Was ist die Taufe und wer soll getauft werden?
Das Haus des Christen

Sydney M. Anglin

© SoundWords, online seit: 13.06.2015, aktualisiert: 12.01.2018

Woher kommen die Schwierigkeiten in der Tauffrage?

Wir tun gut daran, zu bedenken, dass wir in den „schweren Zeiten“ der Verwirrung leben, wo vieles, was im Anfang klar verstanden wurde, nicht mehr so leicht erfasst wird, weil es eben oft das Aufgeben gewisser Lieblingsideen und Meinungen erfordert, die wir vielleicht von Kind auf gepflegt haben. Dann auch sind wir stets geneigt, in Extreme zu verfallen. In der Tat, viele sind auch in das andere Extrem verfallen bei der Entdeckung, dass das, was sie bis dahin angenommen und festgehalten hatten, schriftwidrig war und dass der Mensch das ihm von Gott Anvertraute stets verdreht und damit Missbrauch getrieben hat. Im Übereifer haben sie das aufgegeben, was an und für sich richtig ist, weil es in den menschlichen, religiösen Systemen in Verbindung mit verkehrten Dingen steht. Dies erklärt wohl nicht wenige der Schwierigkeiten, auf die manche in der Tauffrage stoßen.

Der einzig sichere Weg, um Klarheit zu erlangen, ist der, die Heilige Schrift zur Hand zu nehmen und ohne dass man das aufrechtzuerhalten sucht, was man bisher bevorzugt und vielleicht auch hartnäckig festgehalten hat. Dann wird man ihre Aussagen über die Taufe unter Gebet untersuchen. Anhand der Heiligen Schrift wollen wir uns daher nun zunächst anschauen, was die Taufe ist.

Was die Taufe nicht ist

Im Verlauf unserer Betrachtung der Taufe werden wir finden, dass sie nicht der Gehorsam des Gläubigen gegen einen Befehl ist. Wie oft hört man: Wir haben doch den klaren Befehl der Schrift: „Glaube und lass dich taufen!“ Viele berufen sich hierauf und doch ist dies durchaus nicht die Sprache der Schrift. Wir finden dort keinen Befehl, sich taufen zu lassen. Der Befehl in Matthäus 28 ist an die Apostel gerichtet und lautet: „Geht nun hin und macht zu Jüngern alle Nationen, sie taufend …“; in Markus: „Predigt das Evangelium der ganzen Schöpfung“ – und darauf folgt eine Aussage des Herrn über die Folgen für alle, die die Botschaft hörten. Es ist durchaus nicht ein Befehl, sich taufen zu lassen, sondern eine Unterweisung des Herrn an seine Apostel, die zu gleicher Zeit die christliche Taufe durch seine Autorität einführt und aufrichtet. Es ist daher schriftwidrig, die Taufe in der soeben erwähnten Weise als den Gehorsam gegen einen Befehl an jemand hinzustellen, der bereits ein Christ ist, denn dadurch wird die wahre Bedeutung der Taufe verdunkelt. Aber nicht nur das, es wird auch der gesetzliche Grundsatz der Unterwürfigkeit unter Satzungen in das Christentum eingeführt, was nur zur Knechtschaft führt und dem Geist des Christentums ganz entgegengesetzt ist. Ebenso wenig ist die Taufe ein Zeichen oder ein öffentliches Zeugnis davon, dass wir bereits mit Christus gestorben und auferstanden sind. Die Schrift sagt nirgends, dass die Taufe ein Zeichen oder Symbol von etwas ist, was von der getauften Person schon vorher gilt.

Was die Taufe ist

Wenn wir uns nun zu dem wenden, was die Taufe ist, so finden wir, dass die Schrift sie als das Verlassen des einen Bodens im Blick auf das Betreten des anderen bezeichnet (Apg 2,37.38).
[Anm. der Red.: Es ist angemerkt worden, dass es so etwas wie „Boden des Judentums“, „Boden des Heidentums“ und „Boden des Christentums“ nicht gäbe. Doch ist es sogar Ziel des Hebräerbriefs, den Christen aus den Juden zu zeigen, dass sie „das Lager“ (das ist der Boden des Judentums) verlassen müssen und außerhalb des Lagers die Schmach Christi tragen müssen (das ist der Boden des Christentums). Auch 1. Korinther 10,32 zeigt uns, dass es diese drei Gruppen gibt: Juden, Griechen (stellvertretend für die Heiden) und die Versammlung Gottes, die Christen. Wenn in der Apostelgeschichte vom Christentum gesprochen wird, dann sind es solche, die „auf dem Weg“ waren. Diese wurden später in Antiochien Christen genannt. Dieser Weg ist ein getrennter Boden vom Juden- und Heidentum, und diejenigen, die hierzu gehörten, waren eben nicht „auf dem Weg“.]
Der Getaufte verließ das Judentum oder Heidentum und betrat den Boden des Christentums.
(Es ist hier selbstverständlich nicht von der Taufe des Johannes die Rede, die einen ganz anderen Zweck hatte als die christliche Taufe, obwohl die beiden Taufen der Bedeutung nach auch manches miteinander gemein haben. Die Taufe des Johannes sonderte einen dem Bekenntnis nach bußfertigen Überrest innerhalb des Judentums ab; die christliche Taufe trennte einen Überrest von dem Judentum vollständig, zu dem andere wieder später aus den Nationen hinzugetan und durch ihre Taufe als Christen bezeichnet wurden.)
Die Taufe machte den Täufling hinsichtlich seiner Stellung hier auf der Erde zu einem Christen und führte ihn in die äußeren Vorrechte des Christentums ein. Apostelgeschichte 2 beweist dies klar.

Das Verlassen einer dem Gericht Gottes verfallenen Nation (Apg 2)

Apg 2,37-40: 37 Als sie aber das hörten, drang es ihnen durchs Herz, und sie sprachen zu Petrus und den übrigen Aposteln: Was sollen wir tun, Brüder? 38 Petrus aber spricht zu ihnen: Tut Buße, und jeder von euch werde getauft auf den Namen Jesu Christi zur Vergebung eurer Sünden, und ihr werdet die Gabe des Heiligen Geistes empfangen. 39 Denn euch gilt die Verheißung und euren Kindern und allen, die in der Ferne sind, so viele irgend der Herr, unser Gott, herzurufen wird. 40 Und mit vielen anderen Worten beschwor und ermahnte er sie, indem er sagte: Lasst euch retten von diesem verkehrten Geschlecht!

Der Apostel überführte hier die Juden ihrer Schuld als Mörder ihres Messias. Sie hatten ja den verworfen, in dem alle ihre Verheißungen und Segnungen verkörpert waren. Das hatte dazu geführt, dass, sie schon dem Gericht verfallen waren, anstatt sich in einer bevorzugten Stellung zu befinden. Alles dies wurde ihnen zum Bewusstsein gebracht, und viele wurden überführt und riefen: „Was sollen wir tun, Brüder?“ Aus der Antwort des Petrus können wir die Bedeutung und den Zweck der Taufe klar erkennen. Zunächst sollten sie Buße tun, das heißt sich selbst und ihre ganze Stellung als in den Augen Gottes mit der abtrünnigen und dem Gericht verfallenen Nation verbunden verurteilen, um sich dann in eine ganz neue Stellung aufnehmen zu lassen, und zwar offenbar durch die Taufe, denn er fügt hinzu: „Und ein jeder von euch werde getauft auf den Namen Jesu Christi zur Vergebung der Sünden, und ihr werdet die Gabe des Heiligen Geistes empfangen.“ Diese Stelle als einen Beweis dafür anzuführen, dass die Taufe ein Gehorsam ist, heißt, den verhängnisvollen Irrtum zu verbreiten, dass ein Sünder dadurch Vergebung empfangen kann, dass er sich einer Satzung unterwirft, denn es ist doch klar, dass es überführte Sünder und nicht Sünder an sich sind, an die sich der Apostel wendet.

Wir müssen bedenken, dass Gericht und Segnung in den Gedanken der Juden mit der Regierung Gottes auf Erden verbunden waren. Als ihnen nun zum Bewusstsein gebracht wurde, dass ihre Stellung nicht länger eine Stellung der Gunst und Segnung, sondern vielmehr eine dem Gericht und Zorn verfallene Stellung war, wünschten sie, von dort zu entfliehen. Aber auf welche Weise konnten sie dies tun und in welche neue Stellung konnten sie gebracht werden?

Die zwei Hauptgedanken der Rede des Petrus machen dies klar; nämlich die Erhöhung Christi und das Herniederkommen des Heiligen Geistes. Im 36. Vers sagt er: „Gott hat ihn sowohl zum Herrn als auch zum Christus gemacht.“ Da war nicht länger Sündenvergebung innerhalb des Judentums noch in Verbindung mit dessen Opfern noch war der Heilige Geist den Juden als solchen gegeben worden. Dies alles hatte sich außerhalb des Judentums zugetragen, denn ihr Messias war von ihnen verworfen und gekreuzigt, jetzt aber von Gott auferweckt, erhöht und zum Herrn über alles gemacht worden. Der einzige Weg für einen Juden, um der Verbindung mit der dem Gericht verfallenen Nation zu entgehen, war, in das Christentum aufgenommen zu werden. Darum ermahnt sie Petrus dringend im 40. Vers: „Lasst euch retten von diesem verkehrten Geschlecht!“ Beachten wir, wovon sie sich retten lassen sollten, sowie auch den 39. Vers („Denn euch ist die Verheißung und euren Kindern und allen, die in der Ferne sind, so viele irgend der Herr, unser Gott, herzurufen wird“), der eng mit dem 38. Vers („Petrus aber spricht zu ihnen: Tut Buße, und jeder von euch werde getauft auf den Namen Jesu Christi zur Vergebung eurer Sünden, und ihr werdet die Gabe des Heiligen Geistes empfangen“) zusammenhängt und einen Teil der Antwort des Petrus auf ihre Frage „Was sollen wir tun?“ bildet.

Das 3. Kapitel der Apostelgeschichte redet von einem anderen Charakter der Segnung als das 2. Kapitel, und da es zum besseren Verständnis der beiden Kapitel behilflich sein dürfte, wollen wir hier kurz auf den Unterschied eingehen.

Im 3. Kapitel wird den Juden ebenfalls die Schuld der jüdischen Nation vorgehalten, doch werden sie eben als Nation angeredet und als solche zur Buße gerufen, und es wird ihnen gesagt, dass Gott Jesus senden wolle usw.; wogegen es sich im 2. Kapitel darum handelt, dass der Heilige Geist gegeben und dass Jesus erhöht und zum Herrn und Christus gemacht worden ist, was, wie bereits gesagt, eine neue, außerhalb der jüdischen Nation stehenden Ordnung der Dinge in sich schließt, mit der wir Buße und Taufe zur Vergebung der Sünden und die Ermahnung verbunden finden: „Lasst euch retten von diesem verkehrten Geschlecht!“
[Anm. der Red.: Es ist versucht worden, hier den Begriff „zur Vergebung der Sünden“ auf die Buße zu beziehen. Unabhängig davon, dass das sprachlich nicht möglich ist, denn es bezieht sich eindeutig auf die Taufe, zeigt der Wunsch, die Vergebung von der Taufe zu entkoppeln, dass man nicht verstanden hat, dass „Vergebung“ nicht immer „Vergebung aller Sünden für den Himmel“ bedeutet. Die Vergebung der Versammlung in 2. Korinther 2 ist, genauso wie die Vergebung in 1. Johannes 1 oder auch die Vergebung in Markus 2, keine Vergebung für den Himmel, sondern hat eine – wenn auch in jedem der genannten Fälle unterschiedliche – Bedeutung für die Erde.]

Aufnahme in den Kreis christlicher Vorrechte (Apg 10)

Apg 10,44-48: 44 Während Petrus noch diese Worte redete, fiel der Heilige Geist auf alle, die das Wort hörten. 45 Und die Gläubigen aus der Beschneidung, so viele mit Petrus gekommen waren, gerieten außer sich, dass auch auf die Nationen die Gabe des Heiligen Geistes ausgegossen worden war; 46 denn sie hörten sie in Sprachen reden und Gott erheben. Dann antwortete Petrus: 47 Könnte wohl jemand das Wasser verwehren, dass diese nicht getauft würden, die den Heiligen Geist empfangen haben wie auch wir? 48 Er befahl aber, dass sie getauft würden in dem Namen des Herrn. Dann baten sie ihn, einige Tage zu bleiben.

Es könnte indes gesagt werden, dass die Taufe in dieser Weise also nur in Verbindung mit den Juden und deren besonderer Schuld Anwendung findet. Wir wollen deshalb die Geschichte des Kornelius und der mit ihm Versammelten betrachten (Apg 10). Diese waren alle Heiden, und wir werden finden, dass auch hier wieder die Taufe in demselben Sinn und zu demselben Zweck angewandt wird, nämlich um diejenigen offenkundig in den Kreis christlicher Vorrechte einzuführen, die noch außerhalb desselben standen. Das Mittel zur Aufnahme ist für Juden und Heiden dasselbe. Es handelt sich hier nicht zum Nationalität, Alter usw., sondern die Frage ist: Welchem Zweck dient die Taufe, und wohin bringt sie die, die getauft werden? Kornelius und seine Freunde hatten schon den Heiligen Geist empfangen – standen also hinsichtlich ihres Seelenzustands ganz anders als die in Apostelgeschichte 2 erwähnten Juden –, und weil Petrus dies erkennt, kann er ihre Zulassung zu der Stellung und den Vorrechten des Christentums nicht verwehren. Dies ist der Sinn seiner an seine Begleiter aus der Beschneidung gerichteten Worte: „Könnte wohl jemand das Wasser verwehren, dass diese nicht getauft würden?“ Hieraus geht doch wohl klar hervor, dass in seinen Gedanken die Taufe mit Vorrechten verbunden war, denn sonst hätten seine Worte keinen Sinn gehabt; auch handelt es sich hier nicht um Zulassung zu den Vorrechten des Judentums, denn sonst würde er gesagt haben: „Kann jemand die Beschneidung verwehren?“

Man kann also sagen: „Taufe hebt Beschneidung ebenso auf wie Christentum das Judentum.“ Hieraus ist ferner ersichtlich, dass sie nicht der Gehorsam gegen einen Befehl vonseiten solcher ist, die getauft werden sollen, sondern die Einführung von Personen in das Christentum, die nach der Ansicht des Apostels ganz dazu berechtigt sind. Gott hatte sie bereits anerkannt und ihnen dieselbe große Gabe gegeben, indem Er zwischen ihnen und denen aus der Beschneidung keinen Unterschied machte. Dadurch war der Weg zu ihrer Aufnahme klar. Petrus erkennt dies an und sagt im Wesentlichen zu denen, die mit ihm gekommen waren – denn seine Worte sind an seine Begleiter aus der Beschneidung gerichtet –: Man sollte sie doch nicht mehr draußen lassen. Bringt sie herein. – Und dies taten sie, indem sie sie tauften.

Aus diesen Stellen geht ganz klar hervor, dass es sich bei der Taufe durchaus nicht um ein öffentliches oder privates Zeugnis von einem Gestorbenen- und Auferstandensein mit Christus handelt.
(In dem Fall des Kornelius und derer, die mit ihm waren, also den ersten Heiden, die Christen wurden, finden wir Gott, als über alles erhaben handeln, indem Er ihnen zuerst den Heiligen Geist gibt, um so den Petrus völlig zu überzeugen und sein jüdisches Vorurteil zu überwinden.)
Wer möchte behaupten, dass dies von denen wahr gewesen sei, die in Apostelgeschichte 2 getauft wurden, und was wussten Kornelius und seine Freunde von dieser Wahrheit, die erst viel später durch Paulus gebracht wurde?

Getauft auf Mose – auf Christus (1Kor 10)

1Kor 10,1.2: 1 Denn ich will nicht, dass ihr darüber unwissend seid, Brüder, dass unsere Väter alle unter der Wolke waren und alle durch das Meer hindurchgegangen sind 2 und alle auf Mose getauft wurden in der Wolke und in dem Meer.

Ferner werden die Seelen „auf Christus“ getauft. Nicht aber auf Christus als den Messias auf Erden, sondern als erhöht, nachdem Er in den Tod gegangen ist. „Gott hat Ihn zum Herrn und Christus gemacht“, und dies wird durch die Taufe anerkannt. Die Anerkennung Christi als Herr kann nur mit dem Bekenntnis des Christentums während der gegenwärtigen Zeitverwaltung der Gemeinde geschehen. Die Juden verwarfen und verwerfen Ihn noch, die Heiden oder Nationen standen überhaupt draußen und waren in Götzendienst versunken. Sowohl Juden als auch Heiden waren Feinde Gottes und seinem Gericht verfallen. Beide hatten sich zur Verwerfung und Kreuzigung seines Sohnes vereinigt. Gott aber hat Ihn auferweckt und verherrlicht und den Heiligen Geist als Zeugen seiner Erhöhung herniedergesandt. Auf diese Weise ist Jesus aller Herr geworden und die Seelen werden auf Ihn, der Herr ist, getauft. So auch wurden die Israeliten auf Mose getauft (1Kor 10). Der Getaufte wird dahin gebracht, wo Christi Autorität anerkannt wird, und als auf Ihn getauft ist er verantwortlich, dies in seinem Verhalten anzuerkennen.

Taufe auf den Tod (Röm 6)

Röm 6,1-6: 1 Was sollen wir nun sagen? Sollten wir in der Sünde verharren, damit die Gnade überströme? 2 Das sei ferne! Wir, die wir der Sünde gestorben sind, wie sollten wir noch darin leben? 3 Oder wisst ihr nicht, dass wir, so viele auf Christus Jesus getauft worden sind, auf seinen Tod getauft worden sind? 4 So sind wir nun mit ihm begraben worden durch die Taufe auf den Tod, damit, so wie Christus aus den Toten auferweckt worden ist durch die Herrlichkeit des Vaters, so auch wir in Neuheit des Lebens wandeln. 5 Denn wenn wir mit ihm einsgemacht worden sind in der Gleichheit seines Todes, so werden wir es auch in der seiner Auferstehung sein, 6 da wir dieses wissen, dass unser alter Mensch mitgekreuzigt worden ist, damit der Leib der Sünde abgetan sei, dass wir der Sünde nicht mehr dienen.

Wo jedoch kein Werk in der Seele geschehen ist, da wird Ihm gegenüber keine wahre Unterwerfung vorhanden sein. Dies ist jedoch nicht der Punkt, den wir jetzt betrachten. Wir wollen sehen, was die Taufe ist und wohin sie diejenigen führt, die getauft werden. Sie werden auf Christus und auch auf seinen Tod getauft; nicht in seinen Tod, sondern auf ihn (Röm 6,3). Nur durch seinen Tod können wir das haben, was im Christentum geboten und genossen wird. Darum sagt der Apostel in Römer 6: „Wir sind begraben mit ihm durch die Taufe auf den Tod.“ Also lernen wir aus der Schrift, dass die Taufe Begräbnis auf den Tod ist. Es ist nicht ein Bild davon, dass ich schon begraben bin, sondern es heißt: „mit ihm begraben durch die Taufe“. Es heißt nicht: auferstanden durch die Taufe, sondern „begraben auf den Tod“. Kolosser 2 sagt dasselbe; da jedoch der Heilige Geist den Gläubigen dort als mit Christus gestorben und auferstanden betrachtet, fügt er hinzu: „… in welcher (oder in welchem) ihr auch mitauferweckt worden seid durch den Glauben an die wirksame Kraft Gottes, der ihn aus den Toten auferweckt hat.“ Hier wird der Glaube in Verbindung mit der wirksamen Kraft Gottes gebracht, und durch den Glauben sind wir auferweckt, aber „begraben“ werden wir durch die Taufe.

Der Römerbrief betrachtet den Gläubigen überhaupt nicht als mit Christus auferweckt. Es verrät daher Unwissenheit über den ganzen Zweck dieses Briefes, wenn man Römer 6, wie es so oft geschieht, als einen Beweis dafür anführt, dass die Taufe ein Zeichen des Gestorben- und Auferwecktseins mit Christus sei.

Durch die Taufe Christus angezogen (Gal 3)

Gal 3,25-27: 25 Da aber der Glaube gekommen ist, sind wir nicht mehr unter einem Erzieher; 26 denn ihr alle seid Söhne Gottes durch den Glauben an Christus Jesus. 27 Denn so viele ihr auf Christus getauft worden seid, ihr habt Christus angezogen.

Durch die Taufe wird ferner „Christus angezogen“. Galater 3,27 sagt uns dies klar und deutlich. Nicht durch den Glauben, sondern durch die Taufe wird Er angezogen. Der vorhergehende Vers zeigt uns den Glauben in seinem rechten Zusammenhang: „Ihr alle seid Söhne Gottes durch den Glauben an Christus Jesus.“ Diese beiden Verse dürfen nicht miteinander verwechselt werden, als ob sie einen und denselben Gedanken enthielten, sonst geht die Kraft der beiden Stellen verloren. Doch wenn wir sie richtig erfassen, können sie uns zum rechten Verständnis dessen verhelfen, was die Taufe ist, was sie nach der Schrift in sich schließt und was ihr Platz ist. Es wird hier ferner bewiesen, was wir bereits gesehen haben: dass die Taufe mit unserer Stellung nach außen hin – auf der Erde – in Verbindung steht. Der Glaube hingegen hat es mit dem Zustand unserer Seele vor Gott zu tun, mit unseren Beziehungen zu Ihm und mit dem Himmel, mit dem, was unsichtbar und ewig ist, nicht aber die Taufe.
(Der Namenschrist lässt sein sterbendes Kind noch taufen, indem er meint, es sei dadurch für den Himmel passend gemacht. Ein verständiger Gläubiger aber lässt seine Familie im Blick auf das Leben in dieser Welt taufen und als verantwortlich dafür, sie im Glauben an Christus aufzuziehen, indem er sie durch die Taufe zu diesem Zweck von der Welt für Ihn absondert.)

Die Galater wollten zum Gesetz zurück und stellten sich somit wieder unter Knechtschaft. Der Heilige Geist ruft ihnen daher zu, dass sie Söhne seien und keine Knechte: „Ihr alle aber seid Söhne Gottes durch den Glauben an Christus Jesus“, nicht durch die Taufe noch durch irgendetwas, was mit ihr in Verbindung steht. Nein, „ihr seid Söhne durch den Glauben, warum wollt ihr wieder Knechte sein?“ Dies ist der Sinn der Beweisführung des Apostels. Sodann erwähnt er ihre Taufe und sagt gleichsam: „Ihr habt Christus durch die Taufe angezogen (so viele ihrer getauft waren), warum wollt ihr denn wieder Mose anziehen?“ Sie waren äußerlich durch die Taufe mit Christus in Verbindung gebracht, hatten Ihn also angezogen, gerade wie Israel von alters auf Mose getauft war in der Wolke und in dem Meer. Alle waren auf ihn getauft, Männer, Frauen und Kinder, also ihm übergeben und unter seine Autorität gestellt. Wie sie hernach handeln würden, war eine andere Frage, und ob sie Glauben hatten oder nicht, musste die Wüstenreise beweisen. Wohl ist der Galaterbrief an solche gerichtet, die Glauben hatten, aber worauf es für uns jetzt ankommt, ist nicht, ob sie Glauben hatten oder nicht, als sie getauft wurden, sondern die Frage ist die: Was war ihre Taufe? Es war ein „Anziehen Christi“, nicht ein Zeichen davon, dass sie Ihn schon angezogen hatten.

Die Taufe ist nicht „den Herrn Jesus Christus anzuziehen“ (Röm 13)

Röm 13,14: Zieht den Herrn Jesus Christus an, und treibt nicht Vorsorge für das Fleisch zur Befriedigung seiner Begierden.

In Römer 13 werden wir ebenfalls ermahnt, „den Herrn Jesus Christus anzuziehen“. Dies ist aber etwas ganz anderes. Die Gläubigen zu Rom wurden aufgefordert, dies zu tun, obwohl sie schon vorher getauft und dadurch gemäß Galater 3,27 „Christus angezogen“ hatten. Aber in Römer 13 handelt es sich um das praktische Zeugnis für Ihn in unserem Wandel auf der Erde, und daher sein voller Name: Herr Jesus Christus. Ein Rekrut kann die Uniform eines Regiments angezogen haben und im Herzen doch ein Verräter und dem Willen seines Hauptmanns nicht untertan sein, doch ist er immerhin verantwortlich als jemand, der des Königs Rock angezogen hat, und steht auf einem ganz anderen Boden als solche, die niemals dem Bekenntnis nach unter die Autorität des Hauptmanns gestellt worden sind.

Für die Toten getauft (1Kor 15)

1Kor 15,29: Was werden sonst die tun, die für die Toten getauft werden, wenn überhaupt Tote nicht auferweckt werden? Warum werden sie auch für sie getauft?

In diesem Zusammenhang möchte ich auf die schwierige Stelle 1. Korinther 15,29 aufmerksam machen. Das hier gebrauchte Bild zeigt uns eine den Angriffen des Feindes ausgesetzte Armee, deren Schlachtreihen beständig durch den Tod gelichtet werden; doch andere treten fortwährend in diese Reihen ein, um die durch den Tod entstandenen Lücken zu füllen. Der Apostel fragt nun: Wozu denn das, wenn es keine Auferstehung der Toten gäbe? In dem Fall wäre es doch besser, gar nicht zu der Armee zu gehören, besser, nie ihre Uniform angezogen zu haben, sondern alle Tage fröhlich in der Welt zu leben: „Lasst uns essen und trinken, denn morgen sterben wir.“ Nun, dieser Vers beweist eben, dass ihre Taufe sie auf diesen Platz gebracht hatte, wo sie Christus übergeben und dem Bekenntnis nach von der Welt getrennt standen. Sie hatten Christus angezogen. Wir werden später sehen, wie dies auch auf die christliche Familie Anwendung findet.

Die Taufe errettet (1Pet 3)

1Pet 3,20-22: … 20 als die Langmut Gottes harrte in den Tagen Noahs, während die Arche zugerichtet wurde, in die wenige, das ist acht Seelen, eingingen und durch Wasser gerettet wurden, 21 welches Gegenbild auch euch jetzt errettet, das ist die Taufe (nicht ein Ablegen der Unreinheit des Fleisches, sondern das Begehren eines guten Gewissens vor Gott), durch die Auferstehung Jesu Christi, 22 der, in den Himmel gegangen, zur Rechten Gottes ist, indem Engel und Gewalten und Mächte ihm unterworfen sind.

Gehen wir jetzt zu 1. Petrus 3 über, wo gesagt wird, dass „die Taufe euch jetzt errettet“. Dieser Ausdruck erfordert eine sorgfältige Prüfung. Wie bei anderen Aussprüchen des Apostels über diesen Gegenstand, so finden wir auch hier nicht gerade eine Erklärung der Taufe. Sie wird nur nebenbei in Verbindung mit dem vor ihm liegenden Gegenstand erwähnt, weil sie eben Bezug darauf hat. Wir müssen deshalb zunächst untersuchen, um was es sich in diesen Stellen handelt, sonst werden wir uns nur eine „eigene“ Auslegung machen (2Pet 1,20). In den Briefen des Petrus haben wir die Regierungswege Gottes, die verschiedenen Ergebnisse dieser Regierung und die „Bürger“ dieser Regierung vor uns. Und zwar haben wir im ersten Brief seine Regierung in Verbindung mit den Gerechten und im zweiten Brief ihre Anwendung auf die Gottlosen. Die Lehre von dem Gestorben- und Auferwecktsein des Gläubigen mit Christus finden wir hier nicht, obgleich die angeführten Stellen zur Rechtfertigung dieser Ansicht des Öfteren gebraucht worden sind. Doch so ist es immer, wenn die Menschen die Schrift ihren eigenen Auslegungen anzupassen suchen, anstatt ihre Ansichten durch die Schrift bilden zu lassen.

Dieser Brief ist an gläubige Juden geschrieben, deren Denkweise durch die ihnen schon bekannten Regierungswege Gottes auf Erden gebildet war. Sie waren mit ihnen vertraut und also gewohnt, Segnungen, Frieden und Befreiung auf Erden zu erwarten, und zwar als das Teil der Gerechten, derjenigen, die mit einem guten Gewissen handelten. Jetzt waren sie mit einem guten Gewissen Christen geworden in der vollen Überzeugung, dass nach den Gedanken Gottes das Judentum nicht länger als in seiner Gunst stehend zu betrachten sei, sondern dem Gericht und Zorn verfallen. Bei diesem Zorn geht es um den Zorn Gottes in Verbindung mit seinen Regierungswegen auf der Erde. Ein Beispiel dafür haben wir in der Zerstörung Jerusalems durch die Römer unter Titus. Dieses nationale Unglück betraf die Juden und ihre Familien. Hatten sie doch einst gerufen: „Sein Blut komme über uns und unsere Kinder.“

Doch obwohl ihnen Petrus gesagt hatte: „Die Taufe errettet euch jetzt“, war ihnen das doch nicht so einleuchtend, da sie in jenen Tagen Verfolgung und Leiden seitens ihrer eigenen Nation und anderer zu ertragen hatten. Sie waren dadurch beunruhigt. Ihr gutes Gewissen begehrte eine Erklärung, warum dies alles geschah.
(Es ist ein Unterschied zwischen einem „guten“ und einem „gereinigten“ Gewissen, und diesen Unterschied müssen wir im Auge behalten, wenn wir die vorliegende Stelle verstehen wollen.)
[Anm. der Red. Wir verstehen diese Stelle zum Teil anders als Bruder Anglin. Das Begehren eines guten Gewissens ist unter anderem vor der Taufe, weil ich da noch mit dem unter dem Gericht stehenden System in Verbindung bin. (Siehe den Artikel „Was wird durch die Taufe zum Ausdruck gebracht?“.)]

Im 3. Kapitel berührt Petrus diese Leiden und bezieht sich dabei auf ihre Taufe, die sie äußerlich von der gottlosen, jüdischen Nation getrennt und von dem soeben erwähnten, mit den Regierungswegen Gottes verbundenen Zorn und Gericht Gottes „gerettet“ und sie auf der Erde dorthin gebracht hatte, wo Sündenvergebung gekannt und die Wirksamkeit des Heiligen Geistes vorhanden war. Er will sie dann in dieser Stellung ermutigen, indem er ihnen zeigt, dass ihre Umstände mit ihrer gegenwärtigen Stellung und Verbindung mit Christus übereinstimmen während der Zeit, in der Gottes Langmut gegenüber den Unbußfertigen wartete. Denn obwohl das Gericht die am Ende noch in Unbußfertigkeit Beharrenden sicherlich treffen würde, zeigte inzwischen Gott jetzt gerade durch sie seine Langmut. Während diese aber so harrte, brauchten die Gerechten – obwohl sie gemäß der Regierungswege Gottes jetzt durch Leiden hindurchgingen – durchaus nicht zu fürchten, von dem Gericht überwältigt zu werden, als ob sie infolge des Zornes Gottes leiden würden. Dies war durchaus nicht der Fall, sondern wie einst Noah durch die Flut hindurchgetragen und gerettet wurde, so hatten auch sie in ihren Leiden unter der Regierung Gottes durch die Auferstehung Christi die Zusicherung völliger Errettung aus alledem, was sie jetzt durchmachten und was infolge der durch ihre Taufe stattgefundenen Trennung vom Judentum über sie gekommen war.

Auf diese Weise waren sie dem Zorn und Gericht der Nation Israel entronnen, ja, von demselben gerettet worden. Sie waren mit Ihm in Verbindung gebracht, der, nachdem Er Leiden und Tod erduldet, aus den Toten auferweckt worden und dem nun alle Gewalt übergeben war. Die Sintflut ist also sowohl ein Beispiel der Langmut Gottes (als der Geist Christi durch Noah denen predigte, die jetzt im Gefängnis sind) und seines Zornes und Gerichtes über die Unbußfertigen als auch die Darstellung seiner Errettung des Gerechten und dessen Familie unter der Regierung Gottes. Diese wurden durch Wasser gerettet, das für die anderen das Mittel zum Untergang war.

Das Wasser der Sintflut kam über alle zu gleicher Zeit, und Noah wurde durch dasselbe hindurchgerettet. Obwohl nun die Grundsätze der Regierung Gottes immer dieselben sind, gingen jedoch, als Petrus seinen Brief schrieb, die Gerechten durch die Prüfungen, noch ehe das Gericht über die Gottlosen hereinbrach und während Gottes Langmut im Blick auf diese harrte. Aber obgleich die Gerechten also litten und versucht wurden, brauchten sie sich doch nicht zu fürchten, als sei dies eine Folge des Zornes Gottes. Im Gegenteil, sie durften der völligen und endgültigen Errettung aus allem versichert sein, gerade wie Noah durch Wasser gerettet wurde, „welches Gegenbild auch euch jetzt errettet, das ist die Taufe … durch die Auferstehung Christi“. (Die in Klammern stehenden Worte „nicht ein Ablegen der Unreinheit des Fleisches, sondern das Begehren eines guten Gewissens vor Gott“ zeigen uns sowohl, was die Taufe nicht ist, als auch, was sie ist.) Was für eine Ermunterung und welche Zuversicht lag in diesen Worten für die leidenden jüdischen Gläubigen! Die Gerechten wurden durch die mit den Regierungswegen Gottes verbundenen Prüfungen und Leiden gerettet; denn dies ist die Bedeutung des Ausdrucks: „wenn der Gerechte mit Not errettet wird“. Aber wenn alles dies vorüber und ihre Errettung aus allen Schwierigkeiten heraus bewirkt war, „wo würde der Gottlose und Sünder erscheinen?“ (1Pet 4,18). Während Gottes Regierungswege sich ändern mögen, bleiben die Grundsätze seiner Regierung dieselben. Und diese Grundsätze waren ihnen zur Leitung und Belehrung vor Augen gestellt worden, obgleich jetzt „das Gericht anfangen musste bei dem Haus Gottes“ (1Pet 4,17), aber das Ende der Wege Gottes mit ihnen ist dasselbe. Die Wasser des Todes erhoben nur Noah über alles und brachte ihn vorbildlich in eine neue Schöpfung; und jetzt war Christus für sie auferweckt worden und nicht allein das, sondern auch „in den Himmel gegangen“ und war zur Rechten Gottes, indem Engel und Gewalten und Mächte Ihm unterworfen sind (1Pet 3,22). Weshalb sollten sie sich fürchten? Hier ist die Antwort auf jedes „Begehren“ eines guten Gewissens (1Pet 3,21), ein „Begehren“, das aus ihrer Taufe hervorging, die sie in die Leidensstellung gebracht hatte, wegen der sie jetzt beunruhigt waren und einer Erklärung bedurften. Die Auferstehung ist die Antwort auf jedes „Begehren“ oder Fragen.

Ehe wir diesen Gegenstand verlassen, möchte ich nochmals darauf hinweisen, dass der Brief an wahre Gläubige geschrieben ist, an solche, die „auserwählt [waren] nach Vorkenntnis Gottes des Vaters“ usw. und denen deshalb die Auferstehung mehr war als das Zeugnis bloßer Errettung von dem Gericht der Nation Israel auf der Erde. Der Glaube sieht darüber hinaus und wartet auf himmlische Segnungen. Auch sie schauten danach aus, das heißt nach einer „Errettung, die bereit ist, in der letzten Zeit geoffenbart zu werden“ (1Pet 1,5), während sie selbst aber erst zubereitet und ermutigt werden mussten im Blick auf den Zeugen- und Leidenspfad auf der Erde. Sie litten, weil sie mit Jesus einsgemacht waren, das heißt um Jesu um der Gerechtigkeit willen, während Gottes Langmut hinsichtlich der Gottlosen noch harrte.
(Der erste Petrusbrief stellt uns verschiedene Arten von Leiden vor.)
Mit der völligen Errettung der Gerechten und der Verdammnis der Gottlosen würde alles dies sein Ende nehmen. Das Siegel der Ersteren war die Auferstehung Christi und seine gegenwärtige Herrlichkeit, und das Siegel der Letzteren sahen sie in dem ehemaligen Gericht in den Tagen Noahs. Diese Christen aber hatten nichts zu fürchten, weder jetzt noch dann. Sie waren nicht nur Getaufte, sondern auch Gerechte, Gläubige, und es ist wichtig, dies zu beachten und dass ihre Taufe nur sozusagen im Vorbeigehen erwähnt wird. Die Frage, wer überhaupt getauft werden darf, wird hier nicht erhoben noch enthält diese Stelle einen unmittelbaren Hinweis darauf. So weit sind wir noch nicht gekommen, sondern wir betrachten jetzt, was die Taufe ist und was sie für die Getauften bedeutet.

Die Taufe zum Abwaschen von Sünden (Apg 22)

Apg 22,16: Und nun, was zögerst du? Steh auf, lass dich taufen und deine Sünden abwaschen, indem du seinen Namen anrufst.

Gehen wir nun zu Apostelgeschichte 22,16 über. Hier finden wir, dass die Taufe eine „Waschung“, ja das Abwaschen von Sünden ist. Es ist klar, dass es sich hier nicht darum handelt, dass das Gewissen gereinigt, die Seele errettet oder die Person in Christus Kraft seines vollkommenen Werkes angenommen wird. Alles dies geschieht durch den Glauben an sein Blut. „Das Blut reinigt von aller Sünde.“ Ich wasche mich nicht selbst, sondern Er wäscht mich (s. Off 1,5; 1Kor 6,11 usw.). Dies ist alles einfach und wahr, gepriesen sei sein Name dafür! Doch das andere (Apg 22) ist auch wahr. Es handelt sich hier auch durchaus nicht um Waschen „im bildlichen Sinn“ noch um ein Zeichen oder Bekenntnis davon, dass man schon gewaschen ist, wie manche es anführen und erklären. Wir waschen nicht etwas „im bildlichen Sinn“, was schon rein ist, noch um zu bekennen, dass es rein ist, sondern um es zu reinigen.

Saulus von Tarsus war ein Jude, ein bitterer Feind Christi und seines Volkes und mitschuldig an dem Mord des Stephanus usw. In seinem blinden Eifer für das Judentum war er ein Hauptgegner des Christentums; doch überströmende Gnade legte ihn zu den Füßen Jesu. Von der Herrlichkeit aus offenbarte Er sich selbst dem Saulus, den Er erwählt hatte, damit er von da an ein Werkzeug für Ihn sei. Das war der Vorsatz Gottes, der ihn zur Buße geleitet hatte. Sodann wird Ananias zu ihm gesandt, damit er wieder sehen und den Heiligen Geist empfangen möchte; nicht aber als Jude. Er muss erst dorthin gebracht werden, wo Sündenvergebung gekannt und der Heilige Geist ist. Er muss sich von der Verbindung mit der Schuld reinigen, in der er als Jude und Verfolger Christi verwickelt ist, und also hinsichtlich seiner Stellung Christ werden. Dies geschieht durch die Taufe; denn bis dahin war die ihm gewissermaßen aus seiner Stellung hier auf Erden erwachsene Sünde und Schuld noch auf ihm. In diesem Sinne war er noch ungewaschen und seine Schuld unvergeben. Darum ist auch die Taufe, die ein Sinnbild des Todes Christi ist, insofern eine „Waschung“, als es sich hier um die Regierungswege Gottes handelt. Erst als Paulus den Juden seine Bekehrung erzählt (Apg 22), berichtet er von den soeben erwähnten Taufverordnungen des Ananias (Apg 22,16). Er deutet dabei an, dass die mit ihrem System verbundene Reinigungen und Waschungen ihnen nichts mehr nützten und dass der wahre Weg für jemand, der auf der Erde ein „Gefäß“ für Gott sein wollte (Apg 9,15), der sei, dem Judentum gänzlich zu entsagen, indem er die Herrschaft Christi anerkannte. Das aber geschieht während der gegenwärtigen Kirchenperiode nur im Christentum und in erster Linie durch die Taufe, die uns eben auf diesen Boden stellt.

Zusammenfassung – Was bewirkt die Taufe?

Wir haben jetzt das betrachtet, was die Taufe ist, nämlich Einführung in das Christentum entweder aus dem Juden- oder aus dem Heidentum.
(Unter Heidentum verstehe ich alle diejenigen, die sich außerhalb des Judentums oder Christentums befinden, das heißt alle, die weder beschnitten noch getauft sind [s. Gal 3,8; 1Kor 10,32].)
Der Getaufte ist dort eingeführt, wo die Autorität Christi anerkannt wird, und in die mit dieser Stellung verbundenen Verantwortlichkeit gebracht. Es heißt daher: „auf Christus getauft“, wenn aber „auf Ihn“, dann auch „auf seinen Tod“, wovon die Taufe ein Symbol ist. Sie ist Begräbnis auf seinen Tod. Römer 6 sagt dies. Dort heißt es nicht, dass wir bereits gestorben und deshalb durch die Taufe begraben werden, sondern „begraben … auf den Tod“, und darauf ist von unserer Verantwortlichkeit, in Neuheit des Lebens zu wandeln, die Rede. Die Taufe ist die Anerkennung des Todes Christi sowie der Tatsache, dass alles, was wir dem Fleisch nach sind, verschwinden muss. Sodann ist sie das „Anziehen Christi“, was mit seiner Herrschaft und Autorität und mit dem Einssein mit Ihm, was unsere Stellung auf der Erde betrifft, verbunden ist. Denn die Taufe betrifft überhaupt nur unsere Stellung auf der Erde unter der Regierung Gottes. So sagt Petrus, wenn von dieser Regierung die Rede ist: Die „Taufe errettet euch jetzt … durch die Auferstehung Christi“. In demselben Zusammenhang ist sie ein Abwaschen von Sünden auf Erden, denn was ein Mensch durch den Glauben an Christus und gemäß der Vorsätze Gottes in Gnade auch immer sein mag (und wo der Glaube ist, da steht alles fest für die Ewigkeit), ist er im Blick auf die Regierung Gottes auf Erden weder gewaschen noch gerettet, bis er getauft ist. Was seine sichtbare Stellung auf Erden betrifft, so ist er überhaupt kein Christ, sondern ist entweder ein Jude oder ein Heide; Ersterer aber hatte alle seine Vorrechte verwirkt und Letzterer niemals welche besessen.

Es ist sehr wichtig, dass wir Klarheit über das Thema der Regierung Gottes haben, und die Erkenntnis der Grundsätze, die sie in sich birgt, kann uns sehr zum richtigen Verständnis der ganzen Tauffrage sowie vieler anderer Dinge in der Heiligen Schrift behilflich sein. Doch wir müssen nun untersuchen, welche Personen eigentlich nach der Schrift getauft werden dürfen.

Welche Personen wurden getauft?

Hierbei sollten wir beachten, dass sich die zu Taufenden, von denen uns die Schrift berichtet, in sehr verschiedenen Verhältnissen und Seelenzuständen befanden. Wir finden da Juden, Samariter und Heiden, die alle unter verschiedenen Umständen und Bedingungen getauft werden. Kein bestimmtes Maß, zu dem alle gleich vorher hingelangt sein müssen, wird angegeben. Kein besonderes Bekenntnis wird verlangt. In Apostelgeschichte 2 werden überführte Sünder ermahnt, sich taufen zu lassen. In Apostelgeschichte 8 glauben die Samariter der Predigt des Philippus und werden dann getauft, aber den Heiligen Geist empfangen sie erst einige Zeit danach, und so – obschon sie den Boden des Christentums dadurch betreten haben, dass sie auf Christus getauft sind – gehören sie noch nicht zum „Leib Christi“, was ja auch nicht sein konnte, bis sie den Heiligen Geist empfingen (1Kor 12,13). Ferner haben wir es in Apostelgeschichte 10 mit Heiden zu tun, die den Heiligen Geist vor der Taufe empfingen. Es ist dies der einzige Fall. So wird auch Saulus von Tarsus erst bekehrt und drei Tage darauf getauft, wobei er im Blick auf die Regierungswege Gottes seine Sünden abwaschen lässt, indem er den Namen des Herrn anruft.

Die Taufe im Fall der Lydia (Apg 16)

Apg 16,14.15: 14 Und eine gewisse Frau, mit Namen Lydia, eine Purpurhändlerin aus der Stadt Thyatira, die Gott anbetete, hörte zu, deren Herz der Herr auftat, dass sie achtgab auf das, was von Paulus geredet wurde. 15 Als sie aber getauft worden war und ihr Haus, bat sie und sagte: Wenn ihr urteilt, dass ich dem Herrn treu bin, so kehrt in mein Haus ein und bleibt. Und sie nötigte uns.

Sodann sehen wir Lydia, deren Herz der Herr für den Empfang des Wortes auftat, sich und ihr Haus taufen lassen, obwohl von dem Letzteren nicht berichtet wird, dass auch da die Herzen aufgetan wurden. Wäre das bei ihnen der Fall gewesen, so hätte der Heilige Geist sie ebenso leicht mit Lydia in Bezug auf diesen Punkt verbinden können, wie er es in Bezug auf ihre Taufe tat. Doch in der Seele der Lydia wird zunächst der Glaube gewirkt. Auf diese Weise bezeugt sich der Herr treu an ihr. Dann will sie sich mit ihrem ganzen Haus taufen lassen; alle sollen unter die Autorität oder Herrschaft Christi gestellt werden; hier erweist sie sich treu gegen Ihn, denn der Vers verbindet augenscheinlich Treue ihrerseits mit ihrer und ihres Hauses Taufe, wie wir auch lesen: „Als sie aber getauft worden war und ihr Haus, bat sie und sagte …“ usw. Lydia ist nicht nur selbst auf den Boden des Christentums gebracht, sondern sie lässt ihr Haus mit sich bringen – in der Tat keine geringfügige Sache in jenen Tagen der erbitterten jüdischen und heidnischen Feindschaft gegen das Christentum; es bewies aber ihre Treue gegen den Herrn.

Bei der Taufe des Hauses der Lydia finden wir nicht das geringste Zeichen von einem Bekenntnis seitens derer, die ihr „Haus“ bildeten, noch ist von einem Werk Gottes an ihren Herzen die Rede, wie dies bei der Lydia der Fall war. Hätte sich der 14. Vers auch bei ihnen bewahrheitet, so hätte dies sicherlich Erwähnung gefunden. Außerdem zeigt uns der 15. Vers, dass die Taufe des Hauses sozusagen die Handlung der Lydia war, das heißt, sie geschah auf ihre Verantwortlichkeit hin. Hier haben wir die Haushaltstaufe klar und einfach in der Schrift dargestellt in Verbindung mit der Verantwortlichkeit und dem Glauben des Familienhauptes, obgleich dies hier eine Frau ist.

Ich weiß, dass manche sich alle erdenkliche Mühe gegeben haben, die Bedeutung dieses Falls von Haushaltstaufe wegzuerklären. Man meint, Voraussetzung stellen zu müssen, und zieht Schlüsse, ohne dass man Grund dazu hat.
(Zu sagen zum Beispiel, „die Brüder“ im 40. Vers bezieht sich auf Lydias „Haus“, ist einfach lächerlich, ein törichtes Bemühen, diesen klaren und bestimmten Fall von Haushaltstaufe zu beseitigen.
Gewöhnlich sagt man, dass Lydia überhaupt kein Haus hatte in dem Sinn, wie hier das Wort „Haus“ gebraucht wird, das gewöhnlich Familie oder Nachkommen bedeutet, wie wir im Fall des Kerkermeisters in demselben Kapitel sehen werden.

Die Taufe im Fall des Kerkermeisters (Apg 16)

Apg 16,30-34: 30 Und er führte sie heraus und sprach: Ihr Herren, was muss ich tun, um errettet zu werden? 31 Sie aber sprachen: Glaube an den Herrn Jesus, und du wirst errettet werden, du und dein Haus. 32 Und sie redeten das Wort des Herrn zu ihm samt allen, die in seinem Haus waren. 33 Und er nahm sie in jener Stunde der Nacht zu sich und wusch ihnen die Striemen ab; und er wurde getauft, er und alle die Seinen sogleich. 34 Und er führte sie ins Haus hinauf, setzte ihnen einen Tisch vor und frohlockte, an Gott gläubig geworden, mit seinem ganzen Haus.

Auf dessen Frage: „Was muss ich tun, auf dass ich errettet werden?“, antwortet der Apostel sogleich, indem er sein Haus mit ihm verbindet (s. auch Apg 11,14). Dann sehen wir, dass „das Wort des Herrn geredet wurde zu ihm samt allen, die in seinem Haus waren“, ein Ausdruck, der mehr in sich schließt als „sein Haus“ in dem vorhergehenden Vers. In dem nächsten Vers, in dem die Taufe vorkommt, heißt es: „Und er wurde getauft, er und alle die Seinen sogleich“ (nicht alle, die in seinem Haus waren). Der Unterschied zwischen den beiden Dingen ist sehr klar und auch wichtig zu beachten. Der Kerkermeister war für die Taufe seines Hauses, für „alle die Seinen“, verantwortlich, aber nicht für die anderen, die zu dieser Zeit in seinem Haus sein möchten, wie zum Beispiel für Gefängniswärter, andere Dienstboten und dergleichen. „Alle die Seinen“ schließt nur solche ein, für die er verantwortlich war, weil sie ihm angehörten. Es gehörte also auch das jüngste Kind dazu.

Es mag gesagt werden, dass hier kein Beweis ist, dass Kinder oder wenigstens kleine Kinder da waren. Doch dies berührt ja unseren Punkt gar nicht. Es handelt sich darum, dass „alle die Seinen“ mit ihm im Blick auf Segnungen und Vorrechte auf der Erde verbunden und deshalb getauft werden. Die Hauptsache dabei ist, dass dieser Grundsatz auch das jüngste Kind einschließt.
[Anm. der Red.: Es gehört schon viel Mut dazu, zu behaupten: Wenn bei „all den Seinen“ kleine Kinder dabei gewesen wären, so wäre das bestimmt nicht geschrieben worden. Noch mehr Mut gehört dazu, zu behaupten, diese Leute hätten auch alle vorher Buße getan und geglaubt. Somit gilt der oft gehörte Vorwurf, Ausleger wie Anglin würden hier aus etwas nicht vorhandenem Schlüsse ziehen, wohl eher auf der Gegenseite.]
Es war, wie wir bereits gesehen haben, ein Fall, wo ein Haus mit seinem Haupt in den Kreis äußerer christlicher Vorrechte eingeführt wird. Sind sie dazu aufgrund ihrer Verwandtschaft berechtigt? Wenn ja, so sollten sie sicherlich getauft werden. Ob sie erwachsen oder Kinder sind, darauf kommt es nicht an, vorausgesetzt, dass sie in dem Haus und daher der Autorität des Hauptes desselben unterstellt sind.

Im 34. Vers lesen wir: „Er frohlockte, an Gott gläubig geworden, mit seinem ganzen Haus.“ Die Worte „an Gott gläubig geworden“ stehen in der Einzahl und beziehen sich hier nur auf den Kerkermeister, dessen Haus jetzt ein frohlockendes geworden, nachdem er von den Götzen zu Gott bekehrt war. Wenn in jenen Tagen Leute, denen das Evangelium gepredigt wurde, dasselbe nicht annahmen, wurden sie natürlich auch nicht getauft. Lehnten sie das Christentum ab, so verwarfen sie auch die Taufe. Nahmen sie es jedoch an, so geschah dies nach außen hin durch die Taufe. Gott allein kann wissen, ob es sich um eine Herzenssache handelte oder ob, wie im Fall Simons des Zauberers, nur ein bloßes Bekenntnis vorhanden war. War nur das Letztere der Fall, so konnte der Heilige Geist nicht empfangen werden. So ein Mensch wurde nur in den Bereich zugelassen, wo der Heilige Geist wohnte, und war also gewissermaßen ein Zeuge seiner Wirksamkeit (s. Heb 6).

Geht es um Kindertaufe?

Soviel ich weiß, tritt niemand unter uns für die Kindertaufe als solche ein, nämlich dass Kinder getauft werden sollten, einfach weil sie Kinder sind. Deshalb widersetzen sich diejenigen, die gegen eine solche Auffassung kämpfen, einem eingebildeten Irrtum ihrer eigenen Erfindung. Ich bin aber überzeugt, dass es Kinder gibt, die getauft werden sollten, nicht weil sie Kinder, sondern weil sie Kinder von gläubigen Eltern sind, und dass gläubige Eltern ihre Kinder taufen lassen sollten, ist mir ebenso klar. Da aber über diesen Punkt die Meinungen sehr verschieden sind, will ich näher darauf eingehen.

Wir finden in der Schrift zwei Grundsätze, die sich hierauf beziehen. Nach dem einen, der bereits erwähnt ist, steht gemäß der Regierung Gottes der Haushalt stets in Verbindung mit seinem Haupt im Blick auf die Vorrechte, die genossen werden sollen. Der andere, der eng damit verbunden ist, lautet: Das Haupt des Hauses ist für das Haus verantwortlich. Noah ist ein treffender Beweis für den ersten und Eli für den anderen Grundsatz. Noahs Haus ging mit ihm in die Arche, weil es eben sein Haus und weil er gerecht erfunden worden war (s. 1Mo 7,1). Wenn eines hiervon ein Kind gewesen wäre, so hatte es sicherlich dasselbe Vorrecht wie der Älteste, nicht weil es ein Kind, sondern weil es ein Mitglied der Familie Noahs war. Die Sintflut bildete einen Teil der Regierungswege Gottes mit der Erde und in diesem Zusammenhang waren jene bevorzugt. Doch weder ihr Vorrecht, einzutreten, noch ihre Verwandtschaft mit Noah würde etwas genützt haben, wenn er sie nicht mit in die Arche genommen hätte. Andererseits berührte aber ihr Aufenthalt in der Arche den Zustand ihrer Seele nicht noch empfingen sie dadurch Glauben. Dies sehen wir später im Blick auf ihren persönlichen Seelenzustand: Sem wurde gesegnet, Ham aber verflucht. Die Geschichte Israels bezeugt ebenfalls diesen Grundsatz. Alle wurden unter der Wolke und in dem Meer auf Mose da getauft, wo es nicht dem persönlichen Glauben, sondern den Segnungen, Vorrechten auf Erden und Verwandtschaftsverhältnissen galt, die ihnen ein Anrecht dazu gab. Die Beschneidung war die von Gott verordnete Art und Weise der Einführung in jene Vorrechte, denn Er hatte dieselbe gerade in Verbindung mit diesem Platz des äußeren Vorrechts und Segens gegeben. Abraham seinerzeit handelte danach und machte dabei keinen Unterschied zwischen Ismael und Isaak. Der Unterschied in anderen Dingen, wie zum Beispiel zwischen ihrem persönlichen Glauben, war groß, aber nicht die Beschneidung betreffend. Worauf es eben ankam, war, dass sie Abraham gehörten; sie bildeten einen Teil seines Hauses, und es war seine Verantwortlichkeit, sein Akt, der lediglich aus dem hervorging, was Gott ihm anvertraut hatte. Er wartete nicht, bis Isaak groß geworden war, um zu sehen, was aus ihm werden würde, noch verweigerte er Ismael die Beschneidung, weil er keinen Glauben hatte. Die Haushaltstaufe beruht auf demselben Grundsatz. In dem Fall Abrahams nahm die Sache die Form eines Befehls an, wie sie ja auch später mit dem gesetzlichen System verbunden stand, doch dies berührt den Grundsatz, der ebenso klar im Neuen Testament bezeugt ist, an und für sich nicht. Der Herr sagt zu Zachäus: „Heute ist diesem Hause Heil widerfahren“, und Petrus in Apostelgeschichte 2: „Denn euch ist die Verheißung und euren Kindern“, und Paulus: „Glaube an den Herrn Jesus Christus, und du wirst errettet werden, du und dein Haus.“

Hiermit verbunden finden wir den anderen Grundsatz, auf den wir schon hingewiesen haben, nämlich dass das Haupt des Hauses für das Haus verantwortlich ist. Gott sagt von Abraham: „Ich kenne ihn, dass er seinen Kindern und seinem Hause nach ihm befehlen wird …“ Andererseits aber erhält Eli einen ernsten Vorwurf von Gott, weil er versäumt hatte, seinem Haus gemäß der ihm anvertrauten Stellung und Vorrechte vorzustehen. Ohne Zweifel waren sie beschnitten und auf diese Weise dahin gebracht, wozu sie durch ihre Geburt berechtigt waren, aber nachdem sie dort waren, war er verantwortlich, sie ihrem Platz gemäß zu erziehen. Es war nicht sein Unrecht, dass er sie erst beschnitten hatte, sondern dass er sie nachher nicht in der Zucht und Ermahnung des Herrn auferzog.

Diesen Grundsatz haben wir auch im Neuen Testament. In Epheser 6 lesen wir: „Ihr Väter …, zieht sie auf in der Zucht und Ermahnung des Herrn.“ Der Vater ist dafür verantwortlich. Eli war für seine Söhne verantwortlich. Er wurde wegen ihrer Sünde gerichtet, sie jedoch auch. Christliche Eltern sollten dies ernstlich erwägen. Sie sagen manchmal: „ich erzähle meinen Kindern von Jesus, ich verkündige ihnen das Evangelium, gebe ihnen ein gutes Beispiel, und was kann ich noch mehr tun?“ War dies genug in Elis Fall? Wenn sie nicht seine Kinder gewesen wären, wenn sie nicht mit ihm eine bevorzugte Stellung geteilt hätten, so würde es genügt haben. So ist es auch bei Christen in Bezug auf die Welt. Es ist alles, was sie tun können, wenn sie in der vorerwähnten Weise handeln (nämlich ihnen das Evangelium verkünden und ein gutes Beispiel geben), und sie sind auch verantwortlich, dies zu tun. Doch ist dies nicht der Platz, den sie ihren Kindern geben sollen; das ist nicht, sie „auferziehen in der Zucht und Ermahnung des Herrn“, denn die Welt haben wir doch nicht so zu erziehen. Wie wir wissen, tat Eli viel; er gab seinen Söhnen ein gutes Beispiel. Er belehrte und wies sie sogar zurecht, doch bei alledem zog er sie nicht auf in der Zucht und Ermahnung des Herrn, und Gott hielt ihn für ihre Zuchtlosigkeit verantwortlich. Er mochte vorschützen, was so viele zu tun bereit sind: „Ich kann meinen Kindern keine neue Natur geben noch in ihnen den Wunsch für das Gute und Rechte hervorrufen. Das alles muss ich Gott überlassen.“ Ich antworte: „Gott hält jeden gläubigen Vater verantwortlich, seine Kinder als christliche Kinder zu erziehen, das heißt unter der Autorität Christi, in Unterwürfigkeit gegen Ihn und in der Absonderung von der Welt. Das ganze Haus muss für Christus von der Welt getrennt, abgesondert und Ihm unterworfen werden. Die Wüste mochte für die jungen Israeliten, die auf Mose getauft waren, als kein so angenehmer Aufenthaltsort erscheinen.
(Aber lasst uns bedenken: Wie anziehend Ägypten als der Platz zur Befriedigung des Fleisches auch erschienen mochte, es war doch der Platz des Todes. Es stellt die Welt, in ihrer Unabhängigkeit von Gott, und als seinem Gericht verfallen, dar. Dazu war es ein Haus der Knechtschaft für das Volk Gottes, bis es von der Macht Pharaos befreit wurde.)
Doch darauf kam es hier nicht an, sondern es handelte sich um ihre Verbindung mit Gott und mit Mose, dem Er Autorität gegeben hatte, und um ihre völlige Trennung von Ägypten und seiner Herrschaft.

Die Kinder gläubiger Eltern sind also in dieser Weise von der Welt klar zu unterscheiden, um in der Furcht des Herrn aufgezogen zu werden, und, was von höchster Wichtigkeit ist, in jeder Beziehung in gänzlichem und unweigerlichem Gehorsam und völliger Unterwerfung ihren Eltern gegenüber. Sodann sind die Eltern berechtigt, für ihr Heil auf Gott zu rechnen und nach göttlichem Leben und Glauben an Christus in ihren Kindern Ausschau zu halten. Die Kinder bilden einen Teil des christlichen Hauses, und die Taufe ist die Einführung in die bevorzugte Stellung des Christentums nach außen hin sowie die Anerkennung der Herrschaft des Herrn. Ist nicht dann das Haupt des Hauses verantwortlich, die Autorität Christi in Bezug auf jedes Familienmitglied anzuerkennen? Sollte er nicht seine Angehörigen in der von Gott verordneten Art und Weise auf diesen Boden bringen? Wer dies ablehnt, besagt damit, dass sich seine Kinder nicht von der Welt unterscheiden, oder man handelt nach dem Grundsatz Kains, indem man, ohne es vielleicht zu wissen, Gott etwas darbringt und sein Gericht, das Gericht des Todes, dabei außer Acht lässt, als ob keine Sünde da wäre und die Kinder nicht von Natur Sünder und von Gott abgekommen wären. Ein anderer göttlicher Grundsatz ist der, dass wir nicht in einer Beziehung mit Gott sein können, es sei denn, dass wir das anerkennen, was im Kreuz Christi zum Ausdruck gebracht wurde und wovon Beschneidung unter Gesetz und die Taufe im Christentum Symbole sind. Es ist nämlich der Tod, der noch deutlicher durch die Taufe als durch die Beschneidung dargestellt wird, wie auch das Christentum das Judentum an Herrlichkeit übertrifft. Die Beschneidung war ein mit dem gesetzlichen System verbundenes Gebot, die Taufe dagegen steht in Verbindung mit der Gnade, die aus dem Tod Christi hervorgeht.

Manche geben sich mit der Behauptung zufrieden, dass die Schrift keinen Befehl über die Taufe der Kinder der Gläubigen enthält, als ob damit diese Angelegenheit erledigt wäre. Doch dies ist nicht schriftgemäße Art und Weise, sie zu behandeln, und berührt nicht im Geringsten die Beweise, dass jemand ganz nach der Lehre und Praxis der Schrift handelt, indem er sein Haus taufen lässt; denn dies ist nicht eine Befehlssache, sondern ein Handeln nach den Grundsätzen, mit denen uns die Schrift bekannt gemacht und die sie aufgestellt hat. Wir müssen bedenken, dass Grundsätze nicht Schlussfolgerungen oder Voraussetzungen sind; sie bilden einen wesentlichen Teil des Wortes Gottes und dienen zu unserer Leitung und Führung.

Wir haben bereits gesehen, dass kein Befehl zu taufen besteht; auch haben wir gezeigt, dass die Schrift keine Regeln aufstellt in Bezug auf die, die getauft werden sollen, aber wir haben in der Schrift Lehren, Grundsätze und Beispiele, die uns Anleitung geben. Wer jedoch nun einmal einen Befehl haben will, muss wissen, dass es nur den einen gibt, der möglicherweise auch zu viel für ihn in sich fasst. Derselbe lautet: „Geht nun hin und macht zu Jüngern alle Nationen, sie taufend auf den Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes, sie lehrend, alles zu bewahren, was ich euch geboten habe.“ Wohl weiß ich, dass dies nichts mit der Gemeinde oder Versammlung zu tun hat, die aus den Nationen heraus gesammelt wird, doch hier finden wir die Taufe, wie sie über die Zeit der Gemeinde hinausgeht. Wir betrachten sie jedoch jetzt in Verbindung mit der gegenwärtigen Haushaltung oder Zeitverwaltung.

Wir haben gesehen, dass die Taufe jemand auf den Boden des Christentums bringt und dass die Kinder christlicher Eltern dort sein sollten, wo sie in der Unterwürfigkeit unter Christus auferzogen werden, und dass der Gläubige gemäß der Grundsätze und Lehre der Schrift handelt, wenn er sein Haus taufen lässt.

Wenn ein Gläubiger seine Kinder lediglich als Sünder wie die übrigen Menschen der Welt betrachtet und sich deshalb weigert, sie taufen zu lassen, so handelt er im Widerspruch mit dem Grundsatz, der in den Worten enthalten ist: „du und dein Haus“, denn damit ist doch gesagt, dass sein Haus gemäß der Regierung Gottes zur Segnung bestimmt ist. Wenn er aber sagt, er könne sie auch ohne Taufe in der Zucht und Ermahnung des Herrn aufziehen, so verneint er den anderen Grundsatz, wonach als Kinder Adams wir unmöglich in Beziehung zu Gott treten können, es sei denn, dass wir sein Gericht, das Gericht des Todes, das auf dem Menschen im Fleisch lastet, anerkennen. Daher „sind wir mit Ihm (Christus) begraben durch die Taufe auf den Tod“. Nicht allein aber das, sondern wir haben auch gesehen, dass die Taufe die scharfe Grenzlinie zwischen dem Christentum und der Welt ist, und ein Christ sollte niemals dem Gedanken Raum geben, dass seine Kinder für diese Welt erzogen oder gar gottlos werden. Ist er nicht dafür verantwortlich, wenn dies geschieht?

Ein Herr“, „ein Glaube“ und „eine Taufe“ (Eph 4)

Eph 4,4-6: 4 Da ist ein Leib und ein Geist, wie ihr auch berufen worden seid in einer Hoffnung eurer Berufung. 5 Ein Herr, ein Glaube, eine Taufe, 6 ein Gott und Vater aller, der über allen und durch alle und in uns allen ist.

In Epheser 4 haben wir weitere Unterweisung über diesen Gegenstand, und die Betrachtung dieser Stelle wird uns von Nutzen sein. Im 4. Vers haben wir drei Dinge, die unzertrennlich miteinander verbunden sind, nämlich „einen Leib“, „einen Geist“, „eine Hoffnung“. Im 5. Vers haben wir einen größeren Kreis und wieder drei Dinge, die unzertrennlich miteinander verbunden sind. Es sind diese „ein Herr“, „ein Glaube“ und „eine Taufe“. Der 4. Vers umfasst alle, die den Heiligen Geist haben und deshalb im Leib Christi sind, der 5. Vers alle, die dem Bekenntnis nach unter der Autorität Christi stehen. Ein Christ sollte (was wohl die meisten zugeben werden) seine Kinder in dem Glauben an Christus auferziehen („ein Glaube“) und sie belehren, seine Autorität anzuerkennen („ein Herr“), und, wie wir gesehen haben, ist es eben hier, wo die Taufe in Betracht kommt. Seine Autorität wird eben nicht in der Reihe von „ein Leib“ und „eine Hoffnung“ erwähnt. Es ist gesagt worden, dann müsse man auch die Reihenfolge der Worte dieses Verses ändern und Taufe zuerst setzen. Doch dieser Einwand ist belanglos, denn wenn es keine Herrschaft Christi gäbe und keinen christlichen Glauben, so würde die Taufe keinen Sinn haben; aber wenn es einen Herrn und Christus gibt, auf den wir sie taufen können, und wir unsere Kinder im Glauben an Ihn erziehen wollen, dann ist ein klarer Grund für ihre Taufe vorhanden, und es ist nicht nötig, dass wir die Reihenfolge der Wortes dieses Verses ändern.

Man mag sich streiten und wegzuerklären suchen, was an und für sich klar genug ist. Man mag auf Misserfolge und das schlechte Betragen solcher getauften Familien hinweisen und so einen Grund finden, in einer unklaren Stellung zu dieser Frage zu verharren, aber das Versagen der Eltern in Sachen der Erziehung macht das an und für sich Richtige nicht falsch noch ändert es etwas an der Wahrheit der Schrift, wie auch das Fehlschlagen der Erziehung im Falle der Kinder Elis keinen Beweis dafür lieferte, dass die Israeliten ihre Kinder erst dann beschneiden lassen sollten, wenn sie sähen, was aus ihnen werden würde. Wenn es dieses Leben oder irdischen Gewinn beträfe, so würde man nicht so streiten oder auf diese Weise handeln. Wenn irdisch gesinnte Eltern einen weltlichen Vorteil für ihr Kind erlangen könnten, so würden sie ihn gewiss schnell ergreifen und nicht warten, bis es groß wäre, um dann selbst beurteilen zu können, ob es dessen würdig sei oder den Vorteil annehmen will.

Welchen Nutzen haben Kinder gläubiger Eltern, wenn sie getauft werden?

Einige fragen jedoch: „Was ist nun der Vorteil der Taufe? Welchen Nutzen haben diese Vorrechte, wenn sie dennoch später in die Welt gehen? In welcher Hinsicht sind solche Kinder besser dran als meine“, usw.? Ich antwortete: „Christliche Eltern sollten niemals dem Gedanken Raum geben, dass ihre Kinder für die gottlose Welt aufwachsen.“ Sie sind doch verantwortlich dafür, dass dies nicht geschieht. Auf jeden Fall sind aber Vorrechte Vorrechte. Wie sie benutzt werden, ändert daran nichts; sie sind tatsächlich vorhanden und wertvoll für den, der sich dieselben aneignet. Was machte Israel mit seinen Vorrechten? Es missbrauchte sie in geradezu beschämender Weise. „Was ist dennoch nun der Vorteil des Juden oder der Nutzen der Beschneidung? Viel in jeder Hinsicht“, sagt die Schrift (Röm 3,1).

Mancher mag die Beschaffenheit und den Wert der Vorrechte nur schwer begreifen, und in einer Zeit wie die gegenwärtige müssen wir unbedingt Geduld miteinander haben. Aber jene, die sie in Wahrheit kennen, sollten sie schätzen. Es ist auch gut, dass jene, die darauf bestehen, dass die Haushaltstaufe falsch ist (und es gibt leider viele, die in bitterer und verächtlicher Weise über dieselbe sprechen) und dass die Taufe stets der Bekehrung und dem Glauben an Christus folgen muss, wissen sollten, dass sie nicht nur keinen Schriftbeweis für ihre Ansicht haben, sondern dass sie sich betreffs der Haushaltstaufe der Lehre und Praxis der Schrift widersetzen, denn tatsächlich finden wir in der Schrift Personen getauft, von denen wir nicht den leisesten Beweis haben, dass sie vorher gläubig gewesen sind.

In jenen Tagen verstanden die Seelen sehr gut, dass sie durch die Taufe der Stellung nach Christen geworden waren, das heißt, sie nahmen eben diesen Boden ein und brachten auch insofern ihre Häuser mit. Wenn Letztere nicht getauft wurden, blieben sie auf jüdischem oder heidnischem Boden stehen. Mit der Taufe aber wurden für sie die früheren Verbindungen mit der gottlosen Welt abgeschnitten, so dass die Kinder die damaligen Christenverfolgungen mit ihren Eltern teilten. Die Taufe trennte auch sie von dem feindlichen Lager, brachte sie unter die Autorität Christi und machte es möglich, dass auch sie von dem Feind hingestreckt und also „für die Toten“ getauft werden konnten, wie es damals bei manchen tatsächlich der Fall war.
(Alle waren nicht „für die Toten“ getauft. Der Apostel sagte dies nicht von den Korinthern, sondern er fragte sie: Was werden sonst die tun, die für die Toten getauft wurden, wenn Tote nicht auferstehen? Die Korinther litten eben nicht Verfolgung.)
Nun fragt man: „Wie können Kinder Christus anziehen“ oder „für die Toten getauft werden“? Aber ich möchte auch meinerseits fragen: Wenn sie nicht getauft wurden, wo waren sie dann? Wenn ein Jude getauft und bekehrt war, seine Kinder aber nicht, wo waren sie? Nun, auf jüdischem Boden, noch im feindlichen Lager und immer noch in Verbindung mit den Gesetzlosen. Es war deshalb, wie auch bei Lydia, nur ein Akt der Treue gegen den Herrn, die Ihrigen herauszubringen. Sodann waren sie als Getaufte gänzlich von dem Judentum getrennt und von ihren früheren Freunden nicht mehr anerkannt. Wenn nun ein Jude erweckt war, wie die Juden in Apostelgeschichte 2 es waren, würde er damit zufrieden gewesen sein, für seine Person der dem Gericht verfallenen Stellung zu entrinnen, seine Familie aber dort zurückzulassen? Sicherlich nicht! Sondern er würde, wie in Ägypten vor alters, sagen: „Nicht eins soll zurückbleiben.“ Er würde nicht warten, bis seine Kinder groß geworden wären, um sich selbst für Juden- oder Christentum zu entscheiden.

Wir haben nun die meisten Fälle von der Taufe und die betreffenden Schriftstellen betrachtet. Wenn natürlich jemand dabei verharrt, dass die Taufe notwendigerweise der Bekehrung folgen muss und dass sie nicht die Einführung in die christliche Stellung ist, so wird er auch die Wichtigkeit der Haushaltstaufe nicht einsehen können, obgleich sie, wie wir gesehen haben, im Anfang geübt wurde und obgleich die Grundsätze, die einen Gläubigen doch berechtigen, sein Haus zu taufen oder taufen zu lassen, klar in der Schrift gelehrt werden, und unter dem Haus des Gläubigen sind die gemeint, für die der Vater oder die Mutter vor Gott verantwortlich ist, wie es im Fall des Kerkermeisters mit den Worten „alle die Seinen alsbald“ ausgedrückt ist.

Die Taufe außerhalb des Hauses der Gläubigen

Außerhalb des Hauses des Gläubigen ist allerdings keine Berechtigung für Taufe, es sei denn, dass erst ein Schuldbekenntnis abgelegt worden sei. Die Verantwortlichkeit trifft jedoch in allen Fällen den, der tauft, und obwohl, wie es heutzutage oft vorkommt, weder der Taufende noch der Getaufte noch dessen Eltern wahre Gläubige sein mögen, handelt er doch als Diener Christi und tauft auf Ihn und in seinem Namen; und der so auf „Ihn“ Getaufte ist eben in die bevorzugte christliche Stellung nach außen hin auf der Erde gebracht, und zwar durch einen Akt, der nicht rückgängig gemacht oder für nichtig erklärt werden kann. Der, der getauft hat, wird für sein Werk, das er als ein Diener Christi getan hat, das heißt als jemand, der diese Stellung eingenommen hat, Rechenschaft zu geben haben. Der andere wird ebenfalls für sich selbst Rechenschaft geben müssen, und zwar als jemand, der auf den Boden des Christentums gebracht ist. Dass dies keine bloße Annahme ist, beweist die Schrift. So finden wir in Offenbarung 3 die tote Gemeinde oder Versammlung in Sardes als verantwortlich angeredet, eben weil sie auf christlichem Boden steht. Wohl sagt der Herr, dass sie tot ist, doch sie wird als eine Versammlung anerkannt, die „den Namen hat, dass sie lebt“. Es wird allgemein angenommen, dass diese Versammlung den Protestantismus seinem allgemeinen Charakter und Zustand nach darstellt. Wir wissen aber, dass fast jede Benennung, wie zum Beispiel die Staatskirche, die Taufe an denen vollzieht, die noch Kinder sind. Doch einerlei, ob Alt oder Jung, wir finden sie in Offenbarung 3 als auf dem Boden der Gemeinde oder Versammlung stehend angeredet, und allein durch ihre Taufe waren sie dahin gebracht worden. Dies ist ja immer der Zweck der Taufe gewesen in der bekennenden Kirche, und insofern hat sie recht, denn es ist dies der einzige Weg, den es gibt oder geben kann, um auf den Boden des Christentums zu gelangen. Wir finden jedoch, dass diese toten Bekenner, die meist als Kinder getauft worden sind, als verantwortlich angeredet werden, weil sie sich auf dem Boden der Gemeinde oder Versammlung befinden, was doch klar zeigt, dass ihre Taufe gültig ist und dass sie deswegen vor Gott die Verantwortlichkeit auf sich nehmen, den Vorrechten zu entsprechen, in die sie ihre Taufe eingeführt hatte.

Äußere Verbindung ohne inneres Leben

Mt 24,48-51: 48 Wenn aber jener böse Knecht in seinem Herzen sagt: Mein Herr bleibt noch aus, 49 und anfängt, seine Mitknechte zu schlagen, und isst und trinkt mit den Betrunkenen, 50 so wird der Herr jenes Knechtes kommen an einem Tag, an dem er es nicht erwartet, und in einer Stunde, die er nicht weiß, 51 und wird ihn entzweischneiden und ihm sein Teil geben mit den Heuchlern: Dort wird das Weinen und das Zähneknirschen sein.

Mt 25,26-30: 26 Sein Herr aber antwortete und sprach zu ihm: Du böser und fauler Knecht! Du wusstest, dass ich ernte, wo ich nicht gesät, und sammle, wo ich nicht ausgestreut habe? 27 So hättest du nun mein Geld den Wechslern geben sollen, und bei meinem Kommen hätte ich das Meine mit Zinsen zurückerhalten. 28 Nehmt nun das Talent von ihm weg und gebt es dem, der die zehn Talente hat; 29 denn jedem, der hat, wird gegeben werden, und er wird Überfluss haben; von dem aber, der nicht hat, von dem wird selbst das, was er hat, weggenommen werden. 30 Und den unnützen Knecht werft hinaus in die äußerste Finsternis: Dort wird das Weinen und das Zähneknirschen sein.

Außerdem finden wir im Neuen Testament in Verbindung mit dem Christentum solche, die sowohl nach außen hin wie in Christi Haus als Diener Christi behandelt werden, obwohl sie gar nicht bekehrt sind (Mt 24,48; 25,26). Wie kamen sie in diese Stellung? Wie kommt es, dass sie als Diener Christi gerichtet werden und dass ihr Werk von Ihm, als von seinen angeblichen Dienern getan, geprüft wird? Dies beweist wiederum, dass es diese äußere Stellung in Verbindung mit dem Namen und der Autorität Christi auf Erden gibt, und zwar unabhängig davon, ob jemand auch neues Leben besitzt. Das zeigt alles auch das Törichte des Wiedertaufens, das man aus dem Grund vornimmt, weil der erste Täufer nicht bekehrt war oder weil die Eltern des Täuflings oder der Täufling selbst nicht gläubig gewesen sind. Wie wir gesehen haben, gilt diese Taufe vor Gott und wenn jemand dann noch tausendmal getauft würde, so ändert dies nichts daran und fügt auch dem zum zweiten Mal Getauften nichts Weiteres hinzu, sondern derjenige, der so wiedertaufen will, nimmt nur den Platz eines Richters ein, der über das Werk eines Mitknechts und so „vor der Zeit“ urteilt und im Grunde genommen sagt, er könne es besser machen. Derselbe Grundsatz lässt sich auf unbekehrte Eltern anwenden, die ihre Kinder taufen lassen. Sie sind samt dem Täufer, wie wir gesehen haben, verantwortlich, da sie dem Bekenntnis nach Christus anerkennen und ihre Kinder unter seine Autorität stellen.

Wir leben in einer Zeit der Verwirrung und des Formenwesens, sind aber berufen, in Wirklichkeit vor Gott und getrennt von allem, was nicht von Ihm ist, zu wandeln, doch sollten wir zugleich die Gedanken der Schrift über diese Dinge kennen, damit wir selbst nicht verwirrt noch irregeleitet werden, um etwa das, was Gott uns geschenkt hat, aufzugeben, weil es von anderen verdreht und missbraucht wird.

Andere wieder sagen: „Nun, Unbekehrte lassen ihre Kinder taufen, und wir dürfen es ihnen nicht nachmachen.“ Ebenso gut könnte man sagen: „Nun, das Mahl des Herrn wird in den verschiedenen religiösen Systemen zum Teil sogar in Verbindung mit groben Irrtümern gefeiert, deshalb wäre es besser, das Mahl des Herrn ganz aufzugeben.“ Nie werden wir über diese Dinge Klarheit bekommen, wenn wir von der Verwirrung rings um uns her auf sie schließen, auch dann nicht, wenn wir uns durch Voraussetzungen und Mutmaßungen aufhalten lassen. Wir haben die Grundsätze und auch die Praxis der Heiligen Schrift, und es ist nur Weisheit unsererseits, wenn wir sie festhalten und befolgen, wie sehr auch sie unseren Gedanken widersprechen mögen.

Errettung durch die Taufe (Mk 16)

Mk 16,16: Wer da glaubt und getauft wird, wird errettet werden; wer aber nicht glaubt, wird verdammt werden.

Ich will nun noch kurz auf einige Stellen eingehen, die oft in Verbindung mit der Taufe angeführt werden. Markus 16,16 ist der Lieblingsvers derjenigen, die die Haushaltstaufe ablehnen. Doch der Vers ist im Gegenteil ein Beweis für sie; denn nach dieser Stelle ist jemand erst dann errettet, nachdem er getauft worden ist, und sie sagen: „Erst Errettung und dann Taufe.“ Tatsache ist jedoch, dass der Herr hier die Errettung in ihrem vollen Umfang betrachtet, sowohl in Bezug auf die Zeit als auch auf die Ewigkeit, wozu zweierlei Dinge erforderlich sind. Das Wesentliche und bei weitem Wichtigste wird zuerst erwähnt, nämlich der Glaube, und das andere ist die Taufe. Es handelt sich hier nicht darum, dass das eine der Zeit nach vor dem anderen kommen muss, sondern beides muss von dem wahr sein, der in dem hier gemeinten Sinn gerettet ist. Wir brauchen wohl kaum zu erwähnen, dass ein Mensch in dem Augenblick für die Herrlichkeit und für den Himmel passend ist, in dem er glaubt und, gleich dem Schächer am Kreuz, kraft des Erlösungswerkes Christi geradewegs in das Paradies gehen kann. Bleibt der Gläubige aber auf der Erde, so ist das eine andere Sache. Auf der Erde gibt es eben diesen Platz, wo Christus dem Bekenntnis nach anerkannt wird und auch der Glaube an Ihn festgestellt wird. Wenn nicht schon vorher geschehen, so sollte ein solcher dann dorthin gebracht werden! Ist er schon dort, so kann er natürlich nicht erst dahin gebracht werden, obwohl er nicht errettet ist, bis er geglaubt hat. Ist er nicht dort, wenn er glaubt, so ist er noch immer nicht errettet hinsichtlich seiner Stellung auf der Erde, bis er getauft ist und so dahin gebracht wird. Ist er ein Familienhaupt, so darf er seine Kinder ebenfalls dorthin bringen, um sie in dem Glauben an Christus zu erziehen. Er kann dann auf Gott zählen, dass Er ihnen auch Leben und Glauben gibt. Wenn Letzterer sich bei ihnen wirksam zeigt, so sind auch sie errettet, da dann beide Dinge, Glaube und Taufe, von ihnen wahr sind. Dies lehrt Markus 16; aber das ist kein Glaube, wenn man sagt: „Ich will erst warten, bis ich weiß, dass meine Kinder göttliches Leben und Glauben haben, und dann taufe ich sie“, obgleich sie dann natürlich getauft werden sollten, wenn sie es vorher nicht sind. Dieser Vers aber steht keineswegs im Widerspruch mit der Haushaltstaufe, wie ja überhaupt niemals ein Teil der Schrift mit dem andern in Widerspruch stehen kann.

Auf wen getauft? (Apg 19)

Apg 19,1-7: 1 Es geschah aber, während Apollos in Korinth war, dass Paulus, nachdem er die oberen Gegenden durchzogen hatte, nach Ephesus hinabkam. Und er fand einige Jünger 2 und sprach zu ihnen: Habt ihr den Heiligen Geist empfangen, nachdem ihr gläubig geworden seid? Sie aber sprachen zu ihm: Wir haben nicht einmal gehört, ob der Heilige Geist da ist. 3 Und er sprach: Worauf seid ihr denn getauft worden? Sie aber sagten: Auf die Taufe des Johannes. 4 Paulus aber sprach: Johannes taufte mit der Taufe der Buße und sagte dem Volk, dass sie an den glauben sollten, der nach ihm käme, das ist an Jesus. 5 Als sie es aber gehört hatten, wurden sie auf den Namen des Herrn Jesus getauft; 6 und als Paulus ihnen die Hände aufgelegt hatte, kam der Heilige Geist auf sie, und sie redeten in Sprachen und weissagten. 7 Es waren aber insgesamt etwa zwölf Männer.

Apostelgeschichte 19 liefert uns einen interessanten und belehrenden Fall. Dort lernen wir, dass die Taufe des Johannes eine Sache der Vergangenheit war und in keiner Beziehung zur christlichen Taufe stand. Diese Jünger des Johannes befanden sich nicht auf christlichem Boden und werden deshalb auf den Namen des Herrn Jesus getauft, denn die Taufe des Johannes war zur Buße und geschah im Blick auf die Anerkennung des Messias auf der Erde.
(Dieser Fall sollte genügen, um zu beweisen, dass jemand erst dann zum Abendmahl des Herrn zugelassen werden sollte, wenn er getauft ist. Aufgrund dessen, dass dieses Mahl der Ausdruck der Gemeinschaft der Gläubigen ist und dass es des Herrn Mahl ist, sollten zumindest nur solche, die auf christlichem Boden und dem Bekenntnis nach unter der Autorität Christi stehen, dort sein, obwohl noch viel mehr als dies notwendig ist, wenn es sich um Teilnahme am Mahl des Herrn handelt.
Dann legt Paulus ihnen die Hände auf und sie empfangen den Heiligen Geist. Beachten wir die Frage, die er im 3. Vers an sie richtet: „Worauf seid ihr denn getauft worden?“ Er nimmt ohne weiteres an, dass sie getauft sind, weil sie eben Jünger sind, denn ohne die Taufe konnten sie es nicht sein. Aber er fragt: „Worauf?“, denn wenn „auf Christus“, so würden sie auf christlichem Boden sein, wo der Heilige Geist wohnt.
(Die Ägypter waren untergetaucht, aber nicht getauft, während die Israeliten getauft, aber nicht untergetaucht worden waren. Die Taufe ist nicht notwendigerweise ein Untertauchen, obwohl dies wahrscheinlich die biblische Weise war.)
Sie werden dann durch die Taufe eingeführt, indem sie auf Christus getauft werden, und darauf empfangen sie den Heiligen Geist.

Ist Besprengung Taufe?

Off 3,1: Und dem Engel der Versammlung in Sardes schreibe: Dieses sagt der, der die sieben Geister Gottes hat und die sieben Sterne: Ich kenne deine Werke, dass du den Namen hast, dass du lebst, und du bist tot.

Ein anderer Punkt, den wir hier erwähnen können, ist der: Ist Besprengung Taufe? Die biblische Art und Weise ist sie, glaube ich, nicht. Doch die Frage ist die: Erkennt sie Gott als Taufe an? Wie wir aus dem Sendschreiben an Sardes sehen, tut Er dies, und wir wissen, dass seit Jahrhunderten der größte Teil der Protestanten durch Besprengen getauft worden ist.
[Anm. der Red.: Der Autor denkt dabei an die Zeit der Kirchengeschichte, von der uns der Brief an Sardes ein besonderes Abbild gibt, der Zeit des Protestantismus im Anschluss an die Reformation.]
Gilt denn dies alles für gar nichts? War es alles nichts in Gottes und Christi Augen? Geschah es nicht im guten Glauben, dass es die Taufe sei? War nicht Israel Jung und Alt in der Wolke und in dem Meer auf Mose getauft? Doch wie viele von ihnen sind unter das Wasser gekommen?
(Die Ägypter waren untergetaucht, aber nicht getauft, während die Israeliten getauft, aber nicht untergetaucht worden waren. Die Taufe ist nicht notwendigerweise ein Untertauchen, obwohl dies wahrscheinlich die biblische Weise war.)
Wie wir gesehen haben, gibt die Schrift keinen Befehl, weder wer noch wie getauft werden soll; nur wissen wir aus der Schrift, dass das Wasser das angewandte Mittel war und dass man in das Wasser hinabstieg, und wir sollten unsererseits an diesem Gebrauch festhalten. Was andere aber betrifft, so gilt das Wort: „Wo kein Gesetz ist, da ist auch keine Übertretung.“ Es wird jemand auf Christus getauft mittels des Wassers, indem man Ihn auf diese Weise anerkennt. Dies geschieht im guten Glauben vor Ihm, und wer sind wir, dass wir es für null und nichtig erklären? Der aus Offenbarung 3 angeführte Beweis sollte genügen, jedes aufrichtige Herz zu überzeugen, denn wir sehen dort, dass Christus jene in Sardes als auf christlichem Boden, das heißt als auf dem Boden der Gemeinde oder Versammlung stehend, anredet, obwohl sie überhaupt kein Leben haben (Off 3,1) und zum größten Teil als Kinder durch die Besprengung getauft worden sind.

Auf wessen Namen getauft? (1Kor 1)

1Kor 1,13-17: 13 Ist der Christus zerteilt? Ist etwa Paulus für euch gekreuzigt, oder seid ihr auf den Namen des Paulus getauft worden? 14 Ich danke Gott, dass ich niemand von euch getauft habe, außer Krispus und Gajus, 15 damit nicht jemand sage, dass ihr auf meinen Namen getauft worden seiet. 16 Ich habe aber auch das Haus des Stephanas getauft; sonst weiß ich nicht, ob ich jemand anders getauft habe. 17 Denn Christus hat mich nicht ausgesandt, zu taufen, sondern das Evangelium zu verkündigen; nicht in Redeweisheit, damit nicht das Kreuz Christi zunichte gemacht werde.

Es bleibt uns nun noch, 1. Korinther 1,13-17 zu betrachten. Hier erhebt Paulus die Frage, auf wessen Namen die Korinther getauft wurden. Nicht etwa auf seinen eigenen. Dies war auch in den Fällen, wo er selbst getauft hatte, nicht geschehen. Doch damit nicht gesagt werde, er taufe auf seinen eigenen Namen, dankt er Gott, dass er überhaupt nur wenige getauft habe, und er fügt hinzu, dass es nicht sein Auftrag sei, zu taufen, sondern das Evangelium zu verkündigen, was ja unendlich wichtiger war. Wären die Korinther von irgendeinem unbekannten Bruder getauft worden, so wäre die Gefahr für ihre fleischliche Gesinnung, den Namen des Täufers zu Parteizwecken zu benutzen oder sich dessen zu rühmen, nicht so groß, wie es der Fall hätte sein können, wenn der Apostel Paulus sie getauft hätte. Doch wir finden hier noch eine andere Sache. Neben zwei mit Namen erwähnten Gläubigen hat er noch das Haus des Stephanas getauft, und auf diesen Fall nimmt er Bezug in einer Weise, die ihn von den beiden anderen zu unterscheiden scheint. Wir finden das „Haus des Stephanas“ im 16. Kapitel wieder, wo jedoch ein anderes griechisches Wort als im 1. Kapitel angewandt wird, und zwar dasselbe, das wir in Apostelgeschichte 16 benutzt finden und das in der Schrift, wenn es auf Personen angewandt wird, gewöhnlich, wenn nicht immer, Familie oder Nachkommenschaft bedeutet. Ob alle oder überhaupt welche von dem Haus des Stephanas bekehrt waren, als Paulus sie taufte, wird uns nicht gesagt, und was uns das 16. Kapitel berichtet, verbietet durchaus nicht den Gedanken, dass Kinder da waren und dass sie ebenfalls getauft wurden.

Was bedeutet es, die Taufe geringzuschätzen?

2Mo 4,24-26: 24 Und es geschah unterwegs, in der Herberge, da fiel der Herr ihn an und suchte ihn zu töten. 25 Da nahm Zippora einen scharfen Stein und schnitt die Vorhaut ihres Sohnes ab und warf sie an seine Füße und sprach: Ein Blutbräutigam bist du mir! 26 Da ließ er von ihm ab. Damals sagte sie „Blutbräutigam“ der Beschneidung wegen.

Ich will nun kurz auf einige Stellen eingehen, die zwar nicht auf die Taufe anspielen, wohl aber die Grundsätze beleuchten, die mit der Taufe des Hauses des Gläubigen in Verbindung stehen und ihre Wichtigkeit ans Licht stellen, denn es gibt ja Christen, die da meinen, es sei nicht von Wichtigkeit, wann jemand getauft oder ob er überhaupt getauft wird. Solche können sich glücklich preisen, dass sie nicht unter Gesetz, sondern unter Gnade sind, doch dadurch wird Gleichgültigkeit und Nachlässigkeit nicht entschuldigt. Wie oft hört man, dass Gläubige schon eine Zeitlang am Mahl des Herrn teilnehmen und sich dann taufen lassen, wenn sie es für gut finden! Andere wieder müssen warten, bis irgendein großer Taufakt veranstaltet werden kann, da sie der Ansicht sind, dass die Taufe ein öffentliches Bekenntnis davon ist, dass man mit Christus gestorben und auferstanden sei! Wohl sind wir unter Gnade und zur Freiheit berufen. Aber unsere Freiheit besteht darin, den Willen Gottes zu tun, seine Gedanken zu verstehen und für uns und unsere Häuser sowohl in Bezug auf die Taufe als auch in allen Dingen nach dem Grundsatz des Glaubens zu handeln.

Die erste Stelle, die ich als Beispiel anführen möchte, finden wir in 2. Mose 4,24. Das, was Mose auf seinem Weg nach Ägypten widerfuhr, beweist, wie wichtig es ist, das, was Gott gegeben hat, anzuerkennen, und es zeigt zugleich, welcher Unterschied zwischen seinen Gnadenratschlüssen und seinen Regierungswegen besteht. Kurz vorher war Mose in der Gegenwart des HERRN gewesen, der ihm mitteilte, was Er mit Israel vorhatte, und jetzt sucht Er Mose zu töten, weil Mose, augenscheinlich durch seine Frau beeinflusst, versäumt hatte, sein Kind zu beschneiden; aber Mose war für sein Haus verantwortlich und Gott übersah nicht diese Geringschätzung seiner Verordnung. Mose muss an seinem eigenen Haus diese bedeutungsvolle Handlung vollziehen, die dem Abraham gerade in Verbindung mit der Sache gegeben wurde, um derentwillen Mose nach Ägypten gesandt wurde, nämlich der Segnung des Samens Abrahams in Ägypten. Die Beschneidung war das Zeichen des Bundes zwischen Gott und Abraham, und das unbeschnittene Kind sollte „ausgerottet werden“ (s. 1Mo 17,14). Das Versäumnis der Beschneidung war deshalb sowohl für das Kind als auch für seinen Vater eine sehr ernste Sache, und doch gibt es Christen, die heute fragen: „Was macht es aus, ob ein kleines Kind getauft ist oder nicht?“ Wieder andere behaupten, dass das Kind gläubiger Eltern schon durch die Geburt in alle Vorrechte des Christentums eingeführt wird. Sie führen 1. Korinther 7 an: „Nun sind sie heilig.“ So auch war das israelitische Kind heilig, das heißt relativ oder der Stellung nach schon durch die Geburt. Wenn aber seine Eltern es unterließen, es zu beschneiden, was nützen dann seine Vorteile und Vorrechte? Es musste „ausgerottet“ werden.

Glaube zum Segen für andere

Mt 9,1-6: 1 Und er stieg in ein Schiff, setzte über und kam in seine eigene Stadt. 2 Und siehe, sie brachten einen Gelähmten zu ihm, der auf einem Bett lag; und als Jesus ihren Glauben sah, sprach er zu dem Gelähmten: Sei guten Mutes, Kind, deine Sünden werden vergeben. 3 Und siehe, einige von den Schriftgelehrten sprachen bei sich selbst: Dieser lästert. 4 Und als Jesus ihre Gedanken sah, sprach er: Warum denkt ihr Böses in euren Herzen? 5 Denn was ist leichter, zu sagen: Deine Sünden werden vergeben, oder zu sagen: Steh auf und geh umher? 6 Damit ihr aber wisst, dass der Sohn des Menschen Gewalt hat, auf der Erde Sünden zu vergeben –. Dann sagt er zu dem Gelähmten: Steh auf, nimm dein Bett auf und geh in dein Haus.

Apg 3,1-16: 1 Petrus aber und Johannes gingen hinauf in den Tempel um die Stunde des Gebets, die neunte. 2 Und ein gewisser Mann, der von seiner Mutter Leib an lahm war, wurde getragen, den sie täglich an die Pforte des Tempels setzten … Petrus aber sprach: Silber und Gold habe ich nicht; was ich aber habe, das gebe ich dir: In dem Namen Jesu Christi, des Nazaräers, steh auf und geh umher! 7 Und er ergriff ihn bei der rechten Hand und richtete ihn auf … 16 Und durch den Glauben an seinen Namen hat sein Name diesen, den ihr seht und kennt, stark gemacht; und der Glaube, der durch ihn ist, hat ihm vor euch allen diese vollkommene Gesundheit gegeben.

Wir haben auch in derselben Weise mit den Regierungswegen Gottes verbundene Beispiele in der Schrift, die uns zeigen, wie der Glaube des einen Segnung für den anderen in sich birgt, und diese Beispiele stellen uns Grundsätze vor, die sich auf die Taufe des Hauses eines Gläubigen anwenden lassen. Der erste Teil von Matthäus 9 berichtet uns zum Beispiel von einem Gelähmten, der durch die Glaubenshandlung anderer Vergebung in Verbindung mit den Regierungswegen Gottes erhielt, so dass er als eine Folge davon die völlige körperliche Gesundheit empfing. Es heißt dort: „Als Jesus ihren Glauben sah …“ Ihre Handlung war es, die den Glauben offenbarte, der in ihnen war, und der Gelähmte wurde geheilt. Ein anderer Fall ist Apostelgeschichte 3, wo der Lahme durch Petrus geheilt wird. Der 16. Vers erklärt uns, wie sich dies zutrug. Da heißt es: „Durch den Glauben an seinen Namen hat sein Name diesen, der ihr seht und kennt, stark gemacht …“ Bei wem war der „Glaube an seinen Namen“? Nicht in dem Mann, sondern in Petrus. Es mag sein, dass auch dieser nachher geglaubt hat, doch wird dies nicht direkt gesagt. Sicher ist jedoch, dass dessen Glaube nicht der Grund seiner Heilung war. Es ist Christi Name, und der Glaube an diesen Namen aufseiten des Petrus und die Segnung, die empfangen wurde, bezog sich auf die Wege der Regierung Gottes. Administrative Vergebung (für diese Zeitverwaltung gültig), wie die in Matthäus 9 erwähnte, beruht auf demselben Grundsatz (s. auch Jak 5,15).

Während wir einerseits mit fester Hand die gesegnete Wahrheit der unumschränkten Gnade und erwählenden Liebe Gottes festhalten, wie sie dargestellt sind in seinem Tun uns gegenüber, die wir keinen Anspruch darauf hatten, so müssen wir auch andererseits die Grundsätze seiner Regierung dieser Welt anerkennen, wie sie in seinen Wegen in der Vergangenheit offenbart und in der Heiligen Schrift zu unserer Belehrung berichtet sind. Während wir uns also seiner Gnade, der Quelle unseres ganzen Glückes, erfreuen, sollten wir auch diese seine Regierung anerkennen, bis wir jene Herrlichkeit sehen und teilen, die das gesegnete Ende seiner ganzen Wege in Gnade und in der Regierung ist.


Originaltitel: What Baptism Is, and Who Should Be Baptised
[Hinweis: Der Artikel stammt wahrscheinlich aus den 1890er Jahren. Er wurde 1915 ins Deutsche übersetzt und vom Verlag Max Staude, Schmölln, herausgegeben. Der Text wurde teilweise von SoundWords leicht bearbeitet und an die gültige Rechtschreibung angepasst. Zwischenüberschriften und eingefügte Bibelverse stammen ebenfalls von SoundWords.]

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