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Hermanus Cornelis Voorhoeve, der am 9. Februar 1837 in
Rotterdam geboren wurde, entstammte einer angesehenen Patrizierfamilie. Sein
Vater war Teilhaber an einem Finanz- und Bankgeschäft. Hermanus Cornelis
Voorhoeve war das älteste von sieben Kindern. Zwei seiner Geschwister heirateten
später Kinder von Carl Brockhaus, Elberfeld (siehe Seite 13): Seine Schwester
Lena (1850-1901) wurde 1873 die Frau von Ernst Brockhaus (1848-1915), und sein
Bruder Dr. Nicolaas Anthony Johannes (1854-1922), ein homöopathischer Arzt,
verheiratete sich 1881 mit Emilie Brockhaus.
Die Familie Voorhoeve lebte in der Zeit der niederländischen Erweckungsbewegung,
und so wurden die Kinder in der Zucht und Ermahnung des Herrn erzogen. Schon in
jungen Jahren sprach Hermanus Cornelis Voorhoeve oft mit seinem Vater über das
Wort Gottes und über göttliche Dinge. Daher reifte in dem Vater der Wunsch,
seinen Sohn Theologie studieren zu lassen. Aber nach Abschluss der Gymnasiumszeit
zeigte sich, dass H.C. Voorhoeve trotz großer Begabung kein Interesse an diesem
Beruf hatte, denn er fühlte, dass ihm die wichtigste Voraussetzung für den
Predigtdienst, das neue Leben in Christus, fehlte. So begann er, in dem
Bankgeschäft seines Vaters zu arbeiten.
Kurze Zeit später, mit neunzehn Jahren, kam er jedoch zum Glauben und nahm Jesus
als seinen Heiland und Herrn an. Er verließ das väterliche Geschäft. Was sollte
er jetzt beginnen? Da kamen ihm verschiedene aus dem Englischen und
Französischen übersetzte Schriften von John Nelson Darby (siehe Seite 40) in die
Hand, die er begierig las und mit der Heiligen Schrift verglich. Er gelangte zu
der Überzeugung, dass die wahren Gläubigen sich von den bestehenden Kirchen und
Gemeinschaften trennen müssen, um aufgrund der biblischen Lehre von der Einheit
des Leibes Christi (1Kor 12,13; Eph 4,4) das Mahl des Herrn nur mit
solchen zu feiern, die bekennen, wiedergeborene Christen zu sein. Er verstand
auch, dass zum Dienst des Wortes die Heilige Schrift und die von dem
verherrlichten Herrn Seiner Versammlung (Ekklesia) geschenkten Gaben ausreichen
und kirchliche Ämter und Ordinierungen nicht erforderlich sind. H.C. Voorhoeve
fällte die für ihn einzig mögliche Entscheidung: Er schloss sich einer Gruppe von
Brüdern an, die gerade in Rotterdam angefangen hatten, sich dem Worte Gottes
gemäß zu versammeln. Gemeinsam untersuchten sie nun die Heilige Schrift und die
Schriften der Brüder aus dem Ausland, vor allem aus England. Sie lernten mehr
und mehr verstehen, was das Werk Christi für den Gläubigen bedeutet, welch ein
Unterschied zwischen der Stellung, den Segnungen und der Hoffnung Israels und
der Versammlung Gottes besteht, dass die Erwartung der Gläubigen das Kommen des
Herrn vor der großen Drangsal ist usw. Außerdem wurde in diesen Brüdern der
Wunsch wach, den verlorenen Menschen um sie herum das Evangelium zu bringen. So
begann der gerade zwanzigjährige H.C. Voorhoeve, in den Gassen und Hinterhöfen
der Stadt Rotterdam die Frohe Botschaft zu verkündigen. Für seinen Vater, der
seinem ältesten Sohn eine andere Karriere gewünscht hatte, war dies ein großer
Kummer, der noch dadurch erhöht wurde, dass auch seine Gattin sich der kleinen
Versammlung in Rotterdam anschloss und ihrem begabten Sohn auf seinem Weg und in
seinem Dienst eine große Stütze war.
Bereits im Jahre 1858 begann Hermanus Cornelis Voorhoeve als Zwanzigjähriger mit
der Herausgabe der Monatsschrift "Bode des Heils in Christus", die heute noch
existiert. Die ersten Jahrgänge enthielten hauptsächlich aus dem Englischen,
Französischen und Deutschen übersetzte Artikel, aber es erschienen auch schon
solche aus der Feder von H.C. Voorhoeve.
Im gleichen Jahr reiste er erstmals nach Elberfeld, um dort Carl Brockhaus und
die übrigen Brüder kennenzulernen. Dort wurde er ermuntert, weiter nach
Schlesien zu reisen, wo er geöffnete Türen für das Evangelium fand. Viele
Menschen kamen zum Glauben, und es entstand eine Reihe von Versammlungen. In den
nun folgenden Jahren besuchte er hunderte von Orten in den Niederlanden, in der
Schweiz, in Deutschland, Belgien, Frankreich und England. Überall kamen viele
Menschen zum Glauben und zum Frieden mit Gott.
Inzwischen heiratete Hermanus Cornelis Voorhoeve am 26. November 1863 Sophia
Katharina Hermine Linde aus Aschaffenburg, die im Jahre 1861 durch seine
Verkündigung zum Glauben gekommen war. Sie war eine Frau, die sich gemeinsam mit
ihrem Gatten dem Dienst für den Herrn widmete und ihm durch Ermutigung und Rat
sowie durch ihre Krankenbesuche und andere Liebestätigkeiten eine große Hilfe
war. Zwölf Kinder gingen aus ihrer Ehe hervor. Der älteste Sohn, Dr. Jacob
Voorhoeve (1865-1937), wurde homöopathischer Arzt in Dillenburg, der vierte,
Johannes Nicolaas Voorhoeve (1873-1948), trat in den Niederlanden in die
Fußstapfen seines Vaters und wurde sein geistlicher Nachfolger. Wegen der sehr
schwachen Gesundheit der Frau und Mutter und aufgrund häufiger materieller Not
hatte die Familie manches zu erleiden und zu erdulden.
In Rotterdam hatte Hermanus Cornelis Voorhoeve bereits mit der Herausgabe der
Monatsschrift die Grundlage zu seiner Verlagstätigkeit gelegt. Bald erschienen
verschiedene Einzelschriften, darunter das auch ins Deutsche übersetzte Buch:
"Die Wiederkunft unseres Herrn Jesus Christus und die damit in Verbindung
stehenden Ereignisse" (1869). Im Jahre 1871 gab er ein Liederbuch "Bündel
Geestelijke Liederen" heraus, das in erweiterter und revidierter Fassung bis
heute in Gebrauch ist. Viele der Lieder waren von ihm selbst gedichtet, eine
Anzahl übersetzte er nach Vorlagen von
Carl Brockhaus und
Julius Anton von Poseck
(im deutschen Liederbuch "Kleine Sammlung geistlieber Lieder" stammt Nr.
130 "Du hast uns lieb" von H.C. Voorhoeve). Im Jahre 1876 übersiedelte er nach Den
Haag, Dünne Bierkade 16 (hinter diesem Haus wurde später der noch heute benutzte
Versammlungssaal gebaut). Hier setzte H.C. Voorhoeve seine schriftstellerische
und verlegerische Tätigkeit fort. Seine bekanntesten Bücher sind wohl die
Betrachtungen über die Briefe des Apostels Paulus. In den Jahren 1869 und 1870
hat er mit seiner Familie mehrere Monate in Köln gewohnt, um gemeinsam mit
John Nelson Darby und
Carl Brockhaus an der Übersetzung des Alten Testaments zu arbeiten, die im Jahre
1871 zusammen mit dem Neuen Testament als "Elberfelder Bibel" erscheinen sollte.
Im Dezember 1877 gab H.C. Voorhoeve nach zweijähriger Arbeit eine eigene
niederländische Übersetzung des Neuen Testamentes heraus, bei der er sich auf
einen von J. N. Darby bearbeiteten und korrigierten griechischen Text stützte.
Auch evangelistisch blieb Hermanus Cornelis Voorhoeve tätig. Er brachte eine
Kinderzeitschrift und Bücher für Kinder heraus, außerdem ein vierzehntägig
erscheinendes Evangeliumsblatt "De Blijde Boodschap" (Die Frohe Botschaft), das
bis heute fortgeführt wird, und er schrieb nebenher eine große Anzahl
Evangeliums-Traktate. Sein illustriertes Wochenblatt "Timotheus" war vor allem
für die Familien und die jüngeren Gläubigen bestimmt. Diese Schrift wurde weit
über den Kreis der Brüder hinaus berühmt. Außerdem setzte dieser rastlos tätige
Diener des Herrn sich auch besonders für die in den Niederlanden
charakteristischen, zahlreichen christlichen Schulen ein.
Im Sommer 1901 ging seine schon länger kränkelnde Gattin heim. Einige Tage nach
ihrem Begräbnis beschloss Hermanus Cornelis Voorhoeve, nach Dillenburg zu seinem
ältesten Sohn, dem Arzt, zu fahren, um dort seinem sehr geschwächten Körper Ruhe
und Erholung zu gönnen. Aber nach anfänglicher Besserung verschlechterte sich
dort sein Zustand zusehends, sodass seine Angehörigen an sein Krankenlager
gerufen wurden. Am 21. August 1901, drei Wochen nach seiner Gattin, entschlief
er. Mehrfach rief er zum Schluss mit den Worten eines holländischen Liedes:
"O,
dort zu sein ... o, dort bist Du!" Seine letzten Worte waren: "Glückselig! Wie
glückselig!"
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