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In einem der
vorigen Abschnitte haben wir im Überblick die Ereignisse gesehen, die nach dem
Kommen des Herrn für die Seinen in Erfüllung von 1. Thessalonicher 4,15-18
ablaufen werden. In diesem Zusammenhang wurde gesagt: „Die Drangsalszeit
des Schreckens, der Angst und der Prüfung ist gekommen“ (H.u.N. 1988, S. 211
Mitte; vgl. Mt 24,21-22). Dem Schreiber sind die unterschiedlichen Ansichten zu
der Frage „Wird die Kirche durch die Drangsal gehen?“ bekannt. Und er
legt den Standpunkt derer dar, die glauben, dass die Schrift uns darauf die
Antwort Nein gibt.
Bevor wir auf
die einzelnen Argumente zu sprechen kommen, wollen wir klar festlegen, wovon wir
reden:
Mit Kirche ist
der Leib Christi gemeint, der aus allen an Ihn Glaubenden besteht, „die
Versammlung, welche sein Leib ist“ (Eph 1,22ff). Sie wird seit Pfingsten
durch den Heiligen Geist gebildet. „Denn auch in einem Geiste sind wir alle
zu einem Leibe getauft worden, … und sind alle mit einem Geiste getränkt
worden“ (1Kor 12,13).
Mit Drangsal
ist eine Zeit unvergleichlicher Prüfungen und Leiden gemeint, die über die
ganze Erde kommen wird und über alle, die auf ihr wohnen. An folgenden Stellen
spricht die Schrift von dieser großen Drangsal:
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Daniel 12,1: „Und es wird eine Zeit der Drangsal sein, dergleichen nicht gewesen ist,
seitdem eine Nation besteht bis zu jener Zeit.“
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Matthäus 24,21: „Alsdann wird große Drangsal sein, dergleichen von Anfang der Welt bis
jetzthin nicht gewesen ist, noch je sein wird.“
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Jeremia 30,7: „Wehe! Denn groß ist jener Tag, ohnegleichen, und es ist eine Zeit der
Drangsal für Jakob; doch wird er aus ihr gerettet werden.“ Dieser Vers
zeigt, dass die Juden davon betroffen sein werden.
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Offenbarung 3,10: „… werde auch ich dich bewahren vor der Stunde der Versuchung (Prüfung),
die über den ganzen Erdkreis kommen wird, um die zu versuchen, welche auf der
Erde wohnen.“
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Hesekiel 20,34: „Und ich werde euch herausführen aus den Völkern
… mit starker Hand … und mit ausgegossenen Grimm.“ Die Gerichte der „Schalen“ in
Offenbarung 16 geben uns einen Hinweis darauf, was das sein wird: „Gehet
hin und gießet die sieben Schalen des Grimmes Gottes aus auf die Erde“ (V.
1). Der Ausdruck „Grimm Gottes“ wird diese Zeit charakterisieren.
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Vor dem Kommen
des Herrn, das in Offenbarung 19,11-16 beschrieben wird, lesen wir von
einer großen Volksmenge, die mit weißen Gewändern bekleidet ist (Offb 7,13);
von ihnen wird gesagt: „Dies sind die, welche aus der großen Drangsal kommen.“ Daraus können wir entnehmen, dass sich diese schreckliche Zeit
vor dem Erscheinen des Herrn in großer Herrlichkeit ereignen wird, das in Matthäus
24,30 prophezeit wird und in Offenbarung 19,11-16 seine Erfüllung
findet.
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Der Herr Jesus macht das auch deutlich, wenn Er in Matthäus 24 zu
Seinen Jüngern spricht. Er sagt:
„Alsbald
aber nach der Drangsal jener Tage wird die Sonne verfinstert werden … Und
dann wird das Zeichen des Sohnes des Menschen in dem Himmel erscheinen; … und
sie werden den Sohn des Menschen kommen sehen auf den Wolken des Himmels mit
Macht und großer Herrlichkeit“ (Mt 24,29-30).
Aus folgenden
Gründen glauben wir, dass die Kirche nicht durch diese große Drangsal gehen
wird:
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Weil der größte
Teil der Kirche bereits in der Herrlichkeit sein wird, wenn die Drangsal
eintreten würde, während noch Gläubige auf der Erde sind. Millionen sind
bereits gestorben, sind bei Christus und erwarten die Auferstehung, wenn Er
kommt.
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Weil die
Kirche der Leib Christi ist, und wenn sie durch die Drangsal gehen müsste, würde
das bedeuten, dass Christus noch einmal unter dem Gericht Gottes leiden müsste.
Es ist eine Zeit des Zorns, der Rache und des Grimmes vonseiten Gottes. Dass
die Kirche als der Leib Christi und Er als das Haupt diese Zeit erdulden müssten,
ist undenkbar.
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Die Hoffnung
der Kirche ist auf die Entrückung gerichtet und nicht auf den Zorn Gottes. „Also ist jetzt keine Verdammnis für die, welche in Christo Jesu
sind“ (Röm 8,1). „Da wir jetzt durch sein Blut gerechtfertigt sind, werden wir durch ihn
gerettet werden vom Zorn“ (Röm 5,9). „Jesus, der uns errettet von dem kommenden
Zorn“
(1Thes 1,10). „Denn Gott hat uns nicht zum Zorn gesetzt“ (1Thes 5,9).
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Der Herr gab
im Besonderen der Versammlung in Philadelphia die Verheißung: „Weil du das
Wort meines Ausharrens bewahrt hast, werde auch ich dich bewahren vor der Stunde
der Versuchung, die über den ganzen Erdkreis kommen wird“ (Offb 3,10).
Aufgrund der historischen und prophetischen Aspekte der ganzen
Kirchengeschichte, die in den Sendschreiben an die sieben Versammlungen in
Offenbarung 2 und 3 zum Ausdruck kommen, glauben wir, dass Philadelphia die Gläubigen
charakterisiert, die wirklich in dem Besitz des Lebens sind und das Zeugnis
Christi darstellen, und sich auf die Gläubigen bei dem Kommen des Herrn
bezieht. So wie Noah (1Mo 7) während der Flut beschützt und bewahrt blieb,
Henoch jedoch „entrückt“ wurde (Heb 11,5), bevor die Flut kam und
somit vor ihr bewahrt wurde, also überhaupt nicht in sie hineinkam, so glauben
wir, dass der gleiche Unterschied besteht zwischen dem jüdischen Überrest samt
denen, die das Zeichen des Tieres nicht annehmen und während (innerhalb) der
Drangsal bewahrt werden, und andererseits der Versammlung, die vor ihr bewahrt
wird. So wie Henoch vor der Flut entrückt wurde, so wird die Versammlung im
Himmel bei Christus sein, bevor die Gerichte der großen Drangsal losbrechen.
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Paulus, dem
die Wahrheiten über die Kirche anvertraut waren, warnt nicht ein einziges Mal
vor der Drangsal. Er befasst sich mit jeder wichtigen Wahrheit außer jener. Im
Gegenteil, er tröstet die Gläubigen in Thessalonich, indem er ihnen sagt, dass
die Drangsal sie nicht erreichen wird (1Thes 5,4; 2Thes 2,2). Beide
Stellen beziehen sich auf den Tag des Herrn, von dem der Apostel wusste, dass er
mit dem Erscheinen des Herrn beginnen würde, und er sagt ihnen, dass sie sich
deswegen in ihren Herzen nicht erschüttern lassen brauchen. Er wusste, dass
sie dann gar nicht mehr hier sein würden.
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In 1.
Thessalonicher 4,15 schreibt Paulus von den „Lebenden, die übrig bleiben
bis zur Ankunft des Herrn“. In Offenbarung 13,15 wird uns mitgeteilt, dass
dem zweiten Tier, das Johannes sah, gegeben wurde, „dem Bilde des Tieres
Odem zu geben … und bewirkte, dass alle getötet wurden, die das Bild des
Tieres nicht anbeteten“. Wir können uns nicht vorstellen, dass Gläubige
das täten, und folglich würden sie alle getötet werden, bevor der Herr kommt.
Sein Kommen auf diese Erde wird erst nach der Beendigung der Drangsal (Mt 24,29-30)
stattfinden. Es gäbe dann also — im Widerspruch zu 1. Thessalonicher 4,15 —
gar keine
lebenden Gläubigen mehr hier, wenn die Kirche durch die große Drangsal gehen
müsste.
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In
Offenbarung 13,16 lesen wir überdies davon, dass das Tier alle, sowohl Kleine
als auch Große, Reiche und Arme, Freie und Knechte veranlassen wird, das
Malzeichen des Tieres anzunehmen an ihre rechte Hand oder an ihre Stirn, und dass
niemand kaufen oder verkaufen kann, ohne dieses Zeichen zu tragen. Wir können
uns nicht vorstellen, dass Menschen, die wahrhaft an den Herrn Jesus Christus
glauben, dieses Zeichen annehmen. Es ist offenbar, dass sie dann nicht mehr auf
der Erde sein werden.
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Paulus macht
zwischen den beiden Phasen der Wiederkunft des Herrn eine sehr klare
Unterscheidung. Zuerst kommt Er für die Seinen (1Thes 4,13-17) und später
dann mit den Seinen (Kol 3,4; Jud 14; Offb 19,14). Er verbindet diese beiden
als unabhängige Ereignisse in 2. Thessalonicher 2,1-2 und Titus 2,13. Die
Drangsal, die sich vor dem Erscheinen des Herrn ereignet, muss zwischen beiden
stattfinden. Dass beide Ereignisse zur selben Zeit stattfinden, ist unmöglich,
denn das würde für die Gläubigen bedeuten, entrückt zu werden und
gleichzeitig wieder mit dem Herrn zurückzukommen.
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Viele
Stellen im Alten Testament weisen auf diese verschiedenen Ereignisse hin:
- 1. Mose 5,24: Henoch wurde entrückt, bevor die Flut kam. Noah wurde durch sie hindurch
gerettet (7,23).
- 1. Mose 19: Lot
wurde aus Sodom herausgeholt, bevor das Feuer des Gerichts herabfiel.
- 2. Mose 12,13:
Israel wurde während des Gerichts durch das Blut geschützt.
- Josua 2, 1-22:
Die beiden Kundschafter hatten Jericho
verlassen, bevor Jericho durch das Gericht Gottes vernichtet wurde.
- Josua 6,25: Rahab wurde während des Gerichts gerettet und am Leben erhalten.
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Der
Gesichtspunkt der Haushaltungen ist von außerordentlicher Bedeutung für unsere
Frage. Eine Haushaltung (Heilszeitalter) im Sinne der Schrift ist ein
Zeitabschnitt, in dem Gott mit dem Menschen auf bestimmten Wegen und unter
bestimmten Bedingungen handelt. So haben wir in 1. Mose 2 die Haushaltung der
Unschuld; in 1. Mose 3,23 die des Gewissens; in 1. Mose 8,20 menschliche
Regierung; in 1. Mose 12,1 Verheißung; in 2. Mose 19,8 das Gesetz; in
Johannes 1,17 Gnade und in Epheser 1,10 das Königreich. Diese bilden ein
Studium für sich, eine nähere Betrachtung würde hier zu weit führen. Wir
befinden uns jetzt in dem Zeitalter der Gnade. Die Gnade charakterisiert dieses
Zeitalter von Gottes Seite und erklärt auch, warum Gott jetzt nicht direkt in
die Angelegenheiten der Menschen eingreift, um die Sünde zu strafen. Aber Er
wird es einmal tun.
Die Gläubigen
werden als das Salz gesehen, das die völlige Entfaltung der Verderbtheit noch
aufhält, und das Böse wird sich noch nicht voll entfalten, solange die Gläubigen
noch nicht entrückt sind. Da die Drangsalszeit eine Zeit unermesslicher
Zorngerichte Gottes ist, kann sie nicht kommen, solange die Kirche noch hier
ist.
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Das Kommen
des Herrn zum Gericht (bei Seiner Erscheinung) wird in der Schrift als der Tag
des Herrn gesehen. Dieser Tag kann nicht kommen, es sei denn, dass der Mensch
der Sünde geoffenbart worden ist, und der Mensch der Sünde kann nicht
geoffenbart werden, weil „der, welcher zurückhält, bis er aus dem Wege ist“, noch da ist (2Thes 2,3-10). Diese Verse sollten sorgfältig
gelesen werden, denn sie enthalten den stärksten Beweis dafür, dass die Kirche
gar nicht durch die Drangsalsperiode gehen kann. In Vers 3 heißt es: „Dieser Tag kommt nicht, es sei denn, dass zuerst der Abfall komme und
geoffenbart worden sei der Mensch der Sünde.“ Dieser Vers bezieht sich auf
das zweite Tier in Offenbarung 13. Die Verse 6 und 7 weisen auf den hin, der „zurückhält“. Es ist der Heilige Geist, der das Böse gegenwärtig
hindert, sich völlig zu entfalten, wie es am Ende sein wird. Die Verse 7 und 8
weisen auf den hin, der „zurückhält“ und der weggenommen werden
wird, und dann wird „der Gesetzlose“ geoffenbart werden. Das ist
Satans Supermensch, der kommen wird; aber er kann nicht kommen, solange der
Heilige Geist als in der Kirche wohnend noch hier ist. Der Heilige Geist wohnt
in den Gläubigen und wird solange hier sein, wie auch nur ein Gläubiger noch
hier ist. All das macht es unmöglich, dass die Kirche während der
Drangsalszeit noch hier sein könnte.
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Die
Drangsal hat vor allem jüdischen Charakter. Es ist die Zeit der „Drangsal
für Jakob“. Jeremia 30,7 macht das deutlich. Damit sie stattfinden kann,
müssen die Juden wieder in ihrem Land sein und es ganz in Besitz haben. Die „Zeiten der
Nationen“ werden dann beendet sein. Nein, die Drangsal hat
überhaupt nichts mit der Kirche zu tun.
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Die
Wahrheit von dem Kommen des Herrn ist zur Ermunterung der Gläubigen (1. Thes.
4,18). Wenn aber zuerst die Drangsal kommen müsste, wie könnte darin eine
Ermunterung liegen? Das würde nur Furcht und böse Ahnungen bewirken, was auch
tatsächlich der Zustand der Thessalonicher war, weil sie die „Entrückung“
mit der „Erscheinung“ verwechselten.
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Der Ablauf
der Ereignisse im Himmel zeigt, dass, während die Gerichte Gottes auf die
fallen, die auf der Erde wohnen, die Kirche in der Gegenwart Christi sein wird.
Er wird die Seinen in das Haus des Vaters holen (Joh 14,2-3). Dann werden sie
vor dem Richterstuhl Christi erscheinen (2Kor 5,10), und danach wird die
Hochzeit des Lammes stattfinden (Offb 19,7-9)! Die Anordnung in 5. Mose 24,5,
wo ein Mann, der gerade geheiratet hatte, nicht in den Krieg zu ziehen brauchte
und auch keinerlei Sache auferlegt bekommen sollte, weist gewiss auch auf den
Herrn hin, der Sich Seiner Braut erfreuen wird, für die Er gestorben ist und für
die Er so lange Zeit in Liebe tätig war, ohne dass Seine Freude dabei von dem
Gedanken an ein sofortiges In-den-Krieg-Ziehen beeinträchtigt wird, wie es in
Offenbarung 19,11-15 beschrieben wird.
Dass die obigen
Ereignisse dem Kommen des Herrn für die Seinen folgen, wird aus der Schrift völlig
klar. Es entspricht ganz sicher nicht der Lehre der Schrift, wenn man annimmt,
dass alle diese Ereignisse gleichzeitig und in einem Augenblick stattfinden, als
wären die Entrückung und die Erscheinung ein und dasselbe Ereignis.
Der Umfang
dieser Schrift lässt weitere Hinweise nicht zu, obwohl es noch mehrere gibt.
Das hier Angeführte sollte genügen, um deutlich zu machen, dass die Schrift
klar bezeugt, dass die Kirche nicht durch die Drangsal gehen wird.
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