falle."
Diese Dinge sind so ernst, dass wir nichts anderes wagen, als uns um völlige
Gewissheit zu bemühen, was der Heilige Geist uns sagt. Erstens beachten wir,
dass es um ein böses Herz des Unglaubens geht. Ihr merkt, dass die Warnung sich
nicht gegen Weltlichkeit richtet. Es heißt nicht, "auf dass niemand durch die
Verlockungen der Welt falle oder durch Unmoral überwältigt werde." Vielmehr
heißt es: "dass nicht etwa in jemandem von euch ein böses Herz des Unglaubens
sei." Wir wollen das Wort zum vollen Nennwert nehmen.
"Ja", fragst du weiter, "kann man das möglicherweise auf Christen anwenden?
Wir Christen erliegen doch auch immer wieder dem Unglauben. Manchmal glauben wir
nicht von ganzem Herzen an die Verheißungen des HERRN. Und dann heißt es doch:
"' ...auf dass niemand von euch verhärtet werde durch Betrug der Sünde." "Und
schließlich", fährst du fort, "ist es bei jedem Gläubigen denkbar, dass er in
Sünde fällt. Und wenn Gläubige in der Sünde verharren und ihr Gewissen verhärtet
wird ... ja, dann können sie doch dadurch jedem Betrug verfallen."
Und wenn wir schließlich zum Kapitel 4 kommen, geht es doch um Ungehorsam,
wie du bemerkt hast, denn das ist die korrekte Übersetzung des Wortes: "...auf
dass nicht jemand nach dem selben Vorbild des Ungehorsams falle." Daraus
folgerst du also, dass es sich auf Gläubige beziehen muss, weil wir alle zu
Ungehorsam neigen.
Also meint der ganze Abschnitt, dass wir als Gläubige, wenn wir es versäumen,
an alle Verheißungen zu glauben, und wenn wir sündigen und ungehorsam sind, nie
in die von Gott verheißene kommende Ruhe eingehen werden. Wenn ich das meinte,
dann wäre ich an der Antwort auf folgende Frage äußerst interessiert: Wie viele
Verheißungen muss man versäumen zu glauben, wie viele Sünden muss man begehen,
wie oft muss man ungehorsam sein, bis man der verheißenen Ruhe verlustig geht?
Das hätte ich zu gern gewusst; denn offenkundig werden einige Christen in jene
Ruhe eingehen; aber genauso offenkundig haben alle jene, die die Verheißungen
erlangen, das eine oder andere Mal nach ihrer Bekehrung gesündigt oder sind
ungehorsam gewesen. Wenn dann aber andere wahre Gläubige durch ihr Benehmen der
kommenden Ruhe verlustig gehen können, dann wüsste ich nur zu gern, wie oft man
dem Unglauben oder dem Ungehorsam verfallen muss, bis man jene Ruhe endgültig
verliert.
Aber diese Fragen werde ich nicht stellen, weil ich nicht denke, dass der
Abschnitt das meint. Wir wollen deshalb die hier verwendeten Kernbegriffe im
Lichte ihres Gebrauchs in der Bibel untersuchen.
"... dass nicht etwa in jemandem von euch ein böses Herz des Unglaubens sei..."
(Kap. 3,12) ist der erste. Wenn jemand ein böses Herz des Unglaubens hat, dann ist
er ein böser Mensch und ist ein Ungläubiger.
Dann: "... auf dass niemand von euch verhärtet werde durch Betrug der Sünde"
(Kap. 3,13). Was ist Sünde? Die Bibel definiert es. Der Herr Jesus sagte, dass der
Heilige Geist bei Seinem Kommen "die Welt überführen würde von Sünde und von
Gerechtigkeit und von Gericht. Von Sünde aber, weil sie nicht an mich glauben"
(Joh 16,8). Das Kommen des Heiligen Geistes besiegelte die Frage, ob Jesus
der Sohn Gottes war oder nicht. Die Juden hatten Ihn gekreuzigt, weil sie
behaupteten, Er sei nicht der Sohn Gottes. Sie glaubten nicht an Ihn, obwohl Er
mehr Zeichen unter ihnen tat, als je einer getan hatte. Darum hatten sie keinen
Vorwand für ihre Sünde, wie der HERR selbst feststellte. Allen Wundern zum Trotz
wollten sie nicht glauben. Aber, so sagte Er, ich gehe von euch und der Heilige
Geist wird kommen. Und wenn dieser gekommen ist, wird Seine bloße Gegenwart den
letzten Beweis liefern. Sie werden mich kreuzigen und ich werde begraben werden.
Aber ich werde mich als Gottes Sohn durch die Auferstehung aus den Toten, durch
die Himmelfahrt und durch die Sendung des Heiligen Geistes erweisen. Und das
Kommen des Sachwalters in meinem Namen wird die mutwillige Sünde derer beweisen,
die sich den eindeutigen Kennzeichen zum Trotz weigerten, an mich zu glauben.
Hebräer Kapitel 2 ruft uns in Erinnerung, dass der Heilige Geist kam. Die
große Errettung, die im Anfang vom Herrn Selbst verkündigt worden war, wurde uns
durch die bestätigt, die Ihn gehört hatten, wozu Gott außerdem Zeugnis gab durch
Austeilungen des Heiligen Geistes, durch Wunder und geistliche Machterweise. Der
Nation fehlte es nicht an Beweisen, dass Jesus der Sohn Gottes war. Aber trotz
der umfassenden, sicheren Kennzeichen von Pfingsten nicht an Ihn zu glauben, war
nichts als der Widerspruch eines bösen Herzens voll mutwilligen Unglaubens,
jener Wurzel aller Sünde.
Es wird nun jemand einwenden: "Aber wie kommst du an der Tatsache vorbei,
dass es weiter unten heißt, dass wir durch das gleiche Beispiel des Ungehorsams
fallen können. Willst du denn behaupten, es sei einem Gläubigen nicht möglich,
ungehorsam zu sein?" Das will ich keineswegs behaupten. Auch Gläubige können
ungehorsam sein. Aber ich behaupte tatsächlich, dass der Ungehorsam sich hier
nicht auf Gläubige bezieht. Lasst uns Apostelgeschichte 14,2 aufschlagen:
Die ungehorsamen Juden reizten und erbitterten die Seelen derer aus den
Nationen wider die Brüder.
Es werden uns hier drei Klassen von Menschen genannt: Juden, Heiden und die
Brüder, die wir als wahre Gläubige ansehen. Die Heiden waren noch unbekehrt. Wer
aber waren diese ungehorsamen Juden? Waren das jüdische Gläubige, die sich ein
wenig unpassend benahmen? Natürlich nicht. Es waren eben solche Juden, die die
Botschaft hörten, sich aber weigerten, an sie zu glauben. Wie ihr wisst, wird ja
das Evangelium nicht nur verkündigt, um Glauben und Glaubensgehorsam zu wecken.
Wir haben hier Juden vor uns, die sich allen eindeutigen Beweisen zum Trotz
weigern, sich der Botschaft des Evangeliums zu beugen. Das ist nicht die einzige
derartige Stelle. Lasst uns Apostelgeschichte 19,9 aufschlagen: "Als aber
etliche sich verhärteten und nicht gehorchten und von der Menge übel redeten von
dem Wege, trennte er sich von ihnen und sonderte die Jünger ab, indem er sich
täglich in der Schule des Tyrannus unterredete."
Hier stoßen wir erneut auf dieses Wort "ungehorsam". Es ist in diesem
Zusammenhang ein Ausdruck, der in der Sprache des Neuen Testaments solche
bezeichnet, die das Evangelium gehört haben, und sich weigern, diesem zu
gehorchen. Weil der Ausdruck so wichtig ist, möchte ich noch eine letzte Stelle
zitieren, um damit den Beweis in aller wünschenswerten Deutlichkeit geliefert zu
haben. Der Vers ist uns allen wohlbekannt, so dass er vielleicht etwas fremd
klingen mag, wenn ich ihn so zitiere, wie er eigentlich lauten sollte:
"Wer an den Sohn glaubt, hat ewiges Leben; wer aber dem Sohne nicht
gehorcht, wird das Leben nicht sehen, sondern der Zorn Gottes bleibt auf ihm"
(Joh 3,36).
Hier werden die Bedingungen, gerettet oder verloren zu werden, genannt: Wer
gerettet werden will, muss glauben; wer verloren gehen will, muss dem Sohn
ungehorsam bleiben.
Ich darf an dieser Stelle eine kleine Griechischlektion anfügen. Das Neue
Testament verwendet zwei griechische Wörter für Ungehorsam. Das eine ist recht
häufig und bedeutet wörtlich "an jemandem entlang hören". Sein Gegenteil, also
gehorchen, heißt wörtlich "unter jemandem hören". Du kommst zu jemand und
nimmst deine ihm untergeordnete Stellung ein und hörst auf ihn; und weil du ihm
untergeordnet bist, tust du, was er sagt. Das hierzu gehörige Oppositum für
"ungehorsam sein" bedeutet wie gesagt eigentlich "an jemandem entlang" oder
"neben jemandem her hören". Du stellst dich also neben jemand, als ob du
seinesgleichen wärest, und du hörst dir einmal an, was er dir zu sagen hat. Dann
entscheidest du, ob du auf das Gesagte eingehen willst oder nicht. Wir Christen
sind oft in dieser Weise ungehorsam: Wir stellen uns neben den HERRN, als ob wir
vor Ihm ein Recht auf Privatmeinungen hätten. Wir hören uns an, was Er uns zu
sagen hat, um dann nach Gutdünken darauf einzugehen oder nicht. Wir sollten uns
schämen.
Aber das Wort für Ungehorsam, das wir in der Apostelgeschichte, im
Johannesevangelium und im Hebräerbrief gelesen haben, ist ein anderes, und es
bedeutet etwas anderes: Du hörst die Botschaft, die rechtmäßigen Ansprüche des
Herrn Jesus, du spürst das Wirken des Heiligen Geistes mit all Seiner Kraft der
Überführung, aber du lässt dich nicht überzeugen, du lässt dich nicht durch
Sein
Reden gewinnen, und daher drehst du allem den Rücken; du bleibst ungehorsam.
Denn, wer an den Sohn glaubt, hat ewiges Leben, wer aber die Botschaft gehört
hat und sich nicht überzeugen lässt, wird das Leben nie sehen. Jene Priester in
der Apostelgeschichte hörten das Wort, aber weigerten sich, sich überzeugen zu
lassen; sie waren ungehorsam. So weit wir das beurteilen können, gingen sie
verloren. Darum, sagt der Schreiber unseres Briefes, lasst uns Fleiß anwenden,
in jene Ruhe einzugehen, auf dass nicht jemand nach demselben Beispiel des
Ungehorsams falle. Er spricht nicht von Ungehorsam im Leben des Gläubigen. Er
spricht vielmehr von jener grundlegenden Tatsache: Entweder du nimmst den Sohn
Gottes auf, so wie Er Sich Selbst vorstellt, oder aber du weigerst dich, dich
überzeugen zu lassen und gehst verloren.
Heb 3,15-19: ... indem
gesagt wird: "Heute, wenn ihr seine Stimme höret, verhärtet eure Herzen nicht,
wie in der Erbitterung". (Denn welche, als sie gehört hatten, haben ihn
erbittert? Waren es aber nicht alle, die durch Moses von Ägypten ausgezogen
waren? Welchen aber zürnte er vierzig Jahre? Nicht denen, welche gesündigt
hatten, deren Leiber in der Wüste fielen? Welchen aber schwur er, dass sie nicht
in seine Ruhe eingehen sollten, als nur denen, die ungehorsam gewesen waren? Und
wir sehen, dass sie nicht eingehen konnten wegen des Unglaubens.)
Wir wollen unsere bisherige Interpretation prüfen, indem wir genannte Episode
aus der Geschichte des Volkes Israel untersuchen und auf den Kommentar hören,
den der Heilige Geist Selbst dazu gibt. Ihr wisst um die Situation: Die
Israeliten zogen unter der Führung Moses aus Ägypten heraus, wurden auf ihn
getauft und machten sich auf den Weg in das Land Kanaan, das Land der
verheißenen Ruhe. Dann ging etwas schief. Sie kamen im Land nicht an. Sie
missfielen Gott derart, dass Er Selbst dafür sorgte, dass sie nie in die Ruhe
eingingen. Ihre Leichname fielen in der Wüste. Nicht wenige meinen, man müsse
das wie folgt auf uns anwenden: Ein Gläubiger kommt durch seinen Glauben
sozusagen zunächst unter das Blut des Passahlammes, und dann lässt er sich im
Namen des Herrn Jesus taufen, so wie die Israeliten im Roten Meer auf Mose
getauft wurden. Darauf tritt er seine Heimreise Richtung Himmel an, wobei er
zusammen mit den anderen Gläubigen das Haus Gottes bildet, sowie die Stiftshütte
in der Wüste das Haus Gottes bildete. Wenn er aber den HERRN reizt, wird er das
Ziel nie erreichen.
Nur ist das nicht die Lehre, die der Heilige Geist Selbst aus der Episode
zieht. Er sagt nämlich: Bitte beachtet, was wirklich geschah: "Denn welche,
als sie gehört hatten, haben ihn erbittert?" (Kap 3,16). Ja, wer war es, der
den HERRN erbitterte? Die traurige Antwort ist: Waren es nicht alle, die durch
Mose von Ägypten ausgezogen waren? Ja, alle, außer zweien. Wer erbitterte den
HERRN, wessen Leichname fielen in der Wüste, wie viele erbitterten den HERRN?
Nicht alle, die durch Mose von Ägypten ausgezogen waren? Doch, alle mündigen
Israeliten, außer zweien. Nur Kaleb und Josua erreichten das Land; die übrigen
kamen vorher um. Das war eine vollständige Katastrophe. Willst du nun behaupten,
dass in unserer Heilszeit etwas Ähnliches geschehen werde, dass also von all
denen, die an Christus gläubig geworden sind, lediglich zwei in die ewige Ruhe
eingehen werden? Das wäre geradezu lächerlich.
Also wollen wir die Interpretation des Heiligen Geistes weiterverfolgen: Wem
zürnte Er vierzig Jahre? Nicht denen, deren Leiber in der Wüste fielen? Ja, so
war es. Welches war nun der Anlass zu genannter Erbitterung? Folgendes: Als sie
schließlich an der Grenze des gelobten Landes standen, sandten sie Kundschafter
aus.
Diese kamen mit böser Nachricht zurück: Sie entmutigten das Volk, und das
Volk weigerte sich, einzugehen.
"Aber", protestierten Josua, Kaleb und Mose, "es wird alles gut gehen; Gott
hat uns das Land verheißen, Er hat Sein Wort gegeben, Er wird uns auch
hineinbringen."
"Das könnt ihr anderen erzählen", entgegneten sie, "Er wird uns nicht
hineinbringen."
"Aber schaut doch, Er hat es verheißen!"
"Aber schaut, die Feinde! Wir werden diese Feinde nie überwältigen können."
"Aber, Leute", insistierten Josua und Kaleb, "es liegt doch nicht an unserer
Leistung; Gott gibt uns das Land."
"Diese Geschichte könnt ihr andern verkaufen", sagten sie und weigerten sich,
sich überzeugen zu lassen. Und schon redeten sie davon, sich einen Führer zu
wählen, der sie nach Ägypten zurückführen sollte.
Was bedeutete das alles? Dass sie wahre Gläubige waren, die einen momentanen
Rückfall erlitten? Ich befürchte, nein. Es war viel ernster. So ernst, dass ich
es nicht zu sagen gewagt hätte, hätte es der Heilige Geist nicht Selbst gesagt.
Sie konnten nicht in das Land eingehen, weil sie ungehorsam waren, weil sie sich
nicht überzeugen ließen. Sie verscherzten sich das Land durch Unglauben. Sie
waren keine Gläubigen. Hier kam schließlich heraus, was sie waren: Ungläubige.
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