Eine illustre Geschichte (1)
Ruth 1–2

Arthur E. Goodwin

© SoundWords, online seit: 01.01.2001, aktualisiert: 11.01.2021

Leitverse: Ruth 1–2

Wir alle lieben gute Geschichten und manche auch gute Märchen. Wir wollen uns hier aber nicht mit einem Märchen beschäftigen und auch nicht allein mit einer guten Geschichte, sondern mit einer wahren Geschichte. Eine Geschichte zweier vornehmer Menschen, der eine vornehm in Bezug auf seine Stellung und die andere, obwohl arm und hoffnungslos, vornehm und vorbildlich in ihrem Verhalten. Zwei Menschen, die Gott lieben und darüber auch sich lieben lernen. Eine Geschichte, die mit einem Tiefpunkt beginnt, nämlich mit einer Hungersnot, und mit einem Höhepunkt endet, nämlich einer Hochzeit und mit der Geburt eines Sohnes. Und nicht allein das, sondern sie endet mit einem König, der der Vorfahre des Herrn Jesus Christus und sogar ein Vorbild auf den Herrn Jesus wurde – mit David.

Ein verhängnisvoller Schritt zurück

Die Geschichte, von der wir sprechen, fand statt in den Tagen der Richter Israels, von denen wir im Buch Richter 21 lesen, dass „in diesen Tagen kein König war in Israel“ und dass ein jeder tat, „was recht war in seinen eigenen Augen“. In diesem Land wohnten Elimelech und seine Frau Noomi mit ihren zwei Kindern, zwei Söhnen: Machlon und Kiljon. Auch lesen wir, dass Gott eine große Hungersnot in der Stadt dieser unglücklichen Familie zugelassen hatte, so dass auch Elimelech mit seiner Familie das von Gott gegebenen Erbteil, nämlich in Bethlehem (übersetzt Brothaus!), verließ und nach Moab, einem von Gott verfluchten Volk ging. Er tat halt, was alle taten, nämlich was recht war in seinen eigenen Augen. Arme Familie Elimelech! Diese Familie beugte sich dem allgemeinen Zeitgeist und dem Druck von außen. Doch sehen wir dann, wie Noomi zuerst ihren Mann verliert und kurze Zeit später auch noch ihre beiden Söhne. Sie verlor alles, was sie hatte und blieb zurück mit zwei moabitischen Schwiegertöchtern, von denen es heißt: „Es soll kein … Moabiter in die Versammlung des HERRN kommen; auch das zehnte Geschlecht von ihnen soll nicht in die Versammlung des HERRN kommen ewiglich“ (5Mo 23,3). Sie war ohne Auskommen und ohne Erbteil in ihrem Land (Israel), so dass sie selbst von sich sagen musste: „Nennt mich nicht Noomi, nennt mich Mara (bitter), denn der Allmächtige hat es mir bitter gemacht.“ Dies war der verhängnisvolle Schritt zurück und der Beginn einer Geschichte, die einen so völlig unerwarteten Verlauf nehmen sollte, dass wir überrascht werden und staunen über die Güte und Barmherzigkeit Gottes.

Das Buch Ruth erzählt uns nun, was das Ergebnis dieses für Elimelech so verhängnisvollen Schrittes war; es ist ein entzückendes kleines Buch, voll von Abenteuer, Charme, Liebe, Romantik, und es ist, mehr als alles andere, ein geistliches Buch. Die zwei Hauptpersonen heiraten und gründen eine Familie, und es besteht kein Zweifel: Es war eine gesegnete Familie. Wir hören kaum etwas über das Familienleben, aber wir hören viel von den beiden Hauptpersonen Ruth und Boas, und das ist es, was wir uns jetzt näher ansehen möchten. Im ersten Teil werden wir uns mit Ruth beschäftigen und in einem weiteren Teil mit Boas.

Wer war Ruth?

Wie wir schon bemerkten, war das Leben der Familie Elimelechs nicht sehr glücklich, und wir sahen, dass Elimelech, wie auch seine beiden Söhne, nachdem sie geheiratet hatten, in Moab verstarben. Unglückliche Noomi! Aber auch Noomi war nicht wenig schuld an der ganzen Situation, denn wir vermissen, dass sie ihrem Mann in dieser Zeit widersprochen hatte, nach Moab zu ziehen.

Ruth war eine Moabiterin, sie war die Frau Machlons, des Sohnes Elimelechs, und ziemlich schnell ein Witwe. Unglückliche Ruth! Trotzdem, aus dem, was wir über Ruth erfahren, können wir schlussfolgern, dass sie ein zärtliches und liebevolles Wesen hatte und dass sie ihre Schwiegermutter von Herzen liebte. Als Noomi sich aufmachen wollte, um in ihr Vaterland zurückzukehren, da sagte Ruth: „Dringe nicht in mich, dich zu verlassen, hinter dir weg umzukehren; denn wohin du gehst, will ich gehen“ (Rt 1,16). Erinnert sie uns nicht an jene Frau in Lukas 7, die kam, während der Herr Jesus in dem Haus des Simons war, und die nicht aufhörte, die Füße des Herrn zu waschen, zu küssen und zu salben? Der Herr Jesus gab ihr das schöne Zeugnis: „Sie hat viel geliebt“ (Lk 7,47). Ich denke, sie war wie Ruth. Ruth liebte viel und war damit zufrieden, mit ihrer Schwiegermutter arm zu sein, unterworfen zu sein und ihre Träume von einem glücklichen und sorglosen Leben zu begraben. Sie war bereit, ihrer Schwiegermutter bedingungslos zu folgen. Wir lesen von Ruth, dass sie zu Noomi sagt: „Dein Volk ist mein Volk, und dein Gott ist mein Gott; wo du stirbst, will ich sterben, und daselbst will ich begraben werden. So soll mir der HERR tun und so hinzufügen, nur der Tod soll scheiden zwischen mir und dir!“ In diesem folgte sie sicherlich nicht dem Geist ihrer Landsleute, von denen wir lesen in Jesaja 16,6: „Wir haben vernommen den Hochmut Moabs, des sehr hochmütigen, seine Hoffart …“

Eine weitere positive Eigenschaft Ruths war, dass sie fleißig war. Wir lesen in Ruth 2,7 das Zeugnis eines Mannes, der ihre Arbeit beobachtete und er sagte: „Und so ist sie gekommen und dageblieben vom Morgen an bis jetzt.“ Nicht allein aber das, sie war auch ausdauernd. In Ruth 2,23 lesen wir, dass sie Ähren auflas bis zum Ende der Gersten- und Weizenernte. Das war der Charakter Ruths.

Die Entschlossenheit Ruths

Wir lesen im ersten Kapitel, wie Noomi sich aufmacht, um nach Bethlehem zurückzukehren, und dass sie ihre Schwiegertöchter mitnimmt. Da Noomi um ihre beiden Schwiegertöchter sehr besorgt war und zutiefst empfindet, „dass die Hand des Herrn wider sie ausgegangen ist“ (Rt 1,13b), möchte sie ihren beiden Schwiegertöchtern – Ruth und Orpa – diese Armut und den Verzicht, je wieder heiraten zu können, ersparen. Aber wie so oft in dem Leben von Menschen, so bleibt wahr, was in Sprüche 16,9 steht: „Das Herz des Menschen erdenkt seinen Weg, aber der HERR lenkt seine Schritte.“ So auch hier! Als die drei Frauen sich beweinten und alle den tiefen Schmerz des Abschieds verspürten, offenbarten sich die wirklichen Zuneigungen und Beweggründe. Und obwohl auch Orpa der Abschied schwerfiel, so ging sie doch nach Moab zurück. Nicht so Ruth. Sie bringt es nicht über das Herz, ihre Schwiegermutter zu verlassen, sie wollte lieber mit ihrer Schwiegermutter leiden, als in Moab ihr vermeintliches Glück zu finden. Was muss Noomi ihrer Schwiegertochter doch alles von dem großen Gott Israels erzählt haben, dass sie sogar spricht: „Dein Volk ist mein Volk und dein Gott ist mein Gott; wo du stirbst, will ich sterben, und daselbst will ich begraben werden“?

Aber wollen wir uns nicht auch fragen, was unsere wahren Beweggründe sind? Lieben wir das Volk Gottes (alle wahren Gläubigen!), lieben wir Gott? Sind wir bereit, wenn es sein muss, in Armut und Niedrigkeit zu sterben? Welch ein großartiges Vorbild ist die Moabiterin Ruth doch für uns. Fragen wir uns, ob nicht auch bei uns oft ein Verlangen nach den Dingen dieser Welt ist, dass man zum Beispiel mehr darauf bedacht ist, auf der Karriereleiter aufzusteigen, oder dass wir uns bei der Wahl des Ehepartners auf rein äußerliche Dinge konzentrieren. Orpa war nicht bereit! Ob wir wohl bereit sind, wenn der Prüfung mit uns geschieht, den Weg Gottes zu gehen, auch wenn es ein einsamer, scheinbar armer und verlassener Weg ist? Wie viele haben das nicht geschafft und haben heute ihren Platz in dieser Welt oder haben das Christentum gänzlich aufgegeben oder fühlen sich wohl und ruhen sich darauf aus, dabei zu sein. Ruth tat, was in Sprüche 23,26 steht: „Gib mir, mein Sohn, dein Herz, und lass deine Augen Gefallen haben an meinen Wegen!“

Im weiteren Verlauf werden wir sehen, dass die Selbstverleugnung Ruths ihr ein neues Leben schenkte, während wir von Orpa nichts mehr hören und der Klang ihres Namens im Nichts dieser Welt verhallte. Nicht allein dass ein neues Leben für Ruth beginnen sollte, sondern sie wurde auch gewürdigt, (als Moabiterin!) im Geschlechtsregister von Jesus Christus, dem Heiland der Welt, aufgenommen zu werden. Das ist die Gnade und Barmherzigkeit Gottes. Dabei heißt es von den Moabitern: „Es soll kein … Moabiter in die Versammlung des HERRN kommen; auch das zehnte Geschlecht von ihnen soll nicht in die Versammlung des HERRN kommen ewiglich“ (5Mo 23,3).

Ruth, die Ährenleserin

Ins Land Bethlehem zurückgekehrt, sehen wir einen weiteren liebevollen Charakterzug der Ruth: Sie spürt die Verantwortung, für ihre Schwiegermutter zu sorgen, und so lesen wir, dass Ruth in Kapitel 2 viermal die Ährenleserin genannt wird und dass sie fleißig bei der Arbeit war: „Was sie im Hause gesessen hat, ist wenig.“ Sie investierte viel Energie und betrieb den größtmöglichen Aufwand, um sich die Dinge des Landes, die Gott wieder neu schenkte, zu eigen zu machen – und noch mehr: um auch für andere zu sorgen, weiterzugeben.

Ist dies nicht auch ein hervorragendes Vorbild für uns, wo wir doch „gesegnet sind mit jeder geistlichen Segnung in den himmlischen Örtern“? Sollten wir nicht auch Energie und den größtmöglichen Aufwand betreiben, um uns diese Dinge zu eigen zu machen und wenn möglich, auch davon auszuteilen und weiterzugeben? Wir wollen mehr dieser Ruth gleichen, von der es heißt: „Was sie im Haus gesessen hat, ist wenig.“ Wir sind auf dem falschen Weg, wenn wir meinen, dass uns die „gebratenen Tauben“ in den Mund fliegen. Es ist ein Grundsatz der Heiligen Schrift, dass Segnungen immer mit Aufwand und geistlicher Energie verbunden werden, wenn auch der barmherzige Gott uns manchmal bestimmte Dinge vor die Füße legt, damit wir Geschmack und Freude an den geistlichen Dingen bekommen.

Wir wollen beachten, dass Ruth die Ähren nicht allein nur sammelte, sondern auch ausschlug, was sie zuvor sammelte. Ruth holte den eigentlichen Wert aus diesen Ähren heraus. Auch wir sollten die geistlichen Energie aufbringen, den eigentlichen Wert aus dem Worte Gottes hervorzubringen und nicht allein gewohnheitsmäßig das Wort Gottes zu lesen, obwohl auch dies nicht ohne Einfluss bleiben wird.

Und so sollte es auch bei uns sein. Lies das Wort Gottes, aber nicht allein in einem oberflächlichen Geist. Meditiere darüber. Schlage es aus! Dringe hinein. Es ist die beste Nahrung für unsere Seelen. Du wirst finden, dass ein Vers der Schrift immer erfrischend ist, wie gewöhnlich er auch sein mag, es kann dein Herz erheben.

Nächster Teil


Originaltitel: „Bible Families: Boaz and Ruth“;
nach einem Radiovortrag von Truth for Today vom 28.11.1999
teilweise etwas freier übersetzt

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