Jugend und Familie
Jacob (Jaap) Gerrit Fijnvandraat wurde am 30. November 1925 in Amersfoort (Niederlande)
als Kind gläubiger Eltern geboren. Sein Vater war Evangelist und
Bibellehrer. Nach seiner Ausbildung zum Lehrer an einer pädagogischen
Hochschule (1942-1946) erwarb er im selben Jahr eine „Acte“ für Mathematik, was ihn
später veranlasste, an einer weiterführenden Schule zu arbeiten.
Anschließend war er drei Jahre im Militärdienst bei den
medizinischen Truppen (1946-1949) und arbeitete danach zehn Jahre lang als Lehrer. Zuerst war er
an Schulen in Apeldoorn und Koudum beschäftigt, dann bekam er 1950 eine
feste Anstellung in Sint Annaparochie, einem Dorf in Friesland, wo er an
einer Schule Mathematik, Buchhaltung und kaufmännisches Rechnen
unterrichtete. In dieser Zeit heiratete er 1955 seine Frau, Gré H. Wilts
aus Apeldorn, mit der er bis zu ihrem Tod am 29. Dezember 2006 verheiratet war.
Sie bekamen fünf Kinder, von denen das jüngste 1978 im Alter von zwölf Jahren durch einen Unfall
starb. Jaap Fijnvandraat ist im Alter von 86 Jahren am 31. März 2012 in Eindhoven
heimgegangen.
J.G. Fijnvandraat wusste sich bereits früh zum Evangelisten berufen — aus innerer Überzeugung:
„Ich kann nicht sagen, dass ich eine Stimme
aus dem Himmel hörte, aber ich wusste, was der Herr wollte.“ Seine
Frau Gré sagte einmal dazu: „Als er mir einen Heiratsantrag machte,
sagte er: ,Ich bin Lehrer, aber ich hoffe, das nicht zu bleiben.‘ Das war
genau das, wonach ich mich sehnte.“
Schon in jungen Jahren verkündete er das Evangelium: Nach seiner
Lehrerausbildung begann er bereits 1946/47 als 21-Jähriger auf den Straßen in
Amersfoort und in den umliegenden Orten zu predigen. Einige Jahre später,
1950, zog er aus beruflichen Gründen nach Sint Annaparochie in Friesland
und evangelisierte dort nebenberuflich in seiner freien Zeit. Mit
Unterstützung seiner Frau und der Gemeinde in Leeuwarden gab er 1959
seinen Beruf auf und wurde vollzeitlicher Evangelist.
In der Provinz Friesland war J.G. Fijnvandraat zusammen mit anderen schon
ab 1951 evangelistisch aktiv — durch Straßenpredigten und Zeltveranstaltungen
im Sommer und bei Zusammenkünften in Gaststätten im Winter. Ab 1958 bis
1976 kam dann ein mobiler Evangelisationssaal zum Einsatz, und Jaap Fijnvandraat
bildete zusammen mit Cees J. Vink, seinem zwei Jahre älteren Bruder Johannes
(Johann) Philippus Fijnvandraat und später mit Berend (Bé) Ottens das
sogenannte
Mobilsaal-Team. Zwei ehemalige städtische Busse und eine fünf
Meter breite Zwischenkonstruktion wurden so aufgebaut, dass auf diese Weise
ein kleiner überdachter Saal entstand, der etwa hundert Personen fasste.
Mit diesem Mobilsaal wurden die Dörfer in Nord- und Nordost-Friesland
besucht. Dort wurden mittags Kinderstunden und abends Zusammenkünfte für
Erwachsene abgehalten. Viele kamen zum Glauben.
Die Erfolge bei den Evangelisationen machten es notwendig, an
den Bekehrten Nacharbeit zu leisten. Dies geschah durch schriftliche Bibelkurse, die
nun angeboten wurden — zuerst für Kinder, die B. Ottens zusammenstellte,
und dann auch für Erwachsene, die J.G. Fijnvandraat schrieb. 1965 entstand
auf diese Weise der Bibelkurs „Wat Zegt de Bijbel?“ (Was
sagt die Bibel?). Diese Arbeit wuchs unaufhörlich, so dass sich
daraus mit den Jahren ein Bibelkurs-Institut entwickelte, das vielen
Christen aus verschiedenen Kirchen und christlichen Kreisen zum Segen wurde.
In den sechziger Jahren begann J.G. Fijnvandraat dann auch mit dem
Verkauf christlicher Lektüre: Zu Beginn waren es vor allem
Bibelstudienbücher aus zweiter Hand, missionarische Schriften und neue
Bibelstudienbücher. Durch An- und Verkauf von Büchern konnte er auch
seinen eigenen Lesehunger stillen und selbst eine beeindruckende Bibliothek
zusammenstellen. Für den Buchverkauf fand er einen festen Verkaufsort
vorteilhafter und begann aus diesem Grund 1973 damit, die Lektüre direkt
aus dem Literaturdepot heraus in seiner Garage neben seinem Haus zu
verkaufen.
Vier Jahre später, 1977, führten diese beiden Aktivitäten — das Anbieten
von schriftlichen Bibelkursen und der Verkauf von Büchern — dazu, dass
J.G. Fijnvandraat und andere die Stiftung „Wat zegt de Bijbel?“
gründeten. Deren Ziel war (und ist immer noch) die Erbauung von Christen
durch Abfassen, Bereitstellen und Verbreitung von schriftlichen Bibelkursen
sowie die Gründung von evangelischen Buchhandlungen. Buchverkauf und
Bibelkurse bildeten von Anfang an die beiden Arbeitszweige in der Stiftung.
Schließlich konnte 1984 im Stadtzentrum von Leeuwarden ein Schuppen
gemietet und ein Jahr später ein Haus neben der Wohnung von Bée Ottens übernommen werden, was
zum Aufbau der ersten evangelischen Buchhandlung in Leeuwarden führte. In
der Zwischenzeit ist daraus eine landesweite Kette geworden, die unter dem
Namen De Fakkel (Die Fackel) mehr als zehn Buchhandlungen und eine
Internetbuchhandlung betreibt. In den ersten Jahren des Bestehens arbeitete
J.G. Fijnvandraat zuweilen wöchentlich bis zu drei Tage in der Buchhandlung,
merkte jedoch, dass diese Tätigkeit sich auf Dauer nicht gut
mit seiner Arbeit als Evangelist vereinbaren ließ, und gab sie deshalb an
einen Mitarbeiter ab. Er blieb der Buchhandlung jedoch durch die Leitung der
Stiftung weiterhin verbunden.
J.G. Fijnvandraat war außerdem in der Jugendarbeit sehr aktiv. Mehr als
vierzig Jahre lang, von 1951 bis 1993, leitete er Jungenzeltlager. Zuerst
fanden diese Zeltlager an verschiedenen Plätzen statt, seit 1965 hatten sie
ihren festen
Standort an
einem abgelegenen Platz in Doetinchem. Dort konnte die Stiftung für Jugend und Erholung „Oase“, mit
dessen Leitung er betraut war, 1971 ein Bauernhof mit
dem umliegenden Land erwerben werden. Seine Frau war für die
Küche verantwortlich und ebenfalls Mitleiterin der Mädchenlager, die
später ebenfalls auf dem Gebiet der „Oase“ stattfanden.
J.G. Fijnvandraat hatte keine besondere theologische Ausbildung genossen,
eignete sich aber durch Selbststudium sowie durch den Besuch von
Bibelstudiengruppen und Bibelstudienkonferenzen große Bibelkenntnis an. Es
war sein Wunsch, auch den durch Evangelisationen Gläubiggewordenen ein
gutes Bibelwissen zu vermitteln — durch die schriftlichen Bibelkurse,
später durch Bibelstudienbücher und seine eigenen Schriften. Viele Jahre
war er als Bibellehrer sowohl in den Niederlanden als auch im Ausland tätig,
führte Hausbibelgespräche durch und nahm an Bibelstudienkonferenzen teil.
Neben der Erstellung der Bibelkurse ist er Autor und Mitautor von über
vierzig Büchern und Broschüren und schrieb regelmäßig für die
Zeitschrift De Bode
van het Heil in Christus (Der Bote des Heils in Christus), deren
Redaktionsmitglied er auch einige Jahre war.
Auch im hohen Alter war J.G. Fijnvandraat immer noch aktiv.
Seitdem aber 2000 mit 74 Jahren eine Herzerkrankung bei ihm
festgestellt wurde, konnte er seinen bisherigen Dienst nicht mehr in
gleicher Weise fortführen, sondern musste seine Tätigkeiten hauptsächlich
auf das Schreiben beschränken. So werden immer noch viele aktuelle Artikel
von ihm veröffentlicht, nun auf seiner Website. Die Internetarbeit sah er
als die Fortsetzung seines Dienstes an. Er veröffentlichte dort Bibelstudien
und andere geistliche Lektüre, Rezensionen sowie Analysen der Entwicklung
innerhalb der Versammlungen der „geschlossenen Brüder“. Auch
viele seiner älteren Artikel aus Bode van het Heil in Christus
sind dort zu finden sowie Erlebnisse aus seiner Zeit als Evangelist. Neben Druck-Erzeugnissen
(Schriften, Bücher, Zeitungsartikel) sah er in den
modernen Medien (Radio, Fernsehen, Internet) eine gute Möglichkeit, das
Evangelium zu verkünden und auf biblische Begriffe für das tägliche Leben
und für das Zusammenkommen hinzuweisen.
Da J.G. Fijnvandraat in den Versammlungen der „geschlossenen
Brüder“ aufgewachsen war, kannte er diese Glaubensgemeinschaft durch
und durch. An der Brüderbewegung schätzte er vor allem ihre tiefgehenden Schriftauslegungen. Der
„Brüderliteratur“ verdankte er
entscheidende Anstöße und Einsichten in seinem Leben, besonders Schriften
von C.H. Mackintosh (Miscellaneous Writings), H.A. Ironside, J.N. Darby
(Collected Writings) und H. Rossier.
Neben den Stärken der Brüderbewegung sah er die „geschlossenen
Brüder“ jedoch auf der anderen Seite in der Gefahr,
sektiererisch zu sein und sich zu stark von anderen Christen abzusondern.
Auch beobachtete er gerade in den letzten Jahren mit
Besorgnis
„eine unzureichende fundierte Schriftauslegung“ in den Gemeinden.
Bei der Bewegung der Gemeinden aus der sektiererischen Enge hinaus konnte er
dort auch nur mit gemischten Gefühlen in den letzten Jahren viele
Veränderungen beobachten, wie z.B. den zunehmenden charismatischen
Einfluss; man stehe in der Gefahr, diesen oft nicht schriftgemäßen
Lehren die Tür zu öffnen und ihnen zu erliegen. In heute auf dem
christlichen Büchermarkt erscheinender Lektüre würden neue, charismatische
und andere fremde Auffassungen, die den alten Bibelerkenntnissen
entgegengesetzt sind, teilweise durch Lehrer aus den eigenen Reihen
hineingebracht. Dass diese Lehrer gleichzeitig sowohl veränderte
Auffassungen als auch gute Bibelstudien bringen, verstärke die Verwirrung
nur. J.G. Fijnvandraat warnt auf seiner Website (www.jaapfijnvandraat.nl)
in etlichen Artikeln vor einigen solchen extremen und nicht schriftgemäßen
Lehren. Zwei Buchrezensionen von ihm wurden übersetzt und
auf www.soundwords.de veröffentlicht: „Rezension:
,Sex in der Kirche‘ (von W.J. Ouweneel)“ und „Rezension:
,Heilt die Kranken‘ (von W.J. Ouweneel)“. J.G. Fijnvandraat gehörte
in den letzten Jahren der ehemals „geschlossenen“
Brüdergemeinde in Leeuwarden an.
von J.G. Fijnvandraat genehmigte
Kurzbiographie
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