Rezension: Gott im Fadenkreuz. Warum der neue Atheismus nicht trifft
Ein Buch von John Lennox

Jochen Klein

© J. Klein, online seit: 23.07.2013

John Lennox:
Gott im Fadenkreuz. Warum der neue Atheismus nicht trifft
Witten (SCM R. Brockhaus) 2013
Gebunden, 318 Seiten
ISBN 978-3-417-26535-4
19,95 Euro

John Lennox ist Professor für Mathematik und Wissenschaftsphilosophie am Green Templeton College der Universität Oxford. In Deutschland wurde er besonders durch sein Buch Hat die Wissenschaft Gott begraben? Eine kritische Analyse moderner Denkvoraussetzungen bekannt, das in diesem Jahr in elfter Auflage erschien. Darin geht er den Voraussetzungen der modernen Naturwissenschaften auf den Grund. In seinem Buch Stephen Hawking, das Universum und Gott setzt er sich mit dem aktuellen Bestseller des wohl bekanntesten Physikers der Gegenwart auseinander, in dem dieser z.B. „die Existenz Gottes widerlegt“ haben soll, wie die Süddeutsche Zeitung behauptet.

Im vorliegenden Buch gilt Lennox’ Hauptaugenmerk dem sogenannten „Neuen Atheismus“. Dabei kann der Autor von den zahlreichen Debatten profitieren, die er mit führenden (Neuen) Atheisten führte, u.a. mit Richard Dawkins, Christopher Hitchens und Peter Singer. So kommen im Laufe des Buches öfter direkte Bezüge zu deren Auffassungen und Argumenten vor. Zu den Hauptthemen gehören Glaube und Wissenschaft, die angeblichen negativen Einflüsse des Christentums, die Frage, ob wir ohne Gott gut sein können, der Despotismus-Vorwurf in Bezug auf den Gott der Bibel sowie Erlösung, Wunder und die Auferstehung Jesu.

Das Buch kann man mindestens all denen empfehlen, die sich mit (aktuellen) geistigen Einflüssen beschäftigen müssen (Studenten, Schüler ab der Oberstufe, Pädagogen usw.). Es ist gut verständlich geschrieben, klar und übersichtlich gegliedert und enthält auch für schon lange mit der Materie Vertraute zum Teil überraschende und interessante Argumente, so z.B. was für eine große Rolle die Epoche der Aufklärung für den Terror des 20. Jahrhunderts spielt. Hier ein Auszug: „Es ist seltsam, Männer [hier: Feuerbach, Nietzsche, Marx] als aufgeklärt zu bezeichnen, deren atheistische Philosophie das Denken einer Reihe von Tyrannen anheizte und im 20. Jahrhundert zu einer großen Finsternis führte, die sich über riesige Teile der Welt legte und im Mord an Millionen endete“ (S. 116). Lennox’ Argumente lassen sich auch durch die zahlreichen Anmerkungen (567 auf 25 Seiten) gut weiterverfolgen und vertiefen.

Weniger gelungen und missverständlich ist, dass der Autor das Urknall-Modell bemüht, um David Humes Einwände gegen Wunder zu widerlegen. Insgesamt erscheint das Kapitel über Hume auch etwas zu langatmig. Unnötig bis manieriert wirkt die Tatsache, dass Lennox meint, selbst für Banalitäten ein möglichst neues Zitat eines Wissenschaftlers als Beleg anführen zu müssen, dessen Referenzen dann oft ausführlich aufgelistet werden. Schließlich widersprechen die letzten beiden Sätze des Buches leider dessen Gesamtbotschaft: „Doch die Auferstehung Jesu öffnet die Tür zu einer größeren Geschichte. Es liegt an jedem Einzelnen von uns zu entscheiden, ob sie die wahre Geschichte ist oder nicht“ – als ob ihre Wahrheit von unserer Entscheidung abhinge.

Trotz allem: Eine sehr lohnende Lektüre!


Quelle: www.jochenklein.de

Letzte Aktualisierung: 03.08.2016

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