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"Heilungsrituale" ist das Thema, und die Frauen stehen - sich an
den Händen haltend - im Altarraum einer Hamburger Kirche. Zuerst hieß es
"erden, atmen und einfach mal hinspüren", dann ruft - wie in der
Hexenreligion üblich - die "Priesterin im Ritual" die vier Elemente
Wasser, Luft, Feuer und Erde in den Kreis, "weil so die Energie besser
fließt". Sie heißt Donathe Phanke (48) und ist Dozentin für
Religionswissenschaften an der Universität Bremen. Als Deutschlands bekannteste
neue Heidin und Anhängerin eines modernen Hexenglaubens wurde sie kürzlich zu
einem Wochenend-Workshop der Offenen Kirche Alt-Hamburg eingeladen.
Ob Schamanismus, Hexenkult, Zwiesprache mit den Ahnen, Yoga usw. - der Markt
der religiösen Möglichkeiten wird immer unüberschaubarer. Als Begriff dafür
muss "Esoterik" herhalten, was zunächst "innerlich" meinte
und noch im 19. Jahrhundert eine neue universalreligiöse Weltanschauung für
Auserwählte bedeutete. Dazu zählte die russische Spiritistin Helena Blavatsky
als Wortführerin der Theosophischen Gesellschaft, aber auch Rudolf Steiner, der
später mit der Anthroposophischen Gesellschaft einen neuen Verein gründete.
Heute aber dient "Esoterik" als Sammelbegriff für manchen Aberglauben
sowie für "moderne Spiritualität" der Masse. Das Motto lautet
"Was göttlich ist, bestimme ich."
Der Ethnologe und Kulturhistoriker Hans-Peter Duerr meint:
Wenn es keine
objektiven Maßstäbe gibt, gilt die Devise "anything goes". "Nichts ist wahr,
alles ist erlaubt", sagt Nietzsche. "Nichts ist unmöglich", wirbt Toyota. Alles
tendiert zur Gleich-Gültigkeit, jedes Urteil ist lediglich Geschmacksurteil,
man wählt zwischen Weltanschauungen wie zwischen Kalbshaxe und Chop Suey.
Multikulti ist die Gesellschaft, in der keine Tradition die andere mehr
ausschließt: morgens Zen-Meditation, nachmittags Schamanen-Kurs, anschließend
Bibelkreis und abends italienisch essen.
Auf diesem Hintergrund müssen wir auch den anhaltenden Boom um den
Zauberlehrling Harry Potter betrachten. So lautete die Überschrift eines
Zeitschriften-Artikels: "Ein Volk von Zauberlehrlingen. Der Medienhype um
Harry Potter schafft eine Kultgemeinde auf Zeit. Auch im Alltag und im Kino
macht sich ein neuer Spiritualismus breit. Viele Menschen sehnen sich nach
Wiederverzauberung der technisch-rationalen Welt – und nutzen magisches Denken
als Selbsttherapie" ("Der Spiegel" 47/2000, S. 150). Im Text
heißt es dann:
Das Magie-Opus hat den Nerv der Zeit getroffen ... [Die]
Verknüpfung von übersinnlichem Grusel und realen Schrecken ist nicht bloß im
Fall Harry Potter ein Erfolgsrezept. Längst hat die Lust an beliebig gearteter
Metaphysik, am Irrwitz und der Phantasmagorie die hauptberuflichen
Traumproduzenten erfasst: Literaten und Filmemacher verwischen eifrig - und
mitunter mit gigantischem Erfolg - die Grenzen zum Überwirklichen ... Mit Blick
auf die Kinder- und Jugendliteratur etwa überkommt die "Welt am Sonntag" ein
Gruseln: Harry Potter habe eine Lawine losgetreten, "die alle Rationalität zu
begraben droht" ... Monika Blume vom "Arbeitskreis für
Jugendliteratur" in
München: "Harry Potter macht es vor, und viele ziehen nach" ... Der
Esoterikmarkt bietet dem fröhlichen Volk der Zauberlehrlinge massenhaft
Anleitung zur Hebung des Selbstwertgefühls. "Auffällig viele 15- bis
25-jährige Mädchen" kämen in letzter Zeit in seinen Laden, sagt etwa Jürgen
Lipp, Inhaber des Esoterikfachhandels Wrage in Hamburg. Die jungen Frauen sind
schwer an der Hexerei interessiert, "vielleicht liegt es ja an Potter". Lipps
Kundinnen erkunden geheimnisvolle Bräuche ... behängen sich mit Amuletten,
tragen beinahe pfundweise Glücksarmbänder.
Fassen wir die Entwicklung zusammen: Heidnische, fernöstliche und okkulte
Einflüsse gewinnen zunehmend an Bedeutung und versuchen in alle Bereiche
vorzudringen. Dies wird selbst von ungläubigen Wissenschaftlern und
Journalisten als Tatsache dargestellt. Das eigene Wohlbefinden und die eigene
Meinung des Menschen stehen an erster Stelle. Das Ego wird zum Maßstab, und der
Glaube soll als Mittel dienen, um die eigenen Wünsche optimal verwirklichen zu
können.
Was lernen wir daraus? Die gläubigen Christen befinden sich in Deutschland
in einem Land, das inzwischen kaum noch "christlich" genannt werden
kann. So werden die Maßstäbe zunehmend nicht mehr aus der Bibel abgeleitet,
sondern man räumt z. B. der persönlichen Freiheit und dem eigenen
vermeintlichen Wohlergehen den höchsten Stellenwert ein. Die Auswirkungen davon
können wir z. B. in Römer 1 nachlesen. Gott hat die Menschen in ihrem Egoismus
dahingegeben. Und: "Indem sie sich für Weise ausgaben, sind sie zu Toren
geworden" (V. 22). In Offenbarung 22,15 heißt es: "Draußen sind die
... Zauberer ... und die Götzendiener und jeder, der die Lüge liebt und
tut." Lüge ist alles, was gegen den einzig wahren Gott und gegen sein
Wort, die Bibel, gerichtet ist. Wir sollten also versuchen, diese verderblichen
Einflüsse zu meiden und den Herrn um Bewahrung, Weisheit und Nüchternheit in
diesem nachchristlichen Zeitalter bitten. Und darum, dass noch Menschen das
wirkliche Leben finden.
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