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Leitverse: Psalm 43,3; 97,11; 119,105; Johannes 17,17
Ps 43,3: Sende dein Licht und deine Wahrheit; sie
sollen mich leiten.
Ps 97,11: Licht ist gesät dem Gerechten und Freude den von Herzen
Aufrichtigen.
Ps 119,105: Dein Wort ist Leuchte meinem Fuß und Licht für meinen Pfad.
Joh 17,17: Dein Wort ist Wahrheit.
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Vorwort der Redaktion
Dieser Artikel aus dem 19. Jahrhundert ist von Interesse für solche, die
sich in den exklusiven Gruppen der Brüderbewegung aufhalten. Auch ohne
Kenntnis der damaligen Situation — d.h. der Bedeutung der Personen und
Städte — ist es verblüffend zu sehen, dass dieselben Probleme, die
heute in diesen Kreisen noch immer für Not sorgen, schon vor so vielen
Jahren dieselben waren wie heute. Geschätzte Brüder fordern Unterwerfung
unter nicht nachvollziehbare Beschlüsse; es wird von Bösem gesprochen,
das keiner benennen kann; moralisch verwerfliche Verhaltensweisen im „Kampf
um die (vermeintliche) Wahrheit“ werden bagatellisiert;
Suggestivbehauptungen werden eingesetzt, um die Frage nach einer
biblischen Begründung für separatistische Verhaltensweisen zu umgehen.
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Bemerkungen von J.A. v. Poseck zu einem Brief von C.H.M.
Ein Brief an einen Freund, leicht verändert
Lewisham, 31.12.1881
Mein lieber Bruder,
ich hätte schon längst auf deinen Brief vom 18. antworten müssen. Leider
haben aber verschiedene Beschäftigungen meine Zeit so in Anspruch genommen,
dass ich dazu nicht gekommen bin. Zunächst möchte ich dir für dein
brüderliches Vertrauen danken. Was allerdings den Inhalt deines Briefes angeht,
so kann ich zur gleichen Zeit allerdings nur meine Trauer und Überraschung zum
Ausdruck bringen. Ich bin überrascht, dass solch ein Artikel wie der von C.H.M.,
der als Hirte und Evangelist, aber zugleich als schwach in Versammlungsfragen
bekannt ist, dein gesundes geistliches Urteil in einer so einfachen Sache wie
dieser verwirrt hat. Ich sage ganz bewusst „einfach“, denn wenn es jemals
einen klaren Fall gab, wenn wir für unsere Leitung die Schrift zurate ziehen
und nicht unsere eigenen Gefühle oder die Gefühle und Übungen einiger guter
Männer, dann ist es sicherlich dieser.
Es ist völlig wahr, dass wir „diese Frage völlig aus dem Gebiet des
menschlichen Gedankens und der menschlichen Handlungen herausnehmen und diese
Sache einfach im Licht der Gegenwart Gottes betrachten“ sollten. Aber wenn wir
dort in der Realität und Nüchternheit des Heiligen Geistes sind, dann wird der
Beweis, dass wir in der Gegenwart Gottes gewesen sind, darin bestehen, dass wir
das Wort Gottes bewahren. Ich kann nicht verstehen, wie jemand wegen einer Frage
in die Gegenwart Gottes geht und seine Bibel dabei zurücklässt. Es ist schon
ganz in Ordnung, über das „Abwägen“ der Dinge „auf der Waagschale des
Heiligtums“ zu reden, aber wir dürfen nicht vergessen, dass die Heiligen
Schriften „die Waage des Heiligtums“ sind, womit alle Dinge im Lichte der
heiligen und gnädigen Gegenwart Gottes gewogen, bereinigt und geordnet werden
müssen.
Ein anderes Ergebnis davon, in der Gegenwart Gottes gewesen zu sein, ist die
Fähigkeit, zwischen Gut und Böse zu unterscheiden, das heißt unterscheiden zu
können zwischen allem, was von Gott ist, der gut ist, und dem, was vom Teufel
ist, der böse ist. Wenn ich mit Gott, dem Urheber und der Quelle allem, was gut
ist, beschäftigt bin, dann lerne ich, das Böse zu erkennen. Wenn ich Leute
reden höre, die sehr wenig von Gott und seinem lieben Sohn zu sagen wissen,
aber umso mehr vom „Richten des Bösem“ und von der „Trennung vom Bösen“,
ohne fähig zu sein, mir zu sagen, was denn eigentlich das Böse ist, das zu
richten und von dem sich zu trennen ist, dann sage ich zu ihnen: „Setzt nur
einen Buchstaben vor euer Lieblingswort [Anm. d. Red.: evil = Böse / devil =
Satan] und dann werdet ihr die ,Wurzel der ganzen Angelegenheit‘ herausfinden“,
um mit den Worten von C.H.M. zu sprechen.
Eins ist klar: Wo Satan am Wirken ist, da wird, wie jemand anders gesagt hat,
„Wahrheit, ich meine Wahrhaftigkeit, immer fehlen. Das habe ich immer
bestätigt gefunden, wo der Feind am Wirken ist“ (J.N. Darby, Col. Writ., Vol.
20, S. 17). (Fußnote von J.A.v. P.: „Ich möchte euch und allen Heiligen ganz
besonders das intensive Studium dieses Bandes im Licht der Schrift empfehlen.“)
Das Licht der Gegenwart Gottes bringt einerseits in uns Selbstgericht hervor
sowie auch Gnade und Duldsamkeit gegenüber den Fehlern unserer Brüder, soweit
sie uns persönlich betreffen. Auf der anderen Seite verblendet sie aber auch
nicht unsere Augen in Bezug auf die charakteristischen Merkmale des Wirkens des
Feindes durch Gewalt und Bedrückung, durch Täuschung und Ungerechtigkeit.
Gottes heilige, doch gnädige Gegenwart bringt uns niemals dazu, solche bösen
Taten mit milden Bezeichnungen wie „Unbesonnenheit“, „Missverständnis“
oder „Versagen“ abzumildern.
Das heilige Licht der Gegenwart Gottes, mit dem wir es zu tun haben (lasst
uns das nie vergessen) und vor dem „kein Ansehen der Person“ ist, bringt ein
ganz anderes Ergebnis hervor, nicht nur in Bezug auf unser Selbstgericht,
sondern auch in Bezug auf das Urteil über „diejenigen, die drinnen sind“,
anstatt nur „sich unter das Urteil einer anderen Versammlung zu stellen“ und
einfach „einen Platz außerhalb der Sphäre einzunehmen, wo das Böse
gerichtet werden muss“. [Anm. d. Red.: Gemeint ist, dass ich mich, wenn ich
mich einfach einem Urteil anschließe, mit dem, was böse genannt wird, selbst
gar nicht auseinanderzusetzen brauche und es damit auch gar nicht selbst
verurteilen muss.]
Ich habe den Artikel [Anm. der Red.: Hier ist ein anderer Artikel gemeint als
der von C.H.M.], aus dem du das oben Genannte zitierst, nicht gelesen. Ich
stimme mit dem Schreiber des Artikels (wenn ich dein Zitat daraus richtig
verstanden habe) völlig überein. Was die Aufgabe der christlichen Versammlung
und Einzelner betrifft, so geht es darum, selbst zu urteilen und nicht nur sich
unter das Urteil einer bestimmten Versammlung zu stellen, wo allgemeine
göttliche Grundsätze, welche die ganze Kirche Gottes betreffen, einbezogen
sind, das heißt, wo es nicht mehr nur um eine Frage örtlicher Zucht geht. Lass
mich das an dem Park-Street-Beschluss betreffs Mr. Jull und Guildford Hall
erklären. Ob Park Street recht hatte, die Frage aufzunehmen und zu entscheiden,
so wie sie es tat, darauf will ich hier nicht eingehen. Aber ich frage: Enthielt
die Ramsgate-Frage nicht allgemeine Grundsätze göttlicher Wahrheit, zumal in
einer weitaus brisanteren Weise als im Fall von Dr. Cronin? Und waren diese
Grundsätze nicht allgemein wichtig, nein, von lebensnotwendiger Wichtigkeit
für die ganze Versammlung? Trotzdem besteht Park Street und alle ihre Anhänger
(C.H.M. mit eingeschlossen) darauf, dass die Versammlungen überall in der Welt
sich unter den Park-Street-Beschluss beugen. Das bedeutet (nach deinem Zitat aus
dem genannten Artikel), einen Platz außerhalb (oder in Gleichgültigkeit)
einzunehmen in Bezug auf das Richten des sogenannten Bösen von Abbot’s Hill.
Lieber Bruder, du kannst die völlige Widersprüchlichkeit der
Parkstreet-Parteigänger in ihren Aussagen, Schriften und Handlungen nicht
übersehen. Das ist nicht verwunderlich, denn sobald Christen die „terra firma“
[Anm. der Red.: den festen Boden] der Schrift verlassen, kommen sie in die
Sümpfe.
Ich gebe dir ein anderes Beispiel solcher Widersprüche. C.H.M. sagt in
seinem Artikel: „Einige mögen fragen: Warum musste gerade Park Street sich in
diese Angelegenheit einmischen? — Wir antworten: Sie haben sich nicht in diese
Angelegenheit eingemischt; sie wurde ihnen aufgezwungen, sie waren verpflichtet,
sich damit auseinanderzusetzen. Das könnte auch jeder anderen Versammlung in
London oder sonst wo passiert sein und wir hätten ihre Entscheidung akzeptieren
müssen. Es ist ein Fehler, anzunehmen, dass Park Street in diesem Fall
irgendeinen erzbischöflichen Einfluss oder eine derartige Position eingenommen
hat.“ Es ist allerdings Tatsache, dass einige Zeit bevor Park Street sich der
Ramsgate-Frage angenommen hat, eine andere Versammlung in London in der
Hazelville Road sich schon dieser Angelegenheit angenommen hatte, als die Frage „ihnen
aufgezwungen worden war“, um die Worte von C.H.M. zu gebrauchen. Sie hatten
damals schon Abbot’s Hill abgewiesen. So waren sie also in Bezug auf Abbot’s
Hill zu derselben Entscheidung gekommen, bevor Park Street auch diese
Entscheidung gefällt hat. Jetzt frage ich: Wenn Park Street in diesem Fall
keinen „erzbischöflichen Einfluss oder eine derartige Position eingenommen
hat“, warum genügte dann die Entscheidung der Zusammenkunft in Hazelville
Road in Bezug auf Abbot’s Hill nicht, und warum haben Park Street und die
anderen Versammlungen in London und sonst wo „sich nicht darunter gestellt“,
wie es Park Street jetzt von anderen verlangt? Du siehst, es ist alles
widersprüchlich, von Anfang bis zum Ende.
Ich wage zu sagen, dass es kaum einen ernsten Gläubigen gegeben hat, der
nicht genauso wie C.H.M. durch tiefe Konflikte und Übungen vor dem Herrn im
verborgenen Kämmerlein gegangen ist, und soviel man auch solche verborgenen
Übungen der Seele respektieren mag, insbesondere solche von einem alten und
geehrten Diener Christi — doch wenn sie gedruckt werden sollen, müssen sie
sich der Diskussion stellen, insbesondere wenn sie bewusst als Mittel benutzt
werden, um die Heiligen Gottes in einer so ernsten Frage zu beeinflussen. C.H.M.
sagt uns, dass er „geseufzt und geweint und gebetet und gelitten hat in einer
Weise, die er nicht beschreiben kann“. Und nachdem er uns einen langen Bericht
dieser Übungen gegeben hat, sagt er, dass „sie für das gehen müssen, was
sie wert sind“. Aber er scheint offensichtlich zu denken, dass sie einen
großen Weg gehen sollten, um das Urteil seiner Freunde und anderer zu
beeinflussen. Das ist sicherlich nicht der Weg für Gottes geliebte Heilige,
ihre Schwierigkeiten „göttlich gelöst“ zu bekommen. Der richtige Weg für
solch eine Lösung ist: betende Beschäftigung mit der Schrift in der heiligen
Gegenwart Gottes, so wie uns das Psalm 119 in den Versen 41, 42, 104, 105, 114,
125, 128, 130, 131, 133, 135, 136, 151, 152, 173 und 2. Timotheus 3,14-17
zeigen.
Der einzige Ausdruck, der sich in dem Brief von C.H.M. bezüglich dieser
Frage der Schrift nähert, ist seine Aussage, dass es hier um eine Frage der „Einheit
des Leibes“ geht und dass diese Einheit, „koste es, was es wolle, bewahrt
und offenbart werden muss“. Doch ein Ausdruck, der sich der Schrift nähert,
ist nicht die Schrift selbst und oft umso gefährlicher, je enger er sich der
schriftgemäßen Wahrheit zu nähern scheint. In Epheser 4 wird uns gesagt, dass
wir uns befleißigen sollen, „die Einheit des Geistes“ zu bewahren. Das ist
etwas ganz anderes. Der Gedanke, die „Einheit des Leibes, koste es, was es
wolle, zu bewahren“, ist ein großer Grundsatz in der römischen Kirche.
Niemand hat daran gedacht, Dr. Cronin zu bezichtigen, er habe „die Einheit des
Leibes“ verletzt, sondern vielmehr die „Einheit des Geistes“.
Und ich frage: Wer hat so gesündigt gegen die Wahrheit von der „Einheit
des Geistes“ oder gegen das Bewahren der „Einheit des Leibes“ ( wenn du
C.H.M.s Ausdrucksweise benutzen möchtest) wie jene, deren Urteil sich zu
unterstellen C.H.M. empfiehlt, d.h. wie jene in Park Street?
Und wenn er fortfährt, indem er sagt, wir „dürfen niemals den göttlichen
Boden des Versammelns verlassen, der in jenen kostbaren Worten ‚Da ist ein
Leib‘ zum Ausdruck kommt“, dann kann ich nur sagen, dass ich die überaus
große Bedeutung dieser Wahrheit voll anerkenne. Aber ist das „der Boden
unseres Versammelns“? Es ist wahr, wir „werden aufgebaut auf der Grundlage
der Apostel und Propheten“; aber aufbauen ist nicht versammeln. Wir sind nicht
versammelt zu einem Grundsatz, sondern zu einer Person. Die Gemeinde (als
Wohnort oder Gebäude) wird aufgebaut auf einer Grundlage, aber versammelt zu
einer Person. Deswegen von einem Boden des Versammelns zu reden (und einen Vers
der Schrift, „da ist ein Leib und ein Geist“, zu diesem Boden zu machen) —
ist das schriftgemäß? Ist das nicht ein theologischer Boden? Das einzige
Zentrum unseres Versammelns ist die gesegnete Person unseres Herrn Jesus
Christus, und wir sind zu seinem Namen hin versammelt. „Wo zwei oder drei
versammelt sind zu meinem Namen hin, da bin ich in ihrer Mitte“, spricht der
Herr. [Fußnote von J.A.v.P.: Die Realität des Leibes Christi und seine
Vereinigung mit dem Haupt und der Glieder miteinander, die zuerst zu Pfingsten
aufgerichtet wurde, muss deutlich unterschieden werden von dem Verständnis
seines Charakters, und auf jener Grundlage zu sein von der Erkenntnis davon.
Wenn wir zu dem Namen des Herrn versammelt sind, dann sind wir auf der Grundlage
der Versammlung, die Christi Leib ist, versammelt.]
Ein Lehrsatz, wie gesegnet auch immer, kann nicht „die Grundlage unseres
Versammelns“ sein. Dies würde uns zu einer Sekte mit einem Glaubensbekenntnis
herabstufen. Die Versammlung als ein göttlicher Bau hat eine lebendige
Grundlage, eben Ihn selbst, der Grund- und Eckstein ist und der Schlussstein,
gepriesen sei für immer sein großer Name. Ich hoffe, dass Du und ich, lieber
Bruder, uns nicht dahin bewegen, die „Grundlage der Apostel und Propheten“
auf einen einzigen Vers zu reduzieren und seine herrliche und wunderbare Person
durch ein „Glaubensbekenntnis“ zu ersetzen oder seinen heiligen Namen durch
menschliche Namen ersetzen zu lassen, wie etwa „Jull“ oder „Guildford Hall“,
was sicherlich dann noch schlimmer wäre als „Paulus“ oder „Kephas“ oder
„Apollos“.
Möge der gute Herr Dich befreien und leiten, geliebter Bruder, und es Dir
schenken, dass Du erkennen kannst, dass Deine gegenwärtige „Buße“
sicherlich eine „zu bereuende Buße“ ist und dich zu einer besseren „nicht
zu bereuenden Buße“ führt.
In Treue und von Herzen
Dein Bruder in Christus
J.A. v. P.
PS.: C.H.M. hat die Gewohnheit, sich in Antithesen (das heißt mittels
Gegensätze) auszudrücken, die dem oberflächlichen Leser sehr einleuchtend
erscheinen, die aber sehr trügerisch sind. Zum Beispiel sagt er: „Wenn
Gott Dir das Böse nicht zeigt, dann kann es kein Mensch; wenn Er es tut,
braucht es kein Mensch mehr.“ Klar, wir erkennen die Wahrheit von 1. Johannes
2,20.27 voll an. Aber wir dürfen nicht vergessen, dass Gott uns sein Wort als
eine Lampe für unseren Fuß und als ein Licht für unseren Weg und zur gesunden
Lehre gegeben hat. Außerdem hat der Herr uns Lehrer gegeben, begabt durch den
Heiligen Geist, um das Licht seines geschriebenen Wortes in seinen ewigen
Grundsätzen der Wahrheit anzuwenden, damit die praktischen Einzelfälle
geklärt werden können. Wenn wir in betender Gemeinschaft mit Ihm sind, dann
zeigt Er uns seinen Willen und seinen Weg. Er hat keine Freude daran, uns „das
Böse zu zeigen“, sondern Er bringt uns dazu, das Böse zu „meiden“, indem
Er uns das zeigt, was gut ist, und uns mit sich selbst beschäftigt, der gut
ist, und mit seinem Christus, welcher der Abdruck seines Wesens ist, und indem
Er uns durch seinen Geist auf den grünen Weiden seines Wortes nährt, die die
Schönheiten und Herrlichkeiten Christi widerspiegeln.
Und wenn wir also beschäftigt sind nicht mit dem, was böse ist, sondern mit
allem, was wirklich wahr und rein und gut ist, das heißt mit dem Göttlichen,
dann werden wir im Licht seiner Gegenwart und seines Wortes klar sehen, um zu
entdecken und zu richten, was böse ist. Es ist ein schlechtes Zeichen, wenn
sich jemand auf besondere göttliche Offenbarungen stützt als Mittel, um das
Böse zu entdecken und zu verurteilen.
C.H.M. sagt weiter: „Wenn jemand seine Beherrschung verliert, während er zu
beweisen versucht, dass zwei und drei zusammen fünf sind, dann bin ich traurig,
dass er seine Beherrschung verloren hat, aber deswegen bleiben doch zwei und
drei fünf.“ C.H.M. zieht aus einer erst zu beweisenden Voraussetzung einen
Schluss (was er seinen ganzen Artikel hindurch tut), anstatt erst einmal die
Voraussetzung zu beweisen. Aber — um für einen Moment einmal seine eigene
Illustrationen zu benutzen — wenn jemand, während er etwas zu beweisen
versucht, von dem er glaubt, dass es wahr ist, nicht nur seine Beherrschung
verliert, sondern sich zu allen Arten von Ungerechtigkeit und Wahrhaftigkeit und
Täuschung hinreißen lässt, wird er kaum Leute von der Wahrheit, die er
aufrechterhalten will, überzeugen können. Solche arithmetischen Illustrationen
haben wenig Sinn; sie sind sogar irreführend, wenn sie auf die göttliche
Wahrheit angewendet werden, die nicht bewiesen werden muss, sondern sich selbst
beweist und ihre eigene Autorität aufrechterhält. Diese göttliche Wahrheit
bewahrt auch solche, die in Sanftmut, aber auch in Treue und Aufrichtigkeit
davon Zeugnis tragen wollen auf dem geraden, wenn auch schmalen Weg der
Gerechtigkeit und der Wahrheit und des Friedens, in dem Geist jener „Weisheit
von oben“, die „erstens rein, dann friedsam, milde, folgsam, voll
Barmherzigkeit und guter Früchte, unparteiisch, ungeheuchelt“ ist. „Und die
Frucht der Gerechtigkeit wird denen gesät, die Frieden stiften.“
Jemand, der von der rein menschlichen Seite auf die göttliche Seite gegangen
ist, der wird nicht Bosheit mit dem milden Ausdruck „hat seine Beherrschung
verloren“ noch Unwahrhaftigkeit mit „Unbesonnenheit“ noch Lügen und
Schlechtmachen mit „Irrtümern und Fehlern“ bezeichnen noch wird er solche,
die keinen Weg sehen, sich den Handlungen und der kirchlichen Anmaßung und
Unabhängigkeit von Park Street unterwerfen zu können, der Verletzung der
Einheit des Geistes bezichtigen. Er wird auch nicht auf der anderen Seite solche
rechtfertigen, die die Versammlung Gottes über ganze Land hinaus trennen, indem
er sagt, es sei wichtiger zu bewahren, was er [Anm. der Red.: gemeint ist wohl
C.H.M.] „die Wahrheit“ nennt, als „die Leute zusammenzuhalten“.
In Bezug auf Park Street sagt C.H.M. weiter, dass, „das Einzige, was wir zu
tun haben, ist, dankbar das Urteil unserer Brüder, die sich in Park Street
versammeln, anzuerkennen. Wenn dieses Urteil falsch ist, wird Gott das zu seiner
Zeit und auf seine Weise offenbar machen.“ Ich hörte neulich, wie ein junger
dienender Bruder im Süden von England versuchte, das Urteil einer Versammlung
zu einer Unterwerfung unter Park Street zu bekommen, indem er sagte, der
sicherste Weg für sie würde sein, Park Street zu folgen; denn, wenn sich
herausstellen würde, dass Park Street richtig wäre, umso besser für sie; wenn
sich aber herausstellen würde, dass Park Street falsch liegt, dann würden sie
zumindest nicht dafür getadelt werden, dass sie ihrem Urteil gefolgt sind. Ich
nehme an, dass dieser Bruder C.H.M.s Artikel gelesen hat; wenn das nicht die
Schnellstraße nach Rom ist, dann weiß ich nicht, was es ist.
Es ist schmerzlich, lieber Bruder, so einen Artikel eines alten und geehrten
Dieners Christi zu kommentieren. Aber Christus und seine Wahrheit ist wichtiger
als selbst der herausragendste seiner Diener. Und wenn dieser Diener selbst
irregeführt wird und ein Werkzeug des Feindes wird, um die kostbare Herde
Gottes mittels seines Einflusses und seiner Stellung zu verführen, dann ist es
Zeit, die Heiligen zu warnen, damit sie nicht „durch überredende Worte
verführt“ werden.
„Für die Freiheit hat Christus uns frei gemacht; steht nun fest“ (Gal
5,1).
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