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Clarence
Esme Stuart entstammte einer sehr angesehenen Familie und war der jüngste Sohn
von William Stuart. Sein Großvater, der ebenfalls William Stuart hieß, war
Erzbischof von Armagh und genoss das besondere Vertrauen des englischen Königs
Georg III. Die Familie entstammte einer Seitenlinie des alten schottischen
Königshauses der Stuart. Manche Betrachter sahen in Clarence Esme Stuart eine
Ähnlichkeit zu Charles I. Seine Mutter war eine Hofdame der Königin Adelaide als
Herzogin von Clarence, die seine Patentante war, weshalb er auch den Namen
Clarence trug.
Clarence Esme Stuart wurde im Jahre 1828 in Sandy geboren. Der Familientradition
entsprechend wurde er in Eton erzogen. Danach besuchte er das St. John’s College
in Cambridge, wo er sein Studium der Literaturwissenschaft und der Theologie mit
dem Grad eines M. A. abschloss.
Von seiner gläubigen Mutter war Clarence Esme Stuart immer liebevoll auf die
Notwendigkeit der Bekehrung hingewiesen worden. Dadurch hatte er schon in seiner
Jugend den geistlichen Schritt vom Tode zum Leben getan. Seitdem hatte er immer
ein besonderes Interesse an geistlichen Dingen und wohl auch die Absicht, in der
anglikanischen Kirche, zu der seine Familie gehörte, ein Amt zu bekleiden. Aber
ein schwerer Sprachfehler, der jedoch nie zu bemerken war, wenn er betete,
scheint dies verhindert zu haben.
Nach seiner Heirat mit einer Tochter des Colonel Cunninghame aus Ayrshire ließ
er sich in Reading nieder. Dort beschäftigte er sich zunächst mit
evangelistischer Tätigkeit innerhalb der Kirche. Unter anderem förderte er in
dieser Zeit die Tätigkeit der „British and Foreign Bible Society“ (Britische und
Ausländische Bibelgesellschaft).
Ungefähr im Jahre 1860 wurde Clarence Esme Stuart auf die Stellung der Christen
aufmerksam, die allgemein die „Plymouth-Brüder“ genannt wurden, obwohl sie
selbst eine solche Bezeichnung immer abgelehnt haben. In der Stadt Reading gab
es eine große Versammlung, in deren Mitte sich auch William Henry Dorman, ein
ehemaliger Prediger befand, der bereits im Jahre 1840 zu diesen Brüdern gekommen
war. Durch seinen Einfluss wurde C.E. Stuart bald davon überzeugt, dass seine
Mitgliedschaft in der Kirche unhaltbar war. Ohne viel Aufhebens davon zu machen,
nahm er bald seinen Platz in der Versammlung in Reading ein. Viele Jahre blieb
er hier.
Mit seinen hervorragenden Kenntnissen der alten Sprachen stand C.E. Stuart in
schwierigen Lehrfragen J.N. Darby zur Seite. Bis zu dessen Heimgang blieb er eng mit ihm verbunden;
er war einer der Brüder, die anlässlich seines Begräbnisses sprachen.
Ohne Zweifel gehörte Clarence Esme Stuart zu den großen Lehrern unter den
Brüdern. Er veröffentlichte verschiedene Abhandlungen und Bücher zu
textkritischen Fragen des Alten und Neuen Testamentes. Auf dem Gebiet der
kritischen Auseinandersetzung mit dem griechischen Text des Neuen Testaments
trat er wie W. Kelly,
J.N. Darby und die Mitarbeiter an der „Elberfelder Übersetzung“ dafür en, die
neu entdeckten und ausgewerteten alten Handschriften gegenüber dem sogenannten
„Textus Receptus“ (dem Text der Masse der griechischen Handschriften) gebührend zu
berücksichtigen.
C.E. Stuart war auch ständiger Mitarbeiter der Zeitschrift Words in
Season
(Worte zur rechten Zeit). Er schrieb auch eine Reihe von Betrachtungen über die
Evangelien nach Markus, Lukas und Johannes, über die Apostelgeschichte, die
Briefe an die Römer und Hebräer und das Buch der Psalmen. Zu erwähnen sind
außerdem noch seine Betrachtungen über die Opfer, die Versammlung Gottes und die
Beziehungen der Gläubigen zu Gott. Eine seiner letzten Abhandlungen trug den
Titel: Sollen wir den Kritikern folgen? Darin setzte C.E. Stuart sich gegen
die neuen Lehren der sogenannten „Höheren Kritik“ über das Alte Testament zur
Wehr. Er zeigte damit, dass er bis zuletzt die Auseinandersetzung mit der
irregeführten Gelehrsamkeit seiner Zeit nicht zu scheuen brauchte. Seine
Bibliothek enthielt alle Standardwerke der modernen Bibelwissenschaft, aber auch
einige sehr seltene ältere Werke. Dazu gehörte eine wertvolle Ausgabe der
Complutensischen Polyglotte (eine 1514 in Spanien gedruckte mehrsprachige
Bibelausgabe mit dem lateinischen, griechischen und hebräischen Text), die er im
Alter der Bibliothek seines Colleges vermachte.
Als Ausleger hielt C.E. Stuart sich immer eng an den Wortlaut der Heiligen
Schrift, da er von ihrer wörtlichen Inspiration völlig überzeugt war. Externen
Quellen, wie den Auslegungen der Kirchenväter oder gar der modernen Theologie,
schenkte er kaum Beachtung. Mit seinem klaren und neutralen Urteilsvermögen
vertrat und verteidigte er mit großem Eifer die wiederentdeckten Wahrheiten über
die Versammlung Gottes und die prophetischen Ereignisse. Ähnlich wie zur
gleichen Zeit bei Frederick
Frederick William Grant
verursachten 1885 überspitzte Lehräußerungen C.E. Stuarts über Stellung und
Zustand des Christen eine vorschnell herbeigeführte Trennung unter Brüdern, die
jedoch nach mehreren Jahrzehnten wieder geheilt werden konnte. In späteren
Jahren begab sich C.E. Stuart mit seinen Äußerungen über das Sühnungswerk
Christi auf einen gefährlichen Boden, da er das Werk des Herrn verstandesmäßig
zu zerlegen und hauptsächlich durch die Vorbilder des Alten Testamentes zu
erklären versuchte.
C.E. Stuart war in seinem ganzen Auftreten von größter Einfachheit. In seiner
liebevollen Art gewann er besonders die Herzen der „Elenden der Herde“, für die
er voll Gütigkeit war. Es war seine Freude, das Licht, das er genoss, mit ihnen
zu teilen. Er gehört zu denen, die, obwohl sie gestorben sind, noch reden. Er
ging 1903 im Alter von fünfundsiebzig Jahren heim.
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