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Kurzbiographie: Charles Thomas und Priscilla Studd - J. Klein
      

 

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Kurzbiographie: Charles Thomas und Priscilla Studd
J. Klein
© CSV    Zugriffe: 14174    seit: 01.01.2001  


 


„Was ist eigentlich all der Kricketruhm wert? Was ist der Reichtum wert, wenn das Leben so am seidenen Faden hängt? Was ist das alles wert? Nichts auf dieser Welt hat irgendwelchen Wert, irgendwelche Bedeutung, wenn man dem Tod ins Angesicht schauen muss. Das einzig Wichtige ist Leben, wahres Leben. Alles andere ist Nichtigkeit, Hohlheit und Leere.“ Dies dachte Charles Thomas Studd, als er 1884 in dem kleinen Schlafzimmer seines Bruders George stand.

Charles war am 2. Dezember 1860 in Wiltshire geboren worden, jetzt also 24 Jahre alt. Sieben Jahre zuvor hatte er sich — wie seine beiden Brüder — bekehrt. Seither studierten sie die Bibel. Da Charles sich aber intensiv dem Kricketspiel widmete, blieb ihm für das Bibelstudium wenig Zeit.

1880 war er auf das Trinity College in Cambridge gekommen. Dort wurde er sofort in die Universitätskricketmannschaft aufgenommen, spielte darin in den nächsten sechs Jahren und wurde Mannschaftskapitän. Als überragender Schlagmann der englischen Nationalmannschaft wurde er später zum Nationalhelden.

Als Charles 1884 im Zimmer seines Bruders George stand, der eine lebensgefährliche Lungenentzündung hatte, war er ernüchtert. Er hatte begriffen, wie vergänglich Gewinn, Ruhm und hohe Stellung sein können. Nach einem Vortrag Moodys beschloss er dann: „Herr, alles, was ich bin und habe, ist Dein. Ich will nur noch für Dich leben!“ Fortan galt sein ganzes Interesse der Mission. Bald darauf beendete er seine Sportkarriere und fragte: „Was willst Du, Herr, dass ich tun soll?“ — „Ich will nur noch Dir dienen.“

Es vergingen sechs Monate. Obwohl Charles versuchte, Christus mit ganzem Herzen nachzufolgen, fühlte er sich — trotz mancher Aktivitäten — frustriert und ohne wahren Frieden. Seine gläubigen Freunde rieten ihm Unterschiedliches, und sein verzweifeltes Bemühen, den Willen des Herrn zu ergründen, schien wenig erfolgreich zu sein, so dass er sich Ende Juni 1884 niedergedrückt und verzagt fühlte. In dieser schwierigen Lebensphase fiel ihm der Traktat eines Atheisten in die Hände. Darin stand: „Wenn ich so fest glaubte, wie Millionen es von sich behaupten, dass sich die Ausübung der Religion in diesem Leben auf ein anderes Leben auswirkt, sollte die Religion mir alles bedeuten. Ich würde irdische Vergnügen für Dreck, irdische Sorgen für Torheit und irdische Gefühle für nichts achten. Religion wäre mein erster Gedanke, wenn ich erwache, und beschäftigte mich als Letztes, bevor der Schlaf mir das Bewusstsein nimmt. Ich arbeitete nur auf dieses Ziel hin. Meine Gedanken wären nur auf den Morgen der Ewigkeit gerichtet. Nur eine Seele für den Himmel zu gewinnen wäre mir ein ganzes Leben voll Leiden wert. Irdische Konsequenzen würden nie meine Hände fesseln oder meine Lippen versiegeln. Die Welt mit ihren Freuden und Kümmernissen wäre mir nicht einen Gedanken wert. Ich wäre einzig bestrebt, nach der Ewigkeit auszuschauen und nach den unsterblichen Seelen um mich herum, die in Kürze ewig selig oder ewig unglücklich sind. Ich ginge in die Welt und predigte, ob es passt oder nicht, und mein Text würde lauten: Was hülfe es dem Menschen, wenn er die ganze Welt gewönne und nähme doch Schaden an seiner Seele?“

Dies traf Charles Studd sehr, und er versuchte erneut, den Willen Gottes herauszufinden. Gott zeigte ihm daraufhin seinen Mangel an Kraft und ließ ihn erkennen, wie wichtig völlige Hingabe und absoluter Glaube sind. Er wusste zwar, dass er ein Eigentum des Herrn war, aber trotzdem „hielt ich mich selbst von ihm fern. Ich hatte mich nicht völlig übergeben. Als ich aber begriffen hatte, dass Jesus für mich gestorben war, schien es mir gar nicht mehr schwer, alles für ihn aufzugeben.“

Nachdem er sein Leben ganz dem Herrn ausgeliefert hatte, erfüllte Friede und Freude sein Herz. Bald zeigte der Herr ihm seinen Willen, so dass Charles’ Lebensaufgabe beginnen konnte: „Ich lieferte mich völlig Gott aus … Von der Zeit an, wo ich Ihm auf diese Weise von ganzem Herzen vertraute, war mein Leben verändert. Er hat mir einen Frieden, der allen Verstand übersteigt, und unaussprechliche Freude gegeben. Ich kannte viele Freuden, bevor ich mich völlig Gott übergab; aber seitdem genieße ich den glücklichsten Teil meines bisherigen Lebens.“

Charles wurde deutlich, dass der Herr ihn nach China führen wollte. Als er seine Pläne seinem Bruder Kynaston eröffnete, erschütterte dieser sie mit eiskalten Argumenten. Seine Mutter war völlig aufgelöst und untröstlich. Die ganze Familie geriet in Aufruhr. Freunde und Bekannte wurden gerufen, um Charles umzustimmen. Der Widerstand stellte ihn auf eine harte Probe. Zwei Verse halfen ihm in dieser Situation: „Wer Vater oder Mutter mehr lieb hat als mich, ist meiner nicht würdig“ (Mt 10,37), und: „Des Menschen Feinde werden seine Hausgenossen sein“ (Mt 10,36).

Jetzt wusste Charles, wo seine Zukunft lag. Sein Leben hatte Sinn und Ziel gefunden. Zunächst verkündete er bei verschiedenen Missionseinsätzen kraftvoll das Evangelium. Am 28. November — 28 Tage nach seinem Entschluss — saß er in völligem Vertrauen auf seinen Gott ohne Gepäck im Nachtzug nach Glasgow, um auch dort Menschen für Christus zu gewinnen. Über eine seiner Predigten in Schottland schrieb ein Veranstaltungsleiter: „Er hatte überhaupt keine Redegabe. Es war wohl seine völlige Hingabe an Christus, die einen solchen Eindruck machte … Die Tatsache, dass ein Mensch mit seinen Voraussetzungen sich selbst und seine Zukunft ganz und gar Christus weihte, erweckte das Interesse aller.“

Charles schrieb an seine Mutter: „Ich kann dir gar nicht sagen, wie uns der Herr gesegnet hat. Wir wachsen täglich in der Erkenntnis Jesu und Seiner wunderbaren Liebe. Wie hat sich mein Leben verändert! Ach, Kricket und Tennis und Schießen ist nichts gegen diese überwältigende Freude … Ich kann jetzt auch die Armen in den Städten viel besser verstehen. Und mein Abscheu vor dem Luxusleben, das ich bisher geführt habe, ist gewachsen. Ich habe so viele Anzüge und Bekleidung jeglicher Art, während Tausende verhungern und vor Kälte zugrunde gehen. Wenn ich nach Hause komme, muss alles verkauft werden, wenn es bis dahin noch nicht geschehen ist.“

Bei der Abschiedsveranstaltung für Charles und einige jungen Männer, die nach China aufbrechen wollten, klangen dann folgende Worte durch den Saal: „Wofür lebst du in Wirklichkeit? Lebst du für das Heute oder für die Ewigkeit? Willst du auf die Meinung der Menschen sehen oder den Willen Gottes tun? Die Meinungen der Menschen werden vor dem Richterstuhl bedeutungslos sein, aber nicht der Wille Gottes. Sollen wir dann nicht lieber das Wort Gottes nehmen und Ihm in allem gehorchen?“

In China angekommen, verkündete Studd eines Abends in Schanghai das Evangelium. Es bekehrte sich Reverend Smith, der englische Hauptpfarrer an der dortigen Kathedrale. Er sagte, dass er, wenn er am Abend zuvor hätte sterben müssen, verloren gewesen wäre. Er war von frommen Eltern erzogen und in der Bibel unterwiesen worden. Dann war er konfirmiert und als Diener der Kirche Englands ordiniert worden.

Am 22. August 1884 schrieb Charles: „Ich bin durch manche Prüfung gegangen, und der Herr hat mich vieles gelehrt, besonders über meine eigene Schwachheit. Ich sah, dass meine größten Kräfte und Bemühungen Ihn hindern können … Ja, ich muss sterben, dann kann Er mich zu Seiner Ehre gebrauchen.“

1886 schrieb Charles an seine gläubigen Freunde in Edinburgh: „Unmöglichkeiten gibt es in Wirklichkeit für einen wahren Christen nicht. Wir wissen nur, dass alle Dinge möglich sind. Manche von uns haben nur einen Eselskinnbacken; aber welch eine mächtige Waffe ist das, wenn man sie dem Herrn Jesus ausgeliefert hat! Man besiegt damit eine ganze Batterie wissenschaftlicher Artillerie, die nur in menschlichen Händen liegt … Seit ich in China bin, weiß ich sicherer denn je, warum viele Christen so tot und kalt sind. Sie weigern sich, dem Befehl des Apostels Paulus zu gehorchen, sich allezeit im Herrn zu freuen. Ich bin sicher, dass uns der Teufel stets von dieser Freude an Jesus abhalten will, ganz besonders hier in China. Ich begreife jetzt — mehr denn je —, dass die Freude am Herrn unsere Stärke ist.“

In China zog dann eine Dame, die erst kurze Zeit im Land war, Charles‘ Aufmerksamkeit auf sich. Herzbeschwerden hinderten sie, ins Landesinnere zu reisen. Charles meinte, solche Leute sollten nicht nach China kommen, da sie wenig Aussichten hätten, die Mühen im Inland zu bestehen. Doch bald darauf war Priscilla Livingston Stewart „sehr agil und nimmt immer zwei Stufen auf einmal“, wie Charles in einem Brief an seine Mutter schrieb. Gott hatte sie geheilt und hatte ihr die Kraft und die Freude gegeben, ein Zeugnis für Ihn zu sein.

Priscilla war am 28. August 1864 in Lisburn bei Belfast in Nordirland geboren. Sie stammte aus einer reichen protestantischen Familie und war 25 Jahre alt, als sie in China ankam. Lange Zeit hatte sich ihr Leben nur um Partys, Bälle und gesellschaftliche Ereignisse gedreht. Mit achtzehn war sie — wie sie selbst schreibt — noch „voller Spott und Hohn“. Nachdem sie sich 1885 bekehrt hatte, sagten ihre Verwandten: „Sie war das schwärzeste aller Schafe. Wenn die sich bekehrt, ist für jeden noch Hoffnung.“ Priscillas Bitte an Gott wegen Chinas war dann: „Lass mich unter diesen Leuten wie eine leben, die an die Ewigkeit glaubt, und lass mich ihnen zeigen, dass ich alles wagen will — wenn es sein muss, auch das Leben —, um sie vor der Hölle zu retten!“

Im ersten Jahr in China machte sie sich mit dem Leben dort vertraut, lernte die Sprache und hatte eine rege Korrespondenz mit Charles Studd. Dann wurde Charles sehr krank. Er hatte fiebrigen Typhus, Rippenfell- und Lungenentzündung. Während seiner Genesungszeit konnte er sich der Korrespondenz mit Priscilla widmen. In diesem Zusammenhang schrieb er einen 68 und 69 Seiten langen Brief. Als er ihr dann einen Heiratsantrag machte, lehnte sie ab. Acht Tage verbrachte er mit Gebet und Fasten. Danach war er in Bezug auf Priscilla überzeugt. Am 5. Oktober 1887 willigte Priscilla dann ein. Am Tag der Hochzeit trug sie eine lange weiße Schärpe, auf die sie die Worte geschrieben hatte: „Vereint, um für Jesus zu kämpfen.“

Als Charles Studds Vater gestorben war, wurde sein Erbteil bis zu seinem 25. Lebensjahr verwaltet. Nach seinem Geburtstag erreichte ihn in China ein Brief seines Bankiers und seines Rechtsanwalts, die ihn über sein Erbe in Kenntnis setzten. Da der Herr ihm deutlich gemacht hatte, dass es richtig sei, das Erbe von umgerechnet rund 7.000.000 DM zu verschenken, tat er dies. Ein Teil des Geldes ging an Moody und an Dr. Barnardo. Die 3400 Pfund, die Charles zunächst übrig behielt, gab er seiner Braut, die er kurze Zeit später getroffen hatte. Als er ihr aber das Geschenk machte, stellte er fest, dass sie ebenfalls ganz auf den Herrn vertrauen wollte. So gaben beide ihre letzte irdische Sicherheit der Heilsarmee. Von nun an lebten sie „von Gottes Hand in meinen Mund“, wie Charles es ausdrückte.

Am 16. Mai 1888 kam Charles in Lungan — ihrem ersten gemeinsamen Tätigkeitsfeld — an. Hier gab es unter einer Mehrheit von Geisteranbetern 10.000 Moslems. Es gab viele Schwierigkeiten. Priscilla sagte: „Fünf Jahre lang gingen wir nie aus dem Haus, ohne mit den Flüchen unserer Nachbarn überschüttet zu werden. Selbstverständlich wurde uns für alles, was in der Stadt geschah, die Schuld gegeben.“ Öffentliche Hinrichtungen waren alltäglich, und brutale Prügel waren eine Strafe, die auch viele Christen erdulden mussten. Einer der Männer, die sich durch Studd bekehrt hatten, sagte: „Ich bin ein Mörder, ein Ehebrecher und habe alle Gebote Gottes dauernd übertreten.“ Er war der Überzeugung, dass es richtig sei, in die Stadt zurückzukehren, wo er die Verbrechen begangen hatte. Er predigte vor einer Menge das Evangelium. Darauf brachte man ihn vor den Mandarin, der ihn zu 2000 Schlägen mit dem Bambusstock verurteilte. Als er keine Haut mehr auf dem Rücken hatte und man ihn für tot hielt, brachten ihn einige Freunde ins Hospital. Nachdem er so weit wiederhergestellt war, dass er wieder sitzen konnte, sagte er: „Ich muss wieder hingehen.“ Er ging. Dann wurde er ins Gefängnis geworfen. Hier predigte er durch das kleine Fenster zu der Menge, die sich davor versammelte. Daraufhin wurde er entlassen.

Obwohl nach chinesischer Tradition die Frau auf der Straße hinter ihrem Mann ging, unterwarfen sich die Studds nicht diesem Produkt heidnischer Sitten und Gebräuche, sondern sie gingen — unter dem Spott der Menschen — nebeneinander.

Das völlige Vertrauen auf Gott wurde auf harte Proben gestellt. So waren z.B. eines Tages die Vorräte aufgebraucht, und es blieb ihnen nur die Aussicht, hungern zu müssen. Dann erreichte sie ein Brief: „Ich habe aus irgendeinem Grund von Gott den Befehl erhalten, Ihnen einen Scheck über 100 Pfund zu schicken. Ich habe Sie nie gesehen und nur wenig von Ihnen gehört; aber heute Nacht hat Gott mich durch seinen Befehl vom Schlaf abgehalten. Warum er das von mir wollte, weiß ich nicht. Sie werden es besser verstehen.“

1893 waren die Studds acht Jahre in China gewesen. Die zunehmenden Asthmabeschwerden wurden für Charles ein großes Problem, das ihn daran hinderte, ein normales Leben zu führen. Ein Jahr später traten sie mit ihren vier Kindern, körperlich schwach, aber seelisch gesund, die Heimreise nach England an.

Nach einer Zeit der Erholung erhielt Charles eine Einladung in die Vereinigten Staaten zu einer Missionsreise durch die dortigen Universitäten. Von 1896 an zog er durch Amerika. Seine Arbeit hinterließ viel Segen. Für Priscilla dagegen war es zu Hause sehr schwer. Sie war einsam, finanziell in Schwierigkeiten, und in ihrer Beziehung zu Charles‘ Familie gab es Probleme. Gern wäre sie ihrem Mann gefolgt, doch er lehnte dies immer wieder ab. Aus den Briefen wurde deutlich, dass Priscilla wiederholt — teilweise schwer — krank war. Auch Charles war häufig krank. Wenn aber die Umstände schwierig waren, suchte er intensiver den Herrn und ließ deshalb z.B. Frühstück und Mittagessen ausfallen. Als Priscilla während seiner Abwesenheit wieder einmal krank gewesen war, fragte Charles sie: „Liegt das an mir? Vielleicht mache ich etwas falsch. Bete und bitte Gott, dass er es mir zeigt.“

Von 1900 bis 1906 waren die Studds dann in Indien.

1908 besuchte Charles die Stadt Liverpool. Er las dort einen Anschlag: „Kannibalen brauchen Missionare“, ging zu dem entsprechenden Vortrag und erfuhr dort von den vielfältigen Problemen bei der Mission Afrikas. Er spürte, wie Gott ihn rief, dorthin zu gehen. Seine Mutter war dagegen und flehte ihn an, nicht zu gehen. Auch Priscilla weinte wegen dieses Planes. Die Meinung der vier Töchter war für ihn wenig bedeutsam, da diese niemals großen Einfluss auf sein Leben ausgeübt hatten. Vielleicht auch deswegen, weil sein Verhältnis zu ihnen immer etwas reserviert gewesen war.

Als Charles die Reise antreten wollte, war er krank. Nach einiger Zeit wollte er abreisen, doch die Ärzte meinten: „Dieser Mann kann nirgendwo hingehen. Er sollte zu Hause bleiben.“ Charles schrieb dazu: „Das Komitee wollte mich nicht gehen lassen. Ich sollte versprechen, nicht weiter als bis nach Khartum zu reisen. Wegen der Informationen, die sie vom Arzt erhalten hatten, versuchten sie mir klarzumachen, dass ich eine Reise über Khartum hinaus nicht überleben würde. Als ich ablehnte, das zu versprechen, versagten sie mir die Hilfe zu der Reise, indem sie das für diesen Fall bestimmte Geld zurückzogen.“ Dem Komitee erklärte er: „Meine Herren, Gott hat mich geheißen zu gehen, und ich werde gehen. Ich will eine Schneise schlagen, auch wenn mein Grab nur ein Trittstein sein sollte, auf den jüngere Männer treten können.“

Es waren noch drei Wochen bis zu seiner geplanten Reise, und er stand ohne Geld da und ohne einen Menschen, der ihm glaubte. Seine Familie hatte sich zwar mit seinem Weggehen abgefunden, doch der unterschwellige Widerstand seiner Frau blieb. Die alleinige Verantwortung für die Töchter, Geldnöte, ihre schwache Gesundheit, Einsamkeit und Enttäuschungen belasteten immer wieder das Verhältnis zwischen Charles und Priscilla. Einmal schrieb sie ihm: „Hättest du mich lieb, wärest du nicht gegangen. Du hättest auf Ratschläge hören sollen. Und was machst du mit deiner Gesundheit?“

Am 15. Dezember 1910 reist Charles dann von Liverpool aus ab. Nach einem halben Jahr kam er wieder zurück nach England.

Nachdem er dort vor Studenten unter anderem von der Notwendigkeit der Mission geredet hatte, wurde der Medizinstudent Alfred Buxton angesprochen. Er hätte gern sein Studium für einen sofortigen freiwilligen Einsatz in der Mission aufgegeben. Als er seine Pläne seinen Eltern eröffnete, war die Reaktion der Familie kühl. Fast alle meinten, er solle zuerst seine Ausbildung zu Ende machen und das Examen ablegen. Alfred rang monatelang um eine Entscheidung. Dann verschafften ihm drei Bibelstellen Klarheit: 1. „Befleißige dich, bald zu mir zu kommen“ (2Tim 4,9); 2. „Ich aber habe für dich gebetet, damit dein Glaube nicht aufhöre“ (Lk 22,32); und 3. das Wort an Gideon: „Gehe hin in dieser deiner Kraft“ (Ri 6,14).

Am 13. Januar 1913 segelten Charles, Alfred und andere nach Ostafrika. Nach langen Kämpfen wurde auch Priscilla still vor Gott, und der Friede zog bei ihr ein. Wenige Wochen nach seiner Abreise traf ein Brief von Charles ein: „Macht euch um mich keine Sorge. Ich bin Jesus untertan und gebe keinen Pfifferling für meinen guten Ruf. Ich werde pfeilgerade vorangehen, einerlei, was es kostet. Ich habe den Preis schon bezahlt und lasse mich durch nichts aufhalten. Ich bin sicher, dass jedes Kreuz nur größere Kraft und die Ausbreitung der Herrlichkeit und der Sache Christi bringen wird. Jesus allein sehe ich, und ihm vertraue ich. Gott wird uns in ein reiches Land bringen, wenn wir nur treu bis zum Tod sind. Das habe ich fest vor, fürchtet euch nicht.“

In Afrika gab es viele Schwierigkeiten. Neben den Gefahren von Seiten der Einheimischen mussten sie gegen Unmoral, Ausschweifung und Zauberei kämpfen. Und es gab gesundheitliche Probleme. Bei einem Malariaanfall wäre Charles beinahe ums Leben gekommen. Während dieser schweren Zeit kam auch noch die Nachricht, dass Priscilla einen Herzkollaps erlitten habe und jetzt ihr Leben als Halbinvalide führen müsse.

Charles schöpfte seine Kraft immer wieder aus dem Wort Gottes, und er sagte: „Christi Regeln für wahre Jüngerschaft sind überaus einfach und zwingend. Man kann der Tatsache nicht ausweichen, dass Er fordert, sich durch nichts aufhalten zu lassen, sondern Opfer zu bringen, wie Er es getan hat. Doch wo findet man das? Mehr als die Hälfte aller Christen würden einen solchen zum Fanatiker oder zum Wahnsinnigen erklären.“

Einmal hatte Charles geschrieben: „Wir staunen, was Gott trotz uns erreicht hat … Er braucht, wen Er will, und Er hat eine Vorliebe für die Toren, die Schwachen und die Nobodys.“

Kindlicher, auf das unfehlbare Wort Gottes gegründeter Glaube war auch die Basis für das Handeln Priscillas. Als sie damals als junge Frau nach China gereist war, war ihr der Pass mit den Worten übergeben worden: „Dies ist keine Garantie für Ihre Sicherheit. Es kann Sie das Leben kosten.“

Nach jahrelanger Trennung besuchte Priscilla ihren Mann 1928 noch einmal in Afrika. Am 5. Januar 1929 starb sie in Spanien. Charles starb am 16. Juli 1931 in Afrika. Beide hatten nach dem Motto gelebt: „Das Evangelium ist umsonst, aber es kostet uns alles.“

Was kostet es dich?


aus der Monatszeitschrift Folge mir nach, 2000/2-3, S. 31-34

 

Letzte Aktualisierung am 23.5.2013
 

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