„Durch Auferstehung zurückerhalten“ (Heb 11,35)
Hebräer 11,17-19

David Roderick Reid

© SoundWords, online: 05.04.2026, updated: 05.04.2026

Leitverse: Hebräer 11,17-19

Heb 11,17-19: Durch Glauben hat Abraham, als er geprüft wurde, Isaak geopfert, und der, der die Verheißungen empfangen hatte, brachte den Eingeborenen dar, über den gesagt worden war: „In Isaak wird dir eine Nachkommenschaft genannt werden“; wobei er urteilte, dass Gott auch aus den Toten aufzuerwecken vermag, von woher er ihn auch im Gleichnis empfing.

Lies 1. Mose 22.

Eine der großartigsten Geschichten über Glauben und Gehorsam in der Bibel finden wir in 1. Mose 22. Es ist für uns unvorstellbar: Gott forderte Abraham auf, seinen Sohn zu opfern: „Nimm deinen Sohn, deinen einzigen, den du lieb hast, den Isaak, und zieh hin in das Land Morija und opfere ihn dort als Brandopfer“ (1Mo 22,2).

Wir können uns kaum vorstellen, welche Gefühle Abrahams Herz erfüllt haben müssen: Erschütterung, Entsetzen, Trauer! Gott forderte ihn auf, seinen Sohn aufzugeben – ebenden Sohn, den Gott ihm und seiner Frau Sara Jahre zuvor verheißen hatte. Es wäre für Abraham schon schwer genug gewesen, Isaak aufzugeben, wenn er den Grund dafür gekannt hätte – aber es war noch etwas ganz anderes, ihn ohne triftigen Grund aufzugeben. Genau genommen ohne jeden ersichtlichen Grund! Und nicht nur das: Gott forderte Abraham sogar dazu auf, seinen geliebten Sohn mit eigener Hand zu töten! Warum sollte Gott so etwas verlangen? Hat der Herr Freude daran, die Hoffnungen und Träume eines Menschen zu wecken, nur um sie dann zu zerschlagen?

Doch Abraham gehorchte Gott! Er verhandelte nicht mit Gott und zögerte nicht. „Abraham stand am Morgen früh auf und sattelte seinen Esel und nahm mit sich zwei von seinen Knaben und Isaak, seinen Sohn, … und machte sich auf und zog hin an den Ort, den Gott ihm gesagt hatte“ (1Mo 22,3). Abrahams Verzweiflung, seine Qual während dieser langen Reise zum Berg Morija, während seiner letzten Reise und der letzten Stunden mit seinem Sohn, war eine Erfahrung, die die meisten von uns nicht begreifen können. Welch unvorstellbaren seelischen Schmerz musste Abraham empfunden haben, als er das Messer für das Opfer schärfte und das Holz für das Feuer aufschichtete, das den Leib seines geliebten Sohnes verzehren sollte.

Ja, Abraham gehorchte Gott, auch wenn er nicht ganz verstand, warum Gott dies alles von ihm verlangte. Auf seinem Weg zum Berg Morija war er wahrscheinlich hin und her gerissen zwischen dem Grauen vor dem, was er dort tun musste, und der Hoffnung, dass Gott ihm den Isaak irgendwie zurückgeben würde – lebendig! Abraham war bereits viele Jahre lang mit Gott gewandelt, und deshalb wusste er, dass Gott seine Verheißungen immer erfüllt. Und Gott hatte verheißen, dass Abrahams Nachkommen durch Isaak kommen würden. Obwohl Auferweckungen aus den Toten bis dahin in der Geschichte der Menschheit noch nie vorgekommen waren, schlussfolgerte Abraham, dass der Herr in der Lage ist, Menschen aus den Toten aufzuerwecken (Heb 11,19). Wenn Isaak geopfert werden sollte, müsste Gott ihn also aus den Toten auferwecken, um seine Verheißung zu erfüllen. Eine weitere Überlegung führte Abraham vielleicht zu dem Gedanken, den er auch Isaak gegenüber äußerte: dass Gott sich nämlich „ersehen wird das Schaf zum Brandopfer“ (1Mo 22,8).

Auf jeden Fall war Abraham überzeugt, dass „der Richter der ganzen Erde Recht üben werde“ (1Mo 18,25). Als Vater und Sohn sich von ihren Knechten trennten, sagte Abraham zu ihnen: „Ich aber und der Knabe wollen bis dorthin gehen und anbeten und dann zu euch zurückkehren“ (1Mo 22,5). Abraham würde dem Herrn gehorchen – und die Lösung Gott überlassen. Was für ein Beweis des Glaubens! Was für ein Vorbild des Glaubens, dem wir nacheifern sollten! Wir bleiben oft so weit hinter vollkommenem Gehorsam zurück. Die meisten von uns sind nur teilweise gehorsam in Angelegenheiten, die weit weniger anspruchsvoll sind als die Prüfung, der Abraham gegenüberstand! Gott erwartet vollkommenen Gehorsam, auch wenn Er uns nicht alle Gründe für unsere Lebensumstände offenbart. […]

Die Freude, die Abraham empfand, nachdem diese Glaubensprüfung vorbei war, muss überwältigend gewesen sein. Was für ein freudiges „Wiedersehen“ mit Isaak! Was für eine wunderbare Zeit der Gemeinschaft mit Isaak auf dem Heimweg! […] Wie anders war doch die Stimmung auf dem Heimweg als auf der Hinreise zum Berg Morija!  Die gesamte Rückreise war eine Zeit der Freude. Es war, als wäre Isaak, der geliebte Sohn, gestorben, nun aber durch „Auferstehung“ mit seinem Vater Abraham wieder vereint worden! Tatsächlich berichtet uns Hebräer 11,19, dass Abraham den Isaak – bildlich gesprochen – durch Auferstehung vom Tod zurückerhielt. Damit ist Isaak ein Typus von Christus in Auferstehung.

Ein Hauptgrund für die Prüfung, die Abraham durchmachen musste, bestand also darin, dem Volk Gottes eine biblische Wahrheit bildhaft zu vermitteln. Die Opferung Isaaks durch Abraham ist eines der deutlichsten Vorausbilder für den noch kommenden Opfertod und die Auferstehung des Herrn Jesus Christus. Man könnte ein Vorausbild, einen Typus mit einfachen Worten beschreiben als „eine Person, ein Ort, ein Ereignis oder einen anderen Gegenstand aus dem Alten Testament, der in gewisser Weise eine Wahrheit des Neuen Testaments veranschaulicht“. Schauen wir uns dieses bekannte Vorausbild oder diesen Typus aus 1. Mose 22 einmal genauer an.

Abraham ist ein Bild von Gott, dem Vater, der bereit war, seinen geliebten, einzigen Sohn für unsere Sünden zu opfern: „Er hat doch seinen eigenen Sohn nicht verschont, sondern hat ihn für uns alle hingegeben“ (Röm 8,32). Der Kummer und den Schmerz, den Abraham empfand, als er mit Isaak zum Berg Morija unterwegs war, gibt uns nur einen kleinen Einblick in den Kummer und den Schmerz Gottes, des Vaters, als Er mit seinem vollkommenen Sohn nach Golgatha ging. Die Tiefe der Liebe Gottes zu uns zeigt sich am deutlichsten in dem schmerzenden Herzen eines Gottes, der dennoch bereit war, seinen geliebten Sohn als Opfer für uns hinzugeben – ohne irgendwelche Bedingungen. Was für ein überwältigendes Bild von Gottes großer Liebe zu den Sündern!

In Isaak sehen wir unseren Herrn Jesus als den vollkommenen Sohn, der dem Willen des Vaters vollkommen gehorsam ist. Isaak war damals, als Abraham mit ihm zum Berg Morija ging, mindestens im Teenageralter. Die Tatsache, dass er es zuließ, dass sein alter Vater ihn fesselte und auf den Altar legte, unterstreicht das Bild von Christus, der bereitwillig für uns ans Kreuz ging. Der Typus bleibt natürlich weit zurück hinter dem vollkommenen Gehorsam des Sohnes Gottes.

Als Isaak fragte: „Siehe, das Feuer und das Holz; wo aber ist das Schaf zum Brandopfer?“, antwortete Abraham: „Gott wird sich ersehen das Schaf zum Brandopfer, mein Sohn“ (1Mo 22,7-8). Isaak ahnte nicht, was vor ihm lag, als beide miteinander zum Berg Morija gingen. Im Gegensatz dazu wusste unser Herr ganz genau, was vor Ihm lag, als Er gemeinsam mit dem Vater nach Golgatha ging, und doch „war er fest entschlossen, nach Jerusalem zu gehen“ (Lk 9,51). Dies war kein spontaner Ausbruch emotionaler Liebe. Nie gab es eine so entschlossene Liebe wie die, die sich in dem standhaften Weg unseres Herrn hin zum Tod zeigte, von dem Er wusste, dass er vor Ihm lag. Er wusste, dass Er dort qualvoll gekreuzigt werden und das schreckliche Gericht Gottes für unsere Sünden erleiden würde. In Isaak erhaschen wir in bildlicher Form einen winzigen Einblick in den vollkommenen Sohn, der sich dem Willen des Vaters unterwirft.

Ohne den inspirierten Kommentar in Hebräer 11 würden wir vielleicht übersehen, dass die Auferstehung Christi Teil des Typus ist. Wir sollten bedenken, dass wir beim Studium der Vorausbilder im Alten Testament zwei Extreme vermeiden müssen:

  • Das eine Extrem wäre, die offensichtlichen, groben Pinselstriche völlig zu übersehen, die Gott souverän in der Geschichte angeordnet und durch Inspiration festgehalten hat. Wenn wir beispielsweise den Berg Morija nicht als Bild für Golgatha betrachten würden, dann würden wir das offensichtliche Wortbild übersehen. (Ein Bergrücken des Berges Morija könnte übrigens genau jener Ort in Jerusalem gewesen sein, an dem unser Herr gekreuzigt wurde!)
  • Andererseits kann man auch zu viel in ein Vorausbild hineinlegen. Das ist das andere Extrem, das wir vermeiden müssen. So kann beispielsweise das Holz für das Opfer, das Abraham dem Isaak zu tragen gab, ein Bild für das Kreuz sein – oder auch nicht –, das Christus zu seinem Kreuzigungsort trug. Aber zu sagen, das Gestrüpp, in dem sich der Widder verfangen hatte (1Mo 22,13), sei ein Bild für die Dornenkrone, bedeutet wahrscheinlich, viel zu viel in diesen Typus hineinzulegen.

Wir wissen jedoch, dass wir auf sicherem Boden stehen, wenn wir in diesem Bild die Auferstehung sehen, denn Hebräer 11,19 sagt ausdrücklich, dass Abraham den Isaak aus dem Tod zurückerhielt „als einen Typus“[1].

Die Freude über das Wiedersehen, die Abraham und Isaak nach dem Ende der „Opferung“ erlebten, ist sicherlich Teil des Bildes, das Gott uns vor Augen führen möchte. Gleich im nächsten Kapitel des Hebräerbriefes lesen wir: „Jesus, … die Schande nicht achtend, erduldete für die vor ihm liegende Freude das Kreuz und hat sich gesetzt zur Rechten des Thrones Gottes“ (Heb 12,2). Was war die Freude, auf die Jesus sich freute? Sicherlich war ein Teil dieser Freude seine Rückkehr in den Himmel! Stell dir die Wiedersehensfreude vor, die Gott, der Vater, und Gott, der Sohn, miteinander teilten, als der Vater den Sohn vom Tod wieder zurückerhielt! Der Vater und der Sohn werden sich in alle Ewigkeit an dieser innigen Beziehung und Gemeinschaft erfreuen und diese Freude wird niemals unterbrochen werden – und all das aufgrund des vollbrachten Opfers auf Golgatha!

Die Freude, dass Gott den Herrn Jesus „durch Auferstehung zurückerhielt“ (Heb 11,35), hat für uns heute zweifellos eine praktische Anwendung. Aufgrund der Auferstehung Christi haben wir die Freude, zu wissen, dass wir in seiner Auferstehung stellungsmäßig mit Ihm eins sind – und zwar schon jetzt! (Siehe Römer 6,4-11.) Wir wissen auch, dass wir eines Tages in die ewige Freude des Herrn eingehen werden, wenn wir durch die Auferstehung in den Himmel eingehen werden. (Siehe Matthäus 25,21.23.) Denken wir an die Wiedersehensfreude, die manche Christen, die wie Abraham geprüft wurden, erleben werden, wenn sie mit ihren Lieben wiedervereint werden, die ihnen durch den Tod genommen sind – vielleicht aus Gründen, die sie noch nicht ganz verstehen.

Lies Judas 24 und stell dir diese unvergleichliche Freude vor, die wir alle erleben werden, wenn wir durch Auferstehung in den Himmel aufgenommen und unsterblich werden – um für immer bei unserem auferstandenen Herrn zu sein!


Originaltitel: „Received back by resurrection“  
Quelle: www.growingchristians.org

Übersetzung: Gabriele Naujoks

Anmerkungen

[1] Anm. d. Übers.: Der Autor zitiert aus der New American Standard Bible: „as a type“. Andere Bibelübersetzungen lauten: „in a figure“ (Darby, King James, American Standard Version); „in a figurative sense“ (New King James). Die CSV-Elberfelder hat: „im Gleichnis {parabole}“.


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