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James
Butler Stoney wurde am 13. Mai 1814 in Portland in der Grafschaft Tipperary
(Irland) geboren. Sein Vater war ein strenger Puritaner. Die Familie führte in
einem Landhaus ein beschauliches und sorgenfreies Leben. Alle vier Söhne wurden
von Privatlehrern unterrichtet.
Im Alter von fünfzehn
Jahren bezog der intelligente und begabte James Butler Stoney das bekannte
Trinity College in Dublin, wo er sich auf klassische Sprachen und
Rechtswissenschaft spezialisierte. Obwohl er in dieser Zeit einmal auf die Gnade
Gottes und die Notwendigkeit einer Umkehr aufmerksam gemacht wurde, fand der
ehrgeizige und mit den Vergnügungen der Jugend beschäftigte junge Mann keine
Zeit, sich weiter mit dieser Frage auseinanderzusetzen. Seine Gedanken kreisten
mehr um seinen zukünftigen Beruf und Erfolg als Jurist.
Im Jahre 1831
brach in Dublin die Cholera aus. Auch James Butler Stoney wurde krank. Sein
erster Gedanke war jetzt: „Wie kann ich einem heiligen Gott begegnen?“ Seine seelischen Leiden waren schlimmer als die körperlichen. Er klingelte nach
seinem Diener, um nach einem Arzt zu rufen, und sagte: „Thomas, ich fürchte,
dass ich sterben muss.“ Als er wieder allein war, warf er sich auf sein
Angesicht und rief zu dem Gott, von dem er als Knabe schon gehört hatte, und
der den größten aller Sünder angenommen hatte, weil der Gekreuzigte zu Seiner
Rechten ist. Als der Arzt ankam, war J.B. Stoney erschöpft und schien wirklich
dem Tode nahe zu sein, sagte aber ganz ruhig: „Jesus wird mich aufnehmen. Herr
Jesus, nimm meinen Geist auf.“ Durch einen langen, heilsamen Schlaf wurde
er wiederhergestellt. Schon bald konnte er sein Studium wieder aufnehmen. Aber
er war von neuem geboren, für eine neue Welt, für neue Hoffnungen und ein
neues Leben. Er entschloss sich, das Studium der Rechtswissenschaft aufzugeben,
um von jetzt an ein Zeuge der Gnade Gottes für die verlorenen Sünder zu
werden.
Er
begann nun, in Dublin Theologie zu studieren, wo in dieser Zeit wirklich gute
Lehrer waren. Im Alter von vierundzwanzig Jahren empfing er schließlich die
Ordinierung zum Geistlichen. Seine Familie war hierüber recht verärgert. Einer
seiner Onkel wollte nichts mehr mit ihm zu tun haben, da er, wie er meinte,
seine Talente und hoffnungsvollen Aussichten für ein Pastorengehalt weggeworfen
habe.
In den letzten
vier Jahren hatte James Butler Stoney die Heilige Schrift mit großem Eifer
studiert. Er hatte erkannt, dass alles Sichtbare vergeht und dass nur die
unsichtbaren Dinge ewig sind. Als er die Briefe des Apostels Paulus las,
entdeckte er, dass der auferstandene und verherrlichte Herr Selbst unmittelbar
die Gaben für den Dienst in der Kirche Gottes gibt, so dass der Gläubige
aufgrund Seines Auftrages Evangelist, Hirte oder Lehrer wird (Eph. 4). Daher
wartete J.B. Stoney nicht auf eine Pfarrerstelle, sondern ging als Evangelist
hinaus an die Hecken und Zäune, um Sünder auf Gottes großes Heil hinzuweisen.
James Butler
Stoney war bereits im Jahre 1833 mit den Brüdern in Berührung gekommen, die
sich in Dublin seit mehreren Jahren zunächst in einer Privatwohnung am
Fitzwilliam Square 9, seit dem Jahre 1830 jedoch in einem Versteigerungssaal
eines Möbelherstellers in der Aungier Street 11 versammelten. In einer
interessanten Mitteilung vom 12. 7. 1871 schreibt er selbst über diese Zeit:
Ich lernte
die Brüder 1833 kennen. Ich hatte den brennenden Wunsch, dem Herrn zu dienen,
und hatte den Gedanken an eine juristische Laufbahn zugunsten einer
theologischen Ausbildung aufgegeben. Ich meinte, dass dies das einzig Richtige
sei. Anfänglich ging ich sehr widerstrebend mit zur Aungier Street, wohin mich
ein Mr. Clarke, ein Studienkollege, mitgenommen hatte, der dort ein ständiger
Besucher war. … Schließlich bekam ich jedoch großes Interesse an den
dortigen Lehren. Ich erinnere mich besonders an Ausführungen von Mr. Darby über
die Worte „begnadigt in dem Geliebten“ und von Mr. Bellett über Markus 7, aber
ich dachte noch nicht daran, mich ihnen anzuschließen. … Ich hörte beständig
J.N.D. zu, bis er schließlich einmal über Josua 7 sprach: „Warum liegst du
denn auf deinem Angesicht? … stehe auf, heilige das Volk …“ Das Böse muss
zunächst weggetan werden. Gott kann nicht mit uns sein, wenn wir nicht vom Bösen
getrennt sind. Da brach ich zusammen. Mir wurde zum ersten Mal klar, welch ein
gewaltiger Schritt es ist, die Staatskirche zugunsten der unscheinbaren kleinen
Schar in der Aungier Street zu verlassen. Dies war im Juni 1834. Ich bat Mr.
Darby, so lange kommen zu dürfen, bis ich etwas Besseres fände, denn ich war
nicht ganz sicher, ob er recht habe, aber ich war überzeugt, dass die englische
Staatskirche falsch stand. In dieser Zeit pflegte Mr. Stokes an jedem Sonntag
regelmäßig einen Abschnitt aus der Heiligen Schrift vorzulesen, und in
Plymouth, wo ich 1838 war, pflegte man vorher festzulegen, wer das Brot brechen
und offizielle Handlungen ausführen sollte. Im September nahm ich an der
Zusammenkunft bei Lady Powerscourt teil. Mr. John Synge hatte den Vorsitz. Mr.
Synge bat jeden der Reihe nach, über ein bestimmtes Thema zu sprechen. Mr.
Darby sprach als Letzter, oft stundenlang, und ging auf alles ein, was vorher
gesagt worden war. Neben ihm
saß Mr. Wigram, und Captain Hall, Mr. G. Curzon, Sir A. Cambell, Mr. Bellett,
Mr. T. Maunsell, Mr. Mahon, Mr. E. Synge waren dort. … Die
Gebetsstunden morgens um sieben Uhr beeindruckten mich besonders. Jeder betete,
dass Gott ihnen Licht schenken möge, aber auch Gnade, um danach zu handeln
…
Nachdem James
Butler Stoney 1834 bei diesen Brüdern seinen bleibenden Platz eingenommen
hatte, blieb er zeitlebens ein guter Freund von John
Nelson Darby, mit dem er bis zu dessen Tode im Jahre 1882 eng verbunden war.
In den ersten Jahrzehnten arbeitete er mehr in der Stille. Er schrieb Artikel für
verschiedene Monatsschriften, unter anderem in den vierziger Jahren für The
Prospect (Der Ausblick), dessen Herausgeber William
Kelly von 1849 bis 1850 war. Ab 1867 war er selbst Herausgeber der
Zeitschrift A Voice to the Faithful (Ein Ruf an die Treuen).
James Butler
Stoney reiste sehr viel und sprach fast an jedem Tage an irgendeinem Ort. Er
hatte eine lebendige, beeindruckende Art zu sprechen, vermied aber sorgfältig
jeden Anschein von Rhetorik. Er war überzeugt, dass in den heiligen Dingen der
Heilige Geist die wahre und einzige Kraft sei. Sein auch in deutscher Sprache
vorliegendes Buch Die Erziehung in der Schule Gottes ist sehr bekannt
geworden.
Im Unterschied
zu den übrigen Lehrern der Anfangszeit betonte James Butler Stoney nicht so
sehr die objektive Wahrheit Gottes, sondern mehr die subjektive Seite der
Wahrheit, bei der die persönlichen Erfahrungen eine große Rolle spielen und
manchmal die Gefahr spekulativer Gedanken besteht. Er war insofern fast ein
Mystiker. [Die Mystik ist eine besondere Form der Religiosität, bei der der
Mensch durch Hingabe und Versenkung zu tiefer, innerlicher Gemeinschaft mit Gott
zu gelangen sucht.] Er wurde dadurch — unbewusst oder bewusst? — der Wegbereiter
für die Aufnahme der Irrlehren von F.E. Raven, die dieser um 1890 zu verkündigen
begann. Dies musste 1890 zu einer Trennung führen, bei der in England viele
Versammlungen (u.a. auch J.B. Stoney) von Raven mitgerissen wurden.
James Butler
Stoney ging am 1. Mai 1897, kurz vor seinem dreiundachtzigsten Geburtstage,
heim. Schon seit dem Oktober des Jahres 1895 war er durch eine ernste Krankheit
an sein Zimmer gefesselt. Bis zum Ende blieb seine Freude in Gott, und er
entschlief sanft, während er von Ihm sprach. Gerne pflegte er den folgenden
Liedvers zu zitieren:
’Tis the treasure I found in His love that has made me a pilgrim below. (Der
Schatz, den ich in Seiner Liebe fand, machte mich hienieden zum Pilger.)
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