Der Prophet Zephanja (2)
Kapitel 2

Henry Allen Ironside

© SoundWords, online seit: 13.12.2018, aktualisiert: 16.12.2018

Das Gericht über die Nationen

Verse 1.2

Zeph 2,1.2: 1 Geht in euch und sammelt euch, du Nation ohne Scham, 2 ehe der Beschluss gebiert – wie Spreu fährt der Tag daher –, ehe denn die Glut des Zorns des HERRN über euch kommt, ehe denn der Tag des Zorns des HERRN über euch kommt!

Gott lässt seinem Volk gegenüber nichts durchgehen; das ist ein Prinzip, das in der Heiligen Schrift immer wieder betont wird. Gleichzeitig wird Er strenges Gericht üben an allen Völkern, die ihre Hand gegen sein Volk erheben. Zwar benutzt Gott die Philister, Moab, Äthiopien und Assyrien, um sein Volk zu züchtigen. Aber sie sollten sich darüber nicht freuen und über Israel nicht triumphieren. Aufgrund ihres gottlosen Hasses und rachsüchtigen Geistes wird ihr eigenes Gericht sehr schlimm ausfallen.

Dies ist alles ein Bild über die Zeit des Endes. Juda wird sich in einer Ausgangslage befinden wie in den Tagen Zephanjas – im Land, aber umgeben von Feinden. Ein schwacher Überrest schreit: „Bis wann, HERR?“, doch die Masse des Volkes ist abtrünnig und vom Antichristen beeinflusst. Und das alles deswegen, weil sie den Messias abgelehnt hatten, als Er in Gnade zu ihnen kam. Deshalb müssen sie den Kelch des Zorns vollständig austrinken. Aber wenn der Kelch geleert ist, wird der Herr sich ihnen in seiner Macht als ihr Erlöser zeigen. Die Nationen, die Judas Hilflosigkeit ausgenutzt haben, werden dann zum Gegenstand seines rächenden Zornes. Das wird die Errichtung des weltweiten Königreiches unseres Gottes und seines Christus vorbereiten.

Vers 3

Zeph 2,3: Sucht den HERRN, alle ihr Sanftmütigen des Landes, die ihr sein Recht gewirkt habt; sucht Gerechtigkeit, sucht Demut; vielleicht werdet ihr am Tag des Zorns des HERRN geborgen.

Die drei einleitenden Verse sind ein Aufruf an Juda mit einem Blick auf die Kennzeichen des Überrestes. In Gottes Augen ist die Nation in diesem Zustand weder begehrenswert noch liebenswert. Verunreinigt durch Sünde und gekennzeichnet durch Abfall, ist Juda zu einem Gefäß geworden, in dem keine Freude ist. Aber bevor der Tag des Zornes des Herrn erscheint, ergeht der Aufruf an die Treuen, sich zu sammeln. Wie in den Tagen Maleachis werden sie sich unterreden und sich durch eine gleiche Gesinnung und gemeinsame Interessen zusammenfinden [Mal 3,16]. Sie sind aufgefordert, den Herrn zu suchen und nach Gerechtigkeit und Demut zu streben. Tatsächlich werden sie die „Sanftmütigen des Landes, die ihr sein Recht gewirkt habt“, genannt (Zeph 2,3).

Überheblichkeit geziemt sich nicht für gefallene Kreaturen und erst recht nicht für einen Überrest in den Tagen des Abfalls. Sie sollten weder nach Macht noch nach großen Dingen streben. Stattdessen sollten sie den HERRN selbst suchen. Deswegen wird hier notwendigerweise Gerechtigkeit mit Demut verbunden. Das ist die einzig passende Gesinnung für einen Überrest in dieser Zeit. Egal, welcher Niedergang in den nachfolgenden Haushaltungen entsteht: Gott hat immer einen Überrest, der seine Gnade sucht, um in seiner Wahrheit zu wandeln. Aber es besteht immer die Gefahr, dass ein derartiges Zeugnis durch Stolz zerstört wird. Solche, die in Schwachheit und im Bewusstsein ihrer Nichtigkeit begannen, bildeten sich etwas auf ihre besondere Stellung und ihren Charakter als Gläubige ein. Auf diese Weise verließen sie ihre Stellung, die sie zu Beginn in Demut einnahmen.[1]

Der wahre Überrest befasst sich nicht mit sich selbst, sondern mit Dem, zu dem er sich absondert. Solche werden sich nicht selbst als „das Zeugnis“ oder „Philadelphia“ bezeichnen. Stattdessen sind sie hier, um von Christus zu zeugen, und sie trachten danach, Philadelphia („Bruderliebe“) zu leben, während sie an den Worten Christi festhalten und seinen Namen nicht verleugnen. Solche werden Gottes Anerkennung an jenem Tag bekommen, wenn es ihnen egal ist, was andere über sie denken. Sie sind zufrieden damit, dass der Herr für sie handelt, und werden darauf bedacht sein, für Ihn zu handeln. Zu seiner Zeit wird Er zeigen, was Wahrheit ist, auch in Verbindung mit Juda. Wenn es an der Zeit ist, zu kämpfen, wird Er an den umliegenden Nationen und an der abtrünnigen Masse Gericht üben. Dann wird Er die verborgenen Werke der Finsternis aufdecken und die Ratschlüsse der Herzen offenbar machen.

Verse 4-7

Zeph 2,4-7: 4 Denn Gaza wird verlassen und Askalon eine Wüste sein, Asdod – am hellen Mittag wird man es vertreiben, und Ekron wird entwurzelt werden. 5 Wehe den Bewohnern des Landstrichs am Meer, der Nation der Keretiter! Das Wort des HERRN kommt über euch, Kanaan, Land der Philister, und ich werde dich vernichten, dass kein Bewohner mehr bleibt! 6 Und der Landstrich am Meer wird zu Weideplätzen voller Hirtenzisternen und Kleinviehhürden werden; 7 und es wird ein Landstrich sein für den Überrest des Hauses Juda: Sie werden darauf weiden und sich am Abend in den Häusern Askalons lagern; denn der HERR, ihr Gott, wird sich ihrer annehmen und ihre Gefangenschaft wenden.

Philistäa gehört zu den ersten Mächten, die zerstört werden müssen. Es entspricht einer korrupten Christenheit. Die Philister waren Bewohner im Land Kanaan und kamen ursprünglich aus Ägypten. Sie versuchten, alles für sich in Anspruch zu nehmen, ohne ein göttliches Eigentumsrecht zu haben, und sie rühmten sich selbst, indem sie dem Land ihren eigenen Namen gaben: Palästina. Es ist religiöse Anmaßung, alles kontrollieren zu wollen, was von Gott eingesetzt wurde, doch es ist nur Nachahmung – so wie die falsche und verdorbene Kirche, die seit Jahrhunderten die Christenheit beherrscht und dabei für sich in Anspruch nimmt, allein die universelle (katholische) und apostolische Kirche zu sein. Dabei ist sie nur ein Bruchstück des wirklichen Leibes. Die Verse 4 bis 7 beziehen sich auf das Gericht über die Philister und die Befreiung des verachteten jüdischen Überrestes. Darin sehen wir ein Bild des Sturzes der Herrschaft der Kirche und die Befreiung eines Thyatira-Überrestes beim Kommen des Herrn (Off 2,24). An Juda und Philistäa hat sich bereits einiges buchstäblich erfüllt. Aber eine vollständige Erfüllung wird in den letzten Tagen eintreten.

Verse 8-11

Zeph 2,8-11: 8 Ich habe die Schmähung Moabs und die Lästerungen der Kinder Ammon gehört, womit sie mein Volk geschmäht und gegen dessen Gebiet großgetan haben. 9 Darum, so wahr ich lebe, spricht der HERR der Heerscharen, der Gott Israels, soll Moab gewiss wie Sodom und die Kinder Ammon wie Gomorra werden, ein Besitztum der Brennnesseln und eine Salzgrube und eine Wüste in Ewigkeit. Der Überrest meines Volkes wird sie berauben, und das Übriggebliebene meiner Nation sie beerben. 10 Dies wird ihnen für ihren Hochmut zuteil, weil sie das Volk des HERRN der Heerscharen geschmäht und gegen es großgetan haben. 11 Furchtbar wird der HERR gegen sie sein, denn er wird alle Götter der Erde hinschwinden lassen; und alle Inseln der Nationen werden ihn anbeten, jeder von seiner Stätte aus.

Moab und Ammon werden in der Bibel oft gemeinsam aufgeführt. Beide sind außereheliche Nachkommen des gefallenen Lot (1Mo 19,33-38). Beide werden als Nationen in den letzten Tagen gerichtet werden, wenn der Überrest des Volkes des HERRN sie ausplündern wird: „Dies wird ihnen für ihren Hochmut zuteil, weil sie das Volk des HERRN der Heerscharen geschmäht und gegen es großgetan haben.“ Über Jahrhunderte waren sie unter der Hand Gottes. Sie werden in der Zeit des Endes vollständig gerichtet werden. Für uns sind sie ein Bild von denen, die den Namen haben, dass sie leben, obwohl sie tot sind [vgl. Off 3,1]; sie geben vor, zur Familie Gottes zu gehören, sind jedoch nicht wiedergeboren und sind „fremde Kinder“, in denen kein Glaube ist. Wir sehen das in der sogenannten Kirche, die von sich sagt: „Ich bin reich und bin reich geworden und bedarf nichts“, während sie in Gottes Augen „elend und jämmerlich und arm und blind und nackt“ sind (Off 3,17). Das ist der Stolz, mit dem gottlose Bekenner in unseren Tagen voller Verachtung und Mitleid auf die schauen, die sich alleine durch das Wort Gottes leiten lassen wollen und die nachdrücklich betonen, dass eine neue Geburt nötig ist, um das ewige Leben zu erlangen.

Verse 12-15

Zeph 2,12-15: 12 Auch ihr Äthiopier werdet Erschlagene meines Schwertes sein. 13 Und er wird seine Hand nach Norden ausstrecken und wird Assyrien vernichten und Ninive zur Wüste machen, dürr wie die Steppe. 14 Und in seiner Mitte werden sich Herden lagern, allerlei Tiere in Menge; sowohl Pelikane als auch Eulen werden auf seinen Säulenknäufen übernachten. Eine Stimme singt im Fenster, Trümmer sind auf der Schwelle, denn er hat das Zederngetäfel bloßgelegt. 15 Das ist die frohlockende Stadt, die in Sicherheit wohnte, die in ihrem Herzen sprach: Ich bin es und gar keine sonst! Wie ist sie zur Wüste geworden, zum Lagerplatz der wilden Tiere! Jeder, der an ihr vorüberzieht, wird zischen, wird seine Hand schwenken.

Äthiopien und Assyrien sind miteinander verbunden, wobei Ninive die Hauptstadt von Assyrien ist. Menschen mit finsterem Charakter – der Äthiopier, der seine Hautfarbe nicht ändern kann – und Menschen voll Stolz und Hochmut, ohne Gespür für das, was nottut: Davon sprechen diese beiden Nationen. Auf jeden Fall wird Verwüstung sie bald ereilen. Wir bekommen eine vollständige Beschreibung des Gerichtes über Ninive in der Prophezeiung von Nahum. Diese Stadt wird niemals wiederauferstehen. Für Äthiopien gibt es allerdings Hoffnung, wenn sie eilends ihre Hände zu Gott ausstrecken (Ps 68,32).

Die wahre Bedeutung von Ninive ist in Zephanja 2,15 angegeben: „Das ist die frohlockende Stadt, die in Sicherheit wohnte, die in ihrem Herzen sprach: Ich bin es und gar keine sonst!“ Sie steht für den Menschen, der sich selbst genügt und der völlig gleichgültig Gott gegenüber ist. Er lebt nur zu seinem eigenen Vergnügen auf der Erde und pflegt sein Herz wie an einem Schlachttag [Jak 5,5]. Aber bald schlägt die Stunde des Gerichtes. Dann wird er lernen, dass Gott allein alle Macht besitzt.

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Anmerkungen

[1] Erst vor kurzem sprach ich mit jemand, der zu einer selbstgefälligen Zusammenkunft von Christen gehörte, die über sich selbst sagen, dass Gott in diesen letzten Tagen einen Überrest herausgerufen hat. Dieser Überrest würde durch gewisse Zusammenkünfte gebildet werden. Dann kam es zu Spaltungen. Einige verblieben auf „göttlichem Boden“ und hatten „alleine den Tisch des Herrn“. Es war wie ein Keks: Es sind Stücke hier und dort abgebrochen worden, „aber wir Verbliebenen sind die Mitte des Kekses“. Gibt es irgendwas, was so eine Überheblichkeit noch übertrumpft?


Originaltitel: „Notes on the Prophecy of Zephaniah“
aus Notes on the Minor Prophets, 1909
Quelle: http://www.plymouthbrethren.org/article/4849

Übersetzung: Samuel Ackermann

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