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Julius
Löwen wurde am 31. Juli 1822 in der kleinen Stadt Breckerfeld bei Hagen geboren.
Er war das älteste von vier Kindern des Bäckermeisters und Windmühlenpächters
Johann Peter Nikolaus Löwen und seiner Gattin Anna Elisabeth Flüs. Da er der
einzige Sohn im Hause war, musste er schon früh seinem Vater in der Windmühle und
in der dazugehörenden Landwirtschaft helfen. Wäre er nicht überdurchschnittlich
begabt gewesen, hätte er wohl wie mancher seiner Vorfahren ein Leben als
Breckerfelder Bürger verbracht. Aber Gott hatte anderes mit ihm vor. Sein Vater
erkannte seine Begabung und ließ ihn deshalb die Rektoratsschule besuchen, wo er
sich durch Fleiß und Treue auszeichnete, so dass sein Rektor ihn zu seinen besten
Schülern zählte. Etwa 1837/38 kam Julius in die Kaufmannslehre nach Elberfeld.
Dort wohnte er im Hause seines Lehrherrn. Die Lehre war damals eine harte Zeit.
Es hieß früh aufstehen, das Zimmer und die Schuhe reinigen, danach im „Kontor“
fegen und Staub wischen und so fort, bevor die eigentliche Tagesarbeit begann.
Aber er erhielt auch eine gute kaufmännische Ausbildung, die ihm für sein
späteres Berufsleben eine gute Grundlage gab.
Schon früh hatte Julius Löwen ein Verlangen nach göttlichen Dingen. Sonntags
besuchte er regelmäßig die Kirche, wo er durch die Predigten von Pastor
Friedrich Wilhelm Krummacher (1796-1868) viel Segen empfing und bald im
lebendigen Glauben Frieden fand. Noch vorhandene Konzepte von Briefen an seine
Schwester Caroline und an Jugendfreunde zeugen von dem tiefen und heiligen
Ernst, der ihn schon als jungen Mann von neunzehn bis zwanzig Jahren beseelte.
So schrieb er am 15. Juni 1842 an einen Freund:
„… indessen beschäftigte ich mich fleißig mit Lesen der Bibel und
erbaulicher Bücher und lernte immer besser einsehen, dass es mit mir noch nicht
recht stehe und dass, wenn ich selig werden wolle, eine totale Änderung mit mir
vorgehen müsse. Da öffnete mir das Evangelium die Fülle seiner Schätze; es
machte mich mit einem Manne bekannt, der mich retten könne vom ewigen
Verderben; der alle meine zahllosen Sünden am Kreuze gesühnt, der für mich
das Gesetz erfüllt und, mir seine Gerechtigkeit schenkend, mich vor dem Vater
angenehm gemacht habe …“
Nach Beendigung seiner Lehrzeit trat Julius Löwen als Angestellter in ein
angesehenes Textilunternehmen in Mettmann ein, wo er bis zum Jahre 1850 tätig
war. In diesem Jahr gründete er mit seinem Freunde August Nordsieck eine
Seidenweberei in Mettmann, die jedoch um 1853 nach Elberfeld übersiedelte.
Eine tiefe Gottesfurcht, Lauterkeit und Aufrichtigkeit sowie strenge
Gewissenhaftigkeit im Privat- und Geschäftsleben zeichneten Julius Löwen aus. In
dieser Hinsicht setzte ihm eine angesehene Firma in Wuppertal ein einzigartiges
Denkmal, als sie in einem Briefe an einen ausländischen Geschäftsfreund schrieb:
„Die einzige Firma im Wuppertal, die niemals lügt, ist die Firma Löwen und
Nordsieck.“
Die verantwortungsvolle und aufreibende Geschäftstätigkeit machte Julius Löwen
gesundheitlich jedoch sehr zu schaffen. Daher entschloss er sich im Jahre 1873 im
Alter von erst einundfünfzig Jahren schweren Herzens, seine unternehmerische
Tätigkeit aufzugeben.
Im April 1848 hatte sich Julius Löwens Schwester Emilie Wilhelmine mit dem
damaligen Lehrer Carl
Brockhaus in Breckerfeld verheiratet. Dieser hatte sich nach seiner
Übersiedlung nach Elberfeld bald ganz dem Werk des Herrn gewidmet. Julius Löwen
hatte deshalb beabsichtigt, keine eigene Familie zu gründen, sondern sein
Einkommen für die schnell wachsende Familie seines Schwagers und das Werk des
Herrn zu verwenden. Schwester Emilie war jedoch anderer Ansicht. Sie war der
Überzeugung, dass der Herr für Sein Werk und Seine Diener sorgen würde. Gestützt
auf ihre eigene Erfahrung und auf das Schriftwort, dass es nicht gut ist, dass der
Mensch allein sei, machte sie ihn auf Helene Langenbeck aufmerksam, die älteste
Tochter eines christlichen Freundes, des Färbereibesitzers F.W. Langenbeck in
Unterbarmen. In dessen Haus versammelten sich häufig abends ernste Christen zur
Wortbetrachtung, woran auch Julius Löwen zuweilen teilnahm. Nach kurzer
Verlobungszeit schlossen Helene Langenbeck und Julius Löwen am 5. Juni 1851 den
Bund fürs Leben. Es folgte eine überaus glückliche Ehe, so dass Julius Löwen am
Tag seiner goldenen Hochzeit mit tiefer Dankbarkeit sagen konnte: „Unsere Ehe
war ein Paradies.“
Nachdem sich Julius Löwen im Jahre 1873 vom Geschäft zurückgezogen hatte,
widmete er sich mehr als bisher dem Dienst in den Versammlungen und der
Seelsorge, indem er Kranke und Alleinstehende besuchte. Seine Arbeit war zum
großen Segen. Da er früh zum Glauben gekommen und stets ein eifriger
Schriftforscher gewesen war, verfügte er über eine tiefe Kenntnis des Wortes
Gottes, mit der er nun den Geschwistern besonders dienen konnte. Vor allem war
er auch ein eifriger Mitarbeiter seines Schwagers
Carl Brockhaus bei der
Herausgabe der Monatsschrift Botschafter des Heils in Christo.
Das Haus Löwen war sehr gastfrei, so dass sich häufig, vor allem während der
Konferenzen, zahlreiche Gäste einstellten. Im Jahre 1878 wohnte
John Nelson Darby
mehrere Monate im Hause Löwen, als er zur letzten Bearbeitung der „Elberfelder
Bibel“ in Elberfeld weilte.
Mit zunehmendem Alter nahmen seine Geisteskräfte merklich ab. Nur für geistliche
Dinge zeigte er nach wie vor Interesse. In den letzten Jahren musste ein Pfleger
seine Bedienung besorgen. Er entschlief am 9. August 1907. Seine Frau überlebte
ihn um acht Jahre.
Julius Löwen besaß eine schöne dichterische Gabe. Neben Gelegenheitsgedichten
verfasste er mehrere geistliche Lieder, die in die Kleine Sammlung geistlicher
Lieder aufgenommen wurden. Aus seiner Feder stammen die Lieder Nr. 125: „Dir,
dem hocherhobnen Herrn“ (1877), ferner Nr. 128: „Anbetung Dir, dem Lamme“ (1886)
und Nr. 134: „Anbetung, Ehre, Dank und Ruhm“ (1884). Auf Veranlassung von Julius
Löwen wurde in die Kleine Sammlung geistlicher Lieder auch die Vertonung der
Bibelverse Offenbarung 1,5-6 aufgenommen:
„Dem, der uns liebt und uns von unseren Sünden
gewaschen hat in Seinem Blut,
und uns gemacht hat zu einem Königtum,
zu Priestern Seinem Gott und Vater:
Ihm sei die Herrlichkeit und die Macht von Ewigkeit zu Ewigkeit! Amen.“
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