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Inhalt
Gleichgewicht — ein Prinzip Gottes Wie gebrauchen wir unsere Zeit? Materialismus / Verwaltung, Verantwortung Gesetzlichkeit / Liberalismus Absonderung / Zeugnis Schlussfolgerung
„Charlie eins sieben im Landeanflug“, meldete ich mich am Mikrophon. Der
Tower antwortete: „Charlie eins sieben, roger.“ Von diesem Augenblick an
wechselte mein Blick ständig zwischen den „Klaviertasten“ am Ende der
Landebahn, die immer größer wurden, und der Geschwindigkeitsanzeige.
Ich hatte meinen ersten Alleinflug und die schwierige Aufgabe, die richtige
Balance zu erreichen: zu schnell während des Anfluges und man schießt über
die Landebahn hinaus; zu langsam und man hat keinen Auftrieb mehr (man fällt
wie ein Stein vom Himmel, hatte unser Fluglehrer immer gesagt). Wenn man zu
steil anfliegt, bleibt man nicht am Boden, und wenn man zu flach ankommt, reicht
die Länge der Landebahn nicht aus. Und wenn man zu weit rechts oder links
fliegt, wird man, wenn überhaupt, auf dem Rasen landen.
Das Universum zeigt uns auf majestätische Weise das von Gott geschaffene
Gleichgewicht. Dieser Planet, auf dem wir leben, schwebt im Weltraum, auf „nichts“
ausbalanciert. Mehr als eine Million Megajoules des Papiers in deiner Hand sind
sorgsam ausbalanciert. Ein leichtes Ungleichgewicht würde in einer
Atomexplosion enden.
Gottes Plan für unser Leben ist es, dass wir ebenso zwischen
unterschiedlichen Einflüssen das Gleichgewicht bewahren — ähnlich der
Balance, die man zum Landen eines Flugzeugs benötigt; ähnlich der Balance, die
wir in der Natur finden. Wenn wir die richtige Balance verlieren, indem wir ein
Prinzip zu sehr gewichten, verfehlen wir Gottes perfekten Plan. Außerdem
verlieren wir den Überblick, wie weit wir aus der Balance geraten. In diesem
Artikel möchte ich uns einige Gebiete vorstellen, in denen Gott uns auffordert,
zu wachsen, indem wir widersprüchliche Prinzipien weise ausbalancieren.
„Das Leben besteht nicht in erster Linie daraus, das Gute auszuwählen und
das Schlechte abzutun, sondern aus dem Guten das Beste zu wählen.“ Dieses
alte Sprichwort enthält viel Weisheit. Verteilen wir in den drei Bereichen, die
wahrscheinlich den größten Teil unserer Zeit ausfüllen (Familie, geistliche
und weltliche Aktivitäten), unsere Zeit vernünftig und bewusst in einer Art
und Weise, die Gott ehrt? Sind wir „arbeitssüchtig“? Vernachlässigen wir
die Verantwortung für die Familie, indem wir eine der anderen beiden Gebiete
überbetonen? Sind wir passive Christen geworden, haben wir vergessen, dass wir
Glieder des Leibes Christi sind mit bestimmten und wirklichen Aufgaben?
Lasst uns nicht schuldig werden, weder indem wir unser Talent verbergen (Mt
25,25) noch indem wir „hier und dort etwas zu tun haben“ (1Kön 20,40) und
unsere wirkliche Verantwortung vernachlässigen! „Alles hat seine bestimmte
Zeit“, wie Prediger 3 sagt.
Ein alter Freund von mir sagte mir kürzlich seine Meinung: „Viele Christen
in Nordamerika (und in anderen westlichen Ländern?) sind dem Materialismus
verfallen, nicht aus Liebe zum Geld, sondern weil sie durch den Einfluss von
Werbung, Nachbarn und Freunde anfangen, dem Standard der Welt zu glauben, dass
‚dies oder jenes nötig ist‘.“ Trifft das auf uns?
Gottes Wort ermahnt uns, „mit euren eigenen Händen zu arbeiten …, damit
ihr ehrbar wandelt vor denen, die draußen sind und niemand nötig habt“
(1Thes 4,11-12). Es sagt außerdem: „Wenn jemand nicht arbeiten will, so soll
er auch nicht essen“ (2Thes 3,10).
Auf der anderen Seite bringt unser Herr dies selbst ins Gleichgewicht, indem
Er uns auffordert: „Trachtet aber zuerst nach dem Reich Gottes und nach seiner
Gerechtigkeit“, und: „Sammelt euch nicht Schätze auf der Erde“ (Mt
6,33.19). Und um sicherzugehen, dass wir kein verzerrtes Bild vom Lebensstandard
bekommen, sagt Paulus: „Wenn wir aber Nahrung und Bedeckung haben, so wollen
wir uns daran genügen lassen“ (1Tim 6,8). Klingt das ein wenig hart? Aus
Gottes Sicht ist alles andere unausgewogen!
Hast du schon bemerkt, wie sich politische Parteien in rechts oder links
einordnen? Sogar in theologischen Kreisen haben sich Männer in Liberale (links)
und Konservative (rechts) aufgeteilt. Das Gleiche gab es schon zur Zeit Jesu.
Die Pharisäer waren die „staubtrockenen“ orthodoxen Juden, die die Bücher
von Mose in eine lange und umfangreiche Liste von „Du sollst“ und „Du
sollst nicht“ eingeteilt hatten. Die Sadduzäer waren viel „liberaler“.
Sie glaubten nicht einmal an Engel, Geister oder an die Auferstehung.
„Gebt Acht und hütet euch vor dem Sauerteig der Pharisäer und Sadduzäer“
(Mt 16,5-12), sagte Jesus seinen Jüngern. Einige von Jesu härtesten Worten
waren an die Pharisäer gerichtet. Er nannte sie „blinde Führer … Heuchler“
(Mt 23). Und von den Sadduzäern sagte er: „Ihr irrt, indem ihr die Schriften
nicht kennt noch die Kraft Gottes“ (Mt 22,29).
Inwieweit sind wir ebenso eines oder auch beider Irrtümer schuldig?
Besteht unser Christentum aus einer Liste von Regeln und Anordnungen? Sind wir
schuldig, etwas zum Wort Gottes hinzuzufügen, indem wir auf einigen Dingen
bestehen, die nicht direkt dort geschrieben stehen? Oder fehlt unserem
Christsein auf der anderen Seite die tiefe Erkenntnis der Schrift oder der Kraft
Gottes? Sind wir besorgt darüber, das zu tun, was Gott uns eindeutig sagt, weil
wir nicht als „Extremisten“ gelten wollen? Wenn das so ist, befinden wir uns
ebenso in einem Irrtum! Möge Gott uns helfen, ein lehrmäßig ausgewogenes
christliches Leben zu entdecken und auch zu führen.
Eine der größten Aufgaben, die der Gemeinde durch die Jahrhunderte hindurch
begegnete, ist, sich von der Welt und ihrer Verdorbenheit abzusondern, während
man jedoch in der Welt ein Zeugnis sein soll. Wir sind wenig erfolgreich darin.
Jesu Gebet für seine Jünger war nicht, dass Gott sie aus der Welt wegnehme,
sondern dass Er sie bewahre vor dem Bösen. „Sie sind nicht von der Welt, wie
Ich nicht von der Welt bin … wie Du mich in die Welt gesandt hast, so habe
auch Ich sie in die Welt gesandt“ (Joh 17,15-18). Und Paulus ermahnt uns: „Seid
nicht gleichförmig dieser Welt, sondern werdet verwandelt durch die Erneuerung
eures Sinnes“ (Röm 12,2).
Wie gut lernen wir, die folgenden schwierigen Prinzipien gut
auszubalancieren?
- Absonderung von der Welt und ihren Methoden und Werten
und
- in der Welt zu sein mit einem sichtbaren Glauben und einem Zeugnis, das
dem 21. Jahrhundert angepasst ist?
Oder sind wir in eine von zwei eigentlich einfachen Positionen gefallen:
- Sind wir in ein „exclusives Mönchtum“ verfallen — indem wir unsere
Kontakte so viel wie möglich auf Gläubige reduziert haben und vergessen,
dass wir Licht für die Welt sein sollen?
- Oder leben wir ein getarntes und angepasstes christliches Leben, das nicht
„anstößig“ ist — tatsächlich werden die Menschen es noch nicht
einmal bemerken?
Möge uns Gott helfen, die richtige Balance zu finden: in der Welt, aber
nicht von der Welt.
Gott fordert uns auf, ein ausgewogenes christliches Leben zu führen. Das
schließt wahrscheinlich den schmerzvollen Prozess ein, unserem himmlischen
Vater zu erlauben, uns zu zeigen, wo wir nicht ausgewogen sind — wo wir an
Ideen oder Wegen festhalten, die wir mögen, weil wir mit ihnen zufrieden sind,
die aber die biblischen Prinzipien nicht richtig ausbalancieren.
Darum müssen wir mit Gottes Hilfe diese Dinge korrigieren, die Er uns zeigt.
Das könnten Wahrheiten auf anderen Spannungsfeldern sein, so wie Liebe und
Selbstbeherrschung; Freiheit in Christus und Verantwortung schwächeren Brüdern
gegenüber; gute Traditionen und positive Veränderungen; Unterwerfung unter
eine Autorität und für etwas eintreten, was richtig ist; Worte und Taten.
Um ein Fahrrad zu fahren, muss man es richtig im Gleichgewicht halten. Um
einen Bogen zu benutzen, müssen beide Enden in Spannung gehalten werden. Möge
Gott uns helfen.
aus Grace and Truth, April
1988
Übersetzung: M.N.
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