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„Was ist eigentlich all der Kricketruhm wert? Was ist der Reichtum wert, wenn das
Leben so am seidenen Faden hängt? Was ist das alles wert? Nichts auf dieser
Welt hat irgendwelchen Wert, irgendwelche Bedeutung, wenn man dem Tod ins
Angesicht schauen muss. Das einzig Wichtige ist Leben, wahres Leben. Alles
andere ist Nichtigkeit, Hohlheit und Leere.“ Dies dachte Charles Thomas Studd,
als er 1884 in dem kleinen Schlafzimmer seines Bruders George stand.
Charles war am 2. Dezember 1860 in Wiltshire geboren worden, jetzt also 24
Jahre alt. Sieben Jahre zuvor hatte er sich — wie seine beiden Brüder —
bekehrt. Seither studierten sie die Bibel. Da Charles sich aber intensiv dem
Kricketspiel widmete, blieb ihm für das Bibelstudium wenig Zeit.
1880 war er auf das Trinity College in Cambridge gekommen. Dort wurde er
sofort in die Universitätskricketmannschaft aufgenommen, spielte darin in den
nächsten sechs Jahren und wurde Mannschaftskapitän. Als überragender
Schlagmann der englischen Nationalmannschaft wurde er später zum
Nationalhelden.
Als Charles 1884 im Zimmer seines Bruders George stand, der eine
lebensgefährliche Lungenentzündung hatte, war er ernüchtert. Er hatte
begriffen, wie vergänglich Gewinn, Ruhm und hohe Stellung sein können. Nach
einem Vortrag Moodys beschloss er dann: „Herr, alles, was ich bin und habe,
ist Dein. Ich will nur noch für Dich leben!“ Fortan galt sein ganzes
Interesse der Mission. Bald darauf beendete er seine Sportkarriere und fragte:
„Was willst Du, Herr, dass ich tun soll?“ — „Ich will nur noch Dir
dienen.“
Es vergingen sechs Monate. Obwohl Charles versuchte, Christus mit ganzem
Herzen nachzufolgen, fühlte er sich — trotz mancher Aktivitäten —
frustriert und ohne wahren Frieden. Seine gläubigen Freunde rieten ihm
Unterschiedliches, und sein verzweifeltes Bemühen, den Willen des Herrn zu
ergründen, schien wenig erfolgreich zu sein, so dass er sich Ende Juni 1884
niedergedrückt und verzagt fühlte. In dieser schwierigen Lebensphase fiel ihm
der Traktat eines Atheisten in die Hände. Darin stand: „Wenn ich so fest
glaubte, wie Millionen es von sich behaupten, dass sich die Ausübung der
Religion in diesem Leben auf ein anderes Leben auswirkt, sollte die Religion mir
alles bedeuten. Ich würde irdische Vergnügen für Dreck, irdische Sorgen für
Torheit und irdische Gefühle für nichts achten. Religion wäre mein erster
Gedanke, wenn ich erwache, und beschäftigte mich als Letztes, bevor der Schlaf
mir das Bewusstsein nimmt. Ich arbeitete nur auf dieses Ziel hin. Meine Gedanken
wären nur auf den Morgen der Ewigkeit gerichtet. Nur eine Seele für den Himmel
zu gewinnen wäre mir ein ganzes Leben voll Leiden wert. Irdische Konsequenzen
würden nie meine Hände fesseln oder meine Lippen versiegeln. Die Welt mit
ihren Freuden und Kümmernissen wäre mir nicht einen Gedanken wert. Ich wäre
einzig bestrebt, nach der Ewigkeit auszuschauen und nach den unsterblichen
Seelen um mich herum, die in Kürze ewig selig oder ewig unglücklich sind. Ich
ginge in die Welt und predigte, ob es passt oder nicht, und mein Text würde
lauten: Was hülfe es dem Menschen, wenn er die ganze Welt gewönne und nähme
doch Schaden an seiner Seele?“
Dies traf Charles Studd sehr, und er versuchte erneut, den Willen Gottes
herauszufinden. Gott zeigte ihm daraufhin seinen Mangel an Kraft und ließ ihn
erkennen, wie wichtig völlige Hingabe und absoluter Glaube sind. Er wusste
zwar, dass er ein Eigentum des Herrn war, aber trotzdem „hielt ich mich selbst
von ihm fern. Ich hatte mich nicht völlig übergeben. Als ich aber begriffen
hatte, dass Jesus für mich gestorben war, schien es mir gar nicht mehr schwer,
alles für ihn aufzugeben.“
Nachdem er sein Leben ganz dem Herrn ausgeliefert hatte, erfüllte Friede und
Freude sein Herz. Bald zeigte der Herr ihm seinen Willen, so dass Charles’
Lebensaufgabe beginnen konnte: „Ich lieferte mich völlig Gott aus …
Von der Zeit an, wo ich Ihm auf diese Weise von ganzem Herzen vertraute, war
mein Leben verändert. Er hat mir einen Frieden, der allen Verstand übersteigt,
und unaussprechliche Freude gegeben. Ich kannte viele Freuden, bevor ich mich
völlig Gott übergab; aber seitdem genieße ich den glücklichsten Teil meines
bisherigen Lebens.“
Charles wurde deutlich, dass der Herr ihn nach China führen wollte. Als er
seine Pläne seinem Bruder Kynaston eröffnete, erschütterte dieser sie mit
eiskalten Argumenten. Seine Mutter war völlig aufgelöst und untröstlich. Die
ganze Familie geriet in Aufruhr. Freunde und Bekannte wurden gerufen, um Charles
umzustimmen. Der Widerstand stellte ihn auf eine harte Probe. Zwei Verse halfen
ihm in dieser Situation: „Wer Vater oder Mutter mehr lieb hat als mich, ist
meiner nicht würdig“ (Mt 10,37), und: „Des Menschen Feinde werden seine
Hausgenossen sein“ (Mt 10,36).
Jetzt wusste Charles, wo seine Zukunft lag. Sein Leben hatte Sinn und Ziel
gefunden. Zunächst verkündete er bei verschiedenen Missionseinsätzen
kraftvoll das Evangelium. Am 28. November — 28 Tage nach seinem Entschluss —
saß er in völligem Vertrauen auf seinen Gott ohne Gepäck im Nachtzug nach
Glasgow, um auch dort Menschen für Christus zu gewinnen. Über eine seiner
Predigten in Schottland schrieb ein Veranstaltungsleiter: „Er hatte überhaupt
keine Redegabe. Es war wohl seine völlige Hingabe an Christus, die einen
solchen Eindruck machte … Die Tatsache, dass ein Mensch mit seinen
Voraussetzungen sich selbst und seine Zukunft ganz und gar Christus weihte,
erweckte das Interesse aller.“
Charles schrieb an seine Mutter: „Ich kann dir gar nicht sagen, wie uns der
Herr gesegnet hat. Wir wachsen täglich in der Erkenntnis Jesu und Seiner
wunderbaren Liebe. Wie hat sich mein Leben verändert! Ach, Kricket und Tennis
und Schießen ist nichts gegen diese überwältigende Freude … Ich kann jetzt
auch die Armen in den Städten viel besser verstehen. Und mein Abscheu vor dem
Luxusleben, das ich bisher geführt habe, ist gewachsen. Ich habe so viele
Anzüge und Bekleidung jeglicher Art, während Tausende verhungern und vor
Kälte zugrunde gehen. Wenn ich nach Hause komme, muss alles verkauft werden,
wenn es bis dahin noch nicht geschehen ist.“
Bei der Abschiedsveranstaltung für Charles und einige jungen Männer, die
nach China aufbrechen wollten, klangen dann folgende Worte durch den Saal: „Wofür
lebst du in Wirklichkeit? Lebst du für das Heute oder für die Ewigkeit? Willst
du auf die Meinung der Menschen sehen oder den Willen Gottes tun? Die Meinungen
der Menschen werden vor dem Richterstuhl bedeutungslos sein, aber nicht der
Wille Gottes. Sollen wir dann nicht lieber das Wort Gottes nehmen und Ihm in
allem gehorchen?“
In China angekommen, verkündete Studd eines Abends in Schanghai das
Evangelium. Es bekehrte sich Reverend Smith, der englische Hauptpfarrer an der
dortigen Kathedrale. Er sagte, dass er, wenn er am Abend zuvor hätte sterben
müssen, verloren gewesen wäre. Er war von frommen Eltern erzogen und in der
Bibel unterwiesen worden. Dann war er konfirmiert und als Diener der Kirche
Englands ordiniert worden.
Am 22. August 1884 schrieb Charles: „Ich bin durch manche Prüfung
gegangen, und der Herr hat mich vieles gelehrt, besonders über meine eigene
Schwachheit. Ich sah, dass meine größten Kräfte und Bemühungen Ihn hindern
können … Ja, ich muss sterben, dann kann Er mich zu Seiner Ehre gebrauchen.“
1886 schrieb Charles an seine gläubigen Freunde in Edinburgh: „Unmöglichkeiten
gibt es in Wirklichkeit für einen wahren Christen nicht. Wir wissen nur, dass
alle Dinge möglich sind. Manche von uns haben nur einen Eselskinnbacken; aber
welch eine mächtige Waffe ist das, wenn man sie dem Herrn Jesus ausgeliefert
hat! Man besiegt damit eine ganze Batterie wissenschaftlicher Artillerie, die
nur in menschlichen Händen liegt … Seit ich in China bin, weiß ich sicherer
denn je, warum viele Christen so tot und kalt sind. Sie weigern sich, dem Befehl
des Apostels Paulus zu gehorchen, sich allezeit im Herrn zu freuen. Ich bin
sicher, dass uns der Teufel stets von dieser Freude an Jesus abhalten will, ganz
besonders hier in China. Ich begreife jetzt — mehr denn je —, dass die
Freude am Herrn unsere Stärke ist.“
In China zog dann eine Dame, die erst kurze Zeit im Land war, Charles‘
Aufmerksamkeit auf sich. Herzbeschwerden hinderten sie, ins Landesinnere zu
reisen. Charles meinte, solche Leute sollten nicht nach China kommen, da sie
wenig Aussichten hätten, die Mühen im Inland zu bestehen. Doch bald darauf war
Priscilla Livingston Stewart „sehr agil und nimmt immer zwei Stufen auf einmal“,
wie Charles in einem Brief an seine Mutter schrieb. Gott hatte sie geheilt und
hatte ihr die Kraft und die Freude gegeben, ein Zeugnis für Ihn zu sein.
Priscilla war am 28. August 1864 in Lisburn bei Belfast in Nordirland
geboren. Sie stammte aus einer reichen protestantischen Familie und war 25 Jahre
alt, als sie in China ankam. Lange Zeit hatte sich ihr Leben nur um Partys,
Bälle und gesellschaftliche Ereignisse gedreht. Mit achtzehn war sie — wie
sie selbst schreibt — noch „voller Spott und Hohn“. Nachdem sie sich 1885
bekehrt hatte, sagten ihre Verwandten: „Sie war das schwärzeste aller Schafe.
Wenn die sich bekehrt, ist für jeden noch Hoffnung.“ Priscillas Bitte an Gott
wegen Chinas war dann: „Lass mich unter diesen Leuten wie eine leben, die an
die Ewigkeit glaubt, und lass mich ihnen zeigen, dass ich alles wagen will —
wenn es sein muss, auch das Leben —, um sie vor der Hölle zu retten!“
Im ersten Jahr in China machte sie sich mit dem Leben dort vertraut, lernte
die Sprache und hatte eine rege Korrespondenz mit Charles Studd. Dann wurde
Charles sehr krank. Er hatte fiebrigen Typhus, Rippenfell- und
Lungenentzündung. Während seiner Genesungszeit konnte er sich der
Korrespondenz mit Priscilla widmen. In diesem Zusammenhang schrieb er einen 68
und 69 Seiten langen Brief. Als er ihr dann einen Heiratsantrag machte, lehnte
sie ab. Acht Tage verbrachte er mit Gebet und Fasten. Danach war er in Bezug auf
Priscilla überzeugt. Am 5. Oktober 1887 willigte Priscilla dann ein. Am Tag der
Hochzeit trug sie eine lange weiße Schärpe, auf die sie die Worte geschrieben
hatte: „Vereint, um für Jesus zu kämpfen.“
Als Charles Studds Vater gestorben war, wurde sein Erbteil bis zu seinem 25.
Lebensjahr verwaltet. Nach seinem Geburtstag erreichte ihn in China ein Brief
seines Bankiers und seines Rechtsanwalts, die ihn über sein Erbe in Kenntnis
setzten. Da der Herr ihm deutlich gemacht hatte, dass es richtig sei, das Erbe
von umgerechnet rund 7.000.000 DM zu verschenken, tat er dies. Ein Teil des
Geldes ging an Moody und an Dr. Barnardo. Die 3400 Pfund, die Charles zunächst
übrig behielt, gab er seiner Braut, die er kurze Zeit später getroffen hatte.
Als er ihr aber das Geschenk machte, stellte er fest, dass sie ebenfalls ganz
auf den Herrn vertrauen wollte. So gaben beide ihre letzte irdische Sicherheit
der Heilsarmee. Von nun an lebten sie „von Gottes Hand in meinen Mund“, wie
Charles es ausdrückte.
Am 16. Mai 1888 kam Charles in Lungan — ihrem ersten gemeinsamen
Tätigkeitsfeld — an. Hier gab es unter einer Mehrheit von Geisteranbetern
10.000 Moslems. Es gab viele Schwierigkeiten. Priscilla sagte: „Fünf Jahre
lang gingen wir nie aus dem Haus, ohne mit den Flüchen unserer Nachbarn
überschüttet zu werden. Selbstverständlich wurde uns für alles, was in der
Stadt geschah, die Schuld gegeben.“ Öffentliche Hinrichtungen waren
alltäglich, und brutale Prügel waren eine Strafe, die auch viele Christen
erdulden mussten. Einer der Männer, die sich durch Studd bekehrt hatten, sagte:
„Ich bin ein Mörder, ein Ehebrecher und habe alle Gebote Gottes dauernd
übertreten.“ Er war der Überzeugung, dass es richtig sei, in die Stadt
zurückzukehren, wo er die Verbrechen begangen hatte. Er predigte vor einer
Menge das Evangelium. Darauf brachte man ihn vor den Mandarin, der ihn zu 2000
Schlägen mit dem Bambusstock verurteilte. Als er keine Haut mehr auf dem
Rücken hatte und man ihn für tot hielt, brachten ihn einige Freunde ins
Hospital. Nachdem er so weit wiederhergestellt war, dass er wieder sitzen
konnte, sagte er: „Ich muss wieder hingehen.“ Er ging. Dann wurde er ins
Gefängnis geworfen. Hier predigte er durch das kleine Fenster zu der Menge, die
sich davor versammelte. Daraufhin wurde er entlassen.
Obwohl nach chinesischer Tradition die Frau auf der Straße hinter ihrem Mann
ging, unterwarfen sich die Studds nicht diesem Produkt heidnischer Sitten und
Gebräuche, sondern sie gingen — unter dem Spott der Menschen —
nebeneinander.
Das völlige Vertrauen auf Gott wurde auf harte Proben gestellt. So waren z.B.
eines Tages die Vorräte aufgebraucht, und es blieb ihnen nur die Aussicht,
hungern zu müssen. Dann erreichte sie ein Brief: „Ich habe aus irgendeinem
Grund von Gott den Befehl erhalten, Ihnen einen Scheck über 100 Pfund zu
schicken. Ich habe Sie nie gesehen und nur wenig von Ihnen gehört; aber heute
Nacht hat Gott mich durch seinen Befehl vom Schlaf abgehalten. Warum er das von
mir wollte, weiß ich nicht. Sie werden es besser verstehen.“
1893 waren die Studds acht Jahre in China gewesen. Die zunehmenden
Asthmabeschwerden wurden für Charles ein großes Problem, das ihn daran
hinderte, ein normales Leben zu führen. Ein Jahr später traten sie mit ihren
vier Kindern, körperlich schwach, aber seelisch gesund, die Heimreise nach
England an.
Nach einer Zeit der Erholung erhielt Charles eine Einladung in die
Vereinigten Staaten zu einer Missionsreise durch die dortigen Universitäten.
Von 1896 an zog er durch Amerika. Seine Arbeit hinterließ viel Segen. Für
Priscilla dagegen war es zu Hause sehr schwer. Sie war einsam, finanziell in
Schwierigkeiten, und in ihrer Beziehung zu Charles‘ Familie gab es Probleme.
Gern wäre sie ihrem Mann gefolgt, doch er lehnte dies immer wieder ab. Aus den
Briefen wurde deutlich, dass Priscilla wiederholt — teilweise schwer — krank
war. Auch Charles war häufig krank. Wenn aber die Umstände schwierig waren,
suchte er intensiver den Herrn und ließ deshalb z.B. Frühstück und
Mittagessen ausfallen. Als Priscilla während seiner Abwesenheit wieder einmal
krank gewesen war, fragte Charles sie: „Liegt das an mir? Vielleicht mache ich
etwas falsch. Bete und bitte Gott, dass er es mir zeigt.“
Von 1900 bis 1906 waren die Studds dann in Indien.
1908 besuchte Charles die Stadt Liverpool. Er las dort einen Anschlag: „Kannibalen
brauchen Missionare“, ging zu dem entsprechenden Vortrag und erfuhr dort von
den vielfältigen Problemen bei der Mission Afrikas. Er spürte, wie Gott ihn
rief, dorthin zu gehen. Seine Mutter war dagegen und flehte ihn an, nicht zu
gehen. Auch Priscilla weinte wegen dieses Planes. Die Meinung der vier Töchter
war für ihn wenig bedeutsam, da diese niemals großen Einfluss auf sein Leben
ausgeübt hatten. Vielleicht auch deswegen, weil sein Verhältnis zu ihnen immer
etwas reserviert gewesen war.
Als Charles die Reise antreten wollte, war er krank. Nach einiger Zeit wollte
er abreisen, doch die Ärzte meinten: „Dieser Mann kann nirgendwo hingehen. Er
sollte zu Hause bleiben.“ Charles schrieb dazu: „Das Komitee wollte mich
nicht gehen lassen. Ich sollte versprechen, nicht weiter als bis nach Khartum zu
reisen. Wegen der Informationen, die sie vom Arzt erhalten hatten, versuchten
sie mir klarzumachen, dass ich eine Reise über Khartum hinaus nicht überleben
würde. Als ich ablehnte, das zu versprechen, versagten sie mir die Hilfe zu der
Reise, indem sie das für diesen Fall bestimmte Geld zurückzogen.“ Dem
Komitee erklärte er: „Meine Herren, Gott hat mich geheißen zu gehen, und ich
werde gehen. Ich will eine Schneise schlagen, auch wenn mein Grab nur ein
Trittstein sein sollte, auf den jüngere Männer treten können.“
Es waren noch drei Wochen bis zu seiner geplanten Reise, und er stand ohne
Geld da und ohne einen Menschen, der ihm glaubte. Seine Familie hatte sich zwar
mit seinem Weggehen abgefunden, doch der unterschwellige Widerstand seiner Frau
blieb. Die alleinige Verantwortung für die Töchter, Geldnöte, ihre schwache
Gesundheit, Einsamkeit und Enttäuschungen belasteten immer wieder das
Verhältnis zwischen Charles und Priscilla. Einmal schrieb sie ihm: „Hättest
du mich lieb, wärest du nicht gegangen. Du hättest auf Ratschläge hören
sollen. Und was machst du mit deiner Gesundheit?“
Am 15. Dezember 1910 reist Charles dann von Liverpool aus ab. Nach einem
halben Jahr kam er wieder zurück nach England.
Nachdem er dort vor Studenten unter anderem von der Notwendigkeit der Mission
geredet hatte, wurde der Medizinstudent Alfred Buxton angesprochen. Er hätte
gern sein Studium für einen sofortigen freiwilligen Einsatz in der Mission
aufgegeben. Als er seine Pläne seinen Eltern eröffnete, war die Reaktion der
Familie kühl. Fast alle meinten, er solle zuerst seine Ausbildung zu Ende
machen und das Examen ablegen. Alfred rang monatelang um eine Entscheidung. Dann
verschafften ihm drei Bibelstellen Klarheit: 1. „Befleißige dich, bald zu mir
zu kommen“ (2Tim 4,9); 2. „Ich aber habe für dich gebetet, damit dein
Glaube nicht aufhöre“ (Lk 22,32); und 3. das Wort an Gideon: „Gehe hin in
dieser deiner Kraft“ (Ri 6,14).
Am 13. Januar 1913 segelten Charles, Alfred und andere nach Ostafrika. Nach
langen Kämpfen wurde auch Priscilla still vor Gott, und der Friede zog bei ihr
ein. Wenige Wochen nach seiner Abreise traf ein Brief von Charles ein: „Macht
euch um mich keine Sorge. Ich bin Jesus untertan und gebe keinen Pfifferling
für meinen guten Ruf. Ich werde pfeilgerade vorangehen, einerlei, was es
kostet. Ich habe den Preis schon bezahlt und lasse mich durch nichts aufhalten.
Ich bin sicher, dass jedes Kreuz nur größere Kraft und die Ausbreitung der
Herrlichkeit und der Sache Christi bringen wird. Jesus allein sehe ich, und ihm
vertraue ich. Gott wird uns in ein reiches Land bringen, wenn wir nur treu bis
zum Tod sind. Das habe ich fest vor, fürchtet euch nicht.“
In Afrika gab es viele Schwierigkeiten. Neben den Gefahren von Seiten der
Einheimischen mussten sie gegen Unmoral, Ausschweifung und Zauberei kämpfen.
Und es gab gesundheitliche Probleme. Bei einem Malariaanfall wäre Charles
beinahe ums Leben gekommen. Während dieser schweren Zeit kam auch noch die
Nachricht, dass Priscilla einen Herzkollaps erlitten habe und jetzt ihr Leben
als Halbinvalide führen müsse.
Charles schöpfte seine Kraft immer wieder aus dem Wort Gottes, und er sagte:
„Christi Regeln für wahre Jüngerschaft sind überaus einfach und zwingend.
Man kann der Tatsache nicht ausweichen, dass Er fordert, sich durch nichts
aufhalten zu lassen, sondern Opfer zu bringen, wie Er es getan hat. Doch wo
findet man das? Mehr als die Hälfte aller Christen würden einen solchen zum
Fanatiker oder zum Wahnsinnigen erklären.“
Einmal hatte Charles geschrieben: „Wir staunen, was Gott trotz uns erreicht
hat … Er braucht, wen Er will, und Er hat eine Vorliebe für die Toren, die
Schwachen und die Nobodys.“
Kindlicher, auf das unfehlbare Wort Gottes gegründeter Glaube war auch die
Basis für das Handeln Priscillas. Als sie damals als junge Frau nach China
gereist war, war ihr der Pass mit den Worten übergeben worden: „Dies ist
keine Garantie für Ihre Sicherheit. Es kann Sie das Leben kosten.“
Nach jahrelanger Trennung besuchte Priscilla ihren Mann 1928 noch einmal in
Afrika. Am 5. Januar 1929 starb sie in Spanien. Charles starb am 16. Juli 1931
in Afrika. Beide hatten nach dem Motto gelebt: „Das Evangelium ist umsonst,
aber es kostet uns alles.“
Was kostet es dich?
aus der Monatszeitschrift Folge
mir nach, 2000/2-3, S. 31-34
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