Joseph im Licht des Johannesevangeliums
1. Mose 37–45; Johannesevangelium

Velten Berger

© V. Berger, online seit: 07.02.2001, aktualisiert: 29.09.2018

Leitverse: Johannesevangelium; 1. Mose 37–45

Viele Schreiber zuvor haben schon darauf hingewiesen, dass Joseph aus dem ersten Buch Mose vielleicht das deutlichste und großartigste Vorbild aus dem Alten Testament auf Jesus Christus, unseren Herrn, ist. Und auch ich kann und will mich in dieses Urteil nur einreihen. 

Um nun die Geschichte von Joseph mit seinen Brüdern im Licht des Johannesevangelium zu betrachten, möchte ich vorher in kurzen Umrissen eine wichtige Botschaft eben des Evangeliums nach Johannes skizzieren. 

Der Evangeliumsbericht von Johannes zeigt uns Jesus Christus als den Sohn Gottes: Der Sohn Gottes ist Mensch geworden. Er kommt auf diese Erde und offenbart uns als Sohn den Vater. Kein anderes Evangelium geht bei diesem Gedanken so tief wie das Johannesevangelium. Der Vater hatte Gedanken des Friedens und der Liebe, und so sandte Er den Sohn der Liebe, den Geliebten, um diese Gedanken seines Herzens den Menschen kundzumachen. Durch den geliebten Sohn wollte der Vater von seiner Liebe erzählen lassen. Und weißt du, wie der Sohn es tat? Wie kann ein Sohn, der von einem Vater geliebt wird, am besten oder am tiefsten diese Liebe des Vaters spüren und genießen? – Wenn er in dem Schoß des Vaters sitzt. Und siehst du, so hat der Herr Jesus von dem Vater, von der Liebe des Vaters gesprochen: 

Joh 1,18: Niemand hat Gott jemals gesehen; der eingeborene Sohn, der in des Vaters Schoß ist, der hat ihn kundgemacht. 

Der Sohn, der in dem Schoß des Vaters ist, berichtet uns nun im Johannesevangelium von der Liebe des Vaters. Kennst du diese wichtigen sieben Stellen im Johannesevangelium, die davon sprechen? (Joh 3,35; 5,20; 10,17; 15,9; 17,23.24.26) Der Vater liebt den Sohn von Ewigkeit her. Der Vater liebt den Sohn als vollkommenen Menschen, als dieser hier auf der Erde war, und unterweist Ihn. Der Vater liebt den Sohn, der bereit ist, sein Leben zu lassen. Der Vater liebt den Sohn, der diese Liebe in gleicher Weise uns mitteilt. Der Vater liebt mit gleicher Liebe uns, die sein Sohn Ihm am Kreuz erworben hat. Der Vater setzt alles daran, dass diese Liebe zu seinem Sohn und zu den Erlösten von aller Welt gesehen werden wird, in Herrlichkeit ungestört betrachtet und bewundert werden wird, aber dass auch die Erlösten schon jetzt den Genuss daran und Kraft daraus schöpfen sollen.

Kannst du etwas davon empfinden, wie gewaltig diese Botschaft aus dem Johannesevangelium ist?

Wie viele Menschen hat es gegeben, die in der Zeit vor dem Kommen des Herrn Jesus Christus als Mensch vor 2000 Jahren Gott kannten. Ich denke da besonders an das Volk Israel und die Juden. Und unter ihnen gab es doch wirklich auch solche, die Gott liebten. Denke nur an David! Aber Gott als ihren Vater kannten sie nicht. Und dass dieser Gott sogar ein liebender Vater ist, das wagten diese Menschen nicht einmal zu hoffen. Aber dieser Gott, der „Ich bin, der ich bin“, dieser Gott ist der liebende Vater. Und in seinem göttlichen Herzen gibt es dieses sehnliche Verlangen, diese Vaterliebe an Kinder, ja an Söhne zu offenbaren. Deshalb sandte Er den Sohn, der diese Liebe kundmachte – und dieser wusste, wovon Er sprach.

Nun will ich zu Joseph kommen, der uns auch von diesem allen im Vorbild spricht:

1Mo 37,3.4.13.14.20.28: 3 Und Israel hatte Joseph lieber als alle seine Söhne, weil er der Sohn seines Alters war; und er machte ihm einen langen Leibrock {d.h. ein bis auf die Knöchel reichendes Unterkleid mit Ärmeln und farbigen Rändern, das nur Vornehme trugen}. 4 Und als seine Brüder sahen, dass ihr Vater ihn lieber hatte als alle seine Brüder, da hassten sie ihn und vermochten nicht, ihn zu grüßen. … 13 Und Israel sprach zu Joseph: Weiden nicht deine Brüder zu Sichem? Komm, dass ich dich zu ihnen sende! 14 Und er sprach zu ihm: Hier bin ich. Und er sprach zu ihm: Gehe doch hin, sieh nach dem Wohlergehen deiner Brüder und nach dem Wohlergehen der Herde und bringe mir Antwort. Und er sandte ihn aus dem Tale von Hebron, und er kam nach Sichem. … 20 So kommt nun und lasst uns ihn erschlagen und ihn in eine der Gruben {d.h. Zisternen, Regenbrunnen} werfen, und wir wollen sagen: Ein böses Tier hat ihn gefressen; und wir werden sehen, was aus seinen Träumen wird. … 28 Als nun die midianitischen Männer, die Kaufleute, vorüberkamen, da zogen und holten sie Joseph aus der Grube herauf und verkauften Joseph an die Ismaeliter um zwanzig Silbersekel; und sie brachten Joseph nach Ägypten. 

„Israel [oder Jakob] hatte Joseph lieber als alle seine Söhne.“ So beginnt die Geschichte. Ist dir auch schon einmal der Gedanke gekommen, dass das ja von Jakob nicht gerecht war? Wieso liebt er Joseph mehr als die anderen? Warum verteilt er seine Liebe so ungleich? Das ist doch unfair, oder? Ja, menschlich gesehen, hast du recht. (Und vielleicht ist das hier auch die Gelegenheit, Eltern davor zu warnen, ihre Liebe zu ihren Kindern ungerecht aufzuteilen.) Jedenfalls dachten so ähnlich auch die Brüder. Nein, sie dachten aber nicht nur, sie hassten. Sie hassten Joseph, weil er der Träger der Liebe des Vaters war. Aber Achtung! Merkst du, wie das Bild sich formt? Der Herr Jesus war der Träger der Liebe des Vaters; die Liebe des Vaters machte Er zu seiner eigenen, um sie so weiterzugeben – und: Die Menschen hassten ihn dafür. 

Joh 15,24: Jetzt aber haben sie gesehen und gehasst sowohl mich als auch meinen Vater.

Ps 109,4.5: Für meine Liebe feindeten sie mich an; ich aber bin stets im Gebet … Und sie haben mir Böses für Gutes erwiesen und Hass für meine Liebe.

Joseph bekam von Jakob den langen wunderbaren Leibrock. Dieser Rock war das Symbol des liebenden Vaterherzen. So sendete Jakob seinen Sohn zu den Brüdern von Joseph. Warum? Weil Jakob auch diese liebte. Die Liebe des Vaters fragte nach dem Wohlergehen der Brüder von Joseph. Aber er selbst konnte die Herzen der übrigen Söhne nicht erreichen, weil diese ihn nicht kannten, ihn nicht verstanden – diese Liebe nicht verstehen wollten und konnten. Sie hassten, sie wollten nur hassen, sie hassten den Vater. So sendet er Joseph, den Geliebten, auf dass er ihnen von der Liebe des Vaters berichten sollte – und Joseph würde wissen, wovon er sprechen würde.

So kommt Joseph zu seinen Brüdern nach Dothan. Er, der Geliebte des Vaters, kommt, um die Liebe des Vaters zu offenbaren und die Liebe des Vaters mitzuteilen. Erinnerst du dich an die sieben Stellen im Johannesevangelium? Was für eine Ähnlichkeit! Joseph kommt nach Dothan und findet seine Brüder mit ihren hassenden Herzen. Hass gegen ihn und den Vater. Hier wollte er, wenn ich so sagen darf, diese Botschaft der sieben Stellen aus dem Johannesevangelium zu seinen Brüdern reden. Aber nein, hier in Dothan kann er nicht zu den Herzen seiner Brüder über den Vater reden. Er bekommt keine Chance. Er bekommt für das Bemühen seiner Liebe, für das Suchen seines Herzens das Todesurteil von seinen Brüdern. Nein, er konnte ihre Herzen wirklich nicht erreichen, denn ihre Herzen waren unfähig zu lieben – sie waren aus Stein. Und der Herr Jesus? Weißt du noch, wie Er hier auf die Erde kam? Hörst du noch seine Worte in diesen sieben Stellen? Und das Ende? Das Kreuz! Der Geliebte Gottes musste durch den Hass des Menschen (seine Brüder aus dem Volk seiner Weide) beseitigt werden und seine Botschaft von der Liebe des Vaters erreichte ihre Herzen nicht.

Das ist das Ende. NEIN und nochmals nein. Die Liebe ist gewaltiger als der Tod. Göttliche Liebe kann nicht ausgelöscht werden, Gott sei Dank! Noch immer gibt es das Sehnen des Herzens Gottes nach Kindern, zu denen Er seine Liebe überfließen lassen möchte. Nein, die Geschichte ist nicht zu Ende. Gott schreibt sie weiter:

1Mo 42,5.8.21: 5 Und so kamen die Söhne Israels unter den Ankommenden, um Getreide zu kaufen; denn die Hungersnot war im Lande Kanaan. … 8 Und Joseph erkannte seine Brüder; sie aber erkannten ihn nicht. … 21 Da sprachen sie einer zum anderen: Fürwahr, wir sind schuldig {o. wir büßen} wegen unseres Bruders, dessen Seelenangst wir sahen, als er zu uns flehte, und wir hörten nicht; darum ist diese Drangsal über uns gekommen.

1Mo 43,1.7.27:
1 Und die Hungersnot war schwer im Lande. … 7 Und sie sprachen: Der Mann erkundigte sich genau nach uns und unserer Verwandtschaft und sprach: Lebt euer Vater noch? Habt ihr noch einen Bruder? und wir taten es ihm kund nach diesen Worten. Konnten wir denn wissen, dass er sagen würde: Bringet euren Bruder herab? … 27 Und er fragte nach ihrem Wohlergehen und sprach: Geht es eurem Vater wohl, dem Greise, von dem ihr sprachet? Lebt er noch?

1Mo 44,22.32-34:
22 Und wir sprachen zu meinem Herrn: Der Knabe kann seinen Vater nicht verlassen; verließe er seinen Vater, so stürbe er. … 32 Denn dein Knecht ist für den Knaben Bürge geworden bei meinem Vater, indem ich sprach: Wenn ich ihn nicht zu dir bringe, so will ich alle Tage gegen meinen Vater gesündigt haben. 33 Und nun, lass doch deinen Knecht anstatt des Knaben bleiben, als Knecht meines Herrn, und der Knabe ziehe hinauf mit seinen Brüdern; 34 denn wie sollte ich zu meinem Vater hinaufziehen, wenn der Knabe nicht bei mir wäre? – dass ich nicht das Unglück ansehen müsse, welches meinen Vater treffen würde!

1Mo 45,1-3:
1 Da konnte Joseph sich nicht mehr bezwingen vor allen, die um ihn standen, und er rief: Lasst jedermann von mir hinausgehen! Und es stand niemand bei ihm, als Joseph sich seinen Brüdern zu erkennen gab. 2 Und er erhob seine Stimme mit Weinen; und die Ägypter hörten es, und das Haus des Pharao hörte es. 3 Und Joseph sprach zu seinen Brüdern: Ich bin Joseph. Lebt mein Vater noch?  

Sicherlich kennst du den Fortgang der Geschichte mit Joseph. Gott sorgte dafür, dass Joseph nicht getötet wurde. Verkauft nach Ägypten, versklavt, ungerecht verurteilt, dann im Kerker, später als Vizekönig über das ganze Land Ägypten gestellt. Und dann erfüllen sich die Träume Josephs. Die Jahre des Überflusses werden abgelöst von den sieben Jahren der Hungersnot. Natürlich haben diese Stationen und Ereignisse lehrreiche und auch prophetische Bedeutungen. Aber darauf möchte ich hier nicht eingehen. Lass mich die Geschichte von oben weiterverfolgen:

Die Hungersnot ist überstark und zwingt die Brüder nach Ägypten, wo es durch das kluge Vorsorgen von Joseph Nahrungsmittel in Überfluss gibt. Die Brüder kommen zu Joseph. Und jetzt beginnt Joseph ein wunderbares Werk zu wirken. Vielleicht hast du gedacht, ob es nicht ungerecht ist von Joseph, so hart mit seinen Brüdern umzugehen? Aber sieh, es ist der Weg der Liebe! Die Brüder haben steinerne, zur Liebe unfähige Herzen. Joseph reißt ihnen diese falschen Herzen heraus und gibt ihnen fleischerne Herzen. Und das ist doch ein schmerzhafter Prozess. Kannst du das verstehen? Und mit diesen neuen, fleischernen Herzen kommen die Brüder zur Buße – zur Umkehr und zum Schuldbekenntnis. Meinst du, mit Herzen aus Stein ist das möglich? Aber noch immer wirkt Joseph weiter sein Werk an die Herzen der Brüder. Das Suchen der Liebe des Herzens wird nicht befriedigt durch das Schuldbekenntnis des Sünders. Es ist wie bei dem Gleichnis vom verlorenen Sohn. Dieser kam zum Eingestehen der Schuld in der Fremde, als er nichts mehr hatte; machte sich auf und wollte Tagelöhner bei seinem Vater sein. Kannst du verstehen, dass der Vater niemals glücklich gewesen wäre, seinen verlorenen Sohn als Tagelöhner bei sich zu haben. Nein, die Liebe des Vaters will Kinder an sein Herz drücken. Nein, Tagelöhner oder Sklaven drückt man nicht an das Herz. Und so wirkt Joseph weiter. Und so ist auch die Hungersnot immer noch nicht zu Ende.

Joseph weckt die Liebe in den Herzen seiner Brüder. Liebe zu ihrem eigenen Vater. Dazu musste dieses Handeln mit Benjamin dienen. Plötzlich fangen die Brüder an, sich für ihren Vater zu interessieren – sie fangen an, ihren Vater zu lieben. Noch nie zuvor hatten sie ihren Vater geliebt, noch nie zuvor interessierten sie sich für die Dinge des Herzens des Vaters. Jetzt aber. Immer wieder fragte sie Joseph nach ihrem Vater: Lebt euer Vater noch, geht es eurem Vater wohl? Was für ein Werk des Joseph! Die Herzen der Brüder fangen an, in Liebe heiß zu brennen. Jetzt sind sie bereit, sich selbst für den Vater zu opfern – sich selbst zu geben, um das Liebste des Vaters zu schonen. Und genau das ist der Moment, wo Joseph sich ihnen zu erkennen gibt: „Ich bin Joseph, lebt mein Vater noch?“ Die Brüder lieben den Vater, und natürlich liebt Joseph den Vater. Sie haben einen gemeinsamen Punkt ihrer Liebe, das vereint sie, und Joseph gibt sich ihnen zu erkennen. Jetzt erst ist das Wirken Josephs zu Ende.

Der Vater Jakob sandte den geliebten Sohn, Joseph, zu seinen Brüdern um ihre Herzen zur Liebe zu gewinnen. Das, was in Dothan nicht möglich war, vollbrachte Joseph hier in Ägypten. Er führt nun Söhne mit liebenden Herzen zum Vater! Die Lektion des Johannesevangeliums ist erfüllt.

Und wenn ich dir das nun alles vorstellen durfte – wie steht es nun um dein Herz? Ich möchte mich mit einschließen. Der Herr redet das auch alles zu unseren Herzen. Warum? Damit dein und mein Herz in Liebe zum Vater brennen, damit unsere Herzen mit dem Herzen des geliebten Sohnes einen gemeinsamen Punkt haben. Damit wir in dem Sohn und mit Ihm darin glücklich sind.


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