Der Prophet Maleachi (3)
Kapitel 3

Henry Allen Ironside

© SoundWords, online seit: 15.04.2021, aktualisiert: 15.04.2021

Vorbereitung auf den Boten des Bundes

Vers 1

Der Name Maleachi bedeutet: „Mein Bote“. Durch ihn verkündete der HERR:

Mal 3,1: Siehe, ich sende meinen Boten {dasselbe Wort wie der Name Maleachi}, damit er den Weg vor mir her bereite. Und plötzlich wird zu seinem Tempel kommen der Herr, den ihr sucht; und der Engel des Bundes, den ihr begehrt: Siehe, er kommt, spricht der HERR der Heerscharen.

So wurde das Kommen des Johannes als Herold (= Vorbote) des Königs, des Messias, vorausgesagt, aber in einer Weise, die deutlich macht, dass der Messias selbst mit Jahwe identifiziert wurde; denn es heißt: „damit er den Weg vor mir her bereite“ (vgl. Mt 11,10; Mk 1,2; Lk 1,76; 7,28). Es ist außerdem von Bedeutung, dass „Engel“ und „Bote“ im Hebräischen eins sind. Johannes war also der Engel [Bote] Jesu, aber Jesus selbst war der Engel des Bundes, von dem der HERR vor langer Zeit gesagt hatte: „Mein Name ist in ihm“ (2Mo 23,20.21). Genau zu dem Tempel, der erst kürzlich [in oder kurz vor der Zeit von Maleachi] von Serubbabel wiederaufgebaut und danach von Herodes erweitert und verschönert worden war, kam Er plötzlich als der Nazarener, nur um verachtet, verworfen und gekreuzigt zu werden.

Verse 2.3

Mal 3,2.3: 2 Wer aber kann den Tag seines Kommens ertragen, und wer wird bei seinem Erscheinen bestehen? Denn er wird wie das Feuer des Schmelzers sein und wie die Lauge der Wäscher. 3 Und er wird sitzen und das Silber schmelzen und reinigen; und er wird die Kinder Levi reinigen und sie läutern wie das Gold und wie das Silber, so dass sie dem HERRN Opfergaben darbringen werden in Gerechtigkeit.

Aber ein anderes Kommen ist hier deutlich vorhergesagt; denn wenn es buchstäblich stattfinden wird, werden die Unheiligen es weder ertragen noch in seiner Gegenwart bestehen können. Als Läuterer und Reiniger wird Er sich hinsetzen, um das Geschlecht der Leviten zu läutern und zu reinigen, indem Er die Söhne Zadoks für sich absondern wird (vgl. Hes 48,11). Sie werden sich zu Ihm bekehren, ihre Schuld eingestehen und sich selbst für ihren Anteil an den Sünden der Priesterschaft richten. Über allen anderen wird das Gericht wie ein Feuer brennen.

Vers 4

Mal 3,4: Dann wird die Opfergabe Judas und Jerusalems dem HERRN angenehm sein wie in den Tagen vor alters und wie in den Jahren der Vorzeit.

Aus Vers 4 wie auch aus Hesekiel 43 scheint klar hervorzugehen: In den Tagen, in denen das Königreich auf der ganzen Erde errichtet wird, werden in Jerusalem und im Land Juda wieder Opfer und Gaben dargebracht werden, wenn auch nur zum Gedenken an das eine große Opfer am Kreuz. Diese Opfer haben damit denselben Charakter für die Heiligen des Tausendjährigen Reiches wie das Abendmahl für die die Christen heute.

Verse 5.6

Mal 3,5.6: 5 Und ich werde euch nahen zum Gericht und werde ein schneller Zeuge sein gegen die Magier und gegen die Ehebrecher und gegen die falsch Schwörenden und gegen die, die den Tagelöhner im Lohn, die Witwe und die Waise bedrücken und das Recht des Fremden beugen und mich nicht fürchten, spricht der HERR der Heerscharen. 6 Denn ich, der HERR, ich verändere mich nicht; und ihr, Kinder Jakobs, ihr werdet nicht vernichtet werden.

Die Übeltäter werden aus dem Volk ausgerottet werden und allein ein gerechter Überrest wird erhalten bleiben: „Denn ich, der HERR, ich verändere mich nicht; und ihr, Kinder Jakobs, ihr werdet nicht vernichtet werden.“

Vers 7

Mal 3,7: Seit den Tagen eurer Väter seid ihr von meinen Satzungen abgewichen und habt sie nicht bewahrt. Kehrt um zu mir, so will ich zu euch umkehren, spricht der HERR der Heerscharen. Und ihr sprecht: „Worin sollen wir umkehren?“

Noch nie hatten sie seine Satzungen in vollem Umfang befolgt. Von den Tagen ihrer Väter an waren sie von dem abgewichen, was Er zu ihrer Wegweisung hatte aufschreiben lassen. Angesichts der Ankunft des Boten des Bundes bittet Er sie nun, mit dem Herzen zu Ihm umzukehren, damit Er mit Segen und liebevoller Gunst zu ihnen zurückkehren könnte. Aber wie so oft fragen sie hochmütig: „Worin sollen wir umkehren?“ Sie empfanden nicht die Notwendigkeit dafür oder dass sie versagt hatten. Ganz im Gegenteil, sie waren selbstgefällig und zufrieden. Solange sie äußeren Formen und Zeremonien beachteten, sahen sie keinen Grund, ihre Wege zu erforschen und zu überprüfen.

Verse 8.9

Mal 3,8.9: 8 Darf ein Mensch Gott berauben, dass ihr mich beraubt? Und ihr sprecht: „Worin haben wir dich beraubt?“ Im Zehnten und im Hebopfer. 9 Mit dem Fluch seid ihr verflucht, und doch beraubt ihr mich, ihr, die ganze Nation!

Deshalb muss ihnen ihre Sündhaftigkeit noch stärker ins Bewusstsein gebracht werden: „Darf ein Mensch Gott berauben?“ Doch sie hatten Ihn vorsätzlich beraubt. Mit einer erstaunlichen Unverfrorenheit fragen sie: „Worin haben wir dich beraubt?“ Er antwortet: „Im Zehnten und im Hebopfer“, und erklärt, dass der Fluch durch das Übertreten des Gesetzes auf dem ganzen Volk ruhte. Es ist eine Frage, was ernster war: ihr sündiger Weg oder ihre ruhige Gleichgültigkeit dem gegenüber. Das Gewissen schien völlig verlorengegangen zu sein; und wenn erst einmal ein gutes Gewissen abgelegt ist, kann man sich anschließend alles mit einem Maß an Selbstsicherheit erlauben, das unerklärlich erscheint.

Verse 10-12

Mal 3,10-12: 10 Bringt den ganzen Zehnten in das Vorratshaus, damit Speise in meinem Haus sei; und prüft mich doch dadurch, spricht der HERR der Heerscharen, ob ich euch nicht die Fenster des Himmels öffnen und euch Segen bis zum Übermaß ausgießen werde. 11 Und ich werde um euretwillen den Fresser schelten, dass er euch die Frucht des Bodens nicht verderbe; und der Weinstock auf dem Feld wird euch nicht mehr fehltragen, spricht der HERR der Heerscharen. 12 Und alle Nationen werden euch glücklich preisen, denn ihr werdet ein Land des Wohlgefallens sein, spricht der HERR der Heerscharen.

Doch so schrecklich ihr Versagen auch gewesen sein mag, es ist nie zu spät, Buße zu tun. Er fordert sie auf, den ganzen Zehnten in das Vorratshaus zu bringen. Auf diese Weise würden sie anerkennen, dass sie Ihm verantwortliche Verwalter waren. Außerdem konnten auf diese Weise alle notwendigen Vorkehrungen für diejenigen getroffen werden, die im Tempel dienten, wodurch sie von der Sorge um fleischliche Dinge entbunden wurden. Als Folge wird ihnen reicher Segen versprochen, wenn sie nur auf seine Stimme hören würden. Er wollte, dass sie Ihn prüften, und sie sollten sehen, ob Er nicht die Fenster des Himmels öffnen und einen solchen Überfluss an geistlicher Erfrischung über sie ausgießen würde, so dass sie in Not kämen, es zu lagern. Auch den „Fresser“ würde Er um ihretwillen zurechtweisen und bewirken, dass ihre Feinde aufhörten, sie zu bedrängen, damit sie in Frieden und Ruhe die reichlichen Früchte ihrer Arbeit genießen könnten. Gesegnet mit allem, was das Herz begehrt, sowohl geistlich als auch materiell, würden „alle Nationen sie glücklich preisen“, und ihr Land sollte ein Land des Wohlgefallens sein.

Das alles wird sich buchstäblich erfüllen, wenn der Geist der Gnade und des Flehens über den zukünftigen bußfertigen Überrest ausgegossen wird und sie mit ganzem Herzen zu Gott umkehren. Alles wartet darauf, so wie es der Herr Jesus selbst erklärt hat: „Ihr werdet mich von jetzt an nicht sehen, bis ihr sprecht: Gepriesen sei, der da kommt im Namen des Herrn!“ (Mt 23,39).

Aber für die Heiligen jeder Epoche wird hier ein wichtiger Grundsatz verkündet: Der Segen wartet auf die wahre Hingabe des Herzens. Lasst uns all das, was dem Herrn gebührt, wir aber wegen unserer Selbstsucht lange zurückgehalten haben, Ihm übergeben – alle Zehnten –, und Er wird sich freuen, den Segen wie einen Regenschauer über sein wartendes und hoffendes Volk auszugießen. Gott freut sich, zu geben; aber unser niedriger, irdisch gesinnter Zustand hindert Ihn so oft daran, uns mit einer gnädigen Erweckung zu antworten. „Prüfen und erforschen wir unsere Wege, und lasst uns zu dem HERRN umkehren!“ (Klgl 3,40). Das ist ein treffendes Wort, das in dem gegenwärtigen traurigen Zustand in der Geschichte der Kirche angebracht ist.

Verse 13-15

Mal 3,13-15: 13 Eure Worte sind trotzig gegen mich gewesen, spricht der HERR. Und ihr sprecht: „Was haben wir miteinander gegen dich beredet?“ 14 Ihr sprecht: „Vergeblich ist es, Gott zu dienen, und was für Gewinn, dass wir seinen Dienst versahen und dass wir vor dem HERRN der Heerscharen in Trauer umhergingen? 15 Und so preisen wir nun die Übermütigen glücklich: Nicht nur sind die Täter der Gottlosigkeit aufgebaut worden, sondern sie haben auch Gott versucht und sind entkommen.“

Für Juda war das Zeitalter des Segens noch nicht angebrochen, auch ist es seitdem nicht gekommen; denn sie erkannten die Zeit ihrer Heimsuchung nicht. Ihre Worte waren heftig gegen Gott; doch als Er sie nun zum achten Mal diesbezüglich herausforderte, widersprachen sie Ihm dreist und fragten: „Was haben wir miteinander gegen dich beredet?“ Kein Appell, keine Bitte, keine Warnung schien sie zu bewegen oder sie auch nur im Geringsten von ihrer Selbstgefälligkeit und ihrem Egoismus abzubringen.

Doch sie hatten gesagt: „Vergeblich ist es, Gott zu dienen“, denn sie waren verblendet und beurteilten die Dinge nach dem Maßstab weltlichen Wohlstandes; und als sie ihr bescheidenes Los mit den stolzen umliegenden Nationen verglichen, waren sie der Ansicht, dass es keinen Gewinn gebracht hatte, das Wort des HERRN zu befolgen und auf seine Stimme zu hören. Sie vergaßen jedoch, dass sie Teil einer Nation waren, die auf der ganzen Linie versagte und immer noch die traurige Frucht der bösen Saat ihrer Väter erntete. Deshalb waren sie über den Wohlstand der Gottlosen erstaunt, gingen aber nicht wie Asaph unbeschuht in das Heiligtum, um das Ende der Feinde des HERRN zu verstehen (vgl. Ps 73).

Verse 16-18

Mal 3,16-18: 16 Da unterredeten sich miteinander, die den HERRN fürchten, und der HERR merkte auf und hörte; und ein Gedenkbuch wurde vor ihm geschrieben für die, die den HERRN fürchten und die seinen Namen achten. 17 Und sie werden mir, spricht der HERR der Heerscharen, zum Eigentum sein an dem Tag, den ich machen werde; und ich werde sie verschonen, wie ein Mann seinen Sohn verschont, der ihm dient. 18 Und ihr werdet wieder den Unterschied sehen zwischen dem Gerechten und dem Gottlosen, zwischen dem, der Gott dient, und dem, der ihm nicht dient.

Dennoch waren nicht alle so gefühllos und ablehnend. In den Versen 16 bis 18 wird ein Überrest hervorgehoben, der uns ein leuchtendes Beispiel sein kann. Inmitten all der Verkommenheit und Kaltherzigkeit der Masse gab es einige wenige, die den HERRN fürchteten und einander an einem dunklen und trüben Tag aufsuchten und oft miteinander über die kostbaren und ernsten Dinge sprachen, die zu einem Wandel mit Gott gehörten. Der HERR hatte Gefallen an diesem schwachen Häuflein und hörte auf ihre Unterredung und ihre Bekenntnisse und schrieb ihre verachteten Namen in ein Gedenkbuch, das vielleicht schon bald am Richterstuhl Christi geöffnet werden wird: „Sie werden mir, spricht der HERR der Heerscharen, zum Eigentum {wertvoller Besitz, Schatz} sein an dem Tag, den ich machen werde“; denn so wie sie ihren Schatz in Ihm gefunden hatten, so fand Er seinen Schatz in ihnen. An jenem Tag, an dem Er die Bösen mit ihren Missetaten heimsucht, wird Er den Überrest verschonen und unterscheiden zwischen denen, die Ihm wirklich dienten, und denen, die kein Herz für sein Wort hatten. Es ist eine eindrucksvolle und schöne Textstelle, die reich an Trost und Ermunterung für die Erprobten und Bewährten ist, die die Gemeinschaft mit Gott über alles andere wertschätzen.

Die Beschäftigung mit dem Bösen kann nur die Hand schwächen und den Geist betrüben. Aber die Beschäftigung mit dem, der in Frieden über allen Wolken der Erde sitzt, wird stärken und aufmuntern und sich als die einzig wahre Kraft für praktische Heiligkeit und als Sieg über alle Macht des Feindes erweisen.

Der Sonnenaufgang

Vers 19

Mal 3,19: Denn siehe, der Tag kommt, brennend wie ein Ofen; und alle Übermütigen und alle Täter der Gottlosigkeit werden zu Stoppeln werden; und der kommende Tag wird sie verbrennen, spricht der HERR der Heerscharen, so dass er ihnen weder Wurzel noch Zweig lassen wird.

Der HERR wird zwischen den Gerechten und den Gottlosen unterscheiden. Und wann? An dem kommenden Tag, der brennen wird wie ein Ofen: an dem Tag des HERRN. Auf diesen Tag weisen alle Prophezeiungen hin als auf die Zeit, wenn alle Ungerechtigkeiten der Zeitalter zurechtgerückt werden. Denn „der Tag“ ist nicht eine kurze Zeitspanne von vierundzwanzig Stunden, sondern ein Tag, der das ganze Tausendjährige Reich umfassen wird und mit der Auflösung von Himmel und Erde endet. Damit wird der Tag der Ewigkeit oder der „Tag Gottes“ eingeleitet, wie es im zweiten Petrusbrief heißt (vgl. 2Pet 3,10-12). Die gegenwärtige Zeit wird „der Tag des Menschen“ genannt, denn es ist die Zeit (von unbestimmter Dauer), in der der Mensch seinen eigenen Willen tut (vgl. 1Kor 4,3). Für die himmlischen Heiligen folgt unmittelbar danach „der Tag Christi“, wenn sie – nachdem sie entrückt worden sind, um ihrem Herrn in der Luft zu begegnen – vor seinem Richterstuhl offenbar werden (Phil 1,6.10).[1] Dann beginnt für Israel und die Nationen der Tag des HERRN, der die Gerichte, die über die Erde kommen werden, und die Herrschaft der Gerechtigkeit umfasst; enden wird dieser Tag, wenn das Reich dem Vater übergeben wird und Gott (Vater, Sohn und Heiliger Geist) alles in allem sein wird (vgl. 1Kor 15,28) während des nie endenden „Tages Gottes“ (2Pet 3,12), dem ewigen Zustand.

Vers 19 handelt also von dem Tag, an dem der Herr Jesus in Herrlichkeit erscheint, um das Gericht über alle zu bringen, die das ewige Evangelium abgelehnt haben. Dieser Tag wird „brennen wie ein Ofen; und alle Übermütigen und alle Täter der Gottlosigkeit werden zu Stoppeln werden; und der kommende Tag wird sie verbrennen, spricht der HERR der Heerscharen, so dass er ihnen weder Wurzel noch Zweig lassen wird“. Die Menschen werden also den Zorn des Lammes kennenlernen, wenn Er in flammendem Feuer vom Himmel her offenbart wird, „wenn er Vergeltung gibt denen, die Gott nicht kennen, und denen, die dem Evangelium unseres Herrn Jesus Christus nicht gehorchen“ (2Thes 1,8).

Verse 20.21

Aber an jenem Tag der großen Finsternis und Trübsal wird für den Überrest das Licht in überwältigender Herrlichkeit hervorbrechen:

Mal 3,20.21: 20 Aber euch, die ihr meinen Namen fürchtet, wird die Sonne der Gerechtigkeit aufgehen mit Heilung in ihren Flügeln. Und ihr werdet ausziehen und hüpfen wie Mastkälber; 21 und ihr werdet die Gottlosen zertreten, denn sie werden Asche sein unter euren Fußsohlen an dem Tag, den ich machen werde, spricht der HERR der Heerscharen.

Das ist etwas ganz anderes als die Hoffnung der Kirche. Wir warten auf das Aufleuchten des Morgensterns, nicht auf das Aufgehen der Sonne der Gerechtigkeit, die die eigentliche Hoffnung Israels ist. Der Morgenstern ist der Vorbote der Morgendämmerung und geht auf, noch bevor die Sonne sichtbar am Himmel erscheint. So wird der Herr Jesus mit einem Ruf vom Himmel herabkommen und die himmlischen Heiligen in das Haus des Vaters bringen. All das geschieht, bevor die Zeit der Drangsal Jakobs [vgl. Jer 30,7], die große Trübsal, auf der Erde beginnt. Diese Trübsal findet in einer kurzen Zeitspanne statt zwischen dem Kommen Christi für die Kirche [Entrückung] und seinem Erscheinen mit seinen Heiligen in Macht und Herrlichkeit. Bei diesem Erscheinen wird ein Überrest aus Juda und Israel aus der schweren Bedrängnis befreit, in die sie kommen werden, weil sie den Herrn abgelehnt hatten, als Er in Gnade auf der Erde war. Dann wird die Sonne der Gerechtigkeit aufgehen, und ihre Strahlen werden den Seinen Heilung bringen, die Bösen aber mit ihrer Intensität verzehren. Nicht die Kirche, sondern Israel wird dann die Übeltäter zu Asche unter ihren Füßen zertreten, so wie es die Propheten bezeugt haben.

Es sollte allen aufmerksamen Studenten des Wortes Gottes klar sein, dass diese Bibelstelle die Theorie, die Welt sei bei der Wiederkunft Christi bekehrt, vollständig widerlegt. Wo wären dann die Gottlosen, die „zertreten“ werden sollen? Tatsache ist, dass die Heilige Schrift nichts von diesem beliebten System der modernen Theologen weiß. Es wird kein Tausendjähriges Reich geben, bevor Christus erscheint, denn Er muss zuerst mit Macht auftreten, um alle zu vernichten, die sich geweigert haben, seine Ansprüche anzuerkennen, und auf diese Weise wird Er den Schauplatz reinigen, damit Er sein Reich errichten kann.

Aus den Versen 19 bis 21 haben Anhänger der Allvernichtungslehre jeglicher Schule viel gemacht. Sie nehmen an, der Prophet beziehe sich auf den Tag des Gerichts und auf die endgültige Vernichtung der Verlorenen im Feuersee. Ihr Argument: Da die Bösen dann ein für alle Mal verbrannt und zu Asche unter den Füßen der Gerechten geworden sind, würden sie dann völlig aufgehört haben zu existieren und seien somit tatsächlich aus Gottes Universum ausgelöscht worden.

Der Irrtum kommt dadurch zustande, weil nicht beachtet wird, dass hier ein zeitliches Gericht vorausgesagt wird. Wir können es mit dem Gericht über Sodom und Gomorra vergleichen. Bevor das Tausendjährige Reich aufgerichtet wird, wird Feuer vom Himmel die Körper der Gottlosen auf der Erde verzehren, die somit zu Asche unter den Füßen der Gerechten werden. Aber es gibt hier keinen Hinweis darauf, was mit der Seele und dem Geist geschehen wird. Wir erfahren an anderer Stelle in der Schrift von einem Gericht nach dem Tod, obwohl der Körper zu Asche verbrannt war (vgl. Heb 9,27; Off 20,11-15). Unser Herr sagt uns, dass es Sodom und Gomorra am Tag des Gerichts erträglicher ergehen (vgl. Mt 10,15; 11,23) wird als einigen der Städte, in denen seine Wunderwerke geschehen waren, Er selbst aber verworfen worden war.

Fast vierzig Jahrhunderte sind vergangen, seit die bösen Bewohner der Städte in der Ebene mit Haut und Haaren verbrannt sind. Wären Abraham oder Lot wenige Tage, nachdem das Feuer vom Himmel gefallen war, über die Erde dieser zerstörten Orte gelaufen, wären die Gottlosen nur noch Asche unter ihren Fußsohlen gewesen. Aber waren sie dann vernichtet? Keineswegs! Sie müssen trotzdem noch vor dem großen weißen Thron zum Gericht erscheinen, wo sie gerichtet werden entsprechend dem Licht, das sie hatten und das sie abgelehnt hatten.

Dasselbe kann man von den „Übermütigen und allen Tätern der Gottlosigkeit“ (Mal 3,19) sagen, von denen Maleachi hier spricht. Völlig vernichtet, was ihren Körper und ihren Platz auf der Erde betrifft, existieren sie dennoch in der Welt der Geister und werden einmal der Beweis dafür sein, dass „es den Menschen gesetzt ist, einmal zu sterben, danach aber das Gericht“ (Heb 9,27). Wie auch der Herr Jesus sagte: „Er ist aber nicht der Gott der Toten, sondern der Lebenden; denn für ihn leben alle“ (Lk 20,38). Möge der Leser, wenn er nicht gerettet ist, durch das Evangelium des Teufels von der endgültigen Vernichtung nicht in den Schlaf gewiegt werden. Bleibender Zorn [vgl. Joh 3,36] und ewiges Gericht sind schreckliche Realitäten, von denen allein das kostbare Blut Christi erlösen kann.

In 1. Mose 1,16 wird zuerst die Sonne vorgestellt, das Vorbild des Herrn Jesus, von dem seine Kirche all ihr Licht erhält, so wie der Mond die Herrlichkeit der Sonne widerspiegelt. Bevor Maleachi den alttestamentlichen Kanon beschließt, kehrt er zu diesem ersten Vorbild zurück und stellt dieselbe herrliche Person als „die Sonne der Gerechtigkeit“ vor.

Verse 22-24

Mal 3,22-24: 22 Gedenkt des Gesetzes Moses, meines Knechtes, das ich ihm auf dem Horeb an ganz Israel geboten habe – Satzungen und Rechte. 23 Siehe, ich sende euch Elia, den Propheten, ehe der Tag des HERRN kommt, der große und furchtbare. 24 Und er wird das Herz der Väter zu den Kindern und das Herz der Kinder zu ihren Vätern wenden, damit ich nicht komme und das Land mit dem Bann schlage.

In Anbetracht all der vorangegangenen Ermahnungen haben die letzten drei Verse einen sehr ernsten Charakter. Juda wird ermahnt, sich an das Gesetz Moses zu erinnern, das Gott für ganz Israel befohlen hatte, das sie aber von Anfang an übertreten hatten. Und nun waren die dabei, den Becher ihrer Missetaten aufzufüllen. Um sie zu sich zurückzurufen, würde Er ihnen den Propheten Elia schicken, bevor der große und schreckliche Tag des HERRN kommt, den wir gerade betrachtet haben. Wir wissen aus Matthäus 17,10-13 und Markus 9,11-13, dass Johannes der Täufer für den Glauben dieser Elia war, aber das Volk nahm ihn nicht als solchen auf; deshalb ist der Dienst, auf den hier Bezug genommen wird, noch zukünftig. So wie Mose und Elia in diesen Versen miteinander verbunden sind (der Gesetzgeber und der Wiederhersteller), so sehen wir auch die Kennzeichen eines jeden durch die beiden Zeugen in Offenbarung 11 dargestellt. Darin scheint der Charakter ihres Dienstes verdeutlicht zu sein, der zur Zeit des Endes als Zeugnis in Jerusalem aufgerichtet wird.

Elia soll das Herz der Väter zu den Kindern und das Herz der Kinder zu den Vätern wenden und so den ganzen Überrest in die Unterordnung unter den offenbarten Willen Gottes bringen, damit Er nicht kommt und die Erde mit einem Bann schlägt.

Und so kommt mit diesem ernsten Wort, dem Fluch, das Alte Testament abrupt zu einem Ende. Das Gesetz war in jeder Hinsicht übertreten worden. Auf der Grundlage des Bundes des Gesetzes hatte das Volk keinerlei Hoffnung mehr. Der Zorn Gottes senkte sich wie eine dunkle Wolke über ihre Häupter. Der furchtbare Fluch des gebrochenen Gesetzes war alles, was sie nach langen Jahren der Prüfung verdient hatten. Aber ein Erlöser war verheißen worden; und wo es Glauben gab und man den Ernst der Lage fühlte, schaute man auf das Kommen des Nachkommens der Frau, der den Kopf der Schlange zertreten (vgl. 1Mo 3,15) und selbst zum Fluch gemacht werden sollte, damit alle, die ihr Vertrauen auf Ihn setzten, von dem Untergang erlöst würden, den sie längst und völlig verdient hatten: „Diesem geben alle Propheten Zeugnis, dass jeder, der an ihn glaubt, Vergebung der Sünden empfängt durch seinen Namen“ (Apg 10,43). Durch Ihn allein können schuldige Menschen, die ihren verlorenen Zustand anerkennen und auf seine Gnade vertrauen, vom „Fluch“ befreit werden.


Originaltitel: „Notes on the Prophecy of Malachi“
aus Notes on the Minor Prophets, 1909

Übersetzung: Stephan Isenberg

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Anmerkungen

[1] Anm. d. Red.: Der „Tag Christi“ (1Kor 1,8; Phil 1,6.10; 2,16) umfasst dieselbe Zeitepoche wie der „Tag des Herrn“, weist aber auf einen anderen Charakter hin. Während der „Tag des Herrn“ hauptsächlich mit Israel und den Nationen zu tun hat und sich auf Ereignisse auf der Erde bezieht, zeigt uns der „Tag Christi“ mehr die himmlische Seite und somit die Bedeutung dieses Tages für uns Christen, deren Heimat der Himmel ist. Der „Tag des Herrn“ ist ein Tag der Vergeltung und der Aufrichtung der Herrschaft des Herrn; der „Tag Christi“ dagegen ist ein Tag der Belohnung für die, die sich schon heute seiner Herrschaft unterworfen haben. Es wird die Freude Christi sein, an diesem Tag der Welt diejenigen zu präsentieren, in denen Er während der Zeit seiner Verwerfung zu seiner Freude und Verherrlichung wirken konnte. Sie werden dann, mit ihrem Lohn, zusammen mit ihrem Herrn erscheinen, „wenn er kommt, um an jenem Tag verherrlicht zu werden in seinen Heiligen und bewundert zu werden in allen denen, die geglaubt haben“ (2Thes 1,10).

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