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Leitvers: Apostelgeschichte 17,30
Apg 17,30: Nachdem nun Gott die Zeiten der Unwissenheit übersehen hat,
gebietet er jetzt den Menschen, dass sie alle überall Buße tun sollen.
Lieber Freund!
Das von Dir angeschnittene Thema ist wohl eine ernsthafte Betrachtung wert,
und so will ich gleich darauf eingehen.
Du schreibst, Dir würde in persönlichen Gesprächen und auch in den
Zusammenkünften oft gesagt, Du müsstest Dich bekehren; aber Du fühlst die
Notwendigkeit nicht. Du gehst ganz in Deinen Beschäftigungen auf, Du hast ein
gutes Zuhause und die besten Freunde, Du hoffst, bald eine gute Anstellung zu
bekommen und dann etwas von der Welt zu sehen. Du bist mit Deinen Verhältnissen
durchaus zufrieden — und, ehrlich gesagt findest Du die dauernden Ermahnungen,
Dich bekehren zu müssen, höchst überflüssig, sie hängen Dir zum Halse
heraus.
Ich kann das sehr gut verstehen. Es gibt Menschen, die sich dauernd mit
anderen Leuten beschäftigen, die den ganzen Tag gute Ratschläge erteilen oder
Dir erzählen, dass Du alles falsch machst. So etwas immerzu anhören zu
müssen, ist kein Vergnügen, besonders nicht, weil Du ja doch nicht ganz genau
weißt, dass sie unrecht haben.
Und das ist nun doch äußerst wichtig: Haben sie recht oder unrecht? Musst
Du Dich bekehren, oder ist das nicht so nötig? Wenn es um eine Kleinigkeit
ginge, na ja, dann kämst Du wohl darüber hinweg, wenn sich hinterher
herausstellte, dass Du im Unrecht warst. Für das nächste Mal weißt Du es
dann. Bei der Bekehrung geht es aber darum, wo Du die Ewigkeit zubringen wirst.
Das sollte doch so wichtig sein, dass Du Dir darüber Klarheit verschaffst.
Hast Du schon einmal über die Ewigkeit nachgedacht? Ich bin darin mit Dir
eins, dass wir sie nie begreifen werden, bis wir dort sind. Aber es ist doch der
Mühe wert, einmal darüber nachzudenken, um doch wenigstens einen kleinen
Eindruck davon zu bekommen, nicht wahr?
Ich las einmal eine Legende von einem sehr klugen Jungen, den der König des
Landes auf die Probe stellen wollte. Er fragte ihn: „Wie lange dauert die
Ewigkeit?“ Der Junge antwortete: „O König, in einem fernen Land gibt es einen sehr hohen
Berg, dessen Gipfel weit über die Wolken ragt. Dieser Berg ist aus Erz. Einmal
in hundert Jahren kommt ein Vögelchen, das seinen Schnabel an dem Berg wetzt.
Sobald der Berg auf diese Weise so abgenutzt ist, dass man ihn nicht mehr sehen
kann, ist eine Sekunde der Ewigkeit vorüber.“
Gibt diese Antwort nicht einen Eindruck von der Unendlichkeit der Ewigkeit?
Dabei stimmt sie noch nicht einmal, weil es in der Ewigkeit keine Sekunden gibt.
Da sind tausend Jahre wie ein Tag, aber auch ein Tag wie tausend Jahre (2Pet
3,8). Die Ewigkeit hat kein Ende, und darum gibt es auch kein Maß, mit dem man
sie messen kann.
Und doch lässt uns diese Geschichte etwas von dem Verhältnis zwischen der
Zeit unseres irdischen Lebens und der darauf folgenden Ewigkeit erkennen. Was
sind 10, 50, 80 oder sogar 100 Jahre im Vergleich mit der Ewigkeit? Ist es da
nicht wichtig zu wissen, wo und wie wir sie zubringen werden?
Ich denke wieder an eine alte Geschichte. Du weißt, dass sich im Mittelalter
die meisten Fürsten Hofnarren hielten. Das waren meist missgestaltete Menschen,
die dann noch komische Kleider trugen und durch ihre Späße und dummen
Bemerkungen ihre Herren aufmuntern mussten. Das waren die Clowns der damaligen
Zeit.
Ein Fürst nun verlieh seinem Narren eine Narrenkappe (eine Zipfelmütze mit
Glöckchen daran) und ein Narrenzepter als Zeichen seiner Würde mit der
Bedingung, dass er diese Dinge demjenigen geben müsse, der noch größeren
Unsinn treiben würde als er.
Bald darauf wurde der Fürst ernsthaft krank. Der Narr besuchte ihn und fragte,
ob er bald wieder gesund würde. Der Fürst antwortete, die Ärzte hätten
gesagt, auf Besserung sei nicht mehr zu hoffen, er müsse bald sterben.
„Na“, sagte der Narr, „Ihr habt sicher Eure Vorbereitungen für die große
Reise getroffen und dafür gesorgt, dass alles für Euren Empfang gerüstet ist.“
„Nein“, sagte der König, „das ist ja das Furchtbare, ich weiß nicht, wie
ich empfangen werde.“
„Aber wusstet Ihr denn nicht, dass Ihr diese Reise einmal machen müsstet?“
„Ich wusste es wohl, aber ich habe mich nie damit beschäftigt. Es gab so
viele andere Dinge zu erledigen.“
„Aber“, sagte der Narr, „wenn Ihr einen Tag auf Reisen ginget, so ritt ein
Herold voraus und sorgte, dass Essen und Trinken usw. da war. Wenn Ihr einige
Wochen oder gar Monate irgendwo hinginget, dann wurde lange Zeit vorher alles
geregelt. Etliche Tage vor der Reise gingen verschiedene Diener los, um alles
geordnet zu haben, wenn Ihr kamt. Und für diese große Reise nach dem Ort, an
dem Ihr immer bleiben werdet, habt Ihr Euch überhaupt nicht gerüstet? Hier
habt Ihr die Narrenkappe und das Zepter zurück, denn so närrisch bin ich doch
niemals gewesen.“
Hatte der Narr nicht recht?
Erst bist Du mehr als zehn Jahre zur Schule gegangen, und nun arbeitest Du
tagsüber und lernst abends noch, um bald einen guten Posten zu erhalten. So
mühst Du Dich wohl zwanzig Jahre, um dafür vielleicht vierzig Jahre gut zu
verdienen und um danach, wenn möglich, zehn, und wenn Du besonders alt wirst,
zwanzig Jahre von Deiner Pension oder von den Ersparnissen zu leben. Was
würdest Du von Eltern sagen, die ihre Kinder nicht zur Schule schickten und sie
auch keinen Beruf lernen ließen, weil sie meinen: Lass sie ruhig spielen, die
Kinder denken ja gar nicht an die Zukunft, und wenn sie so alt sind, dass sie
für sich selbst sorgen müssen, na ja, dann lass sie zusehen, wie sie fertig
werden!
Wenn Du Dich nun so abmühst und so viele Jahre Deines Lebens opferst, um
höchstens fünfzig oder sechzig Jahre Dein gutes Auskommen zu haben, ist es
dann nicht unverantwortlich, nicht an die Ewigkeit zu denken und sich nicht mit
der Frage zu beschäftigen: Wo werde ich die Ewigkeit zubringen? Und darüber
hinaus weißt Du ja überhaupt nicht, ob Du die gute Stellung bekommst, ob Du
nicht krank wirst oder sogar sterben musst, bevor Du soweit bist. Aber, dass die
Ewigkeit auf Dich wartet, das weißt Du gewiss! „Es ist dem Menschen gesetzt,
einmal zu sterben“, dies Bibelwort ist noch nie bezweifelt worden, nicht
einmal von den größten Spöttern und verstocktesten Gottesleugnern. Sie
können es nicht antasten, man würde sie sonst auslachen; denn wer hat den Tod
noch nicht in seiner Nähe gespürt?
Aber wie geht dieser Vers aus Hebräer 9 weiter? — „Und danach das
Gericht!“ Ist es da nicht eine unverantwortliche Torheit, sich um nichts zu
bekümmern und alles ruhig auf sich zukommen zu lassen? Ganz gewiss, dann wirst
Du von selbst merken, wo Du die Ewigkeit zubringen wirst. Aber … dann wird
sich in aller Ewigkeit nichts mehr ändern. „An dem Ort, wo der Baum fällt,
da bleibt er liegen“ (Pred 11,3).
Nun wirst Du sagen: Na ja, aber so eilig habe ich es doch nicht! Ich habe
sowieso schon so viel zu tun. Auch willst Du Dich in Deiner Freizeit nicht mit
so düsteren Dingen wie Tod und Sterben abgeben. Du meinst, Du könntest das
auch noch, wenn Du etwas älter bist, wenn Du etwas von Deinem Leben genossen
hast und mehr Zeit findest, über das Sterben nachzudenken. Weißt Du, ob Du
noch fünfzig Jahre leben wirst? Oder noch dreißig? Oder nur zehn? Oder nur
noch zwölf Monate oder auch nur zwölf Stunden?
Ich denke an einen Händler in Holland, der hinter seiner Ladentür auf einen
Straßenprediger lauschte. Als die Ansprache zu Ende war, ging er in sein
Wohnzimmer, setzte sich auf einen Stuhl — und war tot!
Selbst wenn Du noch lange lebst, willst Du dann, solange Du kräftig und
gesund bist, tun was Du willst und den Rest dann Gott überlassen? Wenn Du das
so machen willst (und Du am Leben bleibst), wird Gott Dich dann auch noch
annehmen?
Sicher, „Gott will, dass alle Menschen errettet werden“ (1Tim 2,4), Er
ruft allen Menschen zu: „Lasst euch versöhnen mit Gott“ (2Kor 5,20)! Er hat
den Mörder am Kreuz und Tausend andere, die sich auf dem Sterbebett zu Ihm
bekehrten, angenommen. Ich selbst habe eine Frau gekannt, die 85 Jahre alt war,
als sie zur Bekehrung kam.
Aber in Hiob 33 steht auch, dass Gott zwei- oder dreimal mit dem Menschen
redet, und wenn der Mensch nicht aufmerkt, so „besiegelt er seine Unterweisung“.
Nachdem der Pharao sich einige Male geweigert hatte zu gehorchen, verhärtete
Gott sein Herz, so dass er sich danach nicht mehr bekehren konnte.
Nach der Entrückung der Gemeinde wird Gott allen, die das Evangelium
gehört, aber nicht geglaubt haben, „eine wirksame Kraft des Irrtums“
senden, „auf dass alle gerichtet werden, die der Wahrheit nicht geglaubt haben“
(2Thes 2,11–12). Das kann Gott auch mit Dir tun, wenn Du immer wieder Seine
Einladung, Dich zu bekehren, abschlägst. „Nachdem nun Gott die Zeiten der
Unwissenheit übersehen hat, gebietet er jetzt den Menschen, dass sie alle
allenthalben Buße tun sollen, weil er einen Tag gesetzt hat, an welchem er den
Erdkreis richten wird in Gerechtigkeit durch einen Mann, den er dazu bestimmt
hat und hat allen den Beweis davon gegeben, indem er ihn auferweckt hat aus den
Toten“ (Apg 17,30–31).
Solltest Du nicht doch Ernst machen und mit dem Bekenntnis Deiner Sünden und
der Bitte, dass Er Dich annehmen möge, jetzt gleich zu Gott kommen?
„So sind wir nun Gesandte für Christus, als ob Gott durch uns ermahnte;
wir bitten an Christi Statt: Lasst euch versöhnen mit Gott! Den, der Sünde
nicht kannte, hat er für uns zur Sünde gemacht, auf dass wir Gottes
Gerechtigkeit würden in ihm“ (2Kor 5,20–21).
„Heute, wenn ihr seine Stimme höret, verhärtet eure Herzen nicht“ (Heb
4,7)!
Mit herzlichen Grüßen
Dein H.L. H.
aus Briefe an junge
Menschen, Ernst-Paulus-Verlag, 1972, S. 5ff.
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