Rezension: Wie können wir denn leben? Aufstieg und Niedergang der westlichen Kultur
Ein Buch von Francis Schaeffer

Jochen Klein

© J. Klein, online seit: 17.02.2016, aktualisiert: 12.07.2016

Francis Schaeffer:

Wie können wir denn leben? Aufstieg und Niedergang der westlichen Kultur

Oerlinghausen (Betanien Verlag) 2014
Paperback, 238 Seiten
ISBN 978-3-935558-37-2
13,90 Euro

Francis Schaeffer (1912–1984) war in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts einer der einflussreichsten Christen. Sein Hauptschwerpunkt war die Apologetik. 1955 gründete er in der Schweiz die Gemeinschaft L’Abri, ein internationales christliches Studienzentrum zur Kulturanalyse der modernen Zeit. Es richtete sich an Studenten und solche, die eine Antwort auf die letzten Fragen der Menschheit suchten. Später entstanden noch Zweiginstitute in anderen Ländern.

Entscheidenden Einfluss übte Schaeffer durch seine Schriften aus. Seine Bücher wurden weltweit in über drei Millionen Exemplaren verbreitet. Den Zerfall der westlichen Welt führte er auf die Ablehnung der biblischen Welt- und Menschensicht seit der Aufklärung zurück. Die Absolutsetzung der autonomen Vernunft habe die moderne säkularisierte Kultur hervorgebracht. Auch in anderen Werken wies er immer wieder auf die Konsequenzen der Ablehnung absoluter Werte hin. Den Ausweg aus dem kulturellen Dilemma der Neuzeit sah Schaeffer allein in einer Hinwendung zur irrtumslosen Bibel und im öffentlichen Protest gegen das Böse in der Gesellschaft. Die Evangelikalen warnte er in seinem Vermächtnis (1988) vor einer Anpassung an den Zeitgeist.

Das hier zu besprechende Buch erlebte von 1977 bis 2000 fünf Auflagen in deutscher Sprache. Im Vorwort der amerikanischen Ausgabe von 2005 schreibt Lane T. Dennis, Verlagsleiter bei Crossway Books:

Schaeffer war ein Mann mit einem tiefen Anliegen für Menschen und für ihre Suche nach Wahrheit, Sinn und Schönheit des Lebens. Wenn sich ein roter Faden durch alle 24 Bücher zieht, die Schaeffer veröffentlichte, dann dieses: Es gibt eine ‚absolute Wahrheit‘; sie ist in der Bibel offenbart, und zwar durch den wahren Gott, der ‚keine Illusion‘ ist. Was wir mit dieser Wahrheit anfangen, hat weitreichende Konsequenzen auf jeden Bereich unseres Lebens und unserer Gesellschaft.

Dieses Buch Wie können wir denn leben? war Schaeffers 19. Buch und gehört eindeutig zu seinen wichtigsten. Es ist eine Frucht aus Schaeffers lebenslangem Studium des westlichen Denkens, der abendländischen Geistes- und Kulturgeschichte im Licht biblischer Wahrheit und christlicher Weltanschauung … Schaeffers These lautet: Wenn wir erkennen wollen, wie wir denn heute leben können und sollen (diese Frage stellten sich die Israeliten in Hesekiel 33,10 angesichts ihrer sündigen Vergangenheit), dann müssen wir zunächst verstehen, welche kulturellen und intellektuellen Kräfte uns im Verlauf der Geschichte dahin gebracht haben, wo wir heute sind … Wie können wir denn leben? bietet denjenigen Lesern, die Schaeffer noch nicht kennen, eine Gesamtschau seiner besten Ansichten in die biblische Wahrheit und deren Bedeutung für die gesamte Kultur und den Lauf der Menschheitsgeschichte. Somit bietet dieses Buch eine ideale Einführung in Schaeffers Denken und Werke.“

Schaeffer beginnt seine Analyse mit dem Römischen Reich, wobei er aber auch auf griechische Traditionen zu sprechen kommt. Es folgt ein chronologischer Durchgang durch die zentralen Aspekte der Geistesgeschichte: Mittelalter, Renaissance, Reformation, Aufklärung. Danach kommen Themen aus der Moderne wie Wissenschaft, Philosophie, Theologie, Kunst, Musik, Literatur, Film und zum Schluss aktuelle Themen bis zu den 1970er Jahren. Schaeffer stellt heraus, dass die „modernen Menschen“ durch den zerstörerischen Einfluss der nachchristlichen Kultur jeder Grundlage für Wahrheit, Werte, Sinn und Hoffnung beraubt worden sind und stattdessen zwei „kümmerliche Werte“ geblieben sind: „persönlicher Friede und Wohlstand … ohne Rücksicht auf die möglichen Folgen für Kinder und Enkelkinder“.

Wer meint, dieses Buch sei nicht mehr aktuell, weil es die Entwicklungen seit den 1970er Jahren nicht mehr behandelt, hat unrecht, da die Grundthemen und ihre Problematik dieselben geblieben sind und es ohnehin mehr um größere Zusammenhänge geht als um Einzelphänomene. Auch wenn man nicht mit allen Deutungen, Prognosen oder Meinungen Schaeffers übereinstimmen mag, kann man für diese überarbeitete Neuauflage doch dankbar sein und sie allen an diesen Themenbereichen Interessierten sehr empfehlen, besonders aber Schülern der Oberstufe und Studenten.

P.S.: In meinem Taschenbuch Christentum und Gesellschaft. Wovon wird unser Denken beeinflusst? habe ich versucht, die oben aufgezeigten Hauptlinien kurz zusammenzufassen. Es kann auf www.jochenklein.de abgerufen werden.


Quelle: www.jochenklein.de

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