Der Prophet Zephanja (3)
Kapitel 3

Henry Allen Ironside

© SoundWords, online seit: 15.04.2019, aktualisiert: 24.05.2019

Der Überrest und der Herr in ihrer Mitte

Die Anmerkung in Kapitel 1, dass die Prophezeiung von Zephanja Gemeinsamkeiten mit dem Sendschreiben an Philadelphia aufweist, zeigt sich besonders in diesem letzten Abschnitt. Hier sehen wir, wie die Wahrheit von der Masse völlig abgelehnt wird. Dagegen sehen wir den Überrest in Schwachheit, wie er dennoch am Wort und Namen des HERRN festhält. Der HERR selbst ist „in ihrer Mitte“. Es ist so, wie Er dies in den Tagen sagte, als Er im Fleisch war, dass Er immer da sein wird, wo zwei oder drei sich in seinem Namen versammeln (Mt 18,20).

Verse 1.2

Zeph 3,1.2: 1 Wehe der Widerspenstigen und Befleckten, der bedrückenden Stadt! 2 Sie hat auf keine Stimme gehört, keine Zucht angenommen; auf den HERRN hat sie nicht vertraut, ihrem Gott sich nicht genaht.

Die Stadt Jerusalem, die am meisten privilegierte aller Städte, wird in Vers 1 als verdorben und verunreinigt beschrieben. Eine vierfache Anklage wird in Vers 2 erhoben: „Sie hat auf keine Stimme gehört, keine Zucht angenommen; auf den HERRN hat sie nicht vertraut, ihrem Gott sich nicht genaht.“ Das sind sehr ernste Aussagen. Es kann sehr gut sein, dass wir uns zuerst um uns selbst kümmern, bevor wir uns dem zuwenden, der „der Heilige, der Wahrhaftige“ genannt wird (Off 3,8). Es mag sein, dass unsere Wege auch etwas von dem widerspiegeln, was hier gegen Jerusalem vorgebracht wird. Haben wir seiner Stimme gehorcht? Haben wir die Korrektur durch das Wort Gottes angenommen? Vertrauen wir wirklich dem Herrn und zieht es uns in die Nähe Gottes? Das sind alles sehr ernste Fragen. Mögen wir sie in der Furcht des Herrn für uns beantworten.

Verse 3-5

Zeph 3,3-5: 3 Ihre Fürsten in ihrer Mitte sind brüllende Löwen; ihre Richter sind Abendwölfe, die nichts für den Morgen übrig lassen. 4 Ihre Propheten sind Prahler, treulose Männer; ihre Priester entweihen das Heiligtum, tun dem Gesetz Gewalt an. 5 Der HERR ist gerecht in ihrer Mitte, er tut kein Unrecht; Morgen für Morgen stellt er sein Recht ans Licht, es wird nicht vermisst. Aber der Ungerechte kennt keine Scham.

Vers 2 ist sehr allgemein gehalten. In den Versen 3 und 4 werden verschiedene Klassen individuell angeklagt, die eigentlich Leiter in Bezug auf die göttlichen Dinge hätten sein sollen. Die Fürsten waren brüllende Löwen, die nur auf der Suche nach Beute waren. Das bedeutet, dass sie nur an ihren eigenen Profit und nicht an den Segen für die Herde dachten, die sie hätten hüten sollen. Ihre Richter handelten noch schlimmer. Sie waren wie Wölfe am Abend, die heimlich alles verschlangen, was sie erbeuten konnten, während sie gleichzeitig erklärten, dass sie für Gerechtigkeit sorgten. Die Propheten waren Trödler mit heiligen Dingen. Sie handelten mit dem Wort Gottes betrügerisch und betrogen solche, die ihnen vertrauten. Die Priester, die heilig und untadelig sein sollten, hatten das Heiligtum mit ihrer Unreinheit beschmutzt und taten dem Gesetz Gewalt an.

Alle, die von Gott in Verantwortung gestellt worden waren, hatten versagt. Was bleibt davon übrig? Nur dies: „Der HERR ist gerecht in ihrer Mitte, er tut kein Unrecht“ (Zeph 3,5). Er bleibt der „treue und wahrhaftige Zeuge“ (Off 3,14). Er, das Amen, war die Quelle für jedes treue Herz, und in Ihm konnte das Herz Gottes ruhen.

Verse 6-8

Zeph 3,6-8: 6 Ich habe Nationen ausgerottet, ihre Zinnen sind verödet; ich habe ihre Straßen verwüstet, dass niemand darüber zieht; ihre Städte sind verheert, dass niemand da ist, kein Bewohner mehr. 7 Ich sprach: Möchtest du mich nur fürchten, möchtest du Zucht annehmen – und ihre Wohnung würde nicht ausgerottet werden –, alles, was ich über sie verhängt habe! Doch sie haben sich früh aufgemacht, haben in allen ihren Taten böse gehandelt. 8 Darum harrt auf mich, spricht der HERR, auf den Tag, an dem ich mich aufmache zur Beute! Denn mein Rechtsspruch ist, die Nationen zu versammeln, die Königreiche zusammenzubringen, um meinen Grimm über sie auszugießen, die ganze Glut meines Zorns; denn durch das Feuer meines Eifers wird die ganze Erde verzehrt werden.

Der Sohn des Menschen, an dem Gott Wohlgefallen hat, wird erscheinen, wenn menschlich gesprochen, alles andere eine Enttäuschung war. Im Tausendjährigen Reich wird sich das in seiner Vollkommenheit zeigen. Der Abschnitt bezieht sich auf diese Zeit des Segens. Dann wird sich das Wort erfüllen: „Morgen für Morgen stellt er sein Recht ans Licht, es wird nicht vermisst. Aber der Ungerechte kennt keine Scham“ (Zeph 3,5). Niemals wird hat die Bosheit diese Höhe erreicht wie zu dem Zeitpunkt, wenn der HERR auf die Erde herabkommt, um sein Königreich in Besitz zu nehmen. Aber dann wird die Gerechtigkeit ihren festen Platz haben, und Morgen für Morgen werden die Bösen gerichtet werden. Über Jahrhunderte sind die Menschen davor gewarnt worden, aber dann wird es schließlich in Kraft treten (Zeph 3,6-8).

Verse 9-11

Zeph 3,9-11: 9 Denn dann werde ich die Lippen der Völker in reine Lippen verwandeln, damit sie alle den Namen des HERRN anrufen und ihm einmütig dienen. 10 Von jenseits der Ströme Äthiopiens werden sie mir meine Flehenden, meine zerstreute Schar, als Opfergabe darbringen. 11 An jenem Tag wirst du dich nicht mehr aller deiner Handlungen schämen müssen, womit du gegen mich übertreten hast; denn dann werde ich deine stolz Frohlockenden aus deiner Mitte wegnehmen, und du wirst dich fortan nicht mehr überheben auf meinem heiligen Berg.

Die Sprachverwirrung Babels wird dann zurückgenommen werden, und der Herr wird die Lippen aller Völker in „reine Lippen verwandeln, damit sie alle den Namen des HERRN anrufen und ihm einmütig dienen“ (Zeph 3,9). Aus allen Ländern, in denen sie zerstreut waren, wird Er sein erlöstes irdisches Volk nach Zion heimbringen. Er wird sie reinigen von Stolz und Hochmut, und sie werden „voller Willigkeit sein am Tag seiner Macht“ (Zeph 3,10.11; vgl. Ps 110,3).

Verse 12.13

Zeph 3,12.13: 12 Und ich werde in deiner Mitte ein elendes und geringes Volk übrig lassen, und sie werden zum Namen des HERRN Zuflucht nehmen. 13 Der Überrest Israels wird kein Unrecht tun und keine Lüge reden, und in ihrem Mund wird keine Zunge des Truges gefunden werden; denn sie werden weiden und lagern, und niemand wird sie aufschrecken.

Der abgefallene Teil der Nation Juda wird während der Zeit der Drangsal Jakobs und bei der Erscheinung des Sohnes des Menschen vernichtet werden. Aber der HERR sagt: „Ich werde in deiner Mitte ein elendes und geringes Volk übriglassen, und sie werden zum Namen des HERRN Zuflucht nehmen. 13 Der Überrest Israels wird kein Unrecht tun und keine Lüge reden, und in ihrem Mund wird keine Zunge des Truges gefunden werden; denn sie werden weiden und lagern, und niemand wird sie aufschrecken“ (Zeph 3,12.13). So werden die Treuen in Schwachheit und Abhängigkeit gefunden, dem HERRN gehörend und bewahrt geblieben inmitten aller Verdorbenheit, und so werden sie den Kern des Königreiches darstellen, wenn das Reich der Nationen und der jüdische sowie christliche Abfall gleichermaßen für immer gestürzt worden sind. Es sind die Jungfrauen aus Offenbarung 14,1-5, die sich nicht befleckt haben, die mit dem Lamm auf dem Berg Zion stehen, wenn es an der Zeit ist, dass die Herrlichkeit offenbart wird.

In der heutigen Zeit gehört es zu Gottes Wegen, dass Er sich ein verfolgtes und armes Volk erhält, dass auf seinen Namen vertraut. Solche werden gekennzeichnet durch Liebe und Hingabe an Christus, durch Bruderliebe, durch ein rechtschaffendes Herz, durch ein Bestreben, ein gutes Gewissen gegenüber Gott und Menschen zu haben und sich nichts zuschulden kommen zu lassen, an seinem treuen Wort festzuhalten, durch ein gutes Zeugnis gegenüber der Welt und den Kirchen, die den unsichtbaren Gott ablehnen, durch Absonderung vom Bösen und gefolgt von einem Streben „nach Gerechtigkeit, Glauben, Liebe, Frieden mit denen, die den Herrn anrufen aus reinem Herzen“ (2Tim 2,22). Das ist der „göttliche Boden“, auf dem wir uns versammeln. Das ist die Gesinnung von Philadelphia. Dies allein bildet den wahren Überrest. Solch ein Weg kann nur in der Kraft des Glaubens aufrechterhalten werden. Das Fleisch kann nur einen Bund von Versammlungen formen, basierend auf gegenseitiger Akzeptanz von gemeinsamen Richtlinien oder einem Sichbeugen vor Versammlungsbeschlüssen. Aber das ist kein Glaube, und das Ergebnis ist ein Gebilde, das einem starren und unbiblischen System entspricht, wie wir das in allen Sekten der Menschen finden. Man achtet nicht das individuelle Gewissen und ersetzt die Stimme Gottes in seinem Wort durch die Stimme der Gemeinde.

Verse 14.15

Zeph 3,14.15: 14 Juble, Tochter Zion; jauchze, Israel! Freue dich und frohlocke von ganzem Herzen, Tochter Jerusalem! 15 Der HERR hat deine Gerichte weggenommen, deinen Feind weggefegt; der König Israels, der HERR, ist in deiner Mitte, du wirst kein Unglück mehr sehen.

Im letzten Teil unseres Kapitels kommt das Buch zu einem passenden Ende. Es wird die Zeit beschrieben, wenn der bisher verachtete Überrest das völlige Wohlgefallen des HERRN genießen kann, für dessen Namen er im wiederhergestellten Jerusalem die Schmach getragen hat. Der HERR selbst ist in ihrer Mitte. Für uns bedeutet das, dass wir durch den Glauben uns im Geist darauf freuen dürfen.

Zion ist aufgefordert, zu singen, Jerusalem, laut zu rufen. Der Tag der Freude und des Jubels ist für Jerusalem gekommen. Der Herr hat dann ihre Gerichte weggenommen und ihre Feinde vertrieben. Er selbst ist der herrliche König von Israel, der einst außerhalb des Tors gekreuzigt wurde, am Kreuz eines Verbrechers, während über Ihm geschrieben stand: „Dieser ist Jesus, der König der Juden“ (Mt 27,37). Er wird inmitten der wiederhergestellten Stadt und des Volkes wohnen. Sie sollen das Böse nicht mehr sehen.

Verse 16.17

Zeph 3,16.17: 16 An jenem Tag wird zu Jerusalem gesagt werden: Fürchte dich nicht! Zion, lass deine Hände nicht erschlaffen! 17 Der HERR, dein Gott, ist in deiner Mitte, ein rettender Held. Er freut sich über dich mit Wonne, er schweigt in seiner Liebe, frohlockt über dich mit Jubel.

Das wird ihre Freude und ihr Segen während des Tausendjährigen Reiches sein. Zu Jerusalem wird gesagt werden: „Fürchte dich nicht!“, und zu Zion: „Lass deine Hände nicht erschlaffen!“ (Zeph 3,16). Hingebungsvoller Dienst folgt auf die vollständige Errettung von all ihren Feinden. Wieder wird gesagt: „Der HERR, dein Gott, ist in deiner Mitte, ein rettender Held“ (Zeph 3,17). Ihm wird die Errettung zugeschrieben. Er wird sich über sie freuen mit Fröhlichkeit, Er wird schweigen in Liebe und frohlocken mit Jubel. Das wird die „Zeit des Gesanges“ sein, von der im Hohelied 2,12 geschrieben ist, wenn alle erlösten Geschöpfe, sowohl himmlisch als auch irdisch, Preis und Jubel erschallen lassen werden.

Verse 18-20

Zeph 3,18-20: 18 Die wegen der Festversammlung Trauernden werde ich sammeln; sie waren aus dir, Schmach lastete auf ihnen. 19 Siehe, ichwerde zu jener Zeit mit allen deinen Bedrückern abrechnen und die Hinkenden retten und die Vertriebenen sammeln; und ich werde sie zum Lob und zum Namen machen in allen Ländern ihrer Schmach. 20 In jener Zeit werde icheuch herbeibringen und zu der Zeit euch sammeln; denn ich werde euch zum Namen und zum Lob machen unter allen Völkern der Erde, wenn ich eure Gefangenschaft vor euren Augen wenden werde, spricht der HERR.

Einmal mehr wird Israel seine Festversammlungen halten, und seine Trauer wird sich in Freude verwandeln. Alle Unterdrücker werden vernichtet sein. Und sie, die in Schwachheit vertrieben wurden, werden in Macht wiedervereinigt. In jedem Land, in dem das umherschweifende Volk verhöhnt wurde, wird es Lobpreis und Ehre erhalten. Der Herr wird es „zum Namen und zum Lob machen unter allen Völkern der Erde, wenn ich eure Gefangenschaft vor euren Augen wenden werde, spricht der HERR“ (Zeph 3,20).

Damit kommen wir wieder einmal zum Ende der Wege Gottes mit Israel auf dieser Erde. Sie werden um ihrer Väter willen geliebt, egal, was ihre Vergehen waren.

Ihr Erbe ist irdisch, unser Erbe ist himmlisch. Aber beide sollen gleichermaßen zur Herrlichkeit unseres Herrn Jesus Christus beitragen. Und beide sollen gleichermaßen Gefäße sein, die etwas von der unvergleichlichen Gnade unseres Gottes durch alle zukünftigen Zeitalter hindurch zeigen

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Originaltitel: „Notes on the Prophecy of Zephaniah“
aus Notes on the Minor Prophets, 1909
Quelle: http://www.plymouthbrethren.org/article/4849

Übersetzung: Samuel Ackermann

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