Der Prophet Jona
Einleitung

Henry Allen Ironside

© SoundWords, online seit: 06.05.2019

Einleitung

Unter den sogenannten kleinen Propheten ist das Buch Jona das einzige, das keine Prophezeiung im eigentlichen Sinne enthält, abgesehen von der Ankündigung der drohenden Zerstörung Ninives innerhalb von 40 Tagen, die nicht erfüllt wurde. Dennoch ist das Buch eindeutig prophetisch, und unser Herr Jesus Christus bezog sich in seinen Worten zweimal darauf. Keine geistlich gesinnte Person kann das Buch Jona lesen, ohne zu erkennen, dass Jonas gesamte Geschichte – oder zumindest der Teil, der zu unserer Belehrung verfasst wurde – in sich selbst prophetisch ist: Es zeigt den weiteren Verlauf Israels auf, von dem Jona ein Typus oder Bild ist, und weist gleichermaßen voraus auf das wundersame Geheimnis des Todes und der Auferstehung des Herrn.

Und dennoch wurde dieses wahrlich unvergleichliche und herzerforschende Buch sowohl die Zielscheibe des Spotts des weltlich-aufklärerischen Rationalisten als auch als das Rätsel von ungeistlichen religiösen Fanatikern, die nie gelernt haben, wie wichtig es ist, sich vor der Autorität von Gottes Wort zu beugen. Zu dieser Zeit war es unter ungläubigen Wissenschaftlern Mode, über den „Wal Jonas“, der einen Menschen verschlingen konnte, zu spotten, da die anatomische Struktur der Kreatur eine solche Annahme verbot. Interessanterweise haben weitere Forschungsbemühungen aufgezeigt: Selbst wenn die Bibel den von Gott „vorbereiteten“ Fisch für einen Wal erklärt hätte – allerdings lesen wir davon nichts in der Heiligen Schrift –, könnte es ein Pottwal gewesen sein, der zu früheren Zeiten das Mittelmeer stärker besiedelte und den Beschreibungen und Anforderungen der Geschichte Jonas durchaus entsprechen kann. Daraus wird einmal mehr deutlich, wie irrational der Rationalismus tatsächlich ist und wie sich demgegenüber die Heilige Schrift in jeder Hinsicht als glaubwürdig erwiesen hat.

Kein aufmerksames und gewissenhaftes Kind Gottes könnte darauf kommen, die Inspiration eines Buches, auf das der Herr Jesus sein Siegel gesetzt hat, wie Er es bei dem Buch Jona getan hat, dermaßen in Frage zu stellen. Und tatsächlich, es ist bedeutsam, dass sowohl das fünfte Buch Mose als auch der letzte Teil der Bücher Jesaja, Daniel und Jona seit jeher Bücher waren, deren Echtheit die Kritiker zu bestreiten versucht haben. Allerdings hat sich der, der nicht lügen kann, für diese vier Teile des Wortes Gottes auf außergewöhnliche Weise verbürgt. Er, der alle Dinge weiß, zitiert das fünfte Buch Mose als Gottes Wort, als Er in der Wüste von Satan versucht wurde; und als Er in der Synagoge in Nazareth von dem „großen Unbekannten“ vorliest, findet Er in den Worten „Jesajas“ die Botschaft des Heiligen Geistes [Jes 61,1.2; Lk 4,18.19]. Ebenso warnt Er vor dem „Gräuel der Verwüstung, von dem durch Daniel, den Propheten geredet ist“ [Mt 24,15; Mk 13,14], und erklärt ohne Zögern, dass Jona, nachdem er im Bauch des großen Fischs gewesen war, ein Zeichen für die Bewohner von Ninive war. Welch eine Gotteslästerung derer, die angesichts dieser Tatsachen gegen diese Teile des gottgehauchten Wortes [vgl. 2Tim 3,16] zu Gericht sitzen und behaupten, weiser zu sein als der Allwissende selbst!

Wir können nicht genau sagen, zu welcher Zeit Jona genau gelebt hat. Wir wissen, dass in der Regierungszeit von König Jerobeam II. über Israel eine Prophezeiung Jonas in Erfüllung ging, aber wir wissen nicht genau, ob Jona die Prophezeiung in diesem Zeitraum Jerobeams II. auch erhielt. Uns wird nur gesagt: „Er stellte die Grenze Israels wieder her, vom Eingang Hamats bis an das Meer der Ebene, nach dem Wort des HERRN, des Gottes Israels, das er geredet hatte durch seinen Knecht Jona, den Sohn Amittais, den Propheten, der von Gat-Hepher war“ (2Kön 14,25). Dies scheint darauf hinzuweisen, dass Jona zu dieser Zeit lebte und prophezeite; es ist aber nicht notwendigerweise ein Beweis, da er seine Prophezeiung auch zu einem früheren Zeitpunkt geäußert haben könnte und diese zu einem wesentlich späteren Zeitpunkt in Erfüllung ging. Doch welche Reihenfolge nun der Realität entspricht, hat für uns nur eine geringe Bedeutung, da es Gott nicht gefallen hat, uns den Zeitpunkt von Jonas Geburt und Tod mitzuteilen. Aber die Tatsache, dass er in Gat-Hepher geboren wurde, ist wichtig, da sie die selbstbewussten Worte – „Forsche und sieh, dass aus Galiläa kein Prophet aufsteht“ (Joh 7,52) – der jüdischen Schriftgelehrten widerlegt. Gat-Hepher lag in Galiläa, und dies ist nur ein Beispiel dafür, wie schnell diejenigen, die sich in grober Unwissenheit über die Schrift befinden, zufrieden mit bloßen Annahmen den Tag verbringen, ohne ihren Standpunkt an Gottes Wort festgemacht zu haben. Darum ist es auch für uns so dringend erforderlich: „Prüft aber alles, das Gute haltet fest“ (1Thes 5,21).

Das übergeordnete Thema des Buches Jona ist zweifelsohne die göttliche Souveränität. Die Ausdrücke „Gott bestellte“ und „der Herr bestellte“, die mehrfach im Buch Jona wiederholt werden, machen dies deutlich. Was der Mensch auch plant und versucht – immer ist es Gott, der über allem steht und alles so wirkt, dass es seinem Namen Ehre bringt.

Mit diesen einleitenden Gedanken wenden wir uns nun dem eigentlichen Bibeltext zu.


Originaltitel: „Notes on the History of Jonah“
aus Notes on the Minor Prophets, 1909

Übersetzung: Mildred Böhnlein

Weitere Artikel zur Bibelstelle Jona (1)


Hinweis der Redaktion:

Die SoundWords-Redaktion ist für die Veröffentlichung des obenstehenden Artikels verantwortlich. Sie ist dadurch nicht notwendigerweise mit allen geäußerten Gedanken des Autors einverstanden (ausgenommen natürlich Artikel der Redaktion) noch möchte sie auf alle Gedanken und Praktiken verweisen, die der Autor an anderer Stelle vertritt. „Prüfet aber alles, das Gute haltet fest“ (1Thes 5,21). – Siehe auch „In eigener Sache ...