Trostlose Gemeindestunden?
Matthäus 18,20

Charles Henry Mackintosh

© SoundWords, Online începând de la: 29.03.2005, Actualizat: 20.08.2016

Leitvers: Matthäus 18,20

Mt 18,20: Denn wo zwei oder drei versammelt sind in meinem Namen, da bin ich in ihrer Mitte.

Woher kommt es, dass unsere Gemeinden so oft ohne Kraft und wirkungslos sind? Die Verheißung Christi „Wo zwei oder drei versammelt sind in meinem Namen, da bin ich in ihrer Mitte“ ist und bleibt stets wahr. Wo aber seine Gegenwart verwirklicht ist, da muss Er auch in Macht und Segnung wirken. Aber Er lässt seine Gegenwart nur insoweit fühlen, als unsere Herzen ehrlich und aufrichtig Ihn suchen, als den besonderen Mittelpunkt unserer Gemeinde. Haben wir einen anderen Gegenstand im Auge, so können wir nicht mehr sagen, dass wir in seinem Namen versammelt sind; und folglich wird dann seine Gegenwart nicht verwirklicht sein.

Wie viele Christen gibt es, die den Gemeinden beiwohnen, ohne Christus als ihren ersten und unmittelbaren Gegenstand zu haben? Etliche gehen hin, um Reden zu ihrer Erbauung zu hören; es ist die Erbauung und nicht Christus, der sie versammelt! Sie können dort fromme Regungen, heilige Motive, viel religiöses Gefühl und eine lebhafte, intelligente Anteilnahme haben, indem sie sich mit dem Buchstaben der Heiligen Schriften oder mit gewissen Punkten der Wahrheit beschäftigen; aber all dieses kann stattfinden ohne die mindeste Verwirklichung der heiligen und heiligenden Gegenwart Christi nach der Verheißung in Matthäus 18,20.

Andere kommen in die Gemeinde mit einem Herzen, das voll ist von dem, was sie zu sagen oder zu tun im Begriff sind. Sie haben ein Kapitel zu lesen, ein Lied vorzuschlagen, einige Bemerkungen zu machen, oder sie haben die Absicht zu beten und lauern den günstigen Moment ab, um sich dafür vorzudrängen. Es ist leider nur zu sichtbar, dass nicht Christus der Hauptgegenstand dieser Christen ist, sondern einzig und allein das Ich und seine armseligen Handlungen und elenden Worte. Diese Personen tragen dazu bei, die Gemeinde ihres Charakters der Heiligkeit, der Macht und der wahren Erhebung zu berauben; denn ihretwegen ist es nicht Christus, der den Vorsitz führt, sondern das Fleisch, das – und das in den ernstesten Umständen! – diesen Platz einnimmt. Das Fleisch kann auf einem Theater oder auf einer politischen Tribüne seine Rolle spielen; aber in einer Gemeinde von Gläubigen sollte es keine Auftrittsmöglichkeit haben.

Ich bin durchaus nicht berechtigt, mich in einer Gemeinde von Kindern Gottes vor dem Herrn darzustellen mit dem Vorsatz, dieses oder jenes Kapitel zu lesen oder dieses oder jenes Lied vorzuschlagen oder gar an einem bestimmten Sonntag eine ganz bestimmte Rede zu halten. Ich soll in die Mitte meiner Brüder kommen, um mich dort in die Gegenwart Gottes zu setzen und mich seiner unumschränkten Leitung zu überlassen [Anm. d. Red.: das heißt natürlich nicht, dass wir uns nicht auch auf die Zusammenkünfte vorbereiten sollten!]. Mit einem Wort, wenn ich im Namen Jesu hingehe, wird Er allein mein Gegenstand sein, und ich werde alles andere vergessen. Dieses heißt nicht, dass ich, wenn ich Ihn zum Gegenstand habe, nicht erbaut werden kann oder selbst zur Erbauung beitragen könne, im Gegenteil; denn nur insoweit der Herr vor meinen Blicken steht, bin ich fähig, andere zu erbauen oder selbst erbaut zu werden. Das Geringste ist immer im Größten enthalten. Wenn ich Christus habe, so kann mir die Erbauung nicht fehlen; aber wenn ich diese statt Christus suche und als mein Ziel verfolge so verliere ich beides.

Wie viele Christen gibt es außerdem noch, die in der Gemeinde erscheinen, ohne das Gewissen gereinigt, das Herz gerichtet und das Fleisch gekreuzigt zu haben! Sie nehmen ihre Plätze ein auf den Bänken; aber sie sind kalt und dürr, ohne Gebet, ohne Glauben und ohne wirklichen Zweck. Sie kommen maschinenmäßig, weil es ihre Gewohnheit ist zu kommen; aber sie sind nicht beherrscht durch den Wunsch, dem Herrn zu begegnen. Sich zu versammeln, ist für sie nur eine religiöse Förmlichkeit, und für andere sind sie nur ein Hindernis der Segnung.

Wir sehen also, dass mehrere verschiedenartige Ursachen mitwirken, um die Quelle des Lebens und der Kraft in den Gemeinden auszutrocknen, und deshalb ist auch im Allgemeinen das Zeugnis so arm und so matt in unserer Mitte. Diese kläglichen Ursachen bis auf den Grund zu untersuchen, ist eine gründliche Arbeit des Gewissens. Ach, möchten doch viele einmal noch die Frage erheben: „Herr, bin ich’s?“ Es ist völlig unnütz, irgendwie eine bleibende Segnung oder eine wahre Stärkung zu erwarten, insoweit wir nicht ernstlich zu wahrhafter Demut und zu aufrichtigem Gericht über uns selbst geleitet sein werden. Wenn wir berufen sind, Zeugnis für Christus abzulegen, so ist es nötig, dass wir uns in der Stellung Jesu befinden, um erfahren zu haben, was wir sind und wie viel uns noch mangelt. Niemand hat das Recht, auf den anderen den Stein zu werfen. Wir alle haben gesündigt; wir alle sind dem Zeugnis des Sohnes Gottes untreu gewesen; wir alle haben in irgendeiner Weise zu der demütigenden Lage beigetragen, die uns umgibt. Es handelt sich hier nicht nur um eine einfache Gemeindefrage, nicht nur um eine einfache Meinungsverschiedenheit über etliche Punkte der Wahrheit, so wichtig diese auch an und für sich sein mögen. 

Nein, meine Brüder; die Welt, das Fleisch und der Teufel  – das sind die wahren Gründe für unseren gegenwärtigen traurigen Zustandes; und alle Belege, die uns die Liebe Christi an die Hand gibt, vereinigen sich, um uns zu gründlichem Selbstgericht in der Gegenwart Gottes einzuladen. Nun aber bin ich überzeugt, dass, wenn dieses Gericht stattfindet und alles ins Licht setzt, sich herausstellen wird, wie eine der größten Ursachen von so vielem Bösen, von so vieler Schwachheit und von einem so großen Verfall in der Vernachlässigung dessen besteht, was der Ausdruck bezeichnet: „Du und dein Haus!“ Für Beobachter sind die Kinder der Prüfstein von dem, was die Eltern sind; und das Haus offenbart den moralischen Zustand des Familienhauptes.

Ich kann mir nie eine klare Vorstellung von einem Menschen nach dem machen, was ich von ihm in einer Gemeinde sehe oder höre. Dort kann er sehr geistlich erscheinen und sehr schöne und sehr wahre Dinge lehren; aber um über seine Person ein richtiges Urteil fällen zu können, lasst mich in sein Haus eintreten, und ich werde erkennen können, wie es mit ihm steht. Mag er auch reden können wie ein Engel Gottes, so ist er dennoch kein treuer Zeuge Christi, wenn sein Haus nicht Gott gemäß regiert wird.


Auszug aus dem Artikel „Du und dein Haus, oder: Der Christ in seinem Hause“
in Botschafter des Heils in Christo, 1958, S. 164–166


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