Das Straucheln Israels (Röm 11)
Der Weg zum Segen für die Heiden wird geebnet – Die Ablehnung der Gnade durch die Heiden – Der Weg zur Wiederherstellung Israels wird vorbereitet
Israels zukünftige Annahme
Drei Beweise dafür, dass Gott sein Volk nicht für immer verstoßen hat
In diesem Kapitel zeigt Paulus, dass Gott sich erneut mit Israel befassen und es segnen wird. Er beginnt mit der Frage: „Ich sage nun: Hat Gott etwa sein Volk verstoßen? Das sei ferne!“ Stimmt der Vorwurf der Juden, dass das Evangelium, das Paulus predigt, die Verheißungen Gottes an Israel missachtet? Paulus antwortet hierauf mit einem klaren Nein! Zwar heißt es in der Heiligen Schrift, dass Gott sein Volk „verstoßen“ würde, weil es den Messias nicht angenommen hat (Dan 9,24-27 „(24) 70 Wochen sind über dein Volk und über deine heilige Stadt bestimmt, um die Übertretung zum Abschluss zu bringen und den Sünden ein Ende zu machen und die Ungerechtigkeit zu sühnen und eine ewige Gerechtigkeit einzuführen und Gesicht und Propheten zu versiegeln und ein Allerheiligstes zu salben. (25) So wisse denn und verstehe: Vom Ausgehen des Wortes, Jerusalem wiederherzustellen und zu bauen, bis auf den Messias, den Fürsten, sind 7 Wochen und 62 Wochen. Straßen und Gräben werden wiederhergestellt und gebaut werden, und zwar in Drangsal der Zeiten. (26) Und nach den 62 Wochen wird der Messias weggetan werden und nichts haben. Und das Volk des kommenden Fürsten wird die Stadt und das Heiligtum zerstören, und das Ende davon wird durch die überströmende Flut sein; und bis ans Ende: Krieg, Festbeschlossenes von Verwüstungen. (27) Und er wird einen festen Bund mit den Vielen schließen für eine Woche; und zur Hälfte der Woche wird er Schlachtopfer und Speisopfer aufhören lassen. Und wegen der Beschirmung der Gräuel wird ein Verwüster kommen, und zwar bis Vernichtung und Festbeschlossenes über das Verwüstete ausgegossen werden.“; Mich 5,1-3 „(1) Und du, Bethlehem-Ephrata, zu klein, um unter den Tausenden von Juda zu sein, aus dir wird mir hervorkommen, der Herrscher über Israel sein soll; und seine Ursprünge sind von der Urzeit, von den Tagen der Ewigkeit her. (2) Darum wird er sie hingeben bis zur Zeit, da eine Gebärende geboren hat; und der Rest seiner Brüder wird zurückkehren zu den Kindern Israel. (3) Und er wird dastehen und seine Herde weiden in der Kraft des HERRN, in der Hoheit des Namens des HERRN, seines Gottes. Und sie werden wohnen; denn nun wird er groß sein bis an die Enden der Erde.“; Jes 61,1-3 „(1) Der Geist des Herrn, HERRN, ist auf mir, weil der HERR mich gesalbt hat, den Sanftmütigen frohe Botschaft zu bringen, weil er mich gesandt hat, die zu verbinden, die zerbrochenen Herzens sind, Freiheit auszurufen den Gefangenen und Öffnung des Kerkers den Gebundenen; (2) auszurufen das Jahr des Wohlgefallens des HERRN und den Tag der Rache unseres Gottes und zu trösten alle Trauernden; (3) um den Trauernden Zions aufzusetzen und ihnen zu geben Kopfschmuck statt Asche, Freudenöl statt Trauer, ein Ruhmesgewand statt eines verzagten Geistes; damit sie genannt werden „Terebinthen der Gerechtigkeit, eine Pflanzung des HERRN“, zu seiner Verherrlichung.“; Ps 69,23-37; Jer 31,37-40 „(37) So spricht der HERR: Wenn die Himmel oben gemessen und die Grundfesten der Erde unten erforscht werden können, so will ich auch alle Nachkommen Israels verwerfen wegen all dessen, was sie getan haben, spricht der HERR. (38) Siehe, Tage kommen, spricht der HERR, da diese Stadt dem HERRN gebaut werden wird vom Turm Hananel bis zum Ecktor. (39) Und die Mess-Schnur wird weiter fortlaufen geradeaus über den Hügel Gareb und sich nach Goa wenden. (40) Und das ganze Tal der Leichen und der Asche und alle Felder bis zum Bach Kidron, bis zur Ecke des Rosstores im Osten, wird dem HERRN heilig sein; es soll nicht ausgerottet und nicht zerstört werden in Ewigkeit.“; Sach 11,1–13,6; usw.), aber nirgends steht in der Schrift, dass die Verwerfung vollständig oder endgültig sein wird. Paulus führt nun drei Beweise an, die zeigen, dass Gott sein Volk nicht völlig verworfen hat.
Gegenwärtig gibt es einen Rest der Nation, der an das Evangelium glaubt und gesegnet wird
Verse 1-6
Röm 11,1-6: Ich sage nun: Hat Gott etwa sein Volk verstoßen? Das sei ferne! Denn auch ich bin ein Israelit aus dem Geschlecht Abrahams, vom Stamm Benjamin. 2 Gott hat sein Volk nicht verstoßen, das er zuvor erkannt hat. Oder wisst ihr nicht, was die Schrift in der Geschichte Elias sagt? Wie er vor Gott auftritt gegen Israel: 3 „Herr, sie haben deine Propheten getötet, deine Altäre niedergerissen, und ich allein bin übrig geblieben, und sie trachten mir nach dem Leben.“ 4 Aber was sagt ihm die göttliche Antwort? „Ich habe mir übrig bleiben lassen siebentausend Mann, die ihre Knie nicht vor dem Baal gebeugt haben.“ 5 So besteht nun auch in der jetzigen Zeit ein Überrest nach Auswahl der Gnade. 6 Wenn aber durch Gnade, so nicht mehr aus Werken; sonst ist die Gnade nicht mehr Gnade.
Der erste Beweis dafür, dass Gott sein Volk (Israel) nicht völlig verstoßen hat, ist die Tatsache, dass es gegenwärtig „einen Überrest“ von Juden gibt, die an das Evangelium der Gnade Gottes glauben. Paulus ist in der Tat ein Beispiel dafür. Er sagt: „Denn auch ich bin ein Israelit aus dem Geschlecht Abrahams, vom Stamm Benjamin.“ Auch wenn die Masse des Volkes durch den Unglauben verblendet ist, gibt es doch einen Überrest von Auserwählten, die geglaubt haben und die Gott für sich selbst beiseitegestellt hat, so wie es in den Tagen Elias war. Dieser Überrest nach „Auswahl der Gnade“ sind die Erstlinge des Volkes und ein Unterpfand für die endgültige Wiederherstellung Israels an einem kommenden Tag (Eph 1,12 „damit wir zum Preise seiner Herrlichkeit seien, die wir zuvor auf den Christus gehofft haben;“). Das zeigt, dass Gott, wenn die Menschen in ihrer Verantwortung versagen, seine Souveränität aufrechterhält und einen Überrest von Gläubigen sichert. Er wird nicht zulassen, dass seine Segensabsichten vereitelt werden (Hiob 42,2 „Ich weiß, dass du alles vermagst und kein Vorhaben dir verwehrt werden kann.“; Jes 46,10 „der ich von Anfang an das Ende verkünde und von alters her, was noch nicht geschehen ist; der ich spreche: Mein Ratschluss soll zustande kommen, und all mein Wohlgefallen werde ich tun;“). Die Erwählung der gläubigen Juden in der heutigen Zeit ist also vollständig ein Werk souveräner Gnade.
Verse 7-10
Röm 11,7-10: Was nun? Was Israel sucht, das hat es nicht erlangt; aber die Auserwählten haben es erlangt, die Übrigen aber sind verhärtet worden, 8 wie geschrieben steht: „Gott hat ihnen einen Geist der Betäubung gegeben, Augen, dass sie nicht sehen, und Ohren, dass sie nicht hören, bis auf den heutigen Tag.“ 9 Und David sagt: „Ihr Tisch werde ihnen zur Schlinge und zum Fangnetz und zum Anstoß und zur Vergeltung! 10 Verfinstert seien ihre Augen, dass sie nicht sehen, und ihren Rücken beuge allezeit!“
Während der auserwählte Überrest des Volkes zum Segen gekommen ist, wurde die Masse gerichtlich „verfinstert“. Diese Verblendung sollte die Juden nicht überraschen, denn in ihren eigenen Schriften steht, dass dies geschehen würde! Paulus zitiert Jesaja: „Gott hat ihnen einen Geist der Betäubung gegeben, Augen, dass sie nicht sehen, und Ohren, dass sie nicht hören, bis auf den heutigen Tag“ (vgl. Jes 29,10 „Denn der HERR hat einen Geist tiefen Schlafes über euch ausgegossen und hat eure Augen geschlossen; die Propheten und eure Häupter, die Seher, hat er verhüllt.“). Er zitiert auch David, der prophetisch das Gebet der Verwerfung des Messias am Kreuz aussprach, als er vom Volk zurückgewiesen wurde: „Ihr Tisch werde ihnen zur Schlinge und zum Fangnetz und zum Anstoß und zur Vergeltung! Verfinstert seien ihre Augen, dass sie nicht sehen, und ihren Rücken beuge allezeit!“ (vgl. Ps 69,23-24 „(23) Ihr Tisch werde vor ihnen zur Schlinge, und ihnen, den Sorglosen, zum Fallstrick! (24) Lass ihre Augen dunkel werden, damit sie nicht sehen; und lass ihre Lenden beständig wanken!“; siehe auch Jes 6,9-10 „(9) Und er sprach: Geh hin und sprich zu diesem Volk: Hörend hört, und versteht nicht; und sehend seht, und erkennt nicht! (10) Mache das Herz dieses Volkes fett, und mache seine Ohren schwer, und verklebe seine Augen: damit es mit seinen Augen nicht sieht und mit seinen Ohren nicht nicht hört und sein Herz nicht nicht versteht und es nicht nicht umkehrt und geheilt wird.“; Joh 12,39-41 „(39) Darum konnten sie nicht glauben, weil Jesaja wiederum gesagt hat: (40) „Er hat ihre Augen verblendet und ihr Herz verhärtet, damit sie nicht sehen mit den Augen und verstehen mit dem Herzen und sich bekehren und ich sie heile.“ (41) Dies sprach Jesaja, weil er seine Herrlichkeit sah und von ihm redete.“; 2Kor 3,14-15 „(14) Aber ihr Sinn ist verhärtet worden, denn bis auf den heutigen Tag bleibt beim Lesen des alten Bundes dieselbe Decke unaufgedeckt, die in Christus weggetan wird. (15) Aber bis auf den heutigen Tag, wenn irgend Mose gelesen wird, liegt die Decke auf ihrem Herzen.“). Diese Verblendung ist also ein Gericht der Regierungswege Gottes über die Nation als Ganzes, aber Einzelne unter ihnen können trotzdem im Glauben zu Christus kommen und gesegnet werden.
Mit der Berufung der Heiden provoziert Gott die Juden zur Eifersucht – und das beweist, dass Er mit Israel noch nicht fertig ist (Röm 11,11-25)
Verse 11-12
Röm 11,11-12: Ich sage nun: Sind sie etwa gestrauchelt, damit sie fallen sollten? Das sei ferne! Sondern durch ihren Fall ist den Nationen das Heil geworden, um sie zur Eifersucht zu reizen. 12 Wenn aber ihr Fall der Reichtum der Welt ist und ihr Verlust der Reichtum der Nationen, wie viel mehr ihre Vollzahl!
Der zweite Beweis, dass Gott mit Israel noch nicht fertig ist, zeigt sich darin, dass Er die Heiden beruft, um Israel zur Eifersucht zu reizen. Paulus sagt: „Ich sage nun: Sind sie etwa gestrauchelt, damit sie fallen sollten? Das sei ferne! Sondern durch ihren Fall ist den Nationen das Heil geworden, um sie zur Eifersucht zu reizen.“ Die Tatsache, dass Gott Israel aufrütteln möchte, um sie zur Eifersucht zu reizen, damit sie sich Ihm wieder zuwenden, zeigt, dass Er noch nicht mit ihnen fertig ist. Paulus stimmt zu, dass Israel „gestrauchelt“ ist, aber er besteht darauf, dass sie nicht gefallen sind in dem Sinne, dass es für sie vorbei ist. Wenn man den Vers so liest, wie er in der englischen King-James-Bibel steht, könnte das verwirrend sein, denn nachdem er gesagt hat, dass sie nicht gefallen sind, fährt er fort und sagt, dass sie gefallen sind! Dieses Rätsel lässt sich leicht lösen, wenn man versteht, dass die zweite Verwendung des Wortes „fallen bzw. Fall“ im elften Vers im Griechischen eigentlich ein anderes Wort ist, das mit „Fehltritt“ übersetzt werden sollte. „Fallen“ in dem Sinne, wie Paulus hier davon spricht, ist etwas Endgültiges, „das nicht mehr rückgängig gemacht werden kann“ (NASB); „Fehltritt“ hingegen hat nicht diese Bedeutung. Dies kommt in Vers 12 wieder vor. Israel ist also gestolpert und hat übertreten, aber es ist nicht herausgefallen aus Gottes Absicht, es zu segnen.
Paulus sagt, dass Israels „Fall“ den Weg für die Heiden zu großem „Reichtum“ geebnet hat. Der „Reichtum der Nationen“ bezieht sich auf die Gunst, die Gott den Heiden im Evangelium erwiesen hat, ohne zu berücksichtigen, ob sie daran geglaubt haben oder nicht. Mit anderen Worten: Israels „Verlust“ ist ein Gewinn für die Heiden. Dies ist ein Prinzip in Gottes Wegen, das an vielen Stellen in der Schrift zu finden ist (Jes 49,4-6 „(4) Ich aber sprach: Umsonst habe ich mich abgemüht, vergeblich und für nichts meine Kraft verzehrt; doch mein Recht ist bei dem HERRN und mein Lohn bei meinem Gott. (5) Und nun spricht der HERR, der mich von Mutterleib an zu seinem Knecht gebildet hat, um Jakob zu ihm zurückzubringen – und Israel ist nicht gesammelt worden; aber ich bin geehrt in den Augen des HERRN, und mein Gott ist meine Stärke geworden –, (6) ja, er spricht: Es ist zu gering, dass du mein Knecht seist, um die Stämme Jakobs aufzurichten und die Bewahrten von Israel zurückzubringen. Ich habe dich auch zum Licht der Nationen gesetzt, um meine Rettung zu sein bis an das Ende der Erde.“; Apg 13,46-48; 18,5-6; 28,24-28 „(13:46) Und Paulus und Barnabas äußerten sich freimütig und sprachen: Zu euch musste notwendigerweise das Wort Gottes zuerst geredet werden; weil ihr es aber von euch stoßt und euch selbst des ewigen Lebens nicht für würdig erachtet, siehe, so wenden wir uns zu den Nationen. (13:47) Denn so hat uns der Herr geboten: „Ich habe dich zum Licht der Nationen gesetzt, damit du zum Heil seiest bis an das Ende der Erde.“ (13:48) Als aber die aus den Nationen es hörten, freuten sie sich und verherrlichten das Wort des Herrn; und es glaubten, so viele zum ewigen Leben bestimmt waren.“ „(18:5) Als aber sowohl Silas als auch Timotheus aus Mazedonien herabkamen, wurde Paulus hinsichtlich des Wortes gedrängt und bezeugte den Juden, dass Jesus der Christus sei. (18:6) Als sie aber widerstrebten und lästerten, schüttelte er die Kleider aus und sprach zu ihnen: Euer Blut komme auf euren Kopf! Ich bin rein; von jetzt an werde ich zu den Nationen gehen.“ „(28:24) Und einige wurden überzeugt von dem, was gesagt wurde, andere aber glaubten nicht. (28:25) Als sie aber unter sich uneins waren, gingen sie weg, als Paulus ein Wort sprach: Treffend hat der Heilige Geist durch Jesaja, den Propheten, zu unseren Vätern geredet (28:26) und gesagt: „Geh hin zu diesem Volk und sprich: Hörend werdet ihr hören und nicht verstehen, und sehend werdet ihr sehen und nicht wahrnehmen. (28:27) Denn das Herz dieses Volkes ist dick geworden, und mit den Ohren haben sie schwer gehört, und ihre Augen haben sie geschlossen, damit sie nicht etwa mit den Augen sehen und mit den Ohren hören und mit dem Herzen verstehen und sich bekehren und ich sie heile.“ (28:28) Es sei euch nun kund, dass dieses Heil Gottes den Nationen gesandt worden ist; sie werden auch hören.“; Röm 1,16 „Denn ich schäme mich des Evangeliums nicht, denn es ist Gottes Kraft zum Heil jedem Glaubenden, sowohl dem Juden zuerst als auch dem Griechen.“). Er fügt hinzu: „Wie viel mehr ihre Vollzahl!“ Das heißt, wenn das Versagen Israels dazu geführt hat, dass der Segen an diesem Tag der Gnade auf die Heiden übergegangen ist, wie viel mehr wird das dann der Fall sein, wenn Gott Israel wiederherstellt! Heute ist der Segen durch das Evangelium in begrenzter Weise in die Welt hinausgegangen, aber dann wird es eine weltweite Bekehrung der Heiden geben (Ps 22,28; 47,10 „(22:28) Alle Enden der Erde werden sich erinnern und zu dem HERRN umkehren; und vor dir werden niederfallen alle Geschlechter der Nationen.“ „(47:10) Die Edlen der Völker haben sich versammelt mit dem Volk des Gottes Abrahams; denn die Schilde der Erde sind Gottes; er ist sehr erhaben.“; Jes 2,2-3 „(2) Und es wird geschehen am Ende der Tage, da wird der Berg des Hauses des HERRN feststehen auf dem Gipfel der Berge und erhaben sein über die Hügel. Und alle Nationen werden zu ihm strömen; (3) und viele Völker werden hingehen und sagen: Kommt und lasst uns hinaufziehen zum Berg des HERRN, zum Haus des Gottes Jakobs! Und er wird uns belehren aus seinen Wegen, und wir wollen wandeln auf seinen Pfaden. Denn von Zion wird das Gesetz ausgehen, und das Wort des HERRN von Jerusalem;“; Sach 2,15 „Und an jenem Tag werden viele Nationen sich dem HERRN anschließen, und sie werden mir zum Volk sein; und ich werde in deiner Mitte wohnen, und du wirst erkennen, dass der HERR der Heerscharen mich zu dir gesandt hat.“; Off 7,9 „Nach diesem sah ich: Und siehe, eine große Volksmenge, die niemand zählen konnte, aus jeder Nation und aus Stämmen und Völkern und Sprachen, und sie standen vor dem Thron und vor dem Lamm, bekleidet mit weißen Gewändern, und Palmen waren in ihren Händen.“; usw.). Das erlöste Israel wird an jenem Tag Gottes Segenskanal für die Nationen sein (Jes 60–61 usw.).
Verse 13-14
Röm 11,13-14: Euch aber, den Nationen, sage ich: Insofern ich nun der Apostel der Nationen bin, ehre ich meinen Dienst, 14 ob ich auf irgendeine Weise sie, die mein Fleisch sind, zur Eifersucht reizen und einige von ihnen erretten möge.
Paulus fühlte sich den Heiden gegenüber verantwortlich, und von Römer 11,13 bis 32 wendet er sich direkt an sie. Bei der Auslegung dieses Kapitels ist es wichtig, zu verstehen, dass Paulus nicht unbedingt von den Heiden als Gläubigen spricht, sondern von den Heiden im Allgemeinen. Er will damit sagen, dass sie das unglaubliche Privileg hatten, dass das Evangelium auf sie ausgeweitet wurde. Wir betonen dies, weil er später im Kapitel von der Möglichkeit spricht, dass diese Heiden „ausgeschnitten“ (Röm 11,22) werden könnten. Wahre Gläubige werden, wie wir wissen, in die Gemeinde aufgenommen, und solche werden niemals ausgeschnitten. Das christliche Bekenntnis insgesamt wird jedoch von Gott gerichtet und „ausgespien“ werden (Off 3,16 „So, weil du lau bist und weder warm noch kalt, werde ich dich ausspeien aus meinem Mund.“), weil es nicht in der Güte Gottes geblieben ist. Paulus wollte seinen „Dienst“ ehren, indem er den Heiden predigte, wo immer er konnte, weil er dadurch einige seiner Landsleute zur „Eifersucht“ anregen konnte, und sie würden zum Heil ihrer Seelen glauben (Röm 11,14 „ob ich auf irgendeine Weise sie , die mein Fleisch sind, zur Eifersucht reizen und einige von ihnen erretten möge.“).
Vers 15
Röm 11,15: Denn wenn ihre Verwerfung die Versöhnung der Welt ist, was wird die Annahme anderes sein als Leben aus den Toten?
Genauso sicher, wie es eine „Verwerfung“ Israels gegeben hat, wird es auch eine „Annahme“ an einem kommenden Tag geben. Die Versöhnung ist hier nicht dasselbe wie in Römer 5,10-11 „(10) Denn wenn wir, da wir Feinde waren, mit Gott versöhnt wurden durch den Tod seines Sohnes, so werden wir viel mehr, da wir versöhnt sind, durch sein Leben gerettet werden. (11) Nicht allein aber das, sondern wir rühmen uns auch Gottes durch unseren Herrn Jesus Christus, durch den wir jetzt die Versöhnung empfangen haben.“, wo alles lebenswichtig und ewig ist. Hier ist sie dispensational, das heißt, sie ist eine vorläufige Sache gegenüber den Heiden in der gegenwärtigen Zeit. Die heidnische Welt ist also Gott nahegebracht worden (in allgemeiner Nähe), aber das ist nur äußerlich. Er sagt, dass Israels Annahme wie „Leben aus den Toten“ sein wird. Dies bezieht sich nicht auf die buchstäbliche Auferstehung menschlicher Körper (1Thes 4,16 „Denn der Herr selbst wird mit gebietendem Zuruf, mit der Stimme eines Erzengels und mit der Posaune Gottes vom Himmel herabkommen, und die Toten in Christus werden zuerst auferstehen;“) und auch nicht auf die nationale Auferstehung Israels (Jes 26,19 „Deine Toten werden aufleben, meine Leichen wieder aufstehen. Wacht auf und jubelt, die ihr im Staub liegt! Denn ein Tau des Lichts ist dein Tau; und die Erde wird die Schatten herausgeben.“; Hes 37,1-14; Dan 12,1-3 „(1) Und in jener Zeit wird Michael aufstehen, der große Fürst, der für die Kinder deines Volkes steht; und es wird eine Zeit der Drangsal sein, wie sie nicht gewesen ist, seitdem eine Nation besteht bis zu jener Zeit. Und in jener Zeit wird dein Volk errettet werden, jeder, der im Buch geschrieben gefunden wird. (2) Und viele von denen, die im Staub der Erde schlafen, werden erwachen: diese zu ewigem Leben und jene zur Schande, zu ewigem Abscheu. (3) Und die Verständigen werden leuchten wie der Glanz der Himmelsfeste, und die, welche die Vielen zur Gerechtigkeit weisen, wie die Sterne, immer und ewig.“), sondern auf das, was die heidnische Welt als Folge der Wiederherstellung Israels zum Herrn erleben wird.
William Kelly kommentiert:
Was auch immer die göttliche Barmherzigkeit in der Versöhnung der Welt sein mag, die wir jetzt kennen, während das Evangelium zu jeder Kreatur hinausgeht, eine ganz andere Seligkeit erwartet die ganze Welt als „Leben aus den Toten“, wenn ganz Israel wieder aufgenommen und gerettet wird … Wird es nicht für alle auf der Erde sein wie „Leben aus den Toten“?[1]
Vers 16
Röm 11,16: Wenn aber der Erstling heilig ist, so auch die Masse {Teig}; und wenn die Wurzel heilig ist, so auch die Zweige.
Paulus verwendet zwei Bilder, um seinen Standpunkt zu verdeutlichen:
- Teig
- Olivenbaum
Erstens sagt er in Bezug auf den Teig: „Wenn aber der Erstling [das erste Stück Teig] heilig ist, so auch die Masse {Teig}.“ Der „Erstling“ ist der Überrest der jüdischen Gläubigen in der Gegenwart, die an das Evangelium geglaubt haben. Sie haben Christus „zuvor“ vertraut und sind die Erstlinge des Volkes, das in der Zukunft gerettet werden wird (vgl. Röm 11,5 „So besteht nun auch in der jetzigen Zeit ein Überrest nach Auswahl der Gnade.“; Eph 1,12 „damit wir zum Preise seiner Herrlichkeit seien, die wir zuvor auf den Christus gehofft haben;“). Wenn also der Erstling durch Gottes Gnade heilig ist, wird auch „die Masse“ heilig sein. Die Masse [Teig] ist das Volk an einem kommenden Tag, wenn es an Christus glaubt (Röm 11,26 „und so wird ganz Israel errettet werden, wie geschrieben steht: „Aus Zion wird der Erretter kommen, er wird die Gottlosigkeiten von Jakob abwenden;“). Paulus will damit sagen, dass die wenigen jüdischen Gläubigen heute – „ein Überrest nach Auswahl der Gnade“ (Röm 11,5) – in Wirklichkeit ein Unterpfand oder eine Garantie dafür sind, dass der Überrest wahre Israeliten sind, die gerettet werden. Die Existenz des Überrestes in der heutigen Zeit (der Erstling) ist ein Beweis dafür, dass die Nation (der Teig; die Masse) in der Zukunft gerettet werden wird. Daran erkennen wir, dass Gott Israel nicht aufgegeben hat; es ist ein Segen für die Nation [Israel] vorgesehen.
Paulus geht dann zu dem anderen Bild über, dem „Ölbaum“ (Röm 11,16b-32). Er sagt: „Wenn die Wurzel heilig ist, so auch die Zweige.“ Die „Wurzel“ ist eine Anspielung auf Abraham, den Vater des Volkes, der an einem „heiligen“ Ort mit Gott verbunden war (Jes 51,2 „Blickt hin auf Abraham, euren Vater, und auf Sara, die euch geboren hat; denn ich rief ihn, den Einen, und ich segnete ihn und mehrte ihn.“). Paulus will damit sagen, dass, wenn die Wurzel (Abraham) sich an einem äußeren Ort des Segens befindet, dies auch für „die Zweige“ (Abrahams Nachkommen) gilt. Zweige zu sein bedeutet jedoch nicht unbedingt, dass alle Nachkommen Abrahams aus Gott geboren sind. Sie befanden sich an einem Ort relativer (äußerlicher) Heiligung. So wie Paulus von der Versöhnung spricht (Röm 11,15 „Denn wenn ihre Verwerfung die Versöhnung der Welt ist, was wird die Annahme anderes sein als Leben aus den Toten?“), so spricht er auch von der Heiligung (Röm 11,16 „Wenn aber der Erstling heilig ist, so auch die Masse; und wenn die Wurzel heilig ist, so auch die Zweige.“) – beides ist etwas Relatives (Äußerliches), nicht etwas Entscheidendes und Absolutes.
Drei Aspekte der Heiligung
Es gibt drei Aspekte der Heiligung (Heiligkeit) in der Heiligen Schrift, die wir nicht verwechseln dürfen:
- Es gibt die absolute oder stellungsmäßige Heiligung, wie in Apostelgeschichte 26,18 „um ihre Augen aufzutun, damit sie sich bekehren von der Finsternis zum Licht und von der Gewalt des Satans zu Gott, damit sie Vergebung der Sünden empfangen und ein Erbe unter denen, die durch den Glauben an mich geheiligt sind.“; 1. Korinther 1,2.30; 6,11 „(1:2) der Versammlung Gottes, die in Korinth ist, den Geheiligten in Christus Jesus, den berufenen Heiligen, samt allen, die an jedem Ort den Namen unseres Herrn Jesus Christus anrufen, ihres und unseres Herrn.“ „(1:30) Aus ihm aber seid ihr in Christus Jesus, der uns geworden ist Weisheit von Gott und Gerechtigkeit und Heiligkeit und Erlösung;“ „(6:11) Und solches sind einige von euch gewesen; aber ihr seid abgewaschen, aber ihr seid geheiligt, aber ihr seid gerechtfertigt worden in dem Namen des Herrn Jesus und durch den Geist unseres Gottes.“; 2. Thessalonicher 2,13 „Wir aber sind schuldig, Gott allezeit für euch zu danken, vom Herrn geliebte Brüder, dass Gott euch von Anfang erwählt hat zur Errettung in Heiligung des Geistes und im Glauben an die Wahrheit,“; Hebräer 10,10.14 „Durch diesen Willen sind wir geheiligt durch das ein für alle Mal geschehene Opfer des Leibes Jesu Christi.“ „Denn mit einem Opfer hat er auf immerdar die vollkommen gemacht, die geheiligt werden.“ und 1. Petrus 1,2 „nach Vorkenntnis Gottes, des Vaters, durch Heiligung des Geistes, zum Gehorsam und zur Blutbesprengung Jesu Christi: Gnade und Friede sei euch vermehrt!“. Dies hat damit zu tun, dass die Gläubigen durch Wiedergeburt und Errettung für Gott abgesondert werden.
- Es gibt eine fortschreitende oder praktische Heiligung, wie in Johannes 17,17-19 „(17) Heilige sie durch die Wahrheit: Dein Wort ist Wahrheit. (18) Wie du mich in die Welt gesandt hast, so habe auch ich sie in die Welt gesandt; (19) und ich heilige mich selbst für sie, damit auch sie Geheiligte seien durch Wahrheit.“; Römer 6,19-22 „(19) Ich rede menschlich, wegen der Schwachheit eures Fleisches. Denn ebenso wie ihr eure Glieder dargestellt habt als Sklaven der Unreinheit und der Gesetzlosigkeit zur Gesetzlosigkeit, so stellt jetzt eure Glieder dar als Sklaven der Gerechtigkeit zur Heiligkeit. (20) Denn als ihr Sklaven der Sünde wart, da wart ihr Freie von der Gerechtigkeit. (21) Welche Frucht hattet ihr denn damals von den Dingen, über die ihr euch jetzt schämt? Denn ihr Ende ist der Tod. (22) Jetzt aber, von der Sünde frei gemacht und Gott zu Sklaven geworden, habt ihr eure Frucht zur Heiligkeit, als das Ende aber ewiges Leben.“; 2. Korinther 7,1 „Da wir nun diese Verheißungen haben, Geliebte, so lasst uns uns selbst reinigen von jeder Befleckung des Fleisches und des Geistes, indem wir die Heiligkeit vollenden in der Furcht Gottes.“; Epheser 5,26-27 „(26) damit er sie heiligte, sie reinigend durch die Waschung mit Wasser durch das Wort, (27) damit er die Versammlung sich selbst verherrlicht darstellte, die nicht Flecken oder Runzel oder etwas dergleichen habe, sondern dass sie heilig und untadelig sei.“; 1. Thessalonicher 4,4-7; 5,23 „(4:4) dass jeder von euch sein eigenes Gefäß in Heiligkeit und Ehrbarkeit zu besitzen wisse, (4:5) nicht in Leidenschaft der Lust, wie auch die Nationen, die Gott nicht kennen; (4:6) dass er seinen Bruder nicht übersehe noch hintergehe in der Sache, weil der Herr Rächer ist über dies alles, wie wir euch auch zuvor gesagt und ernstlich bezeugt haben. (4:7) Denn Gott hat uns nicht zur Unreinheit berufen, sondern in Heiligkeit.“ „(5:23) Er selbst aber, der Gott des Friedens, heilige euch völlig; und euer ganzer Geist und Seele und Leib werde untadelig bewahrt bei der Ankunft unseres Herrn Jesus Christus.“; Hebräer 12,14 „Jagt dem Frieden nach mit allen und der Heiligkeit, ohne die niemand den Herrn schauen wird;“. Dies hat damit zu tun, dass die Gläubigen die Heiligkeit in ihrem Leben vervollkommnen.
- Es gibt eine relative Heiligung, die damit zu tun hat, dass eine Person äußerlich mit etwas Heiligem in Verbindung gebracht wird.
Die relative (äußerliche) Heiligung findet sich auch in 1. Korinther 7,14 „Denn der ungläubige Mann ist geheiligt durch die Frau, und die ungläubige Frau ist geheiligt durch den Bruder; sonst wären ja eure Kinder unrein, nun aber sind sie heilig.“, allerdings in einem ganz anderen Zusammenhang. In diesem Fall wird ein ungläubiger Ehemann als „heilig“ bezeichnet, weil er mit seiner gläubigen Frau zusammenlebt. Das bedeutet nicht, dass er gerettet ist, sondern dass er sich an einem heiligen Ort des Vorrechtes befindet. Die relative Heiligung kommt auch in Hebräer 10,29 „wie viel schlimmerer Strafe, meint ihr, wird der wert geachtet werden, der den Sohn Gottes mit Füßen getreten und das Blut des Bundes, durch das er geheiligt worden ist, für gemein erachtet und den Geist der Gnade geschmäht hat?“ vor, aber wieder in einem anderen Zusammenhang. Die Juden, die sich zum Glauben an Christus bekannten und eine christliche Haltung einnahmen, befanden sich an einem geheiligten Ort, aber das bedeutet nicht, dass sie gerettet waren. Der Schreiber des Hebräerbriefs warnt sie, dass sie sich als Abgefallene erweisen würden, wenn sie diese christliche Haltung aufgäben, und dass es für sie nichts als Gericht geben würde (Heb 10,30-31 „(30) Denn wir kennen den, der gesagt hat: „Mein ist die Rache, ich will vergelten“, [spricht der Herr]. Und wiederum: „ Der Herr wird sein Volk richten.“ (31) Es ist furchtbar, in die Hände des lebendigen Gottes zu fallen!“). Was Paulus hier in Römer 11,16 „Wenn aber der Erstling heilig ist, so auch die Masse; und wenn die Wurzel heilig ist, so auch die Zweige.“ meint: Wenn die „Wurzel“ des Volkes (Abraham) an einem heiligen Ort des Vorrechts in Bezug auf Gott steht, dann stehen auch die „Zweige“ (Abrahams Nachkommen, das Volk Israel) an diesem Ort (5Mo 7,6; 14,2 „(7:6) Denn ein heiliges Volk bist du dem HERRN, deinem Gott; dich hat der HERR, dein Gott, erwählt, ihm zum Eigentumsvolk zu sein aus allen Völkern, die auf dem Erdboden sind.“ „(14:2) Denn ein heiliges Volk bist du dem HERRN, deinem Gott; und dich hat der HERR erwählt, ihm ein Eigentumsvolk zu sein, aus allen Völkern, die auf dem Erdboden sind.“; 1Kön 8,53 „Denn du hast sie ausgesondert, dir zum Erbteil aus allen Völkern der Erde, so wie du durch deinen Knecht Mose geredet hast, als du unsere Väter aus Ägypten herausführtest, Herr, HERR!“; Amos 3,3 „Gehen wohl zwei miteinander, außer wenn sie übereingekommen sind?“). Er spricht nicht von dem, was durch die Neugeburt entscheidend ist, sondern davon, dass sie durch ihre Verbindung mit Abraham einen Platz der Gunst und des Vorrechts haben.
Der Olivenbaum
Verse 17-22
Röm 11,17-22: Wenn aber einige der Zweige ausgebrochen worden sind, du aber, der du ein wilder Ölbaum warst, unter sie eingepfropft und der Wurzel [und] der Fettigkeit des Ölbaums teilhaftig geworden bist, 18 so rühme dich nicht gegen die Zweige. Wenn du dich aber gegen sie rühmst – du trägst nicht die Wurzel, sondern die Wurzel dich. 19 Du wirst nun sagen: Die Zweige sind ausgebrochen worden, damit ich eingepfropft würde. 20 Recht; sie sind ausgebrochen worden durch den Unglauben; du aber stehst durch den Glauben. Sei nicht hochmütig, sondern fürchte dich; 21 denn wenn Gott die natürlichen Zweige nicht verschont hat – dass er auch dich etwa nicht verschonen werde. 22 Sieh nun die Güte und die Strenge Gottes: gegen die, die gefallen sind, Strenge; gegen dich aber Güte Gottes, wenn du an der Güte bleibst; sonst wirst auch du ausgeschnitten werden.
Das Bild des „Ölbaums“ zeigt, dass sich Gottes Missfallen in seiner Regierung gegen Israel (wegen seines Unglaubens) gewendet hat, so dass es von seinem Platz der Gunst und des Vorrechts weggenommen und den Nationen zugewiesen wurde. Das bedeutet nicht, dass die Segnungen Israels geistlich auf die Kirche übertragen wurden – ein Irrtum der reformierten (Bundes-/Ersatz-)Theologie. Der Abschnitt bezieht sich auf Israels Vorrecht, an einem Ort äußerer Verbindung mit Gott zu sein, nicht auf Israels Segnungen, die der Kirche gegeben werden.
Israel hatte einst diesen privilegierten Platz eingenommen, so wie die natürlichen Zweige des Ölbaums mit der „Wurzel“ verbunden waren. Aber durch ihren Ungehorsam und schließlich ihre Ablehnung Christi wurden diese „Zweige“ „ausgebrochen“, und Zweige von einem „wilden Ölbaum“ (den Nationen) wurden „eingepfropft“. Die wilden Olivenzweige beziehen sich auf die Christen (die größtenteils aus den Nationen bestehen: Apg 15,14; 28,28 „(15:14) Simon hat erzählt, wie zuerst Gott darauf gesehen hat, aus den Nationen ein Volk zu nehmen für seinen Namen.“ „(28:28) Es sei euch nun kund, dass dieses Heil Gottes den Nationen gesandt worden ist; sie werden auch hören.“). Die Zweige in diesem Abschnitt beziehen sich nicht auf Gläubige, sondern eher auf Personen (einige wirklich, andere nicht), die sich an einem Ort äußerer Gunst bei Gott befinden. Die wilden Ölzweige stehen also nicht für die Kirche, sondern für diejenigen, die sich an diesem Tag der Gnade zum Glauben an Christus bekennen. (Wenn es sich bei den Zweigen um wahre Gläubige handeln würde, dann würde dies lehren, dass es für einen Gläubigen möglich ist, seine Errettung zu verlieren, denn in Vers 22 heißt es, dass sie „ausgeschnitten“ werden, wenn sie nicht in der Güte Gottes bleiben. Die Schrift lehrt, dass dies unmöglich ist: Gläubige sind auf ewig sicher; siehe Johannes 10,27-28 „(27) Meine Schafe hören meine Stimme, und ich kenne sie, und sie folgen mir; (28) und ich gebe ihnen ewiges Leben, und sie gehen nicht verloren in Ewigkeit, und niemand wird sie aus meiner Hand rauben.“; usw.).
Die Tatsache, dass der Abschnitt an die geschrieben ist, die die wilden Olivenzweige darstellen, zeigt, dass Israel zur Zeit, als Paulus diesen Brief schrieb, als bereits von den Wegen Gottes abgeschnitten angesehen wurde. Beachte auch, dass er sagt, dass „einige“ der natürlichen Zweige ausgebrochen sind; er sagt nicht, dass alle abgeschnitten wären, denn es gibt einen Überrest von Juden, die an das Evangelium geglaubt haben (Röm 11,5 „So besteht nun auch in der jetzigen Zeit ein Überrest nach Auswahl der Gnade.“). Die „ausgepfropften natürlichen Zweige“ beziehen sich auf die Nation Israel, die im Handeln Gottes auf nationaler Ebene beiseitegestellt ist. Micha 5,2 „Darum wird er sie hingeben bis zur Zeit, da eine Gebärende geboren hat; und der Rest seiner Brüder wird zurückkehren zu den Kindern Israel.“ bezeugt dies. Er erklärt, dass der Messias von den Juden verworfen wurde und sie „hingeben“ wird, bis eine Zeit der Wehen über sie kommt, was sich auf die große Trübsal bezieht (vgl. Mich 5,2 „Darum wird er sie hingeben bis zur Zeit, da eine Gebärende geboren hat; und der Rest seiner Brüder wird zurückkehren zu den Kindern Israel.“). Die wilden Ölzweige, die eingepfropft wurden, werden gewarnt, dass auch sie „ausgeschnitten“ werden, wenn sie nicht „an der Güte bleiben“ (Röm 11,22). Dies bezieht sich darauf, dass das Vorrecht, das der Christenheit gegenwärtig zuteilwird, durch das Gericht weggenommen wird (Off 3,16 „So, weil du lau bist und weder warm noch kalt, werde ich dich ausspeien aus meinem Mund.“). Offenbarung 2 bis 3 ist ein Beweis dafür, dass die Christenheit nicht in der Güte Gottes verharrt hat und das Gericht erwartet. Von einer Wiederherstellung der Christenheit ist in der Heiligen Schrift nicht die Rede.
Verse 23-24
Röm 11,23-24: Auch jene aber, wenn sie nicht im Unglauben bleiben, werden eingepfropft werden; denn Gott vermag sie wieder einzupfropfen. 24 Denn wenn du aus dem von Natur wilden Ölbaum ausgeschnitten und gegen die Natur in den edlen Ölbaum eingepfropft worden bist, wie viel mehr werden diese, die natürlichen Zweige, in ihren eigenen Ölbaum eingepfropft werden!
Paulus spricht dann von der Möglichkeit und der Unvermeidlichkeit, dass die „natürlichen Zweige“ wieder eingepfropft werden. Dies bezieht sich offensichtlich darauf, dass Gott Israel wieder aufnimmt, und zwar in einer nationalen Weise. Die Bedingung lautet einfach: „wenn sie nicht im Unglauben bleiben“, das heißt, wenn sie ihren hartnäckigen Unglauben aufgeben – was ein Überrest des Volkes eines kommenden Tages tun wird.
Das Geheimnis von Israels Blindheit – eine vorübergehende Angelegenheit
Vers 25
Röm 11,25: Denn ich will nicht, Brüder, dass euch dieses Geheimnis unbekannt sei, damit ihr nicht euch selbst für klug haltet: dass Israel zum Teil Verhärtung widerfahren ist, bis die Vollzahl der Nationen eingegangen ist; …
Paulus wollte nicht, dass den Brüdern das „Geheimnis“ der Blindheit Israels „unbekannt sei“. Es ist durchaus möglich, dass wir uns im Stolz erheben („euch selbst für klug haltet“) und meinen, wir wären besser als Israel. Israel ist nur eine teilweise „Verhärtung“ widerfahren, weil ein Überrest an das Evangelium glaubt. Und diese Verhärtung wird nur andauern, „bis die Vollzahl der Nationen eingegangen ist“. Dies bezieht sich auf die vollständige Zahl der Auserwählten, die an das heute verkündete Evangelium glauben werden. Dann wird der Herr die Gemeinde bei der Entrückung in den Himmel holen (Joh 14,2-3 „(2) In dem Haus meines Vaters sind viele Wohnungen; wenn es nicht so wäre, hätte ich es euch gesagt; denn ich gehe hin, euch eine Stätte zu bereiten. (3) Und wenn ich hingehe und euch eine Stätte bereite, so komme ich wieder und werde euch zu mir nehmen, damit, wo ich bin, auch ihr seiet.“; 1Thes 4,15-18 „(15) (Denn dieses sagen wir euch im Wort des Herrn, dass wir, die Lebenden, die übrig bleiben bis zur Ankunft des Herrn, den Entschlafenen keineswegs zuvorkommen werden. (16) Denn der Herr selbst wird mit gebietendem Zuruf, mit der Stimme eines Erzengels und mit der Posaune Gottes vom Himmel herabkommen, und die Toten in Christus werden zuerst auferstehen; (17) danach werden wir, die Lebenden, die übrig bleiben, zugleich mit ihnen entrückt werden in Wolken dem Herrn entgegen in die Luft; und so werden wir allezeit bei dem Herrn sein. (18) So ermuntert nun einander mit diesen Worten.)“). Danach wird der Herr Israel wieder annehmen und die Juden werden dann in die „Zeit der Drangsal für Jakob“ (Jer 30,7) eintreten. Diese Zeit wird auch die „Zeit, da eine Gebärende geboren hat“ (Mich 5,2) und die „große Drangsal“ (Mt 24,21) genannt. Durch den intensiven Druck dieser Prüfung wird sich ein Überrest gottesfürchtiger Juden in Buße über ihre nationale Sünde, Ihn gekreuzigt zu haben, „zum Herrn bekehren“ (2Kor 3,16a). Siehe auch Jesaja 53. Sofort wird „die Decke“, die sich über ihre Augen und Herzen gelegt hat, „weggenommen werden“ (2Kor 3,16b). „Sie werden auf mich blicken, den sie durchbohrt haben, und werden über ihn wehklagen“ (Sach 12,10), und dann wird der Herr eine „Quelle“ (im übertragenen Sinn) zur Reinigung von ihren Sünden öffnen, woraufhin sie zu Ihm zurückkehren werden (Sach 13,1 „An jenem Tag wird eine Quelle geöffnet sein für das Haus David und für die Bewohner von Jerusalem für Sünde und für Unreinheit.“). „An jenem Tag werden die Tauben die Worte des Buches hören, und aus Dunkel und Finsternis hervor werden die Augen der Blinden sehen. … Und die Augen der Sehenden werden nicht mehr verklebt sein, und die Ohren der Hörenden werden aufmerksam zuhören“ (Jes 29,18; 32,3).
Die Heilige Schrift sagt, dass der Herr aus Zion kommen und Israel erretten wird (Röm 11,26-32)
Verse 26-27
Röm 11,26-27: … und so wird ganz Israel errettet werden, wie geschrieben steht: „Aus Zion wird der Erretter kommen, er wird die Gottlosigkeiten von Jakob abwenden; 27 und dies ist für sie der Bund von mir, wenn ich ihre Sünden wegnehmen werde.“
Dies bringt Paulus zu einem dritten Beweis dafür, dass Gott mit Israel noch nicht fertig ist – das Wort Gottes (insbesondere die alttestamentlichen Propheten) sagt ganz klar, dass der Herr „ganz Israel“ erretten wird. Da dies eindeutig noch nicht geschehen ist, handelt es sich um eine Verheißung, die erst noch erfüllt werden muss. Wenn Gott mit seinem Wort verheißen hat, dass Er dies tun wird, kann Er sein Wort nicht rückgängig machen. Wenn Er sein Wort brechen würde, hätte Er mehr zu verlieren als Israel! Er würde seine Ehre und seinen Ruf verlieren und sich als ein Gott erweisen, dem man nicht trauen könnte! Da Er sich selbst nicht verleugnen kann und will, wird sein Wort Bestand haben. „Nicht ein Mensch ist Gott, dass er lüge, noch ein Menschensohn, dass er bereue. Sollte er sprechen und es nicht tun, und reden und es nicht aufrechterhalten?“ (4Mo 23,19).
Wenn Gott sagt, dass „ganz Israel errettet werden“ wird, dann wissen wir aus dem, was Paulus uns bereits in Römer 9,6-8 „(6) Nicht aber, dass das Wort Gottes hinfällig geworden wäre; denn nicht alle, die aus Israel sind, diese sind Israel, (7) auch nicht, weil sie Abrahams Nachkommen sind, sind alle Kinder, sondern „in Isaak wird dir eine Nachkommenschaft genannt werden.“ (8) Das ist: Nicht die Kinder des Fleisches, diese sind Kinder Gottes, sondern die Kinder der Verheißung werden als Nachkommen gerechnet.“ gelehrt hat, dass sich dies auf alle wahren Israeliten bezieht, das heißt auf diejenigen, die nicht nur Abrahams Blutlinie, sondern auch Abrahams Glauben haben. Der Aspekt der Errettung ist hier nicht nur ein seelischer, sondern auch ein buchstäblicher – sie werden von ihren Feinden gerettet und als Nation in Christi zukünftigem Tausendjährigen Reich etabliert (Röm 11,26-27 „(26) und so wird ganz Israel errettet werden, wie geschrieben steht: „Aus Zion wird der Erretter kommen, er wird die Gottlosigkeiten von Jakob abwenden; (27) und dies ist für sie der Bund von mir, wenn ich ihre Sünden wegnehmen werde.““). Paulus zitiert Jesaja 59,20-21 „(20) Und ein Erlöser wird kommen für Zion und für die, die in Jakob von der Übertretung umkehren, spricht der HERR. (21) Und ich – dies ist mein Bund mit ihnen, spricht der HERR: Mein Geist, der auf dir ist, und meine Worte, die ich in deinen Mund gelegt habe, werden nicht aus deinem Mund weichen noch aus dem Mund deiner Nachkommen, noch aus dem Mund der Nachkommen deiner Nachkommen, spricht der HERR, von nun an bis in Ewigkeit.“ als Beispiel für eine Prophezeiung, die im Zusammenhang mit Israels nationalem Segen noch erfüllt werden muss.
Verse 28-29
Röm 11,28-29: Hinsichtlich des Evangeliums sind sie zwar Feinde, um euretwillen, hinsichtlich der Auswahl aber Geliebte, um der Väter willen. 29 Denn die Gnadengaben und die Berufung Gottes sind unbereubar.
Paulus wendet sich immer noch an die Heiden und zeigt, dass Gott sowohl Israel als auch die Nationen segnet, aber auf zwei verschiedene Arten und zu zwei verschiedenen Zeiten. Er sagt: „Hinsichtlich des Evangeliums sind sie zwar Feinde, um euretwillen.“ Die Heiden können Gott dafür danken, dass Israel gestrauchelt ist, denn das hat ihnen die Tür geöffnet. Aber das bedeutet nicht, dass für Israel alles vorbei ist. Paulus ergänzt, dass die Israeliten „hinsichtlich der Auswahl aber Geliebte sind, um der Väter willen“, und eines Tages in der Zukunft werden sie gesegnet werden. Er versichert uns dies, indem er sagt, dass „die Gnadengaben und die Berufung Gottes“ in Bezug auf Israel „unbereubar“ sind. Das heißt, Gott wird nicht bereuen (seine Meinung ändern), was Er Israel versprochen hat. Daher sind die Verheißungen, die den Vätern gegeben wurden, und die Prophezeiungen ihrer Propheten über Israels Segen sicher.
Verse 30-32
Röm 11,30-32: Denn wie ihr einst Gott nicht geglaubt habt, jetzt aber unter die Begnadigung gekommen seid durch deren Unglauben, 31 so haben auch jetzt diese an eure Begnadigung nicht geglaubt, damit auch sie unter die Begnadigung kommen. 32 Denn Gott hat alle zusammen in den Unglauben eingeschlossen, um alle zu begnadigen.
Paulus schließt seine Ausführungen mit der Feststellung, dass es bei Gottes Segen für den Menschen, ob für Juden oder für Heiden, auf seine souveräne Güte und Barmherzigkeit ankommt. Während die Heiden „jetzt Barmherzigkeit erlangt haben“ durch Israels „Unglauben“, „können auch sie (Israel) in der Zukunft Barmherzigkeit erlangen“ auf die gleiche Weise. So hat „Gott alle im Unglauben verschlossen, damit er sich aller erbarme“. Das Evangelium, das Paulus predigte, stand also in keiner Weise im Widerspruch zu den Verheißungen Gottes an Israel.
Drei Ausdrücke, die in der Heiligen Schrift im Zusammenhang mit den Heiden verwendet werden
- „Die Zeiten der Nationen“ (Lk 21,24)
Dies bezieht sich auf den Zeitraum, als „der Thron des HERRN“, der seine Regierungsgewalt bezeichnet (1Chr 29,23 „Und so setzte sich Salomo auf den Thron des HERRN als König an seines Vaters David statt, und er hatte Gelingen; und ganz Israel gehorchte ihm.“), aufgrund des Versagens Israels (2Chr 36,14-21) auf die Heiden übertragen wurde (Dan 2,37; 5,18-19 „(2:37) Du, o König, du König der Könige, dem der Gott des Himmels das Königtum, die Macht und die Gewalt und die Ehre gegeben hat;“ „(5:18) Du, o König – der höchste Gott hatte Nebukadnezar, deinem Vater, das Königtum und die Größe und die Ehre und die Herrlichkeit verliehen; (5:19) und wegen der Größe, die er ihm verliehen hatte, bebten und fürchteten sich alle Völker, Völkerschaften und Sprachen vor ihm. Wen er wollte, tötete er, und wen er wollte, ließ er leben; und wen er wollte, erhob er, und wen er wollte, erniedrigte er.“). Diese Zeitspanne begann 606 v.Chr. und wird mit der Erscheinung Christi enden (Lk 21,24-28 „(24) Und sie werden fallen durch die Schärfe des Schwertes und gefangen weggeführt werden unter alle Nationen; und Jerusalem wird von den Nationen zertreten werden, bis die Zeiten der Nationen erfüllt sind. (25) Und es werden Zeichen sein an Sonne und Mond und Sternen, und auf der Erde Bedrängnis der Nationen in Ratlosigkeit bei dem Tosen und Wogen des Meeres; (26) indem die Menschen vergehen vor Furcht und Erwartung der Dinge, die über den Erdkreis kommen, denn die Kräfte der Himmel werden erschüttert werden. (27) Und dann werden sie den Sohn des Menschen kommen sehen in einer Wolke mit Macht und großer Herrlichkeit. (28) Wenn aber diese Dinge anfangen zu geschehen, so blickt auf und hebt eure Häupter empor, weil eure Erlösung naht.“). Die Herrschaft auf der Erde ging in dieser Zeit durch vier aufeinanderfolgende heidnische Reiche – die Babylonier, die Meder und Perser, die Griechen und die Römer. Während der römischen Herrschaft führte Gott eine himmlische Berufung der Kirche durch das Evangelium ein als einen Einschub in seinen Wegen mit der Erde, nach der „der Thron des Herrn“ dem erlösten Israel wieder gegeben und in Jerusalem errichtet wird, wenn Christus als König über die ganze Erde regieren wird (Jer 3,17 „In jener Zeit wird man Jerusalem den Thron des HERRN nennen, und alle Nationen werden sich zu ihr versammeln wegen des Namens des HERRN in Jerusalem; und sie werden nicht mehr dem Starrsinn ihres bösen Herzens nachwandeln.“; Dan 2,35.44 „Da wurden zugleich das Eisen, der Ton, das Kupfer, das Silber und das Gold zermalmt, und sie wurden wie Spreu der Sommertennen; und der Wind führte sie weg, und es wurde keine Stätte für sie gefunden. Und der Stein, der das Bild geschlagen hatte, wurde zu einem großen Berg und füllte die ganze Erde.“ „Und in den Tagen dieser Könige wird der Gott des Himmels ein Königreich aufrichten, das in Ewigkeit nicht zerstört und dessen Herrschaft keinem anderen Volk überlassen werden wird; es wird alle jene Königreiche zermalmen und vernichten, selbst aber in Ewigkeit bestehen:“; Sach 14,9 „Und der HERR wird König sein über die ganze Erde; an jenem Tag wird der HERR einer sein und sein Name einer.“; Ps 47,8 „Denn Gott ist König der ganzen Erde; singt Psalmen mit Einsicht!“). -
„Die Vollzahl der Nationen“ (Röm 11,25)
Dies bezieht sich auf die vollständige Zahl der Auserwählten, die an das Evangelium der Gnade Gottes glauben werden, das heute unter den Nationen verbreitet wird. -
„Der Reichtum der Nationen“ (Röm 11,12)
Dies bezieht sich auf die besondere Gunst, die Gott den Heiden erwiesen hat, indem Er ihnen die Möglichkeit gab, das Evangelium zu hören.
Die Doxologie des Paulus
Verse 33-36
Röm 11,33-36: O Tiefe des Reichtums, sowohl der Weisheit als auch der Erkenntnis Gottes! Wie unerforschlich sind seine Gerichte und unergründlich seine Wege! 34 Denn wer hat den Sinn des Herrn erkannt, oder wer ist sein Mitberater gewesen? 35 Oder wer hat ihm zuvor gegeben, und es wird ihm vergolten werden? 36 Denn von ihm und durch ihn und für ihn sind alle Dinge; ihm sei die Herrlichkeit in Ewigkeit! Amen.
An diesem Punkt hat Paulus den Gipfel der Wahrheit in dem Brief erreicht. Wie ein Bergsteiger, der den Gipfel des Berges, den er erklommen hat, erreicht hat und sich umdreht, um zu sehen, wie weit er gekommen ist, blickt Paulus auf den Weg der Barmherzigkeit und Gnade zurück, den er in den vorangegangenen Kapiteln dargelegt hat, und bricht spontan in ein Loblied auf Gott für seine Weisheit und seine Wege aus. Nichts könnte zu einer solchen Geschichte der Gnade passender sein! Sie zeigt, was die Reaktion eines jeden Christen sein sollte.
In dieser Doxologie sehen wir, dass das Herz des Apostels voll des Lobes und der Bewunderung für Gottes großen Plan ist, sowohl Juden als auch Heiden zu retten und zu segnen. Sieben große Eigenschaften Gottes werden erwähnt: der „Reichtum“, die „Weisheit“, die „Erkenntnis“, die „Gerichte“, die „Wege“, der „Verstand [Sinn]“ und der „Ratschluss [wer ist sein Mitberater]“ Gottes. All diese Dinge wirken zusammen, um unseren Segen in einer Weise zu sichern, der über allen Verstand hinausgeht.
Paulus endet damit, dass er anerkennt, dass alles Gute und der Segen ihren Ursprung in Gott selbst haben; es ist alles „von ihm“. Alles, was Er zum Segen des Menschen wirkt, geschieht „durch ihn“ und wird schließlich „zu ihm“ zurückkehren, zu seiner eigenen Ehre. Das zeigt, dass Gott die Quelle alles Guten, das Mittel alles Guten und das Ziel alles Guten ist. Alles ist dazu bestimmt, Ihm „Ehre“ zu bringen, und wird Ihm am Tag der Offenbarung Christi Ehre bringen. Zu Recht schließt Paulus die Doxologie mit einem herzlichen „Amen“ („So sei es“) ab.
Drei große paulinische Doxologien
- Lobpreisung der Weisheit Gottes (Röm 11,33-36 „(33) O Tiefe des Reichtums, sowohl der Weisheit als auch der Erkenntnis Gottes! Wie unerforschlich sind seine Gerichte und unergründlich seine Wege! (34) Denn wer hat den Sinn des Herrn erkannt, oder wer ist sein Mitberater gewesen? (35) Oder wer hat ihm zuvor gegeben, und es wird ihm vergolten werden? (36) Denn von ihm und durch ihn und für ihn sind alle Dinge; ihm sei die Herrlichkeit in Ewigkeit! Amen.“)
- Doxologie für die Liebe Gottes (Eph 3,20-21 „(20) Dem aber, der über alles hinaus zu tun vermag, über die Maßen mehr, als was wir erbitten oder erdenken, nach der Kraft, die in uns wirkt, (21) ihm sei die Herrlichkeit in der Versammlung in Christus Jesus auf alle Geschlechter des Zeitalters der Zeitalter hin! Amen.)“)
- Doxologie über die Gnade Gottes (1Tim 1,17 „Dem König der Zeitalter aber, dem unvergänglichen, unsichtbaren, alleinigen Gott, sei Ehre und Herrlichkeit von Ewigkeit zu Ewigkeit! Amen.“)
Originaltitel: „The Stumbling of Israel – Opening the Way for Blessing to go out to the Gentiles, and the Gentile’s Rejection of Grace – Preparing the Way for Israel’s Restoration: Romans 11“
in Outline of the Epistle to the Romans: God’s Righteousness declared in the Gospel
Quelle: www.bibletruthpublishers.com
Übersetzung: Stephan Isenberg
Anmerkungen
[1] W. Kelly, Notes on the Epistle to the Romans, S. 224.


