Besonderheiten im Text der Heiligen Schrift – Anderer
allos – heteros

Christian Briem

© CSV, Online începând de la: 07.03.2006, Actualizat: 28.01.2018

Leitverse: Galater 1,6.7

Gal 1,6.7: Ich wundere mich, dass ihr so schnell von dem, der euch in der Gnade Christi berufen hat, zu einem anderen Evangelium umwendet, welches kein anderes ist.

Im Neuen Testament kommen zwei Wörter für „anderer“ vor: allos und heteros. Sie bedeuten nicht genau dasselbe, wenngleich im neutestamentlichen Griechisch die Tendenz zu beobachten ist, die Bedeutungsunterschiede zwischen beiden Wörtern einzuebnen. Dennoch treten in einigen Passagen die Unterschiede klar hervor.

Allos drückt eine zahlenmäßige Unterscheidung aus und bedeutet „ein anderer von derselben Art“. Heteros beschreibt einen qualitativen Unterschied und bedeutet „ein anderer von verschiedener Art“.

Wenn der Hauptmann von Kapernaum sagt: „Denn auch ich bin ein Mensch unter Gewalt und habe Kriegsknechte unter mir; und ich sage zu diesem: Gehe hin, und er geht; und zu einem anderen: Komm, und er kommt“ (Mt 8,9), so sagt er allos: Ob der eine oder der andere, es sind die gleichen Kriegsknechte, Männer von derselben Art. 

Als der Herr Jesus von dem anderen Sachwalter sprach, den der Vater senden würde, so benutzte Er ebenfalls allos: Der Heilige Geist ist gleichfalls eine göttliche Person wie Er, der Sohn.

Es ist einleuchtend, dass in „Wer irgend dich auf deine rechte Wange schlagen wird, dem biete auch die andere dar“ (Mt 5,39) allos steht. 

Ebenso in 1. Korinther 14,29: „Propheten aber lasst zwei oder drei reden, und die anderen lasst urteilen.“ Wenn auch die Propheten in besonderer Weise von Gott zur Auferbauung der Versammlung benutzt wurden, so waren sie doch, wie die übrigen, „nur“ Brüder; „ihr alle aber“, hatte der Herr Jesus gesagt, „seid Brüder“ (Mt 23,8). „Anderes aber fiel auf das Steinige“ (Mt 13,5): Es war derselbe gute Same, wie auch der Boden beschaffen sein mochte, auf den er fiel.

Auf die Frage des Herrn, wer die Volksmengen sagten, dass Er sei, „antworteten sie und sprachen: Johannes der Täufer; andere [allos] aber: Elias“ (Lk 9,19); die einen wie die anderen waren von derselben ungläubigen Art und erkannten nicht den Herrn der Herrlichkeit.

Wenn dagegen Johannes seine Jünger sendet, um den Herrn fragen zu lassen, ob Er der Kommende sei oder ob sie auf einen anderen warten sollten, so sagt er heteros. War Er der im Alten Testament verheißene Messias oder einer von verschiedener Art? Wie bringt doch dieses heteros die tiefen Zweifel des Johannes ans Licht!

Hebräer 7 sagt uns, dass Christus ein anderer (heteros) Priester, also ein Priester von verschiedener Art, und von einem anderen (heteros) Stamm ist (Heb 7,11.13.15).

In Ägypten stand ein anderer (heteros) König auf, der von den übrigen verschieden war: Er kannte Joseph nicht (Apg 7,18). Offenbar gehörte er zu einer anderen Dynastie.

Wenn Paulus in Römer 7,23 sagt: „Aber ich sehe ein anderes Gesetz in meinen Gliedern“, so benutzt er heteros; denn es ist von dem Gesetz des Geistes des Lebens in Christus Jesus (Röm 8,2) gänzlich verschieden.

Einen interessanten Unterschied finden wir in der Schilderung der Kreuzigung des Herrn durch Johannes und Lukas. Während sich Johannes darauf beschränkt, die Tatsache anzugeben, dass „zwei andere [allos] mit ihm“ gekreuzigt wurden (Joh 19,18), weist Lukas, der stets die sittliche Seite der Dinge hervorhebt, darauf hin, dass die beiden anderen von verschiedener Art, nämlich „Übeltäter“ waren, und er gebraucht in „Es wurden aber auch zwei andere hingeführt“ das Wort heteros (Lk 23,32).

Sehr lehrreich sind die Stellen, wo beide Wörter im Wechsel vorkommen. Das ist z.B. bei dem eingangs zitierten Wort aus Galater 1 der Fall. Paulus spricht dort von einem anderen Evangelium (heteros), das kein anderes (allos) sei. Er wunderte sich, dass sich die Galater so schnell zu einem Evangelium umwandten, das von dem, das er predigte, verschieden war. Aber damit niemand dem törichten Gedanken Raum gäbe, dass Paulus der Ansicht sei, es gäbe tatsächlich außer dem Evangelium, das er verkündigte, noch ein anderes von derselben Art, fügt er mit Nachdruck hinzu: „welches kein anderes (allos) ist“. Damit stellt Gottes Wort unwiderruflich fest, dass es kein anderes Evangelium gibt noch geben kann.

In Verbindung damit ist auch 2. Korinther 11,4 sehr wichtig, wo ebenfalls beide Wörter vorkommen: „Denn wenn der, welcher kommt, einen anderen [allos] Jesus predigt, den wir nicht gepredigt haben, oder ihr einen anderen [heteros] Geist empfanget, den ihr nicht empfangen habt, oder ein anderes [heteros] Evangelium, das ihr nicht angenommen habt, so ertrüget ihr es gut.“ Einen anderen Herrn Jesus konnte es ebenso wenig geben wie ein anderes Evangelium; aber es bestand die große Gefahr – eine Gefahr, die auch heute höchst akut ist –, dass die Gläubigen jetzt einen anderen Geist empfingen, der von dem, den sie vorher empfangen hatten, völlig verschieden war; dass sie ein verschiedenartiges Evangelium annahmen, das nicht mehr das Evangelium Gottes über Seinen Sohn war.

Sehr aufschlussreich ist auch 1. Korinther 15, 39-41. Wenn in Vers 39 das Fleisch der Menschen von dem des Viehes usw. oder in Vers 41 die Herrlichkeit der einzelnen Himmelskörper voneinander unterschieden wird, so benutzt der Heilige Geist sehr zutreffend allos, denn sie unterscheiden sich wohl in der Gattung, nicht aber in der Art. Wenn aber in Vers 40 die himmlischen Leiber den irdischen gegenübergestellt werden und gesagt wird: „Aber eine andere ist die Herrlichkeit der himmlischen, eine andere die der irdischen“, so steht jedes Mal heteros, weil sie sich dem Wesen nach voneinander unterscheiden. Tatsächlich ist kaum ein größerer Unterschied vorstellbar als der zwischen unserem jetzigen „Leib der Niedrigkeit“ und dem zukünftigen Leib der Herrlichkeit, der Seinem „Leibe der Herrlichkeit“ gleichförmig sein wird.

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Aus Ermunterung und Ermahnung
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