Der Prediger (6)
Prediger 6

Henri Louis Rossier

© RM Hückeswagen, online seit: 12.03.2006, aktualisiert: 06.08.2016

Leitverse:  Prediger 6

Dieses Kapitel bildet die Fortsetzung des vorhergehenden, und es fährt fort, die „schlimmen Übel“ zu schildern, die man unter der Sonne sieht.

Verse 1-6

Pred 6,1-6: Es gibt ein Übel, welches ich unter der Sonne gesehen habe, und schwer lastet es auf dem Menschen: Einer, dem Gott Reichtum und Güter und Ehre gibt, und welcher nichts für seine Seele entbehrt von allem, was er wünschen mag; aber Gott ermächtigt ihn nicht, davon zu genießen, sondern ein Fremder genießt es. Das ist Eitelkeit und ein schlimmes Übel. – Wenn einer hundert Söhne zeugte und viele Jahre lebte, und der Tage seiner Jahre wären viele, und seine Seele sättigte sich nicht an Gutem, und auch würde ihm kein Begräbnis zuteil, so sage ich: Eine Fehlgeburt ist besser daran als er. Denn in Nichtigkeit kommt sie, und in Finsternis geht sie dahin, und mit Finsternis wird ihr Name bedeckt; auch hat sie die Sonne nicht gesehen noch gekannt. Diese hat mehr Ruhe als jener. Und wenn er auch zweimal tausend Jahre gelebt, und Gutes nicht gesehen hätte: geht nicht alles an einen Ort?

Man sieht manchen mit Gütern überhäuften Menschen, der nichts von seinen Wünschen entbehrt. Aber Gott gibt ihm nicht die Möglichkeit, sie zu genießen; ein Fremder sättigt sich daran. Mancher andere hat eine zahlreiche Nachkommenschaft und erreicht ein hohes Alter, ist aber nicht mit Gütern gesättigt wie jener und stirbt, ohne dass ihm ein Begräbnis zuteilwird; selbst sein Leib findet keine Ruhe. Er könnte zwei Jahrtausende gelebt haben, ohne je das Glück gesehen zu haben. Alle enden durch den Tod. In der Tat, eine Fehlgeburt, die niemals den Tag gesehen hat, ist besser daran, als jene es sind (vgl. Pred 4,3).

Verse 7-12

Pred 6,7-12: Alle Mühe des Menschen ist für seinen Mund, und dennoch wird seine Begierde nicht gestillt. Denn was hat der Weise vor dem Toren voraus, was der Arme, der vor den Lebenden zu wandeln versteht? Besser das Anschauen der Augen als das Umherschweifen der Begierde. Auch das ist Eitelkeit und ein Haschen nach Wind. Was entsteht, schon längst war sein Name genannt; und es ist bekannt, was ein Mensch sein wird, und er vermag nicht mit dem zu rechten, der stärker ist als er. Denn es gibt viele Worte, welche die Eitelkeit mehren; welchen Nutzen hat der Mensch davon? Denn wer weiß, was dem Menschen gut ist im Leben, die Zahl der Tage seines eitlen Lebens, welche er wie ein Schatten verbringt? Denn wer kann dem Menschen kundtun, was nach ihm sein wird unter der Sonne?

Der Prediger kommt wiederum zu dem Schluss, dass alle Mühe des Menschen auf einen materiellen Genuss hinausläuft, ohne dass seine Begierde jedoch befriedigt wird. Der Weise hat vor dem Toren keinen Vorzug; selbst wenn er sein Leben einzurichten versteht, hat er nichts vor den anderen Menschen voraus. Wohin führt das alles? Das Anschauen ist besser als das Begehren. „Auch das ist Eitelkeit und ein Haschen nach Wind.“ Die Eitelkeit mehrt sich mit den Dingen. Der Mensch geht dahin wie ein Schatten, und wer kann ihm „kundtun, was nach ihm sein wird unter der Sonne“? Denn das unsichtbare Jenseits ist, bemerken wir es nochmals, im Prediger dem Menschen vollständig verschlossen. Absolute Ungewissheit umgibt ihn von allen Seiten: Alles ist Eitelkeit.

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Aus einer vergriffenen Betrachtung, die von Richard Mohncke Hückeswagen herausgeben wurde

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