Die Klagelieder Jeremias (4)
Kapitel 4

Willem Johannes Ouweneel

© SoundWords, Online începând de la: 20.04.2011, Actualizat: 19.07.2016

Leitverse: Klagelieder 4

Über die beiden nächsten Kapitel muss ich mich und werde ich mich auch kürzer ausdrücken. Kapitel 4 ist dem 2. Kapitel sehr ähnlich und Kapitel 5 dem 1. Kapitel, so dass das ganze Buch genau symmetrisch ist. 2 und 4, 1 und 5 stimmen überein. Hier fängt das Kapitel auch wieder mit einem „Wie“ an, wie Kapitel 1 und 2: Ach wie! – Ausspruch des Schmerzes. Und auch hier ist es wieder ein, wie es in der Anmerkung heißt: Im vierten Liede folgen die einzelnen, zweizeiligen Strophen – wie im 1. und 2. Kapitel – der alphabetischen Ordnung. Also auch wieder genauso wie in den Kapiteln 1 und 2, auch hier wieder 22 Verse. Der Unterschied ist nur, dass jeder Vers nicht aus drei Strophen, sondern aus zwei Strophen besteht, wie das leicht feststellbar ist.

Das Kapitel möchte ich in vier Teile aufteilen. Eine Klage führt zu einem Sündenbekenntnis. Eine neue Klage führt wieder zu einem Sündenbekenntnis. Das ist Wiederholung und deshalb umso eindrucksvoller. Wenn man sich beklagen möchte, klage dann letztendlich vor dem Herrn, und dann wirst du entdecken, dass du am besten über dich selbst klagen kannst! Ich möchte das so gerne betonen, damit wir das als Belehrung mit nach Hause nehmen: Beklage dich nur vor Ihm; da wirst du merken, dass du dich am besten über dich selbst, nicht über die Brüder und über die Schwestern, nicht über deine Kollegen und über deine Umgebung zu beklagen hast, sondern erstens mal über dich selbst. Und wer das versteht, kann besser überhaupt nicht klagen. Klage vor Ihm! Das ist die einfache Botschaft. Wie in Kapitel 2 ist es auch hier wieder eine Beschreibung der Zerstörung der Stadt selbst.

Vers 1

Klgl 4,1: Wie wurde verdunkelt das Gold, verändert das gute, feine Gold! Wie wurden verschüttet die Steine des Heiligtums an allen Straßenecken!

Man könnte das buchstäblich auffassen in Bezug auf das Heiligtum, den Tempel, der verwüstet wurde. Man kann das aber auch sinnbildlich ausfassen, weil in Vers 2 die Kinder Zions selbst mit Gold verglichen werden:

Vers 2

Klgl 4,2: Die Kinder Zions, die kostbaren, die mit gediegenem Gold aufgewogenen, wie sind sie irdenen Krügen gleichgeachtet, dem Werk von Töpferhänden!

Das braucht man nicht mehr zu verschonen, kann man so ohne weiteres zusammenschlagen, so wie es auch geschah.

Verse 3.4

Klgl 4,3.4: 3 Selbst Schakale reichen die Brust, säugen ihre Jungen; die Tochter meines Volkes ist grausam geworden wie die Strauße in der Wüste. 4 Die Zunge des Säuglings klebt vor Durst an seinem Gaumen; die Kinder fordern Brot, niemand bricht es ihnen.

Und dann wieder ein Wort, das wir auch gestern Abend hatten über die Kinder, die Säuglinge. Eines der rührendsten Dinge, Themen in diesem Buch ist das Schicksal der Kinder während der Zerstörung, während der Belagerung und der Zerstörung Jerusalems. Die Schakale sind bald noch bessere Mütter, als die Mütter Judas es waren während der Belagerung. Selbst Schakale reichen die Brust, säugen ihre Jungen; die Tochter meines Volkes ist grausam geworden wie die Strauße in der Wüste. Tatsächlich, in Hiob 39 lesen wir, dass Strauße sich nicht so sehr um ihre Jungen kümmern. Sie legen ihre Eier und kümmern sich weiter nicht darum, was daraus wird. Sind so die Mütter geworden? Wie ist das zu verstehen? Weil die Mütter keine Nahrung mehr hatten. Die Zunge des Säuglings klebt vor Durst an seinem Gaumen; die Kinder fordern Brot, niemand bricht es ihnen.

Vers 5

Klgl 4,5: Die Leckerbissen aßen, verschmachten auf den Straßen; die auf Karmesin getragen wurden, liegen auf Misthaufen.

Die von Leckerbissen aßen, verschmachten auf den Straßen; die auf Karmesin getragen wurden, das sind nicht nur die Kinder, das sind die reichen Leute, die Luxus gewohnt waren; jetzt liegen sie oder, besser übersetzt, umarmen sie den {eig. umarmen, wie Hiob 24,8} Misthaufen. Das führt zu dem ersten Sündenbekenntnis in Vers 6.

Vers 6

Klgl 4,6: Und die Schuld der Tochter meines Volkes ist größer geworden als die Sünde Sodoms, das plötzlich umgekehrt wurde, ohne dass Hände dabei tätig waren.

Es geschah nämlich direkt von Gott aus dem Himmel hinaus; nicht so wie hier, wo die Babylonier es taten. Hier sehen wir, dass es nicht nur Wiederholung des 2. Kapitels ist; im Gegenteil; hier geht es tiefer. So wie die Schrift nie nur Wiederholung bietet. Was geht hier tiefer? Hier wird nicht nur ein elender Zustand beschrieben. Hier wird der Zustand moralisch betrachtet. Hier werden die Ursachen dieses elenden Zustandes aufgedeckt. Und die Ursache ist die Sünde des Volkes, die größer geworden ist als die Sünde Sodoms. Wenn man sich zu beklagen hat, sollte man sich fragen, ob der eigene Zustand nicht Folge der eigenen Sünde ist. Direkt kommt das noch ausführlicher. Erst geht die Klage weiter:

Vers 7

Klgl 4,7: Ihre Fürsten waren reiner als Schnee, weißer als Milch; röter waren sie am Leib als Korallen, wie Saphir ihre Gestalt.

Weiß und rot, wie von dem Bräutigam im Hohenlied. Das sind so Zeichen des Wohlstandes, der Herrlichkeit. Aber:

Vers 8

Klgl 4,8: Dunkler als Schwärze ist ihr Aussehen, man erkennt sie nicht auf den Straßen; ihre Haut klebt an ihrem Gebein, ist dürr geworden wie Holz.

Das sind die Folgen des Hungers.

Vers 9

Klgl 4,9: Die vom Schwert Erschlagenen sind glücklicher als die vom Hunger Getöteten, die hinschmachten, durchbohrt vom Mangel an Früchten des Feldes.

Die vom Schwert erschlagenen wurden, hatten einen schnellen, raschen Tod. Aber die anderen mussten noch so viel länger leben und dann allmählich vor Hunger umkommen. Sie schmachten hin, durchbohrt vom Mangel an Früchten des Feldes.

Vers 10

Klgl 4,10: Die Hände barmherziger Frauen haben ihre Kinder gekocht; sie wurden ihnen zur Speise bei der Zertrümmerung der Tochter meines Volkes.

Die Tochter Zion ist entweder die Stadt selbst oder ihre Töchter, die Frauen in der Stadt, wie hier die Mütter, die so ratlos und verzweifelt waren vor Hunger, dass sie ihre Kinder geschlachtet und gekocht haben. Fürchterlich! So weit kann es kommen mit einem Menschen, wenn er ganz, ganz unten angekommen ist. Und diese zweite Klage führt jetzt zu einem viel ausführlicheren Sündenbekenntnis in den Versen 11 bis 16:

Vers 11

Klgl 4,11: Der HERR hat seinen Grimm vollendet, seine Zornglut ausgegossen; und er hat in Zion ein Feuer angezündet, das seine Grundfesten verzehrt hat.

Die Grundfesten Zions, der Stadt Jerusalem.

Vers 12

Klgl 4,12: Die Könige der Erde hätten es nicht geglaubt, noch alle Bewohner des Erdkreises, dass Bedränger und Feind in die Tore Jerusalems kommen würden.

Nicht weil Jerusalem solch eine mächtige, eindrucksvolle große Stadt war; manche Städte waren viel größer und stärker. Aber die Könige kannten die Allmacht des Gottes Israels. Und sie hätten sich nicht vorstellen können, dass Feinde in diese Stadt in den Bezirk des Herrn eindringen könnten. Es ist aber geschehen. Und die Gründe dafür sind ganz klar, und die Feinde selbst wussten das nur allzu genau. Es ist wegen der Sünden, nicht einfach der Sünden des Volkes, sondern denen der Führer des Volkes.

Vers 13

Klgl 4,13: Es ist wegen der Sünden seiner Propheten, der Ungerechtigkeiten seiner Priester, die in seiner Mitte das Blut der Gerechten vergossen haben.

Unrecht ist in der Stadt geschehen. Um sich zu bereichern, haben sie die Gerechten umgebracht.

Verse 14.15

Klgl 4,14.15: 14 Sie irrten blind auf den Straßen umher; sie waren mit Blut befleckt, so dass man ihre Kleider nicht anrühren mochte. 15 „Weicht! Unrein!“, rief man ihnen zu. „Weicht, weicht, rührt nicht an!“ Wenn sie flüchteten, so irrten sie umher; man sagte unter den Nationen: Sie sollen nicht länger bei uns weilen!

Sie irrten blind auf den Straßen umher. Ja, so ging es während der Belagerung. Und an ihnen klebte noch das Blut der Gerechten. Sie waren mit Blut befleckt, so dass man ihre Kleider nicht anrühren mochte. Man musste ihnen zurufen: „Weichet! Unrein!“, als ob sie Aussätzige wären. „Weichet, weichet, rühret nicht an!“ Wenn sie flüchteten, so irrten sie umher {vgl. 5Mo 28,65}; man sagte unter den Nationen: Sie sollen nicht länger bei uns weilen! Als sie flüchten wollten, wollten sogar die Babylonier sie nicht haben. Aussätzig, unrein, von allen Vertrieben, das waren die einmal, die einst heiligen, reinen Führer des Volkes.

Vers 16

Klgl 4,16: Das Angesicht des HERRN hat sie zerstreut, er schaut sie nicht mehr an. Auf die Priester hat man keine Rücksicht genommen, an Greisen keine Gnade geübt.

Das Volk hat sie hinausgeworfen; die Feinde wollten sie nicht annehmen; und ganz besonders der HERR hat sie zerstreut. Er schaut sie nicht mehr an. Auf die Priester hat man keine Rücksicht genommen, an Greisen nicht Gnade geübt. So endet hier das zweite Glaubensbekenntnis, Entschuldigung, Sündenbekenntnis, worin nur von Seiten des Dichters auch der Glaube zum Ausdruck kommt. Insoweit ist es von Seiten des Dichters ein Glaubensbekenntnis. Wenn man das Gericht in seinem wahren Charakter anerkennt – oder erst mal erkennt –, ist es ein Glaubensbekenntnis, wenn man es auszusprechen vermag. Was noch folgt am Ende dieses Kapitels, sind drei kurze Szenen aus der Belagerung. Erst in den Versen 17 und 18 etwas, was wir Freitagabend betrachtet haben, als wir die letzten Kapitel in 2. Könige betrachteten.

Vers 17

Klgl 4,17: Noch schmachten unsere Augen nach unserer nichtigen Hilfe; in unserem Warten warten wir auf ein Volk, das nicht retten wird.

Noch schmachten – ich würde hier in der Vergangenheit übersetzen, es bezieht sich auf die Belagerung –, noch schmachteten unsere Augen nach unserer nichtigen Hilfe; in unserem Warten warteten wir auf ein Volk, das nicht retten wird. Das war Ägypten. So haben sie verzweifelt hinausgeschaut. Als sie so leiden mussten, haben sie auf Mauern gestanden und geschaut, ob nicht die Ägypter kämen, statt gegen den Himmel hinaufzuschauen. Wie oft haben Menschen so vergeblich nach anderen Menschen ausgeschaut und an Gott nicht gedacht. So haben sie auf Ägypten vertraut. Und Ägypten ist nur ein Rohrstab, so wie Jesaja schon gesagt hat in der Zeit Hiskias; da war das schon dasselbe. Immer vertraut man auf denselben falschen Freund, dem man nicht vertrauen kann. Es ist nur ein Rohr, das die Hand durchbohrt.

Vers 18

Klgl 4,18: Sie stellen unseren Schritten nach, so dass wir nicht auf unseren Straßen gehen können. Unser Ende ist nahe, erfüllt sind unsere Tage; ja, unser Ende ist gekommen.

Die Freunde sind nicht mehr; auf dieses Volk Ägypten kann man nicht vertrauen; voll sind unsere Tage; das heißt: Das Ende ist erreicht, vollendet sind die Tage, das Gericht kommt; unser Ende ist gekommen. Die zweite kurze Szene ist in den Versen 19 und 20. Das Erste war am Anfang der Belagerung, als sie noch Hoffnung auf Ägypten hatten. Vers 19 und 20 ist am Ende der Belagerung; auch das haben wir Freitagabend betrachtet, als Zedekia ganz am Ende einen Riss machte in der Mauer und dann mit seinen Vornehmen flüchtete und von den Babyloniern doch erwischt wurde.

Verse 19.20

Klgl 4,19.20: 19 Unsere Verfolger waren schneller als die Adler des Himmels; sie jagten uns nach auf den Bergen, in der Wüste lauerten sie auf uns. 20 Unser Lebensodem, der Gesalbte des HERRN, wurde in ihren Gruben gefangen, von dem wir sagten: In seinem Schatten werden wir leben unter den Nationen.

Man hat es manchmal fast für unmöglich gehalten, hier an Zedekia zu denken. Wer könnte nun so über Zedekia sprechen: Unser Lebensodem, der Gesalbte des HERRN, in seinem Schatten werden wir leben unter den Nationen. Deshalb hat schon eine alte jüdische Tradition hier lieber an Josia gedacht. Viel früher. Ich weiß nicht, wie das überhaupt in die Belagerung hineinpasst. Es handelt sich hier nicht um das, was Zedekia in seiner Person war. Wenn schon ein David von Saul gesagt hat: Es ist der Gesalbte des Herrn, dann spricht er nicht über die Person Saul, dann spricht er über sein Amt. Darum handelt es sich hier. Zedekia, was irgend er auch war in Person, er war der Gesalbte des Herrn, der gesalbte König über Juda. Und insoweit von seinem Amt heraus gesehen, die Hoffnung, die natürliche Hoffnung, seines Volkes, von dem sein Volk sagen konnte: In seinem Schatten werden wir leben unter den Nationen. Und dann haben sie es gesehen, wie der König geflüchtet war und wie er dann gefangen genommen wurde; seine Söhne wurden vor seinen Augen geschlachtet; er wurde geblendet und ging in Gefangenschaft. Ihr Lebensodem wurde abgeschnitten.

Vers 21

Klgl 4,21: Sei fröhlich und freue dich, Tochter Edom, Bewohnerin des Landes Uz! Auch an dich wird der Becher kommen; du wirst betrunken werden und dich entblößen.

Die dritte kurze Szene, die haben wir nicht in 2. Könige gefunden, aber wir finden sie in vielen Weissagungen. Und das ist, dass Edom, das Brüdervolk, mit Schadenfreude zugeschaut und den Untergang Jerusalems mit Freude angesehen hat. Über Edom wird gesagt: Sei fröhlich und freue dich, Tochter Edom – das ist aber sarkastisch gemeint, ironisch, wenn man will –, Bewohnerin des Landes Uz {s. die Anm. zu Hiob 1,1}! Auch an dich wird der Becher kommen. Freut euch nur, aber es wird nicht mehr lange sein. Auch zu euch wird der Becher des Gerichts kommen; du wirst trunken werden und dich entblößen.

Vers 22

Klgl 4,22: Zu Ende ist deine Ungerechtigkeit, Tochter Zion! Er wird dich nicht mehr wegführen. Er wird deine Ungerechtigkeit heimsuchen, Tochter Edom, er wird deine Sünden aufdecken.

Zu Zion wird dann zwischendurch gesagt, in Vers 22: Deine Schuld ist zu Ende, Tochter Zion! Er wird dich nicht mehr wegführen. – Das ist Trost für Zion, das so belacht wurde von Edom. Gott wird deinem Elend ein Ende machen. Aber dann wieder zu Edom: Er wird deine Missetat heimsuchen, Tochter Edom, Er wird deine Sünden aufdecken. Warum gerade Edom? Vielleicht: Es ist eine ganz alte jüdische Tradition, die man diesmal ernst nehmen kann, dass Edom eigentlich immer als der größte Feind betrachtet wurde, so wie wir das auch in Jesaja 33 und 34 und 63 finden, wo das Gericht über Edom beschrieben wird auch in der Endzeit, wo Edom eigentlich zu dem größten Feind steht wie das Römische Reich. Edom ist Rom in der rabbinischen Literatur. Und so wird Edom einmal (und das ist hier also ganz prophetisch) hingerichtet werden und Zion gerettet.

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Nach einem Vortrag aus dem Jahr 1991.

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