Das Königreich Gottes (4)
Himmelsbürger auf der Erde

Henk Pieter Medema

© SoundWords, online: 30.07.2025, updated: 24.10.2025

Dein Reich komme …

Die Lehrerin, die uns als Mittelstufenschüler etwas über Biologie beibringen sollte, war insgesamt nicht sehr engagiert. Doch weil es eine christliche Schule war, musste morgens zu Beginn des Unterrichts gebetet werden. Ich erinnere mich noch gut daran, wie sie das „Vaterunser“ aus der Bibel vorlas. Einmal hatte sie vermutlich ihre Bibel nicht dabei und musste nach ein paar vergeblichen Versuchen, das Gebet auswendig zu zitieren, einen Schüler fragen, wie es weiterging …

Das „Vaterunser“ ist für viele Menschen so ziemlich das Letzte, was sie noch vom Christentum beibehalten haben. Und in diesem Gebet sprechen sie auch die Worte: „Dein Reich komme.“ Wissen alle, die dieses Gebet sprechen, auch, was sie beten? Dein Reich komme – aber ist das Reich Gottes denn noch nicht da? Und sehnen wir uns danach, dass es kommt? Oder ist es schon da, nur unsichtbar? Oder ist es nicht da und wird es auch nie kommen? Wie steht es um das Reich, das von den Propheten in all seiner Herrlichkeit beschrieben wurde? Wird es noch kommen? Oder leben wir bereits mitten darin? Oder müssen wir vielleicht daran arbeiten, dass es zustande kommt? Kurz gesagt: Was ist nun das Reich Gottes?

Das ist eine ganz grundlegende Frage. Wenn wir über die Stellung nachdenken, die wir als Christen hier auf der Erde einnehmen, kommen wir nicht umhin, uns zu fragen, was das Reich Gottes in der heutigen Zeit ist.

Gott als König im Alten Testament

Für manche mag die Frage, die wir gerade aufgeworfen haben, seltsam erscheinen. War Gott nicht schon immer König? „Der HERR ist König immer und ewig“ (Ps 10,16) – so steht es doch so oft in der Bibel.

In gewisser Weise ist das auch richtig. Wir müssen jedoch unterscheiden, dass die Schrift auf verschiedene Weise vom Reich Gottes spricht (abgesehen von den Texten, die sich auf irdische Reiche beziehen wie Israel, Ägypten, Assur, Babel usw.).

  1. In gewissem Sinne war Gott immer König seit Anbeginn der Schöpfung. Er regiert die Erde; Er ist König. Dass wir seine Herrschaft nicht immer verstehen (Pred 8,16-17 (16) Als ich mein Herz darauf richtete, Weisheit zu erkennen und das Treiben zu besehen, das auf der Erde geschieht (denn weder bei Tag noch bei Nacht sieht man den Schlaf mit seinen Augen), (17) da habe ich bezüglich des ganzen Werkes Gottes gesehen, dass der Mensch das Werk nicht zu erfassen vermag, das unter der Sonne geschieht, indem der Mensch sich abmüht, es zu suchen, aber es nicht findet. Und selbst wenn der Weise es zu erkennen meint, vermag er es doch nicht zu erfassen.“), ist etwas anderes, aber es ändert nichts an der Tatsache, dass Gott König ist. „Der HERR thront als König in Ewigkeit“ (Ps 29,10). Er ist der König aller Völker (Jer 10,7 „Wer sollte dich nicht fürchten, König der Nationen? Denn dir gebührt es. Denn unter allen Weisen der Nationen und in allen ihren Königreichen ist gar keiner dir gleich,“) und ganz besonders König über sein Volk Israel (1Sam 12,12 „Als ihr aber saht, dass Nahas, der König der Kinder Ammon, über euch kam, spracht ihr zu mir: Nein, sondern ein König soll über uns regieren! – obwohl doch der HERR, euer Gott, euer König ist.“; Ps 149,2 „Israel freue sich seines Schöpfers; die Kinder Zions sollen frohlocken über ihren König!“). Siehe auch Psalm 5,3; 22,29; 24,7-10; 29,10; 44,5; 47,3.7-8; 48,3; 68,25; 74,12; 84,4; 95,3; 98,6; 145,1; 149,2 (5:3) Horche auf die Stimme meines Schreiens, mein König und mein Gott! Denn zu dir bete ich.“ „(22:29) Denn des HERRN ist das Reich, und unter den Nationen herrscht er.“ „(24:7) Erhebt, ihr Tore, eure Häupter, und erhebt euch, ewige Pforten, damit der König der Herrlichkeit einziehe! (24:8) Wer ist dieser König der Herrlichkeit? Der HERR, stark und mächtig! Der HERR, mächtig im Kampf! (24:9) Erhebt, ihr Tore, eure Häupter, und erhebt euch, ewige Pforten, damit der König der Herrlichkeit einziehe! (24:10) Wer ist er, dieser König der Herrlichkeit? Der HERR der Heerscharen, er ist der König der Herrlichkeit! – Sela.“ „(29:10) Der HERR thront auf der Wasserflut, und der HERR thront als König in Ewigkeit.“ „(44:5) Du selbst bist mein König, o Gott; gebiete die Rettungen Jakobs!“ „(47:3) Denn der HERR, der Höchste, ist furchtbar, ein großer König über die ganze Erde.“ „(47:7) Singt Gott Psalmen, singt Psalmen; singt Psalmen unserem König, singt Psalmen! (47:8) Denn Gott ist König der ganzen Erde; singt Psalmen mit Einsicht!“ „(48:3) Schön ragt empor, eine Freude der ganzen Erde, der Berg Zion, an der Nordseite, die Stadt des großen Königs.“ „(68:25) Sie haben deine Züge gesehen, o Gott, die Züge meines Gottes, meines Königs im Heiligtum.“ „(74:12) Gott ist ja mein König von alters her, der Rettungen verschafft inmitten des Landes.“ „(84:4) Sogar der Sperling hat ein Haus gefunden, und die Schwalbe ein Nest für sich, wohin sie ihre Jungen legt – deine Altäre, HERR der Heerscharen, mein König und mein Gott!“ „(95:3) Denn ein großer Gott ist der HERR, und ein großer König über alle Götter;“ „(98:6) Mit Trompeten und dem Schall der Posaune jauchzt vor dem König, dem HERRN!“ „(145:1) Ein Lobgesang von David.Ich will dich erheben, mein Gott, du König, und deinen Namen preisen immer und ewig.“ „(149:2) Israel freue sich seines Schöpfers; die Kinder Zions sollen frohlocken über ihren König!“; Jesaja 6,5; 52,7 (6:5) Und ich sprach: Wehe mir! Denn ich bin verloren; denn ich bin ein Mann mit unreinen Lippen, und inmitten eines Volkes mit unreinen Lippen wohne ich; denn meine Augen haben den König, den HERRN der Heerscharen, gesehen.“ „(52:7) Wie lieblich sind auf den Bergen die Füße dessen, der frohe Botschaft bringt, der Frieden verkündigt, der Botschaft des Guten bringt, der Rettung verkündigt, der zu Zion spricht: Dein Gott herrscht als König!“; Jeremia 10,7.10; 46,18; 48,15; 51,57 (10:7) Wer sollte dich nicht fürchten, König der Nationen? Denn dir gebührt es. Denn unter allen Weisen der Nationen und in allen ihren Königreichen ist gar keiner dir gleich,“ „(10:10) Aber der HERR ist Gott in Wahrheit; er ist der lebendige Gott und ein ewiger König. Vor seinem Grimm erbebt die Erde, und seinen Zorn können die Nationen nicht ertragen.“ „(46:18) So wahr ich lebe, spricht der König, HERR der Heerscharen ist sein Name: Wie der Tabor unter den Bergen und wie der Karmel am Meer wird er kommen!“ „(48:15) Moab ist verwüstet, und seine Städte hat man erstiegen, und die Auslese seiner Jünglinge ist zur Schlachtung hingestürzt, spricht der König, HERR der Heerscharen ist sein Name.“ „(51:57) Und ich berausche seine Fürsten und seine Weisen, seine Statthalter und seine Vorsteher und seine Helden, dass sie entschlafen zu ewigem Schlaf und nicht mehr erwachen, spricht der König, HERR der Heerscharen ist sein Name.“; Sacharja 14,16-17 (16) Und es wird geschehen, dass alle Übriggebliebenen von allen Nationen, die gegen Jerusalem gekommen sind, Jahr für Jahr hinaufziehen werden, um den König, den HERRN der Heerscharen, anzubeten und das Laubhüttenfest zu feiern. (17) Und es wird geschehen, wenn eines von den Geschlechtern der Erde nicht nach Jerusalem hinaufziehen wird, um den König, den HERRN der Heerscharen, anzubeten: Über dieses wird kein Regen kommen;“; Maleachi 1,4 „Wenn Edom spricht: Wir sind zerschmettert, werden aber die Trümmer wieder aufbauen, so spricht der HERR der Heerscharen: Sie werden bauen, ich aber werde niederreißen; und man wird sie nennen „Gebiet der Gottlosigkeit“ und „das Volk, dem der HERR in Ewigkeit zürnt“.“

    Aber wie übt Gott denn seine Herrschaft aus? Er tut dies im Allgemeinen. Es ist diese verborgene Gottesherrschaft, die uns oft, wie Asaph in Psalm 73, fragen lässt, warum Gott bestimmte Dinge in unserem Leben zulässt. Aber wir dürfen uns bewusst sein, dass alles in Gottes Händen liegt und dass „denen, die Gott lieben, alle Dinge zum Guten mitwirken“ (Röm 8,28).

    Gottes Regierung ist also jetzt verborgen. In diesem Sinne kann Sacharja 14,9 „Und der HERR wird König sein über die ganze Erde; an jenem Tag wird der HERR einer sein und sein Name einer.“ von der zukünftigen Königsherrschaft Jahwes sprechen: „Der HERR wird König sein über die ganze Erde“ (vgl. Mich 4,7 „Und ich werde das Hinkende zu einem Überrest und das weit Entfernte zu einer gewaltigen Nation machen; und der HERR wird König über sie sein auf dem Berg Zion, von nun an bis in Ewigkeit.“; Obad 21 „Und es werden Retter auf den Berg Zion ziehen, um das Gebirge Esaus zu richten; und das Reich wird dem HERRN gehören.“). Erst in der Zukunft, im Friedensreich, wird Gott seine Herrschaft über die Erde unmittelbar ausüben. Übrigens sprechen viele der oben zitierten Texte, insbesondere aus den Psalmen, eigentlich auch prophetisch von der Zeit, in der Jahwe König über die ganze Erde sein wird. 

  2. An vielen Stellen im Alten Testament ist vom Gesalbten, dem Messias, die Rede, der König über das Volk sein wird (Hes 37,22 „Und ich werde sie zu einer Nation machen im Land, auf den Bergen Israels, und sie werden allesamt einen König zum König haben; und sie sollen nicht mehr zu zwei Nationen werden und sollen sich fortan nicht mehr in zwei Königreiche teilen.“). Gott hat seinen König über Zion gesalbt (Ps 2; vgl. Jes 32,1 „Siehe, ein König wird regieren in Gerechtigkeit; und die Fürsten, sie werden nach Recht herrschen.“; Sach 9,9 „Frohlocke laut, Tochter Zion; jauchze, Tochter Jerusalem! Siehe, dein König wird zu dir kommen: Gerecht und ein Retter ist er, demütig und auf einem Esel reitend, und zwar auf einem Fohlen, einem Jungen der Eselin.“). Wir wissen jetzt, wer dieser Messias ist: Es ist Jesus Christus, der Mann aus Nazareth, aus dem Geschlecht Davids, aber gleichzeitig Jahwe selbst und als solcher „das Geschlecht Davids“ (Off 22,16). „Er wird über das Haus Jakobs herrschen in Ewigkeit, und sein Reich wird kein Ende haben“ (Lk 1,33). Zahlreiche Prophezeiungen weisen auf Ihn hin. Man könnte sagen, dass im Alten Testament ein Profil dieses kommenden Königs gezeichnet wird. Manchmal in klaren Prophezeiungen, manchmal in versteckterer Form, wie in den Texten aus dem Buch der Sprüche, in denen vom „König“ die Rede ist (Spr 14,28.35; 16,10.12-15; 19,12; 20,2.8.26.28; 21,1; 22,11.29; 25,2-3.5-6; 29,4.14; 30,31; 31,3-4 (14:28) In der Menge des Volkes ist die Herrlichkeit eines Königs, aber im Schwinden der Bevölkerung eines Fürsten Untergang.“ „(14:35) Die Gunst des Königs wird dem einsichtigen Knecht zuteil; aber der Schändliche wird Gegenstand seines Grimmes sein.“ „(16:10) Ein Orakelspruch ist auf den Lippen des Königs: Sein Mund vergeht sich nicht am Recht.“ „(16:12) Ein Gräuel der Könige ist es, gottlos zu handeln; denn durch Gerechtigkeit steht ein Thron fest. (16:13) Das Wohlgefallen der Könige sind gerechte Lippen; und wer Aufrichtiges redet, den liebt er. (16:14) Der Grimm des Königs gleicht Todesboten, aber ein weiser Mann versöhnt ihn. (16:15) Im Licht des Angesichts des Königs ist Leben, und sein Wohlgefallen ist wie eine Wolke des Spätregens.“ „(19:12) Der Zorn des Königs ist wie das Knurren eines jungen Löwen, aber sein Wohlgefallen wie Tau auf das Gras.“ „(20:2) Der Schrecken des Königs ist wie das Knurren eines jungen Löwen; wer ihn gegen sich aufbringt, verwirkt sein Leben.“ „(20:8) Ein König, der auf dem Thron des Gerichts sitzt, zerstreut alles Böse mit seinen Augen.“ „(20:26) Ein weiser König zerstreut die Gottlosen und führt das Dreschrad über sie hin.“ „(20:28) Güte und Wahrheit behüten den König, und durch Güte stützt er seinen Thron.“ „(21:1) Wasserbächen gleicht das Herz eines Königs in der Hand des HERRN; wohin immer er will, neigt er es.“ „(22:11) Wer Reinheit des Herzens liebt, wessen Lippen Anmut sind, dessen Freund ist der König.“ „(22:29) Siehst du einen Mann, der gewandt ist in seinem Geschäft – vor Königen wird er stehen, er wird nicht vor Niedrigen stehen.“ „(25:2) Gottes Ehre ist es, eine Sache zu verbergen, aber der Könige Ehre, eine Sache zu erforschen. (25:3) Der Himmel an Höhe, und die Erde an Tiefe, und das Herz der Könige sind unerforschlich.“ „(25:5) man entferne den Gottlosen vor dem König, so wird sein Thron feststehen durch Gerechtigkeit. (25:6) Brüste dich nicht vor dem König und stell dich nicht an den Platz der Großen.“ „(29:4) Ein König gibt durch Recht dem Land Bestand; aber ein Mann, der Geschenke liebt, bringt es herunter.“ „(29:14) Ein König, der die Geringen in Wahrheit richtet, dessen Thron wird feststehen auf ewig.“ „(30:31) der Lendenstraffe, oder der Bock; und ein König, bei dem das Kriegsheer ist.“ „(31:3) Gib nicht den Frauen deine Kraft, noch deine Wege den Verderberinnen der Könige. (31:4) Nicht für Könige geziemt es sich, Lemuel, nicht für Könige, Wein zu trinken, noch für Fürsten, zu fragen: „Wo ist starkes Getränk?“,“). Das Alte Testament ist sozusagen ein einziger Ruf an Zion: „Siehe, dein König kommt!“ 

  3. Im Buch Daniel finden wir jedoch eine Prophezeiung, die noch weiter geht. Dieses Buch der Bibel ist von großer Bedeutung, weil es die Situation beschreibt, die entstand, als Gott seine Königsherrschaft über Israel nicht mehr ausüben konnte. Gott hat die Herrschaft über diese Erde an aufeinanderfolgende Weltreiche übertragen (Dan 2); darauf soll hier nicht näher eingegangen werden. Aber schließlich wird „in den Tagen dieser Könige der Gott des Himmels ein Königreich aufrichten, das in Ewigkeit nicht zerstört und dessen Herrschaft keinem anderen Volk überlassen werden wird; es wird alle jene Königreiche zermalmen und vernichten, selbst aber in Ewigkeit bestehen“ (Dan 2,44).

    Und wer wird der Herrscher in diesem Reich sein? Dazu müssen wir Daniel 7 aufschlagen. Dort ziehen erneut die Weltreiche an uns vorbei: das Babylonische Reich (Dan 7,4 „Das erste war gleich einem Löwen und hatte Adlerflügel; ich schaute, bis seine Flügel ausgerissen wurden und es von der Erde aufgehoben und wie ein Mensch auf seine Füße gestellt und ihm ein Menschenherz gegeben wurde.“), das Persische Reich (Dan 7,5 „Und siehe, ein anderes, zweites Tier, glich einem Bären; und es richtete sich auf einer Seite auf, und es hatte drei Rippen in seinem Maul zwischen seinen Zähnen; und man sprach zu ihm so: Steh auf, friss viel Fleisch!“), das Griechisch-mazedonische Reich (Dan 7,6 „Nach diesem schaute ich, und siehe, ein anderes, gleich einem Leoparden; und es hatte vier Vogelflügel auf seinem Rücken; und das Tier hatte vier Köpfe, und Herrschaft wurde ihm gegeben.“) und schließlich das Römische Reich (Dan 7,7-8 (7) Nach diesem schaute ich in Gesichten der Nacht: Und siehe, ein viertes Tier, schrecklich und furchtbar und sehr stark, und es hatte große, eiserne Zähne; es fraß und zermalmte, und das Übriggebliebene zertrat es mit seinen Füßen; und es war verschieden von allen Tieren, die vor ihm gewesen waren, und es hatte zehn Hörner. (8) Während ich auf die Hörner Acht gab, siehe, da stieg ein anderes, kleines Horn zwischen ihnen empor, und drei von den ersten Hörnern wurden vor ihm ausgerissen; und siehe, an diesem Horn waren Augen wie Menschenaugen und ein Mund, der große Dinge redete.“). Doch diese Weltreiche werden nicht immer die Bühne beherrschen (Dan 7,12 „Und was die übrigen Tiere betrifft: Ihre Herrschaft wurde weggenommen, aber Verlängerung des Lebens wurde ihnen gegeben bis auf Zeit und Stunde.“). Wir lesen dann:

    „Ich schaute, bis Throne aufgestellt wurden und ein Alter an Tagen sich setzte: Sein Gewand war weiß wie Schnee und das Haar seines Hauptes wie reine Wolle, sein Thron Feuerflammen, dessen Räder ein loderndes Feuer. Ein Strom von Feuer floss und ging von ihm aus; tausendmal Tausende dienten ihm, und zehntausendmal Zehntausende standen vor ihm. Das Gericht setzte sich, und Bücher wurden geöffnet. … Ich schaute in Gesichten der Nacht: Und siehe, mit den Wolken des Himmels kam einer wie eines Menschen Sohn; und er kam zu dem Alten an Tagen und wurde vor ihn gebracht. Und ihm wurde Herrschaft und Herrlichkeit und Königtum gegeben, und alle Völker, Völkerschaften und Sprachen dienten ihm; seine Herrschaft ist eine ewige Herrschaft, die nicht vergehen wird, und sein Königtum ein solches, das nie zerstört werden wird“ (Dan 7,9-10.13-14).

    Was ist nun das Besondere an dieser Ankündigung? Lesen wir noch einmal Vers 13: „Und siehe, mit den Wolken des Himmels kam einer wie eines Menschen Sohn.“ Das hatte noch kein Prophet angekündigt! Dass Jahwe König über die ganze Erde ist und bald sein Königtum direkt ausüben wird und dass der Messias König über Israel sein wird, das wussten die Propheten. Aber dass einem Menschen eine ewige Herrschaft über „alle Völker, Nationen und Sprachen“ gegeben werden wird, das ist etwas ganz Besonderes! Wir brauchen nicht zu raten, wer dieser Menschensohn ist. Aus den Evangelien wissen wir, wie oft unser Herr sich selbst so bezeichnete. Ja, Er wird bald die Herrschaft ausüben, nicht nur als Messias, als gesalbter König über Israel, sondern als Menschensohn über die ganze Erde. Der Ausdruck „Menschensohn“ bezeichnet nicht den Messias als Sohn Davids aus dem israelitischen Königshaus, sondern er bezeichnet Ihn als einen Menschen. Dadurch ist Er mit dem gesamten Menschengeschlecht verbunden, nicht nur speziell mit dem Volk Israel. Daniel 7 zeigt auch, dass der Menschensohn und Jahwe im Grunde vollkommen gleich sind (Dan 7,22 „bis der Alte an Tagen kam und das Gericht den Heiligen der höchsten Örter gegeben wurde und die Zeit kam, dass die Heiligen das Reich in Besitz nahmen.“; siehe auch Mich 2,13; 5,1 (2:13) Der Durchbrecher zieht herauf vor ihnen her; sie brechen durch und ziehen durchs Tor und gehen durch es hinaus; und ihr König zieht vor ihnen her und der HERR an ihrer Spitze.“ „(5:1) Und du, Bethlehem-Ephrata, zu klein, um unter den Tausenden von Juda zu sein, aus dir wird mir hervorkommen, der Herrscher über Israel sein soll; und seine Ursprünge sind von der Urzeit, von den Tagen der Ewigkeit her.“; Sach 14,3.5 „Und der HERR wird ausziehen und gegen jene Nationen kämpfen, wie an dem Tag, da er kämpft, an dem Tag der Schlacht.“ „Und ihr werdet in das Tal meiner Berge fliehen, und das Tal der Berge wird bis Azel reichen; und ihr werdet fliehen, wie ihr vor dem Erdbeben geflohen seid in den Tagen Ussijas, des Königs von Juda. Und kommen wird der HERR, mein Gott, und alle Heiligen mit dir.“).

Das Kommen des Reiches

Der König ist gekommen. Jesus Christus wurde in der Stadt Davids aus dem Geschlecht Davids geboren. Sein Herold, Johannes der Täufer, ging vor Ihm her. Schließlich trat Er selbst in Erscheinung, als Er seinem Volk Israel verkündete: „Das Reich der Himmel ist nahe gekommen“ (Mt 3,2; 4,17; Mk 1,15 „und sprach: Die Zeit ist erfüllt, und das Reich Gottes ist nahe gekommen. Tut Buße und glaubt an das Evangelium.“); und Er sandte seine Jünger aus, dieselbe Botschaft zu predigen (Mt 10,7 „Geht aber hin, predigt und sprecht: Das Reich der Himmel ist nahe gekommen.“; Lk 10,9 „und heilt die Kranken darin und sprecht zu ihnen: Das Reich Gottes ist nahe zu euch gekommen.“). Das Reich war nahe; das einzige Problem war noch: Wäre das Volk bereit, den König zu empfangen? Wenn sie Ihn annähmen, dann käme das Reich Gottes in all seiner irdischen Herrlichkeit, wie es von den Propheten vorhergesagt worden war. Heute wird es oft so dargestellt, als hätte der Herr das gar nicht gewollt. Ja, die Jünger dachten, dass der Herr Jesus ein irdisches Reich wollte! Sie wollten doch gerne zu seiner Rechten und zu seiner Linken in diesem Reich sitzen, oder? Er wollte kein irdisches Reich, sondern ein geistliches Reich. Er wollte nicht König werden über ein irdisches Reich, sondern König in den Herzen der Menschen. Wie dumm, dass die Jünger – und die Juden im Allgemeinen – das nicht verstanden!

Aber wenn wir so argumentieren, vergessen wir alle alttestamentlichen Prophezeiungen, die eindeutig ein irdisches Reich angekündigt hatten. Wiederholt weisen sie darauf hin, dass es beim Kommen des Reiches tatsächlich darum ging, dass diese Prophezeiungen erfüllt würden (z.B. Mt 1,23; 2,5.15.23; 3,3; 4,12-16; 8,17; 11,10; 12,17-21 (1:23) „Siehe, die Jungfrau wird schwanger sein und einen Sohn gebären, und sie werden seinen Namen Emmanuel nennen“, was übersetzt ist: Gott mit uns.“ „(2:5) Sie aber sagten ihm: In Bethlehem in Judäa; denn so steht durch den Propheten geschrieben:“ „(2:15) Und er blieb dort bis zum Tod des Herodes, damit erfüllt würde, was von dem Herrn geredet ist durch den Propheten, der spricht: „Aus Ägypten habe ich meinen Sohn gerufen.““ „(2:23) und kam und wohnte in einer Stadt, genannt Nazareth, damit erfüllt würde, was durch die Propheten geredet ist: „Er wird Nazaräer genannt werden.““ „(3:3) Denn dieser ist der, von dem durch Jesaja, den Propheten, geredet ist, der spricht: „Stimme eines Rufenden in der Wüste: Bereitet den Weg des Herrn, macht gerade seine Pfade.““ „(4:12) Als er aber gehört hatte, dass Johannes überliefert worden war, zog er sich nach Galiläa zurück; (4:13) und er verließ Nazareth und kam und wohnte in Kapernaum, das am See liegt, im Gebiet von Sebulon und Naphtali, (4:14) damit erfüllt würde, was durch den Propheten Jesaja geredet ist, der spricht: (4:15) „Land Sebulon und Land Naphtali, gegen den See hin, jenseits des Jordan, Galiläa der Nationen: (4:16) Das Volk, das in Finsternis sitzt, hat ein großes Licht gesehen, und denen, die im Land und im Schatten des Todes sitzen – Licht ist ihnen aufgegangen.““ „(8:17) damit erfüllt würde, was durch den Propheten Jesaja geredet ist, der spricht: „Er selbst nahm unsere Schwachheiten und trug unsere Krankheiten.““ „(11:10) Dieser ist es, von dem geschrieben steht: „Siehe, ich sende meinen Boten vor deinem Angesicht her, der deinen Weg vor dir bereiten wird.““ „(12:17) damit erfüllt würde, was durch den Propheten Jesaja geredet ist, der spricht: (12:18) „Siehe, mein Knecht, den ich erwählt habe, mein Geliebter, an dem meine Seele Wohlgefallen gefunden hat; ich werde meinen Geist auf ihn legen, und er wird den Nationen Gericht ankündigen. (12:19) Er wird nicht streiten noch schreien, noch wird jemand seine Stimme auf den Straßen hören; (12:20) ein geknicktes Rohr wird er nicht zerbrechen, und einen glimmenden Docht wird er nicht auslöschen, bis er das Gericht zum Sieg führt; (12:21) und auf seinen Namen werden die Nationen hoffen.““). Aber hatte der Herr Jesus selbst seinen Jüngern nicht verboten zu sagen, dass Er der Gesalbte sei (Mt 12,16; 16,20 (12:16) Und er gebot ihnen ernstlich, ihn nicht offenbar zu machen,“ „(16:20) Dann gebot er den Jüngern, niemand zu sagen, dass er der Christus sei.“)? Gewiss, aber dafür gab es einen ganz besonderen Grund. Zu dem Zeitpunkt, als der Herr dies sagte, war die Zeit vorbei, dass Er sich dem Volk als König präsentierte. Er war verworfen worden, und nun erwartete Ihn nur noch Leiden (Mt 16,21 „Von da an begann Jesus seinen Jüngern zu zeigen, dass er nach Jerusalem hingehen müsse und von den Ältesten und Hohenpriestern und Schriftgelehrten vieles leiden und getötet und am dritten Tag auferweckt werden müsse.“). Diese Verwerfung des Königs ist ein dunkles Kapitel in der Geschichte des Reiches Gottes. Dieses Kapitel müssen wir jedoch genau studieren, um zu verstehen, welchen Platz das Reich jetzt einnimmt.

Der verworfene König

Das Matthäusevangelium beschäftigt sich vor allem mit dem Herrn Jesus als dem kommenden König. Wie es bei Königen üblich ist, wird sein Stammbaum aufgeführt: Er stammte von David und Abraham ab (Mt 1,1-16). Weise aus dem Osten kamen, um den König der Juden anzubeten (Mt 2,1-12). Als die Zeit kam, dass der Herr öffentlich auftreten sollte, trat zuerst sein Herold hervor (Mt 3,1-12). Nach der Versuchung in der Wüste berief der Herr seine Jünger und ging überall hin, um „das Evangelium des Reiches“ zu predigen (Mt 4,23 „Und [Jesus] zog in ganz Galiläa umher, lehrte in ihren Synagogen und predigte das Evangelium des Reiches und heilte jede Krankheit und jedes Gebrechen unter dem Volk.“; vgl. Mt 9,35; 13,19; 24,14 (9:35) Und Jesus zog umher durch alle Städte und Dörfer, lehrte in ihren Synagogen und predigte das Evangelium des Reiches und heilte jede Krankheit und jedes Gebrechen.“ „(13:19) Sooft jemand das Wort vom Reich hört und nicht versteht, kommt der Böse und reißt weg, was in sein Herz gesät war; dieser ist es, der an den Weg gesät ist.“ „(24:14) Und dieses Evangelium des Reiches wird auf dem ganzen Erdkreis gepredigt werden, allen Nationen zum Zeugnis, und dann wird das Ende kommen.“; Lk 4,43; 8,1; 9,2.11.60; 16,16 (4:43) Er aber sprach zu ihnen: Ich muss auch den anderen Städten das Reich Gottes verkündigen, denn dazu bin ich gesandt.“ „(8:1) Und es geschah danach, dass er nacheinander Stadt und Dorf durchzog, indem er predigte und das Reich Gottes verkündigte. Und die Zwölf waren bei ihm,“ „(9:2) und er sandte sie aus, das Reich Gottes zu predigen und die Kranken zu heilen.“ „(9:11) Als aber die Volksmengen es erfuhren, folgten sie ihm; und er nahm sie auf und redete zu ihnen über das Reich Gottes, und die, die Heilung nötig hatten, machte er gesund.“ „(9:60) Er aber sprach zu ihm: Lass die Toten ihre Toten begraben, du aber geh hin und verkündige das Reich Gottes.“ „(16:16) Das Gesetz und die Propheten waren bis auf Johannes; von da an wird das Evangelium des Reiches Gottes verkündigt, und jeder dringt mit Gewalt hinein.“). In Matthäus 5 bis 7 steht dann die Bergpredigt, eigentlich eine Art Verfassung für das Reich Gottes. Durch Wunder und Zeichen bewies der Herr, dass Er der Messias war (Mt 9), und sandte seine Jünger aus, damit auch sie das Evangelium des Reiches Gottes verkündeten.

Inzwischen war jedoch der Widerstand der Pharisäer deutlich geworden (Mt 11,1-6). Sie bezeichneten den Messias als „Fresser und Weinsäufer“ (Mt 11,19). Selbst die Städte, in denen Er die meisten Wunder gewirkt hatte – Chorazin, Bethsaida und Kapernaum –, hatten sich nicht bekehrt (Mt 11,20-24 (20) Dann fing er an, die Städte zu schelten, in denen seine meisten Wunderwerke geschehen waren, weil sie nicht Buße getan hatten: (21) Wehe dir, Chorazin! Wehe dir, Bethsaida! Denn wenn in Tyrus und Sidon die Wunderwerke geschehen wären, die unter euch geschehen sind, längst hätten sie in Sack und Asche Buße getan. (22) Doch ich sage euch: Tyrus und Sidon wird es erträglicher ergehen am Tag des Gerichts als euch. (23) Und du, Kapernaum, die du bis zum Himmel erhöht worden bist, bis zum Hades wirst du hinabgestoßen werden; denn wenn in Sodom die Wunderwerke geschehen wären, die in dir geschehen sind, es wäre geblieben bis auf den heutigen Tag. (24) Doch ich sage euch: Dem Land von Sodom wird es erträglicher ergehen am Tag des Gerichts als dir.“). Diejenigen, die sich für „weise und klug“ hielten, hatten Ihn verworfen; deshalb sprach der Herr nun zu „Kindern“, zu den wenigen, die einen kindlichen Glauben an Ihn hatten, und offenbarte ihnen den Vater (Mt 11,21-30).

In Matthäus 12 kommt dann der endgültige Bruch. Christus musste die Pharisäer scharf verurteilen (Mt 12,1-13), und sie berieten, wie sie Ihn umbringen könnten (Mt 12,14 „Die Pharisäer aber gingen hinaus und hielten Rat gegen ihn, wie sie ihn umbrächten.“). Ja, sie gingen sogar so weit, dass sie das, von dem sie wussten, dass es das Werk des Heiligen Geistes war, dem Satan zuschrieben (Mt 12,22-37). Für diese Lästerung des Heiligen Geistes gab es keine Vergebung; einem so bösen und ehebrecherischen Geschlecht konnte auch kein Zeichen mehr gegeben werden (Mt 12,39 „Er aber antwortete und sprach zu ihnen: Ein böses und ehebrecherisches Geschlecht begehrt ein Zeichen, und kein Zeichen wird ihm gegeben werden als nur das Zeichen Jonas, des Propheten.“). Das Haus Israel war „gekehrt und geschmückt“ (Mt 12,44); sie hielten die Gesetze ganz genau ein, doch nun, da sie den Herrn Jesus verworfen hatten, konnten sie nur noch sieben böse Geister erwarten, wodurch es ihnen am Ende schlimmer ergehen würde als am Anfang.

Kein Wunder, dass der Herr in Matthäus 12,46-50 (46) Während er noch zu den Volksmengen redete, siehe, da standen seine Mutter und seine Brüder draußen und suchten ihn zu sprechen. (47) Es sprach aber jemand zu ihm: Siehe, deine Mutter und deine Brüder stehen draußen und suchen dich zu sprechen. (48) Er aber antwortete und sprach zu dem, der es ihm sagte: Wer ist meine Mutter, und wer sind meine Brüder? (49) Und er streckte seine Hand aus über seine Jünger und sprach: Siehe da, meine Mutter und meine Brüder; (50) denn wer irgend den Willen meines Vaters tut, der in den Himmeln ist, der ist mein Bruder und meine Schwester und meine Mutter.“ deutlich macht, dass seine familiären Bindungen zum Volk Israel von nun an keine Rolle mehr spielen. Als seine Brüder und Verwandten will Er fortan nur noch diejenigen anerkennen, die eine moralische Verbindung zu Ihm haben: „Wer irgend den Willen meines Vaters tut, der in den Himmeln ist, der ist mein Bruder und meine Schwester und meine Mutter“ (Mt 12,50). Damit wird der Charakter, den das Reich nun annehmen würde, deutlich angegeben. In Matthäus 13 erklärt der Herr Jesus dann in Form von sieben Gleichnissen, wie das Reich aussehen wird, nachdem der König verworfen worden ist.

Die Geheimnisse des Reiches der Himmel

Was für eine traurige Geschichte! Der König war verworfen worden; wie die Bürger aus dem Gleichnis von den Talenten riefen die Juden sozusagen: „Wir wollen nicht, dass dieser über uns herrsche“ (Lk 19,14). Nicht, dass die Juden keinen König wollten. Bei einer früheren Gelegenheit musste der Herr Jesus sich an einen einsamen Ort zurückziehen, um zu verhindern, dass sie Ihn mit Gewalt zum König machten (Joh 6,15 „Da nun Jesus erkannte, dass sie kommen und ihn ergreifen wollten, um ihn zum König zu machen, zog er sich wieder auf den Berg zurück, er allein.“). Doch schon am nächsten Tag zeigte sich: Sobald der Herr sie darauf hinwies, dass sie kein Leben in sich hatten, und Er ihr Gewissen berührte, „drückten“ sie sich: „Diese Rede ist hart, wer kann sie hören?“ (Joh 6,60).

Nein, solange das Volk sich nicht bekehrte, konnte Christus die Königsherrschaft über Israel nicht annehmen. Vor Pilatus bezeugte Er: „Mein Reich ist nicht von dieser Welt; wenn mein Reich von dieser Welt wäre, hätten meine Diener gekämpft, damit ich den Juden nicht überliefert würde; jetzt aber ist mein Reich nicht von hier“ (Joh 18,36). Bedeutet das, dass der Herr nie wieder König über diese Welt sein wird? Nein, das bedeutet es nicht; in Zukunft werden laute Stimmen im Himmel sagen: „Das Reich der Welt unseres Herrn und seines Christus ist gekommen, und er wird herrschen von Ewigkeit zu Ewigkeit“ (Off 11,15; vgl. Off 12,10 „Und ich hörte eine laute Stimme in dem Himmel sagen: Nun ist das Heil und die Macht und das Reich unseres Gottes und die Gewalt seines Christus gekommen; denn hinabgeworfen ist der Verkläger unserer Brüder, der sie Tag und Nacht vor unserem Gott verklagte.“).

Bedeutet das nun, dass der Herr erst in der Zukunft König sein wird? Auch das ist nicht gemeint, denn der Herr Jesus sagt zu Pilatus: „Du sagst es, dass ich ein König bin“ (Joh 18,37). Der Herr Jesus ist also sehr wohl ein König. Das Reich Gottes ist sehr wohl gekommen; aber es ist (noch) kein Reich mit einem weltlichen, sichtbaren Machtbereich; das wird es erst in der Zukunft sein. Es ist ein Reich, das (noch) nicht in derselben Weise sichtbar ist wie beispielsweise das Babylonische, das Medo-persische, das Griechisch-mazedonische oder das Römische Reich. Aber das Reich ist sehr wohl da! Und der König hat sehr wohl Untertanen. Denn auch wenn sein Volk Ihn verworfen hat, auch wenn die Mächtigen dieser Welt Ihn gekreuzigt haben, so gibt es doch auch in dieser Zeit Menschen, die diesem verworfenen Christus gehorsam sein wollen. Sie bilden das Reich Gottes in dieser Zeit, und wir werden uns nun damit beschäftigen, was dieses Reich beinhaltet.

Zunächst müssen wir uns dazu Matthäus 13 zuwenden, denn dort macht der Herr deutlich, welche Gestalt das Reich während der Zeit der Ablehnung des Königs annehmen wird. Dabei wird uns klarwerden, dass dies ein Geheimnis war, eine verborgene Form des Reiches, von der im Alten Testament noch nicht die Rede war (Mt 13,35 „damit erfüllt würde, was durch den Propheten geredet ist, der spricht: „Ich werde meinen Mund auftun in Gleichnissen; ich werde aussprechen, was von Grundlegung der Welt an verborgen war.““).

Die Gleichnisse vom Reich Gottes

Ich beabsichtige hier nicht, Matthäus 13 vollständig zu erläutern; dazu verweise ich gern auf andere Bücher zu diesem Thema. Es wird jedoch notwendig sein, aus jedem dieser sieben Gleichnisse Aspekte des Reiches Gottes in dieser Zeit herauszuarbeiten..[1]

  1. Das Gleichnis vom Sämann (Mt 13,1-9.18-23) macht deutlich, auf welche Weise das Reich Gottes errichtet werden würde: nicht durch Gewalt oder Zwang, sondern durch die Verkündigung des Wortes Gottes. Nicht bei allen, die das Wort hören würden, würde es Frucht bringen; nur bei einem Teil würde es „auf guten Boden fallen“ und Frucht bringen. Und auch diese Frucht würde nicht bei allen gleich sein: bei einigen hundert Prozent, bei anderen sechzig Prozent und bei wieder anderen nur dreißig Prozent.

  2. Das Gleichnis vom Unkraut auf dem Acker (Mt 13,24-30) macht deutlich, dass der Böse nicht untätig ist, wenn das Wort verkündet wird. Während die Menschen schliefen (und wie wenig wachsam waren wir Christen oft!), bekam der Feind Gelegenheit, Unkraut mitten unter den Weizen zu säen, ein Unkraut, das dem Weizen so sehr ähnelt, dass es kaum von ihm zu unterscheiden ist. So sieht das Reich jetzt aus: Dort, wo das Wort gepredigt wurde – grob gesagt das Gebiet all derer, die sich Christen nennen –, befinden sich wahre Gläubige (der Weizen), aber dazwischen auch Unkraut: Menschen, die nur dem Anschein nach Christen sind. Sie sind getauft, zahlen treu ihre Kirchensteuer und gehen jeden Sonntag in ihren gepflegten Anzügen zur Kirche, doch sie haben kein Leben aus Gott; von Bekehrung und Glauben an den Herrn Jesus haben sie keine Ahnung. Wer kann jedoch in das Herz eines anderen sehen? Wer kann sagen, ob jemand wirklich von neuem geboren ist oder nicht? Erst bei der „Ernte“, bei der Wiederkunft Christi, wird sich zeigen, wer ein echter Christ war und wer nur eine christliche Fassade hatte.

  3. Das Gleichnis vom Senfkorn (Mt 13,31-32 (31) Ein anderes Gleichnis legte er ihnen vor und sprach: Das Reich der Himmel ist gleich einem Senfkorn, das ein Mensch nahm und auf seinen Acker säte, (32) das zwar kleiner ist als alle Samenkörner, aber wenn es gewachsen ist, ist es größer als die Kräuter und wird ein Baum, so dass die Vögel des Himmels kommen und sich niederlassen in seinen Zweigen.“) zeigt, dass noch mehr geschehen würde: Das Reich würde zu einem „großen Baum“ heranwachsen. Bäume sind in der Schrift immer ein Bild für eine große irdische Macht (Hes 17,22-24; 31,1-18; Dan 4,7-13). Ist es nicht genauso mit dem Christentum gegangen? Die Christen haben vergessen, dass sie nicht auf die Erde gehören, und seit den Tagen Konstantins des Großen ist das Christentum zu einer bedeutenden politischen Macht geworden. Bald wird das große Babylon, das verdorbene Christentum, von Gott gerichtet werden, weil es „eine Behausung von Dämonen geworden ist und ein Gewahrsam jedes unreinen Geistes und ein Gewahrsam jedes unreinen und gehassten Vogels“ (Off 18,2).

  4. Aus dem Gleichnis vom Sauerteig (Mt 13,33 „Ein anderes Gleichnis redete er zu ihnen: Das Reich der Himmel ist gleich einem Sauerteig, den eine Frau nahm und unter drei Maß Mehl mengte, bis es ganz durchsäuert war.“) geht hervor, dass das Böse (für das der Sauerteig in der Schrift immer ein Bild ist[2]) schließlich auf verborgene Weise das ganze Reich durchdringen wird. Wenn man das Christentum seiner Verantwortung überlässt, wird es völlig versagen; wir brauchen uns nur umzuschauen, um den traurigen Beweis dafür zu finden, dass dies tatsächlich geschehen ist.

  5. Glücklicherweise finden wir jedoch in dem Gleichnis vom Schatz im Acker (Mt 13,44 „Das Reich der Himmel ist gleich einem im Acker verborgenen Schatz, den ein Mensch fand und verbarg; und vor Freude darüber geht er hin und verkauft alles, was er hat, und kauft jenen Acker.“) etwas anderes. Innerhalb des Reiches befindet sich ein Schatz, der für den Herrn Jesus so wertvoll ist, dass Er alles, was Er hatte, aufgab und den ganzen Acker kaufte, um diesen Schatz zu besitzen. Dieser Schatz ist die Versammlung,[3] die für Christus so unendlich kostbar ist, dass Er sein Leben für sie hingegeben hat (Eph 5,25 „Ihr Männer, liebt eure Frauen, wie auch der Christus die Versammlung geliebt und sich selbst für sie hingegeben hat,“); die Versammlung, die in dieser Zeit im Reich verborgen ist (vgl. 2Kor 4,3 „Wenn aber auch unser Evangelium verdeckt ist, so ist es in denen verdeckt, die verloren gehen,“). Wer erkennt in der gegenwärtigen verwirrenden Situation noch die wahre Gemeinde, die aus allen wahren Gläubigen besteht? Sie ist verborgen, aber sie ist da, und zu dieser Gemeinde geht die Liebe des Herrn Jesus aus.

  6. In dem Gleichnis von der kostbaren Perle (Mt 13,45-46 (45) Wiederum ist das Reich der Himmel gleich einem Kaufmann, der schöne Perlen sucht; (46) als er aber eine sehr kostbare Perle gefunden hatte, ging er hin und verkaufte alles, was er hatte, und kaufte sie.“) wird uns deutlich gemacht, dass der Herr Jesus nicht nur die ganze Welt gekauft hat, sondern besonders diese eine kostbare Perle, die seinem Herzen teuer war. Es ist übrigens bemerkenswert, dass Christus diese letzten drei Gleichnisse seinen Jüngern gesondert erzählte (Mt 13,36 „Dann entließ er die Volksmengen und kam in das Haus; und seine Jünger traten zu ihm und sprachen: Deute uns das Gleichnis vom Unkraut des Ackers.“). Daraus geht klar hervor, dass diese Gleichnisse sich nicht auf die öffentliche und für alle sichtbare Seite des Reiches beziehen, sondern auf die verborgeneren Aspekte.

  7. Schließlich zeichnet das Gleichnis vom Fischernetz (Mt 13,47-50 (47) Wiederum ist das Reich der Himmel gleich einem Netz, das ins Meer geworfen wurde und Fische von jeder Art zusammenbrachte, (48) das sie, als es voll war, ans Ufer heraufzogen; und sie setzten sich nieder und lasen die guten in Gefäße zusammen, aber die schlechten warfen sie hinaus. (49) So wird es in der Vollendung des Zeitalters sein: Die Engel werden ausgehen und die Bösen aus der Mitte der Gerechten aussondern (50) und sie in den Feuerofen werfen: Dort wird das Weinen und das Zähneknirschen sein.“) das endgültige Schlussbild: Am Ende werden „die Bösen aus der Mitte der Gerechten ausgesondert“ werden. Doch jetzt ist das Reich noch ein Durcheinander von „guten und schlechten Fischen“, von Gläubigen und Ungläubigen.

Das Gleichnis von den zehn Pfunden

Das Gleichnis von den zehn Pfunden, das der Herr Jesus seinen Jüngern kurz vor seinem Einzug in Jerusalem erzählte (Lk 19,11-27), ist besonders aufschlussreich, damit wir den Zustand des Reiches in dieser Zeit sowie unseren Platz darin verstehen. Es war notwendig, dass die Jünger gewarnt wurden, denn das Reich Gottes würde noch nicht sofort in seiner ganzen Herrlichkeit offenbar werden, wie die Jünger meinten (Lk 19,11 „Als sie aber dies hörten, fügte er noch ein Gleichnis hinzu, weil er nahe bei Jerusalem war und sie meinten, dass das Reich Gottes sogleich erscheinen sollte.“). Der Herr macht deutlich, dass Er zuerst die Erde verlassen und in den Himmel gehen müsse.

„Ein gewisser hochgeborener Mann zog in ein fernes Land, um ein Reich für sich zu empfangen und wiederzukommen“ (Lk 19,12). Damit wird auch der besondere Charakter des Reiches in dieser Zeit deutlich: Das Reich ist auf der Erde, aber der König befindet sich im Himmel. „Seine Bürger“ (Lk 19,14, die Juden) hatten Ihn abgelehnt; sie wollten nicht, dass Er ihr König sei. Aber auf Erden hat der König seine „Knechte“ (Lk 19,13), denen Er zehn Pfund gibt mit dem Auftrag: „Handelt, bis ich komme.“ Die Wiederkunft des Königs wird ihnen in Aussicht gestellt, und das soll für sie der Antrieb sein, ihrem Herrn zu dienen. Damit wird unser Platz auf der Erde als Christen in der heutigen Zeit deutlich illustriert: Wir haben den Auftrag erhalten, unserem Herrn zu dienen, bis Er kommt (vgl. 1Thes 1,9-10 (9) Denn sie selbst berichten von uns, welchen Eingang wir bei euch hatten und wie ihr euch von den Götzenbildern zu Gott bekehrt habt, um dem lebendigen und wahren Gott zu dienen (10) und seinen Sohn aus den Himmeln zu erwarten, den er aus den Toten auferweckt hat – Jesus, der uns errettet von dem kommenden Zorn.“).

Wir sind Knechte des Herrn: seine „Sklaven“, und wir sind gute Knechte (Lk 19,17 „Und er sprach zu ihm: Wohl, du guter Knecht! Weil du im Geringsten treu warst, so habe Gewalt über zehn Städte.“) oder böse Knechte (Lk 19,22 „Er spricht zu ihm: Aus deinem Mund werde ich dich richten, du böser Knecht! Du wusstest, dass ich ein strenger Mann bin, der ich nehme, was ich nicht hingelegt, und ernte, was ich nicht gesät habe?“), je nachdem, ob wir dem Herrn so dienen, wie Er es gern sieht. Die Frage, ob alle Knechte auch wahre Gläubige sind, wird hier nicht behandelt; es ist genau das Bild des Reiches, in dem sich alle befinden, die Jesus als Herrn anerkennen, ob sie nun von neuem geboren sind oder nicht. Das zentrale Thema dieses Gleichnisses ist das Kommen des Herrn. Der einst Verworfene wird bald zurückkehren, um sein Reich in Empfang zu nehmen. Dann wird der Himmel von Hallelujas widerhallen, wenn „der Herr, unser Gott, der Allmächtige, die Herrschaft angetreten“ hat (Off 19,6 „Und ich hörte etwas wie eine Stimme einer großen Volksmenge und wie ein Rauschen vieler Wasser und wie ein Rollen starker Donner, die sprachen: Halleluja! Denn der Herr, unser Gott, der Allmächtige, hat die Herrschaft angetreten.“).

Diesem Tag werden große Gerichte vorausgehen, denn der, der jetzt von der Welt verworfen ist, wird sein Reich erst in Besitz nehmen können, nachdem Er sein Herrschaftsgebiet von allen Flecken gereinigt hat. Aber – und das geht auch aus dem Gleichnis von den zehn Pfunden deutlich hervor – wenn Er bald König sein wird, werden wir mit Ihm regieren. Jetzt sind wir noch Knechte, aber bald wird der König zu denen, die Ihm gut gedient haben, sagen: „Habe Gewalt …!“ (Lk 19,17). Mit Ihm werden wir herrschen (2Tim 2,12 „wenn wir ausharren, so werden wir auch mitherrschen; wenn wir verleugnen werden, so wird auch er uns verleugnen;“); mit Ihm werden wir auf seinem Thron sitzen (Off 3,21 „Wer überwindet, dem werde ich geben, mit mir auf meinem Thron zu sitzen, wie auch ich überwunden und mich mit meinem Vater gesetzt habe auf seinen Thron.“); mit Ihm werden wir die Welt und sogar die gefallenen Engel richten (1Kor 6,2-3 (2) Oder wisst ihr nicht, dass die Heiligen die Welt richten werden? Und wenn durch euch die Welt gerichtet wird, seid ihr unwürdig, über die geringsten Dinge zu richten? (3) Wisst ihr nicht, dass wir Engel richten werden, geschweige denn Dinge dieses Lebens?“). Solange der König verworfen ist, sind wir seine Knechte; wenn Er wiederkommt, werden wir seine Mitregenten sein.

Die Verkündigung des Reiches

Nachdem die Verwerfung des Herrn in seinem Tod am Kreuz ihren Höhepunkt erreicht hatte, wurde die Verkündigung des Reiches Gottes fortgesetzt. Zwar war es nicht mehr die Botschaft, dass das Reich Gottes nahe gekommen sei (wie in Mt 3,2; 4,17; 10,7 (3:2) und spricht: Tut Buße, denn das Reich der Himmel ist nahe gekommen.“ „(4:17) Von da an begann Jesus zu predigen und zu sagen: Tut Buße, denn das Reich der Himmel ist nahe gekommen.“ „(10:7) Geht aber hin, predigt und sprecht: Das Reich der Himmel ist nahe gekommen.“; Mk 1,15 „und sprach: Die Zeit ist erfüllt, und das Reich Gottes ist nahe gekommen. Tut Buße und glaubt an das Evangelium.“; Lk 10,9.11; 21,21 (10:9) und heilt die Kranken darin und sprecht zu ihnen: Das Reich Gottes ist nahe zu euch gekommen.“ „(10:11) Auch den Staub, der uns aus eurer Stadt an den Füßen haftet, schütteln wir gegen euch ab; doch dieses wisst, dass das Reich Gottes nahe gekommen ist.“ „(21:21) Dann sollen die, die in Judäa sind, in die Berge fliehen, und die, die in ihrer Mitte sind, sollen hinausziehen, und die, die auf dem Land sind, sollen nicht in sie hineingehen.“) – denn das Reich war da; es würde nun jedoch vorübergehend eine ganz andere Form annehmen. Dennoch ließen die Apostel das Thema des Reiches nicht ruhen. Es ging schließlich nicht nur darum, den Menschen zu verkünden, dass Jesus der Heiland war, sondern auch, dass Er der Herr war (Apg 2,36 „Das ganze Haus Israel wisse nun zuverlässig, dass Gott ihn sowohl zum Herrn als auch zum Christus gemacht hat, diesen Jesus, den ihr gekreuzigt habt.“)! Daran änderte auch seine Verwerfung durch die Welt nichts. Seine Autorität musste verkündet werden; und jeder, der Jesus als Herrn bekannte und dies durch die Taufe öffentlich bezeugte, stellte sich damit unter seine Autorität und trat sozusagen in den Machtbereich des Reiches ein (siehe z.B. Apg 8,12-13 (12) Als sie aber Philippus glaubten, der das Evangelium von dem Reich Gottes und dem Namen Jesu Christi verkündigte, wurden sie getauft, sowohl Männer als Frauen. (13) Aber auch Simon selbst glaubte, und als er getauft war, hielt er sich zu Philippus; und als er die Zeichen und großen Wunderwerke sah, die geschahen, geriet er außer sich.“).

Wir müssen daher vorsichtig sein, wenn wir sagen, dass Christus nicht unser König ist. Zwar nennt die Schrift Ihn nirgendwo bei diesem Namen, wenn es um unsere Beziehung zu Ihm geht – aber andererseits ist unsere Stellung in dieser Welt gerade die Unterordnung unter seine Autorität! Während die ganze Welt seine Autorität ablehnt, nehmen wir als Christen diese Autorität an. Und genau das ist mit dem Reich Gottes gemeint.

In seiner Rede, die der Apostel Paulus in Milet vor den Ältesten von Ephesus hielt, legte er dar, dass sein Dienst in ihrer Mitte aus drei Teilen bestanden habe:

  1. Er hatte „sowohl Juden als auch Griechen die Buße zu Gott und den Glauben an unseren Herrn Jesus Christus bezeugt“. Das war „das Evangelium der Gnade Gottes“ (Apg 20,21.24).
  2. Darüber hinaus hatte er jedoch das Reich Gottes gepredigt (Apg 20,25 „Und nun siehe, ich weiß, dass ihr alle, unter denen ich, das Reich predigend, umhergegangen bin, mein Angesicht nicht mehr sehen werdet.“): Er hatte den Ephesern erklärt, welche Stellung sie nun auf der Erde nach ihrer Bekehrung einnahmen und wie sie unter der Herrschaft Christi standen. Ihm mussten sie gehorchen, Ihm mussten sie in der täglichen Praxis ihres Glaubenslebens dienen.
  3. Drittens hatte der Apostel den Ephesern „den ganzen Ratschluss Gottes“ verkündet (Apg 20,27 „denn ich habe nicht zurückgehalten, euch den ganzen Ratschluss Gottes zu verkündigen.“). Diese Lehre ist uns im Epheserbrief bewahrt geblieben (siehe z.B. Eph 1,9-12.20-23; 2,7-9.19-22; 3,4-21).

Das Reich Gottes hat unmittelbar mit unserem täglichen Leben auf dieser Erde zu tun. Wir dürfen dieses Thema nicht vernachlässigen, sonst fügen wir unserem Glaubensleben Schaden zu. Es ist nicht gut, wenn wir nur an das Werk denken, das Christus für uns vollbracht hat, und nur an die ewigen Ratschlüsse Gottes zu unseren Gunsten. Wenn wir in unserem Lebenswandel nachlässig werden, wird dies zu unermesslichem geistlichem Schaden für uns selbst und zu großer Schande für den Namen des Herrn führen. Deshalb predigten die Apostel (und ihre Mitarbeiter; siehe Kol 4,11 „und Jesus, genannt Justus, die aus der Beschneidung sind. Diese allein sind Mitarbeiter am Reich Gottes, die mir ein Trost gewesen sind.“) das Reich Gottes. Siebenmal wird davon in der Apostelgeschichte gesprochen (Apg 1,3; 8,12; 14,22; 19,8; 20,25; 28,23.31 (1:3) denen er sich auch nach seinem Leiden in vielen sicheren Kennzeichen lebend dargestellt hat, indem er ihnen vierzig Tage hindurch erschien und über die Dinge redete, die das Reich Gottes betreffen.“ „(8:12) Als sie aber Philippus glaubten, der das Evangelium von dem Reich Gottes und dem Namen Jesu Christi verkündigte, wurden sie getauft, sowohl Männer als Frauen.“ „(14:22) und befestigten die Seelen der Jünger und ermahnten sie, im Glauben zu verharren, und dass wir durch viele Trübsale in das Reich Gottes eingehen müssen.“ „(19:8) Er ging aber in die Synagoge und sprach freimütig drei Monate lang, indem er sich unterredete und sie von den Dingen des Reiches Gottes überzeugte.“ „(20:25) Und nun siehe, ich weiß, dass ihr alle, unter denen ich, das Reich predigend, umhergegangen bin, mein Angesicht nicht mehr sehen werdet.“ „(28:23) Als sie ihm aber einen Tag bestimmt hatten, kamen mehrere zu ihm in die Herberge, denen er die Wahrheit auslegte, indem er das Reich Gottes bezeugte und sie zu überzeugen suchte von Jesus, sowohl aus dem Gesetz Moses als auch den Propheten, von frühmorgens bis zum Abend.“ „(28:31) und predigte das Reich Gottes und lehrte mit aller Freimütigkeit ungehindert die Dinge, die den Herrn Jesus Christus betreffen.“).

Und die Ergebnisse? Gottes Geist wirkte auf großartige Weise. In Ephesus zum Beispiel war es überdeutlich, wie die Verkündigung des Reiches Gottes durch Paulus gewirkt hatte. War nicht die Tatsache, dass die Christen ihre okkulten Bücher (im Wert von 50.000 Silberstücken!) zusammenbrachten und verbrannten (s. Apg 19,19 „Viele aber von denen, die Zauberei getrieben hatten, trugen die Bücher zusammen und verbrannten sie vor allen; und sie berechneten deren Wert und kamen auf fünfzigtausend Stück Silber.“; vgl. Apg 19,9 „Als aber einige sich verhärteten und nicht glaubten und vor der Menge schlecht redeten von dem Weg, trennte er sich von ihnen und sonderte die Jünger ab, indem er sich täglich in der Schule des Tyrannus unterredete.“), ein mächtiger Beweis dafür, dass der Herr die Macht über ihr Leben erhalten hatte? In der Tat: Dadurch „wuchs das Wort des Herrn mit Macht und nahm überhand“ (Apg 19,20).

Nicht in Worten, sondern in Kraft

Als Gläubige können wir oft sehr schön reden. Aber im Reich Gottes kommt es darauf nicht an. Dort geht es um unsere Taten, um unsere Nachfolge Christi, um das Jüngersein. Ebendas sollte das Kennzeichen aller Christen sein: Jünger und Nachfolger des Meisters im Reich Gottes. Sehr oft wird Jüngerschaft mit dem Reich Gottes in Verbindung gebracht. Ich nenne nur einige Beispiele:

  • Als Barnabas und Paulus in Lystra, Ikonium und Antiochien über das Reich Gottes sprechen, heißt es, dass sie „viele zu Jüngern gemacht hatten“ (Apg 14,21-22). 
  • In seiner Predigt in Ephesus sprach Paulus über das Reich Gottes, und dann heißt es, dass er die Jünger absonderte (Apg 19,8-9 (8) Er ging aber in die Synagoge und sprach freimütig drei Monate lang, indem er sich unterredete und sie von den Dingen des Reiches Gottes überzeugte. (9) Als aber einige sich verhärteten und nicht glaubten und vor der Menge schlecht redeten von dem Weg, trennte er sich von ihnen und sonderte die Jünger ab, indem er sich täglich in der Schule des Tyrannus unterredete.“). In seiner bereits erwähnten Rede in Milet warnte er, dass „Männer aufstehen würden, die verkehrte Dinge redeten, um die Jünger abzuziehen hinter sich her (Apg 20,30 „Und aus euch selbst werden Männer aufstehen, die verkehrte Dinge reden, um die Jünger abzuziehen hinter sich her.“); vgl. Apg 20,25 „Und nun siehe, ich weiß, dass ihr alle, unter denen ich, das Reich predigend, umhergegangen bin, mein Angesicht nicht mehr sehen werdet.“).

Reden ist leicht, aber es kommt auf die praktische Nachfolge an:

  • 1Kor 4,20: Das Reich Gottes besteht nicht im Wort, sondern in Kraft.

Und dabei geht es nicht um äußere Dinge. In Römer 14 legt Paulus dar, dass man als Christ unterschiedlicher Meinung darüber sein kann, ob man bestimmte Dinge tun soll oder nicht. Natürlich sind manche Dinge für alle ohne Weiteres falsch, wie zum Beispiel Hurerei; aber es gibt auch „strittige Überlegungen“ (Röm 14,1), über die man unterschiedlicher Meinung sein kann. Ob man zum Beispiel bestimmte Feiertage einhält oder nicht (Röm 14,6 „Wer den Tag achtet, achtet ihn dem Herrn. Und wer isst, isst dem Herrn, denn er danksagt Gott; und wer nicht isst, isst dem Herrn nicht und danksagt Gott.“), ist eine Frage, die jeder für sich selbst nach seinem Gewissen entscheiden muss. Wir dürfen einander wegen solcher Dinge nicht verurteilen, sondern müssen vielmehr auf die Schwächen des anderen Rücksicht nehmen.

„Das Reich Gottes ist nicht Essen und Trinken, sondern Gerechtigkeit und Friede und Freude im Heiligen Geist“ (Röm 14,17). Es geht um moralische Fragen, um gerechtes Handeln in dieser Welt, um inneren Frieden und auch um Frieden untereinander, um Freude im Glaubensleben – und das alles durch die Kraft des Heiligen Geistes. Das ist Dienst für Christus (Röm 14,18 „Denn wer in diesem dem Christus dient, ist Gott wohlgefällig und den Menschen bewährt.“); das ist praktische Unterordnung unter seine Autorität; darin besteht das Reich Gottes.

Das Reich des Sohnes seiner Liebe

Dass wir uns im Reich Gottes befinden, bedeutet also, dass wir dem König gehorchen müssen. Aus Römer 14 geht hervor, dass dieser Gehorsam jedoch kein Kadavergehorsam ist. Es ist nicht der Gehorsam des Gesetzes: „Du sollst, du sollst nicht, du sollst nicht …“ Das zeigt sich sehr schön in dem wunderbaren Ausdruck „das Reich des Sohnes seiner Liebe“ (Kol 1,13). Wir sind mit dem Sohn der Liebe Gottes verbunden, den wir als unseren Erlöser kennen. In Ihm haben wir die Erlösung, die Vergebung der Sünden (Kol 1,14 „in dem wir die Erlösung haben, die Vergebung der Sünden;“), ja, wir haben alles in Ihm: „Ihr seid vollendet in ihm“ (Kol 2,10).

Mehr als in jedem anderen Brief schildert der Apostel Paulus im Brief an die Kolosser die persönliche Herrlichkeit Jesu Christi, des Schöpfers und Erhalters aller Dinge, in dem die ganze Fülle Gottes wohnt und der uns durch das Blut seines Kreuzes bereits versöhnt hat und einmal alle Dinge versöhnen wird (Kol 1,15-21). Im Licht dieser Herrlichkeit ergeht der Aufruf an uns, „würdig des Herrn zu wandeln zu allem Wohlgefallen, in jedem guten Werk Frucht bringend und wachsend durch die Erkenntnis Gottes, gekräftigt mit aller Kraft nach der Macht seiner Herrlichkeit, zu allem Ausharren und aller Langmut mit Freuden“ (Kol 1,10-11). Das ist kein sklavischer Dienst. Es muss uns eine Freude sein, Ihm auf der Erde zu dienen – Ihm, der uns so mit sich verbunden und uns zu Teilhabern seiner eigenen Herrlichkeit gemacht hat.

Das Reich Gottes und die Gemeinde

Wir haben also gesehen, dass das Reich Gottes in dieser Zeit eine geistliche Wirklichkeit ist. Alle, die Jesus als Herrn bekennen – und das, obwohl die Welt derzeit seine Königsherrschaft ablehnt –, sind Teil davon. Grob gesagt besteht das Reich also aus der Christenheit, denn jeder, der sich Christ nennt, bekennt – zumindest mit dem Mund – die Autorität des Herrn. Wir haben jedoch in Matthäus 13 auch gelesen, dass im Reich Unkraut unter den Weizen gesät werden würde und dass das Verderben schließlich wie Sauerteig das ganze Reich durchdringen würde. Erst in der Vollendung des Zeitalters werden die Bösen von den Gerechten getrennt werden.

An dieser Stelle ist es wichtig, kurz auf den Unterschied zwischen dem Reich Gottes und der Gemeinde hinzuweisen. Denn die Gemeinde erhält ausdrücklich den Befehl, die Bösen aus ihrer Mitte hinauszutun (1Kor 5,13 „Die aber draußen sind, richtet Gott; tut den Bösen von euch selbst hinaus.“); und wenn es um die Gemeinde geht, werden wir durchaus dazu angehalten, uns von den falschen Dingen zu trennen, die wir innerhalb der Christenheit vorfinden (2Tim 2,19-22 (19) Doch der feste Grund Gottes steht und hat dieses Siegel: Der Herr kennt die sein sind; und: Jeder, der den Namen des Herrn nennt, stehe ab von der Ungerechtigkeit! (20) In einem großen Haus aber sind nicht allein goldene und silberne Gefäße, sondern auch hölzerne und irdene, und die einen zur Ehre, die anderen aber zur Unehre. (21) Wenn nun jemand sich von diesen reinigt, so wird er ein Gefäß zur Ehre sein, geheiligt, nützlich dem Hausherrn, zu jedem guten Werk bereitet. (22) Die jugendlichen Begierden aber fliehe; strebe aber nach Gerechtigkeit, Glauben, Liebe, Frieden mit denen, die den Herrn anrufen aus reinem Herzen.“). Für das Reich Gottes gilt jedoch der Befehl, den der Herr der Ernte seinen Knechten gegeben hat: „Lasst beides [das Unkraut und den Weizen] zusammen wachsen bis zur Ernte“ (Mt 13,30). Das Reich Gottes umfasst leider viel mehr als nur wahre Gläubige. Die Gemeinde ist sozusagen ein kleiner Kreis innerhalb des viel größeren Kreises des Reiches;[4] sie besteht aus allen wahren Gläubigen. Leider ist von der Gemeinde nicht viel mehr zu sehen. Aber alle, die inmitten einer gespaltenen Christenheit in Gehorsam gegenüber Gottes Wort dennoch die Einheit der Gemeinde erleben und ausdrücken wollen, indem sie das Abendmahl des Herrn an seinem Tisch feiern; alle, die auch heute die Vorschriften Gottes über die Ordnung der Gemeinde befolgen wollen – all diese Gläubigen müssen beachten, was Gottes Wort unter anderem in 1. Korinther 5 sagt: Im Haus Gottes, der Gemeinde, muss die Zucht aufrechterhalten werden.

Andererseits werden Gläubige nicht versuchen, den Zustand im Reich Gottes, in der Christenheit im Allgemeinen, zu verbessern. Nicht nur, weil das unmöglich ist, sondern auch, weil der Herr selbst gesagt hat, dass Weizen und Unkraut bis zur Ernte zusammen wachsen sollen. Wir würden Chaos anrichten, wenn wir versuchten, das Unkraut aus der Christenheit zu entfernen; wir könnten uns leicht irren und beim Sammeln des Unkrauts versehentlich auch den Weizen ausreißen. Bald wird das geschehen; dann wird „der Sohn des Menschen seine Engel aussenden, und sie werden aus seinem Reich alle Ärgernisse zusammenlesen und die, welche die Gesetzlosigkeit tun; und sie werden sie in den Feuerofen werfen: Dort wird das Weinen und das Zähneknirschen sein“ (Mt 13,41-42).

Das Reich der Himmel und das Reich Gottes

Es fällt auf, dass Matthäus fast immer den Ausdruck „Reich der Himmel“ verwendet (Mt 3,2; 4,17; 5,3.10.19-20; 7,21; 8,11; 10,7; 11,11-12; 13,11.24.31.33.44.47.52; 16,19; 18,1.3-4.23; 19,12.14.23; 20,1; 22,2; 23,13; 25,1 (3:2) und spricht: Tut Buße, denn das Reich der Himmel ist nahe gekommen.“ „(4:17) Von da an begann Jesus zu predigen und zu sagen: Tut Buße, denn das Reich der Himmel ist nahe gekommen.“ „(5:3) Glückselig die Armen im Geist, denn ihrer ist das Reich der Himmel.“ „(5:10) Glückselig die um der Gerechtigkeit willen Verfolgten, denn ihrer ist das Reich der Himmel.“ „(5:19) Wer irgend nun eins dieser geringsten Gebote auflöst und die Menschen so lehrt, wird der Geringste heißen im Reich der Himmel; wer irgend aber sie tut und lehrt, dieser wird groß heißen im Reich der Himmel. (5:20) Denn ich sage euch: Wenn eure Gerechtigkeit die der Schriftgelehrten und Pharisäer nicht bei weitem übersteigt, werdet ihr nicht in das Reich der Himmel eingehen.“ „(7:21) Nicht jeder, der zu mir sagt: „Herr, Herr!“, wird in das Reich der Himmel eingehen, sondern wer den Willen meines Vaters tut, der in den Himmeln ist.“ „(8:11) Ich sage euch aber, dass viele von Osten und Westen kommen und mit Abraham und Isaak und Jakob zu Tisch liegen werden in dem Reich der Himmel,“ „(10:7) Geht aber hin, predigt und sprecht: Das Reich der Himmel ist nahe gekommen.“ „(11:11) Wahrlich, ich sage euch: Unter den von Frauen Geborenen ist kein Größerer aufgestanden als Johannes der Täufer; der Kleinste aber im Reich der Himmel ist größer als er. (11:12) Aber von den Tagen Johannes’ des Täufers an bis jetzt wird dem Reich der Himmel Gewalt angetan, und Gewalttuende reißen es an sich.“ „(13:11) Er aber antwortete und sprach zu ihnen: Weil es euch gegeben ist, die Geheimnisse des Reiches der Himmel zu erkennen, ihnen aber ist es nicht gegeben;“ „(13:24) Ein anderes Gleichnis legte er ihnen vor und sprach: Das Reich der Himmel ist einem Menschen gleich geworden, der guten Samen auf seinen Acker säte.“ „(13:31) Ein anderes Gleichnis legte er ihnen vor und sprach: Das Reich der Himmel ist gleich einem Senfkorn, das ein Mensch nahm und auf seinen Acker säte,“ „(13:33) Ein anderes Gleichnis redete er zu ihnen: Das Reich der Himmel ist gleich einem Sauerteig, den eine Frau nahm und unter drei Maß Mehl mengte, bis es ganz durchsäuert war.“ „(13:44) Das Reich der Himmel ist gleich einem im Acker verborgenen Schatz, den ein Mensch fand und verbarg; und vor Freude darüber geht er hin und verkauft alles, was er hat, und kauft jenen Acker.“ „(13:47) Wiederum ist das Reich der Himmel gleich einem Netz, das ins Meer geworfen wurde und Fische von jeder Art zusammenbrachte,“ „(13:52) Er aber sprach zu ihnen: Darum ist jeder Schriftgelehrte, der im Reich der Himmel unterrichtet ist, gleich einem Hausherrn, der aus seinem Schatz Neues und Altes hervorbringt.“ „(16:19) Ich werde dir die Schlüssel des Reiches der Himmel geben; und was irgend du auf der Erde binden wirst, wird in den Himmeln gebunden sein, und was irgend du auf der Erde lösen wirst, wird in den Himmeln gelöst sein.“ „(18:1) In jener Stunde traten die Jünger zu Jesus und sprachen: Wer ist denn der Größte im Reich der Himmel?“ „(18:3) und sprach: Wahrlich, ich sage euch, wenn ihr nicht umkehrt und werdet wie die Kinder, so werdet ihr nicht in das Reich der Himmel eingehen. (18:4) Darum, wer irgend sich selbst erniedrigen wird wie dieses Kind, der ist der Größte im Reich der Himmel;“ „(18:23) Deswegen ist das Reich der Himmel einem König gleich geworden, der mit seinen Knechten Abrechnung halten wollte.“ „(19:12) denn es gibt Verschnittene, die von Mutterleib so geboren sind; und es gibt Verschnittene, die von den Menschen verschnitten worden sind; und es gibt Verschnittene, die sich selbst verschnitten haben um des Reiches der Himmel willen. Wer es zu fassen vermag, der fasse es.“ „(19:14) Jesus aber sprach: Lasst die Kinder und wehrt ihnen nicht, zu mir zu kommen, denn solcher ist das Reich der Himmel.“ „(19:23) Jesus aber sprach zu seinen Jüngern: Wahrlich, ich sage euch: Schwerlich wird ein Reicher in das Reich der Himmel eingehen.“ „(20:1) Denn das Reich der Himmel ist gleich einem Hausherrn, der frühmorgens ausging, um Arbeiter für seinen Weinberg anzuwerben.“ „(22:2) Das Reich der Himmel ist einem König gleich geworden, der seinem Sohn die Hochzeit ausrichtete.“ „(23:13) Wehe aber euch, Schriftgelehrte und Pharisäer, ihr Heuchler! Denn ihr verschließt das Reich der Himmel vor den Menschen; denn ihr geht nicht hinein, noch lasst ihr die hineingehen, die hineingehen wollen.“ „(25:1) Dann wird das Reich der Himmel zehn Jungfrauen gleich werden, die ihre Lampen nahmen und ausgingen, dem Bräutigam entgegen.“), während die anderen Evangelien gleichbleibend von „dem Reich Gottes“ sprechen.[5] Das ist natürlich nicht ohne Bedeutung. Der Sinn dieses Unterschieds ergibt sich aus zwei Tatsachen:

  1. In der Apostelgeschichte und in den Briefen kommt nur der Ausdruck „Reich Gottes“ vor; nirgendwo lesen wir dort vom Reich der Himmel. An diesen Textstellen geht es zweifellos um diesen Aspekt des Reiches, dass es das Reich Gottes ist, in dem die moralische Ordnung herrschen muss, die dem Wesen Gottes entspricht.
  2. In einigen Stellen in Matthäus ist vom „Reich Gottes“ die Rede (Mt 6,33; 12,28; 19,24; 21,31 (6:33) Trachtet aber zuerst nach dem Reich Gottes und nach seiner Gerechtigkeit, und dies alles wird euch hinzugefügt werden.“ „(12:28) Wenn ich aber durch den Geist Gottes die Dämonen austreibe, so ist also das Reich Gottes zu euch gekommen.“ „(19:24) Wiederum aber sage ich euch: Es ist leichter, dass ein Kamel durch ein Nadelöhr hindurchgehe, als dass ein Reicher in das Reich Gottes eingehe.“ „(21:31) Wer von den beiden hat den Willen des Vaters getan? Sie sagen: Der Erste. Jesus spricht zu ihnen: Wahrlich, ich sage euch, dass die Zöllner und die Huren euch vorangehen in das Reich Gottes.“). Aus dem Zusammenhang geht hervor, dass es dabei ebenfalls um das Reich in seinen moralischen, geistlichen Aspekten geht.

Der Ausdruck „Reich der Himmel“ bezeichnet vielmehr die himmlischen Grundsätze, auf denen das Reich gegründet werden sollte. Gerade im Matthäusevangelium, wo sich der Herr Israel als Messias vorstellt, ist dies angebracht. Die Juden erwarteten ein irdisches Reich, und das zu Recht. Sie glaubten jedoch auch, dass dieses Reich auf rein irdischen Grundsätzen beruhte – und genau das war der Grund, warum sie den König verwarfen, denn Er wollte himmlische Grundsätze in sein Reich einführen (siehe z.B. Mt 5,12.16.45.48; 6,1.9.14.19-21.26.32; 7,11.21 (5:12) Freut euch und frohlockt, denn euer Lohn ist groß in den Himmeln; denn ebenso haben sie die Propheten verfolgt, die vor euch waren.“ „(5:16) Ebenso lasst euer Licht leuchten vor den Menschen, damit sie eure guten Werke sehen und euren Vater, der in den Himmeln ist, verherrlichen.“ „(5:45) damit ihr Söhne eures Vaters werdet, der in den Himmeln ist; denn er lässt seine Sonne aufgehen über Böse und Gute und lässt regnen über Gerechte und Ungerechte.“ „(5:48) Ihr nun sollt vollkommen sein, wie euer himmlischer Vater vollkommen ist.“ „(6:1) Habt aber acht, dass ihr eure Gerechtigkeit nicht vor den Menschen übt, um euch vor ihnen sehen zu lassen, sonst habt ihr keinen Lohn bei eurem Vater, der in den Himmeln ist.“ „(6:9) Betet ihr nun so: Unser Vater, der du bist in den Himmeln, geheiligt werde dein Name;“ „(6:14) Denn wenn ihr den Menschen ihre Vergehungen vergebt, wird euer himmlischer Vater auch euch vergeben;“ „(6:19) Sammelt euch nicht Schätze auf der Erde, wo Motte und Rost zerstören und wo Diebe einbrechen und stehlen; (6:20) sammelt euch aber Schätze im Himmel, wo weder Motte noch Rost zerstören und wo Diebe nicht einbrechen und nicht stehlen; (6:21) denn wo dein Schatz ist, da wird auch dein Herz sein.“ „(6:26) Seht hin auf die Vögel des Himmels, dass sie nicht säen noch ernten, noch in Scheunen sammeln, und euer himmlischer Vater ernährt sie doch. Seid ihr nicht viel vorzüglicher als sie?“ „(6:32) Denn nach all diesem trachten die Nationen; denn euer himmlischer Vater weiß, dass ihr dies alles nötig habt.“ „(7:11) Wenn nun ihr, die ihr böse seid, euren Kindern gute Gaben zu geben wisst, wie viel mehr wird euer Vater, der in den Himmeln ist, denen Gutes geben, die ihn bitten!“ „(7:21) Nicht jeder, der zu mir sagt: „Herr, Herr!“, wird in das Reich der Himmel eingehen, sondern wer den Willen meines Vaters tut, der in den Himmeln ist.“).

Einige haben freilich suggeriert, das Reich der Himmel sei größer als das Reich Gottes; das Reich Gottes würde dann nur wahre Gläubige umfassen. Dafür werden zwei Argumente angeführt:

  1. Erstens wird darauf hingewiesen, dass das Gleichnis vom Unkraut auf dem Acker zwar bei Matthäus, nicht aber bei Markus und Lukas vorkomme. Die Schlussfolgerung wäre dann, dass im Reich Gottes nicht (wie im Reich der Himmel) Gläubige mit Ungläubigen, Unkraut mit Weizen vermischt seien. Dieses Argument ist jedoch nicht stichhaltig. Auch in den Gleichnissen bei Markus und Lukas nimmt das Senfkorn größere Ausmaße an als normal, was darauf hindeutet, dass das Reich Gottes mehr umfasst, als beabsichtigt war. Sowohl bei Markus als auch bei Lukas (Mk 4,3-20; Lk 8,5-15) finden wir außerdem das Gleichnis vom Sämann. Auch dort ist von Menschen die Rede, die „nicht glauben und nicht errettet werden“ (Lk 8,12) und „in der Zeit der Versuchung abfallen“ (Lk 8,13).

  2. Ein zweites Argument basiert im Wesentlichen auf Johannes 3,3.5: „Wenn jemand nicht von neuem geboren wird, so kann er das Reich Gottes nicht sehen. … Wenn jemand nicht aus Wasser und Geist geboren wird, so kann er nicht in das Reich Gottes eingehen.“ Daraus wird geschlossen, nur von neuem geborene Menschen befänden sich im Reich Gottes. Bei näherer Betrachtung ist diese Schlussfolgerung jedoch zu voreilig:

    1. Bei der Verkündigung des Reiches Gottes und des Reiches der Himmel wird immer gesagt, dass nicht jeder hineingehen kann; niemals wird das Reich Gottes so gepredigt, als ob eine äußere Form ausreichen würde, um hineinzukommen. „Wenn ihr nicht umkehrt und werdet wie die Kinder, so werdet ihr nicht in das Reich der Himmel eingehen“ (Mt 18,3; siehe auch Mt 5,20; 7,21; 11,12; 19,23; 23,13 (5:20) Denn ich sage euch: Wenn eure Gerechtigkeit die der Schriftgelehrten und Pharisäer nicht bei weitem übersteigt, werdet ihr nicht in das Reich der Himmel eingehen.“ „(7:21) Nicht jeder, der zu mir sagt: „Herr, Herr!“, wird in das Reich der Himmel eingehen, sondern wer den Willen meines Vaters tut, der in den Himmeln ist.“ „(11:12) Aber von den Tagen Johannes’ des Täufers an bis jetzt wird dem Reich der Himmel Gewalt angetan, und Gewalttuende reißen es an sich.“ „(19:23) Jesus aber sprach zu seinen Jüngern: Wahrlich, ich sage euch: Schwerlich wird ein Reicher in das Reich der Himmel eingehen.“ „(23:13) Wehe aber euch, Schriftgelehrte und Pharisäer, ihr Heuchler! Denn ihr verschließt das Reich der Himmel vor den Menschen; denn ihr geht nicht hinein, noch lasst ihr die hineingehen, die hineingehen wollen.“; vgl. weiter Mt 5,3.10; 19,14 (5:3) Glückselig die Armen im Geist, denn ihrer ist das Reich der Himmel.“ „(5:10) Glückselig die um der Gerechtigkeit willen Verfolgten, denn ihrer ist das Reich der Himmel.“ „(19:14) Jesus aber sprach: Lasst die Kinder und wehrt ihnen nicht, zu mir zu kommen, denn solcher ist das Reich der Himmel.“). Dass später dennoch Böses hineingeschlichen ist, war nie Gottes Absicht. Niemals hat Gott die Tür zum Reich ausdrücklich für Nichtwiedergeborene geöffnet!

    2. Die Frage ist außerdem, was es eigentlich bedeutet, „in das Reich Gottes einzugehen“. Es ist noch gar nicht sicher, dass dies in Johannes 3 auf diese Zeit hinweist. 

      Aus Apostelgeschichte 14,22 „und befestigten die Seelen der Jünger und ermahnten sie, im Glauben zu verharren, und dass wir durch viele Trübsale in das Reich Gottes eingehen müssen.“ („durch viele Trübsale in das Reich Gottes eingehen“) folgt, dass „in das Reich Gottes eingehen“ manchmal eine viel weitergehende Bedeutung hat, als in dieser Zeit Teil des Reiches Gottes zu sein. Die Menschen, zu denen Paulus und Barnabas sprachen, erfüllten die Bedingung aus Johannes 3: Sie waren von neuem geboren. Aber um tatsächlich „einzugehen“, wenn „das Reich der Welt unseres Herrn und seines Christus“ gekommen wäre (Off 11,15 „Und der siebte Engel posaunte: Und es geschahen laute Stimmen in dem Himmel, die sprachen: Das Reich der Welt unseres Herrn und seines Christus ist gekommen, und er wird herrschen von Ewigkeit zu Ewigkeit.“), mussten sie (und wir) zuerst durch Leiden gehen. „Wenn wir leiden[6], werden wir auch mitherrschen“ (2Tim 2,12). Als der Herr mit Nikodemus sprach, konnte diese Unterscheidung noch nicht getroffen werden, da das Reich noch nicht die Zwischenform angenommen hatte, die es heute hat. 

    3. Die Verse in 1. Korinther 5,10; 15,50 (5:10) nicht durchaus mit den Hurern dieser Welt oder den Habsüchtigen und Räubern oder Götzendienern, sonst müsstet ihr ja aus der Welt hinausgehen.“ „(15:50) Dies aber sage ich, Brüder, dass Fleisch und Blut das Reich Gottes nicht erben können, auch die Verwesung nicht die Unverweslichkeit erbt.“ sowie in Epheser 5,5 „Denn dieses wisst und erkennt ihr, dass kein Hurer oder Unreiner oder Habsüchtiger (der ein Götzendiener ist) ein Erbteil hat in dem Reich Christi und Gottes.“ (die oft ebenfalls angeführt werden) beziehen sich ebenso auf das zukünftige Erbe im Reich Gottes. Es ist klar, dass ein Unzüchtiger usw. kein Miterbe Christi sein kann. Dies gilt nur für wahre Gläubige, die abgewaschen sind (1Kor 6,11 „Und solches sind einige von euch gewesen; aber ihr seid abgewaschen, aber ihr seid geheiligt, aber ihr seid gerechtfertigt worden in dem Namen des Herrn Jesus und durch den Geist unseres Gottes.“). Auf diesen zukünftigen Aspekt müssen wir noch näher eingehen.

Die Zukunft des Reiches

Der König wird nicht immer verworfen bleiben. Das Reich Gottes wird nicht ewig in der verborgenen Form fortbestehen, in der es jetzt existiert. Die Ankunft des Reiches in Kraft und Herrlichkeit ist jetzt nicht unser Thema, aber wir gehen dennoch kurz darauf ein. Wir haben dies bereits zuvor angesprochen: Der „hochgeborene Mann“ (der Herr Jesus), der in ein fernes Land gereist ist, um ein Reich für sich zu empfangen, wird zurückkehren (Lk 19,12 „Er sprach nun: Ein gewisser hochgeborener Mann zog in ein fernes Land, um ein Reich für sich zu empfangen und wiederzukommen.“). Und uns, die wir glauben, ist „der Eingang in das ewige Reich unseres Herrn Jesus Christus“ verheißen (2Pet 1,11 „Denn so wird euch reichlich dargereicht werden der Eingang in das ewige Reich unseres Herrn und Heilandes Jesus Christus.“).

Wir werden darin unser Erbe empfangen (Mt 5,5 „Glückselig die Sanftmütigen, denn sie werden das Land erben.“; 1Kor 6,9-10; 15,50 (6:9) Oder wisst ihr nicht, dass Ungerechte das Reich Gottes nicht erben werden? Irrt euch nicht! Weder Hurer noch Götzendiener, noch Ehebrecher, noch Weichlinge, noch Knabenschänder, (6:10) noch Diebe, noch Habsüchtige, noch Trunkenbolde, noch Schmäher, noch Räuber werden das Reich Gottes erben.“ „(15:50) Dies aber sage ich, Brüder, dass Fleisch und Blut das Reich Gottes nicht erben können, auch die Verwesung nicht die Unverweslichkeit erbt.“; Gal 5,21 „Neid, [Totschlag,] Trunkenheit, Gelage und dergleichen, von denen ich euch vorhersage, wie ich [auch] vorhergesagt habe, dass die, die so etwas tun, das Reich Gottes nicht erben werden.“; Eph 1,14.18; 5,5 (1:14) der das Unterpfand unseres Erbes ist, zur Erlösung des erworbenen Besitzes, zum Preise seiner Herrlichkeit.“ „(1:18) damit ihr, erleuchtet an den Augen eures Herzens, wisst, welches die Hoffnung seiner Berufung ist, welches der Reichtum der Herrlichkeit seines Erbes in den Heiligen“ „(5:5) Denn dieses wisst und erkennt ihr, dass kein Hurer oder Unreiner oder Habsüchtiger (der ein Götzendiener ist) ein Erbteil hat in dem Reich Christi und Gottes.“; Kol 3,24 „da ihr wisst, dass ihr vom Herrn die Vergeltung des Erbes empfangen werdet; ihr dient dem Herrn Christus.“; Heb 9,15 „Und darum ist er Mittler eines neuen Bundes, damit, da der Tod stattgefunden hat zur Erlösung von den Übertretungen unter dem ersten Bund, die Berufenen die Verheißung des ewigen Erbes empfingen.“; Off 21,7 „Wer überwindet, wird dieses erben, und ich werde ihm Gott sein, und er wird mir Sohn sein.“). Die Schrift nennt uns „Erben“ (Röm 8,17; Gal 3,29; 4,1.7 (3:29) Wenn ihr aber Christi seid, so seid ihr denn Abrahams Nachkommen und nach Verheißung Erben.“ „(4:1) Ich sage aber: Solange der Erbe unmündig ist, unterscheidet er sich in nichts von einem Knecht, obwohl er Herr ist von allem;“ „(4:7) Also bist du nicht mehr Knecht, sondern Sohn; wenn aber Sohn, so auch Erbe durch Gott.“; Tit 3,7 „damit wir, gerechtfertigt durch seine Gnade, Erben würden nach der Hoffnung des ewigen Lebens.“; Jak 2,5 „Hört, meine geliebten Brüder: Hat Gott nicht die weltlich Armen auserwählt, reich zu sein im Glauben, und zu Erben des Reiches, das er denen verheißen hat, die ihn lieben?“). Wir sind Miterben Christi (Röm 8,17 „Wenn aber Kinder, so auch Erben – Erben Gottes und Miterben Christi, wenn wir nämlich mitleiden, damit wir auch mitverherrlicht werden.“), weil Christus selbst der wahre Erbe ist (Mt 21,38 „Als aber die Weingärtner den Sohn sahen, sprachen sie untereinander: Dieser ist der Erbe; kommt, lasst uns ihn töten und sein Erbe in Besitz nehmen!“; Mk 12,7 „Jene Weingärtner aber sprachen zueinander: Dieser ist der Erbe; kommt, lasst uns ihn töten, und das Erbe wird unser sein.“; Lk 20,14 „Als aber die Weingärtner ihn sahen, überlegten sie miteinander und sagten: Dieser ist der Erbe; [kommt,] lasst uns ihn töten, damit das Erbe unser werde.“; Heb 1,2 „hat er am Ende dieser Tage zu uns geredet im Sohn, den er gesetzt hat zum Erben aller Dinge, durch den er auch die Welten gemacht hat;“). Das Lamm, das geschlachtet ist, der Löwe aus dem Stamm Juda, der überwunden hat, wird bald das Erbe aus Gottes Hand empfangen (Off 5,11-14 (11) Und ich sah: Und ich hörte eine Stimme vieler Engel um den Thron her und um die lebendigen Wesen und die Ältesten; und ihre Zahl war Zehntausende mal Zehntausende und Tausende mal Tausende, (12) die mit lauter Stimme sprachen: Würdig ist das Lamm, das geschlachtet worden ist, zu empfangen die Macht und Reichtum und Weisheit und Stärke und Ehre und Herrlichkeit und Segnung. (13) Und jedes Geschöpf, das in dem Himmel und auf der Erde und unter der Erde und auf dem Meer ist, und alles, was in ihnen ist, hörte ich sagen: Dem, der auf dem Thron sitzt, und dem Lamm die Segnung und die Ehre und die Herrlichkeit und die Macht von Ewigkeit zu Ewigkeit! (14) Und die vier lebendigen Wesen sprachen: Amen! Und die Ältesten fielen nieder und beteten an.“). Dann werden alle alttestamentlichen Prophezeiungen in voller Herrlichkeit erfüllt werden. Dann wird das Reich in seiner vollen Wirklichkeit realisiert werden. Christus wird herrschen und wir werden mit Ihm herrschen. Er ist der König, aber Er hat uns zu Königen gemacht (Off 1,6 „und uns gemacht hat zu einem Königtum, zu Priestern seinem Gott und Vater: Ihm sei die Herrlichkeit und die Macht von Ewigkeit zu Ewigkeit! Amen.“; vgl. 1Pet 2,9 „Ihr aber seid ein auserwähltes Geschlecht, eine königliche Priesterschaft, eine heilige Nation, ein Volk zum Besitztum, damit ihr die Tugenden dessen verkündigt, der euch berufen hat aus der Finsternis zu seinem wunderbaren Licht;“). „Viele von Osten und Westen kommen und werden mit Abraham und Isaak und Jakob zu Tisch liegen in dem Reich der Himmel“ (Mt 8,11).

Das ist eine großartige Aussicht! Doch Gott hat uns dies nicht nur offenbart, damit wir uns davon ermutigen lassen. Die Grundsätze, die der Herr Jesus bald seinem Reich zugrunde legen wird, sollten bereits jetzt Richtlinien für unser Leben sein, in dieser Zeit, in der das Reich noch in verborgener Form existiert und solange der König verworfen ist. Wenn wir beispielsweise bald die Welt richten werden, sind wir dann nicht in der Lage, die Uneinigkeit zu schlichten, die wir als Gläubige untereinander haben (1Kor 6,1-11)? Wenn wir wissen, dass „des HERRN die Erde und ihre Fülle“ ist – so steht es in Psalm 24,1 „Von David, ein Psalm.Des HERRN ist die Erde und ihre Fülle, der Erdkreis und die darauf wohnen.“, einem Psalm, der prophetisch auf das tausendjährige Friedensreich hinweist, wenn Gott die Erde als sein Eigentum für sich beanspruchen wird –, müssen wir dann noch ein Problem daraus machen, ob bestimmte Arten von Lebensmitteln für uns annehmbar sind oder nicht (1Kor 10,23-31)? Was auch immer wir tun, ob wir essen oder trinken oder etwas anderes tun – wir dürfen es bereits in dieser Zeit zur Ehre Gottes tun. In Gehorsam gegenüber dem Herrn können wir bereits jetzt die Grundsätze des Reiches, das erst später in voller Herrlichkeit auf Erden errichtet werden wird, verwirklichen.


Originaltitel: „4 – Het koninkrijk van God“
in Hemelburgers op Aarde: De levenspraktijk van christenen in deze wereld,
Vaasen: Medema, 1980, S. 49–73.

Übersetzung: Stephan Winterhoff

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Anmerkungen

[1] Darüber hinaus gibt es eine deutliche Parallele zwischen Matthäus 13 (die sieben Gleichnisse) und Offenbarung 2 und 3 (die sieben Gemeinden). In beiden Fällen geben alle drei Kapitel die Geschichte des Zeugnisses Gottes auf Erden wieder. Ich überlasse es dem Leser, diese Parallele zu entdecken; sie ist hier nicht Thema.

[2] Für diejenigen, die nur die übliche Auslegung dieses Gleichnisses kennen („der Sauerteig“ als Bild für die Kraft des Reiches, der als heiligendes und verbesserndes Prinzip die ganze Welt durchdringt), ist es vielleicht notwendig, darauf hinzuweisen, dass „Sauerteig“ in der Bibel überall ein Symbol für das Böse ist (siehe Mt 16,6.11-12 „Jesus aber sprach zu ihnen: Gebt acht und hütet euch vor dem Sauerteig der Pharisäer und Sadduzäer.“ „(11) Wie, versteht ihr nicht, dass ich euch nicht von Broten sagte: Hütet euch vor dem Sauerteig der Pharisäer und Sadduzäer? (12) Da verstanden sie, dass er nicht gesagt hatte, sich zu hüten vor dem Sauerteig der Brote, sondern vor der Lehre der Pharisäer und Sadduzäer.“; Lk 12,1 „Als sich unterdessen viele Tausende der Volksmenge versammelt hatten, so dass sie einander traten, fing er an, zu seinen Jüngern zu sagen, zuerst: Hütet euch vor dem Sauerteig der Pharisäer, der Heuchelei ist.“; 1Kor 5,6-8 (6) Euer Rühmen ist nicht gut. Wisst ihr nicht, dass ein wenig Sauerteig den ganzen Teig durchsäuert? (7) Fegt den alten Sauerteig aus, damit ihr ein neuer Teig seiet, wie ihr ungesäuert seid. Denn auch unser Passah, Christus, ist geschlachtet worden. (8) Darum lasst uns Festfeier halten, nicht mit altem Sauerteig, auch nicht mit Sauerteig der Bosheit und Schlechtigkeit, sondern mit Ungesäuertem der Lauterkeit und Wahrheit.“; Gal 5,9 „Ein wenig Sauerteig durchsäuert den ganzen Teig.“). Die traditionell calvinistische Erklärung findet sich unter anderem bei Dr. Herman Ridderbos, Korte verklaring van de Heilige Schrift. Mattheüs (1), Kampen: Kok, S. 261.

[3] Andere Ausleger sehen in dem Schatz im Acker das Volk Israel und in der kostbaren Perle die Gemeinde. Siehe Arno C. Gaebelein, Zie uw koning komt: Beschouwing over het Evangelie naar Mattheüs, Bd. I, Den Haag: J.N. Voorhoeve, 1954, S. 218.

[4] So auch Dr. Herman Ridderbos (1909–2007), De komst van het koninkrijk. Jezus’ prediking volgens de synoptische evangeliën, Kampen: J.H. Kok, 21972, S. 306–307.

[5] Ich lasse nun die anderen Ausdrücke wie „Reich des Vaters“ (Mt 6,10.33; 13,43; 26,29; Lk 11,2; 12,31 (11:2) Er sprach aber zu ihnen: Wenn ihr betet, so sprecht: Vater, geheiligt werde dein Name; dein Reich komme;“ „(12:31) Trachtet jedoch nach seinem Reich, und dies wird euch hinzugefügt werden.“) und „Reich des Sohnes“ (Mt 13,41; 16,28; 20,21; Lk 1,33; 22,29-30; 23,42 (1:33) und er wird über das Haus Jakobs herrschen in Ewigkeit, und sein Reich wird kein Ende haben.“ „(22:29) und ich bestimme euch, wie mein Vater mir bestimmt hat, ein Reich, (22:30) damit ihr esst und trinkt an meinem Tisch in meinem Reich und auf Thronen sitzt, um die zwölf Stämme Israels zu richten.“ „(23:42) Und er sprach zu Jesus: Gedenke meiner, Herr, wenn du in deinem Reich kommst!“; Eph 5,5 „Denn dieses wisst und erkennt ihr, dass kein Hurer oder Unreiner oder Habsüchtiger (der ein Götzendiener ist) ein Erbteil hat in dem Reich Christi und Gottes.“; 2Tim 4,1.18 „Ich bezeuge ernstlich vor Gott und Christus Jesus, der richten wird Lebende und Tote, und bei seiner Erscheinung und seinem Reich:“ „Der Herr wird mich retten von jedem bösen Werk und bewahren für sein himmlisches Reich; dem die Herrlichkeit sei von Ewigkeit zu Ewigkeit! Amen.“; Heb 1,8 „in Bezug auf den Sohn aber: „Dein Thron, o Gott, ist von Ewigkeit zu Ewigkeit, und das Zepter der Aufrichtigkeit ist das Zepter deines Reiches;“ [„Königtum“]; 2Pet 1,11 „Denn so wird euch reichlich dargereicht werden der Eingang in das ewige Reich unseres Herrn und Heilandes Jesus Christus.“; Off 11,15; 12,10 (11:15) Und der siebte Engel posaunte: Und es geschahen laute Stimmen in dem Himmel, die sprachen: Das Reich der Welt unseres Herrn und seines Christus ist gekommen, und er wird herrschen von Ewigkeit zu Ewigkeit.“ „(12:10) Und ich hörte eine laute Stimme in dem Himmel sagen: Nun ist das Heil und die Macht und das Reich unseres Gottes und die Gewalt seines Christus gekommen; denn hinabgeworfen ist der Verkläger unserer Brüder, der sie Tag und Nacht vor unserem Gott verklagte.“) unberücksichtigt.

[6] Anm. d. Red.: Die CSV-Elberfelder übersetzt hier mit „ausharren“.

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Note from the editors:

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