Erlebnisse mit dem Propheten Elisa (15)
Feurige Rosse und Wagen

John Thomas Mawson

© SoundWords, online seit: 28.05.2018, aktualisiert: 01.06.2018

Leitverse: 2. Könige 6,13-17

2Kön 6,13-17: 13 Da sprach er: Geht hin und seht, wo er ist; und ich werde hinsenden und ihn holen. Und es wurde ihm berichtet und gesagt: Siehe, er ist in Dothan. 14 Da sandte er Pferde und Wagen dorthin und ein starkes Heer; und sie kamen bei Nacht und umzingelten die Stadt. 15 Und als der Diener des Mannes Gottes früh aufstand und hinaustrat – siehe, ein Heer umringte die Stadt und Pferde und Wagen. Und sein Knabe sprach zu ihm: Ach, mein Herr! Was sollen wir tun? 16 Aber er sprach: Fürchte dich nicht! Denn mehr sind die, die bei uns, als die bei ihnen sind. 17 Und Elisa betete und sprach: HERR, tu doch seine Augen auf, dass er sehe! Da tat der HERR die Augen des Knaben auf; und er sah: Und siehe, der Berg war voll feuriger Pferde und Wagen, rings um Elisa her.

Feurige Rosse und Wagen. Wie wir ohne Furcht vor unseren Feinden sein können

Wenn der Teufel dich nicht mit seinen Listen verstricken kann, dann ändert er seine Angriffsweise: Er hört auf zu betrügen und geht dazu über, dich zu bekämpfen. Er zeigt sich dir als ein unversöhnlicher Gegner, wie sein Name (Satan = „der Widersacher“) bedeutet. John Bunyan, der seine Weise kannte, wie sie je ein Mensch kennengelernt hat, erzählt uns in ergreifenden Worten von den Anstrengungen des Teufels, den Pilger von seinem Vorsatz abzuschrecken, die himmlische Stadt zu erreichen. Er schreibt: „Satan versperrt die ganze Breite des Weges und sagt zu dem Christen: Ich beschwöre dich bei meinem Höllenpfuhl, dass du nicht weiter vorangehst; hier werde ich dein Blut vergießen.“ Das ist seine Art. Er wendet rücksichtlos das Ärgste an, um dir Angst zu machen, dass ein Leben des Glaubens von Gefahren und unüberwindlichen Schwierigkeiten umgeben sei. Er tut dies in der Erwartung, deinen Glauben an Gott zu erschüttern. Dies wird in deutlicher Weise in unserer Geschichte ans Licht gebracht.

Die Stadt, in der Elisa sich aufhielt, war über Nacht von syrischen Kriegern mit großer Macht eingeschlossen worden, und als der Diener des Mannes Gottes erwachte, wurde er mit Furcht erfüllt. Der Feind hatte sich an einem jeden Tor festgesetzt, so dass kein Weg zur Flucht offen gelassen war. So beschlich ihn bei allem Vertrauen auf Elisa das Gefühl, dass er sich auf der Seite der Verlierer befand. Doch er war weise genug, sofort zu seinem Herrn zu eilen; aber sein Ruf: „Ach, mein Herr! Was sollen wir tun?“, zeigt klar, welcher Schrecken durch den Anblick der feindlichen Macht in ihn gefahren war.

Hast du je Ähnliches empfunden? Es mag sein, dass einige meiner Leser gerade jetzt wahrnehmen, dass ihr Bekenntnis zu Christus sie in Schwierigkeiten gebracht hat, die sie nie für möglich gehalten hätten und mit denen sich zu messen sie sich gänzlich unfähig fühlen. Kommt dir das befremdlich vor? „In der Welt habt ihr Bedrängnis“, und wenn dies alles wäre, möchtest du wohl überlegen, ob du fähig wärst, der Macht des Feindes um Christi willen standzuhalten, doch Jesus fügt jenem Wort hinzu: „Aber seid guten Mutes, ich habe die Welt überwunden“ [Joh 16,33]. Der Weg zum Entrinnen besteht nicht darin, den Maßstab zu verringern und dem Feind entgegenzukommen; er besteht nicht darin, weniger ein Christ zu sein in der Hoffnung, dadurch Erleichterung zu erlangen, sondern der Weg zum Entrinnen besteht darin, sich von neuem an den Herrn zu wenden, auch wenn es mit dem verzweifelten Ruf des Dieners Elisas geschieht. Christus ist der alles Überwindende! Er starb, doch Er ist wieder auferstanden und lebt für immer, um sich für uns zu verwenden. Darin liegt für uns der Weg des Vertrauens und Sieges. Lasst uns Ihn betrachten.

Beachten wir, dass Elisa zunächst für seinen erschrockenen Diener betet. Durch diese Fürbitte werden dessen Befürchtungen verscheucht. Dein großer Fürsprecher betet auch für dich, und der Teufel kann Ihn nicht enttäuschen. Er mag Pläne schmieden und wüten, wie er will: Dein Herr steht stets über ihm; Er lebt immerdar, um sich für dich zu verwenden. Das ist ein Thema, um viele Bücher zu füllen, die wertvoll genug wären, in Gold gebunden zu werden, und doch: Wie wenig wird es verstanden. Wenn du noch nicht darüber nachgesonnen hast, so tue es jetzt. Befreiung von aller Frucht vor dem Feind hängt ganz von der Gnade und dem Erbarmen ab, die du durch die Vermittlung des Herrn Jesus Christus empfängst. Er ist unser großer Hoherpriester, der Sohn Gottes. Wird dein Herz nicht weit in heiliger Freude bei dem Gedanken an seine Größe? Der Dienst, dem Er sich in diesem Charakter widmet, ist der, seine widerstreitenden Pilger vermittelnd vor Gott zu bringen. Dies tut Er voll zartesten Mitgefühls und tiefster Anteilnahme. Er empfindet unsere Schwachheiten; welch ein wunderbarer Gedanke!

Du magst nicht imstande sein, dies zu verstehen, und dies wird auch nicht von dir verlangt. Es ist zu groß für dich, doch du sollst es glauben. Wenn du dies nicht tust, so betrübst du sein Herz, das sich über alles danach sehnt, dass du Ihm völliges Vertrauen schenkst. Er möchte so gern, dass du überzeugt bist, dass Er dir jede Stunde dient, weil Er dich liebt, und zwar noch mit derselben Liebe, die Ihn für dich nach Golgatha brachte. Die Geburtswehen erschöpfen nicht die Liebe einer Mutter für ein Kind; sie ist bereit, ihr Leben hinzugeben. Doch selbst wenn die Mutter ihr Kind vergäße – Er vergisst dich nicht.

Wie könnte Er aufhören, uns zu lieben? Er ist Jesus, und was bedeutet dieser Name für uns? Er redet zu uns von einer Liebe, die, um uns zu retten, Ihn dahin leitete, sich selbst zu nichts zu machen und die Herrlichkeit seiner Gottheit mit der Krippe von Bethlehem zu vertauschen. Dieser Name redet von einem Leben leidenden Dienstes, das nach Kummer und Scham am Kreuz von Golgatha geopfert wurde; er sagt uns, wie dort die Liebe Jesu ans Licht kam. Die Wogen des Todes erhoben ihr schreckliches Haupt und stürmten über Ihn hin, um Ihn in die Tiefe zu reißen. Satans Sturzwellen brüllten gegen Ihn, um Ihn zur Umkehr zu bewegen. Um unsertwillen erduldete Er die großen Wasser göttlichen Gerichts; sie konnten seine Liebe nicht auslöschen. Sie brannte mit inbrünstiger Flamme inmitten all der Schrecknisse des Todes und gießt ihr wundervolles Licht in die Finsternis jener einzigartigen Stunde und triumphiert. Nun ist der Herr auferstanden und lebt als unser Hoherpriester zur Rechten des Thrones Gottes.

Seine Liebe hat sich in keiner Weise geändert. Sie ist heute noch ebenso an deinem Wohlergehen interessiert, wie sie es am Kreuz war, wo sie deine Sünden trug. Wenn es anders wäre, würde Jesus nicht länger für uns jenen kostbaren Namen tragen, und Er würde weder Retter noch Priester noch Verteidiger sein.

Doch Jesus ist der Sohn Gottes, wie das Wort uns sagt. Während „Jesus“ den Gedanken seiner Erniedrigung einschließt, lenkt „der Sohn Gottes“ uns auf seine Herrlichkeit, seine Erhabenheit und seine göttliche Abkunft. „Jesus“ spricht zu uns von seiner Kostbarkeit für uns, „der Sohn Gottes“ redet von seiner Kostbarkeit für Gott. „Jesus“ sagt uns, dass, seit Er uns so sehr liebte, es nichts Gutes für uns gibt, wofür Er nicht für uns vor Gott betet, und „Sohn Gottes“ sagt uns, dass der Vater Ihn stets erhören wird, so dass die Tatsache, dass Jesus, der Sohn Gottes, unser Hoherpriester ist, bedeutet, dass wir in Verbindung mit der ewigen und unerschöpflichen Gnade und Macht Gottes sind und dass unendliche Liebe diese Quellen hervorströmen lässt. Denn Gott liebt seinen Sohn, und Jesus liebt uns, und Er ist der Sohn Gottes. Wer kann noch den Teufel fürchten, wenn er dieses Gesegnetsein kennt?

Der zur Verfügung stehende Raum verbietet es, dieses kostbare Thema noch weiter zu verfolgen, doch wir möchten die Leser dringend bitten – und besonders die, die durch Versuchungen und Kümmernisse gehen, die sich in Schwierigkeiten und Verfolgung wegen ihres Glaubens befinden –, dass sie sich nicht fürchten, sondern den Hohenpriester unseres Bekenntnisses, Jesus, betrachten möchten. Er ist es, der sich für dich verwendet, der dich unterstützt. Er ist durch die Himmel gegangen, von dem tiefsten Platz der Leiden und der Scham stieg Er auf zu dem höchsten Platz der Herrlichkeit. Da war niemand, der Ihm ein Halt hätte zurufen können; jede Tür wurde weit vor Ihm aufgetan, um Ihm einen triumphierenden Einlass zu gewähren. Er ist unser Vorläufer in die Herrlichkeit sowie unser Priester. Es gibt keine Schwierigkeit und feindselige Macht, der Er nicht auf dem Weg begegnet wäre, auf dem wir jetzt vorangehen, wenn wir Ihm nachfolgen. Er wurde in allem versucht, ausgenommen die Sünde. Nun lebt Er in Herrlichkeit, um uns von dort aus mit seiner Hilfe zu unterstützen.

Doch Elisa betete nicht nur für seinen Diener, er redete auch zu ihm. Und welch beruhigende Worte waren es: „Fürchte dich nicht“, sagte er zu ihm, „denn mehr sind die, die bei uns sind, als die, die bei ihnen sind.“ Die Worte Elisas öffneten ihm das Auge, „und siehe, der Berg war voll feuriger Rosse und Wagen, rings um Elisa her“. Wie sicher fühlte er sich nun in der Gesellschaft seines Herrn. Offenen Auges mag er wohl im Triumph die Worte ausgerufen haben: „Wenn Gott für uns ist, wer wider uns?“ Das ist der Platz, den wir durch Gnade einnehmen dürfen. Gott ist rund um uns her, wovor sollten wir uns fürchten?

Möchten die Versicherungen unseres Herrn: „Der Vater selbst hat euch lieb, weil ihr mich lieb gehabt habt“ [Joh 16,27], und: „Euer Herz werde nicht bestürzt, sei auch nicht furchtsam“ [Joh 14,27], ihre Beruhigung wieder und wieder in unsere Herzen ausgießen.

Gott verlässt nie einen Menschen, der vor Ihm steht. „Auf dich vertrauten unsere Väter; sie vertrauten, und du errettetest sie“ [Ps 22,5]. Die hebräischen Jünglinge im Feuerofen, Daniel in der Löwengrube, Elisa und sein Diener in Dothan verkünden die Tatsache, dass Gott bei denen steht, die Ihm Treue halten. Er hat zu uns gesagt: „Ich will dich nicht versäumen und dich nicht verlassen“, so dass wir kühn sagen können: „Der Herr ist mein Helfer, und ich will mich nicht fürchten; was wird mir ein Mensch tun?“ (Heb 13,5.6). Der Teufel ist gegen uns ebenso machtlos wie die Menschen, wenn der Herr für uns ist.

Es ist ein großer Tag in unserer geistlichen Geschichte, an dem wir lernen, dass Gott uns mit den Interessen und dem Geschick seines lieben Sohnes verbunden hat und dass Er nicht gegen, sondern für uns ist. Wenn Gott gegen uns wäre, dann müssten wir verzweifeln. Nun ist Er aber für uns, und wer vermag dann wider uns zu sein? Das ist ein triumphierender Ausspruch. „Ich bin dein Schild“, sagt Er zu Abraham; und Er ist ebenfalls unser Schild. Er steht zwischen uns und einem jeden Feind, um jeden Druck abzuhalten und alle Frucht aus unserer Brust zu bannen. Nachdem Er seinen Sohn für uns dahingegeben hat, wird Er uns wohl etwas Gutes vorenthalten? Und wenn Er es zulässt, dass wir leiden, dass wir getötet werden den ganzen Tag um Christi willen, so sind wir doch in diesen Dingen mehr als Überwinder durch Ihn, der uns geliebt hat. Der Feind mag den Besitz eines Christen rauben, ihm selbst das Leben nehmen, wenn Gott dies zulässt, doch seine Liebe kann Er nicht zerstören noch ihn von der Liebe Gottes scheiden, die in Christus Jesus ist, unserm Herrn. In der Erkenntnis, dass Gott für uns ist, werden wir auf dem Pfad des Glaubens von aller Furcht befreit, und diese Erkenntnis wird immer eine Wirklichkeit für uns sein, wenn wir uns in der Gemeinschaft unseres Herrn, Jesus Christus, bewahren.

Vorheriger Teil


Originaltitel: „Feurige Rosse und Wagen. Wie wir ohne Furcht vor unseren Feinden sein können“
aus der Serie: „Befreiende Gnade wie sie in den Worten und Wegen des Propheten Elisa vor uns gebracht wird“
in Der Dienst des Wortes, Jg. 12, 1934, S. 101–107


Hinweis der Redaktion:

Die SoundWords-Redaktion ist für die Veröffentlichung des obenstehenden Artikels verantwortlich. Sie ist dadurch nicht notwendigerweise mit allen geäußerten Gedanken des Autors einverstanden (ausgenommen natürlich Artikel der Redaktion) noch möchte sie auf alle Gedanken und Praktiken verweisen, die der Autor an anderer Stelle vertritt. „Prüfet aber alles, das Gute haltet fest“ (1Thes 5,21). – Siehe auch „In eigener Sache ...