Die Lehre des Paulus (1)
Apostelgeschichte 9,15; Galater 1,15.16

Clifford Henry Brown

© SoundWords, online seit: 06.10.2009, aktualisiert: 25.10.2019

Leitverse: Apostelgeschichte 9,15; Galater 1,15.16

Apg 9,15: Der Herr aber sprach zu ihm: Geh hin; denn dieser ist mir ein auserwähltes Gefäß, meinen Namen zu tragen sowohl vor Nationen als Könige und Söhne Israels.

Gal 1,15.16: 15 Als es aber Gott, der mich von meiner Mutter Leib an abgesondert und durch seine Gnade berufen hat, wohlgefiel, 16 seinen Sohn in mir zu offenbaren, damit ich ihn unter den Nationen verkündigte, ging ich sogleich nicht mit Fleisch und Blut zu Rate.

Ich wurde gebeten, diese Vorträge zu halten; das mir vorgegebene Thema ist: „Die Lehre des Paulus in diesen letzten Tagen“. Wir wollen dabei besonders die jüngeren Leute im Blick haben, um ihnen ein Fundament zu geben im Hinblick auf unsere Zusammenkünfte zur gemeinsamen Anbetung und um Gemeinschaft zu haben. Zugestandenermaßen, dies ist ein großes Thema; wir können nicht erwarten, diesem Thema mit nur einem einzigen Vortrag gerecht zu werden. So haben wir beschlossen, so Gott will, drei Vorträge zu diesem Thema zu halten; das bedeutet, dass einige wichtige Punkte erst an einem späteren Abend drankommen werden, wenn wir es schaffen, den Kreis der Wahrheit, den wir im Sinn haben, abzuschließen.

Vielleicht sollten wir hiermit beginnen: Wir wissen aufgrund der Verheißung des Herrn Jesus, dass eine neue Sache auf der Erde entstehen würde, als Er sagte: „Ich werde meine Versammlung bauen“ (Mt 16,18). Offensichtlich existierte sie zu dieser Zeit nicht. Wenn wir in ihrer Geschichte etwas weitergehen, sehen wir im Lukasevangelium, wie der Herr seinen Jüngern sagt, dass sie in Jerusalem bleiben sollen, wo sie Kraft aus der Höhe empfangen sollten. Dies wird noch einmal in Apostelgeschichte 1 erwähnt. Wir sehen, wie die Jünger diesen Anweisungen gehorchen und gemeinsam im Obersaal warten; und als der Pfingsttag gekommen war, kam der Geist Gottes und bildete auf der Erde eine Einheit. Dieses Gebilde war noch nicht in allen Absichten Gottes vollkommen, weil die Heiden später noch dazugeführt werden sollten; aber es hatte seinen Anfang, seinen Geburtstag, am Pfingsttag. Petrus war derjenige, den der Herr auserwählt hatte, die Schlüssel des Reiches der Himmel zu gebrauchen. Er benutzte sie am Pfingsttag; später gebrauchte er sie, um die Samariter hineinzulassen (Apg 8); und schließlich gebrauchte Gott Petrus in Apostelgeschichte 10 auf eine eindeutige und spezielle Art und Weise, um die Tür für die Heiden weit aufzumachen. Nachdem Petrus seine Mission beendet hatte, hören wir nicht mehr sehr viel von ihm. Er verschwindet bald von der Bildfläche, und eine andere einzigartige Person tritt auf, die den Rest der Geschichte der Gemeinde, wie sie in Gottes Wort aufgezeichnet ist, bestimmt. Dieser Mann war natürlich Paulus, der Apostel.

Heute Abend wollen wir der Verbindung von Paulus’ Dienst mit der Offenbarung der Wahrheit der Gemeinde Gottes nachgehen. Paulus nimmt in dieser besonderen Offenbarung einen ganz entscheidenden Platz ein. Von den acht heiligen Männern, durch die Gott beschloss, uns das Neue Testament zu geben, ist Paulus derjenige, der einen ganz wichtigen Platz einnimmt. Die anderen Apostel wurden von unserem Herrn erwählt, als Er hier auf der Erde war; sie waren mit Ihm unterwegs gewesen. Dies war eine der Anforderungen, die man erfüllen musste, um zu den Aposteln gezählt zu werden. Aber mit dem Apostel Paulus handelte Gott auf eine außergewöhnliche Art und Weise; Er sonderte diesen Mann von Mutterleib an aus. Paulus war ein eindeutig auserwähltes, vorbereitetes, auserkorenes Werkzeug, seit er auf die Welt kam [Anm. d. Red.: siehe z.B. Apg 9,15; Gal 1,15]. Gott hatte eine großartige Arbeit für diesen Mann und Er wählte und formte ein Werkzeug, das diese Arbeit besser tun konnte als jeder andere.

Ich glaube, dass Paulus’ Dienst mehr Widerstand hervorgerufen hat als der Dienst jedes anderen Autors des Neuen Testaments. Fast alle Modernisten haben etwas gegen das Denken des Paulus, weil sie sagen, er habe den christlichen Glauben auf die jüdische Denkweise eingegrenzt und ihn reduziert auf ein System eines stellvertretenden Opfers, um Gott zu nahen. Somit, so sagen sie, sei der Welt die Möglichkeit verlorengegangen, die großartige Idee Jesu der Bruderschaft der Menschen und der Vaterschaft Gottes zu verwirklichen. Den Modernismus interessiert die Lehre des Paulus wenig. Wenn man zu den anderen Sparten der Christenheit kommt, sieht man, dass die, die bekennen, der Bibel zu glauben, etwas abgeneigt scheinen, ganz mit Paulus mitzugehen. Sie spüren offenbar, dass Paulus viele der Dinge verurteilt, bei denen sie mitmachen. Denn es passt einfach nicht, das eine zu glauben und genau gegensätzlich dazu zu handeln. Deshalb wird so mancher Mensch, so mancher christliche Leiter, der sagt, er glaube dem Wort Gottes, und der sagt, er sei ein Fundamentalist, gewiss viele Dinge umgehen, die Paulus in seinem Dienst weitergab, weil sie mit dem System nicht zusammenpassen, mit dem er verbunden ist.

Wenn wir nun an den Katholizismus denken, so sehen wir, dass es hier nicht erwünscht ist, dass ihre Leute etwas über Paulus’ Dienst wissen. Warum sollten sie wollen, dass ihre Mitglieder wissen, dass es nur einen Mittler zwischen Gott und den Menschen gibt? Oder dass sie von der Tatsache lesen, dass Er durch ein Opfer denjenigen, der von Sünden gereinigt ist, für immer vollkommen gemacht hat? Nein, dieser Bereich der bekennenden christlichen Kirche sorgt sich nicht darum, den Dienst des Paulus unter seinen Mitgliedern zu verbreiten.

In einem Zug hatte jemand kürzlich ein langes Gespräch mit einem katholischen Priester, einem jungen Mann von 27 Jahren. Er gab, ohne sich zu schämen, zu, dass er niemals die Briefe des Paulus gelesen hatte. Ja, er hatte die vier Evangelien gelesen, aber in seinen fünf Jahren Ausbildung, um ein Geistlicher zu werden, hatte er nie auch nur flüchtig die Briefe des Paulus gelesen.

Der Dienst des Paulus ist der Schlüssel für die gegenwärtige Epoche, in der wir leben. Ohne sie werden wir unseren eigentlichen Charakter verlieren als diejenigen, die von dem himmlischen Ruf ergriffen sind; die darauf warten, aus dieser Welt genommen zu werden; die darauf warten, dass Er wiederkommt, um uns zu dem Platz zu bringen, zu dem wir gehören.

Gehen wir zurück zu dem historischen Ablauf der Dinge – in Apostelgeschichte 3 wurde die Gemeinde gegründet. Und in den nächsten zwei Kapiteln erfüllte sie der Geist Gottes mit einer so einzigartigen Macht und christlichen Liebe, wie sie die Welt nie zuvor gekannt hatte – kein einziger misstönender Ruf, alles in liebevoller Harmonie, eine wunderbare Antwort auf das Gebet unseres Herrn in Johannes 17, dass sie doch alle eins sein mögen. Sehr bald kam das Versagen; denn denkt daran, dass das Wort Gottes niemals einen vollkommenen Zustand in der Gemeinde Gottes verspricht. Das werden wir niemals haben, solange wir hier in dieser Welt sind, denn wo auch immer Menschen dahinterstehen, können wir damit rechnen, dass Versagen hineinkommt. So war es in Apostelgeschichte 5 bei der Lüge von Ananias und seiner Frau; ebenso entdecken wir in Apostelgeschichte 6 Selbstsucht. Früh finden wir Schwierigkeiten in der Gemeinde Gottes. Ich vermute, dass niemand von uns so selbstgefällig ist, dass er denkt, wir könnten eine vollkommene Gruppe erwarten oder suchen. Bruder John Telford Armet pflegte zu sagen, dass er, wenn er diese Gruppe finden würde, ihr nicht beitreten würde; denn wenn er dies tun würde, würde sie schlecht werden. Nein, wir suchen nicht nach einer vollkommenen Gruppe, aber wir streben danach, den im Wort Gottes gezeichneten Pfad für den Glauben in diesen letzten Tagen zu erkennen.

In Apostelgeschichte 7 sehen wir die jüdische Nation wiederum gegen Christus sündigen, indem sie  Stephanus steinigt. Sie bestätigen: „Wir wollen nicht, dass dieser über uns herrsche“ (Lk 19,14). Wie endgültig war die Verwerfung ihres Messias!

Sogleich sehen wir, wie in Apostelgeschichte 8 die Gnade beginnt, außerhalb der Grenzen des eigentlichen Israels zu arbeiten; und die Samariter werden hineingebracht. Alles ist eine planmäßige Entwicklung von dem Pfingsttag ab bis hin zu Kapitel 9. Hier bekehrt sich Saulus von Tarsus, dieses auserwählte Werkzeug, das Gott noch verborgen hatte. Seine Augen waren auf ihm. Saulus von Tarsus dachte, er würde seinen eigenen Weg gehen und seinen tatkräftigen Einsatz nutzen, um den Namen Jesu von der Erde auszulöschen. Es gab keinen Namen, den er mehr hasste als diesen Namen. Dennoch war er ein auserwähltes Gefäß Gottes, „ein Gefäß der Gnade“ (vgl. Apg 9,15). Gott würde an diesem Gefäß zeigen, dass dort, wo die Sünde überströmend geworden war, die Gnade noch überreichlicher würde (Röm 5,20). Und so wird Saulus in Apostelgeschichte 9 zu Gott gebracht. In Apostelgeschichte 10 und 11 werden wir mit der Gemeinde der Nationen bekanntgemacht.

Vielleicht schlagen wir einmal unsere Bibel bei Apostelgeschichte 11,19-25 auf. Dort finden wir etwas Bedeutsames: In dem Moment, in dem die Heiden beginnen, das Evangelium anzunehmen, fühlt Barnabas, ein Mann, der voller Heiligen Geistes war, instinktiv, dass der Mann, der hier benötigt wird, Saulus von Tarsus ist. Zweifellos wurde er hier bei diesen Gedanken von dem Heiligen Geist geleitet; so geht er nach Tarsus, nimmt Saulus mit, bringt ihn nach Antiochien und dann lesen wir: „Es geschah ihnen aber, dass sie auch ein ganzes Jahr in der Versammlung [= Gemeinde; Anm. der Übers.] zusammenkamen und eine zahlreiche Menge lehrten“ (Apg 11,26). Das ist charakteristisch für Paulus: „in der Versammlung“. Wie sein Name durch die ganze Bibel hindurch mit diesem wertvollen Dienst verbunden ist – Christus und die Versammlung. So verbringt er hier in Antiochien früh in seinem Dienst ein ganzes Jahr mit der Versammlung. Noch etwas Bedeutsames wird hier deutlich: „Die Jünger wurden zuerst in Antiochien Christen genannt “ (Apg 11,26b).

Christen! Man sieht, dass das Christentum erst unter dem Dienst des Paulus in Antiochien, weit entfernt von Jerusalem, als etwas Definiertes und Neues anerkannt wurde. Ab diesem Zeitpunkt wird die Führerschaft des Petrus von der Führerschaft des Paulus zurückgedrängt – bis auf eine einzige Krise, die später in Verbindung mit den Heiden und ihrer Beziehung zu dem Gesetz aufkam. Aber sogar hier war es nicht Petrus, sondern Jakobus, der in der endgültigen Entscheidung die Gedanken des Heiligen Geistes angab. Wir hören Petrus sagen: „Berichtet dies Jakobus und den Brüdern. Und er ging hinaus und zog an einen anderen Ort“ (Apg 12,17). Das ist das Letzte, was wir von Petrus’ offiziellem Dienst hören. Aber was finden wir im nächsten Kapitel? „Es waren aber in Antiochien, in der dortigen Versammlung, Propheten und Lehrer: Barnabas und Simeon, genannt Niger, und Luzius von Kyrene und Manaen, der mit Herodes, dem Vierfürsten, großgezogen worden war, und Saulus“ (Apg 13,1). Ja, hier wird Paulus zu der Versammlung in Antiochien gezählt und ist auserwählt, das Evangelium zu den Heiden zu bringen. Außerdem ist er derjenige, der in typischer Weise gebraucht wird, um die Juden unter den Regierungswegen Gottes unter Blindheit zu stellen [siehe 2Kor 3,14; Anm. der Red.]. „Saulus aber …, erfüllt mit Heiligen Geist, blickte unverwandt auf ihn hin“ (Apg 13,9). Hier haben wir die geheimnisvolle Andeutung, dass Paulus derjenige ist, der dem abtrünnigen Israel das letzte Wort gibt. Somit wurden sie der regierungsmäßigen Finsternis übergeben, damit sie ihren Weg eine bestimmte Zeitlang nicht finden könnten; diese Zeit hält bis auf diesen Tag an.

Dies erinnert mich daran, wie ich als Junge zur Sonntagsschule ging und dort bei der International Sunday School lernte: sechs Monate im Alten Testament – diese wunderbaren Geschichten von Joseph in Ägypten und David und dem Riesen usw. – und sechs Monate im Neuen Testament. Wir lernten die kostbare Geschichte von dem Leben unseres gesegneten Herrn. Es war wertvoll und ich danke Gott für diese Dinge. Ich kam aus einem Haus, in dem ich diese Dinge nicht bekam. Aber der Punkt ist dieser: Wir haben nie die Briefe des Paulus behandelt bis auf einige Verse, die aus ihrem Zusammenhang gerissen und moralisch angewendet wurden. Wir hatten nicht die leiseste Ahnung über die große Bedeutung des Dienstes, der dem Paulus anvertraut war. Paulus wurde vernachlässigt. Das möchte ich betonen, wenn wir uns jetzt mit diesem großen Diener beschäftigen. Gott gab ihm diesen besonderen Dienst, und wehe dem, der Paulus vernachlässigt. Er wird in seinem geistlichen Leben abmagern; er wird keine Gemeinschaft mit den Gedanken Christi haben.

Nächster Teil


Teil 1 des ersten Vortrags Paul's Doctrine

Übersetzung: Melanie Lenk


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