Die Textgrundlage des Neuen Testaments (4)
Die richtige Textgrundlage

Martin Arhelger

© M. Arhelger, online seit: 27.09.2006, aktualisiert: 24.01.2018

Die richtige Textgrundlage

Es gibt viele verschiedene Theorien darüber, welcher griechische Text den ursprünglichen Originaltext des Neuen Testaments am genauesten wiedergibt. Unter bibeltreuen Schriftforschern gibt es jedoch heute im Wesentlichen vier Grundansichten, die im Folgenden auf ihre Stichhaltigkeit hin untersucht werden sollen. Vereinfacht gesagt handelt es sich um vier Textgrundlagen, die von ihren Vertretern jeweils verteidigt werden:

Vier große Textgrundlagen

  1. Der sogenannte Textus Receptus. Seine Verteidiger sagen, dass dieser griechische Text, der vornehmlich im 16.–18. Jahrhundert gedruckt wurde, mit dem Urtext übereinstimme. Deutsche Bibelübersetzungen, die vollständig oder größtenteils auf dem Textus Receptus beruhen, sind alte Übersetzungen (bis etwa 1850) wie die Lutherbibel, die Piscatorbibel und die Berleburger Bibel und aktuell die „Schlachter Version 2000“.

  2. Der sogenannte Mehrheitstext. Seine Verteidiger sagen, dass der Text, der von der Mehrheit der griechischen Handschriften geboten werde, dem ursprünglichen Grundtext am nächsten komme. Im deutschen Sprachraum gibt es (noch) keine Übersetzung, die konsequent den Mehrheitstext verwendet.

  3. Wissenschaftliche Textausgaben, heute meistens vertreten durch die Ausgabe von Nestle-Aland. Die Verteidiger dieser Textausgaben sagen, dass man den neutestamentlichen Text wie ein anderes Buch des Altertums erforschen müsse. Ein Institut in Münster, das sich dieser Aufgabe widmet, hat eine solche Textausgabe erstellt. Diese Textausgabe wird zumeist nach ihren (ehemaligen) Herausgebern als „Nestle-Aland“ bezeichnet und ist heute in der 27. Auflage erhältlich. Nach der Grundlage von „Nestle-Aland“ sind die meisten aktuellen deutschen Übersetzungen erstellt worden, z.B. die Einheitsübersetzung, die „Gute-Nachricht“-Bibel, die neue Lutherbibel usw.

  4. Vergleichende Ausgaben. Vertreter von vergleichenden Ausgaben gehen gewöhnlich von Nestle-Aland aus[1], behalten sich jedoch vor, an einzelnen Stellen von dieser Textgrundlage abzuweichen. Das kann relativ leicht nachvollzogen werden, da „Nestle-Aland“ in umfangreichen Fußnoten alle relevanten Lesartvarianten auflistet. Besonders die sogenannte „Elberfelder“ Bibelübersetzung beruht auf diesem Prinzip. Ging man früher von den damals aktuellen wissenschaftlichen Ausgaben aus (z.B. denen von Tischendorf), geht die heutige „überarbeitete Elberfelder“ (von 2003) vom modernen Text von „Nestle-Aland“ aus.[2]

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Anmerkungen

[1] Ältere Übersetzungen gehen entsprechend von älteren Forschern aus. Sie beruhen z.B. auf Textausgaben von Tischendorf.

[2] Während die jüngsten Ausgaben der sogenannten „Revidierten Elberfelder“ den Text von Nestle-Aland fast ohne Änderungen verwenden, weicht die „Elberfelder Version 2003“ an etwa 700 Stellen von Nestle-Alands Lesart ab.


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