Der Prophet Nahum (1)
Kapitel 1

Henry Allen Ironside

© SoundWords, online seit: 14.11.2018, aktualisiert: 18.12.2018

Zuflucht des Glaubens

Verse 1.2

Nah 1,1.2: 1 Ausspruch über Ninive. Das Buch des Gesichtes Nahums, des Elkoschiters. 2 Ein eifernder und rächender Gott ist der HERR, ein Rächer ist der HERR und voll von Grimm; der HERR übt Rache an seinen Widersachern und trägt seinen Feinden nach.

Der Name Nahum bedeutet „Trost“; und tröstlich sind die wertvollen Worte der Aufmunterung, die er in diesem ersten Kapitel unter der Leitung des Geistes weitergibt, in der Tat.

Die Rache gehört Gott. An die Heiligen in Thessalonich schreibt Paulus: „Es ist bei Gott gerecht, denen, die euch bedrängen, mit Drangsal zu vergelten“ (2Thes 1,6). Gott wacht immer über sein Volk; und während Er viele Dinge zu ihrer Erziehung zulässt, wird Er niemals eine Demütigung übersehen, die seinen Erlösten angetan wurde. „Der HERR übt Rache an seinen Widersachern und trägt seinen Feinden nach.“ Beachte: Die Feinde seines Volkes sind seine Feinde. Er macht ihre Sache zu seiner eigenen Sache. Der Glaube vertraut darauf und ist auf diese Weise frei von Angst und Sorgen. Die menschliche Natur ist beunruhigt und aufgeregt, wo der Glaube ruhig und still ist. Die Natur sieht die assyrischen Heere; der Glaube blickt zum Gott des Kampfes auf. In diesem Zusammenhang können wir 2. Könige 19 und 20 mit Gewinn gelesen, da sie den Hintergrund für den ersten Teil der Prophezeiung Nahums sind.

Vers 3

Nah 1,3: Der HERR ist langsam zum Zorn und groß an Kraft, und er hält keineswegs für schuldlos den Schuldigen. Der HERR – im Sturmwind und im Gewitter ist sein Weg, und Gewölk ist der Staub seiner Füße.

Der dritte Vers enthält viel Kostbares für die betrübte Seele sowie eine ernste Warnung für den, der sich gegen die Züchtigung wehrt. Gott ist langsam zum Zorn und groß an Kraft und kann dennoch nicht einfach an der Schuld vorübergehen. Er wird die Bösen nicht freisprechen oder für schuldlos halten. Von alters her hatte Gott Mose verkündigt: „Barmherzig und gnädig, langsam zum Zorn und groß an Güte und Wahrheit, der Güte bewahrt auf Tausende hin, der Ungerechtigkeit, Übertretung und Sünde vergibt – aber keineswegs hält er für schuldlos den Schuldigen“ (2Mo 34,6.7). Er ist voller Liebe – ja, Er ist die Liebe selbst –, aber Er ist auch Licht; deshalb muss die Sünde gerichtet werden. Hier kommt das Kreuz hinein. Denn auch bei den Menschen, die Vergebung gefunden haben, wird Gott das ungerichtete Böse nicht dulden; und wenn wir uns nicht selbst richten, müssen wir von Ihm gerichtet werden, denn „wenn wir gerichtet werden, so werden wir vom Herrn gezüchtigt, damit wir nicht mit der Welt verurteilt werden“ (1Kor 11,32). 2. Mose 34,6.7 ist eine Warnung für den Sünder. Nahum 1,3 dient dem Gläubigen zum Trost. Doch das Prinzip ist dasselbe; denn ob bei den Menschen im Allgemeinen oder bei seinen Kindern im Besonderen: Gottes heiliges Auge übersieht nichts, bis alles gerichtet ist. Aber wenn der Sturmwind und das Gewitter so übermächtig scheinen und für den Gläubigen der Himmel schwarz vor Wolken zu sein scheint, so ist es gut, zu wissen, dass der Herr seinen Weg in allem hat, was so mächtig und manchmal so willkürlich erscheint. Der stürmische Wind aber erfüllt Gottes Wort, „und Gewölk ist der Staub seiner Füße“. Blicke auf, der du erprobt wirst und bestürzt bist; denn Gott steht gerade über diesen schweren Wolken des Kummers. So wie der Staub in der Ferne die Ankunft des Reisenden verrät, bevor seine Gestalt auf der Straße zu sehen ist, so erzählen die Wolken von Gottes unmittelbarer Gegenwart; Er kennt all deinen Kummer und kommt in Liebe, um deine Tränen zu trocknen.

Verse 4-7

Nah 1,4-7: 4 Er schilt das Meer und legt es trocken, und alle Flüsse lässt er versiegen; Basan und Karmel verwelken, und es verwelkt die Blüte des Libanon. 5 Vor ihm erbeben die Berge und zerfließen die Hügel, und vor seinem Angesicht erhebt sich die Erde und der Erdkreis und alle, die darauf wohnen. 6 Wer kann vor seinem Grimm bestehen, und wer standhalten bei der Glut seines Zorns? Sein Grimm ergießt sich wie Feuer, und die Felsen werden von ihm zerrissen. 7 Der HERR ist gütig, er ist eine Festung am Tag der Drangsal; und er kennt die, die zu ihm Zuflucht nehmen.

Auf sein Wort wird das sturmgewirbelte Meer gescholten und werden die Flüsse des Kummers besänftigt – wie vor alters, als Er das Rote Meer austrocknete und das Wasser des Jordan zurückhielt. Die ganze Schöpfung muss seine Macht anerkennen, und alle Elemente müssen seiner Autorität weichen. Niemand kann vor seiner Empörung bestehen noch den Tag seines Zorns ertragen. Doch Er ist gut, eine Festung am Tag der Not, „und er kennt die, die zu ihm Zuflucht nehmen“.

Was für Trostworte für Hiskia und sein Volk, die in Jerusalem von dem hochmütigen Assyrer ringsum belagert wurden, der sie erschreckte und verspottete und die Luft mit seinen Gotteslästerungen gegen den HERRN verunreinigte!

Verse 8-10

Nah 1,8-10: 8 Und mit einer überschwemmenden Flut wird er Ninives Stätte völlig zerstören, und Finsternis wird seine Feinde verfolgen. 9 Was ersinnt ihr gegen den HERRN? Er wird völlig zerstören; die Drangsal wird sich nicht zweimal erheben. 10 Denn wären sie auch wie Dornen verflochten und von ihrem edlen Wein berauscht, sie sollen völlig verzehrt werden wie dürre Stoppeln.

Der Rabsake und Sanherib wussten kaum, mit wem die Schlacht wirklich geführt wurde. Sie konnten sich kaum vorstellen, dass Jerusalem noch lange blühen würde, nachdem Ninive zu einem Trümmerhaufen geworden war. In Übereinstimmung mit Jesaja 10,5-19 sagt Nahum in den Versen 8 bis 10 voraus, wie die große Königsstadt am Tigris zerstört werden sollte. Die weltliche Geschichte gibt in den Aufzeichnungen von Ktesias von Knidos[1] Zeugnis, dass während eines rauschenden Festes die Fluttore der Stadt durch einen plötzlichen Anstieg des Flusses weggefegt und so die Palastfundamente aufgelöst wurden. Das Heer der Babylonier, die die Stadt seit einiger Zeit belagert hatten, trat durch die Bresche ein und verbrannte die Stadt mit Feuer, während die betrunkenen Bewohner vergeblich nach einer Fluchtmöglichkeit suchten (vgl. Nah 3,11).

Vers 11

Nah 1,11: Von dir ist ausgegangen, der Böses ersann gegen den HERRN, ein nichtswürdiger Ratgeber.

Das sollte das Ende der stolzen Stadt Ninive sein. Inzwischen war einer von dort gekommen, ein nichtswürdiger Ratgeber, „der Böses ersann gegen den HERRN“. Das ist Gottes Beschreibung des hochmütigen Sanherib, der wohl als eine Art Typus des letzten großen Assyrers angesehen werden kann, der so oft in den Propheten erwähnt wird.

Verse 12-14

Nah 1,12-14: 12 So spricht der HERR: Wenn sie auch unversehrt und noch so zahlreich sind, sie sollen doch weggemäht werden; und er wird dahin sein. – Und habe ich dich auch niedergebeugt, ich werde dich nicht mehr niederbeugen; 13 sondern ich werde nun sein Joch von dir zerbrechen und deine Fesseln zerreißen. 14 Und über dich hat der HERR geboten, dass von deinem Namen nicht mehr gesät werden soll; aus dem Haus deines Gottes werde ich das geschnitzte und das gegossene Bild ausrotten; ich werde dir ein Grab machen, denn verächtlich bist du.

Aber seine Prahlerei war umsonst: Der HERR hatte den Einmarsch als Züchtigung für die Sünden Judas zugelassen. Er hatte die Auswirkungen beobachtet. Hiskia und seine Fürsten waren vor Ihm gedemütigt worden. Jetzt würde Gott für sie handeln. Obwohl Er sie heimgesucht hatte, würde Er es nicht mehr tun.

Die assyrischen Heere wurden durch den Atem seines Mundes weggemäht, und Sanherib selbst wurde kurze Zeit später durch die Hände seiner eigenen Söhne ermordet (vgl. Nah 1,14; Jes 37,36-38).

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Anmerkungen

[1] Anm. d. Red.: Ktesias von Knidos war ein griechischer Geschichtsschreiber des 5. bis 4. Jahrhunderts v.Chr.


Originaltitel: „Notes on the Prophecy of Nahum“
aus Notes on the Minor Prophets, 1909
Quelle: http://www.plymouthbrethren.org/article/4847

Übersetzung: Stephan Isenberg

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