Bevor wir über Auslegungsregeln sprechen, müssen wir bedenken, dass es aufseiten des Bibellesers geistliche Voraussetzungen gibt, damit er die Bibel richtig verstehen kann. Es ist wichtig, die Auslegungsregeln konsequent anzuwenden. Wir dürfen jedoch nicht denken, dass Bibelauslegung etwas rein Technisches sei, bei dem man nur die richtigen Auslegungsregeln anwenden müsse, um stets „automatisch“ zur richtigen Auslegung zu gelangen. Nein, die Bibel ist anders als jedes andere Buch. Sie ist Gottes Wort. Wir sind von Gott abhängig, dass Er uns sein Wort aufschließt. Die Bibel nennt dafür eine Reihe von Voraussetzungen:
- Die erste ist, dass der Bibelleser von neuem geboren sein und den Heiligen Geist besitzen muss (Joh 3,3.5; 16,13 „(3:3) Jesus antwortete und sprach zu ihm: Wahrlich, wahrlich, ich sage dir: Wenn jemand nicht von neuem geboren wird, so kann er das Reich Gottes nicht sehen.“ „(3:5) Jesus antwortete: Wahrlich, wahrlich, ich sage dir: Wenn jemand nicht aus Wasser und Geist geboren wird, so kann er nicht in das Reich Gottes eingehen.“ „(16:13) Wenn aber jener, der Geist der Wahrheit, gekommen ist, wird er euch in die ganze Wahrheit leiten; denn er wird nicht von sich selbst aus reden, sondern was er hören wird, wird er reden, und das Kommende wird er euch verkündigen.“; 1Kor 2,14 „Der natürliche Mensch aber nimmt nicht an, was des Geistes Gottes ist, denn es ist ihm Torheit, und er kann es nicht erkennen, weil es geistlich beurteilt wird;“; 1Joh 2,20 „Und ihr habt die Salbung von dem Heiligen und wisst alles.“).
- Das allein genügt jedoch nicht: Wir müssen auch eine geistliche Gesinnung haben (1Kor 2,15; 3,1-3 „(2:15) der geistliche aber beurteilt alles, er selbst aber wird von niemand beurteilt;“ „(3:1) Und ich, Brüder, konnte nicht zu euch reden als zu Geistlichen, sondern als zu Fleischlichen, als zu Unmündigen in Christus. (3:2) Ich habe euch Milch zu trinken gegeben, nicht Speise; denn ihr vermochtet es noch nicht, aber ihr vermögt es auch jetzt noch nicht, (3:3) denn ihr seid noch fleischlich. Denn da Neid und Streit unter euch ist, seid ihr nicht fleischlich und wandelt nach Menschenweise?“; Jak 1,21 „Deshalb legt ab alle Unsauberkeit und alles Überfließen von Schlechtigkeit, und nehmt mit Sanftmut das eingepflanzte Wort auf, das eure Seelen zu erretten vermag.“).
- Zwischen Gott und uns dürfen keine Sünden stehen, die wir Ihm noch nicht bekannt haben (1Joh 1,9 „Wenn wir unsere Sünden bekennen, so ist er treu und gerecht, dass er uns die Sünden vergibt und uns reinigt von aller Ungerechtigkeit.“), denn Sünde, die wir in unserem Leben dulden, macht ein fortschreitendes Bibelverständnis unmöglich (1Kor 3,1-3 „(1) Und ich, Brüder, konnte nicht zu euch reden als zu Geistlichen, sondern als zu Fleischlichen, als zu Unmündigen in Christus. (2) Ich habe euch Milch zu trinken gegeben, nicht Speise; denn ihr vermochtet es noch nicht, aber ihr vermögt es auch jetzt noch nicht, (3) denn ihr seid noch fleischlich. Denn da Neid und Streit unter euch ist, seid ihr nicht fleischlich und wandelt nach Menschenweise?“).
- Wir müssen die Bibel mit einem gehorsamen Herzen lesen und bereit sein, den erkannten Willen Gottes zu tun – nur dann wird Gott uns seine Wahrheit offenbaren (Joh 7,17 „Wenn jemand seinen Willen tun will, so wird er von der Lehre wissen, ob sie aus Gott ist oder ob ich von mir selbst aus rede.“). Gott offenbart sein Wort denen, die Ihn fürchten (Ps 25,14 „Das Geheimnis des HERRN ist für die, die ihn fürchten, und sein Bund, um ihnen denselben kundzutun.“; Spr 1,7 „Die Furcht des HERRN ist der Anfang der Erkenntnis; die Narren verachten Weisheit und Unterweisung.“; Jes 66,2 „Hat doch meine Hand dies alles gemacht, und dies alles ist geworden, spricht der HERR. Aber auf diesen will ich blicken: auf den Elenden und den, der zerschlagenen Geistes ist und der da zittert vor meinem Wort.“).
- Wir müssen mit Demut an Gottes Wort herangehen und immer bereit sein, unsere eigenen Gedanken von Gott korrigieren zu lassen. Gott offenbart sein Wort den Unmündigen, nicht denen, die sich für weise und verständig halten (Mt 11,25 „Zu jener Zeit hob Jesus an und sprach: Ich preise dich, Vater, Herr des Himmels und der Erde, dass du dies vor Weisen und Verständigen verborgen und es Unmündigen offenbart hast.“).
- Wir müssen das Wort betend lesen (Ps 119,18 „Öffne meine Augen, damit ich Wunder schaue in deinem Gesetz!“). Da nur Gott uns durch seinen Geist Licht über sein Wort geben kann (Lk 24,32.45 „Und sie sprachen zueinander: Brannte nicht unser Herz in uns, als er auf dem Weg zu uns redete und als er uns die Schriften öffnete?“ „Dann öffnete er ihnen das Verständnis, die Schriften zu verstehen,“; Joh 16,13 „Wenn aber jener, der Geist der Wahrheit, gekommen ist, wird er euch in die ganze Wahrheit leiten; denn er wird nicht von sich selbst aus reden, sondern was er hören wird, wird er reden, und das Kommende wird er euch verkündigen.“; Eph 1,18 „damit ihr, erleuchtet an den Augen eures Herzens, wisst, welches die Hoffnung seiner Berufung ist, welches der Reichtum der Herrlichkeit seines Erbes in den Heiligen“), müssen wir Ihn ernstlich darum bitten, dass Er es tut. Wir haben nichts, weil wir nicht bitten (Jak 4,2 „Ihr begehrt und habt nichts; ihr mordet und neidet und könnt nichts erlangen; ihr streitet und führt Krieg; ihr habt nichts, weil ihr nicht bittet;“). Das inbrünstige Gebet eines Gerechten vermag viel (Jak 5,16 „Bekennt nun einander die Sünden und betet füreinander, damit ihr geheilt werdet; das inbrünstige Gebet eines Gerechten vermag viel.“).
- Wir müssen außerdem ein tiefes Verlangen haben, Gottes Wort zu verstehen – Gott will auf das Verlangen unseres Herzens antworten (Spr 2,1-6; Ps 37,4 „und ergötze dich an dem HERRN: So wird er dir geben die Bitten deines Herzens.“).
- Schließlich müssen wir gerne von der Erkenntnis anderer lernen (Ps 119,130 „Die Eröffnung deiner Worte erleuchtet, gibt Einsicht den Einfältigen.“; Apg 8,30-31 „(30) Philippus aber lief hinzu und hörte ihn den Propheten Jesaja lesen und sprach: Verstehst du auch, was du liest? (31) Er aber sprach: Wie könnte ich denn, wenn mich nicht jemand anleitet? Und er bat Philippus, aufzusteigen und sich zu ihm zu setzen.“; 1Kor 12,28 „Und Gott hat einige in der Versammlung gesetzt: erstens Apostel, zweitens Propheten, drittens Lehrer, dann Wunderkräfte, dann Gnadengaben der Heilungen, Hilfeleistungen, Regierungen, Arten von Sprachen.“; Eph 4,11-16). Ganz alleine kann kein Christ das Wort Gottes in der Tiefe verstehen.
Zuerst erschienen auf Biblische Lehre


