Herrlichkeiten Jesu Christi in Johannes 17 (4)
Die Herrlichkeit der Erlösung

William Henry Westcott

© SoundWords, online seit: 04.05.2004, aktualisiert: 29.09.2019

Leitvers: Johannes 17,22

Joh 17,22: Und die Herrlichkeit, die du mir gegeben hast, habe ich ihnen gegeben, damit sie eins seien, wie wir eins sind …

Die vierte Herrlichkeit in Johannes 17 ist die Herrlichkeit der Erlösung, eine Herrlichkeit, an der wir teilhaben. „Die Herrlichkeit, die du mir gegeben hast, habe ich ihnen gegeben.“ Diese Herrlichkeit unterscheidet sich von der vorhergehenden. Hier handelt es sich nicht um eine Herrlichkeit, die Er vorher bei dem Vater hatte, ehe die Welt war, und welche Er wieder annehmen wollte und an welcher kein anderer Anteil haben konnte. Doch alles, was seine Liebe mit uns teilen kann, gibt Er uns, und mit Absicht spricht Er davon mit seinem Vater vor den Ohren seiner Jünger, damit sie seine Freude völlig in sich haben möchten. Die Dinge, von denen Er spricht, waren eine Freude für Ihn. „Die Liebe, die nicht gibt wie diese Welt, teilt alles denen, die sie auserwählt.“

Diese Liebe fand ihre Freude in diesem reichen Gnadengeschenk. Er konnte sie nicht in Unwissenheit hinsichtlich dieser großen Segnungsbestimmung lassen. Obgleich Er sie als solche um sich versammelt hat, die Ihm der Vater gegeben und die Er bis ans Ende lieben würde, wurde die Größe ihrer Segnung nur durch seinen Angstschweiß und seine Liebe, durch seinen Kampf und seinen Tod erworben. Sie konnten daran teilnehmen, nachdem Er das Kreuz hinter sich hatte und in Auferstehung war, denn wieder müssen wir daran denken, dass dieses Gebet Ihn im Geist jenseits seines Todes stellt.

Bis Er starb, blieb Er allein, allein nach seiner Ordnung, hervorragend in sittlicher Herrlichkeit, aber allein. Um seinesgleichen zu haben, musste Er als das Weizenkorn in die Erde fallen und sterben. Er musste zuerst leiden und dann in seine Herrlichkeit eingehen, wenn diese Herrlichkeit mit Ihm geteilt werden sollte. Zuerst der Wandel und das Werk in Niedrigkeit allein, dann dementsprechend die Auferstehung, die seine Geliebten auf denselben Platz des Triumphes und der Segnung mit Ihm brachte. Erst das Kreuz und dann die Krone, erst die Schmach und dann der Ruhm, erst der Sohn in Menschheit, der allen Anforderungen Gottes in Bezug auf die sündigen Menschen genügte, der, verlassen und in Einsamkeit, das Werk der Erlösung vollbrachte, sein Leben dahingab, sein Blut vergoss, dann der Sohn in Auferstehung, lebend als Mensch für immer, vom Tod befreit, Haupt eines neuen Geschlechtes, Muster einer neuen Ordnung, in den Stand gesetzt, zu seinen Brüdern von seinem Platz und seinen Beziehungen zu sprechen als zu solchen, die auch die ihrigen waren (Joh 20).

Doch da Gottheit nicht mitteilbar ist, wurde Christus Mensch, damit Er durch den Tod und die Auferstehung alles das dem Menschen mitteilen konnte, was der Mensch den gläubigen Menschen mitteilen kann. Er versichert sie ihres Platzes mit Ihm in der gleichen Gunst vor seinem und ihrem Gott und ihres Teiles in derselben Verwandtschaft als Sohn des Menschen vor seinem und ihrem Vater. Er, als der Auferstandene, der letzte Adam, hauchte seine Jünger an und teilte ihnen damit Leben nach seiner Ordnung mit, Leben, gekennzeichnet als Heiliger Geist (s. Joh 20,17.22). Verwandtschaft, Gunst und Leben – diese sind seinen Geliebten gegeben, diese sind uns gegeben.

Dass diese Dinge alle in Herrlichkeit entfaltet werden, ist eine großartige Wahrheit. Aber sie sind auch jetzt wahr, und man kann sich ihrer erfreuen durch die Macht des Heiligen Geistes. Sie treten an den Tag in der Art, wie wir uns hier auf der Erde verhalten. Die Welt kennt uns nicht, weil sie Ihn nicht kannte. Jetzt sind wir Kinder Gottes. Noch sind wir hier unbekannt, und was wir sein werden, ist noch nicht offenbar. Die Menschen dieses Zeitlaufes sehen uns und wissen nicht, wer wir sind. Wenn Er geoffenbart sein wird, werden wir Ihm gleich sein, denn wir werden Ihn sehen, wie Er ist. Und sie werden es auch sehen, und die Welt wird erkennen, dass der Vater Ihn gesandt und dass Er uns geliebt, wie Er Jesus geliebt hat.

Wir sind Teilhaber der Liebe, welche der Vater für den auferstandenen Sohn hat, und der Herrlichkeit, welche die Frucht seines Werkes für die Menschen ist. Ewiges Leben, Sieg über Tod, Errettung aus der Welt der Macht Satans, die himmlische Berufung und das Erbe, die Verwandtschaft mit dem Vater, Gemeinschaft mit Christus als seine Brüder, der den Namen und das Herz des Vaters kundtut, seine Ratschlüsse, die uns enthüllt wurden – all dies ist uns in der Auferstehung Christi eröffnet und dargestellt worden. Es ist die Herrlichkeit, die Ihm als Mensch (der Sohn ist) gegeben ist in Auferstehung, und Er hat sie uns gegeben.

Und Er hat uns auch den Heiligen Geist gegeben, so dass alle diese Dinge in unser Bewusstsein und unsere Erkenntnis treten. Wir sind nicht wie Almosenempfänger, die von Tür zu Tür die Gaben dieser Welt erbetteln, noch solche, die ihre Freundlichkeit, Gunst oder ihren Beifall zu erlangen suchen, noch begehren wir ihre Gesellschaft oder haben Interesse an dem, womit sie sich beschäftigen. Wir sind Söhne Gottes, um mit zufriedenen Herzen in Würde und Einsicht zu wandeln, mit Kraft und Weisheit, die den Menschen unbekannt sind, heilige Verwalter des reichen himmlischen Überflusses, um der Not um uns herum zu begegnen. Er hat reichlich und freigebig dargereicht, und wir sollen ein Gleiches tun. Solcherart waren die Jünger, solcherart sind wir, die durch ihr Wort an Ihn glauben.

Wir haben Zugang zum Vater, wir sind im Licht dessen, was Er inmitten dieser Welt der Verwirrung tut, wir haben den Schlüssel zu ihrem gegenwärtigen Elend, wir kennen die Lösung ihrer Probleme. Die Verwerfung Christi hat ihre Befreiung aufgeschoben, ihr Friede wartet auf seine Rückkehr. Die ganze Schöpfung wird von der Knechtschaft des Verderbnisses erst am Tage der Offenbarung der Söhne Gottes befreit (Röm 8,19). Aber wenn Er in Herrlichkeit erscheint, werden wir mit Ihm erscheinen als Teilhaber von diesem allen. Wir leiden mit, wir werden mit verherrlicht. Denn die Herrlichkeit, die der Vater Ihm gegeben hat, hat Er uns gegeben. Wir wünschen nicht Herrlichkeit während seiner Abwesenheit, wir werden sie haben, wenn Er kommt. Jetzt haben wir nur den Geist der Herrlichkeit (1Pet 4,14).

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Originaltitel: „Glories. A Meditation on John 17. Redemption Glory“
aus Scripture Truth, Jg. 18, 1926, S. 111–112


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