Sacharja und die Zukunft Jerusalems (1)
Einführung

Jacob Gerrit Fijnvandraat

© SoundWords, online seit: 25.06.2018, aktualisiert: 21.07.2018

Vorwort

Fortsetzung von Haggai – Der Prophet und seine Botschaft

Diese Betrachtung muss als eine folgerichtige Fortsetzung der Betrachtung des Buches Haggai gesehen werden mit dem Titel Haggai – Der Prophet und seine Botschaft. Als ich mit dem Schreiben dieser Abhandlung beschäftigt war, spielte ich nämlich bereits mit dem Gedanken, nach der Fertigstellung mit dem Schreiben einer Betrachtung über das Buch Sacharja fortzufahren. Das lag einigermaßen auf der Hand, weil diese beiden Propheten in derselben Zeit lebten und teilweise über dasselbe Thema prophezeit haben. Wir lesen ja in Esra 5,1: „Und Haggai, der Prophet, und Sacharja, der Sohn Iddos, die Propheten, weissagten den Juden, die in Juda und in Jerusalem waren, im Namen des Gottes Israels“, und Esra 6,14 fügt hinzu: „Und die Ältesten der Juden bauten; und es gelang ihnen durch die Weissagung Haggais, des Propheten, und Sacharjas, des Sohnes Iddos.“

Hinzu kam, dass ich für meine Studien über Haggai bereits einige Vorarbeit geleistet hatte, die ich für eine Abhandlung über Sacharja gebrauchen konnte. Darüber hinaus hat der Prophet Sacharja mich immer schon gefesselt.

Mit dem Schreiben dieser Abhandlung habe ich dann im Jahr 1998 angefangen, als die Betrachtung über Haggai herauskam. Im Frühjahr 2001 hatte ich den Text eigentlich fertiggestellt. Danach habe ich noch ein einzelnes Buch als Nachschlagewerk durchgearbeitet.

Das Schreiben über das Buch Sacharja verlangt von einem Autor viel mehr als das Abliefern einer Abhandlung über Haggai. Erstens ist dieses Buch viel umfassender. Zweitens berührt der Inhalt ein viel größeres Gebiet. In Sacharja kommen viel mehr Themen ans Licht als in Haggai[1], und diese Themen sind durchaus nicht immer einfach zu erklären. Drittens stoßen wir in Sacharja auf einige Probleme „technischer“ Natur.

Als ich dann doch beschlossen habe, mich an dieses Werk zu wagen, wusste ich mich durch eine Aussage Jonathans gestärkt, der bei einem Angriff auf einen Wachtposten der Philister die berühmten Worte sagte: „Vielleicht wird der HERR für uns wirken, denn für den HERRN gibt es kein Hindernis, durch viele zu retten oder durch wenige“ (1Sam 14,6), wobei ich „wenige“ durch „Geringe“ ersetzen möchte und „viele“ durch „Gelehrte“.

Ziel und Absicht dieser Betrachtung

Das Ziel dieser Bibelstudie ist in erster Linie, eine Abhandlung über die Schrift des Propheten Sacharja zu verfassen, die so praktisch wie möglich ist und hoffentlich zur Erbauung des Glaubenslebens des Lesers dient. Die Absicht des eigentlichen Bibelstudiums ist genau wie die über die Betrachtung von Haggai, d.h. zu dem abgedruckten Bibeltext wird eine allgemeine Erklärung gegeben, und anschließend wird in separaten Abschnitten eine tiefergehende Ausarbeitung von bestimmten Begriffen gegeben und dabei oft auf andere Bibelabschnitte verwiesen. Manchmal wird dabei eine Widerlegung einer Erklärung eines bekannten Auslegers gegeben. In Fußnoten findet man Verweise oder Hinweise auf die Literatur, aus der bestimmte Erläuterungen entnommen sind oder die die Auslegung stützen.

Des Weiteren kommen Probleme theologischer oder technischer Natur zur Sprache, jedoch nur, wenn der Text das erfordert oder wenn es nützlich sein kann, spekulative Auffassungen zu widerlegen. Diverse Ausleger, wie z.B. Van der Woude und Rudolph, sind manchmal sehr großzügig bei ihren Vorschlägen zu Textänderungen sowie mit Erklärungen, die auf außerbiblischen Angaben beruhen. Bis auf wenige Ausnahmen gehe ich an diesen m.E. spekulativen Vorstellungen vorbei.

Selbstverständlich kommen in der Einleitung zum Buch Sacharja die Besonderheiten über den Schreiber, über die Person Sacharjas, über den globalen Inhalt seiner Prophezeiung und über die Bedeutung dieser Schrift für uns im Jahr 2002 zur Sprache.

Bei der Wiedergabe der Jahreszahlen muss man mit einem Spielraum von einem Jahr rechnen. Dies steht in Verbindung mit den (kleinen) Unterschieden in den verschiedenen Geschichtsbüchern. Ich habe von einer doppelten Jahresangabe abgesehen, weil ich das zu unordentlich fand. Erwähnenswert ist noch, dass bei östlichen Fürsten das Jahr der Thronbesteigung nicht als Regierungsjahr gerechnet wurde.

Was das Alte Testament betrifft, so beziehen sich die Zitate und Textverweise auf die Nieuwe Vertaling van het NBG van 1951[2], und was das Neue Testament betrifft, auf die sogenannte Teloseditie van het Nieuwe Testament, Auflage 1982. [Deutsche Version: Überarbeitete Elberfelder Übersetzung, Edition CSV Hückeswagen, 3. Auflage 2009; Anm. d. Üb.]

Gern möchte ich meinen Dank allen aussprechen, die auf die eine oder andere Weise geholfen haben, diese Abhandlung entstehen zu lassen. Zuallererst muss mein Dank jedoch zu meinem Herrn ausgehen, der mich befähigt hat, diese Abhandlung zu verfassen. Möge Er das Lesen segnen.

Leeuwarden, 2002

J.G. Fijnvandraat

 

Ausgangspunkte

Bei einer Abhandlung eines prophetischen Buches kann es erhellend sein, wenn der Schreiber vorab erklärt, welchen Standpunkt er hinsichtlich des Stoffs einnimmt, den er behandeln wird. Im Folgenden geschieht das hier auch.

Ausgangspunkt: Absolute Vertrauenswürdigkeit der Bibel

Im Vorhinein möchte ich klarstellen, dass ich von der absoluten Vertrauenswürdigkeit der Bibel als Gottes Wort ausgehe. Diesbezüglich stelle ich mich also auf den orthodoxen Standpunkt und weise Auslegungen von Ungläubigen oder (halb-)freisinniger Art ab. Wie im Vorwort erwähnt, gilt dies auch für spekulative Auffassungen von mehr oder weniger orthodoxen Schriftauslegern, die sich dafür oft auf außerbiblische Angaben berufen.

Die Zukunft Israels

In einigen orthodoxen Kreisen wird noch der Theorie angehangen, nach der die Kirche an die Stelle Israels getreten sei. In der Vergangenheit wurde viel darüber geschrieben, sowohl für und wider; ich erachte es daher nicht für nützlich, hierauf weiter einzugehen.

Heutzutage weisen viele diese Theorie ab, betrachten aber eine Realität der Zukunft Israels lediglich innerhalb des Kaders der Kirche. Sie gehen nämlich von dem Gedanken aus, dass die „Kirche“ auf der Erde von Adam an bis zum Jüngsten Tag existiert. In dieser Auffassung gibt es für eine separate geistliche Zukunft Israels keinen Platz, und den Gedanken an ein zukünftiges 1000-jähriges Reich, in dem Christus mit den verherrlichten Heiligen über das wiederhergestellte Volk Israel im Land Kanaan sowie über die Völker der Erde regiert, weist man ab.

Diese Sichtweise bringt mit sich, dass man die „Wiederherstellungsprophezeiungen“, denen wir in Sacharja zuhauf begegnen, vergeistlichend auf die „Kirche“ oder „Gemeinde“ im gegenwärtigen Zustand anwendet oder auf die Seligen in der Zeit des neuen Himmels und der neuen Erde. In dieser Hinsicht gibt es keinen Unterschied zu denen, die noch der Substitutionstheorie anhängen.

Äußerst betont findet man diese Auffassung bei Calvin, der, wenn Sacharja über die zukünftige Situation von Jerusalem redet, diese Aussagen des Propheten ohne weiteres auf die Kirche anwendet.[3] Viele sind ihm darin gefolgt. Die Inhaltsangabe im Werk von K. Deddens ist diesbezüglich schlagend, denn er redet über die acht Visionen als über „die Versammlung der Kirche“ usw. Um noch einen anderen zu nennen: P. Lok bemerkt, bezugnehmend auf den Ausdruck „Jerusalem“, der in Sacharja 12 vorkommt, leichthin: „Wir verstehen, dass damit die Kirche von Christus gemeint ist.“ Van Ruler ist deutlich vorsichtiger und lässt bei der Behandlung von Sacharja 8,23 die Möglichkeit offen, dass Israel noch einmal ein „neuer Mittelpunkt zum Heil der Völker sein könnte“.[4] Die Lehre, der diese Ausleger anhangen, zwingt sie zu einer gedrungenen, vergeistlichenden Erklärung, die an sich eine Verlegenheitsauslegung ist.

Zu allem Überfluss weise ich noch auf eine andere Auffassung hin, in der man die Kirche in Israel einverleibt. Dieser Gedanke impliziert, dass man gemeinsam mit Juden die jüdischen Feste feiert, wie zum Beispiel das Laubhüttenfest.

Diese Auffassung wird in dieser Betrachtung gewiss nicht geteilt, wie sehr es auch sein mag, dass der Schreiber mit der Tatsache sympathisiert, dass man Israel eine heilvolle Zukunft zuschreibt.

Die Entstehung der Kirche bzw. der Gemeinde

In dieser Betrachtung wird von einem ganz anderen Gesichtspunkt ausgegangen, und zwar von der biblischen Tatsache, dass die Gemeinde auf der Erde erst am Pfingsttag entstanden ist, worüber Apostelgeschichte 2 spricht. Die Basis dafür finden wir u.a. in den Bibelabschnitten in Matthäus 16,18; 1. Korinther 12,12; Epheser 2,13-16 und Epheser 2,20.21, die alle – im Hinblick auf die Bildung der Gemeinde oder Kirche – auf eine Zeit hinweisen, die nicht einmal angebrochen war, als Jesus von Nazareth auf der Erde weilte. Gemäß diesem Gesichtspunkt nimmt Gott den Faden mit seinem Volk Israel in der nachchristlichen Zeit wieder auf, und die Wiederherstellung wird mit dem sogenannten 1000-jährigen Reich gekrönt.[5] Auf diese Zeit weisen die Heilsprophezeiungen des Buches Sacharja hin, die demnach in Bezug auf das Volk Israel und das Land der Juden wörtlich ausgelegt werden müssen, zumindest, wenn wir das, was das prophetische Wort in Bezug auf das Volk Israel sagt, nicht verkürzen wollen.

Nun muss jedoch gesagt werden, dass diverse Ausleger unter dem Einfluss von dem, was 1948 geschehen ist, einen Blick für die Zukunft Israels erhalten haben. In dieser Hinsicht ist es wichtig, festzustellen, dass die Erklärung der Heilsprophezeiungen im Hinblick auf die wörtliche Wiederherstellung Israels schon bei Auslegern gefunden wird, die gut hundert Jahre vor 1948 lebten, als von einer Rückkehr der Juden ins Land Israel in der fernsten Ferne noch keine Rede war. Diese Ausleger, denen ich meine geistliche Bildung zu verdanken habe, hoben nicht auf das ab, was sie sahen, sondern auf das, was die Schrift sagt.[6]

Hat Sacharja uns denn dann etwas zu sagen?

Wenn nun Sacharja so viel über die Zukunft Israels zu sagen hat, dann könnte die Frage aufkommen, was Sacharja uns dann noch zu sagen hat. Nun, dieses Buch hat uns viel in Verbindung mit unserem praktischen Glaubensleben zu sagen. Es ist angebracht, hier die folgenden Worte von E. Dennett zu zitieren, auch wenn sie uns heute etwas altmodisch in den Ohren klingen:

Wir dürfen nicht vergessen, dass der Platz der himmlischen Heiligen und die Hoffnung der Kirche im Neuen Testament gefunden wird; und während dem so ist, ist es von äußerster Wichtigkeit, dass der Gläubige Interesse hat für alles, was die Pläne Gottes betrifft, und für die Herrlichkeit seines Christus hier auf der Erde […]. Darüber hinaus konzentrieren die heiligen Schriften sich vielfach auf den wiederhergestellten „Überrest“ aus der Zeit nach der Verbannung, weil sie in moralischer Hinsicht häufig die Stellung der Heiligen in der heutigen Zeit aufzeigen, während sie auf die Wiederkunft ihres Herrn warten.[7]

Die Wichtigkeit des Alten Testaments

In Verbindung mit dem vorhergehenden Absatz ist es nützlich, die Wichtigkeit des Alten Testaments herauszustellen. Wir tun das wie folgt:

  • Das AT beschreibt die Geschichte, die dem NT vorausgegangen ist. Ohne das AT würden wir nichts von dem verstehen, was im Brief an die Römer über Adam gesagt wird, was der Brief an die Hebräer über Melchisedek sagt und alles, was dieser Brief im Hinblick auf Israel beschreibt.

  • Das AT ist u.a. geschrieben „als Ermahnung für uns, auf die das Ende der Zeitalter gekommen ist“ (1Kor 10,11). Das AT warnt uns dabei nicht nur mittels der Geschichte Israels, sondern auch durch das, was diversen Personen widerfahren ist. Man denke nur an das, was Abraham in Ägypten widerfuhr. Das sind die negativen Lektionen, die das AT uns vorhält.

  • Das AT ist auch geschrieben, „damit wir durch das Ausharren und durch die Ermunterung der Schriften die Hoffnung haben“ (Röm 15,4). Man denke an den Glauben Abrahams und anderer und die Hilfe, die er von Gott empfing sowie an die Rettungen, die Gott seinem Volk Israel in der Vergangenheit brachte. Das ist die positive Lektion des AT.

  • Das AT enthält außerdem diverse Typisierungen, die den neutestamentlichen Gegebenheiten als Bilder dienen. Man denke an Adam als Bild von Christus (Röm 5,12-14); an Melchisedek (Heb 5 und 7) und an Sarah (Isaak) und Hagar (Ismael) (Gal 4,21-31) usw.

  • Eine weitere sehr wichtige Funktion des AT ist des Weiteren, dass wir Gott aus ihm kennenlernen und den Herrn Jesus Christus als Messias.

Einige der o.g. Punkte kommen in dieser Betrachtung zum Vorschein.

Nicht geschrieben, um unsere Wissbegierde zu befriedigen

Als Ergänzung zum Vorhergehenden darf noch auf das hingewiesen werden, was Dr. H. Rossier denjenigen vorhält, die sich viel mit dem Studium der Prophezeiungen beschäftigen. Er warnt davor, dies nicht zur Befriedigung unserer Wissbegierde bezüglich der zukünftigen Ereignisse zu tun. Dieser Gefahr entkommen wir, wenn wir das Ziel der Prophetie verstanden haben und dementsprechend wertschätzen. Das Ziel umschreibt er wie folgt:

Die Prophetie ist an erster Stelle die Offenbarung der Kraft und des Kommens unseres Herrn Jesus Christus (2Pet 1,16).

Dabei geht es um die Enthüllung seiner zukünftigen Herrlichkeit, der das Leiden vorausgehen musste (1Pet 1,11). Als zweites Ziel nennt er die Enthüllung dessen, was mit dem Überrest Israels geschehen wird, „dessen Geschichte so eng mit der seines Erlösers verbunden ist“. Weiter weist er darauf hin, dass die Prophetie „uns von der Welt getrennt halten will“. Die Offenbarung von Christus zieht unsere Herzen nämlich zu Ihm, „der für uns gelitten hat, und lässt uns mit seiner Herrlichkeit beschäftigt sein“. In diesem Zusammenhang weist er auf 2. Petrus 1,19.[8] Diese Warnung sollten wir uns zu Herzen nehmen.

Einleitung

Die Zeit, in der Sacharja auftrat

In der Betrachtung über den Propheten Haggai habe ich eine ausgiebige Einleitung und Übersicht über die Geschichte des Volkes Israels verfasst, beginnend mit der Zeit, als das Volk aus Ägypten auszog und in Sinai die Stiftshütte baute, bis zur Zeit Haggais. Die Pläne Davids, einen Tempel zu bauen, kamen zur Sprache sowie die Realisierung dieser Pläne durch seinen Sohn Salomo. Darauf folgte eine Behandlung von: der Teilung des Reiches, der Verwüstung des Tempels und der Wegführung des Volkes nach Babylon und auch die Rückkehr aus der Babylonischen Gefangenschaft und dem Beginn des Wiederaufbaus des Tempels, worauf ich oben schon hingewiesen habe.

Dies alles diente dazu, Haggai und dem Wiederaufbau des Tempels einen logischen Platz in der Geschichte Israels einzuräumen seit der Zeit, als Gott Israel den Auftrag gab, Ihm ein Heiligtum zu bauen.

Mit kurzen Worten wurde auch aufgezeigt, wo wir die Rückkehr der Juden in der Weltgeschichte einordnen müssen, und das im Zusammenhang mit den Zeitangaben, denen wir in Haggai begegnen.

Da Sacharja in derselben Zeit lebte wie Haggai und sein Dienst ebenso mit dem Wiederaufbau des Heiligtums zu tun hatte, kann ich nichts Besseres tun, als auf diese Schilderung der oben genannten Einleitung zu verweisen[9] und es hier mit einem kurzen Hinweis bewenden zu lassen.

Sacharja lebte in der Zeit nach der Verbannung, demnach nach dem Untergang des Babylonischen Reiches in 539 v.Chr. Der persische König Cyrus oder Kores, der das Babylonische Reich unterworfen hatte, gab den Juden die Erlaubnis, in ihr Land zurückzukehren mit dem Auftrag, das Haus des Herrn, des Gottes Israels, zu bauen (Esra 1). Serubbabel, ein Nachkomme Davids, kehrte daraufhin mit ungefähr 50.000 Juden in das Land der Väter zurück und fing mit dem Wiederaufbau des Tempels um ca. 536 v.Chr. an. Neben ihm trat Josua, der Hohepriester, auf. Das Land befand sich in einem desolaten Zustand, und Fremde hatten sich dort niedergelassen. Durch den Widerstand dieser Landbevölkerung wurde ungefähr sechs Jahre später das Arbeiten eingestellt. Bultema bemerkt hierzu:

Mit derartigem Widerstand hatte Israel offenbar nicht gerechnet, und dagegen hielt ihr Glaubensmut nicht stand, weshalb Mutlosigkeit und Erschlaffung bei den zurückgekehrten Verbannten aufkam.[10]

Der Bau stand still bis zum zweiten Jahr des persischen Königs Darius Hystaspis, der 521–486 v.Chr. regierte. Sacharja trat zusammen mit Haggai in dessen zweiten Regierungsjahr auf, das ist 520 v.Chr. Der Bau wurde im sechsten Jahr dieses Königs fertiggestellt, das ist 516 v.Chr. (Esra 5,1.2; 6,14.15).

Was die Juden auch erwartet haben mögen, mit ihrer Rückkehr aus der Verbannung und dem Wiederaufbau des Tempels war die messianische Heilszeit, über die die Propheten vor der Verbannung geredet hatten, allerdings nicht angebrochen. Diese Heilszeit lag noch in ferner Zukunft, und Sacharja kündigt an, wann und unter welchen Voraussetzungen und Umständen die glorreiche Zeit anbrechen würde.[11]

Das Buch Sacharja

Wer ist der Schreiber?

Wenn ein Bibelbuch nach einer Person genannt ist, bedeutet das nicht automatisch, dass diese Person auch der Schreiber des Buches war. Ein Zeitgenosse könnte nämlich für die schriftliche Niederlegung der Aussagen der betreffenden Person gesorgt haben. Ein Beispiel dafür haben wir in Baruk, der die Prophezeiungen, die Jeremia aussprach, niederschrieb (Jer 36,4.32; 45,1).

Der Schreiber des Buches Sacharja kann auch jemand aus späterer Zeit gewesen sein, der die mündliche Überlieferung durch die Zeit hindurch in seiner eigenen Zeit aufgeschrieben hat. In Terugzien en vooruitkijken habe ich dazu geschrieben:

Bei Letzterem müssen wir bedenken, dass man im Altertum viel mehr Dinge akkurat im Gedächtnis speicherte, als wir das in unserer Zeit tun. Darüber hinaus waren viele Personen Zuhörer der Aussagen von Haggai und Augenzeugen der Ereignisse. Über allem müssen wir aber bedenken, dass die Prophezeiung Haggais in „der Schrift“ aufgenommen wurde und zu den „heiligen Schriften“ gehört, deren Vertrauenswürdigkeit unter dem jüdischen Volk anerkannt wurde; und das alles bedeutet: auch durch den Herrn Jesus und die Apostel. Immerhin beruft sich der Herr Jesus auf diese Schriften, und von diesen Schriften sagt Paulus, dass sie von Gott eingegeben sind. Für die Anerkennung der Autorität des Buches Haggai macht es daher auch nichts aus, ob wir genau wissen, wer der Schreiber war.

Dasselbe gilt für das Buch Sacharja. Der Gedanke, dass wir mit einem Schreiber aus späterer Zeit zu tun haben könnten, braucht also der Vertrauenswürdigkeit des Textes keinen Abbruch zu tun. Wenn es jedoch keinen zwingenden Grund gibt, einen Autor aus späterer Zeit anzunehmen, können wir sicherheitshalber einfach davon ausgehen, dass die Person im Zweifel selbst oder ein Zeitgenosse der Schreiber ist.

Theorien über die Zusammenstellung

Im Allgemeinen herrscht Übereinstimmung unter den Auslegern, dass Sacharja der Schreiber der Kapitel 1–8 ist, aber über Kapitel 9–14 gehen die Meinungen auseinander. Manche schreiben diesen Teil Jeremia zu. Man beruft sich bei dieser Meinung auf Matthäus 27,9, wo das Wort aus Sacharja 11,12 dem Jeremia zugeschrieben wird. Andere versetzen die Kapitel 9–11 in die Zeit Jesajas und schreiben nur die Kapitel 12–14 Jeremia zu. Den früheren Datierungen stellen wieder andere gegenüber, dass diese Kapitel aus der griechischen Zeit stammen.

Man streitet die Verfasserschaft Sacharjas für Kapitel 9–14 u.a. deswegen ab, weil

  • keine Visionen genannt werden wie in Kapitel 1–8;
  • keine Rede ist von „dem Engel, der mit mir sprach“;
  • es eine Stiländerung gibt;
  • bestimmte Ausdrücke, denen wir in einem Teil begegnen, im anderen nicht vorkommen;
  • die politische und historische Situation ganz anders ist als in der Zeit von Sacharja;
  • in diesen Kapiteln nirgends der Name Sacharjas genannt wird[12] und auch der Verweis auf Josua oder Serubbabel fehlt;
  • wir dem Ausdruck „So spricht der Herr“ nicht begegnen;
  • keine einzige Zeitangabe gemacht wird;
  • keine Anspielung auf den Tempelbau gemacht wird.

Dass es zwischen den beiden Hauptteilen Kapitel 1–8 und Kapitel 9–14 einen Unterschied gibt, ist natürlich nicht zu leugnen, muss aber nicht gegen die Verfasserschaft von Sacharja zeugen. Es kann einem andersartigen Dienst des Propheten zugeschrieben werden. Anstelle von Gesichten, in denen ein Vermittlungsengel auftritt, enthält der letzte Teil zwei Reden Gottes, die sich viel stärker als die Gesichte prophetisch auf die Wiederherstellung des Landes und des Volkes in der fernen Zukunft beziehen. Die Veränderung des Stils ist hiermit auch erklärbar, und das umso mehr, wenn wir annehmen, dass dieser Dienst Sacharja in einer späteren Zeit seines Lebens anvertraut wurde, wie u.a. Edelkoort unterstellt.[13]

Der Unterschied des Wortgebrauchs sagt nicht viel aus; das kommt bei anderen Bibelschreibern und bei weltlichen Autoren genauso vor.[14] Darüber hinaus gibt es zwei typische Worte und Ausdrücke, die sowohl in Kapitel 1–8 als auch in Kapitel 9–14 vorkommen. Dazu kommt, dass zu beiden Teilen Verbindungen zu dem gelegt werden können, was die früheren Propheten geredet haben.[15]

Inwieweit die politische und historische Schilderung in Kapitel 9–14 anders ist als die in Kapitel 1–8, ist auch eine Frage der subjektiven Beurteilung. Die Tatsache, dass in Sacharja 9,13 die Rede von Griechenland ist, braucht z.B. nicht zu bedeuten, dass das griechische Weltreich bereits den Platz des persischen Weltreichs eingenommen hatte, sondern kann dem prophetischen Charakter der Gottesaussprachen zugeschrieben werden.

Dass Sacharja und andere Personen in diesen Kapiteln nicht erwähnt werden, kann auch mit der Andersartigkeit der Prophezeiung in diesem Abschnitt erklärt werden. Dass eine Anspielung auf den Tempelbau fehlt, kann mit der Tatsache zu tun haben, dass der Bau bereits fertig war.

Der Vollständigkeit halber halte ich noch fest, dass es auch Ausleger gibt, wie z.B. Rudolph[16], die Kapitel 9–11 von Kapitel 12–14 lösen und demnach drei Autoren unterstellen.

Alle diese Unterstellungen weisen wir ab. Das taten übrigens auch römisch-katholische Theologen, wie sich aus der Biblia Sacra. Die Heiligen Bücher des Alten Bundes[17] zeigt. Die Übersetzung der apologetischen Vereinigung Petrus Canisius hingegen lässt Raum für einen abweichenden Standpunkt.

Wenn es jedoch keine zwingenden Gründe gibt, um ein Buch in zwei oder mehr selbständige Teile zu unterteilen, tun wir gut daran, die Einheit der Komposition bezüglich des Schreibers zu wahren und also davon auszugehen. In dieser Betrachtung werden wir das tun.

Übrigens brauchen wir die, die einer anderen Meinung zugetan sind, nicht alle zu verteufeln, sofern sie weiterhin von der Tatsache ausgehen, dass es schlussendlich nur einen Autor gibt, den Heiligen Geist, und dass das ganze Buch Sacharja zu den inspirierten Schriften gehört, die nicht durch den Willen des Menschen hervorgebracht wurden, sondern durch Gott mittels Männer Gottes, getrieben durch diesen einen Geist.

In Verbindung mit den Theorien über die Zusammenstellung und die Vorschläge zu Textverbesserungen möchte ich wiederholen, was ich darüber in meiner Betrachtung über das Buch Haggai geschrieben habe:

Im Allgemeinen betrachten wir die Erwägung bestimmter Veränderungen im Bibeltext nur dann als hinnehmbar, wenn der Text einen unmöglichen Sinn ergibt oder wenn es tiefgreifende Unterschiede in den verfügbaren Handschriften gibt.

Was wissen wir von Sacharja?

Der Name Sacharja bedeutet „Der Herr hat sich erinnert“ oder „Der Herr gedenkt“. Die Eltern beteten wahrscheinlich eine lange Zeit für ein Kind, und als sie diesen Sohn empfingen, brachten sie ihre Dankbarkeit durch den Namen Sacharja Gott gegenüber zum Ausdruck: Der Herr hatte ihre Gebete erhört, Er hatte an sie gedacht.

Eine andere Möglichkeit ist, dass sie ihm diesen Namen in prophetischer Hinsicht gaben, weil der Herr seines Volkes gedenken würde.[18] Die Realisierung dessen fing mit der Rückkehr aus Babel und dem Wiederaufbau des Tempels an. Sacharja würde der Prophet sein, der das „Gedenken“ in die Zukunftsperspektive der definitiven Wiederherstellung Israels platziert.

Beachte:

  • Um bei der ersten Auffassung zu bleiben: In Israel und auch unter Christen wurde ein Kind als Geschöpf Gottes und als ein Geschenk von Ihm angesehen. Psalm 127,3-5 beschreibt dies sehr zutreffend, siehe auch Psalm 139,13. Erst in unserer säkularisierten Zeit hören wir die verabscheuungswürdige Aussage, dass Eltern „ein Kind machen“.

Von Sacharja wissen wir, dass er als Prophet auftrat. In der Zeit von Saul und David nannte man so jemand einen Seher. Er „sah“ Dinge, die mit Gottes Handeln zu tun hatten. In dem Begriff „Prophet“ steckt die Idee, dass so jemand Gottes Gedanken nicht nur „sah“ oder „kannte“, sondern sie auch aussprach. Ein Prophet ist jemand, der eine spezielle Beziehung zu Gott hat: Er redet im Namen Gottes zu den Menschen und befiehlt Menschen Gott an.

Abraham ist die erste Person in der Bibel, die ein Prophet genannt wird (1Mo 20,7). In seinem Fall genügt er dem zweiten Kennzeichen eines Propheten: das Anbefehlen von bzw. die Fürsprache für jemand vor Gott.

Der Sohn Berekjas

Im Alten Testament kommen ungefähr achtzehn Personen vor, die Sacharja [Zacharias] heißen. Wir haben also mehr Angaben nötig, um unseren Propheten einordnen zu können. Nun, er wird der Sohn Berekjas genannt, was einige „Kandidaten“ herausfallen lässt. Doch es gibt mehrere Sacharjas, von denen gesagt wird, dass sie ein Sohn Berekjas sind. In Jesaja 8,2 ist das zum Beispiel der Fall. Es ist allerdings schwerlich denkbar, dass dies derselbe Sacharja ist. Jesaja war ein Prophet ab der Zeit des Königs Ussia bis zur Zeit des Königs Hiskia, was grob gesagt die Zeit 740–700 v.Chr. ist[19], während der Prophet Sacharja, von dem wir hier sprechen, in der Zeit von König Darius auftrat, um ca. 520 v.Chr. Dazwischen liegt ein Zeitunterschied von zwei Jahrhunderten.

Das oben Gesagte schließt nicht aus, dass es sich um denselben Berekja handelt, jedoch wird dann in Sacharja 1,1 bei Sohn von Berekja an einen Nachkommen gedacht, und Berekja ist demnach einer der Vorväter Sacharjas.

Es ist noch einmal die Rede von einem Sacharja, dem Sohn Berekjas, und zwar in Matthäus 23,35 v.Chr.[20] Der Herr Jesus tadelt dort die Leiter des jüdischen Volks, dass sie für das Blut Sacharjas, des Sohnes Berekjas, verantwortlich sind, den sie zwischen dem Tempel und dem Altar ermordet haben. Da geht es um den Propheten Sacharja, der in den Tagen Joas (835–795 v.Chr.) auftrat, des Königs von Juda (2Chr 24,20.21). Dieser Sacharja wird dort der Sohn von Jojada genannt; der Herr redet allerdings von dem Sohn Berekjas, was den Gedanken verstärkt, dass mit Berekja ein Priester-Vorvater aus früherer Zeit gemeint sein könnte.

Beachte:

  • Es sieht so aus, als wenn der Herr Jesus diesen Sacharja als den letzten Märtyrer vorstellt, der sein Zeugnis mit dem Tod hat bezahlen müssen. Nach Bultema geht es jedoch nicht darum, dass dieser Sacharja der letzte Sacharja in zeitlicher Abfolge ist, sondern dass er in der Reihenfolge der hebräischen Bücher der letzte Sacharja ist, der erwähnt wird.[21] Archer meint, dass der Herr in Matthäus 23,20 sehr wohl auf den Sacharja des vorletzten Bibelbuchs anspielt. „Unser“ Sacharja müsste dann auf dieselbe Weise umgekommen sein wie der Sacharja aus den Tagen Josias.

  • Darby hat bereits dieselbe Erklärung gegeben wie Bultema; seine Meinung ist allerdings auch dieselbe wie die von Archer. Er beruft sich dabei auf eine Mitteilung im jüdischen Targum, nach der ein Priester und ein Prophet, genannt Sacharja, der Sohn Iddos, im Heiligtum getötet wurden.[22] Wir halten es aber mit der Erklärung von Bultema, die sich auf das Zeugnis des Alten Testaments beruft.[23] Die jüdische Überlieferung schließt das Zeugnis des Alten Testaments übrigens nicht aus.

Der Sohn Iddos

In Sacharja 1,1 finden wir noch eine weitere Andeutung bezüglich unseres Propheten. Sein (Vor-)Vater Berekja wird dort der Sohn Iddos genannt. Das beweist erneut, dass „Sohn von“ Nachkomme bedeuten kann. Van Andel weist in diesem Zusammenhang auf 1. Mose 29,5 und auf 2. Könige 9,20 hin, wo auf jeden Fall ein Geschlecht überschlagen wird.[24] Beachten wir hierbei die Tatsache, dass der Herr Jesus als „der Sohn Davids“ bezeichnet wird.[25]

Im Alten Testament werden verschiedene Iddos erwähnt[26], und die Frage ist, ob diese Erwähnungen uns weiterhelfen. In 1. Könige 4,14 geht es um einen Iddo, der der (Vor-)Vater von Ahinadab ist, der von Salomo als Landvogt über einen Teil seines Königreichs angestellt wurde. Weitere Angaben über diesen Iddo fehlen, weshalb uns diese Erwähnung nicht viel weiterbringt. In 1. Chronika 6,21 ist von einem gewissen Iddo die Rede, der aus dem Geschlecht Levis stammt, entlang der Linie seines Sohnes Gersom. Doch weder die Vorväter Iddos, die in diesem Vers erwähnt werden, noch seine Nachkommen geben uns irgendeinen Halt, denn es ist keine Rede von einem Berekja oder einem Jojada, durch die die Identifikation von Iddo möglich wäre. 1. Chronika 27,21 betrifft einen Iddo aus dem Stamm Manasse, dessen Vater Sekarja heißt, doch das hilft uns auch nicht. In 2. Chronika 12,15 und 13,22 ist die Rede von einem „Seher“ Iddo, der in der Zeit Rehabeams und Abijas lebte. Dieser Seher hat die Geschichte dieser beiden Könige verschriftlicht. Von seiner Herkunft und von seinen Nachkommen wissen wir jedoch nichts. Offensichtlich war er eine bekannte Person, und er könnte der Iddo aus Sacharja 1,1 sein, doch damit ist dann auch alles gesagt. Esra 8,17 spricht von einem Iddo, der das Haupt in der Stadt Kasiphja ist und der also nicht nach Israel zurückgekehrt ist. Ihm lässt Esra die Botschaft übermitteln, dass er dafür sorgen soll, dass Leviten mit ihm, nämlich Esra, in das Land Israel zurückkehren. Es ist anzunehmen, dass dieser Iddo selbst auch ein Levit war, doch als Vater Sacharjas können wir ihn kaum bezeichnen. Das gilt schon eher für den Iddo, der in Nehemia 12,4.16 genannt wird. Dieser Mann gehört nämlich sehr wohl zu denjenigen, die mit Serubbabel und Josua aus Babylon zurückgekehrt waren, und von ihm heißt es, dass er einen Sohn hat, der Sacharja heißt. Wenn dieser Gedanke stimmt, gehört „unser“ Sacharja also zum priesterlichen Geschlecht.[27]

Was für eine Person ist Sacharja?

Wir erhalten mehr Informationen über unseren Sacharja, wenn wir sein Buch lesen, denn dann lernen wir seinen Charakter kennen, und das ist wichtiger als das Wissen um seine Abstammung. Wir stellen fest, dass er mit dem Zustand seines Volkes mitempfindet; dass er sich nicht schämt, durch Fragen zu erforschen, was Gott ihm präsentiert, und dass er nicht davor zurückschreckt, seine Zeitgenossen ernsthaft zu bestrafen, wo es nötig ist. Er zeigt sich in seinem Buch als wahrer Gottesmann, der uns zum Vorbild ist.

Was ist das Ziel seines Auftretens?

Das Ziel des Auftretens von Sacharja ist zweierlei: Das erste Ziel war, das mutlose Volk wieder dazu zu bringen, den Tempel zu bauen und den Bau fortzusetzen. Das Buch Esra erzählt uns, dass dieses Ziel erreicht wurde. Es gibt jedoch ein zweites Ziel, das viel weiter geht: Sacharja will seinem Volk vorstellen, wie es wieder die Erbarmung Gottes erfahren kann, so dass der HERR Juda wieder als sein Erbteil in Besitz nehmen kann (Sach 1,16; 2,12). Im Lauf der Jahrhunderte, auch über unsere Zeit hinaus, redet er von der endgültigen Wiederherstellung des Volkes Israel.

George L. Robinson hat das Buch Sacharja charakterisiert als „das am meisten messianische, das am meisten apokalyptische und eschatologische aller Schriften des Alten Testaments“.

Angesichts der Tatsache, dass Sacharja nach der Rückkehr aus der Babylonischen Gefangenschaft lebte, kann sich seine Prophezeiung unmöglich auf die Wiederherstellung beziehen, die nach dem Fall Babylons stattfand. Wir haben bereits dargelegt und werden darauf noch zurückkommen, dass seine Worte genauso wenig ihre Erfüllung in der Situation der Kirche gefunden haben, so wie sie in den Evangelien angekündigt und in der Apostelgeschichte und in den Briefen des Neuen Testaments beschrieben wird.

Bezug zum Neuen Testament

Kennzeichnend ist, dass wir im Neuen Testament viele Verweise auf das Buch Sacharja finden. Nestle und Aland zählen 41 Verweise auf.[28] Dies betrifft direkte Zitate sowie auch gedankliche Übereinstimmungen. Die folgende Übersicht gibt davon einen Eindruck:

Sach 2,5 Ausmessen der Stadt Off 21,15
Sach 2,14.15

Das Wohnen Gottes
Gottes Volk sein

Off 21,3
Sach 3,1 Satan, der Ankläger Off 12,10
Sach 3,2 Bestrafung Satans Jud 9
Sach 4,2.3.11-14 Die zwei Gesalbten Off 11,4
Sach 6,5 Die vier Winde des Himmels Off 7,1
Sach 7,9.10; 8,16.17 Verhältnis zum Nächsten Eph 4,25; 1Kor 13,5.6
Sach 9,9 Reiten auf einem Esel Mt 21,5; Joh 12,15
Sach 11,12 Lohn der 30 Silberlinge Mt 26,15
Sach 11,12.13 Das Wegwerfen des Lohns Mt 27,9
Sach 12,2; 14,2 Rolle Jerusalems Lk 21,24; Off 11,2
Sach 12,10 Sehen auf den, den sie durchstochen haben Joh 19,37; Off 1,7
Sach 13,7 Schlagen des Hirten Mt 26,31; Mk 14,27
Sach 14,5b Alle Heiligen mit Ihm Mt 25,31; Off 17,14; 1Thes 3,13
Sach 14,8 Strom lebendigen Wassers Off 22,1

Diese Übersicht unterstreicht noch einmal die Wichtigkeit des Buches Sacharja. Ein Studium dieses Buches ist sicherlich der Mühe wert!

Grobe Einteilung

Das Buch lässt sehr leicht grob wie folgt einteilen:

(A)
Sach 1,1-6
Einleitendes Wort des HERRN, das auf den 8. Monat im 2. Jahr des Darius datiert ist. Es handelt von der Züchtigung, die die Israeliten, die Väter, ihrer Untreue wegen über sich gebracht hatten, gepaart mit dem Aufruf zur Bekehrung.
(B)
Sach 1,7–6,15
Beschreibung von acht Gesichten, die der Prophet am – oder ab dem – 24. Tag des 11. Monats im 2. Jahr des Darius schaut, mit einem abschließenden Wort über die Krönung Josuas, des Hohepriesters, in Sach 6,9-15.
(C)
Sach 7,1–14,21

Diverse Botschaften des HERRN am – oder ab dem – 4. Tag des 9. Monats im 4. Jahr des Darius.
Dieser dritte Abschnitt kann wie folgt unterteilt werden:

(1) Sach 7,1–8,23

Ein zwiefältiges Wort des Herrn:

  1. Über die Folgen der Untreue Israels (Sach 7)
  2. Über Gottes Verheißung zur Wiederherstellung (Sach 8)
(2) Sach 9,1–14,21

Erwähnung zweier „Gottesreden“:

  1. Die erste Gottesrede betrifft das Gericht über die benachbarten Völker, die Ankündigung der Erlösung Israels, die Verwerfung des guten Hirten bzw. des Messias und das Auftreten des falschen Hirten, des Pseudo-Messias (Sach 9–11).
  2. Die zweite Gottesrede handelt von Gericht, von der Rückkehr des Messias und der endgültigen Wiederherstellung Jerusalems (Sach 12–14).

 

Verständnisfragen zur Einleitung

  1. Was bedeutet der Name Sacharja? Warum sollten seine Eltern ihm den Namen gegeben haben?
  2. Was können wir im Allgemeinen von der Namensgebung der Israeliten an ihre Kinder lernen?
  3. Warum ist es nicht so wichtig, dass wir nicht sicher wissen, wer der Schreiber des Buches Sacharja ist?
  4. Beschreibe kurz, wie die Situation, in der das Volk sich in den Tagen Sacharjas befindet, entstand.
  5. Was die Auslegung der Botschaft betrifft, so haben wir es mit der Situation des Volkes Israel in der Vergangenheit und in der Zukunft zu tun. Sind praktische Belehrungen, die Anwendung also, auch darauf beschränkt? Beziehe 1. Korinther 10,11 und Römer 15,4 bei der Beantwortung dieser Frage mit ein.
  6. Was hat uns die Geschichte des Volkes Israel nach der Wegführung zu sagen?
  7. Welche „Tröstung“ können wir als Kirche oder Gemeinde aus der Tatsache schöpfen, dass Gott einen Teil des Volkes ins Land hat zurückkehren und den Tempel hat wiederherstellen lassen?
  8. Was hat dich in dieser Einleitung besonders angesprochen?

 

Anmerkungen

[1] Liegt bei Haggai die Betonung auf der Wiederherstellung des Hauses Gottes, dem Tempel, so beschreibt Sacharja vor allen Dingen die Wiederherstellung der Stadt Gottes, Jerusalem. Hiermit steht die Beziehung zu den Nationen in Verbindung, die Israel bedrängt haben und bedrängen werden; vgl. das Buch Daniel und siehe W. Kelly, Lectures on The Minor Prophets, London, 1874, S. 431.

[2] Ab und zu wurde die NBV-Übersetzung (Nieuwe Bijbelvertaling = Neue Bibelübersetzung) benutzt. [Diese ökumenische Bibelübersetzung erschien im Jahr 2004; Anm. d. Red.]

[3] Siehe J. Calvin, De Profeet Zacharia (De Kleine Profeten, Teil V), De Groot Goudriaan, Kampen, 1985, S. 361.

[4] A.A. van Ruler, Heb moed voor de wereld, Nijkerk, 1953.

[5] Siehe J.G. Fijnvandraat, Toets 4 Het vrederijk moet nog komen (auf Deutsch: „Probe“-Reihe 4: Das Friedensreich wird noch kommen).

[6] Siehe vertiefende Ausarbeitung in Exkurs 1.

[7] E. Dennett, Zechariah the Prophet and Malachi, Montreal, Quebec, 1888, S. 3.

[8] H. Rossier, Gods Bemoeiingen met Israël en de Volken, Teil III, Apeldoorn, 1962, S. 113–114.

[9] Siehe J.G. Fijnvandraat, Terugzien en vooruitkijken, Vaassen, 1998, S. 13–27.

[10] H. Bultema, Zacharia, beknopte verklaring, Michigan, o.J., S. 5.

[11] Vergleiche A. Ringnalda & R. de Vries, Bijbel toegelicht, Kampen, 1958, S. 60.

[12] Die bis hier erwähnten Gegebenheiten sind vornehmlich entlehnt bei J. Ridderbos, Korte Verklaring – De Kleine Profeten, Kampen, 1952, S. 34–40.

[13] A.H. Edelkoort, Bijbel in Nieuwe Vert. met Kanttekeningen, Teil 6, Baarn, 1956, S. 286; siehe auch A.R. Fausset, The Portable Commentary, Glasgow, 1869, S. 749.

[14] Siehe PBZa S. VIII.

[15] Siehe PBZa S. IX.

[16] W. Rudolph, Kommentar zum Alten Testament, Gerd Mohn, 1976, S. 61–62.

[17] Biblia Sacra. Die Heiligen Bücher des Alten Bundes, Teil 8, S. 182–183.

[18] So J. Westerink, Haggaï en Zacharia: profeten van het Huis van God, Amsterdam, 1992, S. 44.

[19] Die Prophezeiung von Jesaja 8,2 befasst sich mit der Zeit, wenn Samaria und Damaskus durch die Assyrer ausgeraubt werden, was spätestens im Jahr 721 v.Chr. geschah.

[20] In der Telos-Übersetzung [niederländische Übersetzung des NT; Anm. d. Üb.] als Barachia buchstabiert.

[21] In der hebräischen Bibel ist 2. Chronika das letzte Buch.

[22] J.N. Darby, Collected Writings, Nr. 6, Stow Hill Bible and Tract Depot, Kingston on Thames, S. 96–102 (alte Ausgabe S. 150–159).

[23] H. Bultema, Zacharia, beknopte verklaring, Michigan, o.J., S. 6; G.L. Archer, Encyclopedia of Bible Difficulties, Grand Rapids, 1964, S. 337–338.

[24] J. van Andel, De Kleine Profeten, Leeuwarden, 1881, S. 270; siehe auch A.S. van der Woude, De prediking van het Oude Testament, Nijkerk, 1984, S. 9.

[25] Siehe u.a. Mt 22,41-46; vgl. auch 2Kön 9,2.14 mit 1Kön 19,16 und 2Kön 9,20.

[26] Nämlich in 1Kön 4,14; 1Chr 6,21; 27,21; 2Chr 12,15; 13,22; Esra 8,17; Neh 12,4.16.

[27] Dr. J. Ridderbos geht von diesem Gedanken aus; siehe J. Ridderbos, Korte Verklaring – De Kleine Profeten, Kampen, 1952, S. 3.

[28] Siehe J.F. Walvoord / Roy B. Zuck, The Bible Knowledge Commentary: Zecharia (F. Duane Lindsey), S. 1545.


Aus Zacharia en de toekomst van Jerusalem. Bijbelstudies bij de profetie van Zacharia, Uitgeverij Medema, Vaassen 2002

Übersetzung: Stephan Winterhoff


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