Frieden im Lukasevangelium
Das „Evangelium des Friedens“

Benjamin Curtis Greenman

© SoundWords, online seit: 15.03.2011, aktualisiert: 20.10.2018

Dieses eine der vier Evangelien kann wahrhaftig „Evangelium des Friedens“ genannt werden, denn in einer besonderen Art zeigt es die Wahrheit der Errettung und den Herrn Jesus nicht als König oder Prophet oder „Gott offenbart im Fleisch“, sondern als den Sohn des Menschen und den Retter der Verlorenen. Natürlich ist dieses Evangelium nicht beschränkt auf diese grundlegende Wahrheit, obwohl es sozusagen der Angelpunkt ist, um den sich alles dreht, und alles in der richtigen Haltung mit dieser Eigenschaft.

1. Gottes Weg des Friedens

Lk 1,79: … um unsere Füße auf den Weg des Friedens zu richten.

Wie gewöhnlich zeigt der erste Hinweis den gesamten Gegenstand oder gewährt einen umfangreichen Blick auf das Thema: der Weg des Friedens. Es ist der letzte von drei Zwecken, weshalb unser Herr Jesus kam, hier dargestellt:

  1. „um seinem Volk Erkenntnis des Heils zu geben in Vergebung ihrer Sünden“ (Lk 1,77)
  2. „um denen zu leuchten, die in Finsternis … sitzen“ (Lk 1,79)
  3. „um unsere Füße auf den Weg des Friedens zu richten“ (Lk 1,79).

Der Weg des Friedens bedeutet zugleich einen Start, einen Verlauf und ein Ende, und er beinhaltet unsere Annahme Christi als unseren Retter, unsere Nachfolge in seinen Fußstapfen und das Ergebnis in Herrlichkeit.

Doch „der Weg“ ist auch eine Erinnerung daran, dass der Mensch nicht länger in Eden ist, sondern außerhalb, und er erinnert uns an folgende Bibelstellen:

  1. „Alle sind abgewichen“ (Röm 3,12) – der Mensch ist verloren.
  2. „Wir wandten uns jeder auf seinen Weg“ (Jes 53,6) – der Mensch ist verdorben.
  3. „Da ist ein Weg, der einem Menschen gerade erscheint“ (Spr 16,25) – der Mensch ist verblendet.

Doch Jesus sagte: „Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben.“ Der Mensch ist folglich verloren, ungehorsam und betrogen, bis er bußfertig Christus als den Weg findet oder durch Ihn zu Gott kommt.

2. Sein Ziel: „Frieden auf Erden“

Lk 2,14: Friede auf Erden, an den Menschen ein Wohlgefallen!

Die Ankündigung des Engels, der große Freude verkündigte von dem „Erretter …, welcher ist Christus, der Herr“, erwirkt diesen Ausbruch von Preis im himmlischen Chor: „Herrlichkeit Gott in der Höhe, und Friede auf der Erden, an den Menschen ein Wohlgefallen!“ (Lk 2,14).

In dieser Dreieinigkeit einer Segnung fanden sie ihr Wohlgefallen, doch wie wenig wird es von armen Menschen, die von Satan verblendet und durch selbstsüchtige Ziele entstellt sind, als wahr angesehen, verstanden oder geschätzt, und von unserem niedrigen Standpunkt aus werden wir vielleicht beurteilen, dass nur die Engel sehen, wie es zutrifft.

„Herrlichkeit Gott in der Höhe“ wird leider nur wenig erstrebt, denn jede Sünde ist Gottes Unehre, eine Beraubung des Geschöpfes und Auflehnung gegen Gott. Wie schön ist es dann, zu erkennen, dass die Herrlichkeit Gottes das erste Ziel des Herrn war! Wenn wir das Leben, den Tod und die Auferstehung des Herrn betrachten, sehen wir es leicht, dass Er Gott verherrlichte, aber um „Friede auf Erden“ zu sehen, bedarf es allerdings der Augen eines Propheten und nicht nur der eines Sünders. Es ist wahr, dass einige den Frieden „kommen“ sehen und die gute Zeit als eingeführt ankündigen, doch damit zeigen sie nur ihre eigene Torheit, und daher erscheint die Botschaft der Engel vielen nur als Gespött ihrer enttäuschten Hoffnungen. Doch wenn wir dennoch auf Erden kein herrliches Friedensreich haben, bis Er kommen wird, so können wir die umfassenderen Segnungen vorausahnen. Er allein hat das Recht, in Gerechtigkeit zu regieren, und bringt uns damit umfassenden Frieden, weil unsere Seele ihn als Erretter und Herrn angenommen hat. Wenn wir die Herzenstür weit öffnen, können wir Ihn dadurch aufnehmen und auch dorthin gehen, wo Er ist: bisher unsichtbar in den Himmeln.

3. Seine kostbare Ruhe: Hinausgehen in Frieden

Lk 2,29: … entlässt du deinen Knecht … in Frieden.

Während das völlige Ergebnis der gesegneten Arbeit des Herrn verschoben ist durch die Ablehnung der Welt Ihm gegenüber, gibt Gott uns gesegnete Kostproben von diesem Ergebnis, indem Er den Jahrtausend-Tagesanbruch dem bringt, der in wahrer Buße willkommen heißt „den Tagesanbruch aus der Höhe“.

Lesen wir einmal die liebliche Beschreibung dieses Mannes von Jerusalem in Lukas 2,25-32:

  • „Er war“ in Jerusalem („Stadt des Friedens“) – Beruf
  • „Simeon“ (= „Erhörung“; „Also ist der Glaube aus der Verkündigung“) – Glauben
  • „gerecht und gottesfürchtig“ (Stellung und Praxis) – Rechtschaffenheit
  • „Er wartete auf den Trost Israels“ – Hoffnung
  • „Der Heilige Geist war auf ihm“ – Gabe
  • „Es war ihm ein göttlicher Ausspruch zuteilgeworden“ – Offenbarung
  • „Er kam durch den Geist in den Tempel“ – Gemeinschaft
  • „Da nahm er es auf seine Arme“ – Freude
  • „Er lobte Gott“ – Lobpreis
  • „Er sprach: Nun, Herr, entlässt du deinen Knecht … in Frieden“ – Frieden

Daher, bevor die größere Offenbarung durch Paulus gegeben wurde, „ausheimisch von dem Leib und einheimisch bei dem Herrn“ (2Kor 5,8) und von der himmlischen Glückseligkeit der lebenden Heiligen, finden wir immerhin einen, der glaubt, dass sein „Hinausgehen“ nicht zu einem Gefängnis im Scheol führte, sondern dazu, mit Gott zu sein. Mit Christus in seinen Armen und dem Heiligen Geist auf ihm, wohin sonst könnte er gehen?

4. Gottes Zusage: Gehe hin in Frieden

Lk 4,50: Dein Glaube hat dich errettet; geh hin in Frieden.

Bei der reuevollen Frau der Stadt, die über seinen Füßen weinte, war sich unser Herr der Tränen, ihrer Haare, ihrer Küsse und des Salböls voll bewusst, doch Er überging das alles, um ihren Glauben zu unterstreichen, um ihr seinen dreifachen Segen zu geben: Vergebung, Errettung und Frieden. Er rettete sie, weil sie als Sünderin Rettung brauchte. Er sagte ihr das durch sein Wort zu, sonst würde sie vielleicht mit Zweifeln und Ängsten gegangen sein, aber so denkt sie über seine Gnade nach.

5. Sein Trost: Geh hin in Frieden

 Lk 8,48: Dein Glaube hat dich geheilt; geh hin in Frieden.

Eine müde, enttäuschte Seele, die in niemand anderem Hilfe finden konnte als in unserem barmherzigen Herrn, kam von hinten und berührte sein Gewand. Sie wurde sofort geheilt. Der Herr spürte es und fragte, wer Ihn angerührt habe. Da „kam sie zitternd und fiel vor ihm nieder“, erklärte vor allen die Wahrheit und hörte Ihn sagen: „Sei guten Mutes, Tochter, dein Glaube hat dich geheilt; … geh hin in Frieden“ (Mt 9,22; Lk 8,48). In dieser einen kurzen Botschaft versichert Er ihr Beziehung, Trost, Schutz und Frieden.

6. Sein Dienst: Friede diesem Haus

Lk 10,5: In welches Haus irgend ihr aber eintretet, da sprecht zuerst: Friede diesem Haus! 

Unser Retter gibt nicht mit geiziger Hand, und als Er seine siebzig Jünger aussendet, gebot Er ihnen, „zuerst“ zu sagen: „Frieden diesem Haus!“ Diese „Erntearbeiter“ unseres Herren waren keine Kriegsteilnehmer, Disputanten, keine harten Denunzianten. Ihr Dienst war ein Dienst der Versöhnung, dass Gott die Menschen aufforderte, sich versöhnen zu lassen. Ihr Verhalten musste dieses Auftrags würdig sein; sie kamen, um das Geschenk eines Königs auszuteilen, und sie waren weder Mäzene noch Almosenempfänger; doch bevor sie in ein Haus gingen, um dort zu bleiben, hatten sie eine Frage: „Ist unser Meister hier willkommen?“

7. Seine Frage: Gibt es einen Sohn des Friedens hier?

Lk 10,6: Und wenn dort ein Sohn des Friedens ist, …  

  • „Er sandte sie zu je zwei vor seinem Angesicht her“ – seine Verkünder
  • „dass er Arbeiter in seine Ernte aussende“ – seine Arbeiter
  • „Ich sende euch aus wie Lämmer inmitten von Wölfen“ – sein Auftrag

Sein Auftrag war zehnfach:

  1. „Bittet nun den Herrn der Ernte“ – Gemeinschaft
  2. „Geht hin!“ – Gehorsam
  3. „Tragt weder Geldbeutel noch Tasche noch Sandalen“ – Abhängigkeit
  4. „Grüßt niemand auf dem Weg“ – Konzentration
  5. „Sprecht zuerst: Friede diesem Haus!“ – Verbindlichkeit
  6. „Geht nicht aus einem Haus in ein anderes“ – Zufriedenheit
  7. „Esst, was euch vorgesetzt wird“ – Selbstverleugnung
  8. „Heilet die Kranken“ – Mitgefühl
  9. „Das Reich Gottes ist nahe zu euch gekommen“ – Zeugnis
  10. „Schüttelt ihren Staub gegen sie von euch ab“ – Treue

8. Seine Segnung: Euer Friede wird darauf ruhen

Lk 10,6: … so wird euer Friede darauf ruhen.

Ebenso wie Königin Esthers Festmahl war alles reichlich und frei, doch kein Zwang. Es war nicht das „Du sollst“ des Gesetzes, sondern das „Lasst uns“ der Gnade. Ihre Taube trug ihren Ölzweig nur zu denen, die die Hand ausstreckten, um ihn zu fassen. Wenn der König des Friedens willkommen war, kehrte Er in die Person seiner Boten ein; wenn nicht, gingen sie weiter auf ihrem Weg des Friedens, und den größten Verlust hatten die, die eine so große Segnung abgelehnt hatten.

9. Sein Feind: Seine Habe ist in Frieden

Lk 11,21: Wenn der Starke bewaffnet seinen Hof bewacht, ist seine Habe in Frieden.

Kein guter Kriegsmann unterschätzt jemals seinen Feind, und unser großer „Kapitän“ ist keine Ausnahme. Er beschreibt Satan so: „Wenn der Starke bewaffnet seinen Hof bewacht, ist seine Habe in Frieden“ (Lk 11,21). Doch wenn unser Herr Jesus Christus die Macht Satans so beurteilt, sollten wir sicher daran glauben, dass, wie sonst auch, sein Wort Wahrheit ist. Wenn Satan ein starker Mann ist und bewaffnet und auch einen Palast hat, Habe und Beute, dann ist es unsere Weisheit, mehr darüber zu wissen, denn er ist einerseits ein Lügner und Betrüger und andererseits ein Mörder und Zerstörer. „Satans Beute“: welch eine Eigenschaft, die Sünder beschreibt, und das sind sogar die eigenen Worte unseres Herrn, und Er kann nicht lügen.

10. Seine Warnung: kein Friede auf Erden bei seinem ersten Kommen

Lk 12,51: Meint ihr, dass ich gekommen sei, Frieden auf der Erde zu geben? Nein, sage ich euch …

Man könnte den Gedanken haben, dass es sonnenklar sei, doch leider: Die Menschen „wissen nichts und verstehen nichts“ (Ps 82,5). Bei Jesu Geburt sind Herodes und ganz Jerusalem beunruhigt, dann ist Bethlehem untröstlich wegen des „Mordens der Unschuldigen“, ein Schwert durchbohrte Marias Seele, Sorgen erfüllte seine Jünger, die Töchter Jerusalems weinten wegen Ihm, und seine eigene Seele war äußerst betrübt, selbst bis zum Tod. In all dem war kein „Friede auf Erden“.

11. Seine Vorsorge: Umstände des Friedens

Lk 14,32: Er … bittet um die Friedensbedingungen.

Das Wort unseres Herrn richtet sich an die Massen, die Ihm folgen, und sollte ihr Gewissen aufrütteln bezüglich dessen, was seine wahren Jünger zu erwarten hatten in einer feindseligen Welt. Der Preis wahrer Jüngerschaft ist das „Tragen des Kreuzes“ Ihm nach, und die Beispiele, die Er gibt, sollen die Tatsache ausdrücken, dass wir „allem zu entsagen“ haben, um völlig seine Jünger zu sein.

12. Seine Übertragung: Frieden im Himmel

Lk 19,38: Friede im Himmel und Herrlichkeit in der Höhe!

Die letzte Reise unseres Herrn nach Jerusalem näherte sich dem Ende, als aus den Jüngern Freude und Lobpreis hervorbrach über die Entfaltung seines Wesens, die sie gesehen hatten. Wir wissen, dass sie Hoffnungen hegten, die sich noch nicht erfüllen sollten. Nichtsdestoweniger war ihr Lied im Sinn des Himmels, und so, anstelle der Wiederholung der Engelsworte „Friede auf Erden“ im Bezug auf die Mission des Herrn, übertragen sie es auf „Friede im Himmel“ (Lk 19,38). Dort war Jesus als König, und sie konnten nicht stillschweigen oder selbst die Steine würden gegen sie zeugen und ihren Protest laut herausschreien.

13. Seine Klage: Dinge zu ihrem Frieden

Lk 19,42: … was zu deinem Frieden dient.

Er sprach die Worte des Vaters und tat seine Werke, Er hatte sie zum Schutz unter seine Flügel gerufen, hatte geseufzt, gestöhnt und geweint über ihren Zustand, und nun, wenn all seine Gnade ihnen scheinbar vergebens gegeben wurde, weinte Er wiederum über ihren endgültigen Verlust dessen, „was zu deinem [ihrem] Frieden dient … darum, dass du [sie] die Zeit deiner [ihrer] Heimsuchung nicht erkannt hast [haben]“ (Lk 19,42.44).

14. Seine Segnung: Frieden in der Gemeinschaft

Lk 24,36: Er … spricht zu ihnen: Friede euch!

Israel, sein Eigentum, „nahm ihn nicht an“ (Joh 1,11), es hasste Ihn „ohne Ursache“ (Ps 35,7), seine eigenen Jünger „verließen ihn … alle und flohen“ und nun, nach seinem Kreuz der Schande, seinem Opfertod und seiner triumphierenden Auferstehung ist Er immer noch mit seinem Auftrag der Liebe zu sehen. Er macht beides: Er stellt seine Schafe vor sich hin und geht auch vor ihnen her, wie Er Simon als Erstes erschien und den Zweien, die nach Emmaus gingen. Allerdings grüßte Er sie als Gruppe mit „Friede euch!“ erst, als sie sich zusammenfanden als Überbringer einer gleichen Botschaft und verkündeten: „Der Herr ist wirklich auferweckt worden.“ Hier war der Herr des Friedens, Er selbst, bereit, ihnen Frieden zu geben, sowohl durch seine Anwesenheit, als auch durch sein vollbrachtes Werk. Wie sehr benötigen wir doch diesen Frieden! Möge er uns doch bewusster werden!


Originaltitel: „‘Peace’ in Luke’s Gospel“
aus Home Friend | Tender Grass, Jg. 24, 1917, S. 189ff.

Übersetzung: Simone Storek


Hinweis der Redaktion:

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