Erlebnisse mit dem Propheten Elisa (12)
„Gehe hin in Frieden“

John Thomas Mawson

© SoundWords, online seit: 08.04.2013, aktualisiert: 26.04.2020

Leitverse:  2. Könige 5,15-19

2Kön 5,15-19: 15 Und er kehrte zu dem Mann Gottes zurück, er und sein ganzes Gefolge, und er kam und trat vor ihn und sprach: Sieh doch, ich erkenne, dass es auf der ganzen Erde keinen Gott gibt als nur in Israel! Und nun nimm doch ein Geschenk von deinem Knecht. 16 Aber er sprach: So wahr der HERR lebt, vor dessen Angesicht ich stehe, wenn ich es nehmen werde! Und er dran in ihn, es zu nehmen; aber er weigerte sich. 17 Da sprach Naaman: Wenn nicht, so werde doch deinem Knecht die Last eines Maultiergespanns Erde gegeben; denn dein Knecht wird nicht mehr anderen Göttern Brandopfer und Schlachtopfer opfern, sondern nur dem HERRN. 18 In dieser Sache wolle der HERR deinem Knecht vergeben: Wenn mein Herr in das Haus Rimmons geht, um sich dort niederzubeugen – denn er stützt sich auf meine Hand, und ich beuge mich nieder im Haus Rimmons –, ja, wenn ich mich niederbeuge im Haus Rimmons, so möge doch der HERR deinem Knecht in dieser Sache vergeben! 19 Und ersprach zu ihm: Geh hin in Frieden. Und erzog von ihm weg eine Strecke Weges.

„Gehe hin in Frieden“: Wie der Geheilte Gewissheit erlangt

Der Aussätzige war gereinigt und kehrte als ein demütiger, dankbarer Mann zu dem Propheten Gottes zurück. Es gibt nichts, was den Menschen so demütigt wie Gnade, denn diese ist in kurzen Worten, was Gott für uns in Christus wurde, und nicht, was wir für Ihn sind. Gnade zeigt, was Er für uns tun kann, und nicht, was wir für Ihn tun können, und diese Lektion war es, die dieser dankbare Syrer nun zu lernen hatte. Nachdem er seine eigenen, falschen Gedanken preisgegeben hat, spricht er wie ein Mann, aus dessen Geist alle Unsicherheit gewichen ist. „Siehe doch, ich erkenne, dass es auf der ganzen Erde keinen Gott gibt als nur in Israel.“

Das Wort „erkennen“ ist ein großes und triumphierendes Wort in des Christen Wörterbuch, und er hat ein Recht, es zu gebrauchen, denn Gott selbst legt es ihm in den Mund. Wenn das Licht des Evangeliums in eines Menschen Herz eindringt, dann wird aller Zweifel und alle Ungewissheit aus demselben vertrieben, und eine volle Gewissheit nimmt deren Platz ein, die ihren Ausdruck in einem unerschütterlichen Vertrauen zu Gott und dem Wort seiner Gnade findet. Indem er auf die Vergangenheit blickt, kann er sagen: „Eines weiß ich, dass ich blind war und jetzt sehe“, und wenn er an die Gegenwart denkt, liest er mit Freuden: „Dies habe ich euch geschrieben, auf dass ihr wisst, dass ihr ewiges Leben hat, die ihr glaubt an den Namen des Sohnes Gottes“ (1Joh 5,13), und wenn Gedanken in seinem Innern hinsichtlich jener Sünden aufsteigen, die seine Seele befleckten, so kann er aus demselben unfehlbaren Wort die Versicherung schöpfen: „Ihr wisst, dass er offenbart worden ist, auf dass er unsere Sünden wegnehme; und Sünde ist nicht in ihm“ (1Joh 3,5). Und ferner: „Ich schreibe euch, Kinder, weil euch die Sünden vergeben sind um seines Namens willen“ (1Joh 2,12). Welch triumphierende Gewissheit liegt doch in Bezug auf die Zukunft in den Worten: „Denn wir wissen, dass, wenn unser irdisches Haus, die Hütte, zerstört wird, wir einen Bau von Gott haben, ein Haus, nicht mit Händen gemacht, ein ewiges in den Himmeln“ (2Kor 5,1). Und noch herrlicher sogar als dieses ist das Folgende: „Wir wissen, dass, wenn er offenbar werden wird, wir ihm gleich sein werden, denn wir werden ihn sehen, wie er ist“ (1Joh 3,2).

Wie ganz anders ist doch die Sprache des Christen als die Wehklage des Agnostikers, der in Dunkelheit umhertastet bis ans Grab und der fragt: „Folgt jener stillen Nacht ein neuer Tag? Ist wohl der Tod die Tür zu neuem Lichte? Wer kann das sagen? Geheimnisvoll und sprachlos ist verschlossen des Menschen Schicksal; es ist uns verborgen. Wir wissen nichts! Nur hoffen können wir – und warten.“

Das Vertrauen der Kinder Gottes ist nicht bloße Vermutung, es ist mehr. Wie bei Naaman. Der Christ hat es in seiner eigenen, glücklichen Erfahrung erprobt, was der Gott Israels für einen hoffnungslos Aussätzigen tun kann, der Ihm gehorcht; und ein jeder, der dem Evangelium des Gottes unseres Heils geglaubt hat, der guten Botschaft, betreffend seinen Sohn, Jesus Christus, unseren Herrn, kennt die befreiende, friedenverleihende Macht Gottes und kann voll Gewissheit davon sprechen. Doch diese Gewissheit ruht nicht in seiner Erfahrung, so köstlich diese auch gewesen sein mag, sondern auf dem Wort des lebendigen Gottes, der nicht lügen kann. Wir müssen Gott immer wieder aufs Neue für die Heiligen Schriften danken, sein zuverlässiges und unwandelbares Wort. Darin findet der Christ sichere Autorität, auf die er sein Vertrauen gründen kann. Und all die Segnungen, die ihn erfreuen, sowie der Frieden wahrer christlicher Erkenntnis, liegen in den großen Tatsachen, die andere Feststellungen desselben Wortes uns enthüllten. „Wir wissen aber, dass der Sohn gekommen ist“ (1Joh 5,20). „Wir haben erkannt und geglaubt die Liebe, die Gott zu uns hat: Gott ist Liebe“ (1Joh 4,16).

Die Segnung, die Naaman durch Elisa empfing, enthüllte ihm den wahren Gott; die Segnung, die wir durch Jesus Christus, unseren Heiland, empfingen, hat uns enthüllt, dass Gott Liebe ist. „Hierin ist die Liebe, nicht dass wir Gott geliebt haben, sondern dass er uns geliebt und seinen Sohn gesandt hat als eine Sühnung für unsere Sünden“ (1Joh 4,10). Es war nur natürlich, dass Naaman das Verlangen hatte, seinen Wohltäter zu belohnen, denn in Anbetracht dessen, was er war, konnte er nicht verstehen, eine so große Segnung zu empfangen, ohne dafür als Gegenleistung einen entsprechenden Preis zu bezahlen. Er fühlte sich dazu wohl imstande und wollte es nun auf eine schickliche Art tun. Da hatte er zu lernen, dass Gott seine Segnung nicht bezahlt haben wollte. Hinsichtlich der Macht Gottes war er überzeugt, doch nun hatte er zu lernen, was seine Gnade war. Wie betont waren die Worte Elisas: „So wahr der HERR lebt, vor dessen Angesicht ich stehe, wenn ich es annehmen werde!“ Dies war eine harte Lektion für einen vornehmen Mann. „Wie schwerlich werden die, welche Güter haben, in das Reich Gottes eingehen!“ (Mk 10,23); mag nun der Reichtum in Geld oder Ansehen oder Selbstgerechtigkeit bestehen. Haben denn diese Dinge keinen Wert?, fragen ihre Besitzer. Naaman besaß diese Art Reichtümer in Überfluss, aber sie hatten ihn nicht von seinem Aussatz heilen können; und es ist gewiss, dass sie die Sünden eines Sünders nicht sühnen, dass sie seine Seele nicht retten können. Ich bin sicher, dass Naaman die große Wahrheit erfasste, als er vor Elisa stand, dass Gott Segnungen nicht verkauft. Das kann aus zwei Gründen nicht geschehen: Naaman war bei all seinem Reichtum zu arm dazu und Gott zu reich, um einen Kaufpreis anzunehmen. Alles war Gnade und Freigebigkeit Gottes gegenüber einem Menschen, der seine Gabe nicht verdienen konnte. Es gibt wohl keine Wahrheit, die zu lernen wir nötiger haben als diese.

Doch mag keiner denken, dass diese Gnade, die dem Sünder vergibt und ihn von allem rechtfertigt, bedeutet, dass Sünde eine geringe Sache sei und dass Gott leicht darüber hinweggehen könnte. O nein! Das kann Er nicht, und hier möchte ich einige sehr wertvolle Worte eines anderen anführen: „Gnade setzt voraus, dass Sünde so schrecklich ist, dass Gott sie nicht dulden kann. Wäre es es in der Macht des Menschen, nachdem er eingesehen hat, dass er unrecht tut und böse ist, seine Wege zu verbessern und sich so wiederherzustellen, dass er vor Gott stehen könnte, dann würde Gnade nicht mehr nötig sein. Die Tatsache, weshalb der Herr dem Menschen in Gnade begegnet, zeigt, dass Sünde eine böse Sache ist, dass den Menschen, dessen Zustand hoffnungslos durch sie verderbt wurde, nur freie Gnade retten kann, nur diese ist imstande, seiner Not zu begegnen. In dem Augenblick, wo ich verstehe, dass ich ein sündiger Mensch bin und dass der Herr, obwohl Er das volle Ausmaß meiner Sünde kannte und ihre ganze Hassenswürdigkeit empfand, zu mir kam, erfasse ich, was Gnade ist. Der Glaube lässt mich sehen, dass Gott größer als meine Sünde ist und dass meine Sünde nicht größer als Gott sein kann.“ – Gnade ist Gottes Dazwischentreten in Liebe zugunsten solcher, die keine Kraft haben, sich selbst zu retten, und die seine Feinde waren.

Ich zweifle nicht, dass jener ruhmreiche Heerführer, dessen aussätziges Fleisch gleich dem Fleisch eines jungen Knaben geworden war, sich nun in einem kindlichen Geist vor dem Mann Gottes beugte, indem er verwirklichte, dass die Wohltat, die er empfangen hatte, über jeden Preis erhaben war. Und so fragt er: „Wenn nicht, so werde doch deinem Knecht die Last eines Maultiergespanns Erde gegeben; denn dein Knecht wird nicht mehr anderen Göttern Brandopfer und Schlachtopfer opfern, sondern nur dem HERRN.“ ER wollte Gott einen Altar bauen, seinen Namen bekennen und Ihn allein anbeten. Nichts anderes als dieses konnte richtig sein, und Naamans Gelöbnis deutet an, wo des Christen wahres Leben und Vorrecht liegt. Er hat ein Opfer zu bringen, nicht um das Heil zu erlangen, denn durch das einmalige Opfer des Leibes Jesu Christi ist er auf immerdar vollkommen gemacht, wie es Hebräer 10 sagt. Er tut dies, weil aufgrund jenes vollkommenen Opfers seiner Sünden uns seiner Gesetzlosigkeiten nicht mehr gedacht wird, weil er errettet ist und seinem Retter angehört. Klar und gesegnet sind die Worte in Römer 12: „Ich ermahne euch nun, Brüder, durch die Erbarmungen Gottes, eure Leiber darzustellen als ein lebendiges, heiliges Gott wohlgefälliges Schlachtopfer, welches euer vernünftiger Dienst ist“, und der, welcher durch Gnade errettet ist und dies weiß, wird solch einer Aufforderung mit freudigem Herzen entsprechen.

Doch ein Gedanke betreffs der Zukunft macht Naaman bange. Es wurde von ihm erwartet, dass er die götzendienerischen Gebräuche seines Königs und seines Landes mitmache. „In diesem Stück“, bat er, „wolle der HERR seinem Knecht vergeben.“ Die Antwort des Propheten war sehr kurz: „Gehe hin in Frieden.“ Das war alles, was er ihm auf seine Befürchtungen hin zu sagen hatte. Bedeutet das, dass ein Bekenner des wahren Gottes einen Kompromiss mit Götzendienst schließen könnte und sich der Welt gleichmachen darf? Sicherlich nicht! Es bedeutet: Überlasse dies Gott. Der Gott, der dich geheilt hat, kann dich auch bewahren. Lass deine Zukunft in seiner Hand, gehe hin in Frieden. „Denn Gott ist treu, der nicht zulassen wird, dass ihr über euer Vermögen versucht werdet, sondern mit der Versuchung auch den Ausgang schaffen wird, so dass ihr sie ertragen könnt“ (1Kor 10,13). Es mag sein, dass einer unter meinen Lesern ist, welcher, im Begriff, die Schwelle wahren christlichen Lebens zu überschreiten, zittert, weil er wohl fühlt, dass ein von ganzem Herzen hingegebenes Leben die einzige richtige Antwort ist, auf die Gnade, die ihn so reich und frei gemacht hat, der aber die Folgen fürchtet, am meisten wohl seine eigene Schwachheit in den Umständen, die ihm zu schwierig erscheinen. Hier ist ein wahres Wort des Trostes für ihn: „Seid um nichts besorgt, sondern in allem lasst durch Gebet und Flehen mit Danksagen euer Anliegen vor Gott kundwerden; und der Friede Gottes, der allen Verstand übersteigt, wird eure Herzen und euren Sinn bewahren in Christus Jesus“ (Phil 4,6.7). Mit solchen Worten im Herzen kann die gerettete, glückliche und vertrauende Seele gar wohl „in Frieden gehen“.

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Originaltitel: „‚Gehe hin in Frieden.‘ Wie der Geheilte Gewissheit erlangt“
aus der Serie: „Befreiende Gnade wie sie in den Worten und Wegen des Propheten Elisa vor uns gebracht wird“
in der Monatszeitschrift Der Dienst des Wortes,  Jg. 12, 1933, S. 41–46


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