Das Buch Nehemia (0)
Die Rückkehr zu Gottes Mittelpunkt

Edward Henry Chater

© SoundWords, online seit: 21.06.2007, aktualisiert: 14.10.2016

Einleitung

Der Herr hatte gesagt: „An jedem Ort, wo ich meines Namens werde gedenken lassen, werde ich zu dir kommen und dich segnen“ (2Mo 20,24). Er ließ seines Namens in Jerusalem gedenken. Dort hatte Salomo den Tempel des HERRN gebaut, dessen Baustoffe David, der Mann nach dem Herzen Gottes, mit all seiner Kraft zusammengebracht hatte (1Chr 29,2), und die Wolke der Herrlichkeit (die Schekinah), die sichtbare Gegenwart Gottes, wohnte darin. Das war der große Mittelpunkt der Wege Gottes mit seinem Volk Israel und der Welt im Allgemeinen. So wird es auch wiederum in der Zukunft sein (Hes 43).

Da nun Israel den HERRN, seinen Gott, nicht verherrlicht hatte, wurde das Reich nach dem Tod Salomos in zwei Teile zerrissen. Die zehn Stämme trennten sich von dem Haus Davids, und nur Juda mit dem kleinen Stamm Benjamin verblieb ihm. Die zehn Stämme, die in dem Propheten Ephraim genannt werden, wandten sich vom HERRN ab und wurden von den Assyrern gefangen hinweggeführt, da sie in ihrer Entfernung von Gott verharrten. Über ein Jahrhundert später gingen dann die zwei Stämme, wie es der Prophet Jeremia angekündigt hatte, in die Gefangenschaft Babylons; Jerusalem und der Tempel wurden zerstört und die Mauer von Nebukadnezar niedergerissen, denn die Herrlichkeit war von der Erde hinweggegangen. Zu jener Zeit nahm Gott das Königtum von den Juden und übertrug es den Nationen; und damit begannen die Zeiten der Nationen, die jetzt noch andauern. Die Juden saßen an den Flüssen Babels und weinten; sie hingen ihre Lauten an die Weiden, denn sie hatten keine Freude, die Gesänge Zions in einem fremden Land zu singen. Damals feierte das wüste Land Israel seinen Sabbat siebzig Jahre (2Chr 36,21).

Der Wiederaufbau des Altars und des Hauses Gottes

Inzwischen war das Persische Reich dem Chaldäischen gefolgt, „und im ersten Jahr Kores’, des Königs von Persien – damit das Wort des HERRN aus dem Mund Jeremias erfüllt würde – erweckte der HERR den Geist Kores’, des Königs von Persien; und er ließ einen Ruf ergehen durch sein ganzes Königreich, und zwar auch schriftlich, indem er sprach: So spricht Kores, der König von Persien: Alle Königreiche der Erde hat der HERR, der Gott des Himmels, mir gegeben; und er hat mich beauftragt, ihm ein Haus zu bauen in Jerusalem, das in Juda ist. Wer irgend unter euch aus seinem Volk ist, mit dem sei sein Gott, und er ziehe hinauf nach Jerusalem, das in Juda ist, und baue das Haus des HERRN, des Gottes Israels (er ist Gott), in Jerusalem“ (Esra 1,1-3). Kores war der Gesalbte des Herrn, und diese Tat wird von dem Propheten Jesaja in 44,28 und 45,1 angekündigt.

Gott erweckte den Geist vieler Häupter der Juden, der Aufforderung des Kores zu entsprechen; und geführt von Serubbabel, Jeschua, Nehemia und anderen, zogen 42.360, dazu deren Knechte, Mägde usw., aus der Gefangenschaft hinauf in die Städte Israels (Esra 2). Und als der siebente Monat herankam, versammelten sie sich wie ein Mann nach Jerusalem. Zuerst errichteten sie den Altar des Gottes Israels, um darauf nach dem Gesetz Moses, des Mannes Gottes, die Brandopfer darzubringen; in Esra 3,3 heißt es: „Und sie richteten den Altar auf an seiner Stätte, denn ein Schrecken war auf ihnen vor den Völkern der Länder, und sie opferten auf ihm Brandopfer usw.“ Dies war eine schöne Handlung des Glaubens; sie brachten darin zum Ausdruck, dass sie von Gott allein abhängig waren, und so waren sie ebenso sicher vor ihren Feinden wie später, als sie die Mauer der Stadt wiederaufgebaut und ihre Tore eingesetzt hatten. Der Glaube ist immer über die Umstände erhaben, denn er rechnet auf Gott. Nun, da sie zu seinem Mittelpunkt zurückgekehrt waren, standen sie in dem Wert der Brandopfer vor Ihm, die ein Bild des Opfers Christi sind, und so hatten sie die unfehlbare Unterstützung des allmächtigen Armes Gottes.

Alsdann legten sie den Grund des Tempels des HERRN und bestellten die Priester und Leviten nach der Anweisung Davids, des Königs von Israel (Esra 3,8-10). Es war der Anlass großer Freude und Jubelgeschreis unter dem Volk, aber viele der Alten weinten, weil sie die frühere Herrlichkeit des heiligen Tempels Gottes gesehen hatten, und das Volk konnte den Schall des freudigen Jauchzens nicht von der Stimme des Weinens unterscheiden. Welch ein Bild ist dies von dem Gegensatz zwischen der Kirche in ihrem heutigen Zustand, wo nur wenige im Licht der Wahrheit, dass sie der Tempel Gottes und seine Behausung im Geist ist, zu wandeln suchen, und der Herrlichkeit, in der sie durch das Herniederkommen des Heiligen Geistes gegründet wurde, ausgerüstet mit all den Gaben aus der Höhe, die Christus ihr gegeben hatte (Apg 2; Eph 4).

Doch gegen dieses gesegnete Werk Gottes erhob sich ein hartnäckiger Widerstand, die Feinde Judas und Benjamins suchten es zu hindern. Zuerst versuchten sie es dadurch, dass sie ihnen ihre Hilfe aufdrängten; zweitens dadurch, dass sie die Bauenden entmutigten und beunruhigten, und sodann vereitelten sie den Bau aufgrund falscher Anklagen all die Tage des Kores bis zur Regierung Darius’, des Königs von Persien (Esra 4,1-6). Nachdem sie zu Anfang der Regierung des Ahasveros eine Anklage gegen die Bewohner von Juda und Jerusalem geschrieben hatten, verfassten sie schließlich in den Tagen des Artasasta einen Brief, der die Juden des Wiederaufbaus einer aufrührerischen und bösen Stadt und der Vollendung ihrer Mauern beschuldigte (Esra 4,11-16). Die geschilderten Tatsachen zeigen, dass dies eine absichtliche Lüge war, sie erreichten aber dadurch vorläufig ihren Zweck (ihre Torheit wurde später offenbar), denn der König sandte einen Befehl, das Bauen einzustellen, und so hörte die Arbeit am Haus Gottes auf bis in das zweite Jahr des Darius, des Königs von Persien (Esra 4,17-24).

Dann weissagten die Propheten Haggai und Sacharja im Namen des Gottes Israels, und Serubbabel und andere begannen wieder, am Hause Gottes zu bauen. Daraufhin schrieb Tatnai, der Landpfleger, einen Brief an den König, der ihm darüber Bericht erstattete und dass die Juden sich auf den Befehl des Königs Kores stützten (Esra 5). Als sich dies bestätigte, befahl Darius, den Bau nicht nur nicht zu hindern, sondern ihnen sogar ihre Unkosten zu erstatten und für ihre täglichen Bedürfnisse Sorge zu tragen. Und so wurde das Haus im sechsten Jahr seiner Regierung vollendet; aber die Wolke der Herrlichkeit kehrte nicht zurück (Esra 6).

Nach diesen Begebenheiten nun zog Esra (dessen Name „Hilfe“ bedeutet) mit einer weiteren Schar Juden aus Babel nach Jerusalem hinauf. Er war ein kundiger Schriftgelehrter im Gesetz Moses und hatte sein Herz darauf gerichtet, das Gesetz des HERRN zu erforschen, zu tun und zu lehren (Esra 7,1-10). Artasasta, der König, sandte auch einen großen Geldbetrag mit ihm, um das Haus Gottes zu verherrlichen, was am Ende des Kapitels Esra zum Preise des HERRN, des Gottes des Himmels, veranlasst.

Diese Wege Gottes mit Israel sind ein Abbild seiner Wege mit seiner Kirche während der Zeit der Abwesenheit Christi, wo Er sich zur rechten Hand Gottes befindet. Schon bald nachdem die Kirche durch die Taufe des Heiligen Geistes am Pfingsttag gebildet und für ihren Weg ausgerüstet worden war, hatte sie ihre erste Liebe zu Christus verlassen, und die Macht Satans und der Wille des Menschen richteten nun in göttlichen Dingen allenthalben Verwirrung an. Doch nach einer langen Zeit des Fehlens und Abweichens trat ein Augenblick in ihre Geschichte ein, wo der Geist Gottes von neuem zu wirken begann, und wo die Herzen vieler zu Christus gezogen wurden und sich vom Bösen dieser Welt und der bekennenden Kirche absonderten.

Nun, da Jerusalem zerstört ist, ist Christus Gottes Mittelpunkt. Viele wachten auf und wurden sich dessen bewusst, was der Herrlichkeit seines Namens geziemte. Zu Ihm hingezogen, gingen sie hinaus, „außerhalb des Lagers, seine Schmach tragend“ (Heb 13,13). Als sie verstanden, dass Er der Mittelpunkt des göttlichen Kreises, d.h. seiner ganzen Kirche war, begannen sie, sich in schriftgemäßer Einfachheit zu seinem Namen hin zu versammeln, getrennt von mancherlei Schafställen der Christenheit (Joh 10,16). So lernten sie die wahren Grundsätze der Einheit kennen, die der Einheit des Geistes (Eph 4). Hier fanden sie sich, wie die Juden in Esras Tagen, wie ein Mann zusammen und standen vor Gott in dem Wert des Opfers Christi: Das wahre Brandopfer wurde auf dem wahren Altar dargebracht, und niemand setzte sie in Furcht. Ohne zu versuchen, die Kirche in ihrer einstigen Herrlichkeit wiederaufzubauen, handelten sie einfach nach Gottes Wort und suchten, die Herrlichkeit Christi zu wahren und in ihrem Verhalten die Einheit der Kirche Gottes anzuerkennen, die der Leib Christi und die Behausung Gottes im Geist ist. Das war eine Quelle der Freude für viele Herzen, während andere im Geiste weinten, wenn sie an die Herrlichkeit der Kirche am Anfang, also vor ihrem Fall, dachten. Alles in allem war es ein wirkliches Werk Gottes; der Glaube erkennt es an und wird alles anerkennen, was von Ihm ist. Wie groß auch die Macht und der Widerstand des Feindes sein mögen: Er weiß, dass er Christi Kirche nicht überwältigen kann (Mt 16,18) bis zu dem Augenblick, wo Er wiederkommt und die Hoffnung der Kirche in Erfüllung geht.

Wir lesen weiter in dem Buch Esra, dass die Obersten zu ihm kamen und bekannten, dass alle Stände des Volkes den Gräueln der kanaanitischen Völkern nachgegangen waren und sich mit diesen verschwägert hatten (Esra 9). Da wurde Esra sehr bestürzt und betete zum Herrn und bekannte weinend diese Sünde, indem er sich vor dem Haus Gottes niederwarf (Esra 9,5–10,1). Darauf wurde die ganze Versammlung nach Jerusalem befohlen (Esra 10,7.8) und Gott sandte einen großen Regen und das Volk zitterte aus diesem Grund vor Ihm und wollte, dass die Glut seines Zornes sich von ihnen abwende (Esra 10,9-14). Alles wurde genau untersucht, und die aus der Gefangenschaft Zurückgekehrten handelten nach dem Gesetz (Esra 10,16- 44).

In genau derselben Weise übt Gott nun unsere Herzen, nachdem uns seine Gnade zur Erkenntnis der Wahrheit zurückgebracht hat und wir uns als Wiederhergestellte der Wahrheit der Kirche und ihrer Vorrechte erfreuen: Wir sollten in Herz und Wandel von jedem ungleichen Joch mit der Welt um uns herum frei sein.

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