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Leitverse: 2. Könige 3,16–20
2Kön 3,16–20: Und er sprach: So spricht der HERR: Macht in diesem Tal
Grube an Grube. Denn so spricht der HERR: Ihr werdet keinen Wind sehen und
keinen Regen sehen, und doch wird dieses Tal sich mit Wasser füllen, so dass
ihr trinken werdet, ihr und eure Herden und euer Vieh. Und das ist noch gering
in den Augen des HERRN; er wird auch Moab in eure Hand geben. Und ihr werdet
alle festen Städte und alle auserlesenen Städte schlagen und werdet alle guten
Bäume fällen und alle Wasserquellen verstopfen und alle guten Feldstücke mit
Steinen verderben.
„Machet in diesem Tal Grube an Grube“ — Wie die, welche sich nach den
Segnungen Gottes sehnen, solche erlangen
Jenes große Heer in der Wüste Edom befand sich in einer schrecklichen
Gefahr. „Es war kein Wasser da“, und die Feinde, die Moabiter, sammelten
sich zum Angriff. „Kein Wasser“ war gleichbedeutend mit Unglück,
Niederlage, Vernichtung. Ohne Wasser konnten sie keinen Sieg erringen.
Sicherlich hatten sie danach gesucht, aber vergebens. Gott allein konnte diesen
Mangel beseitigen. Es gab keine Hoffnung für sie, außer auf Ihn zu vertrauen.
Aber sie waren ein abtrünniges Volk. Würde Gott Sich ihrer annehmen? —
Gewiss, Er erbarmte sich ihrer, und wie Er schon oft für ihre Befreiung
eingetreten war, so tat Er es auch jetzt durch seinen Propheten, der an seiner statt
sprach. Er gab ihnen, was sie so sehr nötig brauchten, und so kehrten sie
siegreich und mit Beute beladen aus dem Kampf heim.
Dieses Heer ohne Wasser ist ein lebendiges Bild von der ungeheuer großen
Zahl derer, die heute bekennen, das Volk Gottes zu sein — ein Bild der
Christenheit, die in Wirklichkeit kein Wasser hat. Aber ohne Wasser, ohne
lebendiges Wasser in diesem Fall, sind sie ein am Boden liegendes Volk, denn ein
Christ ohne Wasser kann den Moabiter nicht überwinden, der ein hervorstechendes
Bild des Alten Testamentes von dem bösen Fleisch mit seiner Selbstgefälligkeit
und seinen gottlosen Begierden ist.
Es ist so klar wie nur möglich, dass dieser wasser- und kraftlose Zustand
heute allgemein zutage tritt, und dieses Unglück ist zehnmal schlimmer, weil so
wenige es zu empfinden scheinen. Der Ritualismus, das kirchliche Formenwesen,
ist ohne Wasser, und doch wenden sich große Scharen dahin, in der Hoffnung,
Befriedigung für ihre Seelen zu finden; doch vergebens. Gefühle der Freude
mögen dort erzeugt werden, aber die Gewissen bleiben unberührt, denn man
füllt das Herz mit Formen und Gebräuchen anstatt mit Gott. Und der
Modernismus, die neue Theologie, ist der Weg in die Wüste, wo keine Quellen
sind. Er ist, wenn es möglich wäre, noch schlimmer als der Ritualismus. Er
bläht den Geist des Menschen mit unfruchtbarem Stolz auf und raubt ihm den Sinn
für das, was er so nötig hat, verführt ihn dazu, das Evangelium der Gnade
Gottes zu verachten. Er ist der breite Weg, der zum Verderben führt, und viele
sind derer, die auf ihm wandeln. Doch es gibt noch andere, die sich von den
allgemeinen Phrasen der Religion unserer Tage wegwenden, die Orthodoxen, die
wohl wahren Glauben haben, denen aber die Frische oder geistliche Kraft in ihrem
Leben fehlt. Gleich dem gottesfürchtigen Josaphat sind sie in die Wüste Edom
gelockt worden. Sie sind abtrünnig, und sie wissen und fühlen dies.
Doch es gibt noch andere, die nicht gerade abtrünnig, aber doch nicht
glücklich sind. Ihr Glaube an Christus hat sie nicht zur Freiheit, zum Sieg,
zur Freude gebracht, von denen die Bibel redet. Tatsache ist: Sie sind nicht zur
Fülle des Segens gekommen, die in Christus Jesus für sie ist. An diese
freudlosen Christen wende ich mich, und was ich ihnen zu sagen habe, wird ihnen
helfen, wenn sie hören. Es macht nichts aus, was die Ursache ihrer
Niedergeschlagenheit oder ihres unzufriedenen Lebens ist.
Elisa verhieß jenem Heer, das dem Verdursten nahe war, Wasser in Überfluss,
und Jesus, unser Herr, bietet euch eine überfließende Fülle lebendigen
Wassers an. Es sind Dinge von solchen berichtet, die Ihn kannten, die höchst
wunderbar sind. Erinnere dich an die Worte des geliebten Jüngers in dem ersten
Kapitel seines Evangeliums: „Das Wort ward Fleisch und wohnte unter uns voller
Gnade und Wahrheit … Und aus seiner Fülle haben wir alle empfangen und zwar
Gnade um Gnade.“ Denke an das gewaltige Meer, das Woge um Woge an das Ufer
rollt, um jede kleine Bucht, jede Spalte und jede Vertiefung zu füllen. Gleicht
die Gnade Jesu nicht diesem? Es ist so, denn dieser vom Heiligen Geist
inspirierte Mann beschreibt es so, was er selbst erfahren hat. Doch höre des
Herrn eigene Worte: „Wer irgend von dem Wasser trinken wird, das ich ihm geben
werde, den wird nicht dürsten in Ewigkeit; sondern das Wasser, das ich ihm
geben werde, wird in ihm eine Quelle Wassers werden, das ins ewige Leben quillt“
(Joh 4). Und an einer anderen Stelle sagt der Herr Jesus: „Wenn jemand
dürstet, so komme er zu mir und trinke. Wer an mich glaubt, gleichwie die
Schrift gesagt hat, aus dessen Leibe werden Ströme lebendigen Wassers fließen“
(Joh 7). Sind diese Aussprüche nicht unter den fesselndsten und herrlichsten,
die jemals aus seinem Mund hervorgingen? Es handelt sich hier nicht um Vergebung
der Sünden, wie wichtig diese Frage auch ist, noch um unsere Anwesenheit in dem
Himmel, wenn wir hier unten unseren Lauf vollendet haben, wofür wir Ihn dankbar
preisen, sondern um überfließendes Leben, das seinen Ausdruck findet in dem
Aufquellen glücklicher Anbetung und dem Hervorquellen beständigen Guten. Ist
dies möglich? Es muss so sein, denn dies sind die Worte Jesu, die Er von Gott
empfing, der nicht lügen kann.
Es ist die Fülle, die Woge um Woge in das Leben einströmt und die in
Strömen wieder hervorfließt. Sie strömt ein zu fortdauerndem Segen und sie
strömt aus in siegreichem Leben und Dienst. Sie strömt in ein bisher
unfruchtbares Leben ein und fließt in eine müde, befleckte, sündenbeladene
und vom Teufel bedrückte Welt aus, um zu heilen, zu trösten und zu befruchten,
wohin immer sie gelangt. Ich weiß, dein Herz sehnt sich danach; du magst
empfinden, dass du dies haben musst. Möchte dies sich noch mehr vertiefen, denn
je inniger dein Verlangen, desto größer wird deine Befriedigung sein. Doch wie
kann dies geschehen?
Kehren wir zu unserer Geschichte zurück. Der Mann Gottes sagt: „Macht in
diesem Tale Grube an Grube.“ Es ist klar, dass dies zu dem Zweck geschehen
sollte, um Raum für das Wasser zu schaffen. Es ist wohl nicht schwer, sich die
Rührigkeit vorzustellen, die dieser Befehl des Propheten unter den Gerüsteten
hervorrief. Kein Mann wollte untätig sein. Jede Hacke und jeder Spaten wurde
benutzt, und alles, was das Fließen des sehnsüchtig erwarteten Wassers hindern
mochte, wurde beseitigt, hierin liegt das Geheimnis. Zunächst erwäge die Worte
deines Herrn und Meister. Lass nicht die Tatsache, dass du bisher die Wahrheit
davon nicht empfunden hast, auf dich einwirken. Dein Versagen in der
Vergangenheit und dasjenige anderer ändert nichts an der Wahrheit. Sie steht in
ihrer erstaunlichen Einfachheit da und beschreibt, was für uns in Ihm ist und
was unsere Berührung mit Ihm für uns hervorbringt. „Dies aber sagte er von
dem Geist, welchen die an ihn Glaubenden empfangen sollten; denn noch war der
Geist nicht da, weil Jesus noch nicht verherrlicht worden war.“ Jetzt ist Er
verherrlicht, der höchste Platz im Himmel ist Ihm gegeben worden, der für uns
starb und wieder auferweckt wurde. Daher besteht kein Hindernis mehr zum
Ausfließen dieser Wasser von seiner Seite aus. Das Hindernis liegt bei uns. im
Namen unseres Herrn und durch die Gnade, die Er gibt, stehe auf und grabe! Mache
in dem Tal Grube an Grube. Schaffe Raum für die Segnung; nein, vielmehr Raum
für die Wirksamkeit des Heiligen Geistes. Wenn du dem Evangelium deines Heils
geglaubt hast, der guten Botschaft von Ihm, der für deine Sünden starb, der
begraben wurde und wieder auferweckt worden ist, dann hast du nicht nötig, um
den Geist zu bitten, denn dieser hat dich bereits versiegelt, wie die Schriften
bezeugen (Eph 1,13–14). Aber du musst in deinem Leben Raum für sein Wirken
machen sowie für die Segnungen, die Er bringt.
Es war in einem Tal, wo die Gruben zu machen waren. Erst wenn ein Mensch von
dem Berg seines Dünkels herabsteigt, sich vor Gott demütigt und seine
Mangelhaftigkeit erkennt, ist er passend und zum Graben bereit. Du hast dich
nach der Segnung gesehnt. Ist dieses Sehen tief genug, die Gruben zu graben und
alles beiseitezuschaffen, was das Fließen der Wasser hindert? Du weißt, was
Hindernisse sind, und wenn nicht, Gott will sie dir zeigen. Gehe mit dem Gebet
Davids auf den Lippen zu Ihm: „Erforsche mich, Gott, und erkenne mein Herz;
prüfe mich und erkenne meine Gedanken! Und siehe, ob ein Weg der Mühsal bei
mir ist, und leite mich auf ewigem Wege“ (Ps 139).
Doch es ist nicht dein Graben, welches das Wasser hervorbringt. Alles, was du
tun kannst, ist, Raum für das zu machen, was Gott für dich in Christus
bereitet hat und was nicht von Ihm getrennt werden kann. Gott hat die Segnungen
für alle Menschen, welche mit der Seligkeit zusammengehören, fest mit seinem
geliebten Sohn verbunden, und kein Mensch, sei er ein Heiliger oder Sünder,
kann gesegnet werden außer durch Ihn. Denn beachten wir wohl: „Es geschah am
Morgen, zur Zeit da man das Speisopfer opferte, siehe, da kam Wasser des Weges
von Edom her, und das Land füllte sich mit Wasser.“ Dieses Morgenopfer war
ein Schatten von der Kostbarkeit Christi für Gott. Wenn es im Glauben
dargebracht wurde, dann gab es Zeugnis davon, dass der Opfernde das
wertschätzte, was kommen würde. Lassen wir das Vorbild fallen und verbinden
wir seine Anwendung mit der Gegenwart, so wird die Vortrefflichkeit der
Erkenntnis Christi Jesu, unseres Herrn, eine Wirklichkeit für uns. Dann haben
wir unser Ergötzen an Ihm, an dem auch Gott das Seine hat.
Nur in einem solchen Herzenszustand sind wir bereit, Dinge auszuliefern,
Gruben zu graben. Philipper 2 bringt in sehr gesegneter Weise unseren Herrn als
das Gegenstück des Morgenspeisopfers vor uns, und in Kapitel 3 sagt Paulus: „Was
irgend mir Gewinn war, das habe ich um Christi willen für Verlust geachtet; ja
wahrlich, ich achte auch alles für Verlust, wegen der Vortrefflichkeit der
Erkenntnis Christi Jesu, meines Herrn, um dessentwillen ich alles eingebüßt
habe und es für Dreck achte, auf dass ich Christus gewinne.“ Wie trefflich
hat er doch Gruben gemacht, und wie groß war sein Lohn.
Der Mensch, der in irgendeinem Maß den Platz des Paulus einnimmt, in dessen
Seele die Wasser eingeströmt sind, wird gewiss den Moabiter überwinden, denn
das Fleisch hat keine Macht über den von Christus in Anspruch genommenen und
den vom Heiligen Geist erfüllten Heiligen. Ein solcher wandelt im Geist und
erfüllt nicht die Lüste des Fleisches. „Nicht ich, sondern Christus“ ist
sein Wahlspruch. Er ist mehr als Überwinder durch Ihn, der ihn geliebt, und er
wird zu einem geöffneten Kanal der Segnung für viele.
Nicht länger wird das Leben eines solchen Heiligen dem Weg der Wüste Edom
gleichen, sondern wo immer er ist, werden die Wasser fließen; in seinem Haus,
in seiner Schreibstube, in seiner Werkstatt, in seinem Dienst für den Herr, sei
es daheim oder draußen, im Leben und Zeugnis, Tag für Tag, Stunde für Stunde,
„Ströme lebendigen Wassers“!
Nur auf diese Weise können wir belebt werden, sowohl was unser persönliches
Christentum betrifft, als auch das in der Versammlung. Gott hält die Segnung
nicht zurück, die Hindernisse sind auf unserer Seite. Wir sind zu träge, Raum
für sie zu machen, wir hängen zu sehr an unseren Ansichten und Wegen und
unserer Wichtigkeit, an unserem Ich und unseren Interessen. Dies sind die
Hindernisse. Lasst uns im Tal Grube an Grube machen. Im Namen des Herrn stehe
auf und grabe!
aus der Monatszeitschrift Der
Dienst des Wortes, 11. Jahrgang (1933)
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