Ein „Lied der Freude“
Aus der Finsternis ins Licht

Walter Gschwind

© SoundWords, online seit: 05.10.2009, aktualisiert: 10.08.2016

Leitvers: Psalm 30,3

Ps 30,3: Am Abend kehrt Weinen ein und am Morgen ist Jubel da.

In seiner Weisheit hat der Schöpfer die Dinge so eingerichtet, dass nach jedem ermüdenden Arbeitstag eine Nacht folgt, damit der Mensch durch Ausruhen für den nächsten Tag neue Kräfte sammeln kann. Er gab die Sonne und den Mond in die Weite des Himmels, um der Erde Licht zu geben, damit sie den Tag und die Nacht bestimmen und um das Licht von der Finsternis zu trennen (1Mo 1,17.18). Das befand Er als „gut“, und es soll so bleiben, solange die Erde besteht: „Fortan, alle Tage der Erde, sollen nicht aufhören Saat und Ernte, Frost und Hitze, Sommer und Winter, Tag und Nacht“ (1Mo 8,22).

Jedoch haben seit dem Sündenfall die Worte „Tag“ und „Nacht“ einen symbolischen Sinn erhalten. So hat durch die Sünde die Nacht die Erde bedeckt: „Denn siehe, Finsternis bedeckt die Erde und Dunkel die Völkerschaften“ (Jes 60,2). Satan ist jetzt der Fürst dieser Welt und jeder nicht erkaufte (nicht wiedergeborene) Mensch befindet sich unter „der Gewalt der Finsternis“ (Kol 1,13): „Er ist in der Finsternis und wandelt in der Finsternis und weiß nicht, wohin er geht, weil die Finsternis seine Augen verblendet hat“ (1Joh 2,11). Die Konsequenz davon ist Tod und Leid, Trauer und Geschrei (Off 21,4) in einer Welt voll Gewalt.

Der Weg der durch Jesu Blut Erkauften, als „Kinder des Lichts“, führt durch die Finsternis; sie empfinden diese Finsternis sehr stark und leiden in dieser Umgebung. Sie haben Anteil an den Folgen der Sünde, die in die Welt gekommen ist. Sie können krank und invalide werden, sie altern und müssen durch den Tod, solange der Herr die Seinen in der Welt lässt. Weil sie im Licht wandeln, werden sie von der Welt verachtet und gehasst, ja sogar verfolgt. Sie sind in der Schule des Herrn. Asaph ist nicht der Einzige, der sagen konnte: „Ich wurde geplagt den ganzen Tag und jeden Morgen war meine Züchtigung da“ (Ps 73,14).

Doch der Gläubige kann immer wieder die Erfahrung machen, dass „am Abend das Weinen einkehrt“ – (der Abend wird so lange dauern, wie Gott es in seiner Weisheit und Liebe für gut befindet) – und „am Morgen Jubel da ist“ (Lied der Freude). Gott hört das Flehen und den Schrei seiner Kinder, und Er tröstet sie wunderbar, kann Er doch, mitten in der Nacht dieser Welt, in aller Anfechtung Erleichterung und Befreiung schenken. So können sie auch sagen: „Wir sind ins Feuer und ins Wasser gekommen, aber du hast uns hinausgeführt zu überströmender Erquickung“ (Ps 66,12). Anstatt Angst vor dem Morgen zu haben, erleben sie durch den Glauben, dass Gottes Erbarmen jeden Morgen neu ist und dass seine Treue groß ist (Klgl 3,23).

Was haben wir doch, liebe Christenfreunde, für eine immer sprudelnde Quelle der Ermutigung, in der wir in der „vor uns liegenden Hoffnung … einen sicheren und festen Anker der Seele haben“ (Heb 6,19)! Der Mensch ohne Gott, der sich lieber auf Menschen verlässt, ist unter dem Fluch, „er wird nicht sehen, dass Gutes kommt“ (Jer 17,5.6), weder jetzt noch nach dem Tod. Dagegen ist der Gläubige eingebunden in den herrlichen Heilsplan Gottes. Seine Erwartungen gründen sich auf den „Gott der Hoffnung“, den Allmächtigen, der alles nach seinem Rat und Willen durchführt (Eph 1,11). Deshalb kann der Erkaufte seinen Weg „überreich in der Hoffnung“ und Frieden (Röm 15,13) gehen, wissend dass er

  • eine „lebendige Hoffnung“ besitzt (1Pet 1,3), welche auf Jesus Christus gegründet ist (1Tim 1,1), der auferstanden ist von den Toten, durch welchen er seinen Rat ausführt
  • eine „gute Hoffnung“ besitzt (2Thes 2,16), die sich allein auf das Gute stützt, das der Gott der Hoffnung durch Jesus Christus bewirkt und nicht auf menschliche Art, die doch böse ist
  • eine „glückselige“ Hoffnung besitzt (Tit 2,13), denn diese Hoffnung lässt das Verlangen, für immer dort zu sein, wo unser Herr Jesus ist, im Haus des Vaters, keinesfalls unerfüllt. Bei Ihm, der uns geliebt und sich selbst für uns gegeben hat, ist das vollkommene und unveränderliche Glück
  • eine „bessere“ Hoffnung besitzt als die vom Gesetz für Israel (Heb 7,19), denn wir erwarten ein unverderbliches, unbeflecktes und unvergängliches Erbe, welches uns aufbewahrt ist in den Himmeln; unsere Hoffnung ist „die Herrlichkeit Gottes“ selbst (Röm 5,2).

Wir Gläubigen wissen, dass Gott für seine Gemeinde sowie für Israel und die Welt einen Plan hat, einen Plan, den Er vollenden wird, wann und wie Er es in seinem Ratschluss bestimmt hat. Niemand kann Ihn daran hindern oder etwas daran ändern. Diesen Plan hat Er uns in seinem Wort Punkt für Punkt mitgeteilt, denn Er möchte auch in diesem Punkt mit uns Gemeinschaft haben. Wir sollen uns jetzt schon auf unser herrliches Erbe freuen, aber auch beachten, dass diese Welt dem Gericht entgegengeht, und uns deshalb wie Er befleißigen, ihr zu dienen, indem wir das Evangelium verkündigen.

Bemühen wir uns also, diesen Plan im Detail kennenzulernen, besonders über die Ereignisse, welche zum Teil schon bald eintreten werden. Der Apostel Petrus sagt zum Thema der Prophetie: „Und so  besitzen wir das prophetische Wort umso fester, auf das zu achten ihr wohl tut, als auf eine Lampe, die an einem dunklen Ort leuchtet“ (2Pet 1,19).

Was würde passieren, wenn wir die Flamme dieser Lampe in unseren Herzen verringern, so dass der Docht nur noch ein schwaches Licht abgibt? Das würde für uns auch Dunkelheit in dieser Welt bedeuten! Wir würden uns um den starken Trost der Hoffnung bringen, die uns gegeben ist. Wir würden uns verhalten wie die Welt, die nur auf das Sichtbare, das Materielle und Irdische sieht, und wir würden uns ihretwegen fürchten. Wir würden vergessen, dass diese Welt und „die Erde und die Werke auf ihr verbrannt werden“ und dass alle diese Dinge aufgelöst werden. Wir würden sogar vernachlässigen, uns um einen heiligen Wandel in der Gottesfurcht zu bemühen (2Pet 3,10.11), und wir würden den Auftrag verfehlen, zu dem wir durch Jesus Christus in dieser Welt berufen sind: treue Zeugen zu sein.

Nicht wahr, das wollen wir doch nicht! Wir möchten es doch viel mehr dem Apostel Paulus nachtun, der versuchte, seine Lampe auf maximale Stärke zu stellen. „Christus gewinnen“ war seine Devise. Alles andere betrachtete er als Verlust oder sogar als Dreck (Phil 3,8). Seine Briefe offenbaren, wie er seine Augen auf Christus in der Herrlichkeit gerichtet hatte. Mit Christus auferstanden (wie auch wir es sind), suchte er, was droben ist, wo Christus zur Rechten Gottes sitzt (Kol 3,1). Sein Leben und Dienst war ganz Ihm geweiht, und er lebte ganz im Licht des kommenden Tages der Wiederkunft des Herrn, des Tages, wenn alles vor seinem Gericht erscheinen wird (2Kor 5,10).

Natürlich war auch er von der Finsternis dieser Welt umgeben. Er wurde gequält und von allen Seiten verfolgt wie niemand von uns. Er befand sich in unzählbaren Notlagen und Gefahren (2Kor 11,23-33). Und dennoch wohnte das Licht in seinem Herzen. Er war ein glücklicher Mann, denn für ihn war Christus „das Leben“ (Phil 1,21).

„Denn noch eine ganz kleine Zeit, und der Kommende wird kommen und nicht ausbleiben“ (Heb 10,37). Er wird die Seinen aus der Finsternis dieser Welt herausziehen und alle zusammen, in ihrem neuen Herrlichkeitsleib, in die Wohnungen im Haus des Vaters hineinführen, in das strahlende, himmlische Licht des Himmels, wo Jesus und unser Vater wohnt. Das wird dann der Morgen sein, wo unser Freudenlied ohne Ende erklingen wird; Seufzen, Kummer und Sorgen werden für immer entfliehen. Es wird keine Nacht mehr geben (Off 21,25; 22,5), denn das Lamm wird das Licht des neuen Jerusalems sein.


Originaltitel: „Un chant de joie le matin“
aus Conseil pour la vie nouvelle
Quelle: https://www.bible-notes.org

Übersetzung: Heidy Seitzinger


Hinweis der Redaktion:

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