Schibboleth oder Sibboleth
Richter 12,5.6

Ger de Koning

© CLV, Online începând de la: 01.01.2001, Actualizat: 03.09.2018

Leitverse: Richter 12,5.6

Die Furten des Jordan

Ri 12,5: Und Gilead nahm Ephraim die Furten des Jordan. Und es geschah, wenn ein Flüchtling von Ephraim sprach: Lass mich hinübergehen!, so sprachen die Männer von Gilead zu ihm: Bist du ein Ephraimiter?

Die Stämme, die durch den Jordan voneinander getrennt waren, konnten sich über die Furten erreichen. Und gerade dort findet das Blutbad statt. Der Jordan spricht von Tod und Auferstehung Christi und davon, dass wir mit Christus gestorben und auferstanden sind. Der Jordan ist also eigentlich ein Ort, wo die Einheit des Volkes Gottes und seine Verbindung mit Ihm am sichtbarsten werden muss.

Wir können dies auf den Platz anwenden, an dem die Einheit der Gemeinde am sichtbarsten zutage tritt, nämlich am Tisch des Herrn. Dort wird sein Tod verkündigt: „Denn sooft ihr dies Brot esst und den Kelch trinkt, verkündigt ihr den Tod des Herrn, bis er kommt“ (1Kor 11,27). Der Kelch spricht vom Blut Christi und das Brot vom Leib Christi. Die Gemeinde hat diesem Werk all ihre Segnungen zu verdanken, auch den Segen ihrer Einheit. Bei der Feier des Abendmahls am Tisch des Herrn darf sie diese Einheit erkennen lassen. „Denn ein Brot, ein Leib sind wir, die vielen, denn wir alle nehmen teil an dem einen Brot“ (1Kor 10,17). Aber was ist in der Praxis daraus gemacht worden? Von dieser Einheit ist nicht mehr viel zu sehen, weil jede Gruppe so ihre eigenen Gedanken und Vorstellungen von diesem „Einssein“ hat. Das können zu weite Gedanken sein, wodurch jeder, der nur sagt, dass er ein Gläubiger sei, ohne jegliches Nachprüfen und allein aufgrund seines eigenen Bekenntnisses am Abendmahl teilnehmen kann. Diese unbiblische Einheit ist in der ökumenischen Bewegung zu finden, sowohl in etablierten Kirchen als auch im breiten Strom der evangelikalen Bewegung. Weil dieser Aspekt in der vorliegenden Geschichte nicht hervortritt, gehe ich nicht weiter darauf ein.

Bei der Haltung, die Jeftah hier annimmt, können wir an die andere Gefahr denken, das Gegenteil der zu großen Weite, nämlich die zu große Enge. Sie ist dann festzustellen, wenn Gläubigen das Abendmahl verweigert wird, die aufgrund der Schrift durchaus dazu eingeladen sind. Die Schrift lehrt, dass ein Gläubiger am Abendmahl teilnehmen kann, wenn er

  1. nicht in der Sünde lebt (1Kor 5);
  2. keine falsche Lehre über den Herrn Jesus und die Schrift vertritt (Gal 5,1-10);
  3. keine Gemeinschaft mit Gläubigen hat, die in der Sünde leben oder eine falsche Lehre haben (2Tim 2,16-21; 2Joh 9-11);
  4. keine Gemeinschaft mit Gläubigen hat, die zwar selbst nicht in Sünde leben und keine falsche Lehre vertreten, aber weiter einer Kirche oder Gruppe angehören, von der sie wissen, dass diese Dinge dort vorhanden sind, ohne verurteilt und abgeschafft zu werden (1Kor 10,18; Off 18,1-5; siehe auch 2Kor 6,14-17 u. Heb 13,9-13).

Aus all diesen Schriftstellen tritt deutlich zutage, dass Gott und die Sünde sich nicht verbinden können. Kurz gesagt läuft es darauf hinaus, dass jemand persönlich rein sein muss in Lehre und Leben und keine Gemeinschaft mit Gläubigen haben darf, auf die das nicht zutrifft. Andere Bedingungen für die Teilnahme am Abendmahl stellt die Schrift nicht und wir dürfen sie somit auch nicht stellen. Wenn wir zum Beispiel von jemandem fordern, exakt dasselbe über die Zukunft Israels zu denken wie wir, bevor er zum Abendmahl zugelassen wird, machen wir aus der „Zukunft Israels“ ein „Schibbolet“. Wir machen dann ein Verständnis der Prophetie zu einer Bedingung für die Zulassung. Es kann durchaus sein, dass jemand darin nicht die richtige Einsicht hat. Er kann darin unterwiesen werden. Aber so etwas als Bedingung zur Zulassung aufzustellen, ist eine unbiblische Einschränkung oder Verengung der Gemeinschaft.

Es ist wichtig, nach den Furten zu suchen, das heißt, danach zu schauen, was an gemeinsamem Glaubensgut vorhanden ist, um das miteinander zu teilen. Aus dieser Position heraus kann ein „Erbauen auf unserem allerheiligsten Glauben“ (Jud 20) stattfinden. Es geht also nicht um das, was Trennung verursacht, sondern um das, was vereinigt und verbindet.

Schibboleth oder Sibboleth

Ri 12,6: Und sagte er: Nein!, so sprachen sie zu ihm: Sage doch Schibboleth! Und sagte er: Sibboleth, und brache es nicht fertig, richtig zu sprechen, dann ergriffen sie ihn und schlachteten ihn an den Furten des Jordan.

Das Wort Schibboleth bedeutet „Kornähre“ oder „Flut“. Wer dieses Wort nicht so aussprach, wie die Gileaditer es für richtig hielten, wurde niedergemetzelt. Dieses Wort diente einer deutlichen Sortierung zwischen den Gileaditern und den Ephraimitern. Der Ausdruck erinnert also an den Vollzug einer Trennung. Es ist eine Gefahr, die wir auch heute erkennen können, vielleicht in unserem eigenen Herzen, vielleicht in unserer Umgebung. Wir denken oder hören, dass es doch wohl wichtig sei, zu wissen, was die eigene Glaubensgemeinschaft von anderen Glaubensgemeinschaften unterscheidet. Was bei anderen alles nichts taugt, wird ausführlich erörtert, während man die eigenen Erkenntnisse für richtig hält.

Ich will hiermit nicht sagen, dass wir nicht für uns selbst vom richtigen Platz überzeugt sein könnten, den wir inmitten einer verworrenen Christenheit einnehmen. Es ist eine gute Sache, wenn wir einer örtlichen Gemeinde angehören, die nach biblischen Prinzipien zusammenkommt, und dort Verantwortung tragen. Es kann sein, dass wir diesen Platz gefunden haben, nachdem wir zuvor verschiedene Kirchen bzw. Glaubensgemeinschaften kennengelernt haben. Dann können wir tatsächlich erklären, warum wir an einem bestimmten Platz nicht bleiben konnten. Aber der Grund, weshalb wir weggingen, hat dann mit einem der oben genannten Punkte (a) bis (d) zu tun. Wir können nicht aus einer Gemeinschaft weggehen, weil man dort einmal unfreundlich zu uns war. Unsere persönliche Erfahrung mag wichtig sein, aber ein Grund zum Weggehen kann nur dann bestehen, wenn es dort Dinge gibt oder geschehen, die nachweisbar im Widerspruch zur Bibel stehen und wenn man nicht beabsichtigt, dort anhand des Wortes Gottes etwas zu verändern. Jeder Test, der das Volk Gottes voneinander trennt – anstatt von ihren Feinden –, ist ein neues „Schibboleth“.


Aus dem Buch Das Buch der Richter, CLV, 1999, S. 211–213
www.clv.de

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