Dieser Artikel basiert auf einem Vortrag, der im Rahmen unseres monatlichen Online-Bibel-Seminars gehalten wurde. Anlass war die häufige Erwähnung von Zahlen in den Kapiteln des zweiten Buches Mose zur Stiftshütte. Wer die symbolische Bedeutung der Stiftshütte verstehen möchte, sollte sich vor allem mit der Bedeutung der Zahlen in diesem Zusammenhang beschäftigen.
- Die Teilbarkeit der Zahl Vier
- Die Vier im vierten Buch Mose unter dem Aspekt der Schwachheit
- 1. Der Zweifel des Führers (4Mo 10)
- 2. Das Murren bei Tabera und Kibrot-Hattaawa (4Mo 11)
- 3. Der Aufstand von Mirjam und Aaron (4Mo 12)
- 4. Die böse Kunde der Kundschafter und der Unglaube des Volkes (4Mo 13–14)
- 5. Die Empörung der Rotte Korah (4Mo 16–17)
- 6. Das Versagen Moses und Aarons am Felsen (4Mo 20)
- 7. Die Verachtung des Manna und die feurigen Schlangen (4Mo 21)
- 8. Die Verführung durch die Töchter Moabs (4Mo 25)
- 9. Der Rückgang der Volkszahl (4Mo 26)
- 10. Die eigenmächtige Erbwahl von Ruben und Gad (4Mo 32)
Die Teilbarkeit der Zahl Vier
Die Zahl Vier hat sehr verschiedene Bedeutungen in der Schrift. So offenbart sie die Schöpfung insbesondere in ihrer heutigen Instabilität, Gebrechlichkeit und Unterworfenheit unter die Vergänglichkeit. Sie erinnert uns daran, dass das Geschaffene aus sich heraus schwach ist und der aufrichtenden Kraft Gottes bedarf.
Diese Bedeutung der Zahl Vier erschließt sich uns unter anderem aus der Mathematik – genauer gesagt aus dem Prinzip der Division. Die Vier ist die erste Zahl in der natürlichen Reihenfolge, die sich glatt durch eine andere Zahl teilen lässt (4:2=2), ohne dass ein Rest entsteht.
Während eine Primzahl wie die Drei unteilbar ist und für göttliche Solidität steht, symbolisiert eine teilbare Zahl in der geistlichen Übertragung das Aufgeben von geschlossener Festigkeit. Die Vier trägt somit das Prinzip der Teilbarkeit, Instabilität und Schwachheit in sich.
Diese Gebrechlichkeit und Schwachheit begegnet uns in ganz unterschiedlichen Lebensbereichen sowie in der Heiligen Schrift:
1. Die Unvollständigkeit der bloßen Vier (Das Bild der Hand)
Die Begrenztheit der Zahl Vier wird besonders deutlich, wenn man auf die menschliche Hand blickt: Hätte eine Hand lediglich die vier langen Finger, wäre ihre Leistungsfähigkeit extrem eingeschränkt. Man kann mit vier Fingern allein kaum etwas fest umschließen oder präzise greifen. Erst wenn der Daumen als fünftes Element hinzutritt – als der gegengestellte Finger, der den vier anderen Halt und Wiederlager gibt –, wird die Hand voll funktionsfähig und stark. Die Vier für sich genommen bleibt unvollständig, unzulänglich und hilflos; sie braucht eine Ergänzung über sich hinaus, um Wirkungskraft zu entfalten.
2. Das Prinzip der Unbeständigkeit (Das Beispiel der Konstruktion)
Auch im Alltag begegnet uns die Unzulänglichkeit der Zahl Vier als Fundament. Ein Stuhl auf vier Rädern neigt bei Gewichtsverlagerungen zum Kippen und ist erstaunlich instabil. Erst ein fünftes Rad verleiht modernen Bürostühlen die nötige Standfestigkeit. Die Vier allein steht für eine Konstruktion, die aus eigener Kraft nicht ausreichend Halt bietet, sondern wackelig und gefährdet bleibt.
3. Die Verwesung als tiefste Form menschlicher Ohnmacht (Joh 11)
Joh 11,39: Jesus spricht: Nehmt den Stein weg! Die Schwester des Verstorbenen, Martha, spricht zu ihm: Herr, er riecht schon, denn er ist vier Tage hier.
Die intensivste Ausprägung menschlicher Schwachheit begegnet uns in der Vergänglichkeit und der biologischen Verwesung. Bei der Auferweckung des Lazarus wird betont, dass er bereits vier Tage im Grab lag. Die Zahl Vier markiert hier den Punkt, an dem die menschliche Natur endgültig der Auflösung und dem Zerfall preisgegeben ist. Es ist der Zustand absoluter Ohnmacht, in dem der Mensch aus sich heraus nichts mehr bewirken kann und der Prozess der Verwesung die Gebrochenheit der gefallenen Schöpfung unerbittlich offenlegt.
Die Vier im vierten Buch Mose unter dem Aspekt der Schwachheit
Passend zum Wesen der Zahl Vier spiegelt sich im vierten Buch Mose die menschliche Gebrechlichkeit und Schwachheit auf Schritt und Tritt wider. Die Wüstenwanderung wird zu einem Schauplatz fortlaufenden Versagens, menschlicher Ohnmacht und der Unzulänglichkeit des Fleisches.
Die Kette des Versagens durchzieht fast das gesamte Buch:
1. Der Zweifel des Führers (4Mo 10)
Schon zu Beginn der Reise offenbart sich die Schwachheit bei Mose selbst, als er bei der Führung des Volkes durch die Wüste auf die menschliche Hilfe seines Schwagers Hobab vertrauen möchte, anstatt sich allein auf die Zusage der Gegenwart Gottes zu stützen (4Mo 10,29-32).
2. Das Murren bei Tabera und Kibrot-Hattaawa (4Mo 11)
Kaum ist das Volk aufgebrochen, bricht das Murren aus. Erst klagt das Volk über sein Unglück bei Tabera (4Mo 11,1-3), und direkt im Anschluss lüstet es das Gemisch nach Fleisch in Kibrot-Hattaawa. Die Schwachheit der menschlichen Begierde führt zur Verachtung der Gnadengabe Gottes.
3. Der Aufstand von Mirjam und Aaron (4Mo 12)
Die Gebrechlichkeit macht selbst vor den engsten Mitarbeitern und Geschwistern Moses nicht halt: Mirjam und Aaron erliegen dem Stolz, sprechen gegen Mose und werden von Gott gerichtet, indem Mirjam mit Aussatz geschlagen wird.
4. Die böse Kunde der Kundschafter und der Unglaube des Volkes (4Mo 13–14)
Bei Kadesch-Barnea zeigt sich die ganze geistliche Ohnmacht Israels: Die zehn Kundschafter bringen einen verzagten, bösen Bericht über das Land (4Mo 13), woraufhin das gesamte Volk in offenes Murren und Rebellion verfällt und nach Ägypten zurückkehren will (4Mo 14). Das Resultat ist die Sterben-Müssen-Generations-Verordnung in der Wüste.
5. Die Empörung der Rotte Korah (4Mo 16–17)
In 4. Mose 16 bricht ein massiver, organisierter Aufstand gegen die von Gott eingesetzte Autorität aus: Korah, Dathan und Abiram fordern die Führung heraus. Selbst nach dem unmittelbaren Gericht Gottes über die Aufständischen murrt das Volk am nächsten Tag erneut (4Mo 17).
6. Das Versagen Moses und Aarons am Felsen (4Mo 20)
Bei Meriba erliegen selbst die treuesten Knechte Gottes der menschlichen Schwachheit: Anstatt im Glauben zu dem Felsen zu reden, schlägt der zornige Mose den Felsen zweimal und heiligt den HERRN nicht vor den Augen des Volkes. Dies kostet sie das Eingehen in das verheißene Land.
7. Die Verachtung des Manna und die feurigen Schlangen (4Mo 21)
Die Seele des Volkes wird auf dem Weg ungeduldig. Sie verachten das Manna als „elende Speise“ – ein erneuter Beweis für die Undankbarkeit und Unbeständigkeit des menschlichen Herzens, der das Gericht durch die feurigen Schlangen nach sich zieht.
8. Die Verführung durch die Töchter Moabs (4Mo 25)
Bei Baal-Peor erliegt Israel der subtilen Attacke Bileams: Durch die Töchter Moabs und Midians lässt sich das Volk zur Hurerei und zum Götzendienst verführen, was 24.000 Menschen durch eine Plage das Leben kostet.
9. Der Rückgang der Volkszahl (4Mo 26)
Das zweite Nummernregister in 4. Mose 26 macht das Prinzip der Vergänglichkeit und Schwachheit buchstäblich messbar: Trotz des Segenauftrags zur Vermehrung hat die Volkszahl über die vierzig Jahre der Wüstenwanderung hinweg abgenommen statt zugenommen. Das Volk ist in der Wüste hinwelkend aufgerieben worden.
10. Die eigenmächtige Erbwahl von Ruben und Gad (4Mo 32)
Selbst kurz vor dem Ziel macht sich die menschliche Kurzsichtigkeit noch einmal bemerkbar: Die Stämme Ruben und Gad wählen ihr Erbteil diesseits des Jordans nach den Augen des Fleisches aus – angezogen von den guten Weideplätzen für ihr Vieh, anstatt dem Ziel Gottes im Land Kanaan volle Priorität einzuräumen.


