Das Buch Nehemia (4)
Der siebenfache Widerstand (1)

Edward Henry Chater

© SoundWords, online seit: 29.07.2007, aktualisiert: 25.01.2018

Leitverse: Nehemia 3,33–4,17

Gottes Werk ruft immer Widerstand hervor. Wenn irgendeine andere Mauer, nur nicht die Jerusalems, gebaut worden wäre, so hätte sich der Feind darum nicht gekümmert. Doch das natürliche Herz, was sein Glaubensbekenntnis auch immer sein mag, verabscheut das, was von Gott ist. Die Wiedererlangung und Aufrechterhaltung dessen, was in Gottes Augen recht ist, stellt das Verkehrte bloß. Das Licht macht alles offenbar (Eph 5,13), und die Menschen können es nicht ertragen, bloßgestellt und verurteilt zu werden. Die Gesinnung des Fleisches ist Feindschaft gegen Gott (Röm 8,7).

Es ist schon von anderen darauf hingewiesen worden, dass der Widerstand gegen den Wiederaufbau der Mauer Jerusalems siebenfacher Art war. Dies zu beachten, ist voll Belehrung für uns, denn es ist ein Bild von dem, was Christen zu erwarten haben, wenn sie, der Herrlichkeit Gottes getreu, in Absonderung wandeln wollen, und bewirkt, dass wir auf unserer Hut sind:

  1. Die erste Wirkung auf den Feind war Verdruss (Neh 2,10);
  2. die zweite war Hohngelächter und die falsche Anklage der Empörung wider den König (Neh 2,19);
  3. die dritte war Zorn, große Entrüstung und Spott (Neh 3,33);
  4. die vierte war Verschwörung und Kampf (Neh 4,2);
  5. die fünfte war der unheilvolle Plan, sich außerhalb der Mauer zu vereinigen (Neh 6,1-3);
  6. die sechste war ein offener unterschriftsloser Brief voll falscher Beschuldigungen (Neh 6,5-9); und
  7. die siebte war, durch Bestechung die Erbauer in Furcht zu setzen (Neh 6,10-14).

Das Heer Samarias befand sich in einem Lager außerhalb der Mauern Jerusalems (Neh 3,34), und in ihm waren Moabiter, Ammoniter, Asdoditer und andere (Neh 2,10; 3,34). Sie alle waren eines Sinnes: Gottes Werk Einhalt zu tun. In diesem Lager, außerhalb der Mauer, war nichts als Feindschaft gegen die Juden drinnen; aber durch die Treue Nehemias und anderer, die sich fortwährend im Gebet zu Gott wandten, wurde jede Anstrengung, das Werk zu hindern, vereitelt.

Der erste Widerstand – Nehemia 2,10

Das Erste, was der Feind tat, war, wie bereits bemerkt, dass es Sanballat und Tobija sehr verdross, dass ein Mensch gekommen war, das Wohl der Kinder Israel zu suchen (Neh 2,10). Obgleich ihnen Nehemias Vorhaben noch nicht bekannt war, so war den Nachkommen Lots doch das Wohl des Samens Abrahams eine Quelle außerordentlichen Verdrusses.

So ist es auch heute noch. Wenn ein wahrer und treuer Diener des Herrn an irgendeinem Ort versucht, das Banner der Wahrheit zu entfalten, so sind die religiösen Bekenner – obwohl sie das gesegnete Verlangen, das Gott in dessen Herz gegeben hat, nicht kennen– sofort auf der Hut, und es verdrießt sie gar sehr; sie scheinen das als einen Eingriff in ihre Vorrechte zu betrachten. Das Licht und die Wahrheit stellen sofort die herrschende Finsternis bloß, und alsbald beginnt sich die natürliche Feindschaft des Verstandes und Herzens zu zeigen. Das Lager der Christenheit liebt die ihm obwaltende Unordnung, und der Stolz und die amtliche Stellung seiner Führer werden dadurch angetastet. Sie sagen: Weshalb so viel Aufhebens machen um des Wohles so weniger willen? Sind wir denn nicht alle Christen? – Und so sind die lediglich getauften, äußeren Bekenner des Christentums (mit denen sich leider, ach so viele wahre Kinder Gottes eins machen) vom Ersten bis zum Letzten der wahren Kirche Gottes entgegen. Dieses Mischvolk, das dem Heer Samarias gleicht, hasst das wahre Zeugnis der Kinder Gottes, und ihr außerordentlicher Verdruss offenbart sich dann auf mannigfache Weise.

Der zweite Widerstand – Nehemia 2,19

Als nun Sanballat, Tobija und Geschem, der Araber, es hörten, dass Nehemia, trotz des großen Verdrusses, den er ihnen bereitete, die Juden ermutigt hatte, die Mauer zu bauen, spotteten sie über die Juden und verachteten sie und sprachen: „Was ist das für eine Sache, die ihr tun wollt? Wollt ihr euch gegen den König empören?“ (Neh 2,19).

Es ist nicht leicht, Spott und Hohngelächter zu ertragen und von den Gottlosen verachtet zu werden; doch Nehemia und seine Gefährten hatten die Kosten überschlagen, ihre sofortige Zuflucht war Gott. Größer als alle, die hätten gegen sie sein können, war der, der für sie war. Der Glaube blickt auf Gott und nicht auf den Feind. Dieser mag mächtig sein, aber Gott ist allmächtig. „Er ist weisen Herzens und stark an Kraft: Wer hat sich gegen ihn verhärtet und ist unversehrt geblieben?“ (Hiob 9,4).

Die Heilige Schrift warnt uns in 2. Petrus 3,3 vor den Spöttern der letzten Tage; es gibt heute viele solche. Stolze Führer verlachen und verachten oft das Werk wahrer Diener Gottes und betrachten sie als Empörer wider den König, den sie als das Haupt der Kirche sowohl als des Staates ansehen. – Das eine wahre Haupt ist Christus, und es ist keine Empörung, Ihm untertan zu sein; in der Heiligen Schrift wird kein anderes Haupt anerkannt. Ein Leib mit zwei Häuptern ist etwas Widernatürliches. Die wahren Empörer sind die, die sich dem Herrn nicht unterwerfen; der Tag der Zukunft wird es offenbar machen. Doch wenn Diener des Herrn mit Ihm wandeln und wirken, so wird Er sie unterstützen, und ihr Werk wird Fortschritte machen; sie werden dem Hohn und Spott in dem edlen und langmütigen Geist ihres Meisters entgegentreten und ruhig ihren Pfad gehen; sie werden mit dem Apostel sagen: „Ich nehme keine Rücksicht auf mein Leben“ (Apg 20,24.)

Die Verächter sagen: „Was ist das für eine Sache, die ihr tun wollt?“ – Wir tun Gottes Werk; wir suchen in Abhängigkeit von Ihm alles das aufrechtzuerhalten, was Er in den Seelen seines Volkes hat wiederaufleben lassen, auf dass solche da sind, die seine verheißene Wiederkehr erwarten und hierzu in sittlicher Hinsicht den Wünschen seines Herzens entsprechen und sich um der Herrlichkeit seines großen Namens willen von all dem Bösen der bekennenden Kirche wie auch der Welt abgesondert haben.

Der dritte Widerstand – Nehemia 3,33-35

Kapitel 3,33-35

Neh 3,33-35: Und es geschah, als Sanballat hörte, dass wir die Mauer bauten, da wurde er zornig und ärgerte sich sehr. Und er spottete über die Juden und sprach vor seinen Brüdern und dem Heer von Samaria und sagte: Was machen die ohnmächtigen Juden? Wird man es ihnen zulassen? Werden sie opfern? Werden sie es an diesem Tag vollenden? Werden sie die Steine aus den Schutthaufen wiederbeleben, da sie doch verbrannt sind? Und Tobija, der Ammomiter, stand neben ihm und sprach: Was sie auch bauen – wenn ein Fuchs hinaufsteige, so würde er ihre steinerne Mauer auseinanderreißen!

Als der Bau der Mauer fortschritt, wurden die Feinde mit Zorn und Entrüstung erfüllt, und sie fuhren fort zu spotten; und außerdem versuchten sie, ihre Brüder und das ganze Heer von Samaria wider die Erbauer aufzureizen. Zuerst riefen sie: „Was machen die ohnmächtigen Juden? Wird man es ihnen zulassen?“ – Wenn sie wirklich so ohnmächtig waren, wie sie sagten, weshalb dann solche Aufregung über ihr Tun? – Und dann stellen sie drei Fragen: „Werden sie opfern? Werden sie es an diesem Tag vollenden? Werden sie die Steine aus den Schutthaufen wiederbeleben?“ – Weshalb sollten sie nicht opfern? Taten das die Samariter nicht auch? Und opferten die Moabiter und Ammoniter nicht auch ihren Göttern? – Jawohl, aber die Opfer der Juden galten dem wahren Gott, dem HERRN, und ihre fleischlichen Herzen waren in Feindschaft gegen Ihn. – Warum sollten sie das Werk nicht vollenden und die Steine aus den Schutthaufen wieder hervorbringen? – Darauf konnten die Feinde, wenn man sie gefragt hätte, vielleicht selbst keine befriedigende Antwort geben; doch der wahre Grund war: Es war Gottes Mauer, es waren deren Steine! Das war gering, den Zorn derer im Lager von Samaria zu erregen. – Und weshalb war es weiter nötig, sich darüber zu beunruhigen, das Werk als ein so schweres Ärgernis hinzustellen und das ganze Heer wider die Bauenden aufzureizen, wenn es, wie Tobija in seiner Torheit sagte, sogar ein Fuchs, der hinaufstiege, niederreißen konnte? – Nein, nein, Tobija, weder alle Füchse von Samaria, noch alle die menschlichen Füchse des Heerlagers von Samaria konnten auch nur einen einzigen Stein der Mauer niederreißen.

Diese Geschichte wiederholt sich immer wieder. Inmitten vieler Schwierigkeiten fahren heutzutage Gottes Diener fort, die Mauer zu bauen; viele sind darüber ungehalten und entrüstet, und viele spotten mit der Zunge und der Feder; kurz, es werden viele Anstrengungen gemacht, diese schwachen Christen zu verachten. Dennoch macht das Werk Fortschritte und wird sie auch fernerhin machen, solange der Geist Gottes hier auf Erden wohnt. – Die Feinde sagen: Werden sie opfern? Sind nicht die Formen des Gottesdienstes in den Kirchen der Christenheit völlig genügend? Was wollen sie denn noch mehr? – Die Antwort ist: „Man muss Gott mehr gehorchen als Menschen“ (Apg 5,29). Es handelt sich um die Beantwortung der Frage: Soll Gott in Geist und Wahrheit angebetet werden (Joh 4,20)? Soll sein Volk geistliche Schlachtopfer darbringen, Gott wohlannehmlich durch Jesus Christus? (1Pet 2,5) oder soll die göttliche Ordnung außer Acht gelassen und sollen dafür die Vorschriften oder Satzungen eines Mischvolkes in einem religiösen Lager anerkannt oder befolgt werden? Auf solche Fragen kann das Herz eines aufrichtigen Christen sicherlich nicht mit der rechten Antwort zögern.

„Werden sie es an diesem Tag vollenden? Werden sie die Steine aus den Schutthaufen wiederbeleben, da sie doch verbrannt sind?“ – Der Schutt kommt für uns nicht in Betracht; solcher Schutthaufen gibt es unzählige, das ist jedem klar, der Augen hat zu sehen – wir können uns ruhig von ihnen wegwenden, es hat keinen Zweck, sich mit ihnen zu beschäftigen. Doch es ist von höchster Bedeutung, mit dem Bau der Mauer fortzufahren und die Steine wiederzuerlangen. Wie wir gesehen haben, ist die Mauer ein Bild, ein Bild von der Wahrheit, die auf dem Spiel steht. Es ist von ungemeiner Wichtigkeit, dass Seelen die Kraft der Wahrheit so an sich erfahren, dass ein für Christus von der Welt und ihren Befleckungen, ihrer Eitelkeit, Religion und ihren Lüsten abgesondertes Volk vorhanden ist; und das erweist sich mächtiger als alle menschliche Schlauheit: Kein Fuchs kann die ewige Wahrheit Gottes zu Fall bringen.

Kapitel 3,36-38

Neh 3,36-38: Höre, unser Gott, denn wir sind zu Verachtung geworden; und bring ihren Hohn auf ihren Kopf zurück und gib sie dem Raub hin in einem Land der Gefangenschaft! Und decke ihre Ungerechtigkeit nicht zu, und ihre Sünde werde nicht ausgelöscht vor deinem Angesicht! Denn sie haben dich gereizt angesichts der Bauenden. Aber wir bauten weiter an der Mauer; und die ganze Mauer wurde bis zur Hälfte geschlossen, und das Volk hatte Mut zur Arbeit.

„Höre, unser Gott“, sagte Nehemia, „denn wir sind zur Verachtung geworden; und bring ihren Hohn auf ihren Kopf zurück … Denn sie haben dich gereizt angesichts der Bauenden“ (Neh 3,36.37). Als Juden waren sie vollkommen berechtigt, das Gericht Gottes auf ihre Feinde herabzuflehen; doch Christen sollten sich, ihrem Meister gleich, zu Gott im Gebet wenden, dass Er ihnen vergebe, denn sie wissen sicher nicht, was sie tun.

„Aber wir bauten weiter an der Mauer; und die ganze Mauer wurde bis zur Hälfte geschlossen, und das Volk hatte Mut zur Arbeit“ (Neh 3,38). Ist das heute auch von uns wahr? Können wir sagen: „Aber wir bauten weiter an der Mauer“? Und kann von uns gesagt werden: „Das Volk hatte Mut zur Arbeit“? – Es ist keine Zeit zum Spielen; wir sind berufen zu arbeiten, wie auch zu opfern und Gott Frucht zu bringen. Wirke, solange es „Heute“ heißt! Wir sollten„allezeit überströmend in dem Werk des Herrn“ sein (1Kor 15,58). Das Werk eines jeden wird offenbar werden (1Kor 3,13), und jeder wird, seinem Werk gemäß, Lohn empfangen (Off 22,12).

Der vierte Widerstand – Nehemia 4,1-3

Kapitel 4,1-3

Neh 4,1-3: Und es geschah, als Sanballat und Tobija und die Araber und die Ammoniter und die Asdoditer hörten, dass die Ausbesserung der Mauern Jerusalems fortschritt, dass die Lücken sich zu schließen begannen, da wurden sie sehr zornig. Und sie verschworen sich alle miteinander zu kommen, um gegen Jerusalem zu kämpfen und Schaden darin anzurichten. Da beteten wir zu unserem Gott und stellten aus Furcht vor ihnen Tag und Nacht Wachen gegen sie auf.

Nun scheint der Feind dreister zu werden; die vierte Anstrengung, die er machte, das Werk zu hindern, bestand in einer allgemeinen Verschwörung, wider Jerusalem zu streiten. Ihr Zorn hatte seinen Höhepunkt erreicht, als sie hörten, dass die Herstellung der Mauern zunahm und die Risse sich zu schließen begannen (Neh 4,1.2). Doch die Juden wandten sich wiederum an ihren Gott und stellten Tag und Nacht Wachen gegen sie auf (Neh 4,3). Ihr Glaube war nicht vergeblich, der Anschlag der Feinde wurde zunichte; deren Gerede war laut, aber ihr Herz furchtsam und mutlos.

Doch nun erhebt sich eine neue Schwierigkeit, einige der Mitarbeiter verloren den Mut; Juda sprach:

Kapitel 4,4-6

Neh 4,4-6: Und Juda sprach: Die Kraft der Lastträger sinkt, und es ist viel Schutt da, und so vermögen wir nicht mehr, an der Mauer zu bauen. Unsere Widersacher aber sprachen: Sie sollen es nicht wissen und es nicht sehen, bis wir mitten unter sie kommen und sie erschlagen und dem Werk ein Ende machen. Und es geschah, als die Juden, die neben ihnen wohnten, kamen und uns wohl zehnmal sagten, aus allen Orten her: Kehrt zu uns zurück!, …

Das erinnert uns lebhaft an das Verhalten der Kundschafter nach ihrer Rückkehr von der Erkundung des Landes in den Tagen Moses (4Mo 13). Der Unglaube ist immer derselbe, er lässt Gott aus und sieht lauter Schwierigkeiten und Gefahren. – Sie waren so schwach; die Lasten waren zu schwer; es waren zu große Mengen Schutt vorhanden; sie vermochten es nicht. Der Feind sagte, er wolle unter sie kommen und sie erschlagen – woher wussten sie das? – Die Juden, die bei ihnen wohnten, wiederholten es ihnen beständig, wohl gegen zehnmal; und doch war die zehnte Behauptung ebenso unwahr wie die übrigen neun.

Wie viele gleichen darin heutzutage Juda! Wie viele finden wir bei den Murrenden Judas, anstatt bei den Betern Nehemias! Wie viele Christen klagen über ihre eigene Schwachheit, anstatt ihre Lasten freudig zu tragen, indem sie sie im Glauben auf den Herrn werfen und so von Ihm aufrechterhalten werden (Ps 55,22)! Wie viele sind mit dem vielen Schutt beschäftigt, der sich in den Bräuchen und dem Formenwesen der sektiererischen Christenheit vorfindet, und sind so daran gewöhnt, dass die Grenzlinie zwischen der Kirche und der Welt im Verschwinden begriffen ist, dass sie die Aufrechterhaltung der Wahrheit als hoffnungslos aufgegeben haben. Mit dem beschäftigt, was ihre Widersacher sagen und schreiben und voll Furcht vor der Macht des Feindes, lassen sie Gott aus; und werden sie dennoch bewahrt, so ist es, weil sie durch den Glauben anderer getragen werden.

Wie ganz anders war es bei Nehemia und den betenden Juden; und wie ganz anders ist es, Gott sei Dank, noch heute mit vielen Kindern Gottes. Es gibt viele, die, wiewohl sie über das allenthalben zutage tretende Fehlen trauern, doch trotz aller Hindernisse und Schwierigkeiten nicht den Mut verloren haben, weil sie Gott und seine Treue kennen: Er ist treu, der uns in die Gemeinschaft seines Sohnes Jesu Christi, unseres Herrn, berufen hat (1Kor 1,9). Sie wissen, dass Er keinen Fehler macht, wenn auch sein Volk fehlt. Sein Wort ist die Wahrheit und wird immer bestehen. Am dunkelsten Tag, in der schwersten Stunde stützt sich der Glaube auf Gott und erhebt sich über alles: Er überwindet und geht in Frieden seinen Pfad. Weder Widerstand von außen noch Fehlen innerhalb entmutigt den wahren Überwinder; er findet seine Zuflucht in „Gott und in dem Wort seiner Gnade“ (Apg 20,32).

Kapitel 4,7-12

Neh 4,7-12: … da stellte ich an niedrigen Stellen des Raumes hinter der Mauer, an nackten Plätzen – da stellte ich das Volk auf nach den Familien, mit ihren Schwertern, ihren Lanzen und ihren Bogen. Und ich sah zu und machte mich auf und sprach zu den Edlen und zu den Vorstehern und zu dem übrigen Volk: Fürchtet euch nicht vor ihnen! Gedenkt des Herrn, des großen und furchtbaren, und kämpft für eure Brüder, eure Söhne und eure Töchter, eure Frauen und eure Häuser! Und es geschah, als unsere Feinde hörten, dass es uns bekannt geworden war und dass Gott ihren Rat vereitelt hatte, da kehrten wir alle zur Mauer zurück, jeder an sein Werk. Und es geschah von diesem Tag an, dass die Hälfte meiner Diener an dem Werk arbeitete, während die andere Hälfte die Lanzen und die Schilde und die Bogen und die Panzer hielt; und die Obersten waren hinter dem ganzen Haus Juda, das an der Mauer baute. Und die Lastträger luden auf, mit der einen Hand am Werk arbeitend, während die andere die Waffe hielt. Und die Bauenden hatten jeder sein Schwert um seine Hüften gegürtet und bauten. Und der, der in die Posaune stieß, war neben mir.

Doch die Beter, von Gott gestärkt, ermahnen ihre Brüder; und zum Kampf bereit, setzen sie den Bau der Mauer fort (Neh 4,7-12). Alle fassten frischen Mut, und dem Feind wurde kund, dass sein Plan den Juden verraten worden war: Gott hatte ihren Anschlag zunichtegemacht. Von der Zeit an trug die eine Hälfte die Waffen und die andere arbeitete, und die Obersten waren hinter dem ganzen Haus Juda, und die Bauenden hatten ein jeder sein Schwert an seiner Seite (Neh 4,10-12).

Die Christen, die Glaube und Gebet kennzeichnet, werden die Geeignetsten sein, ihre Brüder zu ermahnen und zu ermutigen. Jeder sollte wachen und beten und kämpfen und bauen. Die Abhängigsten Gott gegenüber werden die Erfolgreichsten im Kampf und in der Arbeit sein. Doch wir müssen uns daran erinnern, dass unser Kampf und unsere Waffen nicht fleischlich, sondern geistlich sind (2Kor 10,4); unser Kampf ist nicht gegen Fleisch und Blut, sondern gegen die geistlichen Mächte der Bosheit in den himmlischen Örtern (Eph 6,12).

Nehemia zur Seite stand der Posaunenbläser; und Nehemia sprach zu den Edlen usw.

Kapitel 4,13.14

Neh 4,13.14: Und ich sprach zu den Edlen und zu den Vorstehern und zu dem übrigen Volk: Das Werk ist groß und weitläufig, und wir sind auf der Mauer zerstreut, einer von dem anderen entfernt. An den Ort, woher ihr den Schall der Posaune hören werdet, dahin versammelt euch zu uns. Unser Gott wird für uns kämpfen!

Wie voll von Grundsätzen für unsern Weg ist doch dieses Buch! Christus in der Herrlichkeit ist das Haupt des Leibes der Versammlung, und der Leib ist einer und hat viele Glieder (Eph 1,22.23; Kol 1,18; 1Kor 12). Durch seine Gnade sind sie, obschon weit voneinander entfernt, in vielen Ländern zu finden; doch sie alle sind in Gottes Augen und durch seinen Geist eins und verfolgen die gleichen Bestrebungen und Ziele. Sie alle sind verantwortlich, die Einheit des Geistes in dem Band des Friedens zu bewahren (Eph 4,1-5), und wo immer Satan einen Durchbruch versucht und die Posaune erschallt, da sollten sich alle sofort zum Herrn wenden (4Mo 10,2.3). Obgleich das Werk groß und weitläufig ist und die Heiligen weit voneinander getrennt stehen, so ist es doch des Herrn Wunsch, dass wir eines Sinnes und eines Geistes sein sollten und gemeinsam für den Glauben des Evangeliums kämpfen. Entfernung ist für den Geist Gottes nichts; ihrer ungeachtet müssen wir die Grundsätze der örtlichen Verantwortlichkeit festhalten und uns, im Geiste geübt, zu Christus hin versammeln, wenn die Wahrheit irgendwo auf dem Spiel steht, dabei aber wohl im Auge behaltend, dass Gott allein es ist, der den Sieg verleiht: „Unser Gott wird für uns kämpfen.“

Kapitel 4,15

Neh 4,15: So arbeiteten wir an dem Werk, und die Hälfte von ihnen hielt die Lanzen vom Aufgang der Morgenröte an, bis die Sterne hervortraten.

Nehemias Leute kauften die Zeit aus, sie arbeiteten und wachten vom frühen Morgen bis zum späten Abend; und auch wir müssen die Zeit auskaufen, denn die Tage sind böse (Eph 5,16), und im Werk des Herrn tätig sein und wachen. Der Herr braucht Arbeiter und keine Müßiggänger. Es gibt für alle etwas zu tun, und Er möchte, dass darauf unser Herz gerichtet sei.

Kapitel 4,16.17

Neh 4,16.17: Auch sprach ich in jener Zeit zum Volk: Jeder übernachte mit seinem Diener innerhalb Jerusalems, so dass sie uns nachts zur Wache und tagsüber zum Werk dienen. Und weder ich noch meine Brüder, noch meine Diener, noch die Männer der Wache, die in meinem Gefolge waren – wir zogen unsere Kleider nicht aus. Jeder ging mit seinen Waffen zum Wasser.

David redete von dem Tag, wo die Füße Israels in deinen Toren, Jerusalem, stehen werden, wo Jerusalem aufgebaut sein wird „als eine fest in sich geschlossene Stadt“ (Ps 122,2.3). Das ist ein Punkt von hoher Bedeutung. Jerusalem war Gottes Mittelpunkt und Gottes Grund, und so sollte jeder Jude mit seinem Diener innerhalb Jerusalems wohnen: Alles in Verbindung mit dem Juden und seinem Haushalt sollte in Beziehung zu der bevorrechtigten Stadt geordnet werden. Wenn seine Vorrechte mit dem Mittelpunkt verbunden waren, wo der Herr seines Namens hatte gedenken lassen und den Segen verheißen hatte, so auch seine Verantwortlichkeiten; und so hatten sie immer bereit und willig zu sein, sei es zur Arbeit oder zum Wachen, und durften sich ihrer Kleider nur der notwendigen Reinlichkeit halber entledigen.

Im Christentum ist die Segnung Gottes für das ganze Haus; „du und dein Haus“ (Apg 16,31) ist ein sehr schätzenswerter Grundsatz – lasst uns ihn festhalten! Die Christen haben das Vorrecht, immer fest auf göttlichem Boden zu stehen; vom Bösen abgesondert, dem Werk des Herrn und der Wahrnehmung seiner Rechte ergeben, haben sie geschlossen für seine Herrlichkeit einzutreten. Die Kirche sollte, wie Jerusalem, fest in sich geschlossen dastehen. Die ganze Regelung christlicher Haushalte, sowohl was deren Häupter anlangt als auch der mit diesen Häuptern Verbundenen, sollte unter der Anerkennung göttlicher Grundsätze erfolgen. Wenn wir zu Gottes Mittelpunkt hin versammelt sind und uns auf göttlichem Boden befinden, so sollten alle unsere Angelegenheiten, der Herrlichkeit seines Namens entsprechend, geregelt werden. Gott verpflichtet uns zur vollständigen Absonderung vom Lager rings um uns her und von allen seinen falschen und unreinen Grundsätzen und Bräuchen: Er hasst jeden Lügenpfad (Ps 119,104.128). – Und weiter ist jeder Gläubige nach Vers 23 einer der Brüder Christi, einer seiner Diener und einer, der wacht und Ihm nachfolgt. Wir sollten uns nie zurückziehen, außer zur notwendigen Reinigung auf diesem Pfad.

Wir wollen einstweilen das Kapitel 5 und seinen Inhalt übergehen und die noch übrigen Arten des Widerstandes betrachten, die wir eingangs erwähnten.

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