|
Inhalt
Einleitung
Träger und Initiatoren
Zielsetzungen
Ein wichtiger Tipp: führen Sie Aktionen möglichst ökumenisch durch...
Es soll doch kein Streit
zwischen uns sein
Überregionale Projekte - ProChrist und Ökumenischer Kirchentag
Die Berliner Ökumene-Erklärung
1974
Was tun?
„Mitmachen lohnt sich!" - so kann
man es auf dem „Ideenheft zum Jahr der Bibel 2003" lesen. Alle paar Jahre ist es
so weit, dass Kirchen, Freikirchen, Allianz, Ökumene, freie Werke und Verbände
mit vereinten Kräften versuchen, die Bibel wieder in das Bewusstsein der
Menschen zu rücken.
Die Verlage rühren sich und bringen eine
Anzahl Bücher und Sonderausgaben von Bibeln heraus, darunter die vier
offiziellen Ausgaben der „Gute Nachricht Bibel" (mit und ohne Apokryphen
erhältlich), die „Einheitsübersetzung" (mit Einführungen und Bildern), die
„Lutherbibel" und „Hoffnung für alle".
Die Kooperation mit Rundfunk- und
Fernsehanstalten wird gesucht, um die Bibel öffentlich ins Gespräch zu bringen,
Bibelausstellungen werden angeboten, „Theatergottesdienste" und „orthodoxe
Ikonenmalerei als Zugang zur biblischen Botschaft" empfohlen. An Schulen werden
Bibelwettbewerbe und Bibeltage vorbereitet, „ökumenische Kreuzwege" geplant - um
das Leiden und Sterben Jesu „erfahrbar" zu machen - und ein „christlicher
Sinnenpark" soll helfen, die Passionsgeschichte vom Kopf ins Herz gelangen zu
lassen. Es ist wirklich erstaunlich, welche Ideen entwickelt werden, um das
„Buch der Bücher" populär zu machen.
"Das Jahr der Bibel" wird getragen und
organisiert von einer großen Koalition („vier Säulen") verschiedenster Kirchen
und Verbände, die durch vier Personen repräsentiert werden. Im Editorial des
„Ideenheftes zum Jahr der Bibel" sind sie abgebildet und kommen dort kurz zu
Wort:
- Präses Manfred Kock (als Vorsitzender
des Rates der Ev. Kirche in Deutschland),
- Kardinal Karl Lehmann (als Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz),
- Bischof Dr. Walter Klaiber (als Vorsitzender der ACK)
- Präses Peter Strauch (als Vorsitzender der Deutschen Evangelischen Allianz).
Im Leitungskreis sind neben Vertretern der
Orthodoxen Kirche, der Altkatholiken und der Ökumenischen Centrale in Frankfurt
auch bekannte evangelikale Persönlichkeiten wie Reinhold Frey (Bibellesebund),
Ulrich Parzany (CVJM), Theo Schneider (Gnadauer Verband) und Hartmut Steeb
(Deutsche Ev. Allianz) u.a.
Missionsgesellschaften wie „Aktion: in
jedes Haus", Jugend für Christus", „Bibellesebund", „Missionshaus Bibelschule
Wiedenest", „Willow Creek" usw. bieten ihre Dienste ebenso an wie das „Seelsorgeamt
des Bistum Essen" und die „Kommission der Orthodoxen Kirche in Deutschland".
Bei dieser gegenseitigen Akzeptanz oder
Toleranz, in der alle Unterschiede relativiert werden, fällt allein Kardinal
Lehmann auf, der immerhin deutlich Flagge zeigt, wenn er in seinem Statement
betont: „Die Bibel ist in eins mit den Sakramenten der kostbarste Schatz, der
der Kirche anvertraut ist." Mit anderen Worten: Nur in Verbindung mit den
Sakramenten der Heiligen Katholischen Kirche, welcher die Sakramente als
Gnadenmittel anvertraut sind, hat die Bibel ihren Wert.
Vordergründig geht es darum, die „Bibel
ins Bewusstsein der Öffentlichkeit" zu bringen und darüber kann sich jeder
Christ, der den Herrn und sein Wort liebt, nur von Herzen freuen. Hier gibt es
hoffentlich viele Anknüpfungspunkte für evangelistische Gespräche und Kontakte
und was könnte man sich mehr wünschen, als das die Bibel tatsächlich einen Platz
in den Familien der weithin „entchristlichten" Bevölkerung findet und auch
gelesen wird. (Vielleicht hat das „Jahr der Bibel" auch den positiven
Nebeneffekt, dass die Evangelikalen motiviert werden, selber die Bibel zu lesen
und sie schätzen zu lernen um sie dann auch mit in die Gottesdienste und
Bibelstunden zu bringen, was in den letzten Jahren leider außer Mode gekommen
ist.)
Auffällig ist, dass in dem ausführlichen,
82 Seiten umfassenden „Ideenheft zum Jahr der Bibel 2003" immer wieder Appelle
zu lesen sind, die eine scheinbar sehr wichtige Nebenabsicht erkennen lassen:
Das Zusammenrücken und die Zusammenarbeit aller christlichen Kirchen und
Verbände, mit anderen Worten: die Verwirklichung der Ökumene vor Ort.
Dazu einige Zitate:
„Wir wünschen uns, '2003. Das Jahr der
Bibel' samt dem Ökumenischen Kirchentag in Berlin mittendrin möge zu einem
Neuaufbruch der Ökumene in unserem Land führen und zu einem größeren Verstehen
untereinander" (S. 3).
„ '2003. Das Jahr der Bibel' will alle Gemeinden und Gruppen motivieren, ihre
ökumenischen Initiativen zu verstärken und gemeinsam Ideen für die eigene Arbeit
zu entwickeln" (S. 6).
„Es ist zu wünschen, das sich auch auf der regionalen und lokalen Ebene
Arbeitskreise bilden, denen Vertreter der Gemeinden der verschiedenen Kirchen
der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen (ACK) und der freien Werke und
Verbände angehören. Gerade im überkonfessionellen Miteinander wird das
gemeinsame Einladen zur Bibel glaubwürdig" (S. 7).
„Deshalb ist es sinnvoll, möglichst frühzeitig die Tore zu öffnen - zu den
anderen Konfessionen am Ort, zur ACK, zu den kirchlichen Verbänden, freien
Werken und für mögliche Interessierte, die sich eingeladen fühlen sollten" (S.
22).
Unter dieser Überschrift auf S. 22 finden
sich einige bemerkenswerte Sätze die deutlich machen, dass Gegner des
ökumenischen Prozesses vom „Jahr der Bibel" ausgeschlossen sind:
„Das Buch der Bücher soll als das
verbindende Buch der Christenheit in den Mittelpunkt gestellt werden. Daher
erhalten alle Gruppen, die sich auf eigene Sonderoffenbarungen berufen, die
konfessionellen Streit schüren wollen oder den ökumenischen Charakter der Aktion
ablehnen, hier keine Plattform."
Das sind deutliche Worte, die jedem Bibelleser die Türe weisen, der den
„ökumenischen Charakter der Aktion" ablehnt!
Eigenartiger Weise steht das Bibelverständnis überhaupt nicht zur Debatte und
auch nicht die Frage: Ist die Bibel Gottes Wort - oder enthält sie Gottes Wort?
Man scheint vorauszusetzen, das der Streit um die Autorität und Irrtumslosigkeit
der Bibel einem vergangenen Jahrtausend angehört.
Neben der „Allianzgebetswoche" im Januar
und der „Gebetswoche für die Einheit der Christen", deren „biblischer
Leittext das ökumenische Gebet inspirieren soll" (S. 16) wird auch auf den
„Weltgebetstag der Frauen" aufmerksam gemacht.
Sehr deutlich wird auch auf die Vernetzung
der Initiative „ProChrist" mit dem „Jahr der Bibel" hingewiesen, was nicht
verwunderlich ist, weil Männer des Leitungskreises auch im Vorstand von „ProChrist"
wiederzufinden sind.
„Die Idee ist, eine öffentlich wirksame
Vernetzung der Initiative ProChrist mit dem Jahr der Bibel zu erreichen" (S.
18).
Ebenso wird zum ersten „Ökumenischen Kirchentag" vom 28.5.-1.6.2003 nach Berlin
eingeladen:
„Die Idee ist, 'dass über alle
Konfessionsgrenzen hinweg die Gemeinsamkeit im Glauben stärker und bedeutender
ist, als das Trennende'...die Zielvorstellungen sind, dass gemeinsam christliche
Standpunkte gefunden werden und diese Überzeugungen in der Gesellschaft
vertreten werden, dass eine Begegnung in der Vielfalt der Traditionen geboten
wird und das Schritte auf dem Weg zur Einheit der Christen getan werden, die Mut
machen für den weiteren ökumenischen Weg" (S. 18).
Vor fast 30 Jahren haben führende und
bekannte Evangelikale in Berlin eine Bekenntnisversammlung durchgeführt und die
„Berliner Ökumene-Erklärung 1974" unterschrieben. Dazu gehörten Männer wie
Walter Künneth, Rudolf Bäumer, Fritz Grünzweig, Peter Beyerhaus, Paul Deitenbeck
usw. In dieser Erklärung warnte man deutlich vor den ökumenischen Tendenzen und
Aktivitäten, welche die Evangelikalen theologisch und organisatorisch zu
vereinnahmen suchten.
Damals stellt man nüchtern fest:
„Es wird heute immer deutlicher, das
der Ökumenische Rat der Kirchen alles daran setzt, den von ihm bisher eher
geringschätzig behandelten Block der Evangelikalen sowohl theologisch wie auch
organisatorisch zu vereinnahmen."
Man sprach von einer „dreifach heiklen Lage":
-
Die ökumenische Strategie ist es, die
Lausanner Bewegung (damit sind die Evangelikalen gemeint) zu vereinnahmen.
-
Gewisse Evangelikale sind geneigt, sich
tatsächlich auf einem zunächst neutralen Kurs zu arrangieren.
-
Die Gemeinden, die sich nach ihrer
gespannten Erwartung vom Schweigen Lausannes zu Genf (damit ist der
Ökumenische Rat der Kirchen gemeint) nachträglich enttäuscht sehen, werden
zusehends verwirrt.(1)
Heute - nach etwa 30 Jahren - hat man den
Eindruck, dass die Strategie Genfs erfolgreich war und das Ziel erreicht hat:
Fast alle bekannten evangelikalen Persönlichkeiten sind auf den Zug
„Lausanne-Genf-Rom" aufgesprungen und laden unterwegs fleißig andere ein, auch
aufzusteigen.
Damals in Berlin (1974) schloss der
bekannte Evangelist und Pfarrer Paul Deitenbeck seine Schlussansprache auf dem
Bekenntnistag in Berlin mit den Worten:
„So geht das wandernde Gottesvolk, ganz
dicht bei Ihm bleibend, seinen Weg gegenüber den Abwerbungsversuchen des
Widerchristen, gegenüber den Herausmanöverierungsversuchen des Teufels, ganz
dicht bei Ihm bleibend, bei Seinem Wort, im Gebetsumgang mit dem Herrn und in
der Gemeinschaft der Brüder und im Warten und Handeln, bis dass Er wiederkommt."(2)
Heute scheint unter der Führung einer
neuen Generation evangelikaler Leiter einzutreffen, was man in Gedichtform im
Mecklenburger Sonntagsblatt vom 31. Mai 1970 lesen konnte:
New Look - ökumenisch
Ein Schiff, das sich Gemeinde nennt,
treibt flott im Sog der Zeit.
Am Horizont ein Leuchtturm brennt,
doch der ist fremd und weit.
Die Nadel im Kompassgehäuse
weist längst nicht mehr nach Nord.
Das Logbuch fraßen die Mäuse.
Die Seekarte flog über Bord.
Sie ändern die Farben des Standers [Flagge].
Sie ändern den Kurs ohne Scheu.
Sie machen alles anders...
Ein anderer macht alles neu.(3)
An dieser Stelle kann ich nur für mich
sprechen. Das Selbstverständnis und die Zielsetzung des „Ökumenischen Jahres der
Bibel" lösen das Problem, denn sie schließen mich - als Gegner des ökumenischen
Prozesses - von jeder Mitarbeit beim Jahr der Bibel aus. Ich bin von vornherein
nicht erwünscht, weil meine Überzeugung der Intention der Veranstalter
widerspricht.
Aber dennoch möchte ich mit ganzer Kraft versuchen, nicht nur zu einem „Jahr der
Bibel", sondern zu einem Leben mit der Bibel zu ermutigen und dazu die sich
bietenden Möglichkeiten und Anknüpfungspunkte im kommenden Jahr zu nutzen.
Wir werden dankbar sein für jede Bibel, die im „Jahr der Bibel" gekauft und
hoffentlich auch gelesen wird und wir wollen beten und darauf vertrauen, dass
das Wort Gottes in vielen Herzen und Leben Veränderung schafft.
(1) W. Künneth/P.Beyerhaus: Reich
Gottes oder Weltgemeinschaft, Verlag der Liebenzeller Mission, S. 311
(2) Ebd. S.73
(3) Ebd. S. 2
aus der Zeitschrift "Fest und
Treu" - www.clv.de
|