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Kurzbiographie: Jacob Gerrit Fijnvandraat (1925-2012) - G. Naujoks
      

 

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Kurzbiographie: Jacob Gerrit Fijnvandraat (1925-2012)
G. Naujoks
© G. Naujoks    Zugriffe: 10966    seit: 11.08.2007  


 


Jugend und Familie

Jacob (Jaap) Gerrit Fijnvandraat wurde am 30. November 1925 in Amersfoort (Niederlande) als Kind gläubiger Eltern geboren. Sein Vater war Evangelist und Bibellehrer. Nach seiner Ausbildung zum Lehrer an einer pädagogischen Hochschule (1942-1946) erwarb er im selben Jahr eine „Acte“ für Mathematik, was ihn später veranlasste, an einer weiterführenden Schule zu arbeiten. Anschließend war er drei Jahre im Militärdienst bei den medizinischen Truppen (1946-1949) und arbeitete danach zehn Jahre lang als Lehrer. Zuerst war er an Schulen in Apeldoorn und Koudum beschäftigt, dann bekam er 1950 eine feste Anstellung in Sint Annaparochie, einem Dorf in Friesland, wo er an einer Schule Mathematik, Buchhaltung und kaufmännisches Rechnen unterrichtete. In dieser Zeit heiratete er 1955 seine Frau, Gré H. Wilts aus Apeldorn, mit der er bis zu ihrem Tod am 29. Dezember 2006 verheiratet war. Sie bekamen fünf Kinder, von denen das jüngste 1978 im Alter von zwölf Jahren durch einen Unfall starb. Jaap Fijnvandraat ist im Alter von 86 Jahren am 31. März 2012 in Eindhoven heimgegangen.

Der Evangelist

J.G. Fijnvandraat wusste sich bereits früh zum Evangelisten berufen — aus innerer Überzeugung: „Ich kann nicht sagen, dass ich eine Stimme aus dem Himmel hörte, aber ich wusste, was der Herr wollte.“ Seine Frau Gré sagte einmal dazu: „Als er mir einen Heiratsantrag machte, sagte er: ,Ich bin Lehrer, aber ich hoffe, das nicht zu bleiben.‘ Das war genau das, wonach ich mich sehnte.“

Schon in jungen Jahren verkündete er das Evangelium: Nach seiner Lehrerausbildung begann er bereits 1946/47 als 21-Jähriger auf den Straßen in Amersfoort und in den umliegenden Orten zu predigen. Einige Jahre später, 1950, zog er aus beruflichen Gründen nach Sint Annaparochie in Friesland und evangelisierte dort nebenberuflich in seiner freien Zeit. Mit Unterstützung seiner Frau und der Gemeinde in Leeuwarden gab er 1959 seinen Beruf auf und wurde vollzeitlicher Evangelist.

In der Provinz Friesland war J.G. Fijnvandraat zusammen mit anderen schon ab 1951 evangelistisch aktiv — durch Straßenpredigten und Zeltveranstaltungen im Sommer und bei Zusammenkünften in Gaststätten im Winter. Ab 1958 bis 1976 kam dann ein mobiler Evangelisationssaal zum Einsatz, und Jaap Fijnvandraat bildete zusammen mit Cees J. Vink, seinem zwei Jahre älteren Bruder Johannes (Johann) Philippus Fijnvandraat und später mit Berend (Bé) Ottens das sogenannte Mobilsaal-Team. Zwei ehemalige städtische Busse und eine fünf Meter breite Zwischenkonstruktion wurden so aufgebaut, dass auf diese Weise ein kleiner überdachter Saal entstand, der etwa hundert Personen fasste. Mit diesem Mobilsaal wurden die Dörfer in Nord- und Nordost-Friesland besucht. Dort wurden mittags Kinderstunden und abends Zusammenkünfte für Erwachsene abgehalten. Viele kamen zum Glauben.

Literatur

Die Erfolge bei den Evangelisationen machten es notwendig, an den Bekehrten Nacharbeit zu leisten. Dies geschah durch schriftliche Bibelkurse, die nun angeboten wurden — zuerst für Kinder, die B. Ottens zusammenstellte, und dann auch für Erwachsene, die J.G. Fijnvandraat schrieb. 1965 entstand auf diese Weise der Bibelkurs „Wat Zegt de Bijbel?“ (Was sagt die Bibel?). Diese Arbeit wuchs unaufhörlich, so dass sich daraus mit den Jahren ein Bibelkurs-Institut entwickelte, das vielen Christen aus verschiedenen Kirchen und christlichen Kreisen zum Segen wurde.

In den sechziger Jahren begann J.G. Fijnvandraat dann auch mit dem Verkauf christlicher Lektüre: Zu Beginn waren es vor allem Bibelstudienbücher aus zweiter Hand, missionarische Schriften und neue Bibelstudienbücher. Durch An- und Verkauf von Büchern konnte er auch seinen eigenen Lesehunger stillen und selbst eine beeindruckende Bibliothek zusammenstellen. Für den Buchverkauf fand er einen festen Verkaufsort vorteilhafter und begann aus diesem Grund 1973 damit, die Lektüre direkt aus dem Literaturdepot heraus in seiner Garage neben seinem Haus zu verkaufen.

Vier Jahre später, 1977, führten diese beiden Aktivitäten — das Anbieten von schriftlichen Bibelkursen und der Verkauf von Büchern — dazu, dass J.G. Fijnvandraat und andere die Stiftung „Wat zegt de Bijbel?“ gründeten. Deren Ziel war (und ist immer noch) die Erbauung von Christen durch Abfassen, Bereitstellen und Verbreitung von schriftlichen Bibelkursen sowie die Gründung von evangelischen Buchhandlungen. Buchverkauf und Bibelkurse bildeten von Anfang an die beiden Arbeitszweige in der Stiftung.

Schließlich konnte 1984 im Stadtzentrum von Leeuwarden ein Schuppen gemietet und ein Jahr später ein Haus neben der Wohnung von Bée Ottens übernommen werden, was zum Aufbau der ersten evangelischen Buchhandlung in Leeuwarden führte. In der Zwischenzeit ist daraus eine landesweite Kette geworden, die unter dem Namen De Fakkel (Die Fackel) mehr als zehn Buchhandlungen und eine Internetbuchhandlung betreibt. In den ersten Jahren des Bestehens arbeitete J.G. Fijnvandraat zuweilen wöchentlich bis zu drei Tage in der Buchhandlung, merkte jedoch, dass diese Tätigkeit sich auf Dauer nicht gut mit seiner Arbeit als Evangelist vereinbaren ließ, und gab sie deshalb an einen Mitarbeiter ab. Er blieb der Buchhandlung jedoch durch die Leitung der Stiftung weiterhin verbunden.

Der Jugendleiter

J.G. Fijnvandraat war außerdem in der Jugendarbeit sehr aktiv. Mehr als vierzig Jahre lang, von 1951 bis 1993, leitete er Jungenzeltlager. Zuerst fanden diese Zeltlager an verschiedenen Plätzen statt, seit 1965 hatten sie ihren festen Standort an einem abgelegenen Platz in Doetinchem. Dort konnte die Stiftung für Jugend und Erholung „Oase“, mit dessen Leitung er betraut war, 1971 ein Bauernhof mit dem umliegenden Land erwerben werden. Seine Frau war für die Küche verantwortlich und ebenfalls Mitleiterin der Mädchenlager, die später ebenfalls auf dem Gebiet der „Oase“ stattfanden.

Der Bibellehrer und Schriftsteller

J.G. Fijnvandraat hatte keine besondere theologische Ausbildung genossen, eignete sich aber durch Selbststudium sowie durch den Besuch von Bibelstudiengruppen und Bibelstudienkonferenzen große Bibelkenntnis an. Es war sein Wunsch, auch den durch Evangelisationen Gläubiggewordenen ein gutes Bibelwissen zu vermitteln — durch die schriftlichen Bibelkurse, später durch Bibelstudienbücher und seine eigenen Schriften. Viele Jahre war er als Bibellehrer sowohl in den Niederlanden als auch im Ausland tätig, führte Hausbibelgespräche durch und nahm an Bibelstudienkonferenzen teil. Neben der Erstellung der Bibelkurse ist er Autor und Mitautor von über vierzig Büchern und Broschüren und schrieb regelmäßig für die Zeitschrift De Bode van het Heil in Christus (Der Bote des Heils in Christus), deren Redaktionsmitglied er auch einige Jahre war.

Ein neuer Arbeitsbereich

Auch im hohen Alter war J.G. Fijnvandraat immer noch aktiv. Seitdem aber 2000 mit 74 Jahren eine Herzerkrankung bei ihm festgestellt wurde, konnte er seinen bisherigen Dienst nicht mehr in gleicher Weise fortführen, sondern musste seine Tätigkeiten hauptsächlich auf das Schreiben beschränken. So werden immer noch viele aktuelle Artikel von ihm veröffentlicht, nun auf seiner Website. Die Internetarbeit sah er als die Fortsetzung seines Dienstes an. Er veröffentlichte dort Bibelstudien und andere geistliche Lektüre, Rezensionen sowie Analysen der Entwicklung innerhalb der Versammlungen der „geschlossenen Brüder“. Auch viele seiner älteren Artikel aus Bode van het Heil in Christus sind dort zu finden sowie Erlebnisse aus seiner Zeit als Evangelist. Neben Druck-Erzeugnissen (Schriften, Bücher, Zeitungsartikel) sah er in den modernen Medien (Radio, Fernsehen, Internet) eine gute Möglichkeit, das Evangelium zu verkünden und auf biblische Begriffe für das tägliche Leben und für das Zusammenkommen hinzuweisen.

Der Bruder

Da J.G. Fijnvandraat in den Versammlungen der „geschlossenen Brüder“ aufgewachsen war, kannte er diese Glaubensgemeinschaft durch und durch. An der Brüderbewegung schätzte er vor allem ihre tiefgehenden Schriftauslegungen. Der „Brüderliteratur“ verdankte er entscheidende Anstöße und Einsichten in seinem Leben, besonders Schriften von C.H. Mackintosh (Miscellaneous Writings), H.A. Ironside, J.N. Darby (Collected Writings) und H. Rossier.

Neben den Stärken der Brüderbewegung sah er die „geschlossenen Brüder“ jedoch auf der anderen Seite in der Gefahr, sektiererisch zu sein und sich zu stark von anderen Christen abzusondern. Auch beobachtete er gerade in den letzten Jahren mit Besorgnis „eine unzureichende fundierte Schriftauslegung“ in den Gemeinden. Bei der Bewegung der Gemeinden aus der sektiererischen Enge hinaus konnte er dort auch nur mit gemischten Gefühlen in den letzten Jahren viele Veränderungen beobachten, wie z.B. den zunehmenden charismatischen Einfluss; man stehe in der Gefahr, diesen oft nicht schriftgemäßen Lehren die Tür zu öffnen und ihnen zu erliegen. In heute auf dem christlichen Büchermarkt erscheinender Lektüre würden neue, charismatische und andere fremde Auffassungen, die den alten Bibelerkenntnissen entgegengesetzt sind, teilweise durch Lehrer aus den eigenen Reihen hineingebracht. Dass diese Lehrer gleichzeitig sowohl veränderte Auffassungen als auch gute Bibelstudien bringen, verstärke die Verwirrung nur. J.G. Fijnvandraat warnt auf seiner Website (www.jaapfijnvandraat.nl) in etlichen Artikeln vor einigen solchen extremen und nicht schriftgemäßen Lehren. Zwei Rezensionen von ihm zu Büchern von W.J. Ouweneel wurden übersetzt und auf www.soundwords.de veröffentlicht: „Rezension: Seks in de Kerk (Sex in der Kirche)“ und „Rezension: Heilt die Kranken“. J.G. Fijnvandraat gehörte in den letzten Jahren vor seinem Tod der ehemals „geschlossenen“ Brüdergemeinde in Leeuwarden an.


von J.G. Fijnvandraat genehmigte Kurzbiographie

 

Letzte Aktualisierung am 20.9.2013
 

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