Was ist Bekehrung? (3)
Echte Bekehrung

Charles Henry Mackintosh

© SoundWords, online seit: 09.09.2016, aktualisiert: 03.12.2016

Manche Bekehrung ist nicht echt

Bis hierher haben wir die unvermeidliche, absolute Notwendigkeit einer Bekehrung gesehen und in gewissem Maß versucht herauszustellen, was Bekehrung nicht ist; nun müssen wir herausfinden, was sie ist. Dabei müssen wir nahe an den wahrhaftigen Lehren der Heiligen Schrift bleiben. Wir können nicht mehr und nicht weniger davon akzeptieren.

Es ist sehr zu befürchten, dass vieles, was in der heutigen Zeit als Bekehrung gilt, überhaupt keine Bekehrung ist. Es werden viele Fälle von Bekehrung an die Öffentlichkeit getragen und dort besprochen, die einem Test anhand des Wortes Gottes nicht standhalten können. Viele geben vor, bekehrt zu sein, und sind als solche anerkannt, beweisen aber doch, dass sie lediglich Hörer mit steinigem Herzensboden sind. Da ist kein Tiefgang in der geistlichen Arbeit des Herzens, keine wirkliche Auswirkung der Wahrheit Gottes auf das Gewissen, kein vollständiger Bruch mit der Welt. Es kann sein, dass die Gefühle von menschlichen Einflüssen geprägt sind und bestimmte evangelische Meinungen Besitz von den Gedanken ergreifen; aber das Ich wird nicht gerichtet; da ist ein Festklammern an Erde und Natur, ein Mangel an dieser tiefgreifenden Ernsthaftigkeit und ehrlichen Wirklichkeit, die so kennzeichnend sind für die im Neuen Testament festgehaltenen Bekehrungen und die wir überall da suchen können, wo die Bekehrung ein göttliches Werk ist.

Wollen wir unbedingt Ergebnisse bei unserer Evangelisation sehen?

Wir versuchen hier nicht, jeden einzelnen dieser oberflächlichen Fälle zu untersuchen; wir beziehen uns lediglich auf sie, damit alle, die sich mit der gesegneten Arbeit der Evangelisation befassen, dahin geführt werden, dieses Thema im Licht der Schrift zu bedenken und sehen, inwieweit ihre eigene Arbeit unter Umständen heiliger Korrektur bedarf. Möglicherweise ist da zu viel rein menschliches Wesen in unserer Arbeit. Wir lassen den Geist Gottes nicht wirken. Es mangelt uns, in Bezug auf die Kraft und Wirksamkeit der einfachen Arbeit Christi, an Glauben. Möglicherweise gibt es viel zu viele Bestrebungen, an den Gefühlen zu arbeiten, zu viel Emotionales und Spektakuläres. Vielleicht sind wir in unserem Verlangen danach, Ergebnisse zu erzielen – ein Verlangen, was an sich richtig sein mag –, zu bereit, viele Fälle von Bekehrung anzuerkennen und bekanntzumachen, die leider nur kurzlebig sind.

Kein Aufzählen unserer Fälle von Bekehrung!

All das verlangt unsere ernste Aufmerksamkeit. Es ist von größtmöglicher Wichtigkeit, dass wir dem Geist Gottes erlauben zu arbeiten und die Früchte des Geistes hervorzubringen – was er mit Sicherheit will. Alles, was er tut, ist gut und es wird zur gegebenen Zeit für sich selbst sprechen. Es gibt keine Notwendigkeit, unsere Fälle von Bekehrung öffentlich leuchten zu lassen. Alles das, was wirklich göttlich ist, wird zum Preise dessen erstrahlen, dem jedes Lob gebührt; dann wird der Arbeiter seine eigene tiefe und heilige Freude haben. Er wird die Ergebnisse seiner Arbeit sehen und an sie anbetend und in hingebungsvoller Ehrerbietung zu Füßen seines Meisters denken. Das ist der einzige sichere und frohe Platz, um an sie zu denken.

Wird das unsere Ernsthaftigkeit verringern? Das ganze Gegenteil; es wird unsere Ernsthaftigkeit drastisch intensivieren. Wir werden im geheimen Flehen zu Gott und im öffentlichen Beten mit unseren Mitgeschwistern ernster werden.

Wir werden die göttliche Ernsthaftigkeit der Arbeit und unsere eigene vollkommene Unzulänglichkeit tiefer verstehen. Wir werden den wohltuenden Grundsatz, dass die Arbeit vom Ersten bis zum Letzten von Gott kommen muss, immer wertschätzen. Das wird uns an unserem richtigen Platz halten, dem Platz der selbstentleerten Abhängigkeit von Gott, der derjenige ist, der alle Arbeiten vollbringt, die auf der Erde getan werden. Wir werden im Blick auf das großartige Werk der Bekehrung vor dem Gnadenthron mehr auf unserem Angesicht liegen, sowohl im Kämmerlein als auch in der Versammlung. Und dann, wenn die goldenen Garben und die reifen Trauben erscheinen, wenn Fälle von Bekehrungen auftauchen – Fälle, die für sich selbst sprechen und ihre Empfehlungsschreiben an sich tragen, hin zu denen, die befähigt sind, sie zu beurteilen –, dann werden unsere Herzen wahrlich mit Lob für den Gott aller Gnade erfüllt werden, der den Namen seines Sohnes Jesus Christus in der Errettung kostbarer Seelen großgemacht hat.

Wie viel besser ist das, als wenn unsere Herzen durch das Aufrechnen unserer Fälle von Bekehrung in Stolz und Selbstzufriedenheit aufgeblasen sind. Wie viel besser, sicherer und frohmachender vor dem Thron in Anbetung gebeugt zu werden, als bis an die Enden der Erde als großer Prediger und wundervoller Evangelist gepriesen zu werden. In der Beurteilung eines wirklich geistlichen Menschen ist das unvergleichlich besser. Die Würde, die Echtheit und Ernsthaftigkeit der Arbeit wird bemerkt werden; die Freudigkeit, die moralische Sicherheit und die wirkliche Brauchbarkeit des Arbeiters wird herausgestellt, so wie die Ehre Gottes gesichert und beibehalten wird.

Aber was ist denn Bekehrung?

Was haber ist Bekehrung?, höre ich meine Leser fragen. Wenden wir uns zu 1. Thessalonicher 1, da werden wir eine erschöpfende Beantwortung dieser Frage finden. Der Brief beginnt mit den Worten:

1Thes 1,1-4: Paulus und Silvanus und Timotheus der Versammlung der Thessalonicher in Gott, dem Vater, und dem Herrn Jesus Christus: Gnade euch und Friede! Wir danken Gott allezeit für euch alle, indem wir euch erwähnen in unseren Gebeten, unablässig gedenkend eures Werkes des Glaubens und der Bemühung der Liebe und des Ausharrens der Hoffnung auf unsern Herrn Jesus Christus, vor unserem Gott und Vater, wissend, von Gott geliebte Brüder, eure Auserwählung.

Wie konnte Paulus die Auserwählung der Thessalonicher wissen? Durch die klaren und unzweideutigen Beweise, die sie in ihrem praktischen Leben geliefert hatten. Das ist der einzige Weg, auf dem die Auserwählung eines Menschen erkannt werden kann. „Denn unser Evangelium war nicht bei euch im Wort allein, sondern auch in Kraft und im Heiligen Geist und in großer Gewissheit, wie ihr wisst, was wir unter euch waren um euretwillen“ (1Thes 1,5).

Angesprochen durch die Kraft des Geistes

Der Apostel war in seinem täglichen Leben gleichsam der Ausdruck des Evangeliums, das er predigte. Er hatte nichts von ihnen gefordert. Er war ihnen nicht beschwerlich gefallen. Er hatte das kostbare Evangelium Gottes umsonst unter ihnen verkündigt, und, um dies tun zu können, Nacht und Tag mit seinen eigenen Händen gearbeitet. Er war in ihrer Mitte gewesen, wie eine nährende Mutter ihre eigenen Kinder pflegt. Er hatte sich nicht mit stolzen Worten seiner selbst oder seines Dienstes, seiner Macht, seiner Gaben, seiner Predigten oder seiner mächtigen Taten gerühmt. Er war der liebevolle, demütige, bescheidene, ernste und hingebende Arbeiter, dessen Werk für sich selbst sprach und dessen ganzes Leben, dessen ganzer Geist, dessen ganze Art, dessen ganzes Benehmen und dessen gesamte Gewohnheiten in lieblicher Übereinstimmung mit seinen Worten standen.

Wie nötig ist es für alle Diener des Herrn, diese Dinge zu erwägen! Wir können versichert sein, dass die Oberflächlichkeit der Arbeit zum großen Teil die Frucht der Oberflächlichkeit des Arbeiters ist. Wo ist die Kraft? Wo die Erweisung des Heiligen Geistes? Wo „die große Gewissheit“? Findet sich nicht oft in unseren Predigten ein großer Mangel an allen diesen Dingen? Vielleicht kann jemand flüssig reden, vielleicht hat er eine große Intelligenz. Vieles kitzelt das Ohr, wirkt auf die Phantasie  und erweckt ein augenblickliches Interesse und dient der bloßen Neugierde zur Nahrung. Aber wo ist die heilige Salbung, der lebendige Ernst, die tiefe Wahrhaftigkeit? Und wo ist der lebendige Ausdruck in unserem täglichen Leben und in allen unseren Gewohnheiten? Möchte der Herr die Herzen aller seiner Diener mehr und mehr aufwecken! Wir werden dann sicher schönere Erfolge ihrer Arbeit sehen.

Doch es möchte scheinen, als ob wir das Werk der Bekehrung von dem Arbeiter abhängig machen wollten. Ein solcher Gedanke sei uns fern! Das Werk hängt einzig und allein von dem Heiligen Geist ab, wie dies gerade das vor uns liegende Kapitel zweifelsfrei beweist. In jedem Teil und Stadium der Arbeit muss unbedingt festgehalten werden, dass das Werk „nicht durch Macht und nicht durch Kraft, sondern durch meinen Geist [vollbracht wird], spricht der HERR der Heerschaaren“ (Sach 4,6).

Dennoch bleibt eine wichtige Frage für uns, welche Werkzeuge der Heilige Geist gewöhnlich gebraucht. Welche Gefäße sind „nützlich dem Hausherrn“ (2Tim 2,21)? Leere Gefäße und gereinigte Gefäße. Sind wir solche Gefäße? Sind wir von uns selbst ausgeleert? Sind wir von dem beklagenswerten Beschäftigtsein mit unserem eigenen Ich genesen? Sind wir gereinigte Gefäße? Ist unser Handel und Wandel rein? Wenn nicht, wie kann der Herr uns in seinem heiligen Dienst gebrauchen? Möchten wir alle diese Fragen in der Gegenwart Gottes erwägen! Möchte der Herr uns alle aufwecken und mehr und mehr zu solchen Gefäßen machen, die Er zu seiner Verherrlichung gebrauchen kann!

Frucht wird sichtbar

Doch kehren wir zu unserem Kapitel zurück. Während uns auf der einen Seite der Charakter des wahren, treuen Arbeiters gezeigt wird, entdecken wir auf der anderen das Werk selbst:

1Thes 1,5-8: Denn unser Evangelium war nicht bei euch im Wort allein, sondern auch in Kraft und im Heiligen Geist und in großer Gewissheit, wie ihr wisst, was wir unter euch waren um euretwillen. Und ihr seid unsere Nachahmer geworden und die des Herrn, indem ihr das Wort aufgenommen habt in vieler Drangsal mit Freude des Heiligen Geistes, so dass ihr allen Gläubigen in Mazedonien und in Achaja zu Vorbildern geworden seid. Denn von euch aus ist das Wort des Herrn erschollen, nicht allein in Mazedonien und in Achaja, sondern an jedem Ort ist euer Glaube an Gott ausgebreitet worden, so dass wir nicht nötig haben, etwas zu sagen.

Das war ein wirkliches, echtes Werk. Es trug sein Beglaubigungsschreiben sozusagen an der Stirn. Hier gab es nichts Unsicheres, nichts Unbefriedigendes, nichts, was bei der Bildung eines Urteils über das Werk einen Rückhalt nötig gemacht hätte. Alles war klar, bestimmt und untrüglich. Das ganze Werk trug den Stempel der Hand des Meisters und es musste jedes urteilsfähige Herz überzeugen. Das Werk der Bekehrung war vollbracht und die Früchte der Bekehrung folgten in überströmender Fülle. Das Zeugnis verbreitete sich weit und breit, so dass der Arbeiter nicht nötig hatte, über seine Arbeit zu sprechen. Es gab für ihn keinen Grund, die Anzahl der Bekehrungen in Thessalonich vorzurechnen und zu veröffentlichen. Alles war göttlich authentisch. Es war einzig ein Werk des Geistes Gottes, in dem kein möglicher Fehler sein konnte und über das zu sprechen überflüssig war.

Der Apostel hatte ihnen das Wort verkündigt in aller Einfalt, aber zugleich in der Kraft des Heiligen Geistes und in großer Gewissheit. In seinem Zeugnis war nichts Zweifelhaftes oder Unsicheres vorhanden. Er predigte wie einer, der das, was er predigte, nicht nur völlig glaubte, sondern auch wirklich erfasst hatte. Es war nicht nur eine beredte Wiedergabe gewisser gekannter und anerkannter Wahrheiten oder eine trockene Aufstellung einer Anzahl von Lehrsätzen. Nein, es war die lebendige Mitteilung des herrlichen Evangeliums Gottes, das aus einem Herzen kam, das jeden Ausspruch tief fühlte und das die Herzen erreichte, die durch den Geist Gottes zu der Aufnahme des Evangeliums zubereitet waren.

Die Predigt von Jesus Christus

Das Werk in Thessalonich bestand nicht in einer bloßen Aufregung der Gefühle, es war ein tiefes, gründliches, durchaus göttliches Werk. Der Apostel Paulus kam, wie uns in Apostelgeschichte 17 erzählt wird, „nach Thessalonich, wo eine Synagoge der Juden war. Nach seiner Gewohnheit aber ging Paulus zu ihnen hinein und unterredete sich an drei Sabbaten mit ihnen aus den Schriften, indem er eröffnete und darlegte, dass der Christus leiden und aus den Toten auferstehen musste und dass dieser der Jesus, den ich euch verkündige, der Christus ist“ (Apg 17,1-5).

Wie einfach, Jesus zu verkündigen aus den Schriften! Ja, hierin lag das große Geheimnis der Predigt des Paulus! Er verkündigte eine lebende Person in lebendiger Kraft, gegründet auf das lebendige Wort Gottes; und diese Predigt wurde angenommen in lebendigem Glauben und brachte in dem Leben der Bekehrten göttliche Früchte hervor. Das ist die Predigt, die Gott bestimmt hat und gebraucht. Sie ist kein Moralisieren, kein religiöses Gespräch, sondern die Predigt von Christus durch den Heiligen Geist, der durch Menschen spricht, die selbst unter der Macht dessen stehen, was sie predigen. Gott, gewähre uns mehr davon!

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Aus Botschafter des Heils in Christo
Ergänzungen nach dem Original „Conversion: What is it?“
aus Miscellaneous Writings, Bd. 3

Übersetzung: Philipp-Richard Schulz

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