|
Emil
Dönges erblickte am 2. September 1853 als zweitältester Sohn von Philipp Dönges
und dessen Ehefrau Josefine, geb. Knab, in Becheln, einem kleinen Dorf auf der
Höhe zwischen Rhein und Lahn, das Licht der Welt. Der Vater war später Lehrer in
Wallau, und in seiner Wohnung kamen die Pfarrer und Lehrer der Umgebung von Zeit
zu Zeit zu einem sogenannten „Bibelkränzchen“ zusammen. Es war ihm ein
besonderes Anliegen, seine Kinder in streng christlichem Sinne zu erziehen.
Schon bald zeigte sich bei dem Knaben Emil ein außergewöhnlich reger Geist und
eine lebhafte Beobachtungs- und Auffassungsgabe. So beschloss der Vater trotz
wachsender Kinderschar und bescheidener Einkünfte, seinem Sohn eine möglichst
gute Ausbildung zuteil werden zu lassen. Der junge Emil Dönges besuchte mehrere
Jahre das Realgymnasium in Elberfeld. Der Herr führte es so, dass er in einer
christlichen Familie Aufnahme fand und dadurch mit einem Kreis wahrer Gläubiger
in Verbindung kam. Als Primaner machte er die Bekanntschaft des Elberfelder
Fabrikanten Julius Löwen,
der sich mit dem innerlich bereits beunruhigten jungen Mann unterhielt und ihm
einige Schriften aus dem Verlag seines Schwagers
Carl Brockhaus zu
lesen gab. Zu ihrer Lektüre kam der junge Mann jedoch erst während eines
Studienaufenthaltes in England. Da er vor dem Besuch der Universität die
englische Sprache gründlicher erlernen wollte, hielt er sich anderthalb Jahre
unter anscheinend weniger angenehmen Umständen in einer englischen „Erziehungsanstalt“
auf. Dort suchte der junge Gläubige die Gemeinschaft anderer
Christen. Er kam zunächst mit den Quäkern in Berührung, später zu den
sogenannten „Offenen Brüdern“, und schließlich zu den Gläubigen, mit denen er
bis an sein Lebensende in Verbindung blieb und in deren Mitte er einen besonders
gesegneten Dienst ausgeübt hat.
Nach seiner Rückkehr aus England nahm er an der Universität Marburg das Studium
der neuen Sprachen (Englisch und Französisch) auf, um sich auf das höhere
Lehramt vorzubereiten. Schon während seiner Studienzeit benutzte er die Sonntage
dazu, die Gläubigen in der Umgebung aufzusuchen, um ihnen mit dem Worte Gottes
zu dienen, und Menschen, die noch nicht errettet waren, die frohe Botschaft des
Heils zu verkündigen. Schon jetzt zeichnete sich seine große Begabung für den
Dienst am Evangelium ab, und Gott segnete seine Bemühungen.
Sein Studium schloss er mit der Promotion zum „Dr. phil.“ ab. Zu diesem Zweck
weilte er noch einige Monate in Paris. Danach war er mehrere Jahre als Lehrer am
Gymnasium in Burgsteinfurt tätig. Dort machte der Herr ihm deutlich, dass er ganz
in Seinen Dienst treten solle. Obwohl er mit großer Liebe an seinem Beruf hing
und die Familie zunächst wenig Verständnis für seine Entscheidung zeigte,
entschloss er sich, seine bisherige Tätigkeit aufzugeben und sich dem Herrn
völlig zur Verfügung zu stellen.
So finden wir Emil Dönges in den Jahren 1884 bis 1886 wieder in Elberfeld, wo er
in der Familie von Carl Brockhaus Aufnahme fand. Er konnte nun, ungehindert
durch andere Pflichten, Bekehrten und Unbekehrten das Wort Gottes verkündigen
und auch bei den im Verlag von
Carl Brockhaus
anfallenden schriftlichen Arbeiten helfen. Er übersetzte in dieser Zeit die
gerade erschienene Kirchengeschichte des Engländers Andrew Miller, wobei er den
letzten Band teilweise umarbeitete. Das Werk wurde erstmals im Jahre 1888 in
deutscher Sprache herausgegeben. Auch an den Revisionsarbeiten der sogenannten
„Elberfelder Bibel“ nahm er teil, und zwar speziell am Neuen Testament, während die Arbeiten
am Alten Testament von Dr. Alfred Rochat durchgeführt wurden.
Im Jahre 1886 zog er nach Frankfurt am Main. Dort heiratete er Katharina Kirch,
die ihm eine treue, gleichgesinnte Lebensgefährtin wurde. Der Herr schenkte
ihnen sechs Söhne und drei Töchter. Trotz seiner vielen Arbeit nahm sich der
Vater die nötige Zeit für seine Familie, und sein Haus stand immer für die
Kinder Gottes und alle Trost- und Hilfsbedürftigen offen.
Im Januar 1888 begann er mit der Herausgabe der Evangeliumszeitschrift Gute
Botschaft des Friedens für jedermann. Bis zu seinem Heimgang erschien dieses
Heftchen, das vielfach das beste Evangeliumsblatt Deutschlands genannt wurde, in
unveränderter Frische und zum großen Segen. 1891 folgte das illustrierte
Sonntagschulblatt Der Freund der Kinder, das ebenfalls rasche Verbreitung und
Aufnahme fand. Schließlich entschloss Emil Dönges sich im Jahre 1910 auch zur
Herausgabe von Gnade und Friede, eine Monatsschrift für Gläubige. Im Laufe der
Jahre kamen verschiedene evangelistische und belehrende Schriften hinzu,
insbesondere eine Betrachtung über die Offenbarung mit dem Titel: Was bald
geschehen muss. Auch der Abreißkalender Bote des Friedens und der
Familienkalender Der Botschafter des Friedens sind noch zu erwähnen. Ein von
ihm gedichtetes Lied wurde in die Kleine Sammlung geistlicher Lieder
übernommen; es ist die Nummer 129: „Jesus, Lamm Gottes, in Herrlichkeit droben
gekrönet …“
Im Mai 1899 zog Emil Dönges mit seiner Familie nach Darmstadt, während der
Verlag „Geschw. Dönges“ seinen Sitz in Dillenburg hatte. Er setzte hier seine
vielseitige Tätigkeit im Dienst für den Herrn fort. Im gleichen Jahr übernahm er
noch die Leitung der Christlichen Anstalt für Schwachsinnige in Aue bei
Schmalkalden.
Anfang Dezember 1923 wollte Emil Dönges noch einmal der Zusammenkunft der im
Werke des Herrn arbeitenden Brüder beiwohnen, aber der Herr hatte es anders
beschlossen. Ein heftiger Anfall seines alten Herzleidens warf ihn am 3.
Dezember aufs Krankenlager. Zwar schien nach einigen Tagen eine Besserung
einzutreten, und seine Angehörigen glaubten schon, dass die Gefahr vorüber sei.
Aber am 7. Dezember stand das Herz des treuen Dieners still. Ein reiches,
gesegnetes Leben war zum Abschluss gekommen. Ein eifriger Evangelist mit
ungewöhnlicher Begabung und ein treuer Führer der Gläubigen mit einem Herzen
voll Liebe war heimgerufen worden.
|